Kategorie: 2013-14-Amerika

  • den Äquator versäumt

    den Äquator versäumt

    Quito Album
    Ecuador 1 Album

    08.10. – 11.10.

    Landschaftlich ändert sich nicht viel in Ecuador. Ich cruise durch die sanfte Berglandschaft.
    Da nie ganz klar ist, wie lange es an der Grenze dauert, lege ich den ersten Zwischenstopp in Ibarra ein, bevor ich weiter nach Quito fahre.

    Auf dem Weg nach Quito überquere ich doch glatt den Äquator und merke es nicht mal, weil ich wieder auf Abwegen unterwegs bin. Aber ich werde beizeiten meine GPS Aufzeichnungen durchsehen, wo genau das war.

    Quito ist riesig. Wie uns Ovi aus dem „Community Hostel“, direkt in der Altstadt, erzählt, ca. 55 km lang und etwa 15 km breit, eingebettet in die Berge in einer Höhe von etwa 2.800m.

    Auf der Straße bietet ein Wunderheiler seinen Dienst feil. Durch Handauflegen möchte er Knochenbrüche und andere Krankheiten heilen können. Frauen in Trachten, die Textilien anbieten oder auf einfachen kleinen Grillern Wurst, Fleisch und Mais braten.

    Mit Ovi, der im Hostel arbeitet, unternehmen ein paar Leute eine Stadtführung. Eine abwechslungsreiche, relaxte Tour über Märkte, wo er uns über Spezialitäten des Landes aufklärt, historische Plätze, bis hin zu einem Candyshop, wo wir uns mit Süßigkeiten eindecken, bevor wir weiter in ein Kunstviertel wandern.

    Anscheinend werde ich die Höhe langsam gewohnt. Ich schaffe es mehrere Kilometer bergauf, bergab ohne einem Herzinfarkt nahe zu kommen. Mit der Seilbahn fahre ich auf 4.000 m Seehöhe. Von dort oben erhält man einen ungefähren Eindruck über die Größe der Stadt.
    Das Wetter kann in Quito sehr wechselhaft sein. Am Vormittag brennt die Sonne runter, innerhalb weniger Minuten ziehen dichte Wolken auf und es wird unangenehm kalt und beginnt zu hageln.

    Auch der Besuch der Basilica del Voto Nacional ist sehr zu empfehlen. Man kann hier durch die Eingeweide der Kirche die Türme hochklettern. Bei einem Turm führt eine eiserne Treppe außen hoch. Keine besondere Sicherung. So etwas wäre in Europa nicht möglich. Ich zögere, überwinde dann meine Höhenangst und klettere ebenfalls hoch.

    An einem der Abende machen wir mit Ovi eine Food Tour, bei der wir ein paar Snacks und Gerichte der einheimischen Küche probieren.

    Quito war wieder ein riesiger Spaß mit den vielen Leuten, Ovi, Stephanie, Tracy, Becky, Max, Robin, Peter, Stefania, Will, Sonja, … und wie sie alle geheißen haben.

    12.10.

    Seit exakt drei Monaten unterwegs. Laut Plan sind 25%, 1/4 oder wie auch immer, vorbei. Das Gute ist, ich habe noch 75% vor mir. 🙂 Von Heimweh keine Spur. Es macht mir weiter unheimlich Freude unterwegs zu sein. Jeden Tag treffe ich auf neue Sachen, auf neue Leute, manchmal auf neue Herausforderungen. Ich habe viele Leute kennengelernt, vielleicht auch neue Freunde gefunden. (Fast) Jeden Tag eine neue Strecke. Davon kann man in der Heimat nur träumen, wo man jede Straße fast schon auswendig kennt, wo es manchmal fad wird, auf das Motorrad zu steigen, weil man schon alles abgefahren ist.

    Natürlich ist es nicht jeden Tag ein Abenteuer, lustig oder schön. Manchmal ist es fad oder es freut einen nicht, weil das Wetter nicht passt, man alleine im Hotelzimmer sitzt oder man keinen Anschluss im Hostel findet, weil die Interessen, die Art zu reisen, zu unterschiedlich sind. Aber das gehört auch dazu. Wenn mir jemand erzählt, dass er/sie jeden Tag einer langen Reise genießt, dann muss das ein besonderer Mensch sein.

    Nun denn. Mindo liegt nur ca. 100km von Quito entfernt. Ein kleines Dorf, so etwas wie ein Abenteuerspielplatz. Viele Aktivitäten warten, Zip Lining, Canyoning, Schokolade essen, Schmetterlinge und Vögel beobachten. Ich wage mich an das Zip Lining. Mit hoher Geschwindigkeit geht es in großer Höhe, hängend in einem Gurt, an gespannten Eisenseilen, über mehrere Schluchten und Täler. Ein kleiner Adrenalin-Kick.

    13.10. – 14.10.

    Von Mindo fahre ich nach Westen. Weg vom Berg- und Hügelland. Ich möchte die unterschiedlichen landschaftlichen Regionen des Landes sehen. Der Regenwald scheint seinem Namen alle Ehre zu machen. Es regnet zwar nicht, aber die Wolken hängen sehr tief. Über gut 150 km geht es manchmal durch sehr dichten Nebel. Aber irgendwann frisst sich auch bei Nebel die Feuchtigkeit durch Schuhe und Kleidung.

    Canoa ist ein kleines Dorf am Meer. Die Landschaft auf dem Weg dorthin ändert sich drastisch. Es wird wärmer und etwas tropischer. Bananenplantagen säumen den Weg. Nahe am Meer dominiert die Fischerei. Ich nehme an, es sind Becken für die Fischzucht, die sich entlang den Straßen befinden. 

    Bietet Quito alle Annehmlichkeiten einer Großstadt, ist das Leben auf dem Land sehr viel einfacher. Einfache Häuser aus Holz oder Stein.

    Canoa ist gemütlich. Ich bin am Sonntag angekommen. Es war relativ warm. Der Strand war voll mit Leuten. Heute Montag ist es ruhig, aber kalt. Es ist eben noch Frühling hier. Nachts zieht sich das Meer weit nach draußen zurück. Und manchmal möchte man meinen, diese verdammten Straßenköter haben ein Bewußtsein, wenn sie nachts am Strand sitzen und auf das Meer hinausblicken.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

     

  • Knochen brechen

    Knochen brechen

    Album

    Ha! Hab‘ ich euch dran gekriegt. Mum, entschuldige für den Schreck. Die letzten Beiträge waren ja wohl etwas fad zum Lesen. Da musste mal wieder ein reißerischer Aufmacher her. Ich persönlich hatte die letzten 2 1/2 Wochen zwar jede Menge Spaß, aber wie vermittelt man so etwas?
    Außerdem bin ich seit San Jose bis inklusive Bogota nur knapp 1.000 km gefahren.
    Es war wieder Zeit sich wieder auf den Weg zu machen, Zeit für aufregendere Sachen.

    04.10.

    Es dauert eine Weile aus Bogota rauszukommen. Die Stadt scheint endlos. Der Verkehr ist dicht. Richtung Armenia geht es durch steile Berge und Täler. Viele LKWs schleppen sich langsam die engen kurvigen Straßen hoch und wieder runter. In den unübersichtlichen Kurven steht Personal, ich weiß nicht, ob bezahlt oder unbezahlt. 

    Sie winken den LKW Fahrern zu, die weit ausscheren müssen, ob die Strecke frei ist. Mit dem Motorrad bin ich besser dran. Kurz am Gashebel drehen und ich bin an der langsamen Schlange vorbei. Für ein paar km hat man freie Fahrt, bevor man an der nächsten Schlange hängt. Solche Touren sind sehr anstrengend zu fahren, bei dem wilden Verkehr, den engen Kurven, ständig auf der Hut zu sein. In Armenien falle ich bald müde ins Bett.

    In Kolumbien sind sehr sehr viele Motorradfahrer unterwegs. Vom Mofa bis zu größeren Maschinen findet sich alles auf den Straßen. Bei einer roten Ampel oder bei einer Baustelle fahren alle vor. Soweit Platz, stehen dann 15, 20 oder mehr Motorräder wild durcheinander. Springt die Ampel auf grün um oder wird freie Fahrt gegeben, wuseln alle, wie Bienen, gleichzeitig los, ich oft mittendrin. Es ist immer wieder lustig.

    Als Motorradfahrer zahlt man in Kolumbien keine Maut. Mautstellen gibt es ab und zu auch auf den Landstraßen. Ganz rechts aussen befindet sich eine Motorradspur, wo man einfach durchfährt. Das musste ich auch erst lernen, als ich mich bei der ersten Maustelle in einer der Auto-Spuren einreihe, die Dame aus dem Mauthäuschen raus springt und wild nach rechts deutet.

    Mit der Polizei hatte ich bislang noch keinen Kontakt. Noch bin ich nicht aufgehalten worden. Ich habe mir eine „Taktik“ zurechtgelegt. In der Stadt im dichteren Verkehr wähle ich auf mehrspurigen Straßen die zweite oder dritte Spur. Das macht es schwerer rausgewunken zu werden. Man kann sich auch ein wenig hinter größeren Fahrzeugen verstecken. Aber man fällt hier in Kolumbien glaube ich nicht so sehr auf. Viele Motorräder sind mit Lasten bepackt. Aus der Ferne habe ich schon mehrmals gedacht, es handle sich ebenfalls um Reisende. Mir scheint die Polizei bemerkt mich gar nicht richtig. Oder es ist ganz einfach anders als in Zentral Amerika, wo wir ständig aufgehalten wurden.

    Brücken und (wahrscheinlich) andere strategische Punkte sind beinahe immer vom Militär beschützt. Manchmal gibt es auch Kontrollpunkte auf der Straße. Bis jetzt bin ich auch dort noch nicht aufgehalten worden. Es sind manchmal drei, vier Soldaten auf einer Entfernung von ca. 50 m stationiert. Manchmal gibt es diese Bunker aus Sandsäcken. Wenn ich vorbeifahre, gibt jeder einzelne der Soldaten Daumen hoch Zeichen. Ich grüße zurück. Ich habe noch nicht rausbekommen, was das bedeutet. Vielleicht schießen sie, wenn einer Daumen runter Zeichen gibt.

    Mal sehen, ob ich auf Google Streetview sein werde. Irgendwo auf der Strecke ist mir eines dieser Fahrzeuge mit der Kamera auf dem Dach entgegengekommen.

    Die Landschaft ist hügelig, grün, in der Ferne Berge. Es gefällt mir.

    05.10.

    Von Armenia nach Popayan fahre ich teilweise auf Autobahnen, teilweise gleite ich auf Landstraßen dahin.
    Die Navigation ist manchmal etwas spannend. So kommt es vor, dass Straßen im Navigationssystem manchmal bis zu 100m verschoben sind. Ist das die Kontinentalverschiebung? Einige im Navigationssystem als gut gekennzeichnete Straßen stellen sich als Feldwege heraus. Dass neue Straßen noch nicht enthalten sind, stört wenig. Größere Städte sind gut angeschrieben.

    In dieser Gegend zwischen Armenia und Popayán befinden sich viele Zuckerrohrplantagen. Die Bevölkerung ist vornehmlich schwarz. Wie ich später nachlese, Nachfahren der Sklaven, die vor langer Zeit hierher verschleppt wurden.
    Es ist Erntezeit. In den Plantagen sind Arbeiter mit ihren Macheten am Werk. Road-Trains, mit vier bis fünf Anhängern transportieren das Zuckerrohr zur Weiterverarbeitung in eine der Fabriken.

    Habe ich schon erwähnt, dass ich hier den ganzen Tag nur fressen könnte. An jeder Straßenecke ist eine kleine Bude oder eine Bäckerei, die etwas zu essen anbietet. Andauernd springen einen Leckereien an, die man kosten möchte. Es ist schwer das Gewicht zu halten.

    06.10.

    Tag 2 in Popayan. Es ist Sonntag, die Sonne scheint. ich nehme meine Koffer vom Motorrad und möchte ein Dorf etwa vierzig, fünfzig km entfernt besuchen. Im Hostel wird es als Freilichtmuseum empfohlen, alte Häuser, die Einheimischen in bunten Trachten.
    Keine Chance das Dorf zu finden. Ich habe keine Karte und die Straßen im GPS sind auch nur dürftig. Ich gerate irgendwie ins Hinterland. Auf steinigen Schotterstraßen geht es viele km durch hügelige Landschaften. Es sind immer wieder Häuser, oder Ansammlungen von Häusern die Straße entlang. Ich bin mir nicht sicher, ob hier schon jemals ein Ausländer gewesen ist. Ohne den ganzen Ballast lässt sich das Motorrad Off-Road viel einfacher steuern. 20, 30, 40 km/h, schneller komme ich nicht voran. Irgendwann schlägt ein Stein hart und laut an die Unterseite. Der Motor fällt aus, die Öllampe leuchtet auf. Verdammt, was denn? Ich bin ca. 25 km von der Stadt entfernt mitten im Nirgendwo, auf beschissenen Straßen. Ich bleibe sofort stehen. Der Seitenständer hängt lose runter. Ich sehe nach. Ok, „Glück“ gehabt. Der Stein hat mir die Aufhängung für den Seitenständer zerstört. Wenn der Seitenständer bei eingelegtem Gang runter geht, geht automatisch der Motor aus. Eine Schutzfunktion. Ich gehe ein paar Meter zurück und finde die Federn und die Aufhängung auf der Straße. Notdürftig hänge ich den Seitenständer mit den Federn hoch. Ich fahre noch ein paar km weiter in der Hoffnung auf eine Abzweigung zu gelangen und auf eine Straße, die wieder nach Popayán führt.
    Ich gelange durch ein Dorf. Alle scheinen auf der Straße zu sein. Langsam schlängle ich mich auf der schlechten Straße durch das Gewusel an Leuten, Pferden und Motorrädern. In meiner Aufmachung muss ich wohl aussehen wie ein Außerirdischer. Alle begaffen mich. Ich frage nach dem Weg. Popayán? Ich muss wieder zurück. Nach vorne gibt es keinen Weg. Irgendwann verliere ich bei dem ganzen gerüttle auch noch meine Handschuhe, die ich am Tankrucksack in das Gumminetz an der Seite gegeben habe. Handschuhe kaufe ich bei einem Motorradladen um 10 EUR. Die Leute sind hier kleiner. XL passen mir gerade noch.
    Von oben bis unten staubig – ich und mein Motorrad – komme ich wieder in Popayán an. Zurück im Hostel versuche ich zu analysieren, was da genau gebrochen ist. Es scheint, als ob der ganze Stift, der die Platte für die Federn hält, verbogen ist. Ich muss da ordentlich gegen einen Stein geknallt sein. Hoffentlich kann man das einfach tauschen. Ich überlege, wie ich das Problem kurzfristig lösen kann. Mit den Federn geht das nicht. Auf diese Weise kann ich den Seitenständer nicht verwenden. Ich brauche ein Gummiband. Wo kriege ich ein Gummiband her?  … Ich habe doch ein Gummiband, das ich auf die gewünschte Länge zurechtschneiden kann, in meinem Koffer. Hervorragend! Vor ein paar Wochen habe ich mir gedacht: Das schleppst du auch unnötig mit. Die Notlösung funktioniert. Der Seitenständer klappt hoch und geht auch wieder runter. Zumindest bis nach Quito muss das Provisorium halten.
    Ich hatte heute zwar etwas Pech, aber es hat viel Spaß gemacht.

    07.10.

    Ich fahre weiter nach Pasto. Die Landschaft ändert sich. Von grünen Hügeln mehr hin ins Braune. Die Berghänge sind steil, die Straßen schmiegen sich an die Berge. Weit geht es an den Straßenrändern hinunter. Ich mag diese Strecken nicht so sehr.

    Pasto ist nicht wirklich einen Besuch wert. Das Zentrum ist mit Autos verstopft. Abgase liegen in der Luft. Ein großer Platz im Zentrum, ein paar alte Kirchen. Bloß ein Zwischenstop auf dem Weg nach Ecuador.

    08.10.

    Es ist kalt. Die Grenze ist nicht weit. Ich bewege mich auf Höhen zwischen 1.500 und 3.500m. Das Fahren macht extrem Spaß. Bloß weiß man nicht wirklich, wie man sich anziehen soll. Entweder man friert auf über 3.000 m, weil man zu wenig warme Kleidung trägt, oder man schwitzt auf 1.500 bis 2.000m, weil man zu viel trägt. 1.500 Höhenmeter, das geht innerhalb weniger Minuten. Bei einer Verkehrskontrolle werde ich von der Polizei aufgehalten. Fahrzeugpapiere herzeigen. Ein paar Zivilisten gesellen sich dazu. Ich glaube, sie wollten einfach nur ein wenig plaudern, das Motorrad ansehen. Woher, wohin, das übliche.

    Der Grenzübertritt dauert, wie üblich, ist aber bei etwa 20C weitaus angenehmer zu ertragen als in der brütenden Hitze in Zentral Amerika.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • angekommen in Südamerika

    angekommen in Südamerika

    Album

    30.09.

    Angekommen bin ich ja schon gestern, wie aus meinem letzten Eintrag ersichtlich ist. Bogota hat mich positiv überrascht. Es ist eine große, weitflächige, grüne Stadt. Es ist sauber, die Gebäude sind in sehr gutem Zustand.
    Heute Vormittag bin ich etwa 15 km durch die Gegend gelaufen. Erstmal auf einen Berg rauf, damit ich eine Übersicht über die Stadt habe. Bogota liegt auf ca. 2.600m Seehöhe. Beim Aufstieg auf 2.800m, schreit mein Körper, wie schon in Zacatecas, extrem nach Sauerstoffzufuhr. Der Flachländer in mir macht sich stark bemerkbar.

    Danach bin ich durch die Stadt spaziert. Die Architektur ist so ganz anders als in Zentralamerika. Es gibt viele Backsteingebäude. Viele der Viertel bestehen nur aus zwei- bis vier-stöckingen Häusern. Manchmal kommt es einem vor, als würde man durch eine Kleinstadt laufen.

    Nachmittag fahre ich zum Flughafen, wo ich kurz vor zwei Uhr ankomme. Die nächsten vier Stunden treiben mich beinahe in den Wahnsinn. Zugegeben, es ist sehr viel los. Die Beamten arbeiten wie wild. Einer benutzt die Computermaus zum telefonieren und das Telefon als Computermaus. Neben mir wartet natürlich noch ein ganzer Haufen anderer Leute, dass sie ihre Waren kriegen.
    Ein australisches Pärchen, Lauren und Adrian, sind ebenfalls auf dem Gelände, um ihr Motorrad abzuholen. Sie sind noch viel schlimmer dran als ich und benötigen gut 6 Stunden bis sie endlich losfahren können. Bei der langen Wartezeit haben wir ein wenig Zeit zu plaudern. Sie haben das gleiche Ziel und ungefähr den gleichen Zeitrahmen wie ich. Man wird sich unterwegs bestimmt wieder treffen.
    Unter Beobachtung einiger Leute, die mir interessiert zusehen, wie ich einen Teil meiner Verkleidung abnehme, um die Batterie anzuschließen, kann ich gegen halb sechs endlich das Gelände verlassen.

    Die kurzen Hosen kann ich fürs erste Mal in meiner Tasche verstauen. Hier herrschen andere Bedingungen. Lange Hosen und Pullover und nachts ist sogar die Jacke gefragt.

    01.10.

    Seit dem Service in San Jose leuchtet immer wieder die Temperaturleuchte auf. Ich kontrolliere Kühlflüssigkeit und Öl. Der Ölstand scheint zu passen, Kühlflüssigkeit ist definitiv zu wenig enthalten. Da frage ich mich, wieso sie das beim Service in San Jose nicht bemerkt und korrigiert haben. Ich möchte trotzdem sichergehen, dass kein anderes Problem besteht und fahre am Vormittag zum BMW Händler in Bogota. Bis auf die Kühlflüssigkeit ist alles in Ordnung.

    Nachmittags möchte ich mir die Stadt ansehen. Aber es beginnt zu regnen. Also zurück ins Hostel, wo ich Carolina kennen lernen, die hier arbeitet. Von ihr erfahre ich, dass zu dieser Jahreszeit am Vormittag meist Sonnenschein herrscht und nachmittags der Regen kommt. Nun denn, es hat sich etwas Arbeit aufgestaut, um die ich mich kümmern kann.

    02.10.
    Eigentlich wollte ich heute früh losfahren, damit ich vor dem Regen am Ziel ankomme. Nachdem ich wach werde, prüfe ich üblicherweise meine e-mails. Lauren hat eine e-mail geschrieben, dass sie sich mit zwei Neuseeländern zum Frühstück treffen und ob ich sie begleiten möchte. Auch von Carolina ist eine mail gekommen, ob ich noch da bin.

    Wie kann ich die Stadt verlassen, wenn ich Einladungen von zwei Frauen an einem Tag habe? 😉

    Also fahre ich mit dem Taxi zuerst mal frühstücken, mit Lauren und Adrian vom Flughafen und Andi und Ellen aus Neuseeland.
    Lauren und Adrian sind für 6 Monate unterwegs. Andi und Ellen wollten erst nur 6 Monate bleiben, haben auf ein Jahr verlängert, sind jetzt seit 1 1/2 Jahren unterwegs und wissen noch nicht, wann die Reise endet.

    Das Mittagessen und den Nachmittag verbringe ich mit der wunderbaren Carolina, die mir viel über Bogota und Kolumbien erzählt.
    Über den langen internen Krieg in Kolumbien, über den täglichen „Überlebenskampf“ der Leute, die Schere zwischen Arm und Reich, die Entwicklung der Stadt, über die Gefährlichkeit in Bogotá und vieles mehr.

    Wir landen dann in einem Café, wo es – ich kann es kaum fassen – Krapfen gibt. Ich kann natürlich nicht anders und muss einen essen. Das Wasser können sie uns zu Hause natürlich nicht reichen, aber ich muss sagen: Nicht schlecht. Und das „Weibbier“ und die „Weibwurst“ auf der Karte bringen mich ziemlich zum Lachen.

    03.10.

    Ein weiterer Tag in Bogota. Heute kommen Bart und Renate in Bogotá an, regelmäßige Leser wissen, die zwei Holländer mit denen ich Honduras und Nicaragua durchquert habe. Ich möchte es mir nicht nehmen lassen, die beiden wieder zu sehen. Am Vormittag habe ich Zeit, auf Monserrat zu fahren und dann die Altstadt anzusehen. Sie steht im Kontrast zu dem Viertel, in dem sich das Hostel befindet und hauptsächlich Wohngegend und Finanzviertel ist.
    Auf einem Hauptplatz wird ein General gefeiert. Es befindet sich jede Menge Polizei im Zentrum. Leider ist das Spektakel vorbei, als ich dort ankomme. Es werden nur mehr die letzten Fotos gemacht und die Aufräumarbeiten sind im Gange.

    Am Abend feiern Renate, Bart und ich unser Wiedersehen bei gutem Essen und ein paar Bieren.

    Mir kommt vor, es entwickelt sich eine Art Sozialleben unterwegs.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Wenn man seinen Job zu ernst nimmt

    Wenn man seinen Job zu ernst nimmt

    29.09.

    Der geplante Abflug nach Bogota ist um 11:40. Zum Glück ist das Taxi früher beim Hostel als bestellt, zum Glück gibt es keinen Verkehr und ich bin noch vor 9:30 am Flughafen.

    Ich möchte einchecken. Fragt mich die Dame, ob ich ein Weiterreiseticket habe oder wann ich zurück nach Österreich fliege. Ich zeige ihr meinen Helm und erkläre ihr, dass ich mit dem Motorrad unterwegs bin.

    Nein, das geht nicht. Die Einreisebestimmungen sagen, ich muss ein Ausreiseticket haben. Ich bin ziemlich schnell ziemlich genervt und diskutiere ziemlich erregt mit ihr.

    Sie bietet mir an, ein Ticket zu kaufen. Ich frage was das kostet. Über 700 USD. Ich bin kurz davor sie zu fragen, ob sie spinnt. Sie bleibt bockig. Ich frage noch nach Internet oder einem Reisebüro. Internet ist langsam, Reisebüro gibt es hier nicht.

    Ich habe 1 Stunde Zeit um das Problem zu lösen. Kurz: ich schaffe es in der Stunde nicht ein grenzüberschreitendes Busticket zu kaufen und auch keinen Flug. Ich lasse es drauf ankommen und stelle mich erneut beim Check In an und hoffe nur, dass ich nicht wieder bei ihr lande. Ich habe Glück.

    Auch die neue Dame fragt mich, wie lange ich in Kolumbien bleibe und ob ich ein Weiterreiseticket habe. Ich sage: Ich bleibe eine Woche in Kolumbien und fahre dann mit dem Bus nach Ecuador. Sie sieht mich zwar etwas komisch an, checked mich aber ein.
    Im Flieger sitze ich mal. Ich bin schon gespannt, ob die mir in Bogota auch Schwierigkeiten machen.

    In Bogota keine Rede, bei der Passkontrolle wieder die üblichen Fragen: Wie lange bleiben Sie? Der Grund Ihrer Reise, geschäftlich oder Urlaub?
    Ich: Transit. Ich bleibe eine Woche in Kolumbien, danach geht es weiter nach Ecuador.
    Er, freundlich: Was nur eine Woche? Sie müssen länger bleiben!
    Stempel in den Pass und erledigt.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Panama (de)

    Panama (de)

    23.09. – 24.09.

    Grenzübertritt Nummer 8 auf meiner Reise. Ich bin ca. 11 Wochen unterwegs, kein schlechter Schnitt. Schon in San Jose hat mich ein Gast im Hostel darauf aufmerksam gemacht, dass die Grenzbeamten bei der Einreise nach Panama 500 USD in bar sehen möchten. Warum auch immer. Ich habe bereits in San Jose genug USD abgehoben, damit ich den Transport des Motorrades bezahlen kann. Ich öffne die Geldbörse und lasse die 20$ Scheine durch meine Finger gleiten. Der Beamte ist zufrieden und stempelt meinen Pass ab.

    Es sind zwei Stopps bis nach Panama City – David und Chitré. Chitré hat den Scharm einer Kakerlake .. und es ist schwül. Alleine beim Sitzen am Balkon rinnt mir Schweiß in Strömen runter. Ich übernachte in Mikes Hostel. Als ich mir Tage zuvor die Homepage angesehen habe, dachte ich: Sieht ziemlich gut aus. Aber die Fotos sind wohl vom Tag der Eröffnung. Das Hostel ist ziemlich abgewohnt. Mike ist ein gutmütiger, dickerer Amerikaner Ende 40. Er wandert zwischen der Couch hinter der Rezeption, auf der er immer wieder Nickerchen hält und die auch sein Bett ist und seinem Laptop und dem Stuhl auf dem Balkon hin und her. Ich hole mir eine Kleinigkeit zu essen und danach ein paar Dosen Bier in einem kleinen Supermarkt. Da das Rumlaufen sowieso unmöglich ist, setze ich mich zu Mike auf den Balkon. Ich spendiere ihm ein Bier und höre mir seine Geschichte an.

    Gorge W. Bush hat ihn hier runter nach Panama getrieben. Bush hat einen Krieg angezettelt, die USA an den Abgrund geführt und seine Freunde reich gemacht. Mike erzählt von seltsamen Gästen. Zwischendurch zeigt er auf vorbeigehende Personen und erzählt mir, was sie beruflich machen. Er ist vor fünf Jahren nach Panama gekommen und hat das Hostel eröffnet. Er möchte längstens noch ein Jahr bleiben, jemanden anstellen, der das Hostel führt und weiter ziehen. Er denkt noch darüber nach, wie er es anstellen kann, dass der Mitarbeiter ehrlich die Gästeanzahl einträgt und nicht in die eigene Tasche wirtschaftet.
    Im Hostel sind auch noch drei einheimische Jugendliche mit einem Baby, zwei Jungen und ein Mädchen. Mike erzählt mir dass sie gestern die ganze Nacht gefeiert haben und für heute noch nicht für die Nacht bezahlt haben. Er hat nicht gesehen, dass sie gegessen haben. Mike macht sich Sorgen um das Baby und holt Milch vom Imbissladen unter dem Hostel. Anscheinend haben sie kein Geld. Sie warten darauf, dass irgendein Verwandter welches vorbei bringt. Irgendwann später am Abend, nach einem weiteren Nickerchen, entdeckt Mike, dass sie das Hostel verlassen haben. Einer der Jugendlichen hat sein Handy gegen die Wand geschmissen. Es liegt in mehreren Stücken im Zimmer verteilt auf dem Boden. Mike ist froh, dass sie weg sind.

    25.09. – 28.09.

    Panama City hat sich sehr verändert, seit ich vor mehr als 10 Jahren hier war. Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Vieles ist neu, in der ganzen Stadt wird gebaut. Banken, Banken, Banken. An jeder Ecke. Scheint wohl sowas wie ein Finanzplatz zu sein. Die Altstadt sehe ich nur nachts, wenn wir um die Häuser ziehen.

    Am Freitag fahre ich zum Frachtterminal am Flughafen und gebe das Motorrad ab. Es ist ziemlich leicht. Ein wenig Papierarbeit, Batterie abklemmen und Spiegel abschrauben, 902$ löhnen und die Sache ist erledigt. Ich kann das Motorrad am Montag in Bogota abholen.

    Die Tage in Panama sind fantastisch. Auch hier sehe ich (leider) nicht sehr viel von der Stadt. Die Zeit wird hauptsächlich mit Sozialisierung verbracht. Sehr nette Leute aus aller Herren Länder sind im Hostel, wir trinken, gehen aus und haben Spaß.

    Die Motorradfahrer werden mehr. Schon in Chitré hat mir Mike gesagt, dass vor wenigen Tagen einer vorbeigekommen ist.
    Auch im Frachtterminal stehen zwei Motorräder, die bereits in Plastik gepackt sind. Und hier in Panama macht ein Deutscher, Tobias, im Hostel Halt – der Typ, den Mike in Chitré erwähnt hat. Er ist schon etwa 1 1/2 Jahre unterwegs und hat keinen Zeitplan. Er erzählt mir, dass er mit dem Schiff übersetzt und dass er darum „kämpfen“ hat müssen, dass sie ihn noch mitnehmen, weil das Boot bereits mit 18 Motorrädern voll ist. Ich bin überzeugt, dass ich schon bald wieder mit jemand anderem unterwegs sein werde.

    Südamerika, ich komme! Und ich freue mich schon riesig.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Costa Rica (de)

    Costa Rica (de)

    17.09. – 22.09.

    Die Einreise nach Costa Rica dauert etwas länger, aber wiederum keine Probleme. Kurz hinter der Grenze bleiben wir bei einem Restaurant stehen und essen eine Kleinigkeit. Hier trennen sich unsere Wege. Ich verabschiede mich von Renate und Bart und fahre alleine nach San José weiter.

    Danke, Renate und Bart, dass ich euch für ein paar Tage begleiten durfte. Es war eine abenteuerliche und eine sehr nette Zeit mit euch.

    Durch strömenden Regen komme ich in der Dunkelheit in San Jose an. Ich habe vier Nächte bzw. drei Tage in San Jose geplant.

    Für Sightseeing ist keine Zeit. Es gilt das Service am Motorrad machen zu lassen, jemanden zu finden, der sich meinen Laptop ansieht und eventuell repariert und von Bank zu Bank zu laufen, wo ich USD abheben kann. Das Service dauert 2 Tage. Mein Laptop wird repariert und ich finde eine Bank, an der ich genug USD abheben kann, um mein Motorrad nach Südamerika transportieren zu lassen. Eigentlich könnte ich abfahren, aber im Hostel, Casa Yoses, ist es großartig. Coole Mitarbeiter, nicht viele, aber ebenso coole Gäste. Ein wenig feiern mit Wein und Bier. Am Ende habe ich noch zwei weitere Tage angehängt, die ich damit verbringe, meinen Blog zu aktualisieren. Es war eine nette Zeit mit Mary-Ann aus Belgien, die für einen Monat Thai-Massage Unterricht in San Jose nimmt, mit Maurice, Liam, Lucas (ich weiss nicht, ob ich die Namen richtig geschrieben habe), die im Hostel arbeiten, mit dem älteren Amerikaner und wie sie noch alle geheißen haben.

    Der Eigentümer des Hostels hat irgendwie mit der Costa Ricanischen Rugby Nationalmannschaft zu tun. Einer der Spieler, oder was auch immer, hat manchmal den Nachtdienst im Hostel. An einem der Tage haben sie im Restaurant gleich neben dem Hostel eine Besprechung nach dem Training. Ich geselle mich auf ein Bier zu ihnen. Die Nationalmannschaft besteht nur aus zwei Costa Ricanern, der Rest kommt aus verschiedenen Ländern aus Nord und Südamerika, der Trainer ist aus Peru. Einer möchte dann sogar mein Motorrad sehen. Yay! 🙂

    Von San Jose sehe ich so gut wie gar nichts. Mein Sightseeing beschränkt sich auf die Fahrt von und zum BMW Händler, der etwa 8 km vom Hostel entfernt ist und auf die Fahrt zur Bank, die gleich um die Ecke beim BMW Händler ist.

    Meine erste sinnvolle Unterhaltung auf spanisch findet mit dem Taxifahrer statt, der mich vom BMW Händler zum Hostel fährt. Er redet mit mir, wie mit einem Kleinkind, langsam und deutlich. Ist natürlich an meiner Reise interessiert.

    Am 22.09. fahre ich ab. 5 Tage, so lange bin ich noch nie an einem Platz geblieben. Aber das kann passieren, wenn man sich wohl fühlt und in eine Gemeinschaft aufgenommen wird.

    Ich bin zeitig wach. Meinen Plan, noch eine Nacht in Costa Rica zu verbringen, verwerfe ich kurzfristig und entscheide, die knapp 400 km bis nach David in Panama an einem Tag hinter mich zu bringen.

    Es geht auf dem Pan American Highway weiter. Verdammt nochmal, die Straße geht zeitweise auf 3.500 m hoch. Auf das war ich nicht vorbereitet. Meine warmen Sachen sind tief in meiner Tasche verstaut. Ich friere beinahe am Motorrad fest. Zum Auspacken bin ich zu faul. Warum auch, ein paar Kilometer weiter, wieder an der Küste, herrschen 32 Grad und eine immense Luftfeuchtigkeit.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Nicaragua, korrupte Polizei

    Nicaragua, korrupte Polizei

    Album

    14.09. – 16.09.

    Die Ausreise aus Honduras und die Einreise in Nicaragua dauert wie immer etwas länger. Aber auch hier gibt es keine Schwierigkeiten. Auch hier sind sofort die Helfer zur Stelle. Aber wenn wir ihnen erzählen, dass wir durch Mittelamerika gereist sind und schon wissen, wie der Ablauf ist, lassen sie uns in Ruhe. Er ist sowieso immer gleich. Zuerst zur Passkontrolle Reisepass abstempeln, dann zum Zoll Motorrad abmelden, zur Passkontrolle im neuen Land, zum Zoll das Motorrad anmelden. Zu unserer Überraschung werden in Nicaragua keine Kopien benötigt. An der Grenze kaufen wir auch gleich die notwendige Versicherung für umgerechnet 10 EUR. Im Gegensatz zu den anderen Ländern ist hier nur Geld für die Desinfektion und für das Visum zu bezahlen. Die Einfuhr des Motorrads kostet nichts.

    Unser heutiges Ziel wäre León. Aber so weit schaffen wir es nicht. In Chinandega überfährt Bart eine Sperrlinie in einer Ortschaft und wird aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden noch keine Führerscheinkopien. Es wird eine Weile diskutiert, doch der Beamte stellt einen Strafzettel aus und kassiert den Führerschein ein. Der Ablauf ist hier wie folgt. Der Führerschein wird einkassiert, man bezahlt das Ticket bei einer Bank und erhält seinen Führerschein wieder zurück. Nur, heute ist Samstag Nachmittag und bis inkl. Montag sind Feiertage. Der nächste mögliche Termin ist also Dienstag. Bis Dienstag in einer sehr unsympathischen Stadt festsitzen? Für mich eher weniger ein Problem, ich hätte weiterfahren können. Bart und Renate fahren zur Polizeistation und versuchen das zu regeln.

    Ich warte und behalte den Beamten mit dem Führerschein im Auge. Der fährt aber nach einiger Zeit ab. Nach gut 1 1/2h kommt Bart mit einem Einheimischen auf dem Sozius zurück und hat seinen Führerschein wieder. Ein Englischlehrer, der eine ranghohe Polizeibeamtin im Bezirk unterrichtet. Mit seiner Hilfe hat die Polizeibeamtin Anweisungen gegeben, dass Bart bezahlen kann und seinen Führerschein zurückerhält.

    Da es bereits 17 Uhr ist und sich Bart mit einem Bier bei dem Englischlehrer, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, nennen wir in K., bedanken möchte, beschließen wir in Chinandega zu bleiben. K kommt nicht, wie vereinbart, zum Hotel. Wir warten noch eine Weile und suchen dann einen Platz zum Essen. Auf dem Hauptplatz setzen wir uns in ein Lokal und trinken gemütlich ein Bier, als K mit einem Jugendlichen auftaucht, von dem wir zuerst glauben, dass es sein Sohn ist. Er hat uns gesucht und freut sich … . Bart bezahlt den beiden ein Bier und ein Erfrischungsgetränk. Bis jetzt ist noch alles in Ordnung, aber der unerfreuliche Teil soll bald beginnen.

    Heute wird ein großer Boxkampf im Fernsehen übertragen. K. meint, er kann uns zu einem Lokal bringen, wo wir uns unter die Einheimischen mischen können und den Boxkampf auf einem großen Schirm verfolgen können. Gut, keine schlechte Idee. Wir laufen zuerst noch durch die Stadt, weil er eine Schule verschließen muss und fahren dann mit dem Taxi durch die Gegend. Es stellt sich heraus, dass der Jugendliche nicht sein Sohn, sondern ein Student und Freund von K ist. Das Lokal stellt sich als Diskothek heraus. Ich übernehme die Taxikosten, Bart den Eintritt für die beiden. Ich denke mir: Ok, ich bin mal gespannt, wie weit das noch geht.

    Drinnen fängt K mit vorgehaltener Hand mit dem Kellner zu sprechen an. Ab diesem Zeitpunkt wird mir die Sache suspekt. Es wird ein gemischter großer Teller zum Essen bestellt. Die Biere kommen im 30 Minutentakt automatisch auf den Tisch. Weder mir noch den anderen gefällt das Lokal und wir entscheiden uns zu gehen, als eine zweite Platte mit Essen serviert wird. Nix da, die Rechnung bitte. Auf einem Wisch Papier steht ein Betrag, der, wenn man auch nur ein wenig Kopfrechnen kann, viel zu hoch ist. Nach einer Beschwerde erhalten wir eine Rechnung, die um über 40% niedriger ist. Es geht zurück zum Hotel. Nachdem wir K und seinen Studenten den ganzen Abend durchgebracht haben, verlangt er am Schluss auch noch etwas Trinkgeld. Bart gibt im 100 von dem Nicaraguanischen Geld. Die Ankunft in Nicaragua hat schon mal einen negativen Eindruck hinterlassen.

    Wir fahren weiter nach Granada. Kurz vor Managua werden wir wieder auf die Seite gewunken. Dieses Mal ist es reine Korruption. Wir werden von drei Beamten aufgehalten und mit einem fadenscheinigen Vergehen angeklagt. Zuerst sagen sie, man muss mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand halten, später war es eine Geschwindigkeitsübertretung. Wir wurden auch schon ein paar Mal in Honduras aufgehalten. Dort hat es sich aber nur um eine Überprüfung gehandelt. Ich zeige seit Honduras bei Kontrollen nur mehr die laminierte Führerscheinkopie her. Die erkennen den Unterschied nicht. Wie auch immer, wir werden jeder mit 2.000 Cordoba / ca. 75 EUR Strafe für nichts belegt. Der Unterschied ist diesmal, der Betrag wird auf einem weißen Ticket ausgestellt. Wir diskutieren. Jeder redet durcheinander. Bart ist wütend. Ich merke, einer der Beamten möchte einen Vorschlag machen. Bart fällt ihm immer wieder ins Wort. Bart schlägt vor: Wir lassen auf keinen Fall alle drei Führerscheine hier. Wir reisen in einer Gruppe. Ihr (die Polizei) behält einen Führerschein (meine Kopie), somit können wir nicht ausreisen. Renate und Bart nehmen ihren Führerschein an sich und wir sind fast schon bereit abzufahren, als ein Einheimischer, Eduardo, mit seinem Auto stehen bleibt und auf englisch fragt, ob er uns helfen kann. Ja! Renate hat ihr Ticket bereits in der Jacke verstaut. Einer der Polizisten versteckt sofort die beiden anderen Tickets. Es ist offensichtlich klar, dass hier etwas nicht stimmt. Eduardo diskutiert eine Weile mit den Polizisten und auch ich erhalte meinen „Führerschein“ zurück und Renate muss ihr Ticket zurückgeben. Bart findet später im Internet heraus, dass die gelben Tickets offiziell sind und dagegen kaum etwas auszurichten ist und dass die weißen Zetteln keine Gültigkeit haben. Es war also definitiv der Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Wir verbringen zwei Nächte in Grenada. Grenada hat ein gut gepflegtes historisches Zentrum, rundherum sieht es zum Teil nicht so toll aus, Abwässer werden in den See geleitet. Renate und Bart lassen sich am fahr-freien Tag Kopien ihrer Führerscheine anfertigen, was sich schon am nächsten Tag rechnet.

    Am Tag der Abreise holen wir unsere Motorräder von der Feuerwache, wo wir sie gegen einen kleinen Betrag sicher unterstellen durften. Wir sind etwa 400-500m ohne Helm von der Feuerwache zum Hotel unterwegs. Prompt werden wir auch aufgehalten. Diskutieren bringt nichts. Es sind zwar nur 7,5 EUR aber es wird mühsam. Ich möchte bezahlen, weil ich nicht weiß, ob es ein System gibt, dass bis an die Grenze oder über einen längeren Zeitraum hinaus reicht und ich ja nochmal zurück komme. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Bart schlägt vor: Wenn wir die Kopien zurücklassen und wir werden nochmal aufgehalten, haben wir keine Probleme mehr. Die Führerscheine sind schon weg, und zur Grenze nach Costa Rica sind es bloß hundert Kilometer. Es kann sich höchstens die Strafe erhöhen. Das gelbe Ticket gilt für ein paar Tage als Führerschein Ersatz. Wir erzählen den Beamten, dass wir die Motorräder zum Hotel stellen, dann zur Bank gehen und in etwa 20 Minuten wieder zurück sind. Beim Hostel bepacken die Motorräder, lassen die erste Führerscheinkopie zurück und fahren Richtung Grenze. Ich frage mich, wie lange es gedauert hat, bis der Beamte Verdacht geschöpft hat. Als an der Grenze der letzte Stempel auf die Fahrzeugdokumente kommt sind wir froh, dass wir raus sind aus Nicaragua.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Honduras, Off-Road

    Honduras, Off-Road

    Album

    10.09. – 14.09.

    Ich verlasse Monterrico frühzeitig und mache mich auf den Weg Richtung Honduras, mit dem Tagesziel Copán Ruinas, gleich hinter der Grenze. Eine weite Strecke liegt vor mir. Aber es geht gut voran. Etwa 80 km vor der Grenze sehe ich zwei BMW Motorräder am Straßenrand stehen. Es ist das erste Mal seit meiner Abreise, dass ich andere sehe, die ebenfalls wie ich Richtung Süden unterwegs sind. Ich bremse mich sofort ein. Es sind Renate und Bart aus Holland, ein sehr nettes Pärchen, die auch Richtung Südamerika unterwegs sind. Wir beschließen, gemeinsam weiter zu fahren.
    An der Grenze zu Honduras gibt es überraschenderweise keine Helfer. Zur Erinnerung, die „Helfer“ sind Personen, die einen an der Grenze begleiten und sagen: Lauf hierhin und dahin und am Ende wollen sie etwas Geld. Aber helfen tun sie nicht wirklich.
    Wir benötigen etwa zwei Stunden, um die drei Motorräder über die Grenze zu bringen. Wieder von A nach B laufen und einen Haufen Kopien machen lassen. Viele Daten werden per Hand erfasst und in den Pass geschrieben. Bei den Abläufen an den Zentralamerikanischen Grenzen gibt es noch viel Verbesserungspotential, aber erneut kann ich überhaupt nichts Negatives sagen. Wir wechseln Geld, bezahlen die Einfuhrgebühren und sind in wenigen Minuten in Copan Ruinas.

    Dort halten wir vor dem Hotel/Hostel/Restaurant/Bar ViaVia. Eine belgische Kette. Das Hotel wird von einem äußerst freundlichen und hilfreichen Belgier geführt. Er ist selbst Motorradfahrer und weiß so gut wie alles über Zentralamerika, gibt uns Tipps, welche Orte wir besuchen sollen, worauf wir achten sollen, wo es BMW Händler gibt und welche Straßen wir nehmen sollen.
    Er gibt uns auch Unterricht, wie man hier richtig Polizisten besticht.
    In der Regel ist es so, dass bei einem Vergehen der Führerschein einbehalten wird. Die Strafe wird bei der Bank bezahlt. Wenn die Strafe bezahlt ist, erhält man den Führerschein wieder zurück. Bloß als Reisender hat man nicht die Zeit für solche Sachen. Man soll nie einen direkten Bestechungsversuch machen. Erst mal lange genug diskutieren und streiten. Dann damit argumentieren, dass man keine Zeit hat und weiter muss und fragen, ob es keinen anderen Weg gibt. Den Beamten fragen, ob es möglich ist, ihm das Geld zu geben und er bezahlt die Strafe bei der Bank ein. Und dann hoffen, dass der Beamte darauf einsteigt.

    Wir bleiben zwei Nächte in Copán Ruinas und feiern etwas in der ViaVia Bar. Ich bin froh, dass ich nach so langer Zeit gleichgesinnte Personen treffe, mit denen ich mich unterhalten kann. Unser Zeitplan bis Costa Rica ist ungefähr gleich und so reisen wir für die nächsten Tage gemeinsam.

    Am nächsten Tag steht Sightseeing auf dem Plan. Copán war einst eine bedeutende Stadt der Maya. Mit einem kleinen TukTuk Taxi geht es zu den Ruinen. Wir drei passen kaum auf den Rücksitz. Die Fahrt auf den steinigen, steilen Straßen zu den Ruinen ist ein Abenteuer für sich. Mehrmals befürchte ich, wir müssen aussteigen und schieben oder fallen ganz einfach um.
    Die Ruinen sind weitläufig in einem grünen Tal, die alten Gemäuer mit Bäumen überwuchert.

    12.09.

    Wir fahren weiter nach La Esperanza, die letzten 30 Kilometer geht es Off-Road durch die Gegend. Mein erster wirklicher Off-Road Einsatz. Zeitweise ist es für mich als Neuling ziemlich anspruchsvoll. Aber ich komme heil an.

    Als wir am nächsten Tag beim Frühstück sitzen, hören wir Trommelgeräusche und Musik. Bart sieht nach. Es handelt sich um eine Parade von Kindern. Vielleicht Schulanfang, ich kann es nicht sagen. Anscheinend sind aus der ganzen Gegend die Schulen in La Esperanza zusammengekommen. Die unterschiedlichen Schulen haben unterschiedliche Motive. Die Kinder sind verkleidet, tanzen durch die Gegend. Zum Teil kommt es mir auch so vor, als hätten die Kinder keine Ahnung, wofür der ganze Humbug gut ist. Manchmal sehen sie müde und gedankenverloren durch die Gegend.

    Wir fahren ab. Der erste Teil der Strecke ist wieder Off-Road. Anfangs fahren wir auf einer erdigen Straße. Wir gelangen an eine sehr schlammige Stelle. Es gibt nur eine Spur. Bart fährt vor, Renate wartet, bis er durch ist. Ich bin ganz hinten. Nach Bart startet Renate, um die schlammige Stelle zu überwinden. Als sie mittendrin ist, kommt von der anderen Seite ein Kleinbus und quält sich schleudernd den Berg hoch. Ich frage mich nur: Warum? Der Typ hat doch gesehen, dass es nur eine Spur gibt und Renate schon mittendrin ist. Der Bus steckt und Renate kann auch nicht vorbei. Sie stellt den Motor ab. Es wird gewartet. Hinter mir und auch von der anderen Seite nähern sich weitere Fahrzeuge. Für ein paar Minuten passiert gar nichts. Es wäre nicht so schwer, Renate ein Stück zurückzuziehen, aber wozu? Der Busfahrer hat sich reingedrängt. Doch der sitzt bockend in seinem Fahrzeug. Letztendlich ziehen wir mit der Unterstützung von ein paar Einheimischen das Motorrad von Renate ein Stück zurück, damit der Bus vorbei kann.

    Die Straße wird steiniger. Irgendwann passiert es. Ich falle. Mein linker Koffer wird von der Halterung gerissen und sieht ziemlich mitgenommen und verzogen aus. Das Motorrad hat zum Glück nichts abbekommen. Bart und Renate sind hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ich richte das Motorrad auf. Dann leere ich den Koffer. Mit einem Stein schlage ich von innen auf Wand, um sie etwas auszubeulen. Bart kommt zurück. Ich bekomme den Koffer soweit hin, dass er wieder auf die Halterung passt. Wasserdicht ist er nicht mehr. Auf der Innenseite ist ein kleines Loch. Aber er hält.

    Wieder auf einer asphaltierten Straße machen wir eine kurze Pause. Ein paar Schulkinder gesellen sich zu uns. Wir „unterhalten“ uns eine Weile. Bart lässt die beiden Jungen auf seinem Motorrad sitzen und im Leerlauf Gas geben. Die zwei haben sichtlich Spaß an der Sache.

    In San Lorenzo, am Meer, machen wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Wir fragen bei ein paar nach den Preisen. Zu teuer für das, was geboten wird. Bei einem Hotel beginnen wir zu handeln und drücken den Preis etwas. Es gibt sowieso keine Gäste. Da ist es besser, etwas mit dem Preis runter zu gehen, als überhaupt kein Geschäft zu machen.

    14.09.

    Es ist Samstag und die nächsten drei Tage sind in Zentralamerika Feiertage. Auch in San Lorenzo findet am Vormittag eine Parade statt. Wir sehen nicht mehr ganz so lange zu, wie tags zuvor und fahren Richtung Nicaragua.

    Kurz vor der Grenze werden wir angehalten. Ein einzelner Polizist und ein ganzer Haufen von ‘Helfern’. Er will unsere Papiere sehen. Uns ist die Sache nicht ganz geheuer mit einem Polizisten und den vielen Leuten, die uns umringen und alle auf uns einreden. Wir wollen die Papiere nicht aus der Hand geben. Wir haben danach nochmal darüber gesprochen. Es waren die Helfer, die uns da reingeritten haben, mit den Anmerkungen wir haben keinen Respekt vor der Polizei. Ab einem gewissen Zeitpunkt redet der Polizist nicht mehr mit uns und ruft über Telefon Kollegen. Wir warten. Bart schlägt vor, wir fahren einfach weiter. Ich rate davon ab, weil ich überzeugt bin, das bringt uns in Schwierigkeiten. Ein paar Minuten später kommen zwei andere Polizisten auf einem Motorrad. Die Helfer sind verschwunden. Das Missverständnis klärt sich und wir können weiterfahren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Album

    08.09.

    Ich mache mich heute zeitig auf den Weg. Diesmal gleich Richtung Süden nach Hidalgo.
    Bei der Ausreise knöpft mir der Beamte in Mexico 30 USD für das Visum ab. Gesetz ist Gesetz. Ich war tags zuvor ausgereist und bin wieder eingereist. Ich verlange eine Rechnung. Kann er nicht ausstellen, ich kann zu einer Bank gehen und dort zahlen, wenn ich eine Rechnung möchte. Heute ist Sonntag. D.h. die Banken haben geschlossen. Widerwillig zahle ich die Gebühr. Ich bezweifle, dass das Geld in die offizielle Kassa wandert.

    Auf dem Weg zur Grenze ist mir wieder einer mit seinem Motorrad gefolgt. Sobald ich an der guatemaltekischen Grenze bin, gesellt sich aber ein anderer zu mir. Erklärt mir, da musst du hin, dort musst du hin usw. Ich bezahle erneut die 12 Quetzal für die Desinfektion des Motorrads und gehe zur Passkontrolle. Wie erwähnt, bin ich am Vortag nicht korrekt ausgereist. Das kostet 200 Quetzal / ca. 22 EUR Strafe. Steht in 10 verschiedenen Sprachen gleich über der Passkontrolle. Ich versuche zu erklären, dass ich nicht wirklich in Guatemala war. Nutzt nichts. Geld wechseln. Noch dazu zu einem merkbar schlechteren Kurs als gestern. Weil Sonntag ist, oder wie? Ich brauche das Geld, handeln bringt nichts. Ich bezahle die Strafe und erhalte den Einreisestempel. Auch so kann man sein Geld verprassen.

    Weiter zur Fahrzeugregistrierung. Dort lege ich alle Papiere vor. Sie werden begutachtet. Reisepass, Zulassungsschein, Führerschein. Ich habe bereits den Zulassungsschein im Scheckkartenformat. Aber dem wird hier nicht getraut. Zum Glück habe ich auch noch den gelben Schein in Papierformat mit. Der ist zwar schon Mitte Juli abgelaufen, aber hilft hier sehr viel mehr weiter. Die Dame erklärt mir, ich benötige eine Übersetzung von einem Notar. Ich frage warum? Antwort: Das ist einfach so. Wir diskutieren eine Weile. Ich frage, was das kostet. Der Kumpel, der mich die ganze Zeit begleitet, mischt sich ein. Normalerweise 200 bis 300 Quetzal, heute ist Sonntag, da kostet das bestimmt 400 oder mehr. Ich versuche zu erklären, dass ich Informationen eingeholt habe und ich nichts von einer notwendigen Übersetzung weiß. Wir diskutieren noch eine Weile. Dann gebe ich ihr wütend zu verstehen, dass sie mir meine Papiere zurückgeben soll.

    Ich fahre zurück nach Mexiko. Diesmal melde ich mich ordnungsgemäß in Guatemala ab. In 2 Tagen bin ich 3-mal aus Mexiko ausgereist und wieder eingereist. Wieder alles auspacken und durchsuchen lassen. Ich klage der Grenzbeamtin mein Leid. Sie fragt: „Es muy complicado, hm? / Es ist sehr kompliziert, oder?“ „Si“.

    Ich fahre zur nächsten Grenzstation nach Talisman. Dort angekommen, winken mich wieder die Leute pfeifend und deutend auf die Seite. Das Visier von meinem Helm ist hochgeklappt. Ich frage laut: „Porque? / Warum?“ Darauf haben sie keine Antwort und geben Ruhe. Ich werde von Geldwechslern umringt, die mit ihren dicken Büscheln Geld winken. Ich sage, dass ich nichts benötige. Sie beginnen fast untereinander zu streiten, wer mit mir Geschäfte machen darf.

    Was kommt zuerst an der Grenze? Natürlich dein persönlicher Begleiter. Er ist sofort an meiner Seite. Der hier spricht ein wenig englisch. Sie machen nichts anderes, als ständig neben dir herzulaufen, deine Papiere zu sortieren, sich in das Gespräch mit den Beamten einzumischen und ihren Senf abzugeben.

    Die vielen Einreise- und Ausreisestempel innerhalb von zwei und denselben Tagen verwirren die Beamten. Ich werde in das Büro des Obersten, der hier Dienst hat, gebeten. Dort erzähle ich die ganze Geschichte der letzten zwei Tage und dass an der anderen Grenze ein Dokument von einem Notar verlangt wurde, von dem ich nicht verstehe, warum. Mein Spanisch Kenntnisse verbessern sich vor allem an der Grenze sehr. D.h. nicht, dass ich fließend sprechen kann. Meine Kenntnisse sind noch immer bescheiden, aber ich lerne immer ein paar Worte dazu, die mir beim nächsten Mal weiterhelfen. Der Oberste ist auch äußerst freundlich. Sowas beruhigt schon sehr. Er telefoniert ein wenig herum. Alles OK, ich kann passieren. Ich frage ihn dann noch, wer diese Leute sind, die da dauernd mit mir rumlaufen, ob das offizielle sind? Er meint, nein, die soll ich ignorieren.

    Bei der Fahrzeugeinfuhr sind es wieder die vielen Stempel im Pass, die verunsichern. Ich erkläre noch mal alles. Die Dame telefoniert ebenfalls herum und sagt mir dann, ich benötige keine weiteren Dokumente von einem Notar oder sonst etwas. Alles was benötigt wird sind die nationalen Dokumente und hilfreich sind die internationalen Übersetzungen vom Führerschein und Zulassungsschein. Ich muss Kopien machen. Mein Begleiter zeigt mir den Kopiershop. Kostet 4 Quetzal. Ich krame in meiner Geldbörse. Ich habe nur 3. 3 sind auch genug. Du Sackgesicht! Wahrscheinlich hätte es nur 2 gekostet. Die stecken hier alle unter einer Decke. Ich bin heute schon ziemlich genervt.

    Für die Bearbeitung sind 160 Quetzal an der Bank nebenan zu bezahlen. Vor der Bank steht ein Soldat, das Gewehr in seinen Händen. Es warten 7 oder 8 Personen. Mein Begleiter schiebt mich gleich an den Anfang der Schlange und meint, das passt schon. Das ist ein Service extra für mich. Der Soldat sagt auch nichts. Ich erkläre meinem Begleiter, dass dies unfair gegenüber den anderen ist, und stelle mich hinten an. Nachdem ich bezahlt habe, wird das Motorrad noch begutachtet, ob Marke, Farbe, Seriennummer übereinstimmen. Ich erhalte einen Aufkleber und darf fahren. Mein Begleiter bittet zum Schluss um ein „Trinkgeld“. Ich überlege und gebe ihm 10 Quetzal. Bereue es aber zwei Minuten später wieder. Das war heute sowieso das letzte Mal, dass ich das zugelassen habe. Man kommt auch so durch. Ein wenig spanisch sollte man aber trotzdem können.

    Die heutige Dauer, beide Grenzstationen zusammengerechnet, inkl. Fahrt von der einen zur anderen, betrug ca. 4 1/2 Stunden. Zum Glück ist in Guatemala eine andere Zeitzone und man gewinnt 1 Stunde. Ein paar km vor dem Ziel tanke ich auf. Mitten im Tanken kommt mir. Verdammt du hast vergessen noch Geld zu wechseln. Er fragt mich, wie ich zahlen möchte. Mit Kreditkarte oder mit Bargeld. Ich sage mit Kreditkarte. Er antwortet, der Apparat funktioniert leider nicht. Mann, warum fragst du dann? Das Benzin geht sich aus. Mir bleiben noch 37 Quetzal, knapp 4€. Damit wirst du nicht weit kommen.

    Ich erreiche Monterrico, zum Teil durch strömenden Regen. In Monterrico frage ich mich durch die Hostels, ob ich mit Kreditkarte bezahlen kann. Nein leider nicht, der Apparat funktioniert nicht. Ich verstehe, Kreditkarten sind nicht gerne gesehen. Gibt es eine Wechselstube? Nein, leider auch nicht. Wo gibt es einen Cajero? / Einen Bankomat? Dort kann ich aber weder mit der Kreditkarte noch mit der Bankomatkarte abheben. Vielleicht sind die Systeme am Sonntag heruntergefahren und ich habe morgen mehr Glück. Ich frage im Laden gegenüber, ob es einen anderen Bankomat gibt. Ja, aber er rät mir ab. Der ist nicht sicher. Es ist bereits dunkel. Man sagt mir, im Hostel Jonny’s Place kann man mit Kreditkarte bezahlen. Ich begebe mich auf die Suche und bleibe dann aber gleich beim ersten Hotel stehen, wo eine Visa Schild draußen hängt. Mit Visa zahlen kostet zwar 10% mehr. Aber bei 15 EUR die Nacht wird nicht lange nachgedacht. Ich bin froh, dass ich eine Unterkunft habe. Für 9 Quetzal kaufe ich mir noch 2l Wasser und eine kleine Tüte Chips, damit ich nicht ganz hungrig ins Bett muss. Bleiben noch 28 übrig. Das Mobiltelefon funktioniert nicht, wo immer ich frage: kein Internet, kein Bankomat, Kreditkarten helfen auch nicht weiter, kein Geld. Willkommen im Abenteuerland.

    Monterrico ist ein kleines Dorf. Besteht eigentlich fast nur aus Hotels und Hostels, Restaurants und kleinen Läden. Aber es ist nett und relaxed.

    09.09.

    Am nächsten Tag kann ich in der Bank Geld wechseln. Ich genehmige mir ein anständiges Frühstück. Mein Motorrad erhält eine Abreibung und wird per Handwäsche vom Schmutz der letzten Wochen gereinigt. Ich schlendere durch das Dorf und spaziere den langen Strand entlang. Mittags bis nachmittags halte ich Siesta in der Hängematte. Man passt sich an.

    Am Abend sitze ich im Hotel am Strand. Ein kleine Gruppe von Leuten steht unweit von mir. Eine der Personen kommt zu mir. Er stellt sich als Mitarbeiter des Tierschutzvereins vor. Sie sind am Strand, um kleine Schildkröten auszusetzen. Er fragt mich, ob ich mich anschließen möchte. Für eine kleine Spende von 10 Quetzales darf ich zwei Schildkröten persönlich in die Freiheit entlassen. Sie sind kaum größer als mein Handteller und schwarz. Wir setzen die Schildkröten an einer Linie ab, um ein Wettrennen zu simulieren. Einige bewegen sich schnell ins Meer, andere benötigen etwas länger. Von den Wellen werden sie mehrmals wieder um ein paar Meter zurück an den Strand geschleudert. Nach einer Weile jedoch verschwinden die winzigen Tiere im großen weiten Ozean. Viel Glück auf der Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.