Manhattan und Philly

Album

26.07.

Die ca. 230 km von Albany nach Manhattan habe ich in ziemlich genau drei Stunden auf einem kleineren Highway durch eine ansprechende Natur mit weniger Verkehr und Pausen bequem hinter mich gebracht. Für die nächsten 170km benötige ich 6 Stunden.

Auf dem Broadway, der weit über die Insel hinaus in den Norden führt, setze ich auf Manhattan über. Ich wollte unbedingt durch Manhattan fahren. Wie sich bald herausstellt, eine fatale Fehlentscheidung. Schon die ersten zwei, drei km hätten eine Warnung sein sollen. Chaos pur auf den Straßen. Autos parken in erster und halten in zweiter von drei Spuren, um auszusteigen, einzusteigen, auszuladen, einzuladen … . Autos weichen aus und schieben sich ineinander. 

Ich fahre durch die Washington Heights, Upper Manhattan, Harlem. Was heißt ich fahre? Im Stop and Go Tempo geht es von Ampel zu Ampel. Mal ist weniger Verkehr, üblicherweise Stau. Ich bringe kaum einen Kilometer hinter mich, ohne stehen bleiben zu müssen.

Vorbei geht es an bekannten Plätzen, die ich 2009 besucht habe und komme am Columbus Circle an, der sich an der südwestlichen Ecke des Central Parks befindet. Endlich tauche ich ein in die Wolkenkratzer. Langsam schiebe ich mich mit den Automassen über den Times Square. Ich biege leicht rechts ab, verlasse den Broadway und fahre die 7th Avenue hinunter.

Obwohl es nur langsam vorangeht, ist es ein imposanter Eindruck, eine schier endlose Häuserschlucht entlang zu blicken. Sonntag morgen, wenn kein Verkehr ist, hätte das bestimmt viel mehr Spaß gemacht.

Ich erreiche den südlichen Teil der Insel und muß durch den Holland Tunnel nach Jersey. Hier geht fast überhaupt nichts mehr, mehr stehend als fahrend geht es Meter für Meter weiter. Ich benötige über 2 1/2 Stunden, um die Insel zu durchqueren. Doch auch auf der anderen Seite wird es kaum besser. Will diese Stadt denn überhaupt nicht enden?

Mit jedem Stop, verkehrsbedingt oder an einer Ampel, verschiebt sich die Ankunftszeit am Ziel auf meinem Navigationsgerät nach hinten. Als würde sich die Distanz vergrößern und nicht verringern. Bis nach Philadelphia sind immer wieder Staus und Baustellen. Mein Navigationsgerät zeigt seit Stunden an, dass es nur noch 1 Stunde bis zum Ziel ist. 

Das Hostel liegt inmitten eines Parks. Abgesehen von der Autobahn, die vorbeiführt, ein erholsamer Ort. Ich bin fix und fertig und froh, endlich angekommen zu sein.

27.-29.07

Philadelphia oder Philly, wie es auch genannt wird. Die nächsten drei Tage dienen der Erholung und dem Sightseeing. In Philadelphia kommt man an zwei Dingen nicht vorbei … an der Liberty Bell und ? Erraten. Rocky Balboa :-). Einige meiner Freunde haben gefragt, ob ich auch die Stufen zum Museum hochgelaufen bin. 

Natürlich bin ich gelaufen, auf den Schienen, durch die Vierteln, die Allee entlang. Mir sind sie ja auch nachgelaufen … und ich bin davongelaufen. Es waren keine Fans, sondern Gangster, die mir an die Wäsche wollten. Neeein. 🙂 Ich habe mich die Stufen mehr hochgeschleppt, denn gelaufen. Aber man kann hunderten anderen Leuten zusehen, wie sie es tun … laufen.

Liberty und Independence (Freiheit und Unabhängigkeit) kann man hier förmlich riechen. Verzeiht mir, wenn ich in meinen Beiträgen nicht auf historische oder geographische Gegebenheiten eingehe. Ich möchte hier nicht wiedergeben, was an vielen anderen Stellen nachgelesen werden kann. Wer Interesse hat, möge dies selbst tun.

Eine der Katzen hier im Hostel hat unter meiner Motorradabdeckung auf meinem Tankrucksack geschlafen. Habe ich an den Spuren und Haaren erkannt. Ich glaube, es war die Weiße.

Viele der historischen Einrichtungen sind frei zu besichtigen. Für Museumsbesucher ist das Philadelphia Museum of Art sehr empfehlenswert. Hat zumindest mir sehr gut gefallen. Eine Freundin hat mir den Tipp gegeben, das Penitentiary, ein ehemaliges Gefängnis, anzusehen. Auch sehr interessant. Ich war noch im Franklin Institut. Auf Benjamin Franklin trifft man hier auch an allen Ecken. Ein wahrer Tausendsassa. Das Institut ist eher was für Kinder. Hier kann man viel entdecken.

An einem der Tage, es ist Sonntag, gehe ich ungefähr eine Stunde zu Fuß zum Museum of Art. Auf der N33 Street, auf der rechten Seite die Häuser, auf der linken Seite der Fairmount Park. Leute machen Picknick und grillen, spielen Musik oder üben den Abschlag auf einer Driving Range. Zum Teil sind Häuser in einem schlechten Zustand und zugenagelt. Auf dem Rückweg hole ich mir an einer Tankstelle, da es heiß und schwül ist, etwas zu trinken. „Food Mart“ steht in gelben Buchstaben auf einer blauen Tafel. Ich betrete den Laden. Er hat in etwa die Größe eines Tankstellen Ladens wie bei uns zu Hause. Man erhält ein wenig was zu trinken und zu essen und andere Bedarfsartikel. Bloß, ist dieser Laden etwas anders. Man betritt nur den Eingangsbereich und findet sich in einem wenig Quadratmeter großen Raum. Der Verkaufsraum ist mit dickem Glas, ich gehe mal davon aus, dass es Schußsicher ist, abgetrennt. Zwischen Verkaufspersonal und Kunde ist direkter physischer Kontakt beinahe unmöglich. Wie in einem Ticketladen gibt es eine Sprechöffnung und eine kleine Durchreiche für Geld. Durch das Glas kann man in den Verkaufsraum sehen und bekanntgeben, was man haben möchte. Um eine Ecke werden die Artikel durch eine Öffnung an den Kunden weitergegeben. Womöglich sieht es am Abend in dieser Gegend ganz anders aus.

Morgen geht es weiter nach Baltimore. Dort möchte ich mich ein wenig auf Edgar Allan Poes Spuren begeben. Einer meiner Lieblingsautoren.

Danke fürs Lesen, Jürgen