Es ist Samstag der 2. März. Heute ist mein Flug nach Sydney. Ich verbringe die Nacht bei meinen Eltern, mein Dad bringt mich zum Flughafen. Kurz nach 3 in der Früh stehen wir auf. Noch schnell unter die Dusche und kurz vor 4 Uhr geht es los. Auf das Frühstück verzichten wir. Das wollen mein Dad und ich noch am Flughafen einnehmen. Außerdem möchte mein Dad noch den neuen Teil des Flughafens ansehen. Der Flugplan lautet mit Air Berlin von Wien – Düsseldorf und dann mit Etihad Airways nach Abu Dhabi und Sydney. Geplanter Abflug in Wien ist 6:25
Ich stehe beim Check-In. Die ganze Prozedur dauert schon etwas länger. Die Mitarbeiterin tippt auf Ihrer Tastatur herum und sieht angestrengt auf den Monitor.
Plötzlich kommt die Frage: „Haben Sie ein Visum?“
. . . . Stille . . . .
Ich: „Was?“
Sie: „Ich habe hier Problem Sie für den Flug nach Sydney einzuchecken. Haben Sie das ETA Visum beantragt?“
Ich (noch immer ungläubig): „Für Australien benötigt man ein Visum?“
Sie: „Ja. … … … … Aber das können Sie auch online beantragen.“
OK, alles kein Problem. Laptop habe ich mit und am Flughafen gibt es freies WLAN. Ich, samt Gepäck, weg von Check-In Schalter und erkläre meinem Vater die Situation. Wir gehen mal etwas abseits und ich beginne im Internet zu suchen. „ETA Visum Australien“. Die Seite ist schnell gefunden. „Online beantragen“ klicken, Name, Adresse, Geburtsdatum erfassen. Land auswählen. Was jetzt? Da sind nur eine Handvoll Länder in der Liste verfügbar. Kann doch nicht sein. Also nochmal genau lesen.
Wenn Sie aus einem der folgenden Länder sind …, können Sie das Visum online beantragen.
Nur, Österreich ist da nicht dabei. Weiterlesen.
Wenn Sie aus einem der folgenden Länder sind ,müssen sie das Visum in einem Reisebüro, bei einem anderen Agenten oder in der Australischen Botschaft ausstellen lassen.
Schön langsam werde ich nervös. Gut, mal zum Air Berlin Schalter. Ich schildere mein Problem. Es geht hin und her und die Zeit rinnt davon. Ich höre: „Tja, da kann Air Berlin nichts machen. Die Flüge sind gebunden. Aber Air Berlin ist nur für den Flug nach Düsseldorf zuständig. Aber ohne Visum können wir Sie nicht einchecken.“
Ich frage schon mal, wann der nächste Flug geht. 6. März. Zwischendurch sehe ich auch bei einer Flugsuchmaschine nach, ob es am nächsten Tag noch was gibt und was das kostet. Ich rufe auch die Australische Botschaft in Österreich an. Kann ja nicht schaden. Vielleicht ist um 5 Uhr in der Früh schon jemand dort. Es hebt sofort jemand ab. Natürlich nicht. Da läuft ein Tonband. Bürostunden von Montag bis Freitag von 8:00 bis irgendwann.
Ich sage schon zu meinem Dad: „Ich fliege heute sicher nicht nach Sydney.“ Der 1. Dank gebührt meinem Dad. Er wirft dann die Idee auf: „Versuch mal nur nach Düsseldorf zu kommen. Dort hast du 3h Aufenthalt. Da ist zumindest mal Zeit gewonnen. Im schlimmsten Fall musst du von dort zurück.“
Wieder zurück zum Air Berlin Schalter. Der Mitarbeiter gibt sich redlich Mühe eine Lösung zu finden. „Ne, er kann leider nichts machen. Aber vielleicht die Mitarbeiter vom zentralen Flugschalter (leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt) gleich nebenan.“ Dann eben zum Nebenschalter. Ich werde mit „Sind Sie Herr Bauer?“ begrüßt. Mein Problem scheint sich bereits herumgesprochen zu haben.
Der 2. Dank gebührt den beiden Mitarbeiterinnen vom zentralen Airport Flug Service (oder wie auch immer das heißt) und dem Mitarbeiter von Air Berlin. Gemeinsam telefonieren Sie ungefähr 1h herum und schöpfen alle Möglichkeiten aus, um die Flüge Wien – Düsseldorf und Düsseldorf-Abu Dhabi-Sydney aufzusplitten. Was letztendlich auch gelingt. Hurra, ich kann nach Düsseldorf.
Mittlerweile ist es 6:05. Der Check-In hat offiziell um 5:55 geschlossen. Rüber zum Check-In Schalter, die Dame ist informiert. „Das Gepäck kommt aber erst mit dem nächsten Flug nach. Wenn Sie es in Düsseldorf nicht schaffen einzuchecken, müssen Sie das Gepäck bei Lost und Found abholen. Wenn Sie einchecken können, geht das Gepäck nach Sydney weiter. Aber wenn Sie alle Flüssigkeiten rausnehmen können Sie die Tasche mit in die Kabine nehmen.“ Ok, alle Flüssigkeiten raus, Duschgel, Haarschampoo, Deo, … kriegt man alles auch in Australien. Leider musste auch die Flasche Schnaps raus, die ich eigentlich mitnehmen wollte. Der Boardingpass nach Düsseldorf ist ausgestellt, ich hetzte zum Gate. Es wird nur mehr auf mich gewartet. Um 6:20 sitze ich im Flugzeug.
Aus den Lautsprechern tönt es „Boarding complete … ready for take off … Hier spricht ihr Kapitän. Es gibt viel Verkehr, es dauert noch bis wir abheben, wir haben einen Slot in 25 Minuten.“ Ich denke mir nur: Das können die doch nicht machen. Jede Minute zählt!
Gegen 8:30 bin ich in Düsseldorf aus dem Flugzeug draussen. Passkontrolle, natürlich jede Menge Leute. Ich bin im Transitbereich und muss raus in die Abflughalle. Eine weitere Passkontrolle. Der Beamte sieht mich fragend an, als ich mit dem großen Rucksack aus dem Transitbereich komme. Ich erkläre kurz die Situation und frage, wie ich am schnellsten in die Abflughalle komme. Dort muss ich mich erst mal orientieren. Bei der Information frage ich nach, ob es einen Etihad Schalter gibt. „Ja, gibt es. Da hinten, an der linken Seite.“
Es ist 9 Uhr, der planmäßige Abflug ist 11:00. Beim Etihad Schalter erzähle ich erneut mein Problem. „Aber das ist doch kein Problem, das ist schnell erledigt!“ Ich bin beruhigt und übergebe Reisepass und Fluginformationen. Als ich die Worte höre „Bei der Schulung hat das ganz ausgesehen.“, denke ich mir: Das kann doch nicht wahr sein. Nach einer halben Stunde ist das Visum endlich ausgestellt und ich kann ohne Probleme einchecken.
Jetzt hätte ich gut einen Schluck von dem Schnaps vertragen, den ich in Wien zurücklassen musste. Liegt nur noch der Security Check zwischen mir und dem Abflug. Ich lege meine Sachen auf das Förderband und gehe durch den Detektor. Am anderen Ende des Förderbandes warte ich auf meine Taschen. Eine der Taschen wird auf das Abstellgleis umgeleitet. „Ich glaube ich spinne, was ist denn jetzt wieder?“ Der Sicherheitsbeamte sagt: „Guten Tag. Ist das ihre Tasche? Ja? Bitte nehmen Sie die Tasche, wir prüfen auf Sprengstoffspuren.“ Aber natürlich, machen wir doch gerne. Mittlerweile bin ich auf alles gefasst.
Letztendlich finde ich mich tatsächlich im Flugzeug nach Abu Dhabi wieder und ich habe zumindest einen halbwegs guten Sitz, wo ich ein wenig die Füße ausstrecken kann. Und eines der WCs hatte ein Fenster – ganz neue Aussichten.
Danke fürs Lesen, Jürgen.
