Kategorie: 2013-14-Amerika

  • Aufregende Tage in Honduras und Nicaragua

    Aufregende Tage in Honduras und Nicaragua

    Mittlerweile sind wir, Renate, Bart und ich, in Nicaragua angekommen.

    In Honduras sind wir ein paar Kilometer Off-Road unterwegs gewesen. Mein zweiter Umfaller im Gelände. Zum Glück war es dieselbe Seite wie beim ersten Mal. Mein Koffer ist diesmal nicht so gut davon gekommen. Mit einem Stein musste ich ihn soweit hinklopfen, damit er auf dem Rack bleibt. Ich hoffe, dass ich in Costa Rica jemanden finde, der ihn wieder halbwegs hinbekommt.

    In Nicaragua haben wir das erste Mal Bekanntschaft mit der korrupten Polizei gemacht. Bart kommt bei der ersten Begegnung nicht so gut weg. Um ehrlich zu sein, es war auch berechtigt. Mit der Unterstützung eines Einheimischen, der uns später an einem etwas schrägen Abend noch etwas ausnutzt, bekommt Bart etwa zwei Stunden nach dem Vergehen seinen Führerschein zurück. Ansonsten hätten die beiden auf Grund von Feiertagen von Samstag bis Dienstag in der Stadt bleiben müssen.

    Beim zweiten Mal war es reine Korruption. Wir werden von drei Beamten aufgehalten und mit einem fadenscheinigen Vergehen angeklagt. Zuerst sagen sie, man muss mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand halten, später war es eine Geschwindigkeitsübertretung.
    Wir wurden auch schon ein paar Mal in Honduras aufgehalten. Dort handelte es sich aber nur um eine Überprüfung. Ich zeige seit Honduras bei Kontrollen nur mehr die laminierte Kopie meines Führerscheins her. Die erkennen den Unterschied nicht.
    Wie auch immer, wir werden jeder mit ca. 75 EUR Strafe für nichts belegt. Wir diskutieren. Bart kommt auf die Idee, “OK wir reisen in einer Gruppe. Ihr (die Polizei) behält einen Führerschein (meine Kopie), somit können wir nicht ausreisen.” Renate und Bart nehmen ihren Führerschein an sich und wir sind fast schon bereit abzufahren, als ein Einheimischer stehen bleibt und fragt auf englisch, ob er uns helfen kann. Ja! Er diskutiert eine Weile mit den Polizisten und auch ich erhalte meinen „Führerschein“ zurück. Ich hätte mehr als nur zwei Kopien mitnehmen sollen.

    In ein paar Tagen bin ich in Costa Rica. Sobald mein Laptop repariert ist, oder was ich nicht hoffen will, ich einen neuen habe, hole ich das Schreiben nach.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • status

    status

    Es gibt weiterhin viel zu erzählen.
    Nach einem anstrengenden Übertritt und zwei Tagen Guatemala bin ich mittlerweile schon in Honduras.
    Leider hat sich mein Laptop entschieden nicht mehr mitzumachen. Ich bin auf der Suche nach einer Lösung und deshalb für die nächste Zeit etwas eingeschränkt, was das Schreiben betrifft.

    Ich habe es mit Mühen geschafft in Guatemala einzureisen. Bei der ersten Grenze bin ich gescheitert. Die Dame hat darauf bestanden, dass ich eine Übersetzung der Fahrzeugdokumene benötige. Was schlichtweg nicht stimmt. Nachdem ich eine Weile mit ihr diskutiert habe, bin ich wütend abgerauscht und zum anderen Grenzübergang gefahren. Dort hatte ich dann keine Probleme. Es dauert eben immer. In zwei Tagen bin ich dreimal aus Mexico aus- und eingereist.
    Die vielen Stempel waren dann schon verwirrend für die Beamten und ich musste erklären.

    Ich habe zwei Nächte in Monterrico verbracht, einem kleinen relaxten Dorf an der Küste. Dort durfte ich für eine kleine Spende an den örtlichen Tierschutzverein eine kleine Schildkröte in das Meer entlassen.

    Kurz vor der Grenze zu Honduras sehe ich zwei Motorräder auf einem Parkplatz. Ich halte sofort an. Es sind Henrike und Bart aus Holland, die ebenfalls nach Süden unterwegs sind. Wir fahren gemeinsam weiter, über die Grenze nach Honduras und nach Copan Ruinas. Der Grenzübertritt ist ziemlich einfach. Es dauert zwar ca. 2h, um uns drei abzufertigen, weil man wieder von A nach B laufen muss, man viele Kopien benötigt und viele Daten mit der Hand erfasst werden, aber auch hier gibt es nichts negatives zu berichten, keine Schikane, keine Ablehnung oder sonstiges.

    Copan Ruinas ist ein kleines gemütliches Dorf. Gegenüber vom Hotel gibt es ein Restaurant/Bar, das von einem Belgier betrieben wird. Seit langem wird heute wieder ein wenig gefeiert.

    Für die nächsten paar Tage schliesse ich mich den beiden an und wir fahren gemeinsam ein Stück weiter.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Von den Mühen ein Land zu verlassen

    Von den Mühen ein Land zu verlassen

    07.09.

    Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute lässt du mich nicht gehen?
    Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein.

    In der Nähe von Tapachula gibt es zwei Grenzübergänge nach Guatemala. Der eine gleich hinter Tuxtla Chico, etwa 15 bis 20 km von Tapachula und der andere, etwas weiter im Süden bei Ciudad Hidalgo, etwa 35 km entfernt
    Ich fahre zum näheren Grenzübergang nach Tuxtla Chico.

    Auf dem Weg zur Grenze laufen immer wieder Leute pfeifend und deutend auf die Staße und versuchen mich aufzuhalten und zum Stehenbleiben zu bewegen. Aber dazu später mehr.

    Bevor ich ausreise, frage ich die Beamten, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Ich werde zum Zollgebäude gesendet. „Können Sie hier nicht machen. Es handelt sich um einen kleinen Grenzübergang.“ Mehrere Leute reden durcheinander. Ich muss zum anderen Grenzübergang fahren. Das kann ich nur in Tapachula machen. Nein, in Huixtla. Ich verstehe so gut wie gar nichts mehr. Da mein Reisepass schon ausgestempelt ist, muss ich nochmal das Visum ausfüllen. Ich erhalte einen neuen Einreisestempel.

    Das Motorrad ist leider schon im Niemandsland. Sofort sind auch Geldwechsler an meiner Seite. Ich brauche kein Geld. Also wieder zurück und durch die Kontrolle. Ich nehme die Autospur. Vor dem Schranken werde ich angewiesen, das Motorrad zurückzuschieben und die Motorradspur zu nehmen. Es ist verdammt heiß, ich schwitze dementsprechend unter der dicken Jacke und es macht überhaupt keinen Spaß das schwere Motorrad durch die Gegend zu schieben. Für die Grenzübergänge und die Formalitäten habe ich mir jedoch angewöhnt kurze Hosen anzuziehen und erst danach wieder in die Motorradhose zu schlüpfen.

    Ich muß das ganze Prozedere über mich ergehen lassen. Koffer auf, auspacken, Fragen, … . Die Grenzbeamtin ist sehr nett und spricht auch englisch. Erzählt mir, dass sie voriges Jahr in Wien gewesen ist. Ich frage wie es ihr gefallen hat. „Sie meint sehr gut. Es ist sehr sauber.“

    Ich fahre also zur anderen Grenzstation. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Stadt. Ein einheimischer Motorradfahrer fährt mir eine Weile nach. Auf der Suche nach dem Grenzübergang bleibe ich kurz stehen, um mich zu orientieren. Er gibt mir zu verstehen, dass ich seine Dienste benötige. Ich sage: „No necesito / Nein, brauche ich nicht.“ Er besteht darauf, zückt eine Visitenkarte. Ich sage: „No es verdad. /  Das ist nicht wahr.“ Ich frage eine Frau nach dem Weg, sie gibt mir eine ungefähre Richtung. Schließlich lässt der Motorradfahrer von mir ab.

    Auch am anderen Grenzübergang frage ich, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Die Dame winkt mich einfach weiter. Ich fahre durch, bezahle noch Maut und bin auch schon in Guatemala.

    Zuerst werde ich aufgehalten. Ein Mann in Zivilkleidung ist sofort an meiner Seite, ruhig, nicht aggressiv. Erklärt mir, dass ich hier mal mein Motorrad desinfizieren lassen muss. Da mich vorher so viele Leute versucht haben mich aufzuhalten und mir was andrehen wollten, glaube ich ihm zuerst nicht so ganz. Dann hält mich auch ein Beamter in Uniform auf. Ein anderer läuft mit einer Spritze um mein Motorrad und sprüht es im unteren Bereich etwas ein. So verdreckt wie mein Motorrad mittlerweile aussieht, hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit. Aber gut. Kostet 12 Quetzal. Ich muss in der einheimischen Währung zahlen. Habe ich noch nicht. Die Person an meiner Seite ruft eine Wechsler, bei dem ich 20 USD umtausche. Zu einem denkbar schlechten Kurs, wie man annehmen kann. Scheiß drauf, wegen 50€ Cent fange ich nicht zu diskutieren an.

    Gleich neben der Inspektionsstelle liegt die Passkontrolle in einer unscheinbaren Hütte. Kann ich nicht glauben und fahre ein paar Meter weiter, wo ich angewiesen werde, das Motorrad mal abzustellen. Ich werde gefragt, ob ich die Passkontrolle hinter mir habe. Nein, habe ich nicht, wo? Der Beamte gibt mir zu verstehen, dass es sich um die unscheinbare Hütte handelt. Ok, also ein paar Meter zurücklaufen. Ich werde gefragt, wie lange ich bleiben möchte. Ca 1 Woche. Stempel rein, das war es auch schon. Zurück beim Motorrad, weist man mir den Weg in ein Gebäude zur Registrierung des Fahrzeuges. Ich sage, ich muss das Motorrad noch abmelden. Wo kann ich das machen? Das musst du in Mexiko machen. Die Zivilperson, die die ganze Zeit über an meiner Seite war, wollte wohl auch etwas Geld. Ich starte meine Maschine und fahre ab.

    Verdammt nochmal! Also zurück nach Mexiko. Wieder an der mexikanischen Grenzstation, frage ich nochmal, wo ich das Motorrad abmelden kann? „Da drüben beim Zoll.“
    Ein junger Grenzbeamter nimmt sich meiner an. Er spricht langsam und deutlich und erklärt mir, dass ich ca. 100km zurück in das Landesinnere fahren muss. Er ärgert sich, dass er nicht besser englisch kann und ich mich, dass ich nicht besser spanisch kann.

    Die entsprechende Zollbehörde befindet sich ein paar Kilometer hinter der Stadt Huixtla. Dort kann ich mein Fahrzeug wieder abmelden. Es ist schon nach Mittag. Die Hitze ist unerträglich und ich muss hier von einer Ecke auf die andere fahren und laufen.

    Bevor ich losfahre, fragt er nochmal: „Wo musst du hin?“ Ich kann den Ort nicht aussprechen. Er fragt: „Hast du überhaupt verstanden, was ich dir erklärt habe?“ „Ja, ja! Ich weiß, wo ich hin muss.“
    Und zwar auch aus dem Grund, weil ich gestern auf dem Weg nach Tapachula die Position der Zollstation in meinem GPS Gerät gespeichert habe, als ich daran vorbeigefahren bin. Ich wollte nur nicht so richtig wahrhaben, dass ich noch mal 100km zurück muss.
    Während wieder meine Sachen durchsucht werden, „plaudern“ wir noch ein wenig. Er möchte wissen, wie Österreich ist und wie die Situation in Europa so aussieht.

    Klarerweise muss ich auch wieder an den Militärkontrollen halten, Koffer durchsuchen, Fragen über mich ergehen lassen. Mittlerweile kann ich auf spanisch schon sehr gut erklären, wo mein Problem liegt.

    An der Zollstelle wird noch mal überprüft, ob die Papiere mit dem Fahrzeug übereinstimmen und ich erhalte eine Bestätigung. Ein Beamter eskortiert mich mit einem Fahrzeug noch ein paar Kilometer Richtung Tapachula, bevor wir kurz anhalten und er mir die Papiere aushändigt. Damit ich auch wirklich wieder auf der Autobahn Richtung Guatemala bin.

    Wieder in der Nähe von Tapachula, geht es schon auf 15:00 Uhr zu. Ich bin schon etwas k.o., auf meinen Knien und Unterschenkeln beginnt sich ein Sonnenbrand abzuzeichnen und mein Ziel liegt noch 300 km entfernt. Ich habe keinen Plan B für ein näheres Ziel, und da es sowieso bald wieder zu regnen beginnt, beschließe ich eine weitere Nacht in Tapachula zu bleiben.

    Meine letzten Pesos, habe ich heute Morgen bei der Abfahrt in Treibstoff investiert. Ich checke wieder im Hotel ein wo ich mit Kreditkarte zahlen kann und schaffe es gerade noch in einer Wechselstube weitere 20USD in Pesos zu tauschen, damit ich nicht hungern muss.

    Morgen auf ein Neues, die Ausreise dürfte ja jetzt kein Problem mehr sein. Und wie es bei der Einreise vor sich geht, habe ich ja zum Teil ja auch schon durchgemacht. Aber gespannt bin ich trotzdem etwas, weil ich schon den Stempel im Pass habe. Offiziell bin ich ja schon in Guatemala.

    Und jetzt zu den Leuten, die versucht haben, mich von der Straße zu holen. Gestern habe ich noch ein wenig im Internet gesurft. Ich wollte mir noch ein paar Informationen zur Einreise nach Guatemala holen. Auf einem Blog von einem anderen Reisenden habe ich dann gelesen, dass es sich um Keiler handelt, die mit unwissenden Touristen Geld verdienen wollen.

    Mit dem Vorwand bei den Grenzformalitäten zu helfen, zu übersetzen und dass man irgendwelche Papiere benötigt. Fast aggressiv laufen sie auf die Straße, pfeifen und deuten mit den Händen, dass man stehen bleiben soll. Auf eine Weise, als wäre irgendetwas passiert. Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich hier schon etwas eingeschüchtert fühlen.

    Bewaffnet mit der Information vom Blog fahre ich zügig durch. Auf keinen Fall stehen bleiben. Wenn man mal von ein paar Leuten umringt ist, ist es schwerer wieder rauszukommen.
    Vom gleichen Schlag war der Motorradfahrer, der mir auf dem Weg zum anderen Grenzübergang nachgefahren ist. Wenn mich morgen wieder jemand aufhalten möchte, vielleicht bleibe ich kurz stehen, wenn ich mir der Situation sicher bin, und frage nach, wobei man mir helfen möchte.

    Bei der Ausreise aus Mexiko fallen keine weiteren Kosten an. Man benötigt auch keine Hilfe oder irgendwelche Übersetzungen von irgendjemand.
    Alles, was man benötigt, sind die Dokumente, die man bei der Einreise erhalten hat. Das Fahrzeug muss bloß an einer Zollstation wieder abgemeldet werden. Was leider bei mir etwa 100km Inlands war.
    An den Grenzstationen stehen sogar Schilder, dass man bestraft wird, wenn man versucht die Beamten zu bestechen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Oaxaca und ein Erdbeben

    Oaxaca und ein Erdbeben

    Album

    01.09. – 04.09.

    Tage zuvor hat mir Michelle in Morelia gesagt: Du musst unbedingt nach Oaxaca fahren. Du musst unbedingt Hierve el Agua ansehen. Was sie nicht gesagt hat ist, dass ich mir auf dem Weg dorthin beinahe in die Hosen machen werde. Etwa 50 km nach Playa Ventura geht es wieder in die Berge .. und wie. Auf etwa 200 der 450km Tagesetappe finden sich nur Kurven. Die enge Straße ist oft in einem desolaten Zustand. Entweder durch Wasser zerstört, nur aus Schotter bestehend, mit Schlaglöchern übersät, halb mit Erdrutschen versperrt oder ausgebrochen. Auf weiten Teilen geht links der Berg hoch und rechts die Schlucht runter. Ich sitze verkrampft auf dem Motorrad und wage den Blick nicht von der Straße zu nehmen. Als es dann auch noch kurz zu regnen beginnt, kralle ich mich direkt an meinem Motorrad fest. „Das hat es wieder notwendig gehabt. Warum bist du Depp nicht an der Küste geblieben?“ Zeitweise fahre ich mit 35-40 km/h dahin. Irgendwann auf 2.500m Seehöhe befinde ich mich in der dichten Wolkendecke. Ich sehe zwar keine 20m weit, aber seltsamerweise bin ich etwas beruhigt, weil ich den Abgrund nicht mehr sehe.
    Die Bevölkerung ist in dieser Gegend von einem anderen Schlag, die Gesichtszüge sind anders, auch die Trachten. Mir kommt vor, sie stammen von einer älteren Kultur ab. Ich muss das aber selbst noch nachlesen.

    Vier Nächte in Oaxaca. Wobei ein Tag ungewollt war. Auf dem Ausflug nach Monte Albán und das etwa 60 km entfernte Hierve el Agua hat mich ein starker Regenschauer erwischt und ich muss die Kleidung trocknen lassen.
    Monte Albán liegt etwa 10km von Oaxaca entfernt auf einem Berggipfel und war die Hauptstadt und das religiöse Zentrum der Zapoteken, welche zur Urbevölkerung Mexikos gehörten.
    Hierve el Agua sind zwei Felsformationen mit ca. 50 bis 100 Metern Höhe, die sich durch das sehr Kalziumkarbonat-haltige Wasser gebildet haben. Das wird wohl seine Zeit gedauert haben.

    Oaxaca habe ich als sehr gemütlich empfunden. Es ist erstaunlich, wie schnell man „bequem“ wird, wenn man einen Platz findet, an dem man sich wohlfühlt, und es als „mühsam“ empfunden wird, wieder die Sachen zu packen und weiterzuziehen.

    In Oaxaca treffe ich das erste Mal, seit ich in Mexico bin, auf andere Touristen, auf ziemlich viele sogar. Ich  komme mir mal nicht wie ein Alien vor, wie an so vielen anderen Orten.

    Die lebhafte Stadt fördert auch eine andere Seite zu Tage. Kinder, sie können kaum älter als 8 oder 9 Jahre sein, die als Schuhputzer unterwegs sind oder Halsketten und anderen Ramsch verkaufen wollen, ältere Omas, die auf ihren Stöcken durch die Gegend laufen und Decken oder handgebastelte Puppen anbieten. Bettler, die auf dem Gehsteig sitzen. Manchmal gebe ich ein wenig, wenn mir die Verzweiflung sehr groß erscheint.

    Der Klein-Handel hat in Mexiko eine sehr ausgeprägte Form. Man findet hier auf den Straßen und in den Märkten nur kleine Stände. Oft ist es nur ein Korb mit Bäckereien, Handwerk, Süßigkeiten mit dem Personen durch die Gegend laufen oder auf den Straßen auf Stufen sitzend, darauf warten, dass jemand zugreift.

    05.09.

    Den vorletzten Tag verbringe ich in Tehuantepec, eine etwas kleinere Stadt. Es ist heiß und schwül. Nach einem kurzen Spaziergang halte auch ich etwas Siesta. Am frühen Abend sehe ich auf einem öffentlichen Platz Jugendlichen beim Marschieren und Trommeln zu. Ich nehme an, sie üben für den Unabhängigkeitstag am 16.September.

    Essen gehen ist noch immer spannend. Ich probiere durch. Mit manchen Salsas, mit denen Tortillas und andere Speisen getränkt sind, komme ich geschmacklich nicht zurecht.
    Wenn möglich esse ich täglich Obst. Das ist zwischendurch eine willkommene Erfrischung. In größeren Stücken geschnittenen Obstsalat wird hier an vielen Ecken angeboten. Mangos, Ananas, Gurken, … gibt es in Plastikbechern oder einfach nur in Plastiktüten, und man höre, üblicherweise scharf. Mit Chillipulver und einer scharfen Salsa. Manchmal wird auch noch eine Limone darüber ausgepresst.

    Ich wollte nur einen kleinen Happen zu mir nehmen und bin in ein kleines Restaurant. Vier Tische. „Restaurant“ heißen hier auch die Buden mit einem Ofen und zwei Tischen am Straßenrand. Ich frage nach der Karte. Gibt es nicht. Mir wurden Speisen runtergeleiert. Pollo frito, also knuspriges Huhn, da ist bestimmt keine Salsa dabei. Das nehme ich. Ich erhalte Suppe. Kann mich nicht erinnern, Suppe bestellt zu haben. Zwei andere Tische sind auch noch besetzt. Ich beobachte. Ach so, hier wird ein ganzes Menü geliefert. Auch gut. Die Suppe schmeckt ganz gut. Dann kommt das Hühnchen. Hatte wohl schon 40 Jahre auf dem Buckel. Zum Menü gehört auch ein Getränk, in einem Glas mit Eiswürfeln. Ich überlege. Aus dem Wasserhahn? Ach was soll’s. Wozu habe ich Tabletten gegen Durchfall mit, kann ich doch auch nicht die ganze Zeit nur so mitschleppen, und nehme einen kräftigen Schluck.

    06.09.

    Die letzte Nacht verbringe ich in Tapachula, kurz vor der Grenze zu Guatemala. Die 420 km von Tehuantepec geht es meist nur geradeaus. Die sitze ich auf einer Po-Backe ab .. abwechselnd, weil sie mir schon etwas weh tun.

    Man merkt, dass man wieder in die Nähe der Grenze kommt. Während ich Inlands durchgewunken wurde, musste ich hier an den Kontrollen wieder anhalten und auch wieder die Koffer öffnen.

    In Tapachula sitze ich am Abend in der Lobby gerade beim Schreiben, als alles heftig zu wackeln beginnt. Un terremoto, ein Erdbeben (mit Stärke 6.5 etwa 30km Luftlinie südlich von hier, wie ich später lese). Es dauert gut 15 bis 20 Sekunden. Alle laufen aus ihren Zimmern und suchen Schutz unter den Türrahmen, auch ich. Nach einigen Minuten folgt ein kurzes, schwaches Nachbeben.Was willst du mir sagen, Mexico? Es ist Zeit zu gehen?
    Auf Wiedersehen, es hat mir sehr gut gefallen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Von Krebsen und anderen Dingen

    Von Krebsen und anderen Dingen

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    26.08 – 28.08.

    Von Zacatecas nach Guadalajara nehme ich die Straße 54. Eine Traumstrecke vor einer Traumkulisse. Vor allem die letzten Kilometer. Es geht kurvig, bergauf, bergab durch einen großen Canyon, was an der Erosion der Landschaft leicht zu erkennen ist. Vor Guadalajara stürzen zwei Wasserfälle von hoch oben in die Tiefe.

    Eigentlich hatte ich vor, nur eine Nacht in Guadalajara, noch immer auf ca. 1.500m Seehöhe, zu verbringen. Das Hostel ist zwar etwa 1/2 Stunde Gehzeit vom Zentrum und den Sehenswürdigkeiten entfernt, aber in einer ruhigen Gegend und gemütlich. Ich hänge eine zweite Nacht an.

    Noch ist hier Neben- und Regensaison. Tagsüber ist es meist bewölkt oder sogar schön und sonnig. Es regnet nur vereinzelt kurz. So zwischen 15 und 17 Uhr verdichten sich dann oft die Wolken. Nachts regnet es meist viel und sehr stark. Bis auf diverse überschwemmte Plätze ist davon am Morgen jedoch kaum etwas zu erkennen.

    In den Hostels ist ziemlich wenig los. Oft sind nur 2, 3 Gäste vorhanden .. inklusive mir. Der Vorteil ist, ich zahle umgerechnet 10-13 EUR für die Nacht im Dorm und habe das Zimmer für mich alleine.
    Bis jetzt die beste Frage beim Einchecken:
    Ich trete mit Motorradbekleidung und Helm in der Hand an die Rezeption eines Hostels und frage, ob ein Bett für eine Nacht frei ist. Ja, ist frei. Der Mitarbeiter sieht mich von oben bis unten an. „Bist du Pilot oder so?“

    Auch noch ein paar Worte zur Fahrweise. Gefahren wird hier wie Sau. Oft ohne Rücksicht auf Verluste.
    Ich bin überzeugt, dass es Verkehrsregeln gibt. Nur scheint sich keiner daran zu halten. Vorrang hat, wer schneller in einer Lücke ist. Gefahren wird auf cm Abstand. Wenn ich manchmal in den Rückspiegel sehe, kommt es mir so vor, als hätte ich ein Auto auf dem Sozius sitzen. Es gibt Tafeln mit Geschwindigkeitsbegrenzung, z.B. „60 Maximum“. Aber hier scheint wohl ein Fehler vorzuliegen. Es muss sich um die Mindestgeschwindigkeit handeln. Kreuzungen werden, so meine ich, mit Absicht verstopft, damit auch der Querverkehr nicht mehr durchfahren kann. Und das Verkehrschaos ist perfekt. Dass diese Fahrweise auch seine Opfer fordert, habe ich vor ein paar Tagen gesehen. Ein Fahrradfahrer wurde umgestoßen. Der Leichnam ist abgedeckt, nur ein Fuß sieht unter der blauen Decke hervor.

    Ein unbedingtes Muss in Guadalajara ist der „Mercado Libertad“. Ein großes Marktgebäude mit 3 Ebenen an den Rändern und einem großen Innenhof. Ein wahrer Irrgarten. Die Gänge sind in Gitterform angeordnet und kaum einen Meter breit. Aber hunderte von kleinen Verkaufsbuden finden sich in dem Gebäude. Ein Teil besteht aus Imbisslokalen. Ich laufe durch ein Labyrinth aus Schuhen, Schmuck, Gemüse, Fleisch, Elektronikartikeln … . Mit etwas Glück findet man auch wieder raus.

    Von Guadalajara fahre ich weiter nach Morelia. Das Zentrum von Morelia ist sehr kolonial spanisch. Bestimmt gibt es auch hier vieles zu sehen. Nach einer langen anstrengenden Fahrt habe ich jedoch nicht viel Lust auf Sightseeing und unterhalte mich lieber mit Michelle, die im Hostel arbeitet. Da außer mir sowieso nur ein anderer Gast im Haus ist, hat sie auch nicht viel zu tun.

    Nach sieben Wochen auf Reise möchte ich ans Meer. Mein nächstes Ziel ist Zihuatanejo. Ich wähle eine Strecke durch die Berge, bei der ich durch diverse nette Kleinstädte gerate, die ich mir für einen Halt bei der Rückfahrt im nächsten Jahr vormerke.

    Im Zentrum der Dörfer oder Kleinstädte findet man einen größeren, meist rechteckigen Platz oder Park. Rund um diesen Platz befinden sich Verwaltungsgebäude. Dann kommt das historische Dorf. Darüber hinaus die neueren Viertel. In den seltensten Fällen gibt es eine große Straße ins Zentrum. In der Regel sind es kleine, enge gepflasterte Gassen und Straßen, die ins Zentrum führen. Mühsam muss man sich den Weg durch die Gassen geradezu „erkämpfen“, um danach mit einer großen grünen Anlage belohnt zu werden.

    29.08. Zihuatanejo.

    Schon in Zihuatanejo, quatscht mich an einer Ampel plötzlich jemand auf deutsch von der Seite an. Ist der hinter mir aus dem Auto gesprungen und zu mir vorgelaufen. „Hallo, wo geht’s den hin“. „Nach Südamerika“, „Jetzt in der Regensaison?“. „Ach so schlimm ist es nicht“. Mehr war leider nicht möglich, weil die Ampel auf grün springt.

    Zihuatanejo ist ein glatter Fehlschlag. Im Reiseführer steht. „Zihuatanejo hat den Charme des kleinen Fischerdorfes erhalten.“ Nur, wo bitte? Das Viertel, in dem ich das vom Reiseführer empfohlene Hotel ansteuere, besteht Straßenzüge weit nur aus Hotels, Restaurants, Cafés und  Ramschgeschäften aller Art.
    Wie schon mehrmals angemerkt, Nebensaison und Wochentags, nur eine Handvoll Touristen. In der Hitze des Tages laufe ich den Strand entlang, meine Haut ist bedeckt mit einer Schicht aus Sonnenschutzmittel, Schweiß und Insektenschutz, und ich werde von hundert Leuten angequatscht.
    Verdammt noch mal! Ich will nicht in jedem Restaurant etwas essen, Armbänder oder etwas anderes kaufen! Auch wenn es fast nichts kostet. Und ich will auch nicht mit rausfahren fischen!
    Auf dem Hauptplatz des Viertels befindet sich ein Basketballplatz, wo am Abend Teams gegeneinander angetreten sind.

    Der Kellner im Restaurant, in dem sie mir ordentlich das Geld aus der Tasche ziehen, sagt mir noch: Weiter in Mittelamerika, Guatemala, Honduras, El Salvador ist es an manchen Orten gefährlicher. Tagsüber brauchst du keine Angst zu haben, da ist es sicher. Die bösen Jungs arbeiten in der Nacht und schlafen am Tag. Bei Nacht bleibst du im Hotel. Und erzähl nicht so viel von dir und deiner Reise. Erzähl, du bist mit dem Bus unterwegs und nur kurz im Land, damit sie glauben, du hast wenig Geld. Jemand mag vielleicht freundlich mit dir quatschen und es dann an einem bösen Jungen weitererzählen.
    Kurze Zeit später beginnt jemand auf dem zentralen Platz freundlich mit mir zu quatschen. Ich denke an die Worte des Kellners. Danke Herr Kellner, für die Paranoia!

    Das Hotel ist (fast) ganz nett. Fast, weil ich nicht weiß, was im Badezimmer klitzekleine schwarze Krümel von der Decke scheißt und weil Kakerlaken rumlaufen. Sie sind zwar nur etwa 1/2 cm groß und es sind nur zwei oder drei, die man sieht, aber sie sind da. Vielleicht sind es ja die Kakerlaken, die von der Decke kacken. Aber für 9 EUR im Doppelzimmer, am Strand, nimmt man das in Kauf.
    Das Hotel gehört einem sympathischen 74 jährigen Kubaner. Ich erzähle ihm, dass ich vor ca. drei Jahren Kuba besucht habe. Er erzählt, seit er als junger Mensch Kuba verlassen hat, war er kein einziges Mal mehr dort. Dazu muss man wissen, zu früheren Zeiten hat eine Flucht aus Kuba den Verlust des gesamten Eigentums bedeutet und eine Rückkehr war auch kaum möglich.
    Jetzt, wo es doch politische Veränderungen in Kuba gibt, vielleicht kann er doch noch mal seine Heimat besuchen.

    31.08.

    Mit Buen Viaje verabschiedet mich der kubanische Inhaber des Hotels Elvira und ich verlasse diesen schrecklichen Ort Zihuatanejo. Die Route Mex 220 führt meist ca. 20km im Inland Richtung Süden. Das Mühsamste sind die ständigen Bodenschwellen, die die Fahrt dauernd bremsen. Wo auch immer eine Ansammlung von Häusern ist, befinden sich Bodenschwellen auf der Straße.
    Ich habe heute nur ein ungefähres Ziel, namens Playa Ventura, etwa 400km entfernt.
    Seit meiner Abfahrt vor mehr als sieben Wochen begegnen mir heute das erste Mal andere Motorradreisende. Ein ganzer Haufen. Sie sind Richtung Norden unterwegs. Es scheint sich wohl um eine organisierte Reisegruppe zu handeln. Alle sind mit großen BMW Maschinen unterwegs. Wir begrüßen uns mit dem obligatorischen Motorradfahrer Gruß und geben Daumen hoch Zeichen.

    Durch Acapulco fahre ich durch. Hier muss ich nicht unbedingt bleiben. Zweimal biege ich am späten Nachmittag ab und fahre Richtung Meer, mit der Hoffnung auf ein Hotel. Aber ich ende auf erdigen Straßen und in kleinen, sehr einfachen Dörfern. Zurück auf die Hauptstraße. Mittlerweile bin ich müde und will nicht mehr weiterfahren. Ich bin seit ungefähr sieben Stunden auf dem Motorrad. Ich merke mir Hotels in den Dörfern, die ich durchfahre. Endlich sehe ich einen Wegweiser „Playa Ventura, Hotels y Restaurantes“. 

    Gleich beim ersten Hotel bleibe ich stehen. Es ist nichts los. Eine ältere Frau liegt in der Hängematte. Namen werden durch die Gegend geschrien. „Tiene habitation?“ „Si.“ „Quanto cuesta“ „250M$, 300M$ con aire. Quiere ver?“. „Si.“ Naja, 200M$ wären mehr als angemessen für das einfache Zimmer, aber ich habe keine Lust zu verhandeln. „Esa sin aire esta ok.“ … „El restaurante, esta abierto?“ „Si“.

    Playa Ventura ist nur ein kleines Dorf mit ein paar einfachen Hotels und Restaurants. Die Wellen stürzen mit einem lauten Tosen an den langen Strand. Keine Ramschgeschäfte, keiner, der mir auf die Nerven geht.

    Nach einer Dusche und einem kurzen Spaziergang sehe ich mir die Speisekarte an. Ich finde keines der Gerichte in meinem Wörterbuch und bestelle einfach irgendetwas. Es handelt sich um einen Fisch, knusprig gebraten. Da ich nur eine Gabel erhalte, nehme ich an, dass es sich um Fingerfood handelt und esse ihn auch dementsprechend. Schmeckt sehr gut und auch der Preis entspricht dem Durchschnitt, keine Abzocke wie zwei Tage zuvor.

    Am Abend sitze ich am Strand und beobachte den Sonnenuntergang und die Krebse, die ihre Behausung in Löchern im Sand haben. Ich bleibe lange regungslos sitzen. Sie wagen sich heraus, die kleineren und die größeren. Mir kommt es vor, als würden sie mich beobachten. Ist es tatsächlich so? Ein kleiner Krebs, der in einer Muschel wohnt, spaziert durch meine Füße. Langsam wagen sich auch die anderen immer weiter von ihren Löchern weg. Direkt vor meinen Füßen transportiert einer Sand aus seinem Loch. Einer der größeren krabbelt eine Weile um mich herum und wagt sich schließlich an mich heran. Er beginnt doch tatsächlich, mit seinen Scheren an meinen Füßen zu zwicken.

    Hier bin ich richtig!

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • von Monterrey nach Zacatecas

    von Monterrey nach Zacatecas

    Album

    22.08.

    Der zweite Tag in Monterrey wird mit rumlaufen im Stadtzentrum verbracht. Am frühen Nachmittag beginne ich zu verstehen, warum mancherorts Siesta gehalten wird. Was tut man, wenn es zu heiß wird? Richtig, man geht irgendwo rein, wo es kühl ist. In Monterrey bietet sich unter anderem das Museum für zeitgenössische Kunst an. Diverse Ausstellungen über das Gestern, das Jetzt und das Morgen. Es ist das erste Mal, dass ich das Privileg genieße, ein Museum für mich alleine zu haben. Außer den Angestellten sind keine anderen Besucher anzutreffen. Ich hätte mich gut und gerne in einem der dunklen Säle kurz schlafen legen können. Die Siesta halte ich nach dem Museumsbesuch.

    23.08.

    Bevor ich losfahre, entdecke ich im Hostel noch einen Flyer, mit diversen Ausflugszielen. Ich denke mir „Irgendetwas musst du ja machen“ und fahre zu den „Grutas de Garcia“ etwa 35km von Monterrey. Die Grutas sind ein sehr großes Höhlensystem. Sehr viel spannender als die Ruby Falls in den USA. Riesige Höhlen, meterhohe Stalaktiten und Stalagmiten. Wege führen oben durch und unten drüber. Ein Spielplatz für Indiana Jones.
    Da die Besichtigung mit allem drum und dran sehr viel länger als gedacht dauert, lasse ich meinen weiteren Plan, eine Strecke durch die Berge zu fahren, fallen und mache mich sofort auf den Weg Richtung Saltillo.

    Saltillo unterscheidet sich sehr von Monterrey. Ich spreche jetzt nur für die Innenstadt, in der ich mich bewegt habe. Monterrey ist mit der Einkaufsstraße durchaus mit westeuropäischen Ländern vergleichbar.
    Das Zentrum von Saltillo ist mehr oder weniger durch Quer- und Längs-Straßen geprägt. Hier geht es zu, wie in einem Ameisenhaufen. Die Straßen sind ein einziges Gewusel. Keine großen Supermärkte. Manche der Läden bieten kleine Motorräder an, daneben stehen ein paar Waschmaschinen und andere Geräte, jeweils nur fünf oder sechs Stück jeder Art. Es gibt viele kleine Läden, die Obst und Gemüse und andere Lebensmitteln anbieten. Spielwarengeschäfte, Bekleidung und Fastfood der mexikanischen Art, mit Tacos und Tortillas.

    24.08., 25.08.

    Auf der Fahrt nach Zacatecas bewege ich mich durchgehend auf einer beeindruckenden Hochebene auf ca. 2.000m Seehöhe. In weiter Ferne, am Horizont, ist die Ebene von höheren Bergen begrenzt. Mal geht es durch einen Pass, um wieder auf einer weiten Fläche zu landen. Vegetation besteht entweder aus einem Wald aus Kakteen oder es handelt sich um eine Art kleine Palme. Ich weiss es nicht. Es geht fast immer nur geradeaus. Zum Glück ist der Pinguin mit dabei. Wir wechseln uns beim Fahren ab. Während er das Steuer übernimmt, mache ich ein Nickerchen in einem der Koffer. Auf solchen Strecken frage ich mich immer, wie weit ich wohl komme, bis die Tankleuchte aufscheint. Ich schaffe 430km. Im Schnitt sind es 350 bis 370km. Bei ca. 400 km wechselt die Freude in Unsicherheit. Ist die Leuchte kaputt? Vor allem wenn die Tankstellen dünn gesät sind. Das sind die kleinen Dinge, mit denen ich mich auf langen einsamen Strecken beschäftige. 🙂
    An einem Teil der Strecke denke ich mir. Sind das Blätter, die da langsam vom Wind über die Straße getragen werden? Kann doch nicht sein. Bis ich sehe, dass es sich um sehr große Heuschrecken handelt. Die, die von Autos über- oder angefahre werden, werden einfach von den anderen gefressen.

    Zacatecas liegt auf ca. 2.500m Seehöhe, eingebettet zwischen Bergen. Ihren Wohlstand hat die Stadt durch eine Silbermine, die knapp 400 Jahre lang ausgeschöpft wurde, erwirtschaftet. Das ging bis ca. 1960 so. Jetzt scheint die Stadt erfolgreich mit Tourismus zu wirtschaften. Es gibt viele große Kirchen und fast noch mehr Museen.
    Die Innenstadt ist von kleinen Straßen, Gassen und Stufen geprägt … so viele Stufen. An vielen Ecken, in der ganzen Stadt verteilt, findet man Mini-Läden nur wenige Quadratmeter groß, die das Notwendigste anbieten. Manchmal sind es Handwerker, wie Schneider oder Schuster, die ihr Gewerbe betreiben.

    Ich steige ca. 250 Höhenmeter hoch zu „La Bufa“, die höchste Erhebung, mit einer Kirche, einem Museum, Mausoleum usw. Von einem Ende der Stadt kann man auch die Seilbahn nehmen. Mein Herz rast beim Aufstieg. Kann es sein, dass man auf 2.400m schon so aus der Puste gerät? Oder liegt es bloß an mir?
    Auch in Zacatecas ist die Polizei sehr präsent. Was, im Vergleich zu Monterrey und Saltillo, jedoch sofort auffällt, die Fenster und Türen der Häuser sind nicht vergittert. Das macht die Stadt um einiges freundlicher.
    Mir kommt vor, ich bin schon mehr unter der Erde als drüber. Ich sehe mir die Silbermine an. Für umgerechnet 2 bis 5 EUR Eintritt, die ich hier im Schnitt für Touren oder für Eintritt zahle, mache ich vieles mit.

    Bei der Ankunft im Hostel, Hostel Villa Colonial Cassot, werde ich sofort fotografiert und auf die Facebook Seite des Hostels gegeben. Die Betreiber erzählen mir, dass hier einige Motorradfahrer Stop machen. Erst vor ca. einem Monat waren zwei Österreicher hier. Ich bin also nicht der einzige Österreicher, der unterwegs ist. Einer der Betreiber fragt mich, ob ich ein Bier möchte. Klar, gegen eine kleine Flasche Bier habe ich nach einer langen Fahrt nichts einzuwenden. Er stellt mir eine 1.2l Flasche hin. „Das ist für dich.“
    Im Hostel treffe ich auch wieder auf Henry, oder Enrique, wie er wirklich heißt. Henry war auch im Hostel in Monterrey. Er ist 60 Jahre alt und Notar. Seine erste Frau ist verstorben, von der zweiten ist er geschieden. Nun reist er durch das Land. Er fragt mich, wo ich hinfahre und gibt mir sofort Tipps. Hin und wieder erledigt er einen Job .. Übersetzungen, Beratung bei gesetzlichen Sachen. Mit den Leuten, die die Hostels betreiben, ist er auf Du und Du. Ich weiß nicht, ob er einen festen Wohnsitz hat, mir kommt vor, als würde er im Kreis reisen.

    Auf einem der öffentlichen Plätze beginnen am späten Nachmittag Clowns mit ihrem Programm. Straßenhändler verkaufen Zuckerwatte und andere Süßigkeiten. Der Platz ist voll mit Familien mit kleinen Kindern. Bis spät in die Dunkelheit hinein treiben die Gaukler ihre Späße. Von einem gefährlichen Mexico ist nichts zu sehen. Nur fröhliche Leute.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Willkommen in Mexico

    Willkommen in Mexico

    Album

    21.08.

    Wie der Grenzübertritt funktioniert hat, kann auf der Info Seite für Mexiko Seite nachgelesen werden. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber ich habe es nicht so schlimm gefunden.

    Mein heutiges Ziel ist Monterrey, wo ich zwei Nächte verbringe. Ein Tag unter Leuten, zum „einleben“.
    Schon kurz nach der Grenze machen sich die großen sozialen und monetären Unterschiede in den USA bemerkbar. Weitgehend sind die Häuser schlecht gepflegt. Oft stehen nur Rohbauten oder verfallene Häuser. Entlang der Straße ist es schmutzig.

    Ich verzichte auf den Highway, der von Reynosa direkt nach Monterrey führt, aber Maut kostet. Stattdessen fahre ich den Highway 2 die Grenze entlang etwas nach Nord-Westen und danach die 54 Richtung Inland. Meist eine endlose leere Gegend, vergleichbar mit dem Outback in Australien, steinige Vegetation mit kleinen Bäumen und Sträuchern .. 25km gerade aus, eine leichte Kurve 35km gerade aus, … bis Monterrey geht es so weiter.

    Entlang der Grenze merkt man schnell, dass Krieg herrscht. Armee und Polizei sind vielerorts mit ihren Jeeps unterwegs. Auf der Ladefläche ist ein Maschinengewehr montiert. Dahinter ein vermummter Soldat/Polizist. Auf der Ladefläche befinden sich drei bis vier weitere Soldaten oder Polizisten. Sie sind meist in Gruppen von drei, vier Fahrzeugen unterwegs. Ein Hotel entlang der Grenze ist mit Sandsäcken geschützt, dahinter liegen zwei Soldaten mit ihren Gewehren im Anschlag.

    Dreimal werde ich an Kontrollpunkten gestoppt. Beim Ersten sind die Beamten sehr freundlich. Ich muss meine Koffer öffnen. Ein kurzer Blick rein. Währenddessen wieder die übliche Unterhaltung. Wohin .. usw?

    Beim nächsten Stopp sind die drei Soldaten etwas überheblich. Man muss die Sprache nicht verstehen. Auch aus dem Tonfall und der Mimik kann man genug ablesen. Blinkt der eine mit seiner Taschenlampe rum und fragt, ob ich eine dabei habe. Natürlich, irgendwo tief drinnen im Koffer in einer Tasche. Ich stelle mich dumm, verstehe nicht. Muss wieder die Koffer öffnen. Sie sind neugierig, stöbern ein wenig rum. Aber ich kann weiter. Wie ich immer sage, Deppen gibt es überall.

    Stop Nummer drei war wieder sehr freundlich. Wieder Koffer und Tasche öffnen. Der Beamte ist sehr an meiner Reise interessiert und wünscht mir mehrmals alles Gute.

    Ich möchte hier noch etwas zu den USA einwerfen. In einem meiner Beiträge habe ich über die Infrastruktur der Städte geschrieben. Dass vieles an der Autobahn liegt. Alle Geschäfte befinden sich auf der Durchzugsstraße, die Wohnhäuser befinden sich abseits. Um seine Sachen zu erledigen, benötigt man ein Auto, und alle sind auch mit dem Auto unterwegs. Am besten lässt es sich wohl so beschreiben: Diese Städte haben keine Seele. Ich habe mir das oft gedacht, wenn ich fast alleine durch die Straßen spaziert bin. Alles scheint auf reine Funktionalität ausgerichtet zu sein.
    Monterrey ist gleich komplett anders. Das Hostel befindet sich nahe dem Zentrum. Hier gibt es Leben in den Straßen. Die Leute sind zu Fuß unterwegs. Obwohl ich nur wenig verstehe, fühle ich mich gleich viel wohler.

    Ich versuche Geld abzuheben, was mir bei vier einheimischen Banken nicht gelingt. Ich bin schon etwas verzweifelt. Liegt es am Limit? Ich habe vorgestern in den USA noch einen größeren USD Betrag abgehoben, als Reservewährung. Habe ich ein wöchentliches Limit? Ich muß morgen unbedingt die Bank anrufen. Bei einem Internationalen Institut funktioniert es schließlich. Ich bin erleichtert.

    Anstatt ins Fast Food Restaurant, gehe ich heute mal in ein richtiges Restaurant. Ich möchte die einheimische Küche probieren. Soviel verstehe ich auf der Karte, dass es einen Abschnitt mit Hausgerichten gibt. Ich bestelle einfach mal irgendetwas. 3 Tortillas mit Hühnerfleisch, vollkommen bedeckt mit einer Art grüner Kürbissalsa, Bohnenpampe und zwei Stück Rindfleisch. Vom Geschmack her .. neu, für mich etwas gewöhnungsbedürftig.

    Zur „Gefährlichkeit“ kann ich noch nichts sagen. Der Hostelbesitzer sagt, es passiert hier nichts. Die Häuser sind zwar alle vergittert, aber die Gegend ist sauber, die Häuser sind gepflegt. Es gibt Cafes und Restaurants in den Straßen. Er bietet mir trotzdem an, das Motorrad in der Lobby abzustellen. Ich glaube ihm, dass es auch draußen sicher ist. Es wird wie üblich zugedeckt, die Alarmanlage ist aktiviert. Diesmal hänge ich, seit Jahren, auch das Schloss an die Bremsscheibe. Ich darf bloß nicht vergessen, es beim Wegfahren abzumachen. Sonst liege ich auf der Schnauze.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Austin, neue Schuhe für meine Lady

    Austin, neue Schuhe für meine Lady

    Album

    15. – 18.08.

    Ein paar Freunde haben mich gefragt, ob mein Motorrad einen Namen hat und ob es weiblich oder männlich ist. NEIN. Ich habe keine wirklich emotionale Bindung zu dem Motorrad. ES soll bloß nicht viele Macken machen.

    In Austin angekommen, checke ich im Hostel ein und fahre dann sofort zum BMW Händler. Bevor ich nach Mexiko und Mittelamerika weiterreise, möchte ich noch einen kurzen Check machen lassen, neue Reifen aufziehen und ein paar Ersatzteile kaufen. Ich will heute zumindest noch Kontakt aufnehmen und einen Termin vereinbaren.
    Ich habe Glück. Der Service Mitarbeiter sagt, sie erledigen das sofort. Der Check ergab keine Mängel, ich erhalte alle Ersatzteile und fahre nach ca. 2 1/2 Stunden mit neuen Reifen wieder davon.

    Da ich die letzten fünf Tage durchgefahren bin, ist Freitag mal Ruhetag. Auf dem Plan steht bloß ein Friseurbesuch und eine Buchhandlung, um nach einem Reiseführer für Mexiko zu suchen. Ich bleibe dann doch bei einem elektronischen Buch, kaufe aber ein Spanisch Büchlein mit den wichtigsten Phrasen und Wörtern.

    Am Abend gehe ich mit zwei Leuten, also sie gehen, ich, faul wie ich bin, obwohl ich auch etwas Bewegung vertragen könnte, fahre mit dem Motorrad zur etwa 3 km entfernten Congress Avenue Bridge.
    Unter der Brücke lebt die größte Fledermauskolonie Nord Amerikas mit 750.000 bis 1.5 Mio Tieren. Jeden Abend bei Sonnenuntergang starten sie, um auf Nahrungssuche zu fliegen. Über mehrere Minuten hinweg ist es wie ein endloses Band an Tieren, die unter der Brücke ins Freie strömen. Sie sammeln sich in einer Wolke am Himmel, bevor sie sich in alle Richtungen zerstreuen.

    Am Samstag steht ein wenig Sightseeing auf dem Plan. Ich fahre zum „Circuit of the Americas“, der Formel 1 Rennstrecke, die etwa 20km vor der Stadt liegt. Der Weg war umsonst. Hier kann .. könnte .. man eine Tour auf einen Turm mit Blick über die Rennstrecke machen. Leider ist ein Rennen oder ein Training im Gange und die Tour ist gesperrt. Deshalb fahre ich weiter zum Mt. Bonell, von dem man einen guten Ausblick über einen Teil von Austin hat. Zum Rumlaufen wird es am frühen Nachmittag viel zu heiß.
    Eine willkommene Abkühlung bietet der Barton Springs Pool, der mitten in der Stadt liegt. Hier entspringt eine natürliche Quelle. Das Wasser ist ziemlich kalt, trotzdem bleibe ich durchgehend eine Stunde im Wasser. Am liebsten würde ich gar nicht mehr rausgehen, so angenehm ist es.

    Austin dürfte im Moment eine beliebte Stadt sein, besonders bei jungen Leuten und Studenten. Im Hostel sind ein paar Studenten, die übergangsweise für ein paar Tage oder auch Wochen hier wohnen, bis sie ein Apartment gefunden haben.

    Im Hostel treffe ich auch auf Tino, einen Deutschen, der für ein Jahr eine Weltreise macht und auch vor ca. 5 Wochen gestartet ist. Da wir kulturell aus dem gleichen Bereich kommen, unterhalten wir uns ein wenig über die Eindrücke, die wir gewonnen haben. Eine Sache, an die wir uns gewöhnen mussten, ist diese Small-Talk Kultur. Hier quatscht man einfach mit jedem, überall, über irgendetwas. An der Ampel, an der Tankstelle, beim Einkaufen, an der Rezeption, beim Frühstück, wenn man wartet, dass der Regen vorüberzieht, … nur ein paar Worte oder auch ein paar Minuten.
    Wir waren einer Meinung, wenn man bei uns zu Hause von der Seite angequatscht wird, denkt man sich hauptsächlich: WAS will er/sie von mir?

    Sonntags verbringe ich vor dem Computer, ein wenig die Mexico Karte studieren, schreiben, Wäsche waschen … .Ich muss zugeben, ich habe doch ein wenig ein mulmiges Gefühl. Es ist unglaublich, wie viel gefestigter man sich fühlt, wenn man die einheimische Sprache sprechen kann. Welche sprachlichen Schwierigkeiten auf mich zukommen, habe ich bereits erfahren. Abends hole ich mir ein, zwei Bier von einem nahen Pub. Vor dem Pub steht ein kleiner Food Truck. Bei uns wären das die Imbissbuden. Von den Food Trucks gibt es in Austin sehr viele. Manchmal stehen sie in kleinen Gruppen zusammen und bieten Snacks, Eis, Getränke oder Essen an.

    Der Food Truck vor dem Pub wird von Mexikanern betrieben. Die vorwiegende Kundschaft ist auch spanisch sprachig. Am ersten Tag ist ein Mädchen dort, das die Bestellung auf englisch aufnimmt und spanisch, an wahrscheinlich die Eltern, weitergibt. Ich esse einen kleinen Taco. Etwa Handteller groß, mit Hühnerfleisch, Zwiebeln, Petersilie, dazu eine Limette. Ich nehme einen Bissen .. er schmeckt so gut. Geschmacksnerven explodieren in meinem Mund und entfachen ein Feuerwerk.

    Ich schweife ab. Da mir der Taco ausgezeichnet geschmeckt hat, gehe ich am nächsten Tag wieder zu diesem Food Truck. Heute sind nur die Eltern am Arbeiten. Sie sprechen fast kein Wort englisch, ich fast kein Wort spanisch. Ich denke mir: „Ok, so wird sich das also die nächsten Wochen abspielen.“ Dann kann ich hoffentlich ein paar Worte. Es funktioniert trotzdem.
    Vor dem Food Truck steht ein weißer Plastik Tisch mit vier Plastik Stühlen. Zwei Mexikaner, vielleicht sind sie auch aus einem anderen Land, mit texanischen Hüten sitzen am Tisch und Essen. Ich setze mich dazu und esse. Wieder schmeckt das Ding hervorragend. Ich bestelle sofort einen zweiten und setze mich wieder an den Tisch. Einer der beiden schiebt mir wortlos die Tube mit der Salsa zu. Ich weiß schon, wo ich heute Abend essen werde.

    19.08., 20.08.

    Am 21.08. werde ich in McAllen / Reynosa die Grenze nach Mexico übertreten. Auf dem Weg dorthin, durchfahre ich eine Ölfördergegend. In einer der Städte pumpen viele kleine Förderanlagen mitten in der Stadt, in den Vorgärten und auf öffentlichen Flächen, das Schwarze Gold an die Oberfläche. Ein leichter Geruch von Öl hängt in der Luft. Finden sich keine Ölförderanlagen, dann sind es riesige Felder, die bis an den Horizont reichen. Die Erntezeit scheint vorbei zu sein. Die Felder sind abgeerntet und bloß noch große braune staubige Flächen.

    Hasta luego en Mexico.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Nashville und der erste Umfaller

    Nashville und der erste Umfaller

    Nach gut einer Woche wieder mal ein Update. Eines muss man schon sagen, was die Verfügbarkeit von (freiem) Internet betrifft, ist die USA vielen Ländern sehr weit voraus. Aber nicht immer.

    08.-10.08.

    Ich verbringe eine weitere Nacht in Chattanooga. Es ist gemütlich hier. Damit ich nicht nur faul rumliege, fahre ich ein wenig in der Gegend rum und besuche „Ruby Falls“. Ruby Falls ist ein 45 Meter hoher Wasserfall in einer Höhle etwa 350 Meter unter der Erde. Sehenswert? Ja schon … aber auch ein ziemlich teurer Nepp für das, was geboten wird.

    Die Landschaft ändert sich, die Berge verschwinden, sie wird weiter. Auf dem Weg nach Nashville gehen mehrere schwere Regenschauer nieder. Schon aus großer Entfernung sieht man, wie sich die Wassermassen aus den hoch stehenden Wolken entleeren. Die Regenschauer sind meist sehr stark, begleitet von heftigem Gewitter und Blitzen.

    Kurz vor Nashville mache ich einen Stopp bei Johnny Cash und June Carters Grab. Johnny Cash .. der einzig und alleinige „Man in Black“.

    Nashville, die Stadt der Musik. Was soll ich sagen. Im touristischen Zentrum reihen sich eine Bar und ein Pub an das andere, dazwischen Cowboy Stiefel Geschäfte und allerlei andere Shops. In jeder Bar/Pub spielt eine Band oder Einzelmusiker. Die Pubs öffnen schon am Vormittag. Eine Band spielt zwei bis drei Stunden, bevor die Nächste kommt. Gemessen an der Anzahl der Lokale müssen hier täglich über hundert Bands am arbeiten sein. Zum Teil ist es wirklich gute Musik .. Rock, Country, Folk. Ich weiß nicht, durch wie viele Pubs ich ziehe. Die Leute sind hier freundlich und offen, man kommt leicht ins Gespräch.

    Samstag möchte ich mit Sightseeing verbringen. Aber das Rumspazieren macht nur wenig Spaß. Seit Tagen ist es hier in der Gegend äußerst warm und schwül. Die Luftfeuchtigkeit liegt zw. 80 und 90%. Es ist gar nicht notwendig, sich zu bewegen, um ins Schwitzen zu kommen.

    Samstag Abend fragt mich Ryan, ein Gast aus dem Hostel, ob er sich mir anschließen darf. Wir starten im Zentrum und fahren später in einen anderen Stadtteil, zur Unterhaltungsmeile, wo sich vorwiegend die Einheimische Bevölkerung aufhält. Es ist erneut sehr spät, als ich ins Bett komme.

    Ryan hat eine interessante Lebensweise. Er arbeitet selbständig im EDV Security Bereich und hat keinen festen Wohnsitz. Ein Teil seiner Sachen ist in einem Lagerraum verstaut, der Rest ist in seinem Auto. Wo e

     

    11.-14.08.

    Nicht viel los dieser Tage … on the road. Mein nächstes Ziel ist Austin, Texas, etwa 1.500 km entfernt. Ich durchfahre Alabama, Mississippi und Louisiana, bewege mich auf Highways und Parkways. Ich schlafe in Motels, am Rande von Städten. Mindestens einmal pro Tag herrscht vom Wetter her Weltuntergangsstimmung. Ich habe mir das auf dem Wetterkanal angesehen. Da herrscht seit Tagen, und für ein paar weitere Tage, so ein Sog der Unmengen von Feuchtigkeit aus Mittelamerika und dem Golf von Mexico hoch transportiert. Im Nordwesten kämpfen sie gegen Waldbrände an, hier unten ersäuft das Land. Aber in Austin sollte ich raus sein, aus diesem ständigen Unwetter. Und wenn ich meine Regenkleidung richtig anziehe, dann bleibe ich im Fahren tatsächlich auch bei starkem Regen fast ganz trocken.

    Landschaft und Bevölkerung nehme ich nur im Vorbeifahren wahr. Es sind wohlhabende Gegenden, große Anwesen mit Herrschaftshäusern und gepflegte Gärten. Es sind aber auch ärmere Gegenden mit verfallenen oder alten und schlecht gepflegten, kleinen Häusern mit Müll in den Vorgärten.

    Ich bin kurz vor Alexandria, Texas, wo ich übernachten möchte. Es ist früher Nachmittag und ich entscheide noch einen Abstecher durch einen Nationalpark zu machen. Es ist eine Schotterstraße. Einige Abschnitte sind versandet und vom Regen aufgeweicht. Ich bin langsam unterwegs. Das Vorderrad rutscht an einer sandigen Stelle weg und schon liege ich auf der Seite. Mein linker Fuß ist unter dem Motorrad eingeklemmt. Verdammt, was jetzt? Der Untergrund ist weich, ich muss bloß etwas Sand beiseite schaffen. Das Aufrichten ist ein Kraftakt, die Kiste ist voll beladen ziemlich schwer.

    Der Umfaller reicht trotzdem, um leichte Blessuren am Material zu hinterlassen. Die Schraube, die den linken Spiegel hält, bricht. Ebenso verbeult sich der linke Koffer etwas. Nichts schlimmes. Eine neue Schraube sollte ich spätestens in Austin bekommen.

    Noch gestern Abend habe ich mir gedacht: Wozu habe ich eigentlich Alukoffer gekauft? Meine Kunststoffkoffer hätten vollkommen gereicht. Heute habe ich die Lektion erhalten. Wenn Kunststoff bricht, ist es kaputt. Wenn sich Alu verbeult, kann man es weitgehend wieder gerade biegen.

    Ich wünschte, ich könnte euch lustigere und spannendere Geschichten erzählen. Gibt es im Moment aber nicht .. aber ich kann welche erfinden, wenn ihr wollt. 🙂

    Heute hatte ich echt Angst, zu Fuß vom Supermarkt zum Motel, vom Blitz getroffen zu werden, so gescheppert hat es. Das ist nicht erfunden.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.