Unterbrechung

Album

24.01. – 02.02.

Leider haben unsere Versuche, meinen beschädigten Kühler abzudichten, keinen Erfolg gehabt. Das Wasser sucht sich immer wieder einen Weg und tröpfelt. Für meine lange Weiterreise ist diese Lösung keine Option. Mein Kühler muss getauscht werden. Wie wir nun erfahren haben, ist die Ruta 3 schon seit 2 Jahren gesperrt. Haben uns die Einheimischen mit Absicht da reingeritten?

In der BMW Werkstatt in Salta erfahre ich, dass es 4 bis 5 Wochen dauert. Im Inland ist keiner lagernd. Der Versand wäre das kleinste Problem. Mit einem Paketdienst wäre ein neuer Kühler in wenigen Tagen hier. Das Problem ist der Zoll. Die Sachen bleiben hier oft wochenlang liegen, bis sie begutachtet und weitergesendet werden.

Das ist natürlich eine schlechte Nachricht. 4 bis 5 Wochen warten? Das wirft meinen/unseren Plan ziemlich durcheinander und bedeutet eine komplette Änderung der Reise. Wie diese aussieht, weiß ich noch nicht.

Ich versuche mein Glück auch bei einem BMW Händler in Chile und in Bolivien und schreibe e-mails. Vielleicht ist ein passender Teil in Chile oder Bolivien lagernd und die Reparatur ist schneller möglich. Die Antwort erfahre ich am Montag. Mit genügend Kühlflüssigkeit im Gepäck kann ich die Strecken schaffen.

So sitzen wir noch mindestens bis Mittwoch in Salta fest. Nichtsdestotrotz ist Salta eine schöne Stadt und hat einiges zu bieten.
Für mich wäre der lange Aufenthalt weniger ein Problem. Ich bin noch ein paar Monate unterwegs, könnte an einem Ort verbleiben und etwas tiefer in das Leben hier eintauchen.
Ich habe Länder in Zentral- und Südamerika bereits befahren. Somit habe ich auch mit einer Änderung der Strecke kein großes Problem. Damit ich zeitlich wieder auf Spur komme, kann ich z.B. ein paar der Länder in Zentralamerika umschiffen. Aber mal sehen. Für Andi sind 4 bis 5 Wochen warten natürlich keine Option.
Die positive Nachricht ist, die Rast tut Andi’s Fuß sehr gut. Er wird von Tag zu Tag besser.

Die Tage sind ruhig. Ich verbringe sie damit zum BMW Händler zu fahren und mit Sightseeing .. endlich mal wieder Museen. Im „Museum für große Höhen“ ist eine sehr gut erhaltene Mumie eines Kindes ausgestellt. Sie ist eines von drei Kindern, die auf dem höchsten Berggipfel hier, 6.700m oder so, in einer Grabstätte gefunden wurden. Es läuft ein Prozess zwischen den Nachfahren der Inka, damit die Kinder wieder zurückgebracht werden.

So gibt es nicht allzu viel zu berichten, außer über eine besondere Begegnung.

Straßenköter habe ich auf meiner Fahrt viele gesehen. Oft sind es wilde Mischungen und sie haben verschiedene Charaktere. Meist sind sie friedlich und gierig nach Zuneigung. Manche scheinen des Lebens überdrüssig und blicken mit leeren Augen am Straßenrand in die Gegend. Sie jagen Autos und Motorrädern hinterher und beißen in Reifen, verlieren dabei auch mal ein Bein oder liegen zermatscht auf der Straße.

Hier in Salta sollten wir ein besonderes Exemplar antreffen.
Wir sitzen auf dem zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“ draußen in einem Restaurant. Kurze Zeit später gesellt sich einer dieser Hunde zu uns und legt sich neben unserem Tisch nieder. Wir witzeln: Warum sucht sich der Hund ausgerechnet Touristen aus? Erkennt er sie? Es machte den Eindruck,
Salta ist ziemlich touristisch, besonders am zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“. Abends laufen die Schuhputzer und arme Straßenverkäufer durch die Gegend und versuchen ihre Kleinigkeiten, wie Schmuck, Figuren und Süßigkeiten zu verkaufen. Es sind auch sehr viele junge Kinder 5 bis 10 Jahre darunter.

Als sich ein Schuhputzer mit seinem Schemel und Schuhputzzeug unserem Tisch nähert, knurrt ihn „unser“ Straßenköter sehr aggressiv an und fängt an zu bellen. Wir wundern uns. Vielleicht wurde sie von Schuhputzern schlecht behandelt und mag sie deshalb nicht? Aber es waren nicht nur die Schuhputzer, die er sehr aggressiv angebellt hat, einmal sogar beinahe gebissen. Er ist gegen die ganze Unterklasse vorgegangen und nur gegen diese. Egal, ob sie Schmuck oder Süßigkeiten verkaufen wollten oder ob sie uns nur Zettel auf den Tisch legen wollten – „ich bin taub und stumm …“ oder dergleichen, egal welches Alter. Keine Aggression gegen Kellner, andere Gäste im Restaurant oder andere vorbeigehende Personen.
Mir wurde das ziemlich unangenehm, weil wir die Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben und es den Eindruck gemacht hat, es ist unser Hund, der hier die armen Leute von uns fernhält, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

Als wir mit Essen fertig waren und der Tisch leer war, hat er an anderen Tischen zu streunen begonnen. Es waren die Tische von merkbar ausländischen Gästen. Bei Tischen, die dem Aussehen nach vermeintlich Einheimisch waren, hat der Hund nicht halt gemacht.
Eine seltsame Begegnung.

Wie es weitergeht, ob ich einen längeren Zwischenaufenthalt einlegen muss oder vielleicht in Chile oder Bolivien Glück habe, darüber berichte ich im nächsten Artikel.

Danke fürs Lesen, Jürgen.