den Äquator versäumt

Quito Album
Ecuador 1 Album

08.10. – 11.10.

Landschaftlich ändert sich nicht viel in Ecuador. Ich cruise durch die sanfte Berglandschaft.
Da nie ganz klar ist, wie lange es an der Grenze dauert, lege ich den ersten Zwischenstopp in Ibarra ein, bevor ich weiter nach Quito fahre.

Auf dem Weg nach Quito überquere ich doch glatt den Äquator und merke es nicht mal, weil ich wieder auf Abwegen unterwegs bin. Aber ich werde beizeiten meine GPS Aufzeichnungen durchsehen, wo genau das war.

Quito ist riesig. Wie uns Ovi aus dem „Community Hostel“, direkt in der Altstadt, erzählt, ca. 55 km lang und etwa 15 km breit, eingebettet in die Berge in einer Höhe von etwa 2.800m.

Auf der Straße bietet ein Wunderheiler seinen Dienst feil. Durch Handauflegen möchte er Knochenbrüche und andere Krankheiten heilen können. Frauen in Trachten, die Textilien anbieten oder auf einfachen kleinen Grillern Wurst, Fleisch und Mais braten.

Mit Ovi, der im Hostel arbeitet, unternehmen ein paar Leute eine Stadtführung. Eine abwechslungsreiche, relaxte Tour über Märkte, wo er uns über Spezialitäten des Landes aufklärt, historische Plätze, bis hin zu einem Candyshop, wo wir uns mit Süßigkeiten eindecken, bevor wir weiter in ein Kunstviertel wandern.

Anscheinend werde ich die Höhe langsam gewohnt. Ich schaffe es mehrere Kilometer bergauf, bergab ohne einem Herzinfarkt nahe zu kommen. Mit der Seilbahn fahre ich auf 4.000 m Seehöhe. Von dort oben erhält man einen ungefähren Eindruck über die Größe der Stadt.
Das Wetter kann in Quito sehr wechselhaft sein. Am Vormittag brennt die Sonne runter, innerhalb weniger Minuten ziehen dichte Wolken auf und es wird unangenehm kalt und beginnt zu hageln.

Auch der Besuch der Basilica del Voto Nacional ist sehr zu empfehlen. Man kann hier durch die Eingeweide der Kirche die Türme hochklettern. Bei einem Turm führt eine eiserne Treppe außen hoch. Keine besondere Sicherung. So etwas wäre in Europa nicht möglich. Ich zögere, überwinde dann meine Höhenangst und klettere ebenfalls hoch.

An einem der Abende machen wir mit Ovi eine Food Tour, bei der wir ein paar Snacks und Gerichte der einheimischen Küche probieren.

Quito war wieder ein riesiger Spaß mit den vielen Leuten, Ovi, Stephanie, Tracy, Becky, Max, Robin, Peter, Stefania, Will, Sonja, … und wie sie alle geheißen haben.

12.10.

Seit exakt drei Monaten unterwegs. Laut Plan sind 25%, 1/4 oder wie auch immer, vorbei. Das Gute ist, ich habe noch 75% vor mir. 🙂 Von Heimweh keine Spur. Es macht mir weiter unheimlich Freude unterwegs zu sein. Jeden Tag treffe ich auf neue Sachen, auf neue Leute, manchmal auf neue Herausforderungen. Ich habe viele Leute kennengelernt, vielleicht auch neue Freunde gefunden. (Fast) Jeden Tag eine neue Strecke. Davon kann man in der Heimat nur träumen, wo man jede Straße fast schon auswendig kennt, wo es manchmal fad wird, auf das Motorrad zu steigen, weil man schon alles abgefahren ist.

Natürlich ist es nicht jeden Tag ein Abenteuer, lustig oder schön. Manchmal ist es fad oder es freut einen nicht, weil das Wetter nicht passt, man alleine im Hotelzimmer sitzt oder man keinen Anschluss im Hostel findet, weil die Interessen, die Art zu reisen, zu unterschiedlich sind. Aber das gehört auch dazu. Wenn mir jemand erzählt, dass er/sie jeden Tag einer langen Reise genießt, dann muss das ein besonderer Mensch sein.

Nun denn. Mindo liegt nur ca. 100km von Quito entfernt. Ein kleines Dorf, so etwas wie ein Abenteuerspielplatz. Viele Aktivitäten warten, Zip Lining, Canyoning, Schokolade essen, Schmetterlinge und Vögel beobachten. Ich wage mich an das Zip Lining. Mit hoher Geschwindigkeit geht es in großer Höhe, hängend in einem Gurt, an gespannten Eisenseilen, über mehrere Schluchten und Täler. Ein kleiner Adrenalin-Kick.

13.10. – 14.10.

Von Mindo fahre ich nach Westen. Weg vom Berg- und Hügelland. Ich möchte die unterschiedlichen landschaftlichen Regionen des Landes sehen. Der Regenwald scheint seinem Namen alle Ehre zu machen. Es regnet zwar nicht, aber die Wolken hängen sehr tief. Über gut 150 km geht es manchmal durch sehr dichten Nebel. Aber irgendwann frisst sich auch bei Nebel die Feuchtigkeit durch Schuhe und Kleidung.

Canoa ist ein kleines Dorf am Meer. Die Landschaft auf dem Weg dorthin ändert sich drastisch. Es wird wärmer und etwas tropischer. Bananenplantagen säumen den Weg. Nahe am Meer dominiert die Fischerei. Ich nehme an, es sind Becken für die Fischzucht, die sich entlang den Straßen befinden. 

Bietet Quito alle Annehmlichkeiten einer Großstadt, ist das Leben auf dem Land sehr viel einfacher. Einfache Häuser aus Holz oder Stein.

Canoa ist gemütlich. Ich bin am Sonntag angekommen. Es war relativ warm. Der Strand war voll mit Leuten. Heute Montag ist es ruhig, aber kalt. Es ist eben noch Frühling hier. Nachts zieht sich das Meer weit nach draußen zurück. Und manchmal möchte man meinen, diese verdammten Straßenköter haben ein Bewußtsein, wenn sie nachts am Strand sitzen und auf das Meer hinausblicken.

Danke fürs Lesen, Jürgen.