25.06
Fahrfreier Tag in Nukus.
Ich besuche das mir am Vortag empfohlene Kunstmuseum. Der Maler, Archäologe und Sammler Igor Witaljewitsch Sawizki hat „alle“ zeitgenössische Kunst aus dem 20 Jahrhundert zusammengetragen, was in Zentral Asien und Russland zu finden war.

Durchaus sehenswert, ich verweile mehr als 2 Stunden darin und bin damit bestimmt eine Ausnahme.
Den Nachmittag verbringe ich damit, den Blog zu schreiben. Draußen rumlaufen, geht sowieso nicht. So sitze ich im Hostel im klimatisierten Zimmer und schreibe.
Am Abend laufe wieder an diesem kleinen Lokal vorbei, in das ich am Vorabend reingeplatzt bin. Jemand ruft raus „How are you?“ Ich kehre erneut ein. Werde euphorisch begrüßt.
Es ist ungefähr die gleiche Zeit wie gestern. In dem Lokal befinden sich drei der vier Personen vom Vortag und noch ein paar mehr. Sie sitzen und stehen um einen der kleinen Tische. Vor ihnen kleine Vodka-Gläser und eine Flasche Vodka. Das kleine Lokal hat sich über den ganzen Tag aufgeheizt. Es ist wie in einer Sauna. Der Schweiß rinnt den Leuten von der Stirn. Sie sind bereits sichtlich betrunken. Ab und an kommen andere Personen und holen sich ihre Abendration an Vodka oder Bier.
Wie am Vortag, nehme ich auch eine Flasche .. Bier, nicht Vodka. Ein paar Minuten später, kommt die fehlende vierte Person vom Vortag, diejenige, die etwas Englisch spricht.
Er bestellt einen 1/2 Liter Bier und ca. 2cl Vodka in einem Plastikbecher. Dann macht er zwei Schluck vom Bier und fülllt die fehlende Menge mit Vodka auf. Nach und nach vermischt sich der Becher Vodka mit dem Bier. Es war ein harter Tag erklärt er mir. Nur auf den Füßen.
26.06
Khiva
Auf dem Weg dorthin mache ich einen Abstecher in die Pampa, um ein Fort zu besichtigen, welches von der Straße weit sichtbar, auf einem Hügel trohnt. Jürgen schießt zwar einige Fotos, es gibt aber trotzdem keine, weil ich vergessen habe die Speicherkarte in den Fotoapparat zu geben. Das Fort scheint aus Lehm gebaut zu sein. Es sind nur noch die Mauern übrig und diese werden langfristig Wind und Wetter zum Opfer fallen.
Da es von Nukus nach Khiva nur knapp 200km sind, verlängere ich die Strecke etwas und fahre entlang der Usbekisch/Turkmenischen Grenze durch die Dörfer. Es ist in dieser Gegend weitaus grüner, Flüsse und Bewässerungskanäle durchziehen die Gegend und es gibt viel Ackerbau und viele Reisfelder.

Khiva ist eine uralte Oasenstadt an der alten Seidenstraße. Das alte Zentrum, von einer hohen Mauer umgeben, hat einen ganzen Haufen interessanter Sehenswürdigkeiten. Ob der großen Hitze, bemühe ich mich wenigstens ein Mindestmaß ans Sightseeing durchzuführen. Die historische Altstadt, ist eher ein OpenAir Museum. Innerhalb der Stadtmauern, wohnen so wie ich das sehe nicht mehr viele Leute. Aktuell sind auch kaum Touristen unterwegs. Man kann sie an einer Hand abzählen.

Wo viele ausländische Touristen hinkommen, da juckt es den einen oder anderen auch mal es mit einer Abzocke zu versuchen. In einem der Greißlerläden, oder MiniMarkt wie sie hier heißen, möchte ich eine Flasche Fruchtsaft kaufen. 17.000 SOM = ca. 1,70 EUR will der junge Mann. Ich deute ihm: Ist aber schon etwas heftig. (Der Normalpreis ist übrigens ungefähr 1/3). Er gibt nicht nach. Ich verlasse das Geschäft.
27.06
Khiva nach Buxoro.
Erste Probleme mit dem Motorrad. Kein Wunder auf diesen Strecken. Die Aufhängung für den Frontscheinwerfer ist gebrochen. 2mm dünnes Plastik. Kleine Ursache, groß Wirkung. Das muss ich zumindest temporär lösen. Im Hostel schraube ich die Verkleidung ab.

Also eines muss ich sagen, ich bin ja mit meinem Motorrad super zufrieden. Was es alles aushält und wohin es mich schon gebracht hat. Aber diejenigen, die das Motorrad entworfen haben, gehören geschlagen. So viele unterschiedliche Schrauben. Ich habe eh schon einen Werkzeugkoffer bei mir, aber der eine Imbusschlüssel, mit dem ich das Cockpit abschrauben kann, fehlt mir. Morgen bringen mir die Leute hier im Hostel den benötigten vorbei.
Das Mädchen hier im Dervish Hostel spricht ausgezeichnet Englisch, somit habe ich die Möglichkeit, endlich mal ein paar Fragen zu stellen.
Es ist gerade Nebensaison hier. Das ist einerseits gut, weil man um 8 bis 10 EUR inkl Frühstück unterkommt und sich das Zimmer mit maximal 1, 2 anderen Teilen muss. Andererseits fehlen die Leute mit denen man sich unterhalten und austauschen kann. Aber das ist ja sowieso kaum noch möglich, weil sowieso jeder nur mehr in sein Mobiltelefon glotzt.
Man ist hier oft noch mehr Gast und weniger Tourist. Die Unterkünfte sind überwiegend 1A, mehrmals am Tag kriegt man Tee und Früchte angeboten.
28.06
Ein weiterer Tag in Buxoro. Die Distanzen sind groß und so bin ich eigentlich viel schneller unterwegs als geplant. Also schiebe ich fahrfreie Tage ein. Ich bin hier schließlich nicht auf einem Rennen.

Im Vergleich zu Kihva sind in Buxoro die historischen Gebäude weiter verteilt. Mir gefällt das besser, weil sich das natürliche Leben rundherum mit abspielt. So kann man sich zwischendurch immer wieder etwas hinsetzen und beobachten.
Notgedrungen versuche ich das Problem mit dem Scheinwerfer zumindest temporär mit Duct-Tape zu beheben. Ich bin gespannt, wie lange das hält.
Dass ich beim Handeln nicht sehr gut bin, habe ich bei einer anderen Reise bereits erwähnt. Ich spaziere durch einen Markt und möchte ein kleines Bild kaufen. Irgendwelche Souvenirs, die leicht brechen, kommen sowieso nicht in Frage. Mein Gegenüber macht die ganze Arbeit für mich.
80.000 SUM möchte er dafür haben aber für 200.000 gibt es drei Bilder. Ich will aber nur eins. Also gut 100.000 und du kriegst zwei. Dann gibt er mir noch ein drittes gratis dazu. Ich glaube, er hatte einfach nur Mitleid mit mir.

Abends setze ich mich wieder in ein Lokal um zu Essen. Ein junger Mann setzt sich ungefragt zu mir. Beginnt mich zu bequatschen. Belästig mich immer mit den gleichen Phrasen und Wörtern. Irgendwann sollte er doch kapieren, dass ich nichts verstehe. Als mein Essen auf dem Tisch steht, gebe ich ihm zu verstehen, dass er jetzt verschwinden soll.
29.06 / 30.06
Samarkand

.. Ist wahrscheinlich vor der Hauptstadt Tashkent, das touristische Zentrum in Usbekistan. Ich verweile einen Tag und gebe mein letztes usbekisches Geld aus und kaufe zu einem horrenden Preis Pistazien auf dem lokalen Markt. Ich darf mich einfach nicht überreden lassen, etwas zu kaufen.

Kommentare
Ein Kommentar zu „Usbekistan“
Danke daß Du Dir neben der Reise-Strapazen auch noch die Mühe machst, das Erlebte hier festzuhalten! Super Service für die weniger Abenteuerlustigen, Daheimgebliebenen.