Kategorie: 2013-14-Amerika

  • Der erste Diebstahl, Mini Las Vegas und die weitere Planung

    Der erste Diebstahl, Mini Las Vegas und die weitere Planung

    05.08.

    Der erste (kleine) Diebstahl. Ich habe zwei Nächte in Asheville verbracht. Die Stadt war mir vom Gefühl her schon beim Reinfahren etwas unsympathisch. Das Hostel war in Ordnung, neu, modern, sauber, mitten im lebhaften Zentrum, vielleicht zu lebhaft. Am zweiten Tag war ich dann kurz vor Mitternacht nochmal draußen, beim Motorrad nach dem Rechten sehen. 

    Es waren viele Pubs und Bars in der Umgebung. Da habe ich immer etwas Angst. Betrunkene Leute kommen auf dumme Ideen. Am Morgen der Abreise gehe ich zum Motorrad, es fehlt glatt die Abdeckplane. Wer macht denn sowas? Vielleicht ein Auftragsjob. 

    Alles andere war noch dran. Ich hatte meine Handschuhe, einen Pullover, USB Kabel und die Zurrgurte im Tankrucksack. War zum Glück alles noch da. Mit Schrecken habe ich dann auch noch festgestellt, dass der Koffer, in dem mein Werkzeug, Schlafsack, Schuhe und viele andere Sachen sind, nicht richtig verschlossen war. War auch noch alles da. Vielleicht habe ich noch mal Glück gehabt. Eine Abdeckplane ist verschmerzbar, da hängt kein emotionaler Wert dran. Ich verbuche den Betrag für die Neue beim Wartungsbudget.

    Trotzdem verfluche ich den Dieb. In New Orleans kann man so etwas ja offiziell machen lassen, oder? Aber dazu benötigt man ja einen Gegenstand von der Person, gegen die sich der Fluch richtet. So bleibt mir nur die Möglichkeit auf diesem Weg: Verflucht seist du. Möge das Ding, wofür du die Plane verwendest, nicht funktionieren!

    Warum so viel Aufhebens um eine Plane? Sie erfüllt zwei Zwecke. Zum einen natürlich als Schutz. Grad eben schüttet es wieder, was es nur kann. Zum Anderen möchte ich nachts die Aufmerksamkeit vom Motorrad lenken. Denn Aufmerksamkeit errege ich. 

    Fast täglich werde ich angesprochen, oft mehrmals. Beim Einkaufen, beim Tanken, beim Motel, … . Leute hängen sich auf der Autobahn aus dem Fenster und geben mir Daumen hoch Zeichen. Letztens hat mich im Vorbeifahren sogar wer fotografiert. Die Fragen sind meistens die gleichen „Woher kommst du? .. Wohin geht es? .. Wie lange? .. Alles Gute! Viel Glück!“ 

    Letztens steht einer im Pub beim Bestellen neben mir. Er hat erkannt, dass ich nicht von hier bin. Erzähl ich, was ich mache. Er nur „Holy shit, what?“ Zahlt er mir einfach so ein Bier. Auch solche Leute gibt es.
    Auch das Motorrad alleine zieht viele Blicke auf sich. „Cooles Bike“ bekomme ich oft nur so im Vorbeigehen zu hören. Enduros sieht man hier so gut wie gar nicht. In der Regel sind es Cruiser und Chopper, dicke fette Harleys oder die großen Japaner, wie Honda Goldwing. Es sind auch sehr viele Drei-Räder auf den Straßen. Dann gibt es noch ein paar japanische Straßenmaschinen, wie Suzuki und Yamaha. Die BMW Motorräder, die ich bis jetzt gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen.

    Raus aus der Stadt und rein in die Natur. Ich besuche den „Chimney Rock“ Park. Der Aufzug ist kaputt. Es sind zu viele Stufen da hoch. Danach fahre ich den Blue Ridge Parkway bis zu seinem Ende weiter. Der Parkway führt durch den Great Smokey Mountain National Park. Meine Tour endet in Pigeon Forge. Was ich hier antreffe, haut mich fast um. Das „Dorf“ ist eine Mischung aus Mini Las Vegas und einem Vergnügungspark. Motels wechseln sich ab mit Hochschaubahnen, Mini Golf Anlagen, Themen Restaurants und anderen Unterhaltungseinrichtungen.

    06., 07.08.

    Exakt vier Wochen sind um. Ich könnte nicht sagen, dass mir fad ist oder dass ich die unbeschwerte Zeit nicht genieße. Ich habe meine Reisegeschwindigkeit erreicht und ca. 5.000 km hinter mich gebracht. Im Schnitt drei, vier Tage fahren, dann ein, zwei fahrfreie Tage. Ich bleibe einen Tag in Chattanooga, weil ich überlege, wie ich weiterfahre.

    Mein erstes Vorhaben war, nach Florida zu fahren und von dort das Motorrad nach Kolumbien transportieren zu lassen. Ich entscheide mich aber, weiter Richtung Südwesten nach Mittelamerika zu fahren.

    Von hier nach Panama City sind es ca. 8.000 km. Das lässt sich in 6 – 7 Wochen gemütlich fahren. Anfang Oktober möchte ich in Südamerika starten.

    Im Pub neben dem Hostel unterhalte ich mich mit Greg. Greg ist Industrietaucher. Sein Arbeitsplatz ist unter Wasser, z.B. bei Staudämmen oder in Atomkraftwerken. Wir diskutieren über viele Dinge. Darunter auch welcher Job öder ist. Meiner, wo ich den grössten Teil des Tages vorm Computer sitze oder seiner, stundenlang unter Wasser mit einem dicken Schlauch Beton an die Wand klatschen.

    Tennessee scheint sehr religiös zu sein. An vielen der Grundstücke, an denen ich vorbei fahre, hängen die 10 Gebote an Tafeln an den Gartenzäunen. Und Kirchen gibt es hier (meist wieder diese kleinen Kirchenhäuser) … Unzählige. Baptisten, Lutherianer, Prespyterianer, … mit all ihren Untergruppen. Was weiss ich, was ich alles gelesen habe. „The Curch of Jesus Christ“, ein paar hundert Meter weiter „The Church of Christ Jesus“. Ich muss sofort an Monty Phyton, Das Leben des Brian, denken.
    Falls jemand die Erlösung sucht. Hier wird einem bestimmt geholfen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Baltimore und weiter nach Süd-Westen

    Baltimore und weiter nach Süd-Westen

    Album

    30., 31.07.

    Von Philadelphia ist es nur eine kurze Strecke nach Baltimore. Eine Freundin rät mir per e-mail einen Umweg über das nahe „Amish-Land“ Lancaster zu machen. Große Farmen finden sich entlang der Strecke. Vorwiegend wird hier Mais angebaut. Straßenschilder weisen darauf hin, auf Pferdekutschen acht zu geben. Im Vorbeifahren ist leicht erkennbar, in welchen Häusern die Amish leben. In den Garagen stehen anstatt Benzin betriebener Fahrzeuge, Kutschen.

    Entspannte 1 1/2 Tage in Baltimore. Gleich nach meiner Ankunft besuche ich Edgar Allan Poe’s Statue, Haus und Grab. Ich gehe zu Fuß. Das Haus, in dem er wohnte, liegt in einer Gegend, vorwiegend mit Reihenhäusern, eher untere Gesellschaftsschicht. 

    Es wurde von einem Verein vor dem Abriss bewahrt und passt so gar nicht mehr in das Umfeld. In einer der Straßen führt ein Jugendlicher auf dem Hinterrad seiner lauten Motocross Kunststücke auf. Ein Polizist, der an einer Ecke in seinem Wagen sitzt, schenkt dem ganzen wenig Beachtung.

    An einem Abend komme ich in einem Pub mit einem jungen PwC (PricewaterhouseCoopers) Mitarbeiter ins Gespräch. Vorwiegend prüft er Bilanzen von Unternehmen. Zwei unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander. Er erzählt mir von seinen 60-70 Stunden Wochen Arbeit, seinem großen Gehalt. Sein erstes Auto war ein Audi A4, ein Geschenk von seinem Großvater. Jetzt fährt er einen A6. Für ihn kommen nur europäische Fahrzeuge in Frage, amerikanische Autos sind Mist. Er braucht ein paar Bier, um von der Arbeit runterzukommen. Hin und wieder geht er raus eine rauchen. 

    Ich erzähle, dass ich meinen Job gekündigt und mein Auto und andere Dinge verkauft habe und mit dem Motorrad quer durch Amerika fahre. Wir trinken ein paar Bier und plaudern.

    01.-04.08.

    Es regnet. Wäre ja nichts Neues. Also rauf auf den Highway und auf zum Ziel. Auf dreihundert Kilometer hält meine Kleidung bei starkem Regen nicht dicht. Wenn das Wasser schon in meine Schuhe rinnt, kann es dann nicht auch von selbst wieder rausfließen? 

    Es geht durch Washington. Washington muss auf meinen nächsten Besuch warten. Vom Highway sehe ich den Obelisken, der in ein Baugerüst gehüllt ist. Vorbei geht es auch am Pentagon.

    Nass komme ich in einem Motel in Petersburg an, irgendwo, gleich ab vom Highway. Ich versuche mit der Heizung meine Kleidung trocken zu kriegen.
    Weiter nach Greensboro. Wieder in einem Motel an der Peripherie. Solche Tage, die hauptsächlich aus Fahren bestehen, noch dazu auf Highways und bei schlechtem Wetter und die dann auch noch in einem Motel am Stadtrand enden, sind etwas öde.

    So schön die Gegenden sind, durch die ich fahre. Die Städte sind mir oft ein Graus. Amerika ist ein Land, das „unterwegs“ ist, so empfinde ich das zumindest. Und vieles ist darauf ausgerichtet. Motels direkt bei der Autobahnabfahrt, nur um zu übernachten und am nächsten Tag wieder auf dem Highway zu sein. 

    Auf den Highways ist Tag und Nacht etwas los, ein riesiges Band an Fahrzeugen, bei Knotenpunkten oft 5 bis 6 Spuren in eine Richtung. Das Auto – ein unverzichtbares Mittel.
    Günstige Motels sind in der Regel nur an der Peripherie zu bekommen. Irgendwo an Highways. Diese, meist riesigen Gebiete, bestehen oft nur aus Handelsgeschäften. Man muss sich hier 6-8 Spurige Straßen vorstellen, die durch das Stadtgebiet führen. Zu- und Abfahrten bestehen oft auch aus 2 Spuren in eine Richtung.

    Fast Food Restaurants in Unmengen, riesige Supermärkte und andere Geschäfte. In Greensboro zähle ich 11 unterschiedliche Fastfood-Restaurants in unmittelbarer Nähe zum Motel. Bei uns sind ja nur McDonalds, Burger King und Subway bekannt. Vom Chinesen bis zum Waffelhaus gibt es hier unzählige Fastfoodketten. Drive Through Schnell Imbiss, Drive Through Bank, Drive Through Auto Werkstatt. Mit dieser Art der Kultur komme ich nicht wirklich zurecht.

    Im Reiseführer lese ich vom „Blue Ridge Parkway“. Leider einen Tag zu spät. Somit fahre ich nur die Hälfte in North Carolina. Der Blue Ridge Parkway ist ein Scenic Drive der in Virigina beginnend über 755km in North Carolina endet. Ein wahr gewordener Motorradfahrer Traum. Keine Unterbrechung durch Ortschaften oder Ampeln … nur fahren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Manhattan und Philly

    Manhattan und Philly

    Album

    26.07.

    Die ca. 230 km von Albany nach Manhattan habe ich in ziemlich genau drei Stunden auf einem kleineren Highway durch eine ansprechende Natur mit weniger Verkehr und Pausen bequem hinter mich gebracht. Für die nächsten 170km benötige ich 6 Stunden.

    Auf dem Broadway, der weit über die Insel hinaus in den Norden führt, setze ich auf Manhattan über. Ich wollte unbedingt durch Manhattan fahren. Wie sich bald herausstellt, eine fatale Fehlentscheidung. Schon die ersten zwei, drei km hätten eine Warnung sein sollen. Chaos pur auf den Straßen. Autos parken in erster und halten in zweiter von drei Spuren, um auszusteigen, einzusteigen, auszuladen, einzuladen … . Autos weichen aus und schieben sich ineinander. 

    Ich fahre durch die Washington Heights, Upper Manhattan, Harlem. Was heißt ich fahre? Im Stop and Go Tempo geht es von Ampel zu Ampel. Mal ist weniger Verkehr, üblicherweise Stau. Ich bringe kaum einen Kilometer hinter mich, ohne stehen bleiben zu müssen.

    Vorbei geht es an bekannten Plätzen, die ich 2009 besucht habe und komme am Columbus Circle an, der sich an der südwestlichen Ecke des Central Parks befindet. Endlich tauche ich ein in die Wolkenkratzer. Langsam schiebe ich mich mit den Automassen über den Times Square. Ich biege leicht rechts ab, verlasse den Broadway und fahre die 7th Avenue hinunter.

    Obwohl es nur langsam vorangeht, ist es ein imposanter Eindruck, eine schier endlose Häuserschlucht entlang zu blicken. Sonntag morgen, wenn kein Verkehr ist, hätte das bestimmt viel mehr Spaß gemacht.

    Ich erreiche den südlichen Teil der Insel und muß durch den Holland Tunnel nach Jersey. Hier geht fast überhaupt nichts mehr, mehr stehend als fahrend geht es Meter für Meter weiter. Ich benötige über 2 1/2 Stunden, um die Insel zu durchqueren. Doch auch auf der anderen Seite wird es kaum besser. Will diese Stadt denn überhaupt nicht enden?

    Mit jedem Stop, verkehrsbedingt oder an einer Ampel, verschiebt sich die Ankunftszeit am Ziel auf meinem Navigationsgerät nach hinten. Als würde sich die Distanz vergrößern und nicht verringern. Bis nach Philadelphia sind immer wieder Staus und Baustellen. Mein Navigationsgerät zeigt seit Stunden an, dass es nur noch 1 Stunde bis zum Ziel ist. 

    Das Hostel liegt inmitten eines Parks. Abgesehen von der Autobahn, die vorbeiführt, ein erholsamer Ort. Ich bin fix und fertig und froh, endlich angekommen zu sein.

    27.-29.07

    Philadelphia oder Philly, wie es auch genannt wird. Die nächsten drei Tage dienen der Erholung und dem Sightseeing. In Philadelphia kommt man an zwei Dingen nicht vorbei … an der Liberty Bell und ? Erraten. Rocky Balboa :-). Einige meiner Freunde haben gefragt, ob ich auch die Stufen zum Museum hochgelaufen bin. 

    Natürlich bin ich gelaufen, auf den Schienen, durch die Vierteln, die Allee entlang. Mir sind sie ja auch nachgelaufen … und ich bin davongelaufen. Es waren keine Fans, sondern Gangster, die mir an die Wäsche wollten. Neeein. 🙂 Ich habe mich die Stufen mehr hochgeschleppt, denn gelaufen. Aber man kann hunderten anderen Leuten zusehen, wie sie es tun … laufen.

    Liberty und Independence (Freiheit und Unabhängigkeit) kann man hier förmlich riechen. Verzeiht mir, wenn ich in meinen Beiträgen nicht auf historische oder geographische Gegebenheiten eingehe. Ich möchte hier nicht wiedergeben, was an vielen anderen Stellen nachgelesen werden kann. Wer Interesse hat, möge dies selbst tun.

    Eine der Katzen hier im Hostel hat unter meiner Motorradabdeckung auf meinem Tankrucksack geschlafen. Habe ich an den Spuren und Haaren erkannt. Ich glaube, es war die Weiße.

    Viele der historischen Einrichtungen sind frei zu besichtigen. Für Museumsbesucher ist das Philadelphia Museum of Art sehr empfehlenswert. Hat zumindest mir sehr gut gefallen. Eine Freundin hat mir den Tipp gegeben, das Penitentiary, ein ehemaliges Gefängnis, anzusehen. Auch sehr interessant. Ich war noch im Franklin Institut. Auf Benjamin Franklin trifft man hier auch an allen Ecken. Ein wahrer Tausendsassa. Das Institut ist eher was für Kinder. Hier kann man viel entdecken.

    An einem der Tage, es ist Sonntag, gehe ich ungefähr eine Stunde zu Fuß zum Museum of Art. Auf der N33 Street, auf der rechten Seite die Häuser, auf der linken Seite der Fairmount Park. Leute machen Picknick und grillen, spielen Musik oder üben den Abschlag auf einer Driving Range. Zum Teil sind Häuser in einem schlechten Zustand und zugenagelt. Auf dem Rückweg hole ich mir an einer Tankstelle, da es heiß und schwül ist, etwas zu trinken. „Food Mart“ steht in gelben Buchstaben auf einer blauen Tafel. Ich betrete den Laden. Er hat in etwa die Größe eines Tankstellen Ladens wie bei uns zu Hause. Man erhält ein wenig was zu trinken und zu essen und andere Bedarfsartikel. Bloß, ist dieser Laden etwas anders. Man betritt nur den Eingangsbereich und findet sich in einem wenig Quadratmeter großen Raum. Der Verkaufsraum ist mit dickem Glas, ich gehe mal davon aus, dass es Schußsicher ist, abgetrennt. Zwischen Verkaufspersonal und Kunde ist direkter physischer Kontakt beinahe unmöglich. Wie in einem Ticketladen gibt es eine Sprechöffnung und eine kleine Durchreiche für Geld. Durch das Glas kann man in den Verkaufsraum sehen und bekanntgeben, was man haben möchte. Um eine Ecke werden die Artikel durch eine Öffnung an den Kunden weitergegeben. Womöglich sieht es am Abend in dieser Gegend ganz anders aus.

    Morgen geht es weiter nach Baltimore. Dort möchte ich mich ein wenig auf Edgar Allan Poes Spuren begeben. Einer meiner Lieblingsautoren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Adirondacks (de)

    Adirondacks (de)

    22.07.
    Abschied von Montreal. Es geht geradewegs nach Süden. Bei Rouses Point überquere ich die Grenze in die USA. Der Grenzbeamte fragt mich, woher ich komme, warum ich kein kanadisches Kennzeichen habe und wie das funktioniert mit dem Import des eigenen Fahrzeuges „Ich habe ja nicht mal eine Ahnung, wie ich das im Computer erfassen soll“. Ich erkläre, dass es ein temporärer Import ist und ich deshalb mein Kennzeichen behalte. Er telefoniert eine Weile herum. Nach ein paar Minuten klappt alles tadellos. Ich muss noch in das Grenzgebäude die grüne Visum-Karte ausfüllen, die Fingerabdrücke werden genommen, es wird ein Foto gemacht. Es sind 6$ Bearbeitungsgebühr zu bezahlen und die Sache ist erledigt. Der Grenzbeamte wünscht mir alles Gute für die Weiterreise.

    Vielen Dank an meinen Bruder und seine Lebensgefährtin, die mir vor der Abreise geringe Beträge in unterschiedlichen Währungen, der Länder, die ich besuchen werde, zugesteckt haben. Einen Teil der USD habe ich zum Begleichen der Bearbeitungsgebühr schon brauchen können.

    Es ist schwer eine Unterkunft zu finden. Vermont ist eine schöne aber auch verdammt teure Gegend. Hostels sind ziemlich rar und campen traue ich mich noch nicht, da das Wetter ziemlich wechselhaft ist, von Warm und Sonnenschein keine Rede. Ich bleibe in einem Dorf stehen, weil ich es ganz nett finde und frage bei der Touristeninfo. „Wo liegt denn Ihr Limit?“ Ich sage: So bei 50-60$ (das liegt zwar weit über meinem wirklichen durchschnittlichen Budget von 30-40$ pro Nacht, aber dafür ist hier garantiert nichts zu kriegen). Die Mitarbeiter sagen mir, dass ich so ab 120-150$ die Nacht dabei bin, exkl. Steuer). Aber natürlich. 150$ (inkl. Steuer) ist mein gesamtes Budget für zwei Tage. Ich lande am Abend in Rutland, viel weiter südlich als geplant, wo ich ein Motel für 60$ die Nacht finde.

    23.07.
    Es regnet in Strömen. Die Wetterberichte und Satellitenbilder zeigen Regen im ganzen Gebiet an. Ich warte ein Weile und entscheide mich dann, hier zu bleiben. Es regnet bis weit über Mittag. Ich sehe fern und plane die Weiterreise. Am Nachmittag, als es schöner wird, mache ich ein paar Besorgungen und reinige mein Motorrad vom Staub und Schmutz der vergangenen Tage.

    24.07.
    Am Morgen regnet es wieder. Ich habe eine Wetter-Seite im Internet gefunden, die Regenschauer beinahe in Echtzeit aktualisiert. Dort sehe ich, dass es sich nur um einen Wolkenbruch handelt, der vorüberzieht.
    Ich fahre wieder ein Stück Richtung Norden, da ich durch die Adirondacks möchte. Das heutige Ziel ist Lake Placid, wo 1980 die olympischen Winterspiele stattgefunden haben.
    Es ist kalt. Ich trage meine Jacke + Innenfutter, einen Pullover und ein T-Shirt. Es ist kühl, aber das Fahren ist erträglich. Die Fahrt ist relativ kurz und ich komme nach Mittag im Hostel an. Dort sehe ich, dass es ca. 12 Grad C hat. Mit noch einem T-Shirt und dicken Socken ist das Fahren bei 10 Grad C sicher noch halbwegs angenehm möglich. Zumindest weiß ich jetzt, wo die Grenze liegt.

    David und seine Frau Terri betreiben das Hostel. Es liegt etwas außerhalb von Lake Placid und ist sehr nett. David ist ein relaxter und freundlicher Typ. 2009 ist er in ca. 5 1/2 Monaten den Appalachian Trail gewandert … 3.580km.

    Soweit ich mich hier in der Gegend Vermont und New York State rumgetrieben habe, kann ich nur sagen: Landschaftlich und vegetativ ist es genau wie in Österreich. Eine Mischung aus Laub- und Nadelwäldern. Natürlich haben wir keine Ahornbäume, aber gesamt gesehen sieht es sehr ähnlich aus. Als würde man durch Österreichs Berg- und Hügelland fahren.

    Den Nachmittag verbringe ich gemütlich mit rumspazieren und Kaffee trinken in Lake Placid. Wie man sich vorstellen kann, ein Touristenort. Es laufen die Vorbereitungen zum Ironman, der am kommenden Wochenende stattfindet. Wie mir David erzählt, findet er seit 1996 statt und ist DAS jährliche Großereignis in Lake Placid. David erzählt, lt. einer Erhebung, in einem der vergangenen Jahre, verdienen die Amateurfahrer, also die mit Beruf, im Schnitt 150.000$ im Jahr und die Profis, die von Sponsoren abhängig sind, ca. 30.000$.

    Mitten in der Ortschaft kehre ich bei einem „Altwarenhändler“ ein. Der Typ verlangt 55$ für eine Pfanne, die noch dazu etwas rostig ist, 525$ für das andere Dinge auf dem Foto, etwa 300$ für eine rostige Liege, von der nur mehr das Gestell und die Federn übrig sind, und was weiß ich nicht noch für anderes Zeug.
    Hallo, Mum! Wir sollten unsere alten Sachen nicht so billig auf dem Flohmarkt oder übers Internet verscherbeln, sondern als Antiquitäten anbieten.

    25.07.
    Endlich wieder Sonnenschein. Vor der Abreise empfiehlt mir David, entweder die Sprungschanze zu besichtigen oder ein paar Meilen auf einen Berg zu fahren. Ich entscheide mich für die Sprungschanze, da sie auf dem Weg liegt. Es war nicht zu viel Versprochen. Von oben hat man eine super Aussicht.
    Danach geht es weiter durch die Adirondacks. Eine echt wunderschöne Gegend. Immer wieder komme ich durch kleine Orte an kleinen oder größeren Seen vorbei. Das Fahren macht wirklich Spaß.
    Die Freude verschwindet, als ich mich Richtung Albany bewege. Es mag schon sein, dass die Innenstadt etwas zu bieten hat. Aber der Außenbezirk, in dem ich auch übernachte, steht im totalen Kontrast zu meiner Fahrt tagsüber.

    Und in den nächsten Tagen erzähle ich euch von meinem 9 Stunden dauernden Trip von Albany durch Manhattan nach Philadelphia.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • ein Wochenende in Montreal

    ein Wochenende in Montreal

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    19. – 21.07.

    Vielen, vielen Dank an Esra und Paul, für die Gastfreundschaft und für ein großartiges Wochenende in Montreal. Ich denke, gute Freunde erkennt man daran, dass, egal wie lange man sich nicht sieht, es so ist, als wäre es erst letzte Woche gewesen.

    Paul und Esra haben mich mit einem Feuerwerk empfangen. Esras Schwester Zeynep und ihre Nichte Melis sind ebenfalls zu Besuch in Montreal. Es war ein großartiges Willkommen.

    Es waren jede Menge Festivals im Gange. Ein Musikfestival, das Comedy Festival, ein Kinderfest und wer weiß nicht noch alles. Wir waren im Park und im Vergnügungspark. Während Melis, Zeynep und Esra Spaß für Kinder hatten, hatten Paul und ich „richtigen“ Spaß. 😉
    Paul hat mich in den  La Ronde Vergnügungspark eingeladen und wir sind Rollercoaster gefahren. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal gemacht habe. Die Dinger sind richtig abgegangen.

     

    Am späten Nachmittag, als sich die Sonne gegen den Horizont bewegt, scheint jedoch irgendetwas nicht zu stimmen. Kinder werden unruhig. Etwas Böses liegt in der Luft. Einige beginnen sich in eine Mischung Mensch-Tier zu verwandeln und fallen andere Personen an. Es dauert nicht lange und schon ist eine Armee von Zombies auf allen Straßen.

    Polizei und andere Einsatzkräfte versuchen der Lage Herr zu werden, aber vergebens. Sie werden einfach überrannt. Mit unterschiedlichsten Fahrzeugen versuchen Leute aus der Stadt zu flüchten.

     

    Wir schaffen es irgendwie heil zu Pauls und Esras Apartment. Es ist nur noch Zeit, das Notwendigste zu packen. Ich springe auf mein Motorrad und fahre einfach los, ohne einen Blick hinter mich zu werfen. Esra, Paul, Zeynep und Melis erwischen gerade noch den letzten Zug, der die Stadt verlässt. Ich hoffe, sie sind heil rausgekommen.

      

    Ok, Ok, möglicherweise ist nicht alles so passiert wie beschrieben. 🙂

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • nach Montreal

    nach Montreal

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    18.07
    Von Riviere-du-Loup sind es auf der „Route des Navigateurs“, einem Scenic Drive entlang des Saint Laurent Flusses, gemütliche 220km nach Quebec City. Der Fluss ist an manchen Stellen so breit, dass er mehr einem See gleicht.

    200 bis 250 km sind eine angenehme Tagesdosis. Die bringt man, mit Pausen, stehen bleiben und fotografieren, in vier bis fünf Stunden hinter sich. Man ist am frühen Nachmittag am Ziel und hat gemütlich Zeit, sich umzusehen, zu essen und für andere Sachen.

    Quebec ist der französische Teil von Kanada. Die Gegend, durch die ich fahre, ist von Farmen dominiert, Silos säumen den Weg. Was auffällt, sind hier die Kirchen. Während in Nova Scotia und New Brunswick entlang der Strecke oft nur kleine hölzerne Kirchen zu sehen waren (wo so schätzungsweise 15-30 Leute Platz haben), findet sich in Quebec fast in jedem Dorf eine große steinerne Kirche.

    Quebec City ist von Touristen überlaufen. Aber man kann der Altstadt ja auch nicht abstreiten, dass sie Charme hat. Mit den engen Gassen und Straßen, bergauf – bergab, der Promenade, … . Zu Fuß kann das ganz schön anstrengend werden. Wer mehr wissen möchte, sehe sich den Bericht von 2005 auf meiner Homepage an. Ich verbringe den Nachmittag mit kurzen Spaziergängen rund um das Hostel, immer wieder mein Motorrad im Auge, weil das Parken erst ab 18 Uhr bis 9 Uhr gratis ist.

    Abends sitze ich gemütlich in der Bar des Hostels, als plötzlich eine Alarmanlage zu hören ist. Hört sich an wie meine. „Verdammt, rüttelt da wer an meiner Maschine?“ Ich schütte mein Getränk hinunter und gehe raus. Alles Ok, war ein anderes Fahrzeug. Ich bin beruhigt.

    19.07
    Ziel: Montreal. Bereits in der Nacht hat es begonnen zu schütten. Die Wettervorhersage ist auch nicht ermunternd. Unwetterwarnung auf der ganzen Strecke. Ich warte ein Weile und entscheide mich dann abzufahren. Noch im Regen bepacke ich das Motorrad. Ich habe Glück. Kurz darauf hört es auf, zu regnen. Auch während der Fahrt bleibe ich trocken. Es weht bloß ein starker Sturm, der mich hin und wieder packt und durchrüttelt. In Montreal angekommen dauert es nicht lange und das angekündigte Unwetter zieht auf. Ich bin heilfroh, dass ich jetzt nicht draußen bin. Bis Montag bleibe ich bei meinen Freunden Esra und Paul in Montreal. Nach sechs Tagen durchgehend fahren tut eine Pause ganz gut.

  • Freude am Fahren

    Freude am Fahren

    15.07

    Es geht los. Ich verlasse meinen Ausgangspunkt Halifax und bin somit offiziell auf dem Weg. Meine nächsten Ziele sind Moncton, Fredericton, Riviere-du-Loup, Quebec City und Montreal. Wieder ist es brennend heiß.Schon beim Bepacken des Motorrades komme ich ordentlich ins Schwitzen. 

    Ich bin froh, als ich drauf sitze und der Fahrtwind kühl durch meine Kleidung bläst. Im Navigationsgerät habe ich eingestellt, dass Autobahnen vermieden werden, dass aber auch unbefestigte Straßen in die Navigation mit einbezogen werden.

    Ich bewege mich auf Bundes und Landesstraßen. Verlässt man Dörfer und Städte hält sich der Verkehr in Grenzen. Es ist ein entspanntes Dahingleiten. Kein dauerndes Bremsen und Gas geben, alleine auf Weiter Flur.   Ich finde die Art der Besiedlung sehr interessant. Selbst auf den langen Strecken zwischen Dörfern und Städten findet sich entlang der Straße spätestens nach zwei Kilometern ein Haus, mal ist es eine Ansammlung von mehreren Häusern. Täglich zum Supermarkt fahren oder schnell mal ins Kino ist hier eher nicht der Fall.  

    Gegen Ende zieht mich das Navigationsgerät mehrmals auf breite Schotterpisten. Es dürfte sich um offizielle Straßen handeln. Selbst mitten im Wald finden sich an den Kreuzungen Wegweiser.  Mal bin ich für ein paar Kilometer On- mal für ein paar Kilometer Off-Road. Die heutige Tour hat viel Spaß gemacht.

    Das Hostel in Moncton ist gemütlich. Es ist ein etwas größeres umfunktioniertes Einfamilienhaus. Nicht viele Leute. Mike begrüßt mich. Auch er ist ein Gast. Er ist eine netter Kerl. Mike arbeitet auf einem Ölfeld etliche Flugstunden von hier entfernt. Zwei Wochen arbeiten, eine Woche frei. Er hat schon ein paar Biere intus. Für die nächsten zwei Wochen gibt es keinen Alkohol. Das Ölfeld ist eine „trockene Zone“. Nach der langen Fahrt tut mir ein Bier sicher auch ganz gut. 

    Mit Mike gehe ich zum Liquor Store. Ich nehme zwei Flaschen Bier und sage noch zu Mike … Ne, ich werde nicht so viel trinken … um später Nachschub zu holen … . Da Mike abreist und er noch Essen übrig hat, lädt er mich ein. Die Nacht endet mit ein paar Leuten aus dem Hostel in einem Pub. Hier gibt es ein Bier namens „La Fin Du Monde“ (das Ende der Welt), in der praktischen 0,75er Flasche, 9%, sehr süffig. Zwei Flaschen und man hat „la fin du monde“.

    16.07

    Heute zum Glück nur eine kurze Tour. Die Nacht war doch etwas zu lange. Von Fredericton kann ich nicht viel erzählen. Ich übernachte wieder in einer Uni. Es ist nichts los. Vielleicht liegt es daran, dass die Uni etwas weiter vom Zentrum weg ist. Gut für mich. Somit komme ich nicht in Versuchung, in irgendeinem Pub zu landen. Außerdem habe ich sowieso ein paar Sachen zu erledigen. Ich schlafe erst mal zwei Stunden, um das Defizit von gestern auszugleichen. Ich wette, es sind keine drei Gäste hier. Ein langer, dunkler Gang im Inneren des Gebäudes. Links und rechts die Türen zu den Zimmern. Irgendwie komme ich mir vor wie in „The Shining“. Abschließen nicht vergessen. Aber was hilft das schon gegen eine Axt.

    17.07

    Heute waren ca. 460 km geplant. Nach etwa 150km wird das Wetter schlechter. Bald darauf beginnt es zu regnen. Zuerst ganz leicht. Das ist ok. Die Kleidung bleibt trocken. Ich ziehe die Regengamaschen an damit meine Schuhe trocken bleiben. Bin aber zu faul um stehen zu bleiben und die Regenkleidung auszupacken. Bald darauf schüttet es aus allen Kübeln. Ich bin ziemlich schnell durchnässt. 

    Noch über 250 km vor mir? Ich friere. Das wird die Hölle. Ich fahre weiter. Es hilft nicht viel, die Schuhüberzüge zu tragen, wenn das Wasser innen an den Beinen runter rinnt. Die Freude am Fahren ist ziemlich schnell vorbei. Um abzukürzen nehme ich den Highway. Das verkürzt die Route um gute 60km. 

    Zum Glück reißt das Wetter auf und die Sonne kommt wieder etwas durch. Als ich in Riviere-du-Loup ankomme bin ich großteils wieder trocken. Wie sehr hätte ich mir heute einen dieser großen Maschinen gewünscht, mit großem Windschutz und wo die Verkleidung vor Regen schützt.

    In Riviere-du-Loup kann ich bloß noch ein wenig rumlaufen, bevor es wieder zu schütten beginnt. Zeit zu schreiben. Hoffentlich wird es morgen besser. Ach, ich bin mittlerweile in Quebec. Hier wird primär französisch gesprochen. Das erschwert die Kommunikation etwas.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Halifax und Umgebung

    Halifax und Umgebung

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    13.07 + 14.07.

    Sightseeing in Halifax. Ich laufe. Ich laufe durch die Straßen. Ich laufe rauf zur Zitadelle, von wo man einen guten Überblick auf die Stadt und die Umgebung hat. Und dann laufe ich zum Hafen. Das Wetter ist hervorragend. Viele Leute tummeln sich an der Promenade.

    Kinder spielen und Straßenmusiker versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Point of Pleasant Park, am Südzipfel, laden ein paar Stellen zum Baden in der Bucht ein. Leider habe ich meine Badesachen nicht dabei. Bei der Affenhitze kann ich der Versuchung nur schwer widerstehen mit samt der Kleidung in das kühle Nass zu springen.

    Samstag verbringe ich einige Stunden auf dem Jazzfest. Der Eintritt ist frei.

    Am Sonntag unternehme ich die erste große Fahrt. Etwa 250km sind geplant, 4 1/2 bis 5h. Am Vormittag geht es los, zuerst die Küste entlang. Ich komme an Buchten vorbei, in denen Segelschiffe sanft in den Wellen schaukeln.

    Obwohl es 10 Uhr vormittags ist und bereits strahlender Sonnenschein, ist es am Meer entlang bitterkalt. Ich friere und muss einen Pullover anziehen. Die geplante Route zieht mich dann ins Landesinnere. Mittlerweile ist die Temperatur stark angestiegen, irgendwo sehe ich mal 36 Grad auf einer Anzeigetafel.

    Bei dieser Hitze ist das Fahren anstrengend. Ich komme immer wieder an kleinen Seen vorbei. Rundherum befinden sich private Grundstücke mit Häusern drauf. Ich fahre ein paar der Seen ab und suche einen öffentliche Zugang. Vergebens. Es ist eine wahre Folter. Die Abkühlung ist zum Greifen nah und doch unerreichbar.

    Sonntags sehe ich gegen Abend noch beim Libanesischen Festival vorbei. Als wäre man mit einem Schlag in einem anderen Land. Das Publikum besteht zum Großteil (ich gehe mal davon aus) aus Personen libanesischer Herkunft. Nur wenige Touristen oder Einheimische sind zu sehen. In einem Festsaal werden von diversen Gruppen Tänze aufgeführt. Ich genehmige mir einen großen Teller libanesischer Spezialitäten. Es gäbe noch einiges zu sehen. Aber ich muss weieter. In fünf Tagen habe ich mich bei meinen Freunden in Montreal angekündigt.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Haben Sie ein Visum? Teil 2.

    Nur Spass! 🙂 Aufgrund des Desasters beim Flug nach Australien (siehe eben diesen Blog), habe ich mich diesmal sehr gut vorbereitet.

    11.07.
    Bis auf kleine Ungereimtheiten beim Online Check-in und wegen dem zweiten Gepäckstück, die sich aber zu meiner Zufriedenheit gelöst  haben, ist diesmal alles gut verlaufen. Auf dem Flug nach Frankfurt, wo ich ca. zweieinhalb Stunden Zwischenaufenthalt habe, hatte ich einen super Platz.
    Kurz vor der Landung werden diverse Anschlussflüge durchgesagt. Bei einem der Flüge sagt die Flugbegleiterin: „Und für die Passagiere von Flug … nach … habe ich nur einen Rat: Laufen Sie!“

    Nun ist es so, dass wenn, wie bei mir nur ein One-way Ticket vorliegt, man ein Weiterreise-Ticket haben muss/sollte, welches nicht in bestimmten Ländern enden darf. Tatsächlich werde ich beim Einsteigen in den Flieger nach Halifax gefragt, ob ein solches vorliegt. Verwehrt nämlich ein Land die Einreise, kann es sein, dass die Fluglinie für den Rücktransport der Person verantwortlich ist.

    Die 7 Stunden nach Halifax vergehen wie im Flug. 😉 Dort wartet die nächste Hürd – die Immigration. Die Grenzbeamten erhalten bestimmt eine Schulung, damit sie auch wirklich grimmig wirken. Ich erkläre das Ziel meiner Reise und muss kein Ticket vorzeigen, die Einreise war kein Problem.
    Der Flughafen liegt gut 30 km von der City entfernt. Ich erwische noch den öffentlichen Bus, der bloß 3,25 CAD kostet. Ein Taxi würde ca. 60 CAD kosten und Shuttle Buse gibt es lt. Internet nicht mehr. In der City benötige ich dann trotzdem noch ein Taxi zur Unterkunft, knapp 40kg über 3,5 km schleppen wäre mir dann doch zu anstrengend. Aber der Bus tut es allemal, wenn man ein Hotel in der Innenstadt hat. Es ist unnötig, ein Taxi vom Flughafen zu nehmen.

    Ich übernachte in einem Einzelzimmer in der St. Mary’s Universität, die in den Sommerferien Zimmer vermietet. Auch nicht viel teurer als im Dorm in der Jugendherberge. Gegen 9 Uhr Ortszeit bin ich endlich angekommen, bald darauf falle ich ins Bett.

    12.07
    So gegen 7 bin ich aus dem Bett. Duschen, kontinentales Frühstück und dann geht es los. Mein Motorrad ist schon seit drei Tagen hier und wartet sicher schon sehnsüchtig auf mich. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg.

    Station 1: Wallenius Wilhelmen Büro (das Schifffahrtsunternehmen), Entfernung ca. 3,5 km. Dort sind noch diverse Gebühren zu bezahlen. Vor Ort erfahre ich, dass kein Bargeld angenommen wird. Ich werde gebeten, auf das nächste Postamt zu gehen, dort kann ich eine Zahlungsanweisung erstellen lassen. Ok. „Wo ist das nächste Postamt?“ „Wissen Sie wo die Mall ist?“ „Nein, bin eben erst angekommen.“ „Hier und dort.“ „Danke“.

    Draußen mal zur Sicherheit auf das Navi schauen. Das nächste Postamt, das mein Navi kennt, ist 2,5 km entfernt. Macht nichts. Marschiere ich eben. Dort wandle ich Bargeld in ein Stück Papier um, das das Schifffahrtsunternehmen bei einem Postamt wieder abholen muss. Dafür laufe ich eine Stunde durch die Gegend, aber es soll eben so sein. Meine Papiere werden abgestempelt. Nächste Station Zollamt, ca. 700m entfernt. Kopieren der Fahrzeug- und anderer Papiere, ein paar Fragen, schnell erledigt.

    Somit darf ich das Motorrad abholen. Das Motorrad steht etwa 13 km entfernt auf der anderen Seite der Bucht. Ich nehme die Fähre und dann den Bus. Die erste Hürde ist der Ticketkauf. Für öffentliche Verkehrsmittel empfiehlt sich immer Münzen bei sich zu haben, da in der Regel auf Scheine nicht rausgegeben wird. Im Fährenterminal sitzt der Kassier leger in einer kleinen Bude und liest. Tickets gibt es nur gegen genaues Kleingeld. Der Kassier verweist mich an einen Automaten, wo ich einen Schein in Münzen wechsle. Noch habe ich keine Ahnung, was was ist. Mal Münzen angucken und andere Leute vorbei winken. Unter den Augen des Kassiers schmeiße ich die Gebühr in die Kassa, die ein wenig an eine Milchkanne erinnert, und erhalte das Ticket.

    Ich warte sitzend auf einer langen Bank in der Halle des Terminals. Links von mir sind etwa 10-12 Kindergartenkinder mit ihren zwei Betreuerinnen. Ein kleines blondes Mädchen schiebt sich an mich heran und stößt mit dem Kopf an meinen Arm, sieht mich an und kichert. Ich zwinkere ihr zu. Die Betreuerin ruft: „Hey, Daniela sit down.“ Daniela entfernt sich. In einem unbeobachteten Moment schiebt sie sich wieder heran und stößt erneut mit ihrem Kopf an meinen Arm. Wir spielen dieses Spiel ein paar mal, bis die Fähre kommt.

    Auf der anderen Seite der Bucht ist eine kurze Strecke zur Busstation zurückzulegen. Etwa 20 Minuten vor Mittag bin ich dann beim „Autoterminal“. Die Dame an der Rezeption kontrolliert und unterfertigt meine Papiere. Sie spricht in ihr Walky-Talky: „Ist es möglich ein BWM Motorrad vorne abzuliefern“. Das Gespräch geht hin und her. Es muss jemand mit einem Motorradführerschein gesucht werden. „Bis wann soll das geliefert werden?“. „Noch vor der Mittagspause, wenn möglich“. „Ok“.

    Ich warte gespannt ein Weile. Wird alles OK sein? Wird die Batterie nach etwa 3 Wochen Stehzeit noch laufen? Bange Minuten vergehen, dann sehe ich, wie das Motorrad vorgefahren wird. Ich bin erleichtert und gehe nach draußen. Ich soll überprüfen, ob alles in Ordnung ist und keine Schäden vorhanden sind. Alles ist tadellos. Keine Schrammen, alles ist dran. Nur ein wenig schmutzig. Ist wohl die Tage, wo es auf mich gewartet hat, bei schlechtem Wetter draußen gestanden. Mit einer Unterschrift übernehme ich das Motorrad und mache mich auf den Weg Richtung Unterkunft. Ich bin froh, dass alles ohne Probleme, um nicht zu sagen, dass alles sehr gut verlaufen ist. Ich bin hier, mein Gepäck ist hier und mein Motorrad ist hier.

    Am Nachmittag schließe ich dann erstmal die elektronischen Geräte (Alarmanlage, Kettenöler, USB Anschluss) an die Batterie an. D.h. Verkleidung entfernen, Schrauben von der Batterie entfernen, Kabel anhängen und wieder zusammenschrauben. Auch die Halterung für den Tankrucksack wird mit angebracht. Außerdem verpasse ich dem Motorrad noch eine kleine Handwäsche. Nachdem ich fertig bin, mache ich noch eine Testfahrt. Es scheint alles zu passen.

    Ich bin angekommen.

    Halifax ist mir, von dem, was ich so im durchfahren und durchlaufen gesehen habe, sehr sympathisch. Die nächsten zwei Tage, wo ich hier noch hier bin, werde ich mir Zeit für die Stadt nehmen. Morgen ist auch der letzte Tag des Jazz Festivals. Da sind diverse Konzerte frei. Ich werde sicher vorbeischauen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.