Schlagwort: Salta

  • Abschied von Argentinien

    Abschied von Argentinien

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    Es ist eine Weile her, dass ich mich hier gemeldet habe, deshalb wieder mal ein kleines Update. Es geht mir ausgezeichnet. Ich habe es mir gut gehen lassen in Cafayate, Cachi und Salta.
    Spät aufstehen. Entweder etwas rumlaufen oder mit dem Motorrad die Gegend erkunden.
    Am frühen Nachmittag ein Bier und lesen in einem der Restaurants. Danach Siesta und abends oft Steak und Wein.
    Auch beim Schreiben war ich etwas faul.

    06.03 – 09.03. + 10.03 / 11.03.

    Nach 6 Tagen verlasse ich Cafayate und fahre auf der Ruta 40 weiter nach Norden nach Cachi.
    Cachi liegt auf etwa 2.600m Seehöhe. Es ist ein kleines Dorf mit etwa 5.000 Einwohnern. Der Kern ist kolonial geprägt. Ich bleibe drei Nächte. Der Ablauf unterscheidet sich nicht groß von dem in Cafayate.

    In Cachi zieht jeden Abend ein starker Wind auf. Nahe dem Dorf steige ich einen kleinen Hügel hinauf. Der Fels ist zerfurcht und die Steine sind scharf, Flip Flops sind bestimmt nicht das geeignete Schuhwerk.
    Vom Hügel hat man einen guten Überblick in beide Richtungen der Ebene. Die Landschaft ist von der Abendsonne in herrliche Farben getaucht.
    Ich kauere mich in eine windgeschützte Ecke und beobachte eine Weile den Sonnenuntergang. Manchmal wage ich einen Blick auf die andere Seite. Kleine Steine werden wie Nadeln in mein Gesicht geschleudert. Auf der anderen Seite sehe ich, wie große Staubwolken über den Fluss geweht werden.
    Der Abschied von Argentinien rückt näher. Zwei weitere Tage in Salta vergehen damit, ein paar organisatorische Sachen zu erledigen.

    12.03.

    Ich fahre ein Stück Richtung bolivianische Grenze nach Tilcara, damit die Fahrt am nächsten Tag nicht gar so weit ist. Hier verbringe ich die letzten Stunden in Argentinien und verprasse die letzten Pesos. Im Hostel gibt es ein Asado – grillen auf argentinische Art. Das heißt verschiedene Sorten Fleisch und Wurst. Die Rollen sind verteilt, während sich die Männer um das Fleisch kümmern, bereiten die Frauen den Salat und andere Sachen zu .. das scheint auf der ganzen Welt gleich.

    13.03.

    Zur Grenze sind es bloß 200 km. Ich genieße die Fahrt. Argentinien bereitet mir einen sonnigen Abschied. In der Grenzstadt La Quiaca gibt es keinen Benzin. Hierfür war die letzte Reserve an Pesos gedacht. Kein Problem, ich komme locker bis an mein Ziel.
    Auf der anderen Seite der Straße steht ein alter roter Bus, der in ein kleines Restaurant umgewandelt wurde. Vor dem Bus raucht es aus dem Grill. Auch hier wird Fleisch gebraten. Ich steige voll gekleidet in den Bus und frage, was ein Essen kostet. Die Antwort ist 50 Pesos. Ich sage, ich verlasse Argentinien und habe nur noch 30 Pesos übrig. Die Dame fragt die Chefin. Ja, ich kann einen kleineren Fleischteller haben.
    Und kurz bevor ich Argentinien verlasse, genieße ich noch einmal die Gastfreundschaft der Leute. Am Nebentisch sitzt eine Familie. Der Mann hat zugehört und bietet mir ein Glas mit Cola an.

    Die Grenzformalitäten sind rasch erledigt und bevor ich in den Gassen der bolivianischen Grenzstadt Villazon verschwinde, drehe ich mich noch einmal um, werfe einen Blick zurück und sage diesem wunderschönen Land und den wundervollen Leuten Auf Wiedersehen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Ich habe mich verliebt

    Ich habe mich verliebt

    was auch immer für ein Tag – 06.02.

    Ich habe mich verliebt .. in ein Land, in die Leute, in die Frauen. Von allen Ländern, die ich durchfahren habe, hat mir Argentinien am besten gefallen. Die Herzlichkeit der Leute, die Landschaft, die hübschen Mädels mit ihren dunklen Augen. Ich liebe dunkle Augen. Und hier sind sie so tief wie ein Ozean .. ich könnte stundenlang darin versinken.

    Ein kleines Update zwischendurch.
    Nach sechs Monaten unterwegs hat die Pause von einer Woche hier in Salta sehr gut getan. Aber es treibt uns weiter.
    Wir machen einen Tagesausflug zum Gingante del Diablo, einer Schlucht, die durch Wasser ausgewaschen wurde. Mein Kühler verliert auf 250km mindestens 1/4 Liter Wasser, aber der Motor läuft nicht heiß.

    Dank Günther und Marco, ließ sich in Santiago de Chile einen neuen Kühler organisieren.
    Günther habe ich vor sehr, sehr vielen Wochen in Valdivia getroffen. Eigentlich sind wir nur aneinander vorbeigelaufen. Günther und sein Kumpel, beide aus Österreich, sind spät am Abend im Hostel angekommen und ich bin früh ins Bett gegangen, weil ich am nächsten Tag weiter gefahren bin. Wir haben uns bloß im Stiegenhaus „Hallo“ gesagt.
    Am nächsten Tag hat mir Günther eine e-mail geschrieben, dass es schade ist, dass wir nicht plaudern konnten. Sie sind auch Motorradfahrer.
    Günther hatte vor vielen Jahren Motorräder in Kolumbien und ist dort viel herumgefahren, bis die Guerilla der Meinung war, dass sie ihre Motorräder benötigen.
    Er ist dann nach Panama „umgezogen“ und hat dort im Moment zwei Motorräder stehen. In der europäischen kalten Jahreszeit verbringt er immer wieder Zeit in Süd- und Zentral Amerika.

    Die kurze Begegnung sollte sich nun als äußerst hilfreich herausstellen. Günther hat einen guten Freund namens Marco in Santiago de Chile, einen Mechaniker oder so. Das Netzwerk Günther, Marco und darüber hinaus funktioniert besser als das BMW Netzwerk. Denn sowohl von BMW in Chile als auch in Bolivien erhalte ich keine Antwort.Günthers Freund Marco kann einen neuen Kühler schnell auftreiben. Ich hoffe, dass das auch gut funktioniert.

    Andi und ich möchten die Zeit nutzen und fahren noch für ein paar Tage nach Bolivien. Wir verlassen Salta .. eine sehr nette Stadt. Wir verlassen, das nette Hostel und die schielende verrückte Katze. Wir verlassen den äußerst netten Mann, dem der Parkplatz gehört hat, wo wir unsere Motorräder untergestellt haben und der sich in einem Gespräch mit den Hostel Betreibern als umtriebiger Geschäftsmann herausgestellt hat. Wir dachten, er kassiert bloß das Geld fürs parken. Dabei hat ihm der Parkplatz und das Gebäude davor gehört, in dem er mehrere Geschäfte und Büros vermietet hat. Geschäftsmann bis zum Schluss. Wenige Minuten vor unserer Abfahrt möchte er uns auch noch Honig verkaufen. Andi greift zu.
    Nach einer langen Tour sind wir abends in Tupiza in Bolivien angekommen. Ein neues Land auf meiner Reise. Ich bin schon gespannt, wie es ist.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Unterbrechung

    Unterbrechung

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    24.01. – 02.02.

    Leider haben unsere Versuche, meinen beschädigten Kühler abzudichten, keinen Erfolg gehabt. Das Wasser sucht sich immer wieder einen Weg und tröpfelt. Für meine lange Weiterreise ist diese Lösung keine Option. Mein Kühler muss getauscht werden. Wie wir nun erfahren haben, ist die Ruta 3 schon seit 2 Jahren gesperrt. Haben uns die Einheimischen mit Absicht da reingeritten?

    In der BMW Werkstatt in Salta erfahre ich, dass es 4 bis 5 Wochen dauert. Im Inland ist keiner lagernd. Der Versand wäre das kleinste Problem. Mit einem Paketdienst wäre ein neuer Kühler in wenigen Tagen hier. Das Problem ist der Zoll. Die Sachen bleiben hier oft wochenlang liegen, bis sie begutachtet und weitergesendet werden.

    Das ist natürlich eine schlechte Nachricht. 4 bis 5 Wochen warten? Das wirft meinen/unseren Plan ziemlich durcheinander und bedeutet eine komplette Änderung der Reise. Wie diese aussieht, weiß ich noch nicht.

    Ich versuche mein Glück auch bei einem BMW Händler in Chile und in Bolivien und schreibe e-mails. Vielleicht ist ein passender Teil in Chile oder Bolivien lagernd und die Reparatur ist schneller möglich. Die Antwort erfahre ich am Montag. Mit genügend Kühlflüssigkeit im Gepäck kann ich die Strecken schaffen.

    So sitzen wir noch mindestens bis Mittwoch in Salta fest. Nichtsdestotrotz ist Salta eine schöne Stadt und hat einiges zu bieten.
    Für mich wäre der lange Aufenthalt weniger ein Problem. Ich bin noch ein paar Monate unterwegs, könnte an einem Ort verbleiben und etwas tiefer in das Leben hier eintauchen.
    Ich habe Länder in Zentral- und Südamerika bereits befahren. Somit habe ich auch mit einer Änderung der Strecke kein großes Problem. Damit ich zeitlich wieder auf Spur komme, kann ich z.B. ein paar der Länder in Zentralamerika umschiffen. Aber mal sehen. Für Andi sind 4 bis 5 Wochen warten natürlich keine Option.
    Die positive Nachricht ist, die Rast tut Andi’s Fuß sehr gut. Er wird von Tag zu Tag besser.

    Die Tage sind ruhig. Ich verbringe sie damit zum BMW Händler zu fahren und mit Sightseeing .. endlich mal wieder Museen. Im „Museum für große Höhen“ ist eine sehr gut erhaltene Mumie eines Kindes ausgestellt. Sie ist eines von drei Kindern, die auf dem höchsten Berggipfel hier, 6.700m oder so, in einer Grabstätte gefunden wurden. Es läuft ein Prozess zwischen den Nachfahren der Inka, damit die Kinder wieder zurückgebracht werden.

    So gibt es nicht allzu viel zu berichten, außer über eine besondere Begegnung.

    Straßenköter habe ich auf meiner Fahrt viele gesehen. Oft sind es wilde Mischungen und sie haben verschiedene Charaktere. Meist sind sie friedlich und gierig nach Zuneigung. Manche scheinen des Lebens überdrüssig und blicken mit leeren Augen am Straßenrand in die Gegend. Sie jagen Autos und Motorrädern hinterher und beißen in Reifen, verlieren dabei auch mal ein Bein oder liegen zermatscht auf der Straße.

    Hier in Salta sollten wir ein besonderes Exemplar antreffen.
    Wir sitzen auf dem zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“ draußen in einem Restaurant. Kurze Zeit später gesellt sich einer dieser Hunde zu uns und legt sich neben unserem Tisch nieder. Wir witzeln: Warum sucht sich der Hund ausgerechnet Touristen aus? Erkennt er sie? Es machte den Eindruck,
    Salta ist ziemlich touristisch, besonders am zentralen Platz „Plaza 9 de Julio“. Abends laufen die Schuhputzer und arme Straßenverkäufer durch die Gegend und versuchen ihre Kleinigkeiten, wie Schmuck, Figuren und Süßigkeiten zu verkaufen. Es sind auch sehr viele junge Kinder 5 bis 10 Jahre darunter.

    Als sich ein Schuhputzer mit seinem Schemel und Schuhputzzeug unserem Tisch nähert, knurrt ihn „unser“ Straßenköter sehr aggressiv an und fängt an zu bellen. Wir wundern uns. Vielleicht wurde sie von Schuhputzern schlecht behandelt und mag sie deshalb nicht? Aber es waren nicht nur die Schuhputzer, die er sehr aggressiv angebellt hat, einmal sogar beinahe gebissen. Er ist gegen die ganze Unterklasse vorgegangen und nur gegen diese. Egal, ob sie Schmuck oder Süßigkeiten verkaufen wollten oder ob sie uns nur Zettel auf den Tisch legen wollten – „ich bin taub und stumm …“ oder dergleichen, egal welches Alter. Keine Aggression gegen Kellner, andere Gäste im Restaurant oder andere vorbeigehende Personen.
    Mir wurde das ziemlich unangenehm, weil wir die Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben und es den Eindruck gemacht hat, es ist unser Hund, der hier die armen Leute von uns fernhält, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

    Als wir mit Essen fertig waren und der Tisch leer war, hat er an anderen Tischen zu streunen begonnen. Es waren die Tische von merkbar ausländischen Gästen. Bei Tischen, die dem Aussehen nach vermeintlich Einheimisch waren, hat der Hund nicht halt gemacht.
    Eine seltsame Begegnung.

    Wie es weitergeht, ob ich einen längeren Zwischenaufenthalt einlegen muss oder vielleicht in Chile oder Bolivien Glück habe, darüber berichte ich im nächsten Artikel.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Ruta 3, Fahrt ins Verderben

    Ruta 3, Fahrt ins Verderben

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    19.01. – 23.01.

    Auf der kurvigen Ruta 7 ignorieren wir die Sperrlinien und überholen lange Schlangen von Autos, die hinter LKWs hängen. Wir wollten eigentlich eine andere Route fahren, die aber wegen eines Events gesperrt war. Deshalb mussten wir nochmal ganz Mendoza durchqueren und hatten es etwas satt, wieder langsam hinter eine Kolonne zu hängen. Auf einer Strecke, wie dieser, scheint es ziemlich klar, dass die Polizei irgendwo wartet. Ich habe mich noch gewundert, wieso alle so brav fahren. 

    Mit einem Schlag wird mir klar, warum.
    Ein weiblicher und ein männlicher Beamter winken uns auf die Seite. Zurecht. Für mich ist es nicht das erste Mal. Dumm stellen. Führerschein vorzeigen. Ich habe bloß noch eine Kopie meines Führerscheins, die aber nicht mehr so gut aussieht, deshalb gebe ich das Original her. Auch hier in Argentinien wird der Führerschein einkassiert. Der Polizeibeamte zeigt auf seinem Zettel hin und her. Für das Übertreten der Sperrlinie sind irgendetwas zwischen 220 und 400 USD pro Person fällig. Lächerlich. Die „übliche“ Diskussion in sehr gebrochenem Spanisch, es ist Sonntag, wir müssen weiter, wie kriegen wir unseren Führerschein zurück, bla bla bla.
    Schon nach kurzer Zeit ist klar, worum es geht. Der Polizeibeamte ist gar nicht daran interessiert uns ein Ticket auszustellen. Für 100 USD – 50 pro Person – dürfen wir weiterfahren.

    Andi hat über seinen Blog/Forum Kontakt zu einer einheimischen Person. Von dieser erfahren wir später, dass wir mit 100 USD noch ziemlich gut davon gekommen sind. Die Strafen scheinen hier tatsächlich sehr hoch zu sein.

    Die nächsten Tage fahren wir auf der Ruta 40 und oft kleineren Straßen Richtung Norden. Wir übernachten in Barreal, San Jose de Jachal, Villa Union, San Augustin de Valle Fertil.

    Ich war selbst der Meinung, dass ich nach mehr als 6 Monaten unterwegs nicht mehr so leicht zu beeindrucken bin, dass ich schon „alles“ gesehen habe.

    Aber erneut mag die Natur zu verwundern, dass ich zeitweise eine Gänsehaut bekomme. Wir bewegen uns auf einer Seehöhe zwischen 1.000 und 2.000 Metern auf einer weiten Ebene im Randbereich der Anden. Links von uns ragen die Berge mit den schneebedeckten Bergspitzen in die Höhe, rechts von uns begleitet uns eine niedrigere Bergkette. Die Landschaft schillert in allen Farben, rot, brau, hellgrau, grün. Manche Teile werden „die gemalte Wüste genannt“.

    Kurz vor Barreal besuchen wir ein Observatorium. Der Blick geht weit in das Land hinein. Selten habe ich eine derartige Stille erlebt. Manchmal ist es der leichte Wind, der ein sanftes Geräusch von sich gibt. Hin und wieder zerreißt das Summen einer Fliege die Ruhe. Ich traue mich nur zu flüstern, aus Angst die Natur zu stören.

    Wenn wir am frühen Nachmittag in den Dörfern eintreffen, haben wir den Eindruck, wir würden durch Geisterstädte fahren. Die Temperaturen bewegen sich nahe oder über 40 Grad C. Alle Geschäfte haben geschlossen.

    In San Jose de Jachal sitzen wir gegen 20 Uhr an einem Kiosk und trinken ein Bier. Im Hotel haben wir erfahren, dass die Restaurants erst gegen 21 Uhr aufsperren. Die Straßen sind noch immer leer gefegt. Langsam beginnt Leben einzukehren. Wir sitzen und beobachten das Geschehen. Die Läden sperren wieder auf, zwischen 21 und 22 Uhr stellen die Restaurants Tische und Stühle auf die Straße. Aus der Geisterstadt wurde eine Ameisenhaufen. Die Restaurants sind voll und um Mitternacht fahren 2 bis 3 jährige Kinder mit ihren Dreirädern durch die Gegend.

    In Villa Union sind wir auf der Suche nach einer Unterkunft. Ich bleibe stehen und frage eine Frau. Gleich ist die ganze Familie bei uns, gibt uns Tipps. Die Dame setzt sich dann auf das Fahrrad und bringt uns zu einem Hostel. Während ich bei der Unterkunft nach Zimmer und Preisen frage, setzt Andi einen Jungen auf sein Motorrad, der mit seinem Großvater vorbei spaziert ist. Wir treffen den Großvater wieder, als wir bei einem Restaurant an einer Tankstelle essen. Er arbeitet dort als Kellner.

    Wir besuchen den Talampaya National Park, der durch Wind und Wasser bizarr geformt ist, und das Valle de Luna im Ischigualasto Nationalpark. Eine trostlose Landschaft. Bei 46 Grad C sterben wir tausend Tode, als wir mit 15 bis 20 km/h die 40 km Runde, einem Konvoi mit diversen Stopps folgen. Neben den 5 Sehenswürdigkeiten im Park, sind Andi und ich die 6. Wenn wir 1$ pro Foto bekommen würden, das von uns gemacht wird .. es wäre schon einiges zusammengekommen.

    24.01.

    Über Nacht hat es geregnet. Von über 40 Grad kühlt es auf 18-20 Grad ab.
    Wie wir am Abend in Chilecito in den Nachrichten erfahren, hat ein Erdrutsch ungefähr 300 km westlich von uns ein Dorf verwüstet und 9 Tote und ein paar vermisste Personen verursacht.

    25.01.

    Ruta 3, „unsere persönliche Dakar“ oder „eine Fahrt ins Verderben“
    Als wir am Morgen Chilecito verlassen, wissen wir noch nicht, was heute auf uns zukommt. Der heutige Tag sollte die bisher größte Herausforderung auf meiner/unserer Reise werden.
    Die Fahrt beginnt gut, das Wetter ist mit uns. Unser Ziel wäre Fiambala in ca. 200 km Entfernung – eine kurze gemütliche Tour. Irgendwo vorher sagt mein Navigationsgerät, wir sollen abbiegen. Leider kennt es die neue Straße noch nicht. Es ist ein Feldweg. Die Straße ist sehr tiefsandig und oft von Flussläufen zerstört, die im Moment jedoch ausgetrocknet, hin und wieder etwas schlammig sind. Nur sehr langsam quälen wir uns voran. Wir fallen jeweils mehrmals um. Andi vergräbt das Motorrad halb im Sand, ich klemme mir einmal das Bein unter meinem Motorrad ein. Es ist ein Kraftakt. Nach ungefähr 4 km gibt es eine Abzweigung, aber dort wo mein GPS Gerät den Weg anzeigt, gibt es keinen mehr .. nur eine von Wasser zerfurchte Landschaft. Also fahren wir die andere Abzweigung weiter. Auch hier stehen wir nach ungefähr 3 km mitten in einem riesigen Flussbett, kein Weg ist erkennbar. Wir kehren um. Für die 14 km haben wir ungefähr 1 1/2 Stunden benötigt. Durchgeschwitzt und ein wenig erledigt machen wir Pause und sind froh, wieder auf asphaltierten Wegen zu sein. Ein anstrengendes Abenteuer zwischendurch.
    Gegen 14 Uhr kommen wir in Tinogasta an. Wir überlegen: Es ist uns zu früh, um schon anzuhalten, knapp 80 km bis Belén, davon 60 km auf einem Schotterweg, das kann nicht länger als 2 Stunden dauern. Weit gefehlt.

    An der Kreuzung zur Ruta 3 steht ein Schild „Cuesta de Zapata bei Ruta 3 nicht befahrbar“. So viel verstehen wir. Vielleicht ist es ein Ort auf der Strecke, der nicht erreicht werden kann. Wir fragen Einheimische, ob die Straße nach Belén führt und ob der Weg OK ist und werden ins Verderben geschickt.

    Am Anfang hatten wir zwei, drei Flüsse zu kreuzen, ein paar schlammige Teile, dann Schotterweg, aber die Strecke war nicht so schlimm – noch immer befahrbar. Irgendwann führt sie sehr kurvig, einspurig und steinig in die Berge. Hier war die Strecke schon eine größere Herausforderung, aber noch immer befahrbar. Wir hatten etwa 30 km bis 35 km hinter uns und noch 20 km vor uns, als die Hölle beginnt. Bis zu Fußball große Steine liegen auf dem Weg, an manchen Stellen ist die Straße vom Wasser halb weggespült. Die nächsten 4 Kilometer sollten zur Tortur werden. Langsam quälen wir uns voran. Zum Umkehren ist es zu spät. Der Point Of No Return ist überschritten, es geht nur mehr vorwärts. Mit jeder Kurve hoffen wir, dass das Schlimmste vorbei ist. Wir fallen um, stemmen die schweren Motorräder wieder hoch, wir räumen Steine aus dem Weg. Andi klemmt seinen Fuß ein, der später ziemlich anschwillt.

    An zwei Stellen müssen wir Hand anlegen, um weiterzukommen. Einmal um Erde abzugraben und einen kleinen Graben zu füllen, ein anderes Mal müssen wir einen etwa 1 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit Steinen auffüllen. Wir sind müde und erschöpft. Seit fünf Stunden sind wir auf der Strecke, alleine für die letzten 4 km haben wir fast zwei Stunden benötigt.

    Gleich hinter dem Graben, den wir mit Steinen gefüllt haben, war es notwendig nach rechts zu lenken. Andi schafft den Part. Müde und ausgelaugt passieren jedoch Fehler. Besonders auf einer Strecke, die unsere Fähigkeiten übersteigen. Mich hebt es etwas aus und ich knalle mit meiner linken Seite gegen einen Stein. Ein Teil meiner Wasserkühlung ist beschädigt, der Sturzbügel hat vor Schlimmerem bewahrt.
    Es ist 19 Uhr, ich bin nahe dran, alles liegen und stehen zu lassen, als wir beginnen, mit Superkleber die Brüche abzudichten. Das funktioniert bedingt, aber wir können weiterfahren. Zu unserem Glück wird die Straße von nun an besser. Ein paar schwierige Passagen später kommen wir wieder in eine zivilisierte Gegend, wo die Einheimischen schon mit ihren PKWs unterwegs sind – es kann nun nicht mehr so schlimm sein.

    Andi, der Unglücksvogel, hat sich diesmal am Vorderreifen einen Platten eingefangen. Wir sind noch 23 km von unserem Ziel entfernt. Bis in die Dunkelheit hinein wechseln wir den Reifen, benötigen Stirnlampe und das Licht meines Motorrades.
    Auf dem Weg nach Belén müssen wir dann noch anhalten und Wasser in meinen Kühler nachfüllen, weil mein Motor heiß läuft – wir konnten nicht alles ganz abdichten. Bei langsamer Geschwindigkeit und niedriger Motordrehzahl schaffen wir es gegen 22 Uhr in Belén zu sein.
    Völlig erledigt, aber glücklich, dass wir angekommen sind, finden wir ein Hotel. Bis spät in die Nacht lassen wir den Tag Revue passieren.
    Für einen äußerst detaillierten Bericht über die Fahrt, verweise ich auch auf Andi.

    26.01.

    Überlegen, wie es weitergeht. Unsere Motivation ist am Ende, Andis Fuß ist extrem geschwollen. Ich dränge ihn zum Arzt zu gehen. Er will nicht. Von den Leuten im Hotel erhält er eine Salbe, ich besorge Eis.
    Wir bemerken, dass Andis Hinterreifen auch platt ist. 7 Platte Reifen in einem Monat. Andi ist komplett am Boden, denkt darüber nach abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich sage ihm, er soll mal einen Tag abwarten. Er schreibt e-mails für den Rücktransport. Auch ich denke nach, wo und wie ich eine Pause machen kann. Der gestrige Tag, die gestrige Strecke, war zu viel .. zu anstrengend .. zu viele Schäden an Mensch und Maschine .. das ist es nicht Wert.

    27.01.

    Es geht uns wieder besser. Auch Andis Fuß sieht wesentlich besser aus als gestern. Er lässt seine Reifen flicken. Ich versuche alles notwendige für mein Motorrad für die Weiterreise zu besorgen. Alles Kleber, um die Risse weiter abzudichten, Kühlflüssigkeit zum Nachfüllen. Es sind 400km bis San Miguel de Tucumán. Bis dorthin müssen wir es schaffen, dort gibt es eine BMW Werkstatt.

    Am Nachmittag kommt ein argentinisches Pärchen ins Hotel, wir beginnen zu plaudern. Sie sind aus San Miguel de Tucuman und mit dem Auto auf Urlaub. Ihnen ist mittendrin irgendwo der Schlauch für die Wasserkühlung gerissen. Sind auch festgesessen, hatten kein Wasser mit. Aber er kennt sich damit aus, hat eine Werkstatt oder dergleichen, um solche Sachen zu reparieren.
    Später am Abend bringt er einen Komponentenkleber und schenkt ihn mir. Wir dichten meinen beschädigte Stelle ab und machen Fotos von uns mit ihm auf unseren Motorrädern.

    28.01. / 29.01.

    Wir entscheiden uns, gleich nach Salta zu fahren. Es sind nur wenige Kilometer mehr als bis nach San Miguel de Tucumán und viele andere Reisende haben uns gesagt, dass wir dort unbedingt Halt machen sollen.
    Mein Kühler macht keine Schwierigkeiten. Es tritt nur tropfenweise Wasser aus. Nach ungefähr 200km möchte ich an einer Tankstelle nachfüllen. Es fehlt fast kein Wasser. Anscheinend ist die beschädigte Stelle mit dem Komponentenkleber sehr gut abgedichtet.

    In Salta sehe ich beim BMW Händler vorbei. Der ganze Kühler müsste getauscht werden, aber es würde 30 Tage dauern, bis das Teil da ist. So lange habe ich keine Zeit. Das Provisorium wird angesehen und für gut befunden. Das heißt, das Provisorium wird vorerst zur Lösung.

    Wir bleiben noch bis 2. Februar in Salta. Andis Fuß braucht Ruhe, auch ich benötige eine Pause. Salta macht einen sehr netten Eindruck, hat etwa 450.000 Einwohner, alte historische Gebäude und Kultur. Wie habe ich das vermisst. Es tut gut, nach so langer Zeit in der Pampa und den vielen Problemen in den letzten zwei Monaten, mal wieder in eine Großstadt zu kommen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.