22.03.
Wir verlassen Uluru und fahren weiter Richtung Kings Canyon. Die Distanz beträgt „nur“ 300 km, ein Spaziergang. Beim Kings Canyon befindet sich nur ein kleines Ressort mit Tankstelle, ein kleiner Shop, Bar und Restaurant und Unterkünfte, von Camping Platz bis Luxus. Bei der Buchung für das Hostel ist etwas schief gelaufen und wir sind zu fünft in einem Vier-Bett Zimmer. Nach Reklamation erhalten wir ein Upgrade auf die teuren Kabinen. Große Zimmer, große Betten. Der wahre Luxus im Vergleich zu dem, was wir bis jetzt manchmal hatten.
Aufgrund der Hitze ist der Kings Canyon Walk gesperrt. Wir schlagen die Zeit im Ressort tot und beschließen, am nächsten Morgen zeitig aufzustehen, um den Kings Canyon Walk gehen.
23.03.
Tagwache um 5:30. Wir sind eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang beim, vom Ressort ca. 10km entfernten, Kings Canyon. Es ist noch dunkel, aber über dem Horizont wird es langsam hell. Am Beginn geht es ca. 100 bis 150 Meter den Berg hoch, bevor man das Plateau entlang geht und danach wieder hinabsteigt in den „Garden of Eden“, einer grünen Oase inmitten des Canyons. Wir dachten, dass wir um diese Zeit die ersten beim Startpunkt sind und über die Absperrung klettern müssen. Weit gefehlt. Die ersten Leute krabbeln bereits auf halber Höhe den Berg hinauf. Da die Gruppen mit Guide unterwegs sind und ständig stoppen, um etwas erzählt zu bekommen, überholen wir sie alle und haben die Ruhe der Oase für ein paar Minuten für uns, bevor die erste Gruppe rein stürmt.
Es gibt nicht viel zu berichten über diese Tage. Die meiste Zeit haben wir im Auto verbracht.
Die nächsten zwei Tage müssen wir vom Zentrum Australiens, die ganze Strecke, die wir ein paar Tage zuvor hochgefahren sind, wieder zurück in den Süden. Coober Pedy, Port Augusta. In Coober Pedy übernachten wir wieder in Radekas Backbackers. Martin, der Inhaber, macht uns fürs Wiederkommen, vielleicht auch, weil uns bei der ersten Übernachtung die Kühlbox gestohlen wurde, einen guten Preis. Auf der Rückfahrt sehen wir viele Geier, die sich an den Känguru Kadavern vollfressen.
„Verrückte“ habe ich auch schon auf meinen vorigen Reisen auf dem Stuart Highway (der Nord-Süd Verbindung durchs Outback) gesehen. Sei es, dass Leute mit dem Rad, mit einem Moped, zu Fuß oder auf einem Tretroller unterwegs waren. Auf unserer Rückfahrt sind wir einem begegnet, der mit dem Einrad unterwegs war. Er schien aber ordentlich organisiert gewesen zu sein. Neben ihm jemand mit einem Moped und hinter ihnen ein Begleitfahrzeug.
Port Augusta scheint sich ziemlich herausgeputzt zu haben. Ich hatte es anders, nicht so schön in Erinnerung. Die Uferpromenade entlang sieht richtig idyllisch aus. Wir schlafen in einem alten Gasthaus. Ich liebe diese alten Gebäude im Kolonial Stil, aus dem 18xx Jahrhundert mit den knarrenden Stufen und den hohen Räumen. Es gibt Känguruh-Schnitzel zum Abendessen. Schmeckt ausgezeichnet. Beim Kings Canyon habe ich Pizza mit Kamelfleisch gegessen. Kamelfleisch hat mir nicht geschmeckt. Das Fleisch hatte einen neuen, ungewöhnlichen Geschmack, der mir nicht gemundet hat. Die Konsistenz des Fleisches möchte ich mit „körnig“ beschreiben.
25.03.
Am nächsten Tag geht es weiter nach Broken Hill, einer Minenstadt. Weitere 400km mit wenig dazwischen. Die Landschaft ist weiterhin öde, wir befinden uns noch immer im Outback.
In Broken Hill übernachten wir im Palace Hotel. Das Hotel war Teil des Films „Priscilla, Königin der Wüste“, ein Travestie Film. Ein großes altes Gebäude mit riesiger Veranda im ersten Stock. Die Decken sind mit Naturbildern ausgemalt. Das Hotel hat seine besten Zeiten bereits hinter sich, aber es hat Charme. Am Abend wird der Film „Harold und Maude“ im großen Saal des Hotels gezeigt
Auf dem Balkon spricht uns Lesley, eine lustige nette alte Dame, an. Sie hat schon ein, zwei oder vielleicht auch drei Gläschen Wein getrunken, lustig drauf und ist mit zwei Freunden aus New York unterwegs. Sie gibt uns Tipps wohin wir fahren sollen und was wir uns ansehen sollten, und macht kräftig Werbung für die Gegend. Irgendwann zwischendrin gesteht sie uns, dass sie bei einem Tourismusverband oder dergleichen arbeitet.
Sie sagt uns, dass wir unbedingt zum Lake Mungo National Park in der Nähe von Mildura fahren sollen.
26.03.
Von Broken Hill weiter nach Mildura. 300km zurück in die „Zivilisation“.
Auf Wiedersehen ihr unendlichen Weiten, auf Wiedersehen ihr endlosen geraden Straßen, auf Wiedersehen du rostrote Erde und du karge Gegend. Nach ungefähr 4.200 km in 9 Tagen beschließen wir für zwei Nächte in Mildura zu bleiben. Guter Service hat auch Werbung verdient. Wir übernachten im 7th Street Motel http://www.7thstreetmotelmildura.com.au/. Sehr gute Zimmer, sehr gute Lage, wenige Minuten zu Fuß zum Murray River, wenige Minuten zu Fuß zu Geschäften, Restaurants, Bars. Sehr nette freundliche Betreiber und das alles für einen angemessenen Preis. Stefanos Restaurant http://www.stefano.com.au/ ist auch nur ein paar Minuten entfernt. Stefano ist ein Italiener und dürfte als (Hauben)Koch zu etwas Ruhm gekommen zu sein. Angeschlossen ans Restaurant, oder vielleicht auch umgekehrt, gibt es die lokale Brauerei mit diversen geschmackvollen Biersorten.
27.03.
Wir folgen dem Rat von Lesley und fahren zum Lake Mungo National Park. Im Lake Mungo wurden viele archäologische Funde gemacht. Darunter etwa 40.000 Jahre alte menschliche Überreste und etwa 60.000 Jahre alte andere fossile Funde. Aufgrund dieser Funde wird angenommen, dass es hier eine dichte, dauerhafte Besiedlung durch Aborigines gegeben hat.
Die Distanz beträgt etwa 110 km, in eine Richtung. Etwa 20 km hinter Mildura endet die geteerte Straße. Es folgt ein Höllenritt über 90km auf einer Schotterpiste, die bestimmt nicht für unser Auto gemacht wurde. Lange Zeit über, kommen uns keine anderen Autos entgegen. Natürlich haben wir nur zwei Flaschen Wasser mit und auch nicht kontrolliert, ob wir überhaupt einen Reservereifen im Auto haben.
Der See ist seit langer Zeit ausgetrocknet. Da der Rundweg im Nationalpark noch viel schlimmer ist, als die Schotterpiste dorthin, fahren wir nur die wenigen Kilometer bis zum ersten Aussichtspunkt.
Es erwarten uns Sanddünen, felsige Überreste und ein heißer Wind, der den feinen Sand durch die Luft weht, welcher sich auch in den Atemwegen bemerkbar macht. Eine wahrlich unwirtliche Gegend.
Danke fürs Lesen, Jürgen.
