von Monterrey nach Zacatecas

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22.08.

Der zweite Tag in Monterrey wird mit rumlaufen im Stadtzentrum verbracht. Am frühen Nachmittag beginne ich zu verstehen, warum mancherorts Siesta gehalten wird. Was tut man, wenn es zu heiß wird? Richtig, man geht irgendwo rein, wo es kühl ist. In Monterrey bietet sich unter anderem das Museum für zeitgenössische Kunst an. Diverse Ausstellungen über das Gestern, das Jetzt und das Morgen. Es ist das erste Mal, dass ich das Privileg genieße, ein Museum für mich alleine zu haben. Außer den Angestellten sind keine anderen Besucher anzutreffen. Ich hätte mich gut und gerne in einem der dunklen Säle kurz schlafen legen können. Die Siesta halte ich nach dem Museumsbesuch.

23.08.

Bevor ich losfahre, entdecke ich im Hostel noch einen Flyer, mit diversen Ausflugszielen. Ich denke mir „Irgendetwas musst du ja machen“ und fahre zu den „Grutas de Garcia“ etwa 35km von Monterrey. Die Grutas sind ein sehr großes Höhlensystem. Sehr viel spannender als die Ruby Falls in den USA. Riesige Höhlen, meterhohe Stalaktiten und Stalagmiten. Wege führen oben durch und unten drüber. Ein Spielplatz für Indiana Jones.
Da die Besichtigung mit allem drum und dran sehr viel länger als gedacht dauert, lasse ich meinen weiteren Plan, eine Strecke durch die Berge zu fahren, fallen und mache mich sofort auf den Weg Richtung Saltillo.

Saltillo unterscheidet sich sehr von Monterrey. Ich spreche jetzt nur für die Innenstadt, in der ich mich bewegt habe. Monterrey ist mit der Einkaufsstraße durchaus mit westeuropäischen Ländern vergleichbar.
Das Zentrum von Saltillo ist mehr oder weniger durch Quer- und Längs-Straßen geprägt. Hier geht es zu, wie in einem Ameisenhaufen. Die Straßen sind ein einziges Gewusel. Keine großen Supermärkte. Manche der Läden bieten kleine Motorräder an, daneben stehen ein paar Waschmaschinen und andere Geräte, jeweils nur fünf oder sechs Stück jeder Art. Es gibt viele kleine Läden, die Obst und Gemüse und andere Lebensmitteln anbieten. Spielwarengeschäfte, Bekleidung und Fastfood der mexikanischen Art, mit Tacos und Tortillas.

24.08., 25.08.

Auf der Fahrt nach Zacatecas bewege ich mich durchgehend auf einer beeindruckenden Hochebene auf ca. 2.000m Seehöhe. In weiter Ferne, am Horizont, ist die Ebene von höheren Bergen begrenzt. Mal geht es durch einen Pass, um wieder auf einer weiten Fläche zu landen. Vegetation besteht entweder aus einem Wald aus Kakteen oder es handelt sich um eine Art kleine Palme. Ich weiss es nicht. Es geht fast immer nur geradeaus. Zum Glück ist der Pinguin mit dabei. Wir wechseln uns beim Fahren ab. Während er das Steuer übernimmt, mache ich ein Nickerchen in einem der Koffer. Auf solchen Strecken frage ich mich immer, wie weit ich wohl komme, bis die Tankleuchte aufscheint. Ich schaffe 430km. Im Schnitt sind es 350 bis 370km. Bei ca. 400 km wechselt die Freude in Unsicherheit. Ist die Leuchte kaputt? Vor allem wenn die Tankstellen dünn gesät sind. Das sind die kleinen Dinge, mit denen ich mich auf langen einsamen Strecken beschäftige. 🙂
An einem Teil der Strecke denke ich mir. Sind das Blätter, die da langsam vom Wind über die Straße getragen werden? Kann doch nicht sein. Bis ich sehe, dass es sich um sehr große Heuschrecken handelt. Die, die von Autos über- oder angefahre werden, werden einfach von den anderen gefressen.

Zacatecas liegt auf ca. 2.500m Seehöhe, eingebettet zwischen Bergen. Ihren Wohlstand hat die Stadt durch eine Silbermine, die knapp 400 Jahre lang ausgeschöpft wurde, erwirtschaftet. Das ging bis ca. 1960 so. Jetzt scheint die Stadt erfolgreich mit Tourismus zu wirtschaften. Es gibt viele große Kirchen und fast noch mehr Museen.
Die Innenstadt ist von kleinen Straßen, Gassen und Stufen geprägt … so viele Stufen. An vielen Ecken, in der ganzen Stadt verteilt, findet man Mini-Läden nur wenige Quadratmeter groß, die das Notwendigste anbieten. Manchmal sind es Handwerker, wie Schneider oder Schuster, die ihr Gewerbe betreiben.

Ich steige ca. 250 Höhenmeter hoch zu „La Bufa“, die höchste Erhebung, mit einer Kirche, einem Museum, Mausoleum usw. Von einem Ende der Stadt kann man auch die Seilbahn nehmen. Mein Herz rast beim Aufstieg. Kann es sein, dass man auf 2.400m schon so aus der Puste gerät? Oder liegt es bloß an mir?
Auch in Zacatecas ist die Polizei sehr präsent. Was, im Vergleich zu Monterrey und Saltillo, jedoch sofort auffällt, die Fenster und Türen der Häuser sind nicht vergittert. Das macht die Stadt um einiges freundlicher.
Mir kommt vor, ich bin schon mehr unter der Erde als drüber. Ich sehe mir die Silbermine an. Für umgerechnet 2 bis 5 EUR Eintritt, die ich hier im Schnitt für Touren oder für Eintritt zahle, mache ich vieles mit.

Bei der Ankunft im Hostel, Hostel Villa Colonial Cassot, werde ich sofort fotografiert und auf die Facebook Seite des Hostels gegeben. Die Betreiber erzählen mir, dass hier einige Motorradfahrer Stop machen. Erst vor ca. einem Monat waren zwei Österreicher hier. Ich bin also nicht der einzige Österreicher, der unterwegs ist. Einer der Betreiber fragt mich, ob ich ein Bier möchte. Klar, gegen eine kleine Flasche Bier habe ich nach einer langen Fahrt nichts einzuwenden. Er stellt mir eine 1.2l Flasche hin. „Das ist für dich.“
Im Hostel treffe ich auch wieder auf Henry, oder Enrique, wie er wirklich heißt. Henry war auch im Hostel in Monterrey. Er ist 60 Jahre alt und Notar. Seine erste Frau ist verstorben, von der zweiten ist er geschieden. Nun reist er durch das Land. Er fragt mich, wo ich hinfahre und gibt mir sofort Tipps. Hin und wieder erledigt er einen Job .. Übersetzungen, Beratung bei gesetzlichen Sachen. Mit den Leuten, die die Hostels betreiben, ist er auf Du und Du. Ich weiß nicht, ob er einen festen Wohnsitz hat, mir kommt vor, als würde er im Kreis reisen.

Auf einem der öffentlichen Plätze beginnen am späten Nachmittag Clowns mit ihrem Programm. Straßenhändler verkaufen Zuckerwatte und andere Süßigkeiten. Der Platz ist voll mit Familien mit kleinen Kindern. Bis spät in die Dunkelheit hinein treiben die Gaukler ihre Späße. Von einem gefährlichen Mexico ist nichts zu sehen. Nur fröhliche Leute.

Danke fürs Lesen, Jürgen