Kategorie: 2013-14-Amerika

  • Fortsetzung folgt …

    Fortsetzung folgt …

    Natürlich tut es mir leid, dass ich meine Reise abbrechen musste. Trotzdem war ich 8 1/2 Monate unterwegs – eine lange Zeit. Wie gerne hätte ich es nach Alaska und zurück zur Ostküste Kanadas geschafft. Vieles ist noch auf dem Plan gestanden.

    Aber ich sehe den Unfall und meine plötzliche Heimkehr nicht als Ende meiner Reise(n), sondern nur als Unterbrechung. Und irgendwann werde ich die Tour zu Ende bringen. Denn nach einer Reise, ist vor der nächsten. 🙂
    Mittlerweile habe ich schon eine Menge Länder besucht. Ich war alleine unterwegs oder mit Freunden, mit dem Rucksack, mit dem Koffer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto, gemietet oder gekauft. Aber diese Tour hat sich komplett von dem unterschieden, was ich bisher gemacht habe.

    Es war eine ganz neue Erfahrung. Ich war den Naturgewalten ausgesetzt, wie kaum zuvor und ich bin der Bevölkerung sehr nahe gekommen. Ich habe mehr erlebt, als ich mir je hätte vorstellen können. Ich habe ein Hilfsbereitschaft erfahren, die bei uns nicht mehr selbstverständlich ist. Ich habe viele viele Leute getroffen und neue Freunde gefunden. Ich bin durch Landschaften gefahren, an denen ich mich nicht satt sehen konnte.
    Es war ganz und gar nicht eine All-Inklusive Kreuzfahrt, sehr oft war es eine große Herausforderung. Es war ein riesiges Abenteuer – und bestimmt nicht das letzte. Aber besonders die Begegnungen mit anderen Leuten haben meine Reise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis gemacht.

    Danke für eine wunderbare Zeit an

    Esra und Paul, meine lieben langjährigen Freunde in Montreal, die mir ein lustiges Wochenende im Freizeitpark und mit Picknick geschenkt haben.

    Tino, die Quasselstrippe 😉 aus Deutschland in Austin. Es war ein lustiger Abend.

    Tino

    Renate und Bart mit denen ich in Honduras und Nicaragua unvergessliche Erlebnisse mit (korrupter) Polizei hatte. Wir haben uns in Bogota und, mit Andi, in Mendoza wieder getroffen. Es war nicht das letzte Mal.

    – Tobias, der Rübezahl 😉 aus Deutschland, den ich in Panama im Hostel getroffen habe. Leider haben wir uns in Argentinien nur knapp verpasst. Seine KTM macht hoffentlich keine Schwierigkeiten mehr.

    Tobias

    – die wundervolle Carolina in Bogota, mit der ich eine nette Zeit verbracht habe und die mir vieles über das Leben in Bogota erzählt hat … und wir waren in einem Cafe, wo es Krapfen gegeben hat.

    Carolina

    Lauren, Adrian aus Australien. Ich habe sie „nur“ am Flughafen in Bogota getroffen, als wir unsere Motorräder abgeholt haben. Wir waren ständig in mail-Kontakt, sind aber leider nicht mehr zusammengekommen, immer 2, 3 Tage auseinander.

    – Maurico, Laura, Joaquin und Santiago nahe Talca. Sie haben mich nach einer Panne mit meiner Batterie aufgenommen, haben mir zu essen und Unterkunft gegeben. Ein Erlebnis, das mir ganz besonders in Erinnerung bleibt.

    Mauricio, Laura, Joaquin, Santiago

    Judy und Steve, ein wunderbares Paar. Ich habe die beiden mehrmals, unter anderem auch mit Andi, in Patagonien getroffen. Sie waren mit ihrer Harley unterwegs. Unsere Fahrten waren mit Pannen und Anstrengung geprägt, aber sie werden unvergesslich bleiben. Ich bereue keine Sekunde, die ich mit euch unterwegs war.

    Judy and Steve

    – meinen lieben Freund Andi. Mit ihm habe ich wahrlich 2 1/2 abenteuerliche Monate in Chile, Argentinien und Bolivien erlebt.

    Rosi und Alf, zwei unbeschreiblich nette Leute. Andi und ich haben die beiden das erste Mal in Ushuaia getroffen, danach zufällig an der Carretera Austral, mit einer überaus rauen Fahrt auf dem Lago Buenos Aires zu den Marble Caves. Wir waren dann drei Tage zusammen unterwegs. Zuletzt sind wir uns zufällig in Cusco über den Weg gelaufen.

    Kerstin, Alf und Rosi

    – Hitch und Lee, die „verrückten“ Neuseeländer, die Andi und ich das erste Mal in Punta Arenas getroffen haben, und mit denen wir den Jahreswechsel in El Calafate ausgelassen gefeiert haben.

    Hitch und Lee

    – Steve Harpt, „Crazy Steve“, aus Botswana. Andi und ich haben ihn auf der Fähre von Porvenier nach Punta Arenas kennen gelernt. Dann ist er zufällig bei Andis erster Reifenpanne vorbeigekommen. Wir haben uns noch mehrmals getroffen. Steve, wir sehen uns in Botswana, oder irgendwo anders, wieder.

    Ollie, Steve, Ich

    – Marisol, Maria und all die anderen im Hostel in San Rafael – leider kann ich mich nicht mehr an all eure Namen erinnern. Danke, dass ihr mir „Truco“ beigebracht habe. Es war einer der lustigsten Abende auf meiner Reise.

    San Rafael 1
    San Rafael 2

    – Eli, den Poker Spieler aus den Staaten, der bereits ein sehr abwechslungsreiches Leben hinter sich hat. Es war ein besonders guter Tag in Bariloche.

    Eli

    – Steve Knight, der in der Nähe Vancouvers auf einer Insel lebt, Mike, der bei der US Army zuletzt in Alaska stationiert war und Taylor, aus Seattle. Mit ihnen waren Andi und ich auf dem Lake Uyuni und einige Tage in Bolivien und Chile unterwegs. Lake Uyuni bleibt unvergesslich, ebenso Taylors Sturz auf dem Weg nach Chile.

    – Günther aus Österreich, den ich nur kurz getroffen habe. Er war bei der Reparatur meines kaputten Kühlers äußerst hilfreich und hat mir immer wieder gute Tips gegeben.
    – Günthers Freunde Marco und Silvia, zwei äußerst nette Personen, die mir bei meiner Kühler Sache ebenfalls sehr hilfreich waren und die mich in Santiago herzlich aufgenommen haben.

    – Peter, aus Deutschland, mit dem ich einige nette Abende in Bars verbracht habe. Wir sind noch immer uneins darüber, wer schuld am zu vielen Alkohol war. 🙂 Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

    Peter

    Ein spezieller Dank geht an die Leute, die mir nach meinen Unfall geholfen haben.
    – an Humberto, im 511 Lima Hostel
    – an Bart und Faizal, die mir den Kontakt zu Harald gegeben haben. Harald war äußerst hilfreich, hat mir das Abholen des Motorrades von der Polizei und den Transport nach Hause organisiert.

    Harald, Me, Faizal

    – ganz besonders danke ich Kerstin. Sie ist am Tag nach meinem Unfall an meiner Seite geblieben und hat mich mit ihrer fröhlichen Art immer wieder zum Lachen gebracht – was mir Aufgrund meiner gebrochenen und geprellten Rippen nicht immer gut getan hat. 😉

    Kerstin

    Vielen Dank auch an all die anderen Personen, die ich unterwegs getroffen habe, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann oder die ich nie erfahren habe – es waren so viele Leute und Orte, mit denen ich nur ein paar Minuten, Stunden oder einen lustigen Abend oder Tage im Hostel, in Pubs oder Bars verbracht habe, mit denen ich Party gefeiert und gelacht habe … .

    Vielen Dank auch an meine Leser, die mich die Reise über begleitet haben. Ihr habt meinem Blog ein Leben verleiht.

    Nun denn, somit schließe ich diese Reise ab.
    Die nächste ist bereits im Kopf.

    Fortsetzung folgt …

    Jürgen.

  • von Cusco nach Lima, der Unfall

    von Cusco nach Lima, der Unfall

    Album

    29.03.

    Ich fahre die 620km von Cusco nach Nazca in einem durch. Dafür benötige ich 9 1/2 Stunden. Die Strecke kommt auf jeden Fall in die Top 10 Liste. Von Cusco bis Abancay ist es zwar etwas mühsam, weil die Kurven eng sind, aber dann ist die Straße wieder einer dieser wahr gewordenen Motorradfahrer Träume. Den Rio Labrama entlang gibt es langgezogene Kurven, fast keinen Verkehr und ich habe hervorragendes Wetter. Ich lasse das Motorrad laufen. Es war eine lange, anstrengende aber hervorragende Fahrt. In Nazca steige ich im selben Hostel wie vor etwa fünf Monaten ab. Manchmal ist es ganz nett, nach langer Zeit wieder an denselben Ort zurückzukehren. Man sieht Veränderungen, aber auch Dinge, die gleich geblieben sind. Der Zubau im Hostel ist fertiggestellt, das kaputte Auto steht noch immer an derselben Stelle draußen auf der Straße.

    30.03.

    Heute setze ich mir ein Ziel von etwa 400 km. Ich möchte Lima umfahren / durchfahren und irgendwo dahinter in einem Vorort oder einem kleinen Dorf am Meer halt machen.
    Lima hat etwa 9 Millionen Einwohner. Ich habe schon mehrmals erwähnt, dass ich diese Großstädte hasse, weil hier keine Verkehrsregeln gelten und jeder ohne Rücksicht fährt. Leider ist die Panamericana eine Pulsader, die mitten durch die Stadt führt. Schon bei der Einfahrt sind die ersten Irren unterwegs. Es sind vorwiegend Fahrer in Oberklassewagen, deutsche Marken, BMW, Audi, Mercedes. Mit sehr hoher Geschwindigkeit überholen sie, wo es nur geht, und zwängen sich durch den Verkehr, oft auf dem Pannenstreifen.
    In den ärmeren Aussenbezirken sind es die hunderten Busse, die in 2er, 3er Spur anhalten und ohne auch nur einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, wieder ausscheren. Von den Taxifahrern ganz zu schweigen.

    Es ist knapp 16 Uhr. Ich befinde mich bereits in Puente Piedra, einem Vorort nördlich von Lima. Es liegen bloß noch 10 bis 20 km vor mir.
    Ich schwimme mit dem Verkehr mit, bin irgendwo zwischen Bussen und LKWs. Plötzlich habe ich ein Auto vor mir, welches die Panamericana kreuzen wollte und mit dem Hinterteil noch quer auf der Fahrspur steht. In dem ganzen Gewimmel habe ich den Wagen übersehen. Zum Bremsen ist es zu spät. Ich knalle voll gegen die Hinterseite. Benommen liege ich auf der Straße. Schnell bildet sich ein Menschenmenge um mich. Ich will aufstehen, man drückt mich nieder. Meine linker Schulter tut weh, ich merke es, als ich meinen linken Arm heben möchte und ihn nur bedingt bewegen kann.
    In den Städten gibt es eigene Versicherungs-Beamte, die stehen beinahe an jeder Ecke. Anscheinend gibt es hier viel für sie zu tun. Sie sind gleich da. Nach nur 2, 3 Minuten sind auch Polizei und Rettung da. Zwei andere Reisende, ein Pärchen, sind zufällig da. Sie redet mit mir auf Englisch, Er schiebt das Motorrad auf die Seite. Ich werde in den Krankenwagen gesetzt.

    Die Polizei gibt mir die Adresse vom Kommissariat, wo das Motorrad hingefahren wird. Ich nehme noch meine Tasche und die wichtigsten Sachen vom Motorrad, dann werde ich in das Krankenhaus gebracht.
    Es ist nur 2 Blöcke vom Unfallort entfernt. Dort werde ich mit einem Rollstuhl in der Ambulanz abgestellt. Meine Daten werden aufgenommen. Man bittet mich um Kontaktdaten, wen kann man anrufen, wer ist mit mir unterwegs? Niemand, ich bin alleine unterwegs. Ungläubige, erstaunte, besorgte Blicke. Ich warte. An meiner Schulter kann ich schon fühlen, dass das Schlüsselbein gebrochen ist. Ich warte eine ganze Weile. Eine der Schwestern drängt irgendwann, dass ich behandelt werde: Man soll sich endlich um den Ausländer kümmern, sonst sitzt er morgen noch da. Neben mir liegt schnarchend ein betrunkener älterer Mann auf einer der Krankenhausliegen. Er fängt an zu röcheln und wird von einem Arzt und einer Schwester auf die Seite gelegt, damit er nicht an seinem Erbrochenen erstickt.
    Im Spital erhalte ich eine minimal Behandlung – Ausländer, keine inländische Versicherung. Meine Schulter wird geröntgt, auf der einfach nur gezeigt wird, was klar ist – dass mein Schlüsselbein gebrochen ist. Man gibt mir einen Zettel. Ich soll mir den darauf beschriebenen Verband in einem Orthopädie Geschäft kaufen und zurück kommen.

    Es ist beinahe 20 Uhr, ich bin verletzt, in einem Außenbezirk und man schickt mich auf die Straße. Ich frage, ob es in der nahen Umgebung ein halbwegs gutes Hotel gibt. Man ist sich nicht sicher.
    Ich habe keine Ahnung wo ich bin und wo ich hin soll. Unter heftigen Schmerzen ziehe ich mühsam, sitzend an die Spitalmauer gelehnt nur mit meiner rechten Hand meine Motorradklamotten aus – ein schwieriges Unterfangen – es dauert eine ganze Weile, ich kann nur flach atmen und muss immer wieder kurze Pausen machen. In einen kleinen Rucksack packe ich das notwendigste. Da ich nichts tragen kann, bitte ich die Polizei, dass ich meine Sachen bis zum nächsten Tag in der kleinen Polizeibude lassen kann.
    Ich weiß, dass Kerstin, die ich 2 Tage zuvor in Ollantaytambo kennengelernt habe und mit der ich auch in Cusco unterwegs war, in Lima ist.
    Außer meiner Schulter, schmerzen auch meine linken Rippen und mein rechtes Handgelenk ist verstaucht. Diese wurden nicht geröntgt. Zurück in Österreich wird festgestellt, dass auch eine Rippe gebrochen ist.
    Ich suche ein Internetcafe und bitte Kerstin per E-Mail um Hilfe, hoffe, dass sie die E-Mail sieht. Nach ungefähr einer 3/4 Stunde schreibt sie zurück und gibt mir den Namen des Hostels, das 35 km entfernt im Stadtteil Miraflores liegt. Ich setze mich in ein Taxi und fahre dort hin. Das Hostel und die Betreiber sind äußerst nett und ich bin froh, dass ich nicht alleine in einem der Hotels im Außenbezirk bin.

    31.03.

    Die wunderbare Kerstin bleibt heute an meiner Seite, quält sich in alten Taxis und bei großer Hitze mit mir durch die Stadt und dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Auch ein hartgesottener Kerl ist manchmal froh, wenn er nicht alleine ist.
    Wir fahren zu einem Orthopädie Geschäft, um einen Verband zu kaufen. Den Tornisterverband, der notwendig wäre, erhalte ich nicht, sondern nur einen Stützverband. Ich nehme, was ich kriegen kann. Wir nehmen ein Taxi zu einem Orthopäden, der sich mein Problem kurz ansieht. Er schreibt ein Geschäft auf, wo ich den notwendigen Verband kriegen sollte. Aber dort gibt es sie nur in Größe small.

    Wir fahren zur Botschaft. Dort spreche ich mit einem Beamten. Ich möchte wissen, worauf ich beim Gespräch mit der Polizei achten soll. Danach fahren wir nach Puente Piedra zur Polizei. Wir warten eine ganze Weile auf einen Übersetzer, der nicht auftaucht. Irgendwann wird der Lenker des Fahrzeuges angerufen.
    Nachdem die ganze Familie angekommen ist, werden wir von den Polizeibeamten rausgesendet, um unsere Fahrzeuge anzusehen und zu plaudern.
    Das ist hier der übliche Weg – die Beteiligten die Sache selbst regeln lassen. Wenn sich diese einigen, wird der Fall ad-acta gelegt.
    Wir diskutieren eine Weile darüber, wer Schuld hat. Die Hauptschuld liegt bei mir, da ich dem anderen reingefahren bin.
    Der andere tut gerade so, als hätte er sich an die Verkehrsregeln gehalten. Tausende Fahrer, die fahren, wie sie wollen und er will uns erzählen, er hat sich brav an die Verkehrsregeln gehalten. Fast 400 EUR soll ich für die Reparatur des Fahrzeuges hinlegen. Wir einigen uns bei ca. 220 EUR. Bestimmt noch zu viel. Ich habe keine große Wahl. Die andere Möglichkeit wäre, den offiziellen Weg zu gehen. Aber das würde unbestimmt lange dauern.
    Wie auch immer, die Sache ist vom Tisch. In einem kleinen Laden wird ein Schreiben aufgesetzt, dass keine weiteren Ansprüche gestellt werden. Als mich der andere dann auch noch frech auffordert, die gesamten Kosten für das Schreiben zu übernehmen, muss ich mich zurückhalten, damit ich nicht unfreundlich werde.

    Zurück auf dem Kommissariat wird ein sachlicher Bericht mit allen Details erstellt und dass der Fall damit abgeschlossen ist. Mein Motorrad und das Fahrzeug der anderen Partei werden freigegeben.

    01.04.

    Heute bin ich damit beschäftigt jemanden zu finden, der mir das Motorrad vom Kommissariat abholt. Ich schreibe alles an, was ich finden kann. Bart startet einen Aufruf auf Facebook, dass ein verletzter Freund in Lima festsitzt und Hilfe benötigt. Faizal aus Malaysia meldet sich, er ist in Lima und kennt jemanden. Faizal ist mit zwei Freunden auf einer Welttour. Sie wurden irgendwo bei einer Pause von einem Deutschen, Harald, angesprochen. Harald hat ein paar Motorräder, die er vermietet, und er hat in einem Einkaufszentrum ein Geschäft für Motorradzubehör. Mit ihm nehme ich Kontakt auf.

    02.04.

    Harald organisiert eine Firma, die mit einem Kleinbus mein Motorrad von der Polizei abholt. Das Motorrad kann ich bei Harald unterstellen.
    Ich sortiere aus, lasse ein paar Dinge zurück und packe ein, was ich mit nach Hause nehmen möchte. Harald nimmt mich mit zu sich nach Hause und gibt mir noch einen Koffer für meine Sachen.
    Er bietet an, den Transport meines Motorrades nach Deutschland zu organisieren. Damit meine Anwesenheit vor Ort nicht notwendig ist, benötigt Harald eine Vollmacht, dass er das Motorrad verschiffen kann. Auch das nimmt er in die Hand. Harald lädt mich am Abend zu einem Motorradfahrer Treffen ein, auf dem ich dann auch Faizal treffe.

    03.04.

    Warten.
    Wer Lima besucht und sich nur in den schönen Bezirken Miraflores und San Isidro aufhält oder im historischen Zentrum, hat Lima nicht gesehen. Der Unfall und die vielen Taxifahrten haben mich durch verschiedene Bezirke geführt.
    Miraflores und San Isidro sind die reichsten Stadtteile in Lima. Nahe am Meer, schicke Wohn-Hochhäuser und Restaurants, nette, saubere Parks und Straßen.
    Im krassen Gegensatz dazu die Aussenbezirke. Tausende von Bussen und Autos verstopfen die Straßen, die Gehsteige sind voll mit Leuten, es ist laut und oft ist es schmutzig. Stundenhotels reihen sich manchmal eines neben das andere.

    04.04. 

    Am Nachmittag ruft mich Harald an, dass die Vollmacht fertig ist und ein Angebot für die Verschiffung vorliegt. Mit einem Angestellten Haralds gehe ich in ein Anwaltsbüro und unterschreibe. Danach spazieren wir zu Haralds Motorradshop, wo ich die Verschiffung bezahle.
    Nachdem alles erledigt ist, rufe ich sofort die Flugambulanz an. Schon für den nächsten Tag erhalte ich einen Flug nach Hause.

    05.04. / 06.04.

    Ich besuche noch mal Harald in seinem Shop, um mich zu verabschieden. Am Abend geht es in der Businessclass nach Hause.
    Es ist mein erster Langstreckenflug in der Businessclass. Man kann sich daran gewöhnen. Ich hätte jedoch gerne darauf verzichtet, um weiterreisen zu können.
    Neben mir sitzt ein Bolivianer, der zum internationalen Gerichtshof nach Den Haag fliegt, um die Situation in Venezuela zu diskutieren. Die politische Situation hat sich in Venezuela in den letzten Monaten sehr verschlechtert.
    Ich komme am Abend in Wien an. Beim Verlassen des Flughafens kaufe ich noch schnell einen Block Manner Schnitten. Ich bin wieder zu Hause.

    07.04. bis …

    So schnell herausgerissen aus meiner Reise, muss ich mich erst an die neue Situation gewöhnen. Mit meiner Verletzung bin ich sowieso noch etwas eingeschränkt. Die Heilung meiner Brüche wird 4 bis 5 Wochen in Anspruch nehmen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

    P.S. Bleibt dran, noch bin ich nicht fertig mit Schreiben, es werden fürs erste noch 1, 2 Einträge folgen.

  • Unfall mit Folgen

    Tja, es handelt sich um keinen verspäteten Aprilscherz. Meine Reise hat ein abruptes Ende gefunden.
    Bloß mal in Kürze.
    Ich hatte am 30.03. am Nachmittag, als ich auf der Panamericana Lima durchfahren wollte, einen Unfall. Ich bin einem Auto, das mit dem Hinterteil auf der Fahrspur gestanden ist, ziemlich arg reingeknallt. Dazu sollt man wissen, wenn man hier die Stoßzeit überlebt, hat man schon Glück gehabt.

    Ergebnis: linkes Schlüsselbein gebrochen, linke Rippen und Seite zumindest geprellt, genaueres weiß ich noch nicht, rechte Hand beim Daumen etwas geprellt. Ich war kurz im Spital in dem Außenbezirk. Dort war ich  nur in der Ambulanz, Schlüsselbein wurde geröngt, dann wurde ich weggeschickt, um meinen Verband selbst zu kaufen.

    Die Front meines Motorrades ist hinüber. Es hat ein paar Tage gedauert, alles mit dem Motorrad zu organisieren. Aber jetzt kann ich endlich heim. Sonntag, ca. 19 Uhr komme ich in Wien an.

    Details, sobald ich wieder beide Hände zum Schreiben habe.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

    schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

    Album

    20.03., 21.03.

    Von Copacabana, in Bolivien, nach Puno, in Peru, ist es nur eine kurze Fahrt. Peter und ich kommen gegen Mittag dort an.
    Wir buchen am Nachmittag einen Ausflug zu den schwimmenden Inseln auf dem Lake Titicaca. Die schwimmenden Inseln sind die „Heimat“ des Uro Volkes, die der Geschichte nach schon vor der Sonne existiert haben. Sie haben „schwarzes“ Blut und sind gegen Kälte unempfindlich, konnten nicht ertrinken und waren immun gegen Blitze. Ihren Status als Übermenschen haben sie verloren, weil sie ungehorsam gegenüber den Gesetzen des Universums geworden sind und sich mit den Menschen vermischt haben. Die Uros waren eines der ersten Völker in den Anden, lange vor den Incas. Die Incas haben die Uros wegen ihrer einfachen Lebensweise als niedrige Klasse angesehen und schlecht behandelt. Irgendwann haben sie sich auf das Wasser zurückgezogen, um den Angriffen zu entkommen.

    Trotz ihrer einfachen Lebensweise hat das Volk der Uros die hoch entwickelten Incas mit ihren großen Tempeln überdauert.
    Die Inseln bestehen aus ca. zwei Metern Torfschicht belegt mit einem Meter Schilfart. Auf den kleineren Inseln leben 5 bis 7 Familien. Eine dieser Inseln hat vielleicht 15 bis 20 m Durchmesser. Gut gewartet, kann eine Insel gut 30 Jahre halten. Auf den Inseln bei Puno leben knapp 2.000 Personen. Mittlerweile ist der Tourismus eine große Einnahmequelle.

    Am Abend des ersten Tages sind Peter und ich in Puno unterwegs. Zu viele Mojitos zwingen mich, einen weiteren Tag halt zu machen. Ungefähr 400 km nach Cusco möchte ich in einem zweifelhaften Zustand nicht in Angriff nehmen.
    Peter geht es besser als mir und er fährt weiter.

    22.03., 23.03.

    Knapp 40 km von Puno entfernt liegt die Großstadt Juliaca. Ein ziemlicher Moloch. An der Ausfahrt ist die Straße mit kleineren und bis zu Fußball großen Steinen und teilweise zerschmetterten Glas übersät. Hin und wieder brennt irgendetwas leicht vor sich hin. So gut es geht, fahre ich langsam durch. Ich schätze mal, nach gut 100m werde ich von Einheimischen angehalten. Eine Demonstration, anscheinend heftiger. Bald bin ich von einem ganzen Haufen Leuten umringt. Ich bin aber noch gut weitere 100 bis 150 m vom Mob entfernt. Aus Sicherheitsgründen, so sagt man mir, soll ich einen Umweg nehmen. Halb so schlimm, es sind bloß 15 km mehr. Anscheinend war die Demonstration Vortags an der anderen Ausfahrt. Auch hier ist die Straße auf 300 bis 400 Metern kaum befahrbar und ebenso mit Steinen und Glassplittern bedeckt.

    Cusco ist architektonisch ein wahres Highlight, wenn auch, wie fast ganz Südamerika, mit zweifelhaftem historischen Hintergrund.
    Einst war, wo heute Cusco liegt, das Zentrum des Inca Imperiums. Die Spanier haben viele der Inca Gebäude und Stätten zerstört und die Steine für den Bau ihrer massiven, riesigen religiösen Bauten verwendet und davon gibt es viele in dieser Stadt.
    Abends treffe ich wieder Peter, der Maurice aus Irland/Australien mitbringt – ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs. Der Abend endet erneut feuchtfröhlich, was am nächsten Tag eine ausgiebige Sightseeing Tour meinerseits verhindert. Peter hat einen schlechten Einfluss auf mich. Er behauptet natürlich, es ist andersrum.

    24.03., 25.03. 
    Ich fahre weiter nach Ollantaytambo, das nur etwa 60 km von Cusco entfernt liegt. Schon zeitig am Morgen, als ich wegen meinem Ticket für Machu Picchu durch die Gegend laufe, gibt es in Cusco nahe meinem Hostel kleinere Straßensperren. Auf der Ausfahrtsstraße versperren dann Reifen komplett den Weg. Hier scheint der Mob nicht ganz so böse wie zwei Tage zuvor. Kinder spielen auf der Straße, es geht fröhlicher zu. Mit dem Motorrad kann ich mich aber leicht durchzwängen.

    Ollantaytambo war einst ebenso eine sehr bedeutende Inca Stadt. Sie ist eine der wenigen Städte, wo man die Stadtplanung der Incas sehen kann. Der Betreiber des Hostels zeigt mir den Hintereingang zur Hauptattraktion des Dorfes. dem massiven Inka Komplex mit seinen Terrassen, die sich den Berg hochziehen. Weiter oben auf dem Berg findet sich ein Tempel für religiöse Zwecke. Ich habe Glück, als ich mich reinschleiche, dass gerade kein Mitarbeiter im hinteren Bereich war. Einmal was verbotenes tun. 🙂

    Ollantaytambo ist der Ausgangspunkt zu Machu Picchu. Entweder per Zug oder zu Fuß auf dem berühmten Inca Trail. Obwohl sich hier eine Menge Touristen tummeln, ist der kleine Ort ziemlich gemütlich.
    Ich treffe ein letztes mal auf Peter, der schon Tags zuvor angereist war. Die Geschichte vom falschen 50er habt ihr sicher schon gelesen.

    26.03.

    Am 26.03. geht es zeitig in der Früh los. Zuerst mit dem Zug entlang des reißenden Urubamba Flusses. 1 1/2 Stunden dauert die Fahrt, die in Aquas Calientes, nunmehr Machu Picchu Dorf, endet. Machu Picchu Dorf liegt auf ca. 2.000m Seehöhe. Von dort geht es mit dem Bus über eine steile, enge, geschwungene Straße ca. 350 Höhenmeter zur Inca Stadt hoch. Eine weitläufige große Anlage, eingebettet in die Berge, die ringsherum in die Höhe ragen. Eine Stadt in einem unwegsamen Gebiet. Man kennt Machu Picchu aus Fernsehen und Zeitschriften. Es ist ein Erlebnis, es live zu sehen.

    27.03. / 28.03.

    Für zwei Nächte komme ich zurück nach Cusco. Ich habe ein paar Sachen zu erledigen und dafür ist eine große Stadt besser geeignet, als ein kleines Dorf.
    Ich gerate beinahe in Termin-Not.

    Für den ersten Abend habe ich mich mit Kerstin aus Deutschland verabredet, die ich tags zuvor im Hostel in Ollantaytambo getroffen habe.
    Für den Nachmittag am 28.03. haben sich Steve und Ollie angekündigt. Steve Harpt – einer der drei Steves – den Andi und ich in Patagonien getroffen haben. Ollie, ein guter Freund von Steve, ist für knapp zwei Wochen aus Botswana angereist, um mit ihm durch die Gegend um Cusco zu reisen. Sie waren in der Nähe von Cusco und es wäre schade gewesen, wenn wir uns nicht mehr getroffen hätten.

    Als ich durch Cusco spaziere, sehe ich plötzlich Alfred und Rosi an einem Tisch in einem Restaurant sitzen. Mit Alf und Rosi sind Andi und ich für drei Tage auf der Careterra Austral in Chile unterwegs gewesen. Das Wiedersehen ist herzlich. Wir plaudern eine Weile und verabreden uns für den nächsten Abend.

    Die letzten Tage waren wieder eine gute Zeit,
    Ich habe neue Leute kennengelernt, Peter, mit dem ich lustige Abende verbracht habe, die bezaubernde Kerstin und ich habe „alte“ Bekannte getroffen.
    Es sind Tage, an denen das Heimweh verschwindet.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Die kurze Geschichte vom falschen 50er

    Die kurze Geschichte vom falschen 50er

    In den letzten Tagen habe ich von schwimmenden Inseln, Cusco und Machu Picchu einiges gesehen. Aber darüber mehr in zwei bis drei Tagen. Hier mal die Geschichte vom falschen 50er.

    In Ollantaytambo war ich mit Peter, den ich in Bolivien getroffen habe, in einem Restaurant essen. Hier in Peru ist es immer gut, kleine Scheine in der Geldbörse zu haben. Manchmal ist es in den kleinen Läden schon ein Problem, wenn man mit 20 Soles Scheinen bezahlt. Es fehlt immer an Wechselgeld. Das Restaurant in dem wir waren ist eher gehobene Mittelklasse, ein Hauptgericht kostet zwischen 7 und 10 EUR. Wie auch immer. Unsere Rechnung macht knapp 140 Soles aus. Ich habe nur noch 100er und 200er Scheine in meiner Börse. Peter legt einen Haufen 10er und 20er auf den Tisch. Damit ich wieder etwas Kleingeld in meine Börse bekomme, nehme ich Peters Geld an mich und bezahle mit zwei 100 Soles Scheinen. Als Wechselgeld erhalte ich 50 und 10 Soles zurück.

    Am nächsten Tag bin ich zeitig auf und marschiere für gut 2 1/2 Stunden in der nahen Umgebung von Ollantaytambo rum. Gegen Mittag habe ich gut 7 bis 8 km hinter mir. Ich gönne mir eine Rast und setze mich auf dem Hauptplatz in ein kleines Restaurant. Dort esse ich eine kräftige Hühnersuppe und trinke ein Bier dazu. Ich möchte mit dem 50 Soles Schein bezahlen und werde sofort freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine Fälschung handelt – offensichtlich, wie ich nun auch sehe. Jedoch so gut, dass es für einen Touristen, der wenig darauf acht gibt, nicht erkennbar ist. So viel Aufmerksamkeit habe ich den Banknoten auch nicht geschenkt – bis dahin zumindest nicht.
    Mir war sofort klar, wo ich den 50er tags zuvor erhalten habe. Habe ich ihn bewusst erhalten? Oder war es Zufall? Ich weiß nicht, was ich denken soll. Der 50er bleibt vorerst mal in meiner Geldbörse.
    Ich schmiede Plan A, nochmal in dieses Restaurant zu gehen, mit dem 50er zu zahlen und ihn ebenda wieder zurückzulassen.

    Als ich tags darauf am Nachmittag von Machu Picchu am Bahnhof in Aquas Calientes zurück bin, habe ich noch etwas Zeit. Da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe, kaufe ich ein Sandwich und ein Getränk und gebe versehentlich den falschen 50er her. Er wird anstandslos genommen. Nun gut, denke ich, das war zwar nicht mein Plan, aber ich bin ihn wieder los. Gut 10 Minuten später werde ich von den Restaurants Bediensteten darauf angesprochen. Ich stelle mich natürlich dumm und frage was los ist. Wieder zeigt man mir, dass der Schein falsch ist. Ich möchte einen Aufruhr vermeiden und nehme den Schein zurück.

    Also zurück zu Plan A. Moralisch habe ich etwas Zweifel, aber da mittlerweile an zwei verschiedenen Stellen die Fälschung erkannt wurde, nehme ich an, dass mir das Restaurant den falschen 50er bewusst gegeben hat.

    Das „Verbrechen“ wird bis ins kleinste vorbereitet. Ich laufe um das Restaurant herum und suche den besten „Fluchtweg“. Ich denke darüber nach, welchen Platz ich im Restaurant einnehmen werde, damit ich schnell raus bin, solange die Kellnerin noch zur Kassa unterwegs ist. Ich überlege, dass ich um 60 Soles esse. Wie ich das Geld so auf den Teller platziere, dass Betrag und Rechnung erkannt werden. Dass ich den 50er so mit dem 10er überdecke, dass nur mehr ein Eck frei ist, auf dem die Nummer 50 sichtbar ist und ich noch ein paar einzelne Soles, als Trinkgeld und als Beschwerung, drauflege.

    Am Abend kehre ich also zurück in das besagte Lokal und setze mich strategisch hin. Das Essen schmeckt ohne Zweifel gut. Ich nehme ein Steak, ein Bier und danach noch einen Cocktail – in Summe genau 60 Soles. Am großen Nebentisch sitzt – wie am Abend mit Peter – wieder eine große Gruppe mit 16 oder mehr Leuten. Und hier kommt mir der Zufall zu Gute. Ich bin kurz davor, die Rechnung zu verlangen, als die große Gruppe zu zahlen beginnt – fast jeder einzeln. Jede Menge kleine Teller mit Rechnungen werden ausgeteilt. Die Leute sind am plaudern, es dauert bis alle den Betrag hinlegen und die Teller eingesammelt werden. Ich nutze das „Chaos“, frage ebenso nach der Rechnung und platziere die Scheine wie vorgesehen auf den Teller. Meine Rechnung vermischt sich mit den anderen. Ich bin schnell aus der Tür raus und verschwinde um die nächsten zwei Ecken in den engen dunklen Gassen. Das „Verbrechen“ ist geglückt.

    Ich bin mir sicher, dass sehr bald ein anderer Tourist mit dem Schein zu kämpfen hat.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Abschied von Argentinien

    Abschied von Argentinien

    Album

    Es ist eine Weile her, dass ich mich hier gemeldet habe, deshalb wieder mal ein kleines Update. Es geht mir ausgezeichnet. Ich habe es mir gut gehen lassen in Cafayate, Cachi und Salta.
    Spät aufstehen. Entweder etwas rumlaufen oder mit dem Motorrad die Gegend erkunden.
    Am frühen Nachmittag ein Bier und lesen in einem der Restaurants. Danach Siesta und abends oft Steak und Wein.
    Auch beim Schreiben war ich etwas faul.

    06.03 – 09.03. + 10.03 / 11.03.

    Nach 6 Tagen verlasse ich Cafayate und fahre auf der Ruta 40 weiter nach Norden nach Cachi.
    Cachi liegt auf etwa 2.600m Seehöhe. Es ist ein kleines Dorf mit etwa 5.000 Einwohnern. Der Kern ist kolonial geprägt. Ich bleibe drei Nächte. Der Ablauf unterscheidet sich nicht groß von dem in Cafayate.

    In Cachi zieht jeden Abend ein starker Wind auf. Nahe dem Dorf steige ich einen kleinen Hügel hinauf. Der Fels ist zerfurcht und die Steine sind scharf, Flip Flops sind bestimmt nicht das geeignete Schuhwerk.
    Vom Hügel hat man einen guten Überblick in beide Richtungen der Ebene. Die Landschaft ist von der Abendsonne in herrliche Farben getaucht.
    Ich kauere mich in eine windgeschützte Ecke und beobachte eine Weile den Sonnenuntergang. Manchmal wage ich einen Blick auf die andere Seite. Kleine Steine werden wie Nadeln in mein Gesicht geschleudert. Auf der anderen Seite sehe ich, wie große Staubwolken über den Fluss geweht werden.
    Der Abschied von Argentinien rückt näher. Zwei weitere Tage in Salta vergehen damit, ein paar organisatorische Sachen zu erledigen.

    12.03.

    Ich fahre ein Stück Richtung bolivianische Grenze nach Tilcara, damit die Fahrt am nächsten Tag nicht gar so weit ist. Hier verbringe ich die letzten Stunden in Argentinien und verprasse die letzten Pesos. Im Hostel gibt es ein Asado – grillen auf argentinische Art. Das heißt verschiedene Sorten Fleisch und Wurst. Die Rollen sind verteilt, während sich die Männer um das Fleisch kümmern, bereiten die Frauen den Salat und andere Sachen zu .. das scheint auf der ganzen Welt gleich.

    13.03.

    Zur Grenze sind es bloß 200 km. Ich genieße die Fahrt. Argentinien bereitet mir einen sonnigen Abschied. In der Grenzstadt La Quiaca gibt es keinen Benzin. Hierfür war die letzte Reserve an Pesos gedacht. Kein Problem, ich komme locker bis an mein Ziel.
    Auf der anderen Seite der Straße steht ein alter roter Bus, der in ein kleines Restaurant umgewandelt wurde. Vor dem Bus raucht es aus dem Grill. Auch hier wird Fleisch gebraten. Ich steige voll gekleidet in den Bus und frage, was ein Essen kostet. Die Antwort ist 50 Pesos. Ich sage, ich verlasse Argentinien und habe nur noch 30 Pesos übrig. Die Dame fragt die Chefin. Ja, ich kann einen kleineren Fleischteller haben.
    Und kurz bevor ich Argentinien verlasse, genieße ich noch einmal die Gastfreundschaft der Leute. Am Nebentisch sitzt eine Familie. Der Mann hat zugehört und bietet mir ein Glas mit Cola an.

    Die Grenzformalitäten sind rasch erledigt und bevor ich in den Gassen der bolivianischen Grenzstadt Villazon verschwinde, drehe ich mich noch einmal um, werfe einen Blick zurück und sage diesem wunderschönen Land und den wundervollen Leuten Auf Wiedersehen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • kein McDonalds in Bolivien

    kein McDonalds in Bolivien

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    „Ich steh’ am Titicaca See,
    der Hintern tut vom Fahren weh.“
    Bewunderer der gehobenen Literatur erkennen sofort .. Hier ist ein Poet verloren gegangen.

    13.03. / 14.03.

    2 Nächte in Tupiza. Es ist sonnig und heiß.
    Eigentlich wollte ich mich auf die Spuren von Butch Cassidy and Sundance Kid begeben. Angeblich wurden die beiden in San Vicente, das etwa 110 km von Tupiza entfernt liegt, in einem Feuergefecht mit bolivianischen Soldaten erschossen. Ich gebe das Vorhaben nach knapp einer 3/4 Stunde auf. Die einspurige kurvige Schotterstraße führt durch die Berge und ich habe vielleicht 15 bis 20 km geschafft. Da würde ich 5h nur in eine Richtung benötigen. Also erkunde ich die nahe Umgebung und verbringe einen gemütlichen Tag. Auch hier gibt es eine bizarre Landschaft, kostenfrei, sofern man die Möglichkeit hat hinzukommen.

    15.03.

    Von Tupiza geht es nach Potosi. Zum zweiten Mal quäle ich mich durch den horrenden Verkehr in die hochgelegene Innenstadt. Diesmal blieb mir das Wetter hold. Die Regenzeit scheint dem Ende entgegen zu gehen. Es regnet zwar jeden Tag noch immer, aber es handelt sich meist nur um kurze Schauer am Nachmittag oder Abend.

    Viel steht nicht auf dem Plan. Am frühen Abend gehe ich mit zwei Kanadierinnen und einem Amerikaner eine Kleinigkeit essen. Etwas später dann noch mal mit einem Belgier und zwei Schweizerinnen. Wir bewegen uns in der nahen Umgebung des Hostels. Nach dem Essen fragen wir auf der Straße ein paar Einheimische, wo wir noch etwas trinken gehen können. Sie sagen uns, wo es sicher ist und wo nicht. Auf dem Hauptplatz spricht uns dann kurz darauf ein ziemlich betrunkener Einheimischer auf englisch an, so um die 30, besser gekleidet. Er kriegt kaum einen geraden Satz raus. Wir hören ihm eine Weile zu. Der Belgier in unserer Gruppe, ich kann mich an den Namen nicht mehr erinnern und nenne ihn einfach B, wird dann von einem anderen einheimischen Typen etwas auf die Seite gezogen. Bei solchen Sachen werde ich misstrauisch. Was ist es, was nicht vor der Gruppe besprochen werden kann?

    B sagt dann zu uns, der Einheimische kann uns zu einem Lokal bringen. Ich traue der Sache nicht ganz. Wir gehen zwei Blöcke weit, als uns die Einheimischen von vorher von weitem Zurufen. „Hey, Hey, No, No – nicht in diese Richtung, das ist eine unsichere Gegend.“ Der andere ist kurz darauf verschwunden. Wir plaudern noch eine Weile mit ihnen und probieren vom hochprozentigen Schnaps den die Gruppe mit hat. Danach kehren wir kurz in ein kleines schmuddeliges aber nettes Hardrock-Lokal ein, in dem ein paar Leute mit ihren schwarzen Lederjacken und dunklem Erscheinungsbild sitzen.

    16.03.

    Die Fahrt von Potosi nach Oruro ist wieder mal ein wahres Highlight. Bei kaltem, aber blendendem Wetter geht es meist auf über 4.000m Seehöhe auf einer Strecke mit langgezogenen Kurven durch eine wunderbare Landschaft dahin. Es ist ein Tanz mit der Natur.
    Oruro hingegen ist nicht unbedingt ein Highlight. Ein Schauer zieht über die Stadt und ich ziehe mich nach dem Essen in mein Hotelzimmer zurück und sehe fern. An einem Denkmal an der Stadtausfahrt sieht man den dominierenden Industriezweig (Abbau von Rohstoffen) und wer auch dazu beiträgt (China). Das Denkmal ist ein riesiger Bergarbeiter Helm und davor schlingt sich ein Drache.

    17.03.

    So schön die Strecke von Potosi nach Oruro war, so schrecklich war die Strecke von Oruro nach La Paz. Eine einzige Baustelle, da sie gerade auf 4 Spuren ausgebaut wird. Schwere alte LKWs und Busse verpesten die Luft mit ihren stinkigen Abgasen. Die ersten Vororte von La Paz sind ein wahrer Horror. La Paz ist wieder eine der Städte, wo sich die Verkehrsregeln in – der schlechten – Luft auflösen. Jeder fährt wie er will. Man nähert sich der Stadt auf 4.000m Seehöhe, fährt ungefähr 10km durch die Vororte, dann erreicht man quasi die Kante der Hochebene und ist mal völlig baff vom Anblick, der einem geboten wird.

    Man blickt hinab in ein weites, tiefes Tal. Auf allen Hängen, egal wie steil und hoch, schmiegen sich die Häuser aus rot-braunen Ziegeln. Nachts sehen die Lichter der Häuser so aus, als würden tausende von Kerzen leuchten.
    Laut Wikipedia liegt der tiefste Punkt der Stadt bei etwa bei 3.200m und der höchste bei etwa 4.100. Laut GPS liegt das historische Zentrum auf einer Höhe von ca. 3.600m.

    Als ich durch die Vororte gefahren bin, hatte ich einen negativen Eindruck. Abends und auch als es schon dunkel ist, spaziere ich durch die Stadt. Menschenmassen drängen sich durch die Gassen, der Verkehr staut sich in den Straßen. Ich finde gefallen an ihr. Sie hat auf ihre Weise ihren eigenen Charakter und Charme.

    Irgendwer hat mir erzählt, dass es in Bolivien keinen McDonalds gibt. Zuerst habe ich in einem Restaurant einen Salat gegessen. Der Salat war nicht gerade füllend und es hat mich noch in eines der lokalen Fast Food Restaurants getrieben, wo ich noch einen Burger gegessen habe. Das Ambiente, Einrichtung, Ablauf, unterscheiden sich in kleinster Weise von großen internationalen Ketten … und es schmeckt auch nicht viel anders.

    Zurück im Hostel habe ich dann etwas im Internet nachgelesen. Und hier ist ein typisches Beispiel zu finden, wie Medien falsche Informationen verbreiten.
    McDonalds hat sich 2012 tatsächlich aus Bolivien zurückgezogen, sie konnten hier nicht wirklich Fuß fassen und bei der Bevölkerung ankommen.

    In den Medien wurde das dann großteils folgendermaßen dargestellt. Die Bolivianer „zeigen Respekt vor ihrem Körper und sind sehr vorsichtig welche Nahrung sie zu sich nehmen“, waren misstrauisch gegenüber dem Fastfood, das lokale „Fastfood“ wie z.B. Empanadas werden bevorzugt, usw. Vollkommener Schwachsinn!
    Hier im Zentrum von La Paz habe ich mindestens fünf unterschiedliche Fastfood Ketten ausmachen können, die nach dem Prinzip McDonalds, Burger King, KFC, … arbeiten. Beinahe an jeder zweiten Ecke findet sich ein derartiges Lokal. Von wegen, Respekt vor dem eigenen Körper …

    19.03.

    Ich verlasse die Großstadt und fahre auf der Ruta 2 weiter nach Copacabana. War ich froh, als ich das Verkehrschaos hinter mir hatte.
    Etwa 40 km vor Copacabana ist es notwendig, ein kurzes Stück mit der Fähre zu überwinden. Die Fähren sind sehr einfache flache Holzboote, auf die vielleicht zwei Autos passen.

    Während ich warte, kommt Peter aus Deutschland an. Es schlingert ganz schön und wir müssen unsere Motorräder festhalten. Wir fahren gemeinsam weiter. In Copacabana checken wir in einem feinen Hotel am Strand ein und lassen es uns mit dem letzten Geld noch gut gehen. Zur peruanischen Grenze sind es nur noch 9 Kilometer.

    Lt. Wikipedia war Copacabana mal ein indigenes religiöses Zentrum, heute ist es ein ziemliches Touristendorf, das hauptsächlich aus Hotels. Restaurants und Souvenirshops besteht.
    Trotz allem ist die Gegend hier ziemlich schön, und Lake Titicaca ist riesig. Das Wasser reicht bis zum Horizont. So lasse ich morgen das nächste Land hinter mir und besuche erneut Peru.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • nicht jeder kommt nach Hause

    nicht jeder kommt nach Hause

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    25.02. – 26.02.

    Nachdem ich einen weiteren Regentag in Mendoza abgewartet habe, fahre ich am Mittwoch weiter. Wie sich am Nachmittag herausstellt, war das ganz gut so.

    Laut Wetterbericht bleibt es heute trocken und ich nehme mir eine größere Strecke von 400km bis nach Villa San Augustin vor. Andi und ich haben dort vor etwa einem Monat schon zwei Nächte verbracht. Nettes Hostel, relaxte Betreiber.

    Ich nehme diesmal aber von Mendoza aus eine andere, direkte Strecke. Es geht zügig voran und mein Motorrad macht auch keine Probleme. Auf den letzten 150km durch die Pampa begegnen mir nur sehr wenige Autos. Aufgrund der Probleme in den letzten Wochen habe ich noch ein wenig ein unsicheres Gefühl, alleine durch solche weite Strecken zu fahren. Aber das wird sich auch wieder geben.

    In Mendoza habe ich auf den Satellitenbildern gesehen, dass ein weiter Bereich dieser Gegend vom Regen betroffen war. Von Mendoza bis Villa San Augustin ist die ganze Landschaft in Wasser getränkt. Die Wüste und Pampa wurden in eine schlammige Ebene verwandelt. Die Gegend rund um Villa San Augustin scheint es  stärker getroffen zu haben. Ich bin zwar auf einer asphaltierten Straße, muss aber mehrere kleine Flüsse kreuzen. Zweimal wurde die Straße weggeschwemmt.

    Kurz vor dem Dorf versperrt ein breiter, stark fließender Fluss die Straße. Es warten bereits mehrere Autos. Ich fahre langsam bis zur Wassergrenze. Auf der anderen Seite winkt mir ein Polizist heftig, dass ich nicht durchfahren soll. Hätte ich zumindest auf Anhieb auch nicht vorgehabt. Busse, LKWs und Geländewagen werden durchgelassen. Klein- und Mittelklassewagen werden mit einem LKW der Gemeinde durch den Fluss geschleppt. Nach ein paar Minuten setzt der Polizist mit dem Polizeiwagen über und gibt mir zu verstehen, dass ich mit dem Motorrad nicht rüber darf. Vor zwei Tagen ist hier ein Motorradfahrer umgekommen.

    Ich muss warten, bis jemand mit einem Pickup-Truck vorbeikommt. Es dauert aber nicht sehr lange. Ich nehme mein Gepäck ab und mit Hilfe von ein paar anderen Personen heben wir das Motorrad auf den Wagen. Der Einheimische verdient sich kurzerhand ein paar Pesos, indem er noch andere Motorräder über den Fluss bringt.

    Vom Betreiber des Hostels erfahre ich dann mehr. Am Montag hat ein chilenischer Motorradreisender die Warnungen eines Campingplatzbetreibers nahe des Flusses ignoriert. Der Unglückliche wurde beim Versuch, den Fluss zu überqueren, vom Wasser mitgerissen und hat es nicht überlebt.

    27.02. – 28.02.

    Bevor ich abfahre bereitet mich der Hostelbetreiber noch darauf vor, dass ich zwei weitere Flüsse kreuzen muss. Sie sind zwar tief, das Wasser reicht mir bis halb zum Schienbein – auf dem Motorrad, aber sie sind nicht sehr stark. Jedoch muss ich, was mir weniger gefällt, mit nassen Schuhen und Füßen weiterfahren.

    Ich übernachte in La Rioja und in San Miguel de Tucumán. Es handelt sich bloß um Zwischenstationen. Ich mag diese großen Städte meist nicht. Es ist schwer sich zu orientieren und die Leute fahren wie verrückt.

    01.03. – ?

    Zurück aufs Land, zurück auf die Ruta 40. Die Gegend hier nahe den Anden ist ausgesprochen schön. Von Tucumán führt eine kurvige Strecke entlang eines Flusses durch das bergige Tafi de Valle. Es geht auf über 3000m hoch. Zwei gegensätzliche Landschaften auf der einen und auf der anderen Seite des Berges. Es regnet leicht von Tucuman weg. Grün und bewaldet ist die Gegend. Überquert man den Pass findet man sich in der kargen, trockenen, mit Kakteen bewachsenen Gegend des Calchaquíes Hochlandes wieder.

    Cafayate ist eine gemütliche kleine Weinbau-Stadt. Berühmt bzw. das Markenzeichen der Gegend sind Weine von der Torrontés Riojano Traube, ein Weißwein.

    Im Moment verlängere ich den Aufenthalt von Tag zu Tag. Nur mit dem Essen ist es hier so eine Sache. Vor 9 Uhr abends tut sich kaum etwas. „Essen? Die Küche sperrt erst um 9 Uhr auf.“ Vorher erhält man bloß Kleinigkeiten wie Sandwich, Salat oder Empanadas.

    Am Sonntag hat ein Motocross Rennen statt gefunden. Ich sehe eine Weile zu, wie die Fahrer mutig über die Strecke jagen.  Auch dem Wein Museum statte ich einen Besuch ab. Hier wurde dem Weinbau in der Region ein kleines Denkmal gesetzt. Die Geschichte, die Herkunft, die Rebsorten, wie wichtig Erde und das spärliche Wasser sind. … alles wird anschaulich und unterhaltsam erklärt.

    Der Norden Argentiniens hat es mir wirklich angetan. Die Landschaft, das sonnige Wetter, die Gemütlichkeit … der gute Wein, die Steaks. Eigentlich wollte ich ungefähr Mitte März schon nahe Ecuador sein, aber gerade vorhin habe ich wieder Geld gewechselt. Ich bleibe wohl noch ein paar Tage in dieser Gegend.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

     

  • Veränderungen

    Veränderungen

    Album

    16.02. – 22.02.

    Wir/Ich war/en eine Woche Santiago. Santiago ist eine riesige Metropole mit etwa 6 1/2 Millionen Einwohnern. Die Stadt ist mir sympathisch.
    Für Sightseeing bleibt diesmal aber nicht viel Zeit. Ich bin mehrmals zum BMW Händler und zu einem anderen Mechaniker unterwegs, um mein Motorrad wieder richten zu lassen. Aber damit will ich euch nicht langweilen. Nur soviel, es bleibt einem die Spucke weg, wenn man sieht, was BMW für einen Plastik-Ersatzteil verlangt.

    Mein erster Weg in Santiago führt zu Marco und Silvia. Sie sind Freunde von Günther, den ich in Valdivia getroffen habe.
    Sie haben vor etwas mehr als 20 Jahren für ungefähr 6 Jahre in Österreich gelebt. Dort haben sie Günther kennengelernt. Silvia und Marco sind zwei überaus nette Personen. Ich werde sofort herzlich aufgenommen, ich erhalte Essen und sie fahren mich ein wenig in der Gegend rum.
    Marco hat mir im Vorfeld bei der Organisation meines Kühlers geholfen.

    Andi und ich verbringen die letzten Tage im Hostel mit „socializing“ auf deutsch, einer netten Zeit mit den anderen Leuten im Hostel.

    Am Donnerstag, den 20.02. hat mich Andi verlassen .. mitten in der Nacht .. ohne ein Wort zu sagen. Nur Spaß. 🙂
    Andi muss Mitte März zu Hause sein, um sich um ein paar wichtige Sachen zu kümmern.
    Es hätte nicht viel Sinn gemacht, weiter nach Norden zu fahren. Valparaiso ist in dieser Gegend die beste und einfachste Möglichkeit ein Motorrad nach Hause zu senden. Die nächste Möglichkeit wäre Lima. Aber das wäre sich zeitlich nicht mehr ausgegangen.
    Andi macht noch eine Woche Zwischenstopp in Jamaika, bevor er zurück nach Österreich geht.

    Es war eine gute Zeit. Es ist zwar nicht so verlaufen, wie geplant, aber es war lustig, abenteuerlich, anstrengend, erholsam und vieles mehr. Wir hatten Spaß und auch über lange Zeit keine Probleme miteinander auszukommen .. zumindest aus meiner Sicht nicht. Ich glaube, ich habe gut zwei Kilo zugelegt in diesen zwei Monaten, in denen wir gemeinsam gereist sind. Wahrscheinlich sogar mehr. In Gesellschaft isst und trinkt es sich besser.

    Taylor und Mike haben ihre Motorräder ebenfalls richten lassen und machen sich bereits nach drei Tagen wieder auf den Weg. Wenn alles gut geht, sehe ich Taylor in etwa vier Monaten in Seattle wieder.

    Am Tag vor meiner Abreise bin ich bei einem anderen Mechaniker. Mein Motorrad erhält einen neuen Kettensatz und auch eine neue Seitenverkleidung. Unglaublich, Carlos hätte sogar eine original Seitenverkleidung von meiner BMW Dakar. Aber 450 USD sind mir zu viel für ein Stück Plastik. Er hat noch ein anderes von einer älteren Baureihe und in einer anderen Farbe um knapp 200 USD.

    Als ich ihm zusehe, wie er das Teil montiert, beginnen meine Gedanken zu schweifen. Ich bin seit 7 Monaten unterwegs. Halbzeit. Ende September möchte ich zurück sein. Zeit für eine Zwischenbilanz?

    Besonders meinem Motorrad sieht man die Reise an.
    Blitz und blank geputzt habe ich es vor meiner Abreise fotografiert. Beinahe ohne Kratzer .. und jetzt .. es hat sich total verändert, sieht anders aus, eine Schramme hier, eine Schramme da, links eine andere Seitenverkleidung, die Koffer sind hinüber .. die Zeichen der Abnutzung sind groß. Aber mir gefällt es .. es erhält Charakter.

    Ich bin nicht der Mensch, der emotionell an materiellen Dingen hängt. Aber das Motorrad ist ein Teil von mir geworden, ich möchte es nicht wieder hergeben. Wahrscheinlich ist es billiger ein neues zu kaufen, als es nach der Reise wieder auf Vordermann zu bringen. Aber es ist das Ding, das dauernd unter meinem Arsch klebt und mich zu all den Abenteuern, Erlebnissen und Personen bringt.

    Sieht man auch mir an, ob ich mich verändert habe? Äußerlich bestimmt, auch vor mir macht das Alter nicht Halt. Aber habe ich mich auch innerlich verändert? Ich kann es – noch – nicht feststellen. Der Charakter eines Menschen bildet sich in jungen Jahren. Irgendwann ist man gefestigt in seiner Meinung und in seinen Werten. Je älter man wird, desto mehr bleibt man in festen Bahnen. Ich werde es wohl erst feststellen können, wenn ich wieder zu Hause bin.

    23.04., 24.04.

    Ich habe meine letzten Chilenischen Pesos ausgegeben und fahre deshalb wieder nach Argentinien. Aufgrund der Inflation wird Argentinien erneut billiger. Ich erhalte 11 Pesos für 1 USD auf dem Graumarkt. Bei meiner ersten Einreise waren es 8 Pesos.
    Hier sitze ich in Mendoza mal das kalte Regenwetter aus, bevor ich meinen ursprünglichen Plan nach Norden weiter verfolge.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.