Schlagwort: Argentinien

  • Abschied von Argentinien

    Abschied von Argentinien

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    Es ist eine Weile her, dass ich mich hier gemeldet habe, deshalb wieder mal ein kleines Update. Es geht mir ausgezeichnet. Ich habe es mir gut gehen lassen in Cafayate, Cachi und Salta.
    Spät aufstehen. Entweder etwas rumlaufen oder mit dem Motorrad die Gegend erkunden.
    Am frühen Nachmittag ein Bier und lesen in einem der Restaurants. Danach Siesta und abends oft Steak und Wein.
    Auch beim Schreiben war ich etwas faul.

    06.03 – 09.03. + 10.03 / 11.03.

    Nach 6 Tagen verlasse ich Cafayate und fahre auf der Ruta 40 weiter nach Norden nach Cachi.
    Cachi liegt auf etwa 2.600m Seehöhe. Es ist ein kleines Dorf mit etwa 5.000 Einwohnern. Der Kern ist kolonial geprägt. Ich bleibe drei Nächte. Der Ablauf unterscheidet sich nicht groß von dem in Cafayate.

    In Cachi zieht jeden Abend ein starker Wind auf. Nahe dem Dorf steige ich einen kleinen Hügel hinauf. Der Fels ist zerfurcht und die Steine sind scharf, Flip Flops sind bestimmt nicht das geeignete Schuhwerk.
    Vom Hügel hat man einen guten Überblick in beide Richtungen der Ebene. Die Landschaft ist von der Abendsonne in herrliche Farben getaucht.
    Ich kauere mich in eine windgeschützte Ecke und beobachte eine Weile den Sonnenuntergang. Manchmal wage ich einen Blick auf die andere Seite. Kleine Steine werden wie Nadeln in mein Gesicht geschleudert. Auf der anderen Seite sehe ich, wie große Staubwolken über den Fluss geweht werden.
    Der Abschied von Argentinien rückt näher. Zwei weitere Tage in Salta vergehen damit, ein paar organisatorische Sachen zu erledigen.

    12.03.

    Ich fahre ein Stück Richtung bolivianische Grenze nach Tilcara, damit die Fahrt am nächsten Tag nicht gar so weit ist. Hier verbringe ich die letzten Stunden in Argentinien und verprasse die letzten Pesos. Im Hostel gibt es ein Asado – grillen auf argentinische Art. Das heißt verschiedene Sorten Fleisch und Wurst. Die Rollen sind verteilt, während sich die Männer um das Fleisch kümmern, bereiten die Frauen den Salat und andere Sachen zu .. das scheint auf der ganzen Welt gleich.

    13.03.

    Zur Grenze sind es bloß 200 km. Ich genieße die Fahrt. Argentinien bereitet mir einen sonnigen Abschied. In der Grenzstadt La Quiaca gibt es keinen Benzin. Hierfür war die letzte Reserve an Pesos gedacht. Kein Problem, ich komme locker bis an mein Ziel.
    Auf der anderen Seite der Straße steht ein alter roter Bus, der in ein kleines Restaurant umgewandelt wurde. Vor dem Bus raucht es aus dem Grill. Auch hier wird Fleisch gebraten. Ich steige voll gekleidet in den Bus und frage, was ein Essen kostet. Die Antwort ist 50 Pesos. Ich sage, ich verlasse Argentinien und habe nur noch 30 Pesos übrig. Die Dame fragt die Chefin. Ja, ich kann einen kleineren Fleischteller haben.
    Und kurz bevor ich Argentinien verlasse, genieße ich noch einmal die Gastfreundschaft der Leute. Am Nebentisch sitzt eine Familie. Der Mann hat zugehört und bietet mir ein Glas mit Cola an.

    Die Grenzformalitäten sind rasch erledigt und bevor ich in den Gassen der bolivianischen Grenzstadt Villazon verschwinde, drehe ich mich noch einmal um, werfe einen Blick zurück und sage diesem wunderschönen Land und den wundervollen Leuten Auf Wiedersehen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • nicht jeder kommt nach Hause

    nicht jeder kommt nach Hause

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    25.02. – 26.02.

    Nachdem ich einen weiteren Regentag in Mendoza abgewartet habe, fahre ich am Mittwoch weiter. Wie sich am Nachmittag herausstellt, war das ganz gut so.

    Laut Wetterbericht bleibt es heute trocken und ich nehme mir eine größere Strecke von 400km bis nach Villa San Augustin vor. Andi und ich haben dort vor etwa einem Monat schon zwei Nächte verbracht. Nettes Hostel, relaxte Betreiber.

    Ich nehme diesmal aber von Mendoza aus eine andere, direkte Strecke. Es geht zügig voran und mein Motorrad macht auch keine Probleme. Auf den letzten 150km durch die Pampa begegnen mir nur sehr wenige Autos. Aufgrund der Probleme in den letzten Wochen habe ich noch ein wenig ein unsicheres Gefühl, alleine durch solche weite Strecken zu fahren. Aber das wird sich auch wieder geben.

    In Mendoza habe ich auf den Satellitenbildern gesehen, dass ein weiter Bereich dieser Gegend vom Regen betroffen war. Von Mendoza bis Villa San Augustin ist die ganze Landschaft in Wasser getränkt. Die Wüste und Pampa wurden in eine schlammige Ebene verwandelt. Die Gegend rund um Villa San Augustin scheint es  stärker getroffen zu haben. Ich bin zwar auf einer asphaltierten Straße, muss aber mehrere kleine Flüsse kreuzen. Zweimal wurde die Straße weggeschwemmt.

    Kurz vor dem Dorf versperrt ein breiter, stark fließender Fluss die Straße. Es warten bereits mehrere Autos. Ich fahre langsam bis zur Wassergrenze. Auf der anderen Seite winkt mir ein Polizist heftig, dass ich nicht durchfahren soll. Hätte ich zumindest auf Anhieb auch nicht vorgehabt. Busse, LKWs und Geländewagen werden durchgelassen. Klein- und Mittelklassewagen werden mit einem LKW der Gemeinde durch den Fluss geschleppt. Nach ein paar Minuten setzt der Polizist mit dem Polizeiwagen über und gibt mir zu verstehen, dass ich mit dem Motorrad nicht rüber darf. Vor zwei Tagen ist hier ein Motorradfahrer umgekommen.

    Ich muss warten, bis jemand mit einem Pickup-Truck vorbeikommt. Es dauert aber nicht sehr lange. Ich nehme mein Gepäck ab und mit Hilfe von ein paar anderen Personen heben wir das Motorrad auf den Wagen. Der Einheimische verdient sich kurzerhand ein paar Pesos, indem er noch andere Motorräder über den Fluss bringt.

    Vom Betreiber des Hostels erfahre ich dann mehr. Am Montag hat ein chilenischer Motorradreisender die Warnungen eines Campingplatzbetreibers nahe des Flusses ignoriert. Der Unglückliche wurde beim Versuch, den Fluss zu überqueren, vom Wasser mitgerissen und hat es nicht überlebt.

    27.02. – 28.02.

    Bevor ich abfahre bereitet mich der Hostelbetreiber noch darauf vor, dass ich zwei weitere Flüsse kreuzen muss. Sie sind zwar tief, das Wasser reicht mir bis halb zum Schienbein – auf dem Motorrad, aber sie sind nicht sehr stark. Jedoch muss ich, was mir weniger gefällt, mit nassen Schuhen und Füßen weiterfahren.

    Ich übernachte in La Rioja und in San Miguel de Tucumán. Es handelt sich bloß um Zwischenstationen. Ich mag diese großen Städte meist nicht. Es ist schwer sich zu orientieren und die Leute fahren wie verrückt.

    01.03. – ?

    Zurück aufs Land, zurück auf die Ruta 40. Die Gegend hier nahe den Anden ist ausgesprochen schön. Von Tucumán führt eine kurvige Strecke entlang eines Flusses durch das bergige Tafi de Valle. Es geht auf über 3000m hoch. Zwei gegensätzliche Landschaften auf der einen und auf der anderen Seite des Berges. Es regnet leicht von Tucuman weg. Grün und bewaldet ist die Gegend. Überquert man den Pass findet man sich in der kargen, trockenen, mit Kakteen bewachsenen Gegend des Calchaquíes Hochlandes wieder.

    Cafayate ist eine gemütliche kleine Weinbau-Stadt. Berühmt bzw. das Markenzeichen der Gegend sind Weine von der Torrontés Riojano Traube, ein Weißwein.

    Im Moment verlängere ich den Aufenthalt von Tag zu Tag. Nur mit dem Essen ist es hier so eine Sache. Vor 9 Uhr abends tut sich kaum etwas. „Essen? Die Küche sperrt erst um 9 Uhr auf.“ Vorher erhält man bloß Kleinigkeiten wie Sandwich, Salat oder Empanadas.

    Am Sonntag hat ein Motocross Rennen statt gefunden. Ich sehe eine Weile zu, wie die Fahrer mutig über die Strecke jagen.  Auch dem Wein Museum statte ich einen Besuch ab. Hier wurde dem Weinbau in der Region ein kleines Denkmal gesetzt. Die Geschichte, die Herkunft, die Rebsorten, wie wichtig Erde und das spärliche Wasser sind. … alles wird anschaulich und unterhaltsam erklärt.

    Der Norden Argentiniens hat es mir wirklich angetan. Die Landschaft, das sonnige Wetter, die Gemütlichkeit … der gute Wein, die Steaks. Eigentlich wollte ich ungefähr Mitte März schon nahe Ecuador sein, aber gerade vorhin habe ich wieder Geld gewechselt. Ich bleibe wohl noch ein paar Tage in dieser Gegend.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

     

  • Ich habe mich verliebt

    Ich habe mich verliebt

    was auch immer für ein Tag – 06.02.

    Ich habe mich verliebt .. in ein Land, in die Leute, in die Frauen. Von allen Ländern, die ich durchfahren habe, hat mir Argentinien am besten gefallen. Die Herzlichkeit der Leute, die Landschaft, die hübschen Mädels mit ihren dunklen Augen. Ich liebe dunkle Augen. Und hier sind sie so tief wie ein Ozean .. ich könnte stundenlang darin versinken.

    Ein kleines Update zwischendurch.
    Nach sechs Monaten unterwegs hat die Pause von einer Woche hier in Salta sehr gut getan. Aber es treibt uns weiter.
    Wir machen einen Tagesausflug zum Gingante del Diablo, einer Schlucht, die durch Wasser ausgewaschen wurde. Mein Kühler verliert auf 250km mindestens 1/4 Liter Wasser, aber der Motor läuft nicht heiß.

    Dank Günther und Marco, ließ sich in Santiago de Chile einen neuen Kühler organisieren.
    Günther habe ich vor sehr, sehr vielen Wochen in Valdivia getroffen. Eigentlich sind wir nur aneinander vorbeigelaufen. Günther und sein Kumpel, beide aus Österreich, sind spät am Abend im Hostel angekommen und ich bin früh ins Bett gegangen, weil ich am nächsten Tag weiter gefahren bin. Wir haben uns bloß im Stiegenhaus „Hallo“ gesagt.
    Am nächsten Tag hat mir Günther eine e-mail geschrieben, dass es schade ist, dass wir nicht plaudern konnten. Sie sind auch Motorradfahrer.
    Günther hatte vor vielen Jahren Motorräder in Kolumbien und ist dort viel herumgefahren, bis die Guerilla der Meinung war, dass sie ihre Motorräder benötigen.
    Er ist dann nach Panama „umgezogen“ und hat dort im Moment zwei Motorräder stehen. In der europäischen kalten Jahreszeit verbringt er immer wieder Zeit in Süd- und Zentral Amerika.

    Die kurze Begegnung sollte sich nun als äußerst hilfreich herausstellen. Günther hat einen guten Freund namens Marco in Santiago de Chile, einen Mechaniker oder so. Das Netzwerk Günther, Marco und darüber hinaus funktioniert besser als das BMW Netzwerk. Denn sowohl von BMW in Chile als auch in Bolivien erhalte ich keine Antwort.Günthers Freund Marco kann einen neuen Kühler schnell auftreiben. Ich hoffe, dass das auch gut funktioniert.

    Andi und ich möchten die Zeit nutzen und fahren noch für ein paar Tage nach Bolivien. Wir verlassen Salta .. eine sehr nette Stadt. Wir verlassen, das nette Hostel und die schielende verrückte Katze. Wir verlassen den äußerst netten Mann, dem der Parkplatz gehört hat, wo wir unsere Motorräder untergestellt haben und der sich in einem Gespräch mit den Hostel Betreibern als umtriebiger Geschäftsmann herausgestellt hat. Wir dachten, er kassiert bloß das Geld fürs parken. Dabei hat ihm der Parkplatz und das Gebäude davor gehört, in dem er mehrere Geschäfte und Büros vermietet hat. Geschäftsmann bis zum Schluss. Wenige Minuten vor unserer Abfahrt möchte er uns auch noch Honig verkaufen. Andi greift zu.
    Nach einer langen Tour sind wir abends in Tupiza in Bolivien angekommen. Ein neues Land auf meiner Reise. Ich bin schon gespannt, wie es ist.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Unterbrechung

    Unterbrechung

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    24.01. – 02.02.

    Leider haben unsere Versuche, meinen beschädigten Kühler abzudichten, keinen Erfolg gehabt. Das Wasser sucht sich immer wieder einen Weg und tröpfelt. Für meine lange Weiterreise ist diese Lösung keine Option. Mein Kühler muss getauscht werden. Wie wir nun erfahren haben, ist die Ruta 3 schon seit 2 Jahren gesperrt. Haben uns die Einheimischen mit Absicht da reingeritten?

    In der BMW Werkstatt in Salta erfahre ich, dass es 4 bis 5 Wochen dauert. Im Inland ist keiner lagernd. Der Versand wäre das kleinste Problem. Mit einem Paketdienst wäre ein neuer Kühler in wenigen Tagen hier. Das Problem ist der Zoll. Die Sachen bleiben hier oft wochenlang liegen, bis sie begutachtet und weitergesendet werden.

    Das ist natürlich eine schlechte Nachricht. 4 bis 5 Wochen warten? Das wirft meinen/unseren Plan ziemlich durcheinander und bedeutet eine komplette Änderung der Reise. Wie diese aussieht, weiß ich noch nicht.

    Ich versuche mein Glück auch bei einem BMW Händler in Chile und in Bolivien und schreibe e-mails. Vielleicht ist ein passender Teil in Chile oder Bolivien lagernd und die Reparatur ist schneller möglich. Die Antwort erfahre ich am Montag. Mit genügend Kühlflüssigkeit im Gepäck kann ich die Strecken schaffen.

    So sitzen wir noch mindestens bis Mittwoch in Salta fest. Nichtsdestotrotz ist Salta eine schöne Stadt und hat einiges zu bieten.
    Für mich wäre der lange Aufenthalt weniger ein Problem. Ich bin noch ein paar Monate unterwegs, könnte an einem Ort verbleiben und etwas tiefer in das Leben hier eintauchen.
    Ich habe Länder in Zentral- und Südamerika bereits befahren. Somit habe ich auch mit einer Änderung der Strecke kein großes Problem. Damit ich zeitlich wieder auf Spur komme, kann ich z.B. ein paar der Länder in Zentralamerika umschiffen. Aber mal sehen. Für Andi sind 4 bis 5 Wochen warten natürlich keine Option.
    Die positive Nachricht ist, die Rast tut Andi’s Fuß sehr gut. Er wird von Tag zu Tag besser.

    Die Tage sind ruhig. Ich verbringe sie damit zum BMW Händler zu fahren und mit Sightseeing .. endlich mal wieder Museen. Im „Museum für große Höhen“ ist eine sehr gut erhaltene Mumie eines Kindes ausgestellt. Sie ist eines von drei Kindern, die auf dem höchsten Berggipfel hier, 6.700m oder so, in einer Grabstätte gefunden wurden. Es läuft ein Prozess zwischen den Nachfahren der Inka, damit die Kinder wieder zurückgebracht werden.

    So gibt es nicht allzu viel zu berichten, außer über eine besondere Begegnung.

    Straßenköter habe ich auf meiner Fahrt viele gesehen. Oft sind es wilde Mischungen und sie haben verschiedene Charaktere. Meist sind sie friedlich und gierig nach Zuneigung. Manche scheinen des Lebens überdrüssig und blicken mit leeren Augen am Straßenrand in die Gegend. Sie jagen Autos und Motorrädern hinterher und beißen in Reifen, verlieren dabei auch mal ein Bein oder liegen zermatscht auf der Straße.

    Hier in Salta sollten wir ein besonderes Exemplar antreffen.
    Wir sitzen auf dem zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“ draußen in einem Restaurant. Kurze Zeit später gesellt sich einer dieser Hunde zu uns und legt sich neben unserem Tisch nieder. Wir witzeln: Warum sucht sich der Hund ausgerechnet Touristen aus? Erkennt er sie? Es machte den Eindruck,
    Salta ist ziemlich touristisch, besonders am zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“. Abends laufen die Schuhputzer und arme Straßenverkäufer durch die Gegend und versuchen ihre Kleinigkeiten, wie Schmuck, Figuren und Süßigkeiten zu verkaufen. Es sind auch sehr viele junge Kinder 5 bis 10 Jahre darunter.

    Als sich ein Schuhputzer mit seinem Schemel und Schuhputzzeug unserem Tisch nähert, knurrt ihn „unser“ Straßenköter sehr aggressiv an und fängt an zu bellen. Wir wundern uns. Vielleicht wurde sie von Schuhputzern schlecht behandelt und mag sie deshalb nicht? Aber es waren nicht nur die Schuhputzer, die er sehr aggressiv angebellt hat, einmal sogar beinahe gebissen. Er ist gegen die ganze Unterklasse vorgegangen und nur gegen diese. Egal, ob sie Schmuck oder Süßigkeiten verkaufen wollten oder ob sie uns nur Zettel auf den Tisch legen wollten – „ich bin taub und stumm …“ oder dergleichen, egal welches Alter. Keine Aggression gegen Kellner, andere Gäste im Restaurant oder andere vorbeigehende Personen.
    Mir wurde das ziemlich unangenehm, weil wir die Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben und es den Eindruck gemacht hat, es ist unser Hund, der hier die armen Leute von uns fernhält, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

    Als wir mit Essen fertig waren und der Tisch leer war, hat er an anderen Tischen zu streunen begonnen. Es waren die Tische von merkbar ausländischen Gästen. Bei Tischen, die dem Aussehen nach vermeintlich Einheimisch waren, hat der Hund nicht halt gemacht.
    Eine seltsame Begegnung.

    Wie es weitergeht, ob ich einen längeren Zwischenaufenthalt einlegen muss oder vielleicht in Chile oder Bolivien Glück habe, darüber berichte ich im nächsten Artikel.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Ruta 3, Fahrt ins Verderben

    Ruta 3, Fahrt ins Verderben

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    19.01. – 23.01.

    Auf der kurvigen Ruta 7 ignorieren wir die Sperrlinien und überholen lange Schlangen von Autos, die hinter LKWs hängen. Wir wollten eigentlich eine andere Route fahren, die aber wegen eines Events gesperrt war. Deshalb mussten wir nochmal ganz Mendoza durchqueren und hatten es etwas satt, wieder langsam hinter eine Kolonne zu hängen. Auf einer Strecke, wie dieser, scheint es ziemlich klar, dass die Polizei irgendwo wartet. Ich habe mich noch gewundert, wieso alle so brav fahren. 

    Mit einem Schlag wird mir klar, warum.
    Ein weiblicher und ein männlicher Beamter winken uns auf die Seite. Zurecht. Für mich ist es nicht das erste Mal. Dumm stellen. Führerschein vorzeigen. Ich habe bloß noch eine Kopie meines Führerscheins, die aber nicht mehr so gut aussieht, deshalb gebe ich das Original her. Auch hier in Argentinien wird der Führerschein einkassiert. Der Polizeibeamte zeigt auf seinem Zettel hin und her. Für das Übertreten der Sperrlinie sind irgendetwas zwischen 220 und 400 USD pro Person fällig. Lächerlich. Die „übliche“ Diskussion in sehr gebrochenem Spanisch, es ist Sonntag, wir müssen weiter, wie kriegen wir unseren Führerschein zurück, bla bla bla.
    Schon nach kurzer Zeit ist klar, worum es geht. Der Polizeibeamte ist gar nicht daran interessiert uns ein Ticket auszustellen. Für 100 USD – 50 pro Person – dürfen wir weiterfahren.

    Andi hat über seinen Blog/Forum Kontakt zu einer einheimischen Person. Von dieser erfahren wir später, dass wir mit 100 USD noch ziemlich gut davon gekommen sind. Die Strafen scheinen hier tatsächlich sehr hoch zu sein.

    Die nächsten Tage fahren wir auf der Ruta 40 und oft kleineren Straßen Richtung Norden. Wir übernachten in Barreal, San Jose de Jachal, Villa Union, San Augustin de Valle Fertil.

    Ich war selbst der Meinung, dass ich nach mehr als 6 Monaten unterwegs nicht mehr so leicht zu beeindrucken bin, dass ich schon „alles“ gesehen habe.

    Aber erneut mag die Natur zu verwundern, dass ich zeitweise eine Gänsehaut bekomme. Wir bewegen uns auf einer Seehöhe zwischen 1.000 und 2.000 Metern auf einer weiten Ebene im Randbereich der Anden. Links von uns ragen die Berge mit den schneebedeckten Bergspitzen in die Höhe, rechts von uns begleitet uns eine niedrigere Bergkette. Die Landschaft schillert in allen Farben, rot, brau, hellgrau, grün. Manche Teile werden „die gemalte Wüste genannt“.

    Kurz vor Barreal besuchen wir ein Observatorium. Der Blick geht weit in das Land hinein. Selten habe ich eine derartige Stille erlebt. Manchmal ist es der leichte Wind, der ein sanftes Geräusch von sich gibt. Hin und wieder zerreißt das Summen einer Fliege die Ruhe. Ich traue mich nur zu flüstern, aus Angst die Natur zu stören.

    Wenn wir am frühen Nachmittag in den Dörfern eintreffen, haben wir den Eindruck, wir würden durch Geisterstädte fahren. Die Temperaturen bewegen sich nahe oder über 40 Grad C. Alle Geschäfte haben geschlossen.

    In San Jose de Jachal sitzen wir gegen 20 Uhr an einem Kiosk und trinken ein Bier. Im Hotel haben wir erfahren, dass die Restaurants erst gegen 21 Uhr aufsperren. Die Straßen sind noch immer leer gefegt. Langsam beginnt Leben einzukehren. Wir sitzen und beobachten das Geschehen. Die Läden sperren wieder auf, zwischen 21 und 22 Uhr stellen die Restaurants Tische und Stühle auf die Straße. Aus der Geisterstadt wurde eine Ameisenhaufen. Die Restaurants sind voll und um Mitternacht fahren 2 bis 3 jährige Kinder mit ihren Dreirädern durch die Gegend.

    In Villa Union sind wir auf der Suche nach einer Unterkunft. Ich bleibe stehen und frage eine Frau. Gleich ist die ganze Familie bei uns, gibt uns Tipps. Die Dame setzt sich dann auf das Fahrrad und bringt uns zu einem Hostel. Während ich bei der Unterkunft nach Zimmer und Preisen frage, setzt Andi einen Jungen auf sein Motorrad, der mit seinem Großvater vorbei spaziert ist. Wir treffen den Großvater wieder, als wir bei einem Restaurant an einer Tankstelle essen. Er arbeitet dort als Kellner.

    Wir besuchen den Talampaya National Park, der durch Wind und Wasser bizarr geformt ist, und das Valle de Luna im Ischigualasto Nationalpark. Eine trostlose Landschaft. Bei 46 Grad C sterben wir tausend Tode, als wir mit 15 bis 20 km/h die 40 km Runde, einem Konvoi mit diversen Stopps folgen. Neben den 5 Sehenswürdigkeiten im Park, sind Andi und ich die 6. Wenn wir 1$ pro Foto bekommen würden, das von uns gemacht wird .. es wäre schon einiges zusammengekommen.

    24.01.

    Über Nacht hat es geregnet. Von über 40 Grad kühlt es auf 18-20 Grad ab.
    Wie wir am Abend in Chilecito in den Nachrichten erfahren, hat ein Erdrutsch ungefähr 300 km westlich von uns ein Dorf verwüstet und 9 Tote und ein paar vermisste Personen verursacht.

    25.01.

    Ruta 3, „unsere persönliche Dakar“ oder „eine Fahrt ins Verderben“
    Als wir am Morgen Chilecito verlassen, wissen wir noch nicht, was heute auf uns zukommt. Der heutige Tag sollte die bisher größte Herausforderung auf meiner/unserer Reise werden.
    Die Fahrt beginnt gut, das Wetter ist mit uns. Unser Ziel wäre Fiambala in ca. 200 km Entfernung – eine kurze gemütliche Tour. Irgendwo vorher sagt mein Navigationsgerät, wir sollen abbiegen. Leider kennt es die neue Straße noch nicht. Es ist ein Feldweg. Die Straße ist sehr tiefsandig und oft von Flussläufen zerstört, die im Moment jedoch ausgetrocknet, hin und wieder etwas schlammig sind. Nur sehr langsam quälen wir uns voran. Wir fallen jeweils mehrmals um. Andi vergräbt das Motorrad halb im Sand, ich klemme mir einmal das Bein unter meinem Motorrad ein. Es ist ein Kraftakt. Nach ungefähr 4 km gibt es eine Abzweigung, aber dort wo mein GPS Gerät den Weg anzeigt, gibt es keinen mehr .. nur eine von Wasser zerfurchte Landschaft. Also fahren wir die andere Abzweigung weiter. Auch hier stehen wir nach ungefähr 3 km mitten in einem riesigen Flussbett, kein Weg ist erkennbar. Wir kehren um. Für die 14 km haben wir ungefähr 1 1/2 Stunden benötigt. Durchgeschwitzt und ein wenig erledigt machen wir Pause und sind froh, wieder auf asphaltierten Wegen zu sein. Ein anstrengendes Abenteuer zwischendurch.
    Gegen 14 Uhr kommen wir in Tinogasta an. Wir überlegen: Es ist uns zu früh, um schon anzuhalten, knapp 80 km bis Belén, davon 60 km auf einem Schotterweg, das kann nicht länger als 2 Stunden dauern. Weit gefehlt.

    An der Kreuzung zur Ruta 3 steht ein Schild „Cuesta de Zapata bei Ruta 3 nicht befahrbar“. So viel verstehen wir. Vielleicht ist es ein Ort auf der Strecke, der nicht erreicht werden kann. Wir fragen Einheimische, ob die Straße nach Belén führt und ob der Weg OK ist und werden ins Verderben geschickt.

    Am Anfang hatten wir zwei, drei Flüsse zu kreuzen, ein paar schlammige Teile, dann Schotterweg, aber die Strecke war nicht so schlimm – noch immer befahrbar. Irgendwann führt sie sehr kurvig, einspurig und steinig in die Berge. Hier war die Strecke schon eine größere Herausforderung, aber noch immer befahrbar. Wir hatten etwa 30 km bis 35 km hinter uns und noch 20 km vor uns, als die Hölle beginnt. Bis zu Fußball große Steine liegen auf dem Weg, an manchen Stellen ist die Straße vom Wasser halb weggespült. Die nächsten 4 Kilometer sollten zur Tortur werden. Langsam quälen wir uns voran. Zum Umkehren ist es zu spät. Der Point Of No Return ist überschritten, es geht nur mehr vorwärts. Mit jeder Kurve hoffen wir, dass das Schlimmste vorbei ist. Wir fallen um, stemmen die schweren Motorräder wieder hoch, wir räumen Steine aus dem Weg. Andi klemmt seinen Fuß ein, der später ziemlich anschwillt.

    An zwei Stellen müssen wir Hand anlegen, um weiterzukommen. Einmal um Erde abzugraben und einen kleinen Graben zu füllen, ein anderes Mal müssen wir einen etwa 1 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit Steinen auffüllen. Wir sind müde und erschöpft. Seit fünf Stunden sind wir auf der Strecke, alleine für die letzten 4 km haben wir fast zwei Stunden benötigt.

    Gleich hinter dem Graben, den wir mit Steinen gefüllt haben, war es notwendig nach rechts zu lenken. Andi schafft den Part. Müde und ausgelaugt passieren jedoch Fehler. Besonders auf einer Strecke, die unsere Fähigkeiten übersteigen. Mich hebt es etwas aus und ich knalle mit meiner linken Seite gegen einen Stein. Ein Teil meiner Wasserkühlung ist beschädigt, der Sturzbügel hat vor Schlimmerem bewahrt.
    Es ist 19 Uhr, ich bin nahe dran, alles liegen und stehen zu lassen, als wir beginnen, mit Superkleber die Brüche abzudichten. Das funktioniert bedingt, aber wir können weiterfahren. Zu unserem Glück wird die Straße von nun an besser. Ein paar schwierige Passagen später kommen wir wieder in eine zivilisierte Gegend, wo die Einheimischen schon mit ihren PKWs unterwegs sind – es kann nun nicht mehr so schlimm sein.

    Andi, der Unglücksvogel, hat sich diesmal am Vorderreifen einen Platten eingefangen. Wir sind noch 23 km von unserem Ziel entfernt. Bis in die Dunkelheit hinein wechseln wir den Reifen, benötigen Stirnlampe und das Licht meines Motorrades.
    Auf dem Weg nach Belén müssen wir dann noch anhalten und Wasser in meinen Kühler nachfüllen, weil mein Motor heiß läuft – wir konnten nicht alles ganz abdichten. Bei langsamer Geschwindigkeit und niedriger Motordrehzahl schaffen wir es gegen 22 Uhr in Belén zu sein.
    Völlig erledigt, aber glücklich, dass wir angekommen sind, finden wir ein Hotel. Bis spät in die Nacht lassen wir den Tag Revue passieren.
    Für einen äußerst detaillierten Bericht über die Fahrt, verweise ich auch auf Andi.

    26.01.

    Überlegen, wie es weitergeht. Unsere Motivation ist am Ende, Andis Fuß ist extrem geschwollen. Ich dränge ihn zum Arzt zu gehen. Er will nicht. Von den Leuten im Hotel erhält er eine Salbe, ich besorge Eis.
    Wir bemerken, dass Andis Hinterreifen auch platt ist. 7 Platte Reifen in einem Monat. Andi ist komplett am Boden, denkt darüber nach abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich sage ihm, er soll mal einen Tag abwarten. Er schreibt e-mails für den Rücktransport. Auch ich denke nach, wo und wie ich eine Pause machen kann. Der gestrige Tag, die gestrige Strecke, war zu viel .. zu anstrengend .. zu viele Schäden an Mensch und Maschine .. das ist es nicht Wert.

    27.01.

    Es geht uns wieder besser. Auch Andis Fuß sieht wesentlich besser aus als gestern. Er lässt seine Reifen flicken. Ich versuche alles notwendige für mein Motorrad für die Weiterreise zu besorgen. Alles Kleber, um die Risse weiter abzudichten, Kühlflüssigkeit zum Nachfüllen. Es sind 400km bis San Miguel de Tucumán. Bis dorthin müssen wir es schaffen, dort gibt es eine BMW Werkstatt.

    Am Nachmittag kommt ein argentinisches Pärchen ins Hotel, wir beginnen zu plaudern. Sie sind aus San Miguel de Tucuman und mit dem Auto auf Urlaub. Ihnen ist mittendrin irgendwo der Schlauch für die Wasserkühlung gerissen. Sind auch festgesessen, hatten kein Wasser mit. Aber er kennt sich damit aus, hat eine Werkstatt oder dergleichen, um solche Sachen zu reparieren.
    Später am Abend bringt er einen Komponentenkleber und schenkt ihn mir. Wir dichten meinen beschädigte Stelle ab und machen Fotos von uns mit ihm auf unseren Motorrädern.

    28.01. / 29.01.

    Wir entscheiden uns, gleich nach Salta zu fahren. Es sind nur wenige Kilometer mehr als bis nach San Miguel de Tucumán und viele andere Reisende haben uns gesagt, dass wir dort unbedingt Halt machen sollen.
    Mein Kühler macht keine Schwierigkeiten. Es tritt nur tropfenweise Wasser aus. Nach ungefähr 200km möchte ich an einer Tankstelle nachfüllen. Es fehlt fast kein Wasser. Anscheinend ist die beschädigte Stelle mit dem Komponentenkleber sehr gut abgedichtet.

    In Salta sehe ich beim BMW Händler vorbei. Der ganze Kühler müsste getauscht werden, aber es würde 30 Tage dauern, bis das Teil da ist. So lange habe ich keine Zeit. Das Provisorium wird angesehen und für gut befunden. Das heißt, das Provisorium wird vorerst zur Lösung.

    Wir bleiben noch bis 2. Februar in Salta. Andis Fuß braucht Ruhe, auch ich benötige eine Pause. Salta macht einen sehr netten Eindruck, hat etwa 450.000 Einwohner, alte historische Gebäude und Kultur. Wie habe ich das vermisst. Es tut gut, nach so langer Zeit in der Pampa und den vielen Problemen in den letzten zwei Monaten, mal wieder in eine Großstadt zu kommen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Mendoza mit Renate und Bart

    Mendoza mit Renate und Bart

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    15.01. – 18.01.

    In Mendoza treffen wir wieder auf Renate und Bart aus Holland. Für die neuen Leser: Ich habe Renate und Bart in Guatemala kurz vor der Grenze zu Honduras getroffen. Wir sind dann gemeinsam eine Woche durch Honduras und Nicaragua gereist und haben diverse Abenteuer erlebt.

    In Bogota, Kolumbien, haben sich unsere Wege erneut für einen Abend gekreuzt. Nun sollten wir in Mendoza zum dritten Mal aufeinander treffen. Die beiden sind nach Süden unterwegs, Andi und ich nach Norden.

    Als sie meinen letzten Beitrag über die Begegnungen gelesen haben, schienen sie etwas enttäuscht, dass ich nicht ausführlicher über sie berichtet habe – mit Absicht. Die beiden sollten ihren eigenen Artikel erhalten. 😉

    Bart ist Feuerwehrmann und Renate hat in einer Bank gearbeitet. Sie sind enthusiastische Motorradfahrer und mit BMW F800 GS für gut 8 bis 9 Monate unterwegs. Wobei Renates Motorrad, wie es sich für ein Mädchen gehört, mit pinken Details versehen ist. 😉 Bis auf Andi, der nun mit mir reist, habe ich mit den beiden die meiste Zeit auf meiner Reise verbracht. Sie gehören zu den nettesten Leuten, die ich auf meiner Reise getroffen habe. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

    In Mendoza verbringen wir 4 gemeinsame Abende. Steaks werden verschlungen – es muss eine ganze Kuh gewesen sein – und Bier und Wein fließen in Strömen unsere Kehlen hinunter.

    An einem der Tage in Mendoza buchen wir eine ganztägige Weintour. In einem Kleinbus mit 10-12 anderen Leuten fahren wir durch die Gegend und besuchen 3 Weingärten, eine Fabrik, die Olivenöl produziert und einen Süßigkeitenladen, der auch diverse Alkoholika herstellt.
    Rund um Mendoza soll es an die 1.000 Weinproduzenten in verschiedener Größe geben. So stehen der Besuch einer großen geschichtsträchtigen Winery, eines jungen Betriebes und eines Familienbetriebes, wo alles mit Hand und ohne Pestizide gemacht wird, auf unserem Plan.
    Der Besuch der ersten Winery, Bodega Lopez, war ziemlich imposant. 50 Millionen Liter, so wird uns gesagt, werden hier pro Jahr produziert. Riesige Holzfässer im Erdgeschoss und im Keller ein riesiger Raum mit Metallbehältern. Die Holzfässer sind nur mehr zum Teil im Einsatz, alt und verbraucht und zu teuer, um sie weiterhin zu benutzen.
    Auch die kleine Firma, die Olivenöl produziert, war interessant. Wir erfahren einen Trick, wie man sehen kann, ob Olivenöl natürlich hergestellt wurde. Soweit ich das verstanden habe, stellt man hierzu das Olivenöl in den Kühlschrank und nach einiger Zeit sollten sich Wasserbestandteile und Öl trennen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

    Die Hitze macht zu schaffen, man merkt gegen Nachmittag, wie die Leute immer müder werden. Beim dritten Weinproduzenten tun die Leute bloß noch interessiert, damit der Guide nicht ins Leere redet.

    Malbec ist die berühmteste Weinsorte rund um Mendoza. Malbec gibt es zum Frühstück, zu Mittag und zum Abendessen. Malbec zu jeder Zeit. Wir werden ständig daran erinnert, so viel Wein wie möglich zu trinken.

    Die Temperaturen liegen bei 38 bis 40 Grad. Zwischen 13 und 14 Uhr schließen die meisten Geschäfte und öffnen dann wieder gegen 17 und 18 Uhr oder später.

    Am Sonntag, den 19. Januar trennen sich Renate und Barts und unsere Wege. Es war ein herzlicher Abschied. Manche Begegnungen entwickeln sich zu Freundschaften. Ich zähle die beiden zu meinen Freunden und sehe sie in den Niederlanden wieder.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

    Andis Video Don’t worry be happy

    P.S. Und hier kommt noch der Aufhänger für den nächsten Bericht. Da schreibe ich dann nämlich über unsere erste Bestechung.

     

  • Wo geht es hier nach Alaska?

    Wo geht es hier nach Alaska?

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    … aber zuerst Mal die Geschichte zur letzten Etappe nach Ushuaia.

    17.12.

    Wir stehen sehr früh auf. Um 9 Uhr geht die Fähre nach Isla Grande de Tierra del Fuego. Eine Stunde vorher „muss“ man am Fährhafen sein. Auch einige Leute aus dem Hostel sind vor Ort. Ein Franzose, der seit gut 2 1/2 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein paar Backpacker, die Isla Magdalena mit ihren vielen Pinguinen besuchen wollen. Steve und Judy treffen mit ihrer Harley ein. Mit ihnen wollen wir gemeinsam bis über die argentinische Grenze fahren.

    Die Überfahrt nach Tierra del Fuego dauert knapp 2 1/2 Stunden. Die Insel ist zweigeteilt. Ein Teil gehört Argentinien, ein Teil Chile. Die ersten 150km sind erneut Schotterpiste, aber in einem sehr guten Zustand, es staubt bloß sehr. Wir fahren Richtung Osten, haben Rückenwind und kommen gut voran.
    Wenn man in einer Gruppe fährt, ist der Blick ständig im Rückspiegel. Mal verliert man sich, weil jemand Pinkelpause macht, aber es kann auch andere Gründe geben.
    Andi und ich haben die Führung. Nach ungefähr 120km verlieren wir Steve und Judy aus den Augen.
    Nachdem wir ein, zwei Minuten gewartet haben und die beiden nicht auftauchen, steigt Andi ab und ich kehre um. Die Harley steht am Straßenrand. Steve ist am schrauben. Er weiß noch nicht was los ist. Ich sehe zu. Nach einer Weile hole ich Andi ab, der gut 1 1/2 Kilometer weiter wartend am Straßenrand sitzt.
    Steve hat keine guten Nachrichten. Er hat die Abdeckung des Motors abgeschraubt. Die Erde ist schwarz vom Motoröl getränkt. Während Steve die Ursache ermittelt, bemerke ich, dass bei einem meiner vorderen Stoßdämpfer massiv Öl austritt. Der Dichtring ist kaputt. Im Vergleich zu Steves Problem ziemlich harmlos.

    Bei der Harley ist eine Antriebskette im Motor gerissen. Eine Reparatur vor Ort ist nicht möglich. Er braucht einen Truck.
    Gut, die Grenze zu Argentinien liegt ungefähr 30 km entfernt. Ich fahre los. An der Grenze frage ich, wo es Hilfe gibt. Ein Polizeibeamter sagt mir, 15 km zurück an der Strecke gibt es einen Mechaniker in einer Estancia.
    Ich fahre also wieder zurück, halte an der Estancia an und erkläre was los ist. Arturo, der Mechaniker, nimmt seinen Werkzeugkoffer und steigt ins Auto. Ich sage: Nein, wir benötigen keinen Mechaniker, wir benötigen einen Abschleppwagen. Arturo ruft einen Bekannten an und sagt mir dann, dass dieser in ungefähr einer Stunde kommt. Ich fahre zurück zu Steve, Judy und Andi.
    Wir warten. Der Wind weht stark, die Sonne brennt vom Himmel. Eingepackt in unsere Motorradkleidung, Gesichtsmasken und Tücher sitzen wir am Straßenrand … mal plaudernd, mal schweigend in Gedanken versunken. Der Verkehr ist dicht. Von den vorbeifahrenden Autos, LKWs und Bussen werden wir mit Staub bedeckt.
    Auch nach 1 1/2 Stunden ist kein Pickup da. Ich fahre erneut zur Estancia, Arturo ruft erneut seinen Kumpel an. Dieser verspricht zu kommen. Ich warte in der Estancia. Der Pudel der Familie ist anfangs etwas eingeschüchtert von mir, giert aber nach Streicheleinheiten, sobald er sich an mich heran getraut hat.
    Ich frage, ob der Wind hier das ganze Jahr weht. Arturo meint: Ja, aber im Moment ist er nicht so stark. Ach? Nicht so stark?
    Nach gut einer Stunde erscheint der Pickup. Zurück bei Judy, Steve und Andi verladen wir die Harley, mit Unterstützung von anderen Motorradfahren, die gerade vorbeikommen und den Luxus eines Begleitwagens genießen, auf den Pickup Truck. Steve und Judy müssen zurück nach Porvenir, mit dem kaputten Motorrad dürfen sie nicht nach Argentinien einreisen, Andi und ich fahren weiter Richtung Grenze.

    Gegen 19 Uhr wechseln wir auf die argentinische Seite. Wir haben noch knapp 300 km vor uns. Da wir in Ushuaia ein Hostel gebucht haben, entscheiden wir die Anstrengung auf uns zu nehmen und durchzufahren. Die Geschwindigkeit ist diesmal etwas höher als sonst. Wo es möglich ist, sind wir mit 110 bis 120 km/h unterwegs. Wir fahren gegen den Sonnenuntergang und kämpfen gegen Wind und Kälte. Ein Glück, dass es erst gegen halb elf Uhr Abends dunkel wird. Müde und durchfroren kommen wir mit dem letzten Tageslicht in Ushuaia an. Das Zielfoto geht sich leider nicht mehr aus.

    18.12.

    Heute bringen wir die letzten Kilometer ans „Ende der Welt“ hinter uns, welches durch das Ende der Straße „Ruta 3“ im Nationalpark Tierra del Fuego gekennzeichnet ist. Große Fotosession. Einige Touristen fragen, woher wir sind, wie lange wir unterwegs sind. Ein paar machen Fotos von den „verrückten“ Motorradfahrern, von uns, mit uns, mit dem Motorrad. Es ist fast so, als hätte man ein Rennen gewonnen.
    Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich in Ushuaia.

    19.12.

    Ein schöner Flecken Erde dieses Patagonien. Die Natur ist einfach nur atemberaubend. Gerne würden wir länger verweilen. Leider bleibt uns keine Zeit. Aber ich komme bestimmt wieder.

    Ab heute geht es Richtung Norden.
    Rio Grande, das mittendrin auf der Strecke liegt, hat wenig Flair. Wir halten bloß zum Tanken, fahren die ganze Strecke zurück und übernachten in Porvenir, einem kleinem Städtchen gegenüber von Punta Arenas. Unsere Fähre geht erst am nächsten Tag.

    Im Hostel treffen wir auf Pablo, seinen Vater und einen Bruder. Sie sind Obsthändler, handeln vorwiegend mit getrockneten Früchten, Datteln, Nüsse, Pistazien,… . Zum Teil kommt die Ware aus Chile, zum Teil importieren sie aus verschiedenen Teilen der Welt und fahren dann mit ihrem Pickup durch Südchile, um diese Früchte zu verkaufen. Mit ihnen verbringen wir einen lustigen Abend im Hostel.

    Leider erhalten wir auch eine schlechte Nachricht. Andis Motorrad verzögert sich erneut um zwei Tage und kommt erst am 23.12. Abends in Punta Arenas an. Es ist nicht sicher, ob wir das Motorrad noch vor Weihnachten aus dem Zoll kriegen. Wir hoffen auf ein kleines „Weihnachtswunder“.

    20.12. – 21.12.

    Zurück in Punta Arenas.
    Die nächsten drei Tage heißt es warten, da wir Wochenende haben, gibt es auch keine Antworten vom Spediteur oder von den Leuten vor Ort. Das Ganze ist etwas mühsam und drückt auf die Stimmung. Punta Arenas ist zwar ganz nett, aber wir hätten die Zeit gerne an einem gemütlicheren Ort abgewartet.
    In Punta Arenas gibt es eine BMW Werkstatt, die ich am Samstag Vormittag besuche, um meinen Dichtring austauschen zu lassen. Auch hier ist über das Wochenende geschlossen. Es ist ein Drama.

    Wie es weitergeht und ob wir Andis Motorrad noch erhalten haben, meines repariert wurde und wie wir Weihnachten verbracht haben, erfährt ihr im nächsten Beitrag.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest.

    Wie immer Danke fürs Lesen, Jürgen.P.S.
    Fünf Monate On und Off the Road hinterlassen sichtbare Spuren beim Material. Im Album ein paar Fotos über den aktuellen Zustand.

     

  • Am Ende der Welt

    Am Ende der Welt

    161 Tage, 29.457 km, 13 Länder.

    Wir sind am Ende der Welt angekommen. Etwas anders als erwartet mit einem Motorrad, aber wir sind da.

    Es war ein gebührender Abschluss. Steve und Judy, mit denen wir die ersten km gemeinsam zurücklegen wollten, hatten ein ziemliches Pech. Mitten in der Pampa, 13okm von Punta Arenas und 3okm vor der argentinischen Grenze, aber noch immer weit weg von der nächsten Stadt, ist eine Antriebskette im Motor der Harley gerissen. Es hat fast 5h gedaurt, bis ihr Motorrad auf einem Pickup geladen wird.

    Andi und ich sind gegen 19 Uhr über die Grenze. Wir haben uns noch fast 300km durch Wind und Wetter gekämpft und sind um halb 11 Uhr abends in Ushuaia angekommen. Das Zielfoto musste bis zum nächsten Tag warten. Den Bericht im Detail gibt es in Kürze.

    Ich freue mich unheimlich. Das Ende einer schon jetzt abenteuerlichen Reise und gleichzeitig  ein Neubeginn. Ich bin schon irrsinnig gespannt, was mich – bzw. für die nächsten 3 Monate, Uns – auf der Fahrt Richtung Norden erwartet.

    Danke an meine Leser. Es steht einiges auf dem Plan und ich hoffe, dass ihr auch weiterhin dabei seid.

    Nächstes Ziel: Prudhoe Bay, Alaska … das andere Ende der Welt.

    Gruß, Jürgen.

  • Fast da

    Fast da

    12.12. – 13.12. 

    Wenn ich morgens meine vielen Schichten an Kleidung anziehe, kommt es mir vor, als würde ich mich auf einen Flug in den Weltraum vorbereiten und nicht auf eine Fahrt mit dem Motorrad. So stelle ich mich heute wieder als Spielball der Natur zur Verfügung. Ich setze erneut über nach Chile. Puerto Natales liegt nicht weit hinter der Grenze. Bei der Grenzkontrolle lasse ich schnell einen Apfel am Straßenrand verschwinden. Hatte doch glatt vergessen, dass hier alles durchsucht wird. Das Röntgen der Taschen bleibt mir diesmal erspart, aber die Dame vom Gesundheitsministerium möchte überall reinsehen und ein wenig stöbern.

    Langsam geht mir mein Bargeld aus. In Andis Gepäck befindet sich meine neue Bankomatkarte und ein paar neue USD. Die letzten Tage war es meist Mikrowellen Futter aus dem Supermarkt. Der letzte Haarschnitt liegt auch schon eine Weile zurück.

    In Puerto Natales treffe ich auf der Straße wieder mal auf zwei Österreicher, diesmal zwei Steirer, die mit ihrem umgebauten Landcruiser Pickup auch schon länger unterwegs sind. Sind auch von Norden gekommen, ihr nächstes Ziel ist auch Alaska. Die Konzentration an „Welt“-Reisenden wird immer größer. Der Flaschenhals, wenn man so sagen will, wird immer enger. Umgebaute Pickups, Wohnmobile, Motorradfahrer und Radfahrer. Viele Deutsche und Franzosen sind unterwegs, die Franzosen meist in Gruppen von zwei bis vier Fahrzeugen.

    Die Natur nimmt teilweise bizarre Formen an. Vom Wind gestaltet stehen die Bäume schief in der Landschaft, die Baumkronen zeigen alle in eine Richtung. Hellgrünes Moos hängt wie in Fetzen in den Ästen.

    14.12. Besuch aus der Heimat!

    Ich treffe am frühen Nachmittag in Punta Arenas ein. Per Mail und SMS hält mich Andi auf dem Laufenden, wo er im Moment ist. 4 Mal umsteigen, alles verläuft wie geplant. Gegen halb sieben empfange ich ihn am Flughafen.

    Die Freude ist groß, es wird gefeiert. In zwei Lokalen machen wir Sperrstunde.

    15.12.

    Am Sonntag ist Wahltag. An einem Wahltag ist es bei Gesetz verboten, Alkohol auszuschenken und zu verkaufen. Im Supermarkt sind die Regale versperrt. Auch die Restaurants haben geschlossen. Die Chinesen scheinen von diesem Gesetz ausgenommen zu sein. Wir essen daher in einem der zwei geöffneten chinesischen Restaurants und erhalten dort auch Bier. Da Andis Motorrad mit einer Woche Verspätung ankommt, überlegen wir, wie wir die Zeit am besten nutzen können. Wir entscheiden das Wichtigste für vier Tage einzupacken, den Rest im Hostel zu lassen und mit einem Motorrad Richtung Ushuaia weiter zu fahren.

    Am Vormittag fahren wir zum Fährhafen, um die Überfahrt zu reservieren. Leider werden heute nur die Tickets für die aktuelle Überfahrt verkauft. Wir sehen zu, wie sich die Fähre langsam mit Fahrzeugen und Passagieren füllt. In zwei Tagen wollen auch wir uns auf das Schiff begeben.

    Nur noch eine Barriere aus Wasser und wenige hundert Kilometer trennen mich vom „Ende der Welt“. Ich kann es kaum erwarten, anzukommen.

    16.12.

    Heute zu Fuß unterwegs. Erneut zum Fährhafen, der gute 5 km vom Hostel entfernt liegt. Wir reservieren die Überfahrt. Auf dem Rückweg sehen wir zufällig Steve und Judy, die uns mit dem Motorrad entgegenkommen. Sie möchten noch heute auf Feuerland übersetzen, Fähre geht keine, heute ist Ruhetag. Wir sehen uns morgen um 9 Uhr am Hafen wieder, wie sie mir später per mail mitteilen.

    Vielleicht mag es für den ein oder anderen seltsam klingen, aber morgen ist ein wichtiger Tag für mich auf dieser Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.