Adelaide to Uluru

Wir kommen am So. 17.03. gegen Mittag aus dem Barossa Valley in Adelaide an. Rund um das Zentrum steht ein grüner Gürtel mit riesigen Parks. Die Uhr können wir um 1/2 Stunde zurückstellen. Richtig gelesen, eine halbe Stunde. Beim Einchecken im Hostel gibt uns der YHA Mitarbeiter bekannt, wo wir ein Irish Pub finden können (P.J. O’Briens) und wo am St. Patrick’s Day mit großer Wahrscheinlichkeit etwas los ist. Das Pub ist etwa 30 Minuten zu Fuß vom Hostel entfernt. Als wir dort gegen vier Uhr nachmittags ankommen, ist die Bude bereits gesteckt voll, eine Band spielt und man merkt, der eine oder andere Gast hat bereits früh zu feiern begonnen. Mit einem Glas Whiskey und Bier stürzen wir uns ebenfalls ins Geschehen. Nach kurzer Zeit lernen wir Leute aus der Umgebung von Adelaide kennen. Es folgt ein äußerst netter und feuchtfröhlicher Abend, der bei mir gegen 1 Uhr früh bei Hungry Jacks (Fastfood Restaurantkette) mit einem Burger endet.
Den Montag benötigen wir um auszuschlafen. Ich bin mittlerweile zum dritten Mal in Adelaide, aber gesehen habe ich bis jetzt noch nicht viel davon. Dabei hat Adelaide knapp 1,5 Mio Einwohner. Da kann man sicher einiges unternehmen. Vielleicht beim nächsten Mal.

19.03.
Heute steht eine Gewalt Tour von ca. 850 km auf dem Plan. Das heutige Ziel ist Coober Pedy. Wir fahren bereits früh los. Nach den ersten 300 km erreichen wir Port Augusta. Port Augusta liegt am Scheideweg. Von hier kann man in alle Richtungen wegfahren. In den Westen nach Perth, in den Osten nach Sydney, zurück auf den südlichen Teil oder nach Norden Richtung Darwin, geradewegs ins Outback. Von hier nach Coober Pedy sind es noch über 500 km. Auf dieser Strecken liegen nur fünf bis sechs Orte und Raststationen. Wieder tun sich endlose Weiten auf. Die Vegetation ist, wenn auch über viele Kilometer gleich, relativ abwechslungsreich. Anfangs dominieren gelb graue Farm Länder mit ihren Gräsern, wie wir sie schon weiter südlich gesehen haben. Schon bald gibt es die rostig-rote Erde mit der Australien verbunden wird. Die Landschaft ist wieder karg und mit vertrockneten mit Bäumen und Sträuchern übersät. Dann fahren wir über weite Strecken durch steinwüstenähnliche Gegenden, die mit etwa kniehohen runden Büschen bedeckt sind. Die Farben ändern sich ständig. Von Gelb zu Grau zu Rot und auch zu Grün.

Wir nähern uns am späten Nachmittag Coober Pedy. Coober Pedy ist eine Opal Abbau Stadt, wenn nicht die berühmteste. Auf dem Weg dorthin sind tausende von Hügeln Aushubmaterial zu sehen, die sich wie kleine runde Kegeln in der Gegend verteilen.
Viele der Gebäude und Einrichtungen in Coober Pedy wurden ganz einfach in die Stollen unter der Erde verlegt, um der trockenen Hitze an der Oberfläche zu entkommen. Leider haben die meisten Attraktionen schon geschlossen. Vielleicht bleibt auf dem Rückweg noch etwas Zeit für einen Zwischenstopp.
In der Jugendherberge Radekars Backpackers, die meisten der Zimmer befinden sich unter der Erde, quatschen wir bei einem Bier ein wenig mit dem Inhaber Martin. Er sieht aus wie ein Original. Ein kleiner knochiger Kerl mit langem weißen Bart. Der grüne Aussie-Hut hat seine besten Zeiten hinter sich, ausgebleicht, abgenutzt und an der Spitze vorne löchrig.

Am nächsten Morgen, 20.03, möchte Martin noch ein Foto vor dem Hostel mit uns machen. „Damit er nicht nur Asiaten auf der Fotowand hat“, wie er sagt.
Wir müssen außerdem feststellen, dass irgendjemand unsere Kühltasche samt Inhalt entwendet hat. Schinken, Käse, Bohnen, Thunfisch und ein paar Zutaten wie Chili Soße, Honig und anderes sind weg. Der größte Verlust war der Rest von Thomas 27$ Wein aus dem Barossa Valley. Das Frühstück ist dürftig an diesem Morgen. Bereits der zweite Verlust auf dieser Reise. Mein Navigationsgerät ist kurz nach Melbourne verschwunden, als wir auf einem Campingplatz in einer Hütte übernachtet haben. Wir haben die ganze Hütte auf den Kopf gestellt. Unauffindbar.

Die Fahrt ist, wie gestern, ziemlich ermüdend. Kilometer um Kilometer geht es durch die Einöde nur geradeaus. Durch die große Hitze spiegelt sich die Luft am Horizont. Road Trains tauchen in weiter Entfernung als kleine Punkte aus diesen Spiegelungen hervor, als würden sie durch Tore aus einer anderen Dimension in die unsrige kommen, nur um Minuten später an uns vorbei zu donnern. Bei Road Trains handelt es sich um große Trucks, die meist mit drei Anhängern durchs Outback fahren und die entlegenen Ortschaften mit dem Nötigen versorgen. Sie können bis zu 55 Meter lang werden. An der Front haben sie einen sogenannten Bull-Bar (Bullenfänger). Diese Trucks stoppen für nichts. Weder für Kängurus, noch für Schafe noch für Kühe. Was in den Weg kommt, wird überfahren. Am Straßenrand sind besonders viele tote Kängurus zu sehen. Selten, aber doch sind es auch Kälber oder Kühe, da der Highway durch Farmgebiet geht und oft kein Zaun die Straße abgrenzt.

Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Yulara. Wir sind nun im nächsten Bundesstaat, dem Northern Territory und gewinnen wieder eine Stunde an Zeitunterschied. Yulara ist das Ressort beim Uluru. Das Ressort ist, wie eine kleine Stadt, mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Der Großteil besteht aus Unterkünften unterschiedlichster Art. Vom Campingplatz, Hostel bis hin zu vier Sterne Unterkünften. Ressort und Nationalpark Uluru sind getrennt. Vom Ressort zum roten Berg sind es etwa 20 km, zu Kata Tjuta, der zweiten Felsformation in dieser Gegend, sind es ca. 50 km.
Die Hitze ist unerträglich. Es hat an die 40 Grad und die Luftfeuchtigkeit beträgt nur 7%. Wasser ist hier das wichtigste Gut. Am Abend fahren wir noch zum Sonnenuntergang Aussichtspunkt.

21.03.
Wie auch die letzten Tage stehen wir bereits sehr früh auf. Heute schon vor sechs. Schön langsam wird das unangenehm. Schließlich bin ich im Urlaub. Aber durch die großen Distanzen, die wir zurückzulegen haben, wird uns das frühe Aufstehen auch in den nächsten Tagen nicht erspart bleiben.
Es ist noch dunkel, als wir beim Frühstück sitzen. In der Ferne begrüßen die Dingos heulend den Morgen. Wir kommen kurz vor sieben Uhr  rechtzeitig beim Sonnenaufgang Aussichtspunkt an. Danach machen wir uns auf, Uluru zu umrunden. Besucht man alle Punkte, beträgt die Strecke etwa 12 km. Anfangs bewegen wir uns noch auf der Schattenseite. Die Sonne erwischt uns aber schon nach wenigen Kilometern. Bereits am frühen Vormittag knallt sie gleißend auf uns herunter. Manche Wanderwege, so wie der Aufstieg auf den Uluru, sind gesperrt, wenn die Temperatur 36 Grad C übersteigt.
Und dann sind da noch die Fliegen. Sie sind klein und aggressiv. Auf der Suche nach ein wenig Flüssigkeit stürzen sie sich zu hunderten auf unsere schwitzenden Körper und schwirren andauernd um uns herum. Besonders unangenehm ist es, wenn sie in Nasenlöcher und Ohren krabbeln. Der Insektenspray hilft so gut wie gar nichts. Viele Besucher haben ein Fliegennetz über dem Kopf. Eine gute Investition. Ich versuche mir die Tiere durch ständiges Wedeln mit einem Ast mit Blättern vom Leib zu halten. Wolfgang wickelt seinen Kopf mit einem weißen Unterhemd ein und Tom vergiftet sich mit Insektenspray beinahe selbst.
Wir benötigen ca. 2 1/2 Stunden für die Umrundung. Die Parkleitung empfiehlt, auf Grund der Hitze, Wanderungen bis 11 Uhr vormittags abzuschließen und dann bis zum Abend keine anstrengenden Tätigkeiten zu unternehmen.
Wir verbringen den Nachmittag mit essen, fernsehen, Fotos sortieren und Blog schreiben.

Gegen Abend fahren wir nochmal in den Park zu Kata Tjuta. Die Distanz vom Ressort beträgt über 50 km. Schon aus der Ferne ist die sanfte  Felsformation mit ihren runden Hügeln sichtbar und lässt sich während der Fahrt lange betrachten. Auf gewisse Weise wirkt es so, als hätten sie Leben in sich, als hätte sich irgendeine Art von Tier hingelegt, um in der Sonne zu dösen …

Danke fürs Lesen, Jürgen.