Es hat eine Weile gedauert mit einem aktuellen Bericht. Aber es ist jede Menge passiert. Mittlerweile bin ich in Kirgistan in Osh und versuche meine Darmflora wieder unter Kontrolle zu bringen.
Aber bevor es los geht mit den Erlebnissen in Tadschikistan noch ein paar Begegnungen bzw. lustige Sachen von anderen Reisenden in Usbekistan.
In Samarkand da war ein älterer Koreaner, der langsam reis und einen Blog auf koreanisch für andere Reisende über Zentral Asien schreibt, weil es über dieses Gebiet in deren Sprache nicht viel Informationen gibt.
Dann war da noch ein jüngerer Koreaner, der irgendwie in eine Hochzeitsgesellschaft geraten ist. Zwei Mädels sind mit ihm ganzen Nachmittag durch die Gegend gezogen. Als eine davon dann gemeint hat, sie will in heiraten, hat er Angst gekriegt, einen Anruf simuliert und ist in der Touristenmenge verschwunden.
Greg, aus Frankreich, ein paar Monate mit dem Motorrad unterwegs. Um die usbekische Wüste zu durchqueren hat er sich einen Benzinkanister aus Metall gekauft. Er hat diesen etwas unglücklich auf dem Motorrad befestigt. Der Kanister hat sich aufgescheuert und das Benzin hat zu brennen begonnen. So ist er durch die Gegend gefahren, bis er darauf aufmerksam gemacht wurde.
Gregs Erlebnis verbreitet sich in der Overlander Community. Als ich Tage später in Kirgistan auf andere Motorradfahrer treffe, kennen auch sie seine Geschichte.
05.07.
Ich kann endlich nach Tadschikistan einreisen. Bei der Ausreise gibt es noch eine Schrecksekunde. Als ich Tage zuvor wieder nach Usbekistan zurück musste, haben mir die Grenzbeamten keine Zollpapiere für das Motorrad gegeben.
Diese wurden bei der Ausreise verlangt. Zum Glück finden mich die Beamten im Computer System und ich darf ausreisen.
Tage zuvor hat mich jemand gefragt, ob ich auf meinem Weg nach Dushanbe durch „den Tunnel“ fahre. Ich hatte keine Ahnung wovon er redet.
Gut 80km nördlich von Dushanbe befindet sich der Ansob Tunnel, der Tunnel des Todes. Es ist ein großes, schwarzes Loch im Berg. Abgaswolken entweichen der Einfahrt. Ich denke mir: Was? Muss ich da rein?
5 km ist der Tunnel lang. Belüftung gibt es keine. Die Beleuchtung ist spärlich. Kommt einem ein Fahrzeug entgegen, sieht man bloß zwei schwache Lichtpunkte. Ich bin froh als ich das Licht am Ende des Tunnels sehe.
Radfahrer dürfen nicht durch. Meist werden sie von einheimischen oder LKW Fahrern eingepackt. Ein paar Dummköpfe gibt es trotzdem, die den Nervenkitzel suchen.

Mittags komme ich Dushanbe an und laufe sofort zum zuständigen Amt um die GBAO Genehmigung zu beantragen. Wie ich im letzten Beitrag erwähnt habe, habe ich dies, als ich mein Visa beantragt habe vergessen. Alles geht super einfach. Ein Formular ausfüllen, 20 SOM (2 EUR statt 20 EUR wenn man es direkt beim Visum beantrag) bei der Bank bezahlen und am nächsten Tag kann ich die Genehmigung abholen.
Hier in Dushanbe möchte ich endlich auch meinen Hinterreifen wechseln. Ich plage mich ein paar Minuten ab. Dann montiere ich den Reifen wieder. Ein Engländer, der mit seiner Frau, mit einem Geländewagen unterwegs ist befüllt mir den Reifen wieder. Ich fahre durch die Gegend und suchen ein Reifenreparatur Shop.
Irgendwo finde ich eine kleine Bude. Ich deute dem guten Mann, dass ich den Reifen wechseln möchte. Er guckt mein Motorrad an und schüttelt den Kopf: Nein.

Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich das Rad ausbaue und er nur den Reifen wechseln muss. Daraufhin stimmt er zu.
Verdammt! Ich habe mein Werkzeug im Hostel gelassen. Der Typ ist noch schlechter ausgerüstet als ich. Er hat: eine verstellbare Zange, ein Montiereisen, ein Hammer, ein halb kaputtes Set an Inbusschlüsseln.
Mitten auf dem Gehsteig montiere ich das Hinterrad ab. Es gibt sogleich ein paar Schaulustige. Nach kurzer Zeit ist der Reifen gewechselt und ich kann wieder los. 4 EUR kostet das Service, dafür plage ich mich bei der Hitze nicht ab.
Ich bin im Greenhouse Hostel abgestiegen. Ein wahrer Treff für verschiedenste Reisende, Auto, Motorrad, Fahrrad, Backpacker.
Abends sitze ich dann lange mit dem älteren englischen Pärchen zusammen und einem jungen Schweizer Pärchen. Die Engländer waren schon viel in der EU unterwegs, haben sich aber nie über deren Grenze hinaus getraut. Jetzt in Pension, haben sie ihren Mut zusammen genommen sind losgefahren und nun begeisterte Weltreisende.
Sie sind super nette Leute und reden die ganze Zeit, die zwei Schweizer und ich haben nur ab und zu mal die Möglichkeit ein paar Worte zu sagen.
06.07

Auf dem Weg in die Innenstadt, um mir etwas die Gegend anzusehen, hole ich die GBAO Genehmigung ab. Nachmittags sitze ich mit einem alten Südafrikaner im Hostel zusammen. Nach Europa oder teure Staaten zu reisen kann er sich nicht leisten. Selbst Tadschikistan empfindet er schon als hochpreisig. Er war viel in Indien unterwegs und hatte auch aus Äthiopien und Eritrea Geschichten zu erzählen. Ich erfahren einiges wie der Staat und dessen Korruption in Südafrika funktioniert.
Er muss lachen, als ich ihm vom Ibiza Skandal in Österreich erzähle, dass Politiker zurückgetreten sind und die Bundesregierung entlassen wurde. Wegen solcher „Kleinigkeiten“?
Wir beobachten, das Geschehen rund um ankommende Gäste, Radfahrer und Motorradfahrer, wie sie an ihren Fahrzeugen schrauben.
Langsam gesellen sich ein paar Leute zu uns, die beiden Schweizer vom Vortag, Andrin und seine Freundin, deren Name ich vergessen habe, ein Israeli, ein Spanier und was weiß ich noch wer. Wir quatschen bis lange nach Mitternacht.
07.07
Es geht los Richtung Wakhan Korridor und Pamir Gebirge.
Kalaikhum ist mein Tagesziel. Es gibt eine Nord Route mit ca. 250km, die abenteuerlicher sein soll – und wie sich später herausstellt auch ist. Und eine Süd Route mit ca. 330km, die vorwiegend asphaltiert und in gutem Zustand ist. Ich wähle dir Nord Route. Ja was den sonst. 🙂

Die ersten 100km sind in sehr gutem Zustand, es geht flott voran, danach beginnt die Schotterstraße. Durch steiles schroffes Gelände geht es durch die Berge. Nun geht es ziemlich langsam voran. Für die ersten 20km benötige ich eine Stunde.
Danach geht es etwas besser. Es sind nur mehr 50km bis nach Kalaikhum, als ein Erdrutsch die Straße versperrt. Ärgerlich. Direkt hinter mir ist ein Geländewagen. Wir begutachten die Situation. Für ihn ist klar, er muss umdrehen. Ich sehe mir die Situation genauer an. Der Erdrutsch ist flach, zum Teil sehe ich wo die einheimischen ihre Tiere durchgetrieben haben. Es ist möglich da rüber zu kommen. Ich nehme das Gepäck und die Koffer vom Motorrad und trage alles auf die andere Seite. Dann das Motorrad, Stück für Stück. Alles halb so schlimm. Auf den letzten Zentimetern dann ein feuchter Teil, wie ich vermutet habe. Bei dem „feuchten Teil“ handelt es sich um eine tiefe Schlammrinne.

Mit dem Vorderreifen komme ich noch rüber, mit dem Hinterreifen grabe ich mich ein. Scheiße! Am Schluss noch das ganze Motorrad verdreckt. Ich lege das Motorrad um und ziehe es auf festen Untergrund. Danach gehe ich zum Fluß und hole Wasser um den gröbsten Dreck wegzuwaschen.
Das Motorrad ist bepackt, ich fahre 100m und kriege einen Schreck. Keine Brücke über den Fluss. Ich denke mir: War das jetzt alles umsonst? Kann ich mich jetzt wieder zurück quälen?
Flusskreuzungen sind immer so eine Sache mit dem Motorrad. Wie stark fließt der Fluss? Wie tief ist er? Ist die Spur glatt oder liegen Hindernisse, in Form von großen Steinen im Weg, die die Sturzgefahr erhöhen.
Ein Einheimischer befindet sich mit seinem Esel am Fluss. Er guckt mich an, spricht kein Wort. Ich frage ihn mit meinen Händen: Wie tief ist der Fluss? Er: So ca. eine handbreit. Ich glaube ich nicht. Nehme einen Ast und prüfe so ca. 1/2 Meter von der einfahrt weg die Tiefe. Tatsächlich, bloß 15-20cm.
Ich fahre los. Kaum bin ich im Wasser und habe den ersten 1/2 Meter überwunden, wird es sehr viel tiefer und meine Stiefel laufen voll Wasser. Ich stoppe auf einer Schotterbank in der Mitte des Flusses und drehe mich um. Der Typ guckt mich an. Ich schüttle nur den Kopf in seine Richtung.

Da meine Stiefel schon voll Wasser sind, wate ich durch den zweiten Teil, der nicht minder tief ist. Aber es liegt nicht im Weg. Also durch. Auf der anderen Seite, ziehe ich meine Stiefel aus und schütte das Wasser aus.
Der Typ steht weiterhin da und guckt mich nur an.
Ich treffe noch einen Asiaten, der noch am fortgeschrittenen Nachmittag die 100km bis zur befestigten Straße will. Sein Englisch ist sehr schlecht. Mit Bilder versuche ich zu erklären, dass da ein Erdrutsch ist. Er versteht nicht. Ach er wird schon sehen.
In Kalaikhum im Hostel treffe ich einen Kanadier, der ein paar Tage in Afghanistan war und mit einem billigen chinesischen gemieteten Kleinmotorrad unterwegs ist und einen tschechischen Motorradfahrer. Wir tauschen unsere Erlebnisse aus.
08.07
Chorog. Es geht nur die afghanische Grenze entlang. Getrennt sind die beiden Länder durch einen großen Fluss. Die Straße ist eine Katastrophe, aber in 1, 2 Tagen liegt der schlimmste Teil noch vor mir.
In Chorog bleibe ich bei einem Greißler stehen, um essen und trinken zu kaufen. Eine alte Dame, und ich gehe davon aus, dass es sich um Enkelsohn und Enkeltochter, ca.15-17 Jahre alt, gehandelt hat, befinden sich im Geschäft.
Woher ich komme? Es ist für sie unbegreiflich, dass ich aus Österreich mit dem Motorrad angereist bin. Ob ich verheiratet bin? Ich verneine. Die Augen der alten Dame beginnen zu leuchten. Sie redet angeregt mit ihrer Enkeltochter. Ich verstehe zwar kein Wort, aber weiß was gemeint ist.
Als ich das Geschäft verlasse, ruft mir die alte Frau hinterher: I love you.

Auf der Straße treffe ich zwei andere Motorradfahrer, die aussehen, als würden sie nach einer Unterkunft suchen. Ich bleibe stehen und sage ihnen, wo ich übernachte. Als ich vom Einkaufen zurück komme, sind die beiden auch da.
Mit drei anderen Engländern, die für zwei Wochen in Afghanistan wandern möchten, spiele ich dann noch lange Karten.
09.07
Mir geht es nicht so gut. Irgendwie habe ich etwas falsches gegessen oder getrunken, mein Magen rebelliert. ich verbringe die Nacht über schon viel Zeit auf dem Klo.
Ich mache mich auf dem Weg nach Langar. Von anderen Reisenden bin ich vorgewarnt, das die letzten 150km des Wakhan Korridors die Hölle sind. Ich weiß ja nicht mal, ob man von einer Straße sprechen kann. Auf dem Weg nach Langar bringe ich zumindest schon mal 50km davon hinter mich.
Mir geht es weiterhin nicht gut. Durchfall, etwas Fieber. Ich komme am frühen Nachmittag an und lege mich sofort hin.
10.07
Weiter nach Murghab. Weitere 100km durch die Hölle. Waschbrettpisten, Schlaglöcher, Bodenwellen, sandige Stellen. An einer tiefen sandigen Stelle schleudert es mich, ich knalle gegen Steine, der Schalthebel ist verbogen, der Windschild gebrochen, das Blinkerglas, der Spiegel kriegt was ab. Gut, alles halb so schlimm. Bloß gebrochenes Plastik. Der Blinker funktioniert noch. Ich richte soweit möglich alles und fahre weiter.
Das schlimmste bemerke ich als ich in Murghab ankomme und das Motorrad nochmal genauer begutachte. Ich habe mein Duct-Tape da draußen verloren. Das allerwichtigste auf dieser Reise. 🙂
Heute war ich zeitweise auf über 4300 Metern. Murghab liegt auf ungefähr 3600 Metern. Mir geht schon die Luft aus, als ich die 20 Höhenmeter vom Markt zum Hostel überwinden muss.

Hier ist der Pamir eine sehr raue Gegend. Es gibt hier nicht viele Dörfer und die liegen weit auseinander. Dazwischen sieht man hin und wieder, weit entfernt von jeglicher Zivilisation kleine Gehöfte die von Hirten bewohnt werden.
So beschwerlich die Fahrt auch ist. Die landschaftliche Kulisse ist einzigartig schön.
In Murghab weht der kalte Wind den Sand durch die Straßen.
Im Hostel warten 6 Personen darauf, dass sie den Ort verlassen können. Sie wollen nach Kirgistan. Aber die Sammeltaxis in Form von großen Geländewagen fahren nur bis hierher und nicht weiter.
Ich plaudere ein wenig mit ihnen und lege mich dann wieder hin. Sie sind super rührend und fragen, wie es mir geht, ob ich was brauche, ob sie mir helfen können.
11.07
Am Morgen findet sich eine Lösung für die 6 ausharrenden Personen und sie finden ein Taxi, dass sie über die Grenze bringt.
Auch ich mache mich auf den Weg um Tadschikistan zu verlassen. Auf den letzten km schüttelt es mich und das Motorrad noch einmal kräftig auf der schlechten Straße durch.
Ich denke mir: Warum tust du mir das an Tadschikistan? Damit ich dich auch wirklich nicht vergesse?
Es waren anstrengende herausfordernde Tage.
Ich überquere die Berge nach Kirgistan und es ist so als würde man im Paradies landen. Aber dazu mehr, das nächste Mal.

Kommentare
Ein Kommentar zu „Tadschikistan“
Wieder super unterhaltend, abenteuerlich – und tolle Bilder! Freu mich immer wenns einen neuen Eintrag gibt. lg, Schim