Kirgisistan

Fotos

11.06 / 12.06 / 13.06

Wie ich das letzte mal erwähnt habe, kommend von Tadschikistan nach Kirgisistan, ist, als würde man im Paradies landen.

Über die Berge gelangt man in eine riesige grüne Ebene, die von hohen schneebedeckten Bergen umringt ist. Weit verteilt stehen Yurten, Herden von Pferden und Kühen grasen.

Die nächste Ortschaft ist Sary-Tasch, wo ich kurz einen Stop mache, um Geld zu wechseln und zu tanken. Dann fahre ich weiter nach Osh.

Ansonsten tut sich dieser Tage nicht viel, außer dass es mir beschixxen geht. Ich weiß nicht, womit ich es zu tun habe, wo und wie ich mir das eingefangen habe, aber meinem Magen geht es nicht gut. Ich hole mir Medizin aus der Apotheke. Die meiste Zeit verbringe ich auf dem Klo oder im Bett. Ich fahre nur eine kurze Strecke weiter nach Jalal-Abad.

14.06

Mir geht es wieder besser und ich mache mich wieder auf den Weg. Von Jalal-Abad auf der Hauptverkehrsverbindung einen Bogen nach Norden-Westen bevor es Richtung Osten geht.

Die dicht besiedelte Gegend im Westen von Kirgisistan rund um Osh ist nicht unbedingt einen Besuch wert, nur meine Meinung. Es gibt sehr viel Verkehr. Auf dieser Seite ist viel Ackerbau und Obstanbau zu finden.

Etwas weiter im Norden bei Toktokul wird die Landschaft um einiges ansprechender. Lange fahre ich eine kurvige Strecke durch die Berge einen Fluss entlang. Endlich macht das Motorradfahren mal richtig Spaß, weil ich es richtig laufen lassen kann.

Irgendwo zwischendurch sehe ich auf einem Feld eine Gruppe von Reitern, von denen immer wieder ein paar los reiten und rangeln. Am Rande sitzen ein paar Personen. So wie es aussieht ist hier etwas im Gange. Ich bleibe stehen und sehe eine Weile zu.

Es gibt zwei Gruppen von Reitern und einen toten kopflosen Hammel. Die beiden Gruppen lassen sich aus meiner Sicht durch die Farbe der Pferde, schwarz und braun unterscheiden.

Weiters gibt es zwei Erd- oder Steinhaufen, die mit alten Autoreifen befestigt, innen ein wenig ausgehöhlt sind und etwa einen Meter hoch und drei Meter Durchmesser haben. Ziel des Spiels ist, dass jeweils drei Reiter aus jeder Mannschaft aus einiger Entfernung los reiten, den Hammel, der zwischen den beiden „Toren“ abgelegt ist, schnappen und im „Tor“ der gegnerischen Mannschaft abwerfen.

Es geht hoch in die Berge. Nahe Suusamyr übernachte ich in einem Yurten Camp. Die Yurte wird es dann doch nicht, weil viel zu groß und teuer für mich alleine, sondern nur ein Bett in einem Container – aber das kenne ich schon von zu Hause. Es ist mittlerer Nachmittag und außer dem Frühstück habe ich noch nichts gegessen, also nehme ich mal Suppe – Rindsuppe mit etwas Fleisch und Gemüse. Ich werde gefragt, ob ich schon mal Stutenmilch probiert habe. Warum kommt da ein „Nein“ aus meinem Mund? Ich werde gefragt, ob ich mal will. Ich sage: Ja, aber nur ein wenig. Sie stellt mir ein vollen Becher hin.

Die Milch ist fermentiert bzw. leicht vergärt, schmeckt etwas säuerlich und hat einen geringen Alkoholgehalt. Neu für mich. Nicht ganz mein Geschmack, aber ich trinke alles tapfer aus.

Etwas weiter entfernt steht eine Gruppe von Leuten bei Pferden. Mir wird erklärt, dass die Personen hier sind um die frisch gezapfte Stutenmilch zu trinken. Wie mir später an einem anderen Ort erzählt wird, soll frische Stutenmilch sehr gesund sein und wird oft anstatt schulmedizinischer Medikamente genommen, auch als Ersatz für Antibiotika.

Mein Darm ist wieder in Ordnung und ich kann endlich wieder normal Essen. Die letzten fünf Tage war es nicht gerade viel. Das Abendessen schmeckt soooo gut!

15.06

Ich überlege, ob ich zum SongKöl See fahren soll. Im Moment habe ich genug von Off-Road und schlechten Straßen. Aber ich habe von jedem gehört, dass man da hin muss. Und ich freue mich, dass ich mich dafür entschieden habe.

Die letzten Kilometer quäle ich mich auf einem steinigen Pfad die Berge hoch. Die Landschaft, die mich auf der anderen Seite empfängt entschädigt für alle Strapazen.

Die Gegend rund um den See Songköl ist die klischeehafte Nomadengegend. Eine sanfte Hügellandschaft führt hinab ins Tal. Unten breitet sich eine große weite grenzenlose Ebene aus. Gruppen von großen Herden an Pferden Schafen und Kühen verteilen sich auf dem grünen Land.

Ab und zu sind weiße Punkte, die Yurten der Nomaden, zu sehen. Weit hinten blitzt das blaue Wasser des Songköl hervor umrandet von den Bergen.

Wege gibt es nur in Form von zwei Spuren. Ich frage mich, wer die kartographiert hat, weil sie auf dem Navigationsgerät eingezeichnet sind. Zum Glück. Ansonsten würde ich mich heillos auf dieser Weite verlieren.

Viele, viele Kilometer fahre ich durch die Ebene, vorbei an all den Tieren. Ab und zu kommt einer der Hirten auf seinem Pferd heran, um zu gucken, wer da mit seinem eisernen Gaul durch die Gegend reitet.

Ich komme am Abend in Kotschkor an. Im Happy Hostel empfangen mich zwei kleine Jungs, die natürlich kein Wort Englisch sprechen. In einem der Dorms ist nur ein Gast, Claudia aus Deutschland. Ich finde irgendwie bloß raus, dass im Moment niemand da ist.

„Sie“ sind in der Stadt. Wer auch immer „Sie“ sind. Claudia verschwindet, um einkaufen zu gehen. Ich warte. 2 weitere Gäste kommen. Monika und Paul aus Polen. Paul ist ursprünglich aus England, aber lebt seit 30 Jahren in Polen, war mal Lehrer dort. Monika ist etwas angepisst, weil sie ganzen Tag unnötig durch die Gegend gefahren sind. Auch sie verschwinden nach einiger Zeit, um einkaufen zu gehen. Ich warte. Zwei Deutsche Gäste kommen. Ich habe das Procedere mittlerweile heraus und erkläre den Leuten, dass grad niemand da ist. Falls keine Reservierung vorhanden ist, einfach ein Bett aussuchen.

Ich bin mir absolut nicht sicher, wo ich hier gelandet bin.

Nach 1 Stunde oder so, kommen eine Oma und Opa mit einem Pickup. Hinten drauf ein Fahrrad und drinnen der Fahrradfahrer, Geoffrey. Geoffreys Fahrradrahmen ist gebrochen und sie waren bei jemandem der das wieder zusammengeschweißt hat.

Oma ist eine kleine etwas rundliche Dame, verschmitzte dunkle Augen, immer ein lachen im Gesicht, immer am reden. Opa ist ein ruhiger alter Mann, der sich rundherum um alles handwerkliche kümmert. Bei einem Zimmer baut er schnell mal eine neue Tür ein.

Irgendwie regelt sich alles. Jeder kriegt sein Bett oder Zimmer. Anscheinend führen die beiden das Hostel.

Später am Abend landen wir acht Gäste alle in der Küche des Hauses und quatschen. Sobald jemand den Raum betritt, sagt Oma: Setzt dich hin, iss was, trink was!

Monikas schlechte Stimmung ist längst vorbei. Sie spricht etwas russisch, redet dauernd mit Oma und übersetzt. Oma ist dauernd am quatschen und erzählen. Sie stellt Brot, Gebäck, Marmelade auf den Tisch und beginnt andere schnell zuzubereitende Leckereien in Öl zu backen. Alle finden Oma einfach nur spitze. Es ist bereits dunkel, als die Tochter von der Arbeit nach Hause kommt. Sie sagt kein Wort, aber der Blick sagt alles.

„Ach Nein Mama! Jetzt hast du schon wieder die ganze Küche mit Leuten voll gemacht!“

Ich bin bestimmt im liebenswertesten Hostel gelandet in dem ich jemals war.

16.06

All die Leute vom Vortag gehen reiten, bloß Geoffrey und ich bleiben zurück. Er kümmert sich um sein Fahrrad, ich mich um mein Motorrad. Neue Gäste kommen, mit denen ich lache, bis mein Bauch weh tut.

17.07

Unaufregend gelange ich nach Karaköl, meiner letzten Station in Kirgisistan (man könnte auch sagen, Halbzeit). Auf dem Weg dorthin habe ich noch die Möglichkeit meine Füße in den Yssykköl zu stecken. An einigen Orten rund um den See ist Urlaubs und Reisegegend. Ich bleibe nur eine Nacht. Morgen fahre ich nach Almaty. Am Freitag schaue ich beim Mechaniker vorbei, um das Motoröl beim Motorrad wechseln zu lassen.

Tag 34. Ich habe ziemlich genau 10.000km hinter mir.

Kommentare

4 Kommentare zu „Kirgisistan“

  1. Avatar von Herbert
    Herbert

    Die Blogs werden immer besser… als ob man direkt mit dabei wäre.

    1. Avatar von Herb.
      Herb.

      „…um zu gucken, wer da mit seinem eisernen Gaul durch die Gegend reitet.“
      Herrlich 😀

  2. Avatar von Schim
    Schim

    Schön zu lesen, daß es Dir dann auch mal gut geht und Du das Fahren genießen kannst! Super Blog – freu mich immer, wenns einen neuen Eintrag gibt!
    lg, Mario

    1. Avatar von pheiss
      pheiss

      Und mir schiesst gerade ein, dass der Schim ja auch Mario heißt.