Manchmal laufen die Dinge doch anders als geplant. Auf jeden Fall auch mein Fehler, oder wie auch immer man das sehen kann. Dazu gleich mehr.
Habe ich mich gestern beschwert, dass ich auf keine Leute treffe, sind die Hostels jetzt gut besucht.
Im Hostel in Samarkand treffe ich Anna und Rene aus Luxemburg. Die beiden sind in Pension und auch mit dem Motorrad unterwegs, vielleicht erreichen sie mal Japan. Rene war auf diese Welt schon viel mit dem Motorrad unterwegs und hat einige Geschichten auf Lager. Er hatte Begegnungen mit FARC Rebellen in Kolumbien und Untergrundkämpfern in Thailand im goldenen Dreieck.
Am Abend laufe ich Kilometer lang durch die Gegend, um irgendwo Bier zu besorgen. Der Supermarkt, wo ich gestern welches gekauft habe, hatte am Sonntag nicht offen. Der Schnapsladen hat mir vor der Nase zugesperrt. Also heute kein abendliches kühles Bier.
Schon sehr spät am Abend kommen Anna und Rene zurück ins Hostel und erzählen mir freudig: „Wir sind gerade eben in der Brauerei gewesen.“ Neeiin!
01.07.
Eigentlich wollte ich heute nach Tadschikistan einreisen. Mein Ziel war Chudschand etwas weiter im Norden.
Von Samarkand ist das nicht so weit. Ich gebe das letzte usbekische Geld für Benzin und etwas zu trinken aus. Auf dem Weg zur Grenze, halten mich Einheimische auf und erklären mir, dass die Grenze, dort wo ich nach Tadschikistan einreisen wollte, geschlossen ist. Ich muss ein Stück weiter nach Norden.
Die Ausreise aus Usbekistan funktioniert ohne Probleme. Eins muss ich sagen, zumindest gegenüber ausländischen Touristen, auf jeden Fall mir gegenüber, sind die usbekischen Grenzbeamten super freundlich.
Ich verlasse Usbekistan und passiere die erste Kontrolle in Tadschikistan, die Beamten auch sehr freundlich. Bei der Passkontrolle dann die Ernüchterung. Das Visum ist erst ab 05. Juli gültig. Ich habe da überhaupt nicht darauf geachtet. Als ich das Visum beantragt habe, bin ich von einem viel längeren Zeitrahmen ausgegangen, bis ich die tadschikische Grenze erreiche.
Einreise verweigert. Zurück nach Usbekistan. Zum Glück benötige ich für Usbekistan kein Visum. Sonst hätte ich vielleicht 4 Tage im Niemandsland campen können und um Essen und Wasser betteln. Im Hostel wird mir von Radfahrern erzählt, denen so etwas passiert ist. Aber sie wurden von den Grenzbeamten gut mit Nahrung und Wasser versorgt.
Zurück beim Usbekischen Zoll fragt mich der Zollbeamte (der Tonlage und Körpersprache nach): Jürgen, was ist los? Ich erkläre meine Situation. Für die Zollformalitäten sind 1 USD notwendig. Eine Bankschalter befindet sich direkt in der Grenzstation. Die zwei netten Damen flirten ein wenig mit mir. Das mildert die ganze Anstrengung etwas. Aber den ganzen Aufwand hätte ich mir ersparen können.
Nach Taschkent sind es nur knapp 100km, wo ich am frühen Nachmittag an- und in einem Hostel unterkomme.
02.07.
Mein Plan ist natürlich etwas durcheinander. Ich muss noch 3 volle Tage in Usbekistan bleiben. Die Zeit lässt sich schon irgendwie vertrödeln. Ich fahre weiter nach Norden und besuche noch das Farg’ona Tal. Bis auf den Pass, wo es auf ungefähr 2000m Höhe, angenehm kühl ist, sieht es in dem Tal auch nicht anders aus, als im Rest des Landes.
Sorgen macht mir bloß, dass ich erst am Freitag nach Tadschikistan einreise – hoffentlich dann problemlos. In Dushanbe, der Hauptstadt, muss ich noch eine Genehmigung für eine Teilregion in Tadschikistan beantragen. Ich hoffe dass ich das noch am Freitag schaffe, ansonsten werde ich wohl bis Montag warten müssen. Das würde mir nicht so gut gefallen, weil mich dann die „Warterei“ doch eine Woche gekostet hat.
Mal sehen, wie sich alles fügt.

03.07.
Zurück nach Samarkand. Über den Pass ist es heute saukalt und nebelig. Aber dafür war die Fahrt von der Früh weg, sehr angenehm, weil es gestern Nacht anscheinend viel geregnet hat und noch eine dicke Wolkendecke am Himmel hängt.
Ich bleibe noch 2 Nächte in Sarmakand und sitze hier meine Zeit ab. Das Hostel sowie auch die Stadt sind recht gemütlich.
04.07
Weil ich heute sowieso nicht fahre, ein paar Anekdoten und Begegnungen.
In Taschkent frag ein Gast bei Einchecken im Hostel mit heftiger, empörter Stimme, wie er den Internet auf sein Mobiltelefon kriegt. Wie soll er sich den ohne Internet bewegen und orientieren können, wie ein Taxi rufen, usw usf … Manche Personen sind sowas von unselbständig.
Ein usbekischer Gast, ein Kerl, aus dem ich nicht schlau wurde, ob er die Wahrheit erzählt, oder lügt. Er wechselt seine Geschichte jede Minute. Er hat noch nie gearbeitet, ist Waisenkind, ist 47 Jahre alt. Er hat 2 Pässe, einen wo er 47 Jahre alt ist, einen wo er 43 Jahre alt ist. Fährt oft nach Dubai (Ich gehe mal davon aus, dass er dort arbeitet). Scherzhaft erzählt er, sein Geld verdient er mit Kokain, dann sagt er, er handelt mit Frauen. Ein lauter Aufschrei einer Frau, die etwas mitgehört hat. Daraufhin meint er leise zu mir: Ich muss aufpassen was ich sage.
Er fragt mich, ob ich Probleme an der Grenze hatte oder mit der Polizei. Ich sage, die sind alle sehr freundlich zu mir. Ich frage, wie die Einheimischen behandelt werden. Daraufhin meint er, seit dem letzten Regierungswechsel ist vieles besser geworden. Aber die Regierung und Politik mach schon viele Probleme.
Ich sage ihm: In Österreich auch.
Die Polizei ist sehr präsent in Usbekistan. Die Verkehrspolizei tut ihre Arbeit und verteilt kräftig Strafzettel.
Aufgehalten wurde ich 1-mal, aber die haben sich auch nur dafür interessiert, woher ich komme.
Ich habe mal unter einer Bahnbrücke im Schatten Pause gemacht. Da hat mich das Militär schon energisch, aus welchem Grund auch immer, aufgefordert, sofort da zu verschwinden.
Frauen dürfen hier Auto fahren. Gesehen habe ich aber bloß 2 in der ganzen Zeit. Viele Leute stehen am Straßenrand und winken, um von anderen Autofahrern mitgenommen zu werden. Scheint ganz üblich zu sein.
Bei mehrspurigen Fahrbahnen, wird üblicherweise immer Mitten auf der Straße oder links gefahren. Rechts muss man immer damit rechnen, dass jemand ohne Vorankündigung plötzlich stehen bleibt oder ohne zu schauen rausfährt.
Man trifft ja auf sehr viele Leute, die viel unterwegs sind und waren, ihren Lebensunterhalt auf verschiedene Weisen verdienen. Manchmal hat man auch das Glück auf wirklich interessante Leute zu treffen.
Karl Bushby ist 1999 gestartet zu Fuß ohne geografische Unterbrechung die Welt zu umrunden. In diesen 20 Jahren war er 15 Jahre auf seinen Füßen unterwegs. Er schätzt, dass er in 3 bis 4 Jahren in England sein wird.
Meist sind es politische Ursachen, die sein Vorhaben von geplanten 10 Jahren auf mittlerweile 20 Jahre ausgedehnt haben und die Vollendung vielleicht noch verhindern können. Es gibt nur 2 Möglichkeiten weiter nach Westen zu kommen. Über Russland oder den Iran. Mit Russland hatte er schon mehrmals Schwierigkeiten. Er fürchtet sich davor, dass ihm beide Länder die Einreise verweigern.
Morgen also erneut der Versuch nach Tadschikistan einzureisen.

Kommentare
Ein Kommentar zu „Einreise nach Tadschikistan verweigert“
Vier Tage zwischen Usbekistan und Tadschikistan festsitzen… da würdest ziemlich sicher zu einer elitären Gruppe der Menschheit gehören XD