Schlagwort: Chile

  • Veränderungen

    Veränderungen

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    16.02. – 22.02.

    Wir/Ich war/en eine Woche Santiago. Santiago ist eine riesige Metropole mit etwa 6 1/2 Millionen Einwohnern. Die Stadt ist mir sympathisch.
    Für Sightseeing bleibt diesmal aber nicht viel Zeit. Ich bin mehrmals zum BMW Händler und zu einem anderen Mechaniker unterwegs, um mein Motorrad wieder richten zu lassen. Aber damit will ich euch nicht langweilen. Nur soviel, es bleibt einem die Spucke weg, wenn man sieht, was BMW für einen Plastik-Ersatzteil verlangt.

    Mein erster Weg in Santiago führt zu Marco und Silvia. Sie sind Freunde von Günther, den ich in Valdivia getroffen habe.
    Sie haben vor etwas mehr als 20 Jahren für ungefähr 6 Jahre in Österreich gelebt. Dort haben sie Günther kennengelernt. Silvia und Marco sind zwei überaus nette Personen. Ich werde sofort herzlich aufgenommen, ich erhalte Essen und sie fahren mich ein wenig in der Gegend rum.
    Marco hat mir im Vorfeld bei der Organisation meines Kühlers geholfen.

    Andi und ich verbringen die letzten Tage im Hostel mit „socializing“ auf deutsch, einer netten Zeit mit den anderen Leuten im Hostel.

    Am Donnerstag, den 20.02. hat mich Andi verlassen .. mitten in der Nacht .. ohne ein Wort zu sagen. Nur Spaß. 🙂
    Andi muss Mitte März zu Hause sein, um sich um ein paar wichtige Sachen zu kümmern.
    Es hätte nicht viel Sinn gemacht, weiter nach Norden zu fahren. Valparaiso ist in dieser Gegend die beste und einfachste Möglichkeit ein Motorrad nach Hause zu senden. Die nächste Möglichkeit wäre Lima. Aber das wäre sich zeitlich nicht mehr ausgegangen.
    Andi macht noch eine Woche Zwischenstopp in Jamaika, bevor er zurück nach Österreich geht.

    Es war eine gute Zeit. Es ist zwar nicht so verlaufen, wie geplant, aber es war lustig, abenteuerlich, anstrengend, erholsam und vieles mehr. Wir hatten Spaß und auch über lange Zeit keine Probleme miteinander auszukommen .. zumindest aus meiner Sicht nicht. Ich glaube, ich habe gut zwei Kilo zugelegt in diesen zwei Monaten, in denen wir gemeinsam gereist sind. Wahrscheinlich sogar mehr. In Gesellschaft isst und trinkt es sich besser.

    Taylor und Mike haben ihre Motorräder ebenfalls richten lassen und machen sich bereits nach drei Tagen wieder auf den Weg. Wenn alles gut geht, sehe ich Taylor in etwa vier Monaten in Seattle wieder.

    Am Tag vor meiner Abreise bin ich bei einem anderen Mechaniker. Mein Motorrad erhält einen neuen Kettensatz und auch eine neue Seitenverkleidung. Unglaublich, Carlos hätte sogar eine original Seitenverkleidung von meiner BMW Dakar. Aber 450 USD sind mir zu viel für ein Stück Plastik. Er hat noch ein anderes von einer älteren Baureihe und in einer anderen Farbe um knapp 200 USD.

    Als ich ihm zusehe, wie er das Teil montiert, beginnen meine Gedanken zu schweifen. Ich bin seit 7 Monaten unterwegs. Halbzeit. Ende September möchte ich zurück sein. Zeit für eine Zwischenbilanz?

    Besonders meinem Motorrad sieht man die Reise an.
    Blitz und blank geputzt habe ich es vor meiner Abreise fotografiert. Beinahe ohne Kratzer .. und jetzt .. es hat sich total verändert, sieht anders aus, eine Schramme hier, eine Schramme da, links eine andere Seitenverkleidung, die Koffer sind hinüber .. die Zeichen der Abnutzung sind groß. Aber mir gefällt es .. es erhält Charakter.

    Ich bin nicht der Mensch, der emotionell an materiellen Dingen hängt. Aber das Motorrad ist ein Teil von mir geworden, ich möchte es nicht wieder hergeben. Wahrscheinlich ist es billiger ein neues zu kaufen, als es nach der Reise wieder auf Vordermann zu bringen. Aber es ist das Ding, das dauernd unter meinem Arsch klebt und mich zu all den Abenteuern, Erlebnissen und Personen bringt.

    Sieht man auch mir an, ob ich mich verändert habe? Äußerlich bestimmt, auch vor mir macht das Alter nicht Halt. Aber habe ich mich auch innerlich verändert? Ich kann es – noch – nicht feststellen. Der Charakter eines Menschen bildet sich in jungen Jahren. Irgendwann ist man gefestigt in seiner Meinung und in seinen Werten. Je älter man wird, desto mehr bleibt man in festen Bahnen. Ich werde es wohl erst feststellen können, wenn ich wieder zu Hause bin.

    23.04., 24.04.

    Ich habe meine letzten Chilenischen Pesos ausgegeben und fahre deshalb wieder nach Argentinien. Aufgrund der Inflation wird Argentinien erneut billiger. Ich erhalte 11 Pesos für 1 USD auf dem Graumarkt. Bei meiner ersten Einreise waren es 8 Pesos.
    Hier sitze ich in Mendoza mal das kalte Regenwetter aus, bevor ich meinen ursprünglichen Plan nach Norden weiter verfolge.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Bolivien

    Bolivien

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    06.02.

    Ein neues Land auf meiner Reise. Wir überqueren die Grenze bei Villazón. Am Grenzübergang ist die Hölle los. Scharenweise werden die Leute mit Bussen angekarrt. Lange Schlangen stehen an den Schaltern. Personen, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, werden zum Glück schneller abgefertigt.

    Wir sind an diesem Tag schon lange unterwegs, der späte Nachmittag ist angebrochen. In Villazón versuchen wir, Geld aus den Automaten zu bekommen. Was nicht wirklich funktioniert. Also entscheiden wir weiter zu unserem Ziel, Tupiza, zu fahren und es dort zu versuchen. Wenige km hinter der Stadt, werden wir bei einer Mautstation angehalten. USD werden nicht akzeptiert. Also zurück ins Dorf. Kein bolivianisches Geld in der Tasche, müssen wir im schlimmsten Fall wieder umkehren und nach Argentinien zurück. Wir finden dann doch noch einen Bankomaten, der Bolivianische Bolivar und auch USD ausspuckt.

    07.02.

    In Tupiza treffen wir im Hotel erneut auf einen Steve (Stephen). Diesmal nicht aus den Staaten, sondern aus Kanada. Er ist für ein paar Monate in Südamerika unterwegs. Für uns gut, wir müssen uns nicht viele Namen merken.
    Von Steve erfahren wir, dass die Strecke von Tupiza nach Uyuni nicht sehr gut ist. Die letzten Tage hat es geregnet. Steve hat von jemandem erfahren, der die Strecke mit dem Bus genommen hat, dass sie anstatt der 6 Stunden, für 14 Stunden unterwegs waren und die Leute teilweise schieben mussten. Aufgrund meines Problems mit dem Kühler bleiben wir von nun an auf sicheren Strecken, entscheiden gemeinsam mit Steve nach Potosi zu fahren und dann von dort die asphaltierte Strecke nach Uyuni zu nehmen.

    Die Strecke nach Potosi ist ziemlich gut ausgebaut und wir gleiten gemütlich dahin. Wir sind auf etwa 3.500m Seehöhe unterwegs. Es ist erstaunlich warm und das Wetter ist mit uns. Nur an den Bergen hängen oft dichte schwarze Wolken. Etwa 40 km vor Potosi sehe ich auf meinem GPS Gerät, dass es uns mitten in eines dieser schwarzen Löcher hineinzieht. Ich habe bloß gehofft, dass wir trocken ankommen. 25km vor Potosi sind wir mit einem Schlag mittendrin. Binnen weniger Sekunden gibt es einen Temperatursturz von etwa 25 Grad C auf etwa 5 Grad C. Es hagelt, es friert in den Fingern, das Visier beschlägt. Ich zähle jeden einzelnen Kilometer runter.
    Es ist ein eigenartiges Schauspiel, in die Stadt zu fahren .. dunkel und bedrückend. Kurz vor Potosí befindet sich der Cerro Rico, in dem vorwiegend Silber abgebaut wird. Die dicken, schwer beladenen LKWs der Minengesellschaften verdrecken den Weg und fahren langsam auf der kurvigen Straße den Berg hinab. Durch ein Labyrinth von Straßen geht es in das Stadtzentrum, sie sind mit Autos verstopft und ein Gewusel an Leuten, alles was Beine hat, scheint unterwegs zu sein.

    Am Abend gehen wir aus, um Abend zu essen. Auf dem Hauptplatz bewerfen sich die Kinder mit Wasserballons. Wie wir erfahren, hat dies mit dem Karneval zu tun und scheint eine Tradition zu sein. Die Kinder veranstalten regelrecht einen Krieg, gruppenweise mit Angriff und Gegenangriff. Eine Verkäuferin verscherbelt aus einer Tonne raus scharenweise die Wasserballons an die Kinder.

    08.02.

    Am Vormittag spazieren Andi und ich etwas durch die Straßen. Wir geraten in einen riesigen Markt, der sich über mehrere Straßenblöcke erstreckt, Norden – Süden, Osten – Westen. Man findet alles. Auf einer Strecke von mehreren hundert Metern verkaufen die Leute in ihren kleinen Ständen Obst, Gemüse, Fleisch. Es gibt Nahrung in Überfülle. Dazwischen gibt es immer wieder Buden, wo gekocht wird. In einer dieser Stände essen auch wir etwas. Hühnchen, Bohnen irgendwas, Nudeln, Tomatensalat.
    Über Zunge, von welchem Tier auch immer, haben wir uns nicht drüber getraut.

    Potosi hat eine lange Geschichte im Silberabbau. Das Casa Real de la Moneda, das Münzmuseum, ist eines der interessantesten Museen, das ich besucht habe. Hier erfährt man viel über die Geschichte der Münzprägung in ganz Amerika. Angefangen von der Prägung mit Hammer und Siegel, bis hin zur elektrisch betriebenen Maschine. Ausgestellt sind verschiedenste Apparate, die für die Herstellung von Münzen verwendet wurden. Im Museum sind drei riesige Holzapparaturen – aus Frankreich – zum Pressen von Silber ausgestellt, die von Eseln oder Sklaven (was jedoch verschwiegen wird) angetrieben wurden.
    In Südamerika haben die Spanier in verschiedenen Ländern gleiche Münzen hergestellt. Zur Unterscheidung, wo die Münzen geprägt wurden, haben sie Jahreszahl und eine Ortsprägung erhalten. Im Fall von Potosi waren es die Buchstaben PTSi, die übereinander gelegt wurden.
    Wie uns die Dame, die die Führung macht, erzählt, sind aus den Buchstaben S und i das Dollar bzw. Peso Zeichen $ entstanden.

    09.02.

    Am Abend zuvor ist Mike aus den Staaten zu uns gestoßen. Er ist knapp 30 Jahre und war ein paar Jahre bei der Army, davon ein Jahr in Afghanistan. Steve, Mike, Andi und ich fahren gemeinsam weiter nach Uyuni.
    Von Potosi nähert man sich Uyuni von einem Berg. Das Tal ist endlos. Auf der großen Ebene wirkt die Stadt Uyuni winzig klein. Wolken entleeren sich in riesigen Vorhängen aus Wasser in der weiten Ebene, hin und wieder fahren Blitze  zur Erde hinab. Und wieder stehe ich da und kann mich nicht satt sehen, an dem Schauspiel, das geboten wird.

    In Uyuni wird unsere Gruppe erneut größer. Vor unserem Hotel begegnen wir Taylor aus Seattle, der mit seiner 650er GS unterwegs ist. Er ist bereits seit ungefähr 5 Monaten unterwegs und hat knapp noch drei Wochen vor sich.

    10.02.

    Die Fahrt mit dem Motorrad auf dem Salzsee ist nicht möglich – wäre schon möglich, aber wir entscheiden uns dagegen, da im Moment Regenzeit und der See mit Wasser bedeckt ist. Es sind meist nur wenige Zentimeter. Wir mieten am Vormittag einen Jeep bei einer Tour-Organisation und fahren hinaus. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Etwas weiter draußen auf dem See, scheinen See und Himmel ineinander überzugehen. Die Spiegelungen vermitteln den Eindruck, als würde man in der Luft schweben.
    Von Wikipedia her ist ja bekannt, dass sich unter der Salzkruste ein See befindet. Nur war uns nicht bewusst, dass die Salzkruste kaum dicker als 10cm ist. Wir sind weit vom Ufer entfernt, als wir ein Loch bemerken und somit die Dicke der Salzkruste sehen. Und nachdem wir das erste Loch gesehen haben, nehmen wir auch all die anderen unzähligen kleineren und größeren Löcher wahr. Unser Fahrer erzählt, dass hin und wieder Fahrzeuge einbrechen, aber ihm ist das noch nicht passiert.

    Steve verlässt uns und fährt in Bolivien weiter nach Norden. Taylor, Mike, Andi und ich fahren von Uyuni auf der Ruta 5 weiter Richtung Chile. Das Ziel ist die Grenzstadt in Chile. Die Straße ist sehr ruppig. Irgendwo verliere ich meine Seitenverkleidung, die ich hinten auf meiner Tasche festgemacht habe –  anscheinend nicht fest genug. Ich habe sie nicht montiert, weil ich dauernd Wasser in meinen Kühler füllen muss. Ich fahre zurück und finde sie wieder. Ich muss die Seitenverkleidung wohl eine Weile hinter mir her geschleift  haben. Sie ist nicht mehr zu gebrauchen und ich lasse sie liegen. Zu guter Letzt fällt mir auch noch das BMW Emblem auf der anderen Seite ab.
    Ich hatte keine Probleme mit meinem Motorrad, bis ich nach Patagonien gekommen bin. Es ist wahrlich eine raue und ruppige Gegend. Mein Motorrad scheint in alle Einzelteile zu zerfallen.
    Kurz vor der Grenze zu Chile stürzt Taylor auf einer sandigen Stelle. Ich habe das ganze nicht mitbekommen, weil ich die Führungsposition hatte und Taylor an dritter Stelle war. Ich war etwas voraus und dachte zuerst, sie sind stehen geblieben, um Fotos von der wunderschönen Landschaft zu machen. Als ich sie dann wild herumlaufen sah, wurde mir bewusst, dass etwas nicht stimmt. Taylor ist zum Glück nichts passiert. Aber die linke Seite seines Motorrades wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Seinen Koffer hat es zerrissen. Das Armaturenbrett ist verschoben, Blinker, Windschutz, Spiegel … alles hinüber. Aber das Motorrad fährt. Was für ein Glück.

    Wir übernachten in der Grenzstadt. Die Stadt macht den Eindruck eines Outposts, einer alten Westernstadt. Früher haben hier mal Züge angehalten. Aber der Bahnhof gleicht einem Friedhof. Die Gebäude sehen heruntergekommen aus. Überraschenderweise sind sie innen aber alle sehr lieb ausgestattet. Wir haben nur bolivianisches Geld. Spät am Abend und weit entfernt vom nächsten Bankomaten, weiß die Dame im Hostal das zu nutzen und zieht uns das Geld aus der Tasche.

    11.02. / 13.02.

    Grenze – Antofagasta – Caldera – La Serena
    Erneut geht es ein Stück und wieder viele, viele Kilometer durch die Atacama. Auf eine gewisse Art mag ich sie und zugleich „hasse“ ich sie, diese endlose Wüste.

    13.02. – 15.02.Ein Zwischenstopp in La Serena. Das Wochenende naht, so lässt sich, was meinen Kühler betrifft, wenig ausrichten. Wir entscheiden uns zu bleiben und am Sonntag die letzten Kilometer nach Santiago zu fahren. Mein Kühler leckt mittlerweile sehr, die Klebemasse weicht langsam auf. Jeden Tag muss ich mehr und mehr Wasser nachfüllen. Es sind beinahe 1/2 Liter.
    Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit Taylor und Mike sitzen Andi und ich im Hostel noch lange Zeit mit anderen Gästen zusammen.
    Ich habe es bereits mehrmals erwähnt, es gibt Hostels, da fühlt man sich äußerst wohl. Dieses hier ist ein Wohnhaus auf einem großen Grundstück, in dem, ich glaube, maximal 20 Betten vermietet werden. Ein paar im Haus, der Rest in Bungalows. Große Palmen stehen im Garten, freundliche Betreiber .. ein Platz zum Verweilen. Es ist so, als würde man „Zu Hause“ sein.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Begegnungen

    Begegnungen

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    Was für eine Woche! Begegnungen mit anderen Leuten sind ein großer Bestandteil  meiner Reise. So handelt dieser Artikel vorwiegend von Begegnungen in den letzten Tagen.

    07.01 – 09.01.

    Bei unserer Ankunft in Bariloche haben wir erhebliche Schwierigkeiten eine Unterkunft zu finden. Es ist Hochsaison. Nachdem wir uns durch gut 10 Hostels gefragt haben, finden wir eine Perle – Bariloche Inn. Die Aussicht auf den Lake Nahuel Huapi ist eine Wucht. Und wegen dem Wetter wärs auch gewesen, warum wir uns für 2 Nächte einquartieren. Wir können in kurzen Hosen rumlaufen! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal kurze Hosen anhatte.

    Wir sitzen am zweiten Tag am frühen Nachmittag gemütlich auf der Terrasse und kommunizieren über das Internet mit der Heimat. Danach kommen wir ins Gespräch mit Eli (ausgesprochen: ilai) aus den Staaten. Er sitzt auf der Terrasse und liest ein Buch von Stephen King. Ich versuche, seine Geschichte so gut wie möglich wiederzugeben.

    Eli stammt aus armen Verhältnissen und ist 34 Jahre alt. Als er 18, 19 Jahre alt war, hat sein bester Freund Selbstmord begangen. Zu jung, um das zu verarbeiten, hat er sich in Computerspiele, im speziellen in Strategiespiele, vergraben.
    Eli hat dann einen Job bei Microsoft erhalten. Dort war er bei der Entwicklung des Spiels „Ages of Empire“ beteiligt. Ages of Empire ist ein sogenanntes Echtzeit Strategiespiel, bei dem es darum geht, eine Wirtschaft aufzubauen und andere Länder und Völker zu erobern. Er hat bei Microsoft vorwiegend gespielt. Seine Aufgabe war es die künstliche Intelligenz des Spiels zu testen, damit die unterschiedlichen Gegner und Völker ungefähr gleich stark sind. Wie er erzählt, war er einer der Besten der Welt in diesem Bereich. Nach etwa einem Jahr war er ausgebrannt. 80-100 Stunden Arbeit die Woche, waren nicht unüblich.

    Nebenbei hat er schon immer Poker gespielt. Seit fünf Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt damit. Wenn er darüber spricht, dann nennt er es Arbeit. Er ist nicht reich, kann aber gut davon leben. Irgendwann in seinem Leben hat er mit einem Geschäftspartner ein Haus angemietet und dort ein illegales Pokercasino betrieben. Nachdem sie einmal ausgeraubt wurden, haben sie Sicherheitstüren einbauen lassen und Scheriffs, die sich etwas dazu verdienen wollten, als Sicherheitsleute engagiert.
    Irgendwer hat sie dann verpfiffen und das Haus wurde von einem SWAT Team gestürmt. Aufgrund der Sicherheitstüren hat das eine Weile gedauert. Eli erzählt, er hat seine Arme hinter dem Kopf verschränkt, gewartet und auf einem Monitor zugesehen, wie die Einsatzkräfte gut 15 Minuten gebraucht haben, um die Sicherheitstüren aufzubrechen. In Folge war er drei Tage im Gefängnis und ihm wurde das Wahlrecht in den Staaten entzogen.

    In den Vereinigten Staaten erhalten Berufsspieler, die bei Online Casinos ihr Geld verdienen, kein Bankkonto bei einer einheimischen Bank. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das gesetzlich geregelt ist, oder ob einfach die Banken das nicht machen. Viele Berufsspieler haben deshalb das Land verlassen. Eli hat gut ein Jahr irgendwo in Asien gelebt, im Moment nennt er Mexico City seinen Hauptwohnsitz. Aktuell ist er eine Weile in Südamerika unterwegs, bevor er wieder an die Arbeit geht.

    Als wir auf Eli getroffen sind, haben wir schon am frühen Nachmittag mit Bier begonnen. Wir trinken gemütlich über den Nachmittag in den Abend hinein und räumen den Kühlschrank leer. Irgendwann treibt uns der Hunger in das Stadtzentrum, wo wir ein Steak zu uns nehmen.

    Entlang der Hauptstraße befindet sich ein Indoor Eislaufplatz. Schon bei meinem ersten Besuch in Bariloche wollte ich Eislaufen gehen. Wir holen dies nach.
    Eli steht seit Kindheit wieder das erste Mal auf Eislaufschuhen, schlägt sich aber sehr gut. Ich bin seit Jahren nicht mehr gelaufen, habe aber durch Inline Skating eine gewisse Übung. Andi hat lange Zeit Eishockey gespielt, musste aber wegen Knieverletzungen aufhören. Er ist der König auf dem Eis, läuft vorwärts, rückwärts, schlägt Haken, dreht Pirouetten und springt Rittberger. Ein paar Leute winken ihn an den Rand des Eislaufplatzes. Sie bitten ihn, ihren Kindern ein wenig Nachhilfe zu geben. So eine halbe Stunde auf dem Eis kann ganz schön anstrengend sein.
    Zurück im Hostel ist klar, dass morgen nicht an eine Weiterfahrt zu denken ist. Es ist 3 Uhr in der Früh, zu Hause sitzen die Leute schon in der Arbeit. Ich telefoniere noch kurz mit einem Freund.
    Heute war ein guter Tag.

    Am nächsten Tag: spät aufstehen, frühstücken, zurück ins Bett und dann auf der Couch von einer Ecke in die andere fallen. Andi schneidet Videos, ich widme mich der „Readheaded League“ und anderen Geschichten.

    10.01.

    Lange Zeit fahren wir auf einer wunderschönen Strecke den Rio Negro entlang. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Geschichte hier ziemlich fad wird. 40 km vor Neuquen erwischt es Andi erneut. Wir sind so nah am Ziel. Die Reifenhändler in Neuquen warten sicher schon darauf, mit uns Geschäfte zu machen.
    Andi versucht, sich in ein nahes Dorf namens Senillosa zu retten. Aber nur 1 1/2 km davor ist der Reifen komplett hinüber und wickelt sich von der Felge.
    Ich laufe im Dorf von A nach Z bis ich endlich jemanden finde, der einen Anhänger hat. Wir bringen das Motorrad zum einzigen Hotel in diesem Dorf. Zumindest muss er nicht im Zelt schlafen.

    Ich schnalle Andis Reifen samt Felge auf meine Motorrad und fahre weiter nach Neuquen. Alle Hostels die ich abfahre sind voll. In einem der Hostels kann ich im Garten das Zelt aufschlagen. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt benutze. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt überhaupt auspacke. Ich bin gespannt, in welchem Zustand es ist, nachdem es den unterschiedlichen Witterungen ausgesetzt war – Regen, Schnee, Staub, Kälte, Hitze, … . Es sieht gut aus. Auch in meinem Schlafsack, den ich ebenfalls das erste Mal auspacke, haben sich noch keine Mäuse oder anderes Getier eingenistet.

    Mein Motorrad liefere ich noch am Abend beim BMW Händler ab. Schön langsam bin ich der Überzeugung, dass mein Motorrad weiblichen Geschlechts ist, es möchte schon wieder neue Schuhe. 😉 Nichtsdestotrotz habe ich mit meinem Vorderreifen einen guten Griff gemacht 27.631km.
    Auch mein Dichtring für den linken Stoßdämpfer wird ausgetauscht.
    Andis Reifen wird nun ebenfalls von einem Profi aufgezogen – diese Probleme haben sich damit hoffentlich erledigt.

    11.01.

    Ich hole gegen Mittag mein Motorrad ab und komme mir beim Bezahlen vor wie ein Huhn, das gerupft wird.
    Gegen halb 2 Uhr Nachmittags bin ich bei Andi.
    Andi hat in der Zwischenzeit Hilfe von Maximilian angeboten bekommen. Maximilian und Alba, seine Frau, wohnen ein paar Meter vom Hotel entfernt. Wir werden von den beiden zum BBQ eingeladen, Argentinian Style auf Holzkohle. Wieder mächtig viel Fleisch.
    Maximilian ist Polizist, hat selbst zwei Motorräder. Er war oder ist noch immer bei der Motorradpolizei, schätzt aber die ruhige Arbeit hier im Dorf und in der Umgebung.

    Andi und ich fahren am späten Nachmittag noch weiter Richtung Norden und machen Halt in „25 de Mayo“, eine kleine Stadt, die entlang der Straße liegt.

    Gegenüber dem Hotel gibt es ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir ein paar Sachen einkaufen. Wir plaudern dann ein paar Minuten mit dem Verkäufer vor der Tür. Als wir so draußen stehen, stoppt ein Polizist und fragt nach der Polizeistation. Der Verkäufer erklärt den Weg. Dann fragt er mich, ob ich ein Reisetagebuch schreibe. Ich: „Ja.“ Er lachend: „Das gibt es in Österreich sicher nicht, dass ein Polizeibeamter nach der Polizeistation fragt. Hier in 25 de Mayo schon.“ Ich soll das unbedingt in meinem Reisebericht erwähnen.

    12.01. / 13.01.

    Der Bezirk, durch den wir fahren, wurde wohl der Einfachheit halber nach der Landschaft benannt „La Pampa“.
    Irgendwo mittendrin stoppen wir. Schon wieder steht eine Honda African Twin mit einem platten Reifen am Straßenrand. Auch ein Andreas aus Cordoba. Der Reifen ist ausgebaut. Andreas erzählt uns, dass er bereits das vierte Mal den Reifen flickt. Cordoba ist maximal 1.000km entfernt. Andreas aus Argentinien hat keinen passenden Schlauch dabei, bloß irgendeinen, den er irgendwo in der letzten Stadt ergattern konnte. Andi, aus Österreich, schenkt ihm seinen geflickten Schlauch. Wir helfen ihm beim Einbau und hoffen für ihn, dass der Schlauch die nächsten 300km bis Neuquen hält.

    Sind Personen mit dem Namen Andreas, die mit einer African Twin durch SüdAmerika reisen, grundsätzlich von Problemen mit Luft (Aire) im Reifen betroffen? Oder führt eine Fahrt über 400km, meist geradeaus, durch Pampa, bei gleißender Sonne, zu wirren Gedanken?

    Etwa 60km vor San Rafael bleibt Andi, glaubt mir oder nicht, wieder mal am Straßenrand stehen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob er ein Fahrzeug oder ein Stehzeug hat. Die Benzinpumpe ist ausgefallen. Da Andis Motorrad einen Vergaser hat, kann er das Problem überbrücken. Solange der Benzin im Tank höher als der Vergaser liegt, tut die Schwerkraft ihre Arbeit und versorgt den Motor mit Treibstoff.

    Von Steve erhalten wir eine lustige Mail, in etwa: „ … Wenn das so weitergeht, wird Jürgen bald bereuen, dich auf die Reise eingeladen zu haben … ich habe mir überlegt eine Zeit lang mit euch zu reisen, aber wenn ich mir die Probleme so ansehe, bin ich lieber alleine unterwegs … ich werde euch sicher bald wieder einholen, aber wundert euch nicht, wenn ich einfach an euch vorbeifahre, ohne stehen zu bleiben …“

    Das Zentrum von San Rafael lässt sich in kurzer Zeit ablaufen. Die Stadt lädt nicht ein, für mehrere Tage zu verweilen, aber es ist hier sauber und grün. Hohe Laubbäume in den weiten Straßen spenden zusätzlichen Schatten. Die Straßen sind gitterförmig angelegt, bieten aber am Vormittag immer die Möglichkeit, dass man sich im Schatten bewegt. Ob die Gründer und Stadtplaner damals schon so weitsichtig waren, die Stadt auf diese Weise anzulegen?
    Zwischen 13 und 17 Uhr schließen die meisten Geschäfte. Siesta. Draußen ist es dann ziemlich warm.
    Wir passen uns den lokalen Gepflogenheiten an. Erst am Abend beginnen sich die Straßen wieder mit Leben zu füllen.

    Am letzten Tag in San Rafael machen Andi und ich mit unseren Motorrädern einen Tagesausflug in den Canon Atuel. Ich werde nicht erneut darüber schreiben, wie schön die Strecke war, sondern die Bilder für sich sprechen lassen. Herausstechend war das Bad im Fluß, mitten auf der Strecke.

    Wir sehen am Abend noch bei einem Mechaniker vorbei, der vortags Andis Benzinpumpe ausgetauscht hat und mir meinen Kofferhalter schweißt, der an einer Stelle gebrochen ist. Wenn wir schon da sind, lasse ich auch gleich das Öl wechseln. Das alles inklusive Hausdackel.

    Im Hostel sind Andi und ich die einzigen Ausländer unter all den Argentiniern. Ich erlebe einen der nettesten Abende auf meiner Reise. Ich werde von ihnen „gezwungen“ mich auf spanisch zu unterhalten, man lernt mir „Truco“, ein lustiges Kartenspiel und ich trinke Mate, ein typisches südamerikanisches Getränk. Vielen Dank an all die Leute im Hostel für einen unvergesslichen Abend.

    Von Andreas aus Cordoba erhalte ich eine e-mail, dass er es mit unserem geflickten Schlauch bis nach Neuquen geschafft hat.

    Und dann waren da noch all die anderen Kleinigkeiten. Andi verliert wiederholt seinen Reservekanister. Da ich hinter ihm bin, sammle ich ihn auf, der Springbrunnen mit Wein, „Freddy Krueger“ im Hostel in San Rafeal, ein Drum-Player mit Alkoholproblemen, mit Vorfahren aus Deutschland, der sich Recht und Schlecht mit Unterricht und Gelegenheitsarbeiten durchs Leben schlägt, immer zu wenig Geld in der Börse, … .

    Mittlerweile sind wir in Mendoza, wo wir uns wieder mit Renate und Bart getroffen haben – treue Leser wissen, wer die beiden sind. Aber darüber schreibe ich mehr im nächsten Artikel.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • auf Wiedersehen Chile

    auf Wiedersehen Chile

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    30.12. – 01.01.

    Am letzten Tag des Jahres machen wir einen Ausflug zum Perito Moreno Gletscher.
    Ein äußerst beeindruckender Anblick. Der Gletscher ist vom Grund des Sees ca. 100m hoch, die Gletscherwand ragt über Wasser zwischen 55m und 77m in die Höhe. Die gesamte Breite der Gletscherwand beträgt etwa 5km. Der Gletscher schiebt sich im Jahr über 750 Meter voran. Das Eis schimmert weiß-blau im Sonnenlicht. Nahe am Boden muss das Eis unheimlich dicht gepresst sein, es hat teilweise eine ganz eigene blaue Farbe, als würde es sich um einen Edelstein handeln. Andauernd hört man lautes knacken. Immer wieder brechen große Stücke von der Wand ab und stürzen in das Wasser. Wann immer ein Bruch zu hören ist, springen Leute mit ihren Kameras durch die Gegend. Meistens natürlich zu spät.

    Beim Gletscher treffen wir wieder auf Hitch und Lee, zwei Neuseeländer, die wir schon in Punta Arenas getroffen haben. Mit ihnen und ein paar Argentiniern ziehen wir zu Silvester um die Häuser. Der Neujahrstag vergeht dann weitgehend auf der Couch.

    02.01. – 05.01.

    Am 2. Januar machen wir einen riesigen Satz nach Norden, von El Calafate nach Perito Moreno. Erneut geht es durch starken Wind, Regen und manchmal auch durch leichten Schneefall. Perito Moreno dient, wie auch schon bei meiner Fahrt Richtung Süden, nur der Übernachtung. Unser Ziel ist die Carretera Austral. Wir möchten sie ein Stück nach Norden fahren.

    Bei Chile Chico setzen wir über die Grenze. Die Welt ist klein, beziehungsweise läuft man sich hier unten immer wieder über den Weg. An der Grenze begegnen wir zwei Deutschen, Rosi und Alfred, die in Ushuaia im selben Hostel wie wir waren. Wir fahren gemeinsam weiter.

    Andi und ich sind etwas voraus. Nach nicht allzu vielen Kilometern geht Andis Schlauch im Hinterreifen erneut kaputt. Wir haben den Hinterreifen schon ausgebaut, als Rosi und Alf eintreffen.

    Bei jedem Mal lernt man etwas dazu. Alf zeigt uns, wie man in wenigen Sekunden mit dem Seitenständer des Motorrades den Reifen von der Felge löst. Wir werden immer schneller beim Reifen wechseln. Noch ein paar mal und wir können mit der Formel 1 konkurrieren.

    Staunend fahren wir mit offenem Mund durch die Gegend, die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön.
    Die Nacht verbringen wir in Puerto Rio Tranquillo. Puerto Rio Tranquillo ist ein kleines Dörfchen, ein paar Häuser, ein paar Hostels, eine Tankstelle. Die große Attraktion hier sind die Marble Caves, eine Höhlenformation, die durch Wind und Wetter etwas bizarr geformt ist und im türkisen Wasser des Lago Buenos Aires schimmernd nur mit dem Boot erreichbar ist.

    Bevor wir am nächsten Tag weiterfahren, machen wir eine Tour zu den Marble Caves. Es ist ein wahrer Höllenritt auf der rauen See. Man möchte kaum glauben, wie hoch der Wind die Wellen aufpeitscht. Sie sind 1 bis 1 1/2 m hoch. Wir sitzen inkl. Kapitän zu acht in einem kleinen Boot, das hart auf die hohen Wellen aufschlägt. Das kalte Wasser spritzt über die Bordwand in das innere des Bootes. Einen Ausflug auf einem See stellt man sich gemütlicher vor. Auf der Rückfahrt müssen wir noch stärker gegen den Wind und die Wellen ankämpfen. Mit dieser Wildheit hat keiner gerechnet. Wir sind froh als wir wieder an Land sind.

    Auf zwei Rädern fühlen wir uns weitaus sicherer und fahren weiter nach Coyhaique, der größten Stadt hier an der Carretera Austral. Die Fahrt ist etwas anstrengend, teilweise loser Schotter, viele Kurven, viele Schlaglöcher und Wellbrett Pisten. Nichtsdestotrotz vermag die Natur erneut zu verzaubern. In Coyhaique machen wir einen fahrfreien Tag.

    06.01.

    Unsere Wege trennen sich wieder. Rosi und Alf entscheiden sich, mit einer Fähre weiter nach Norden zu ziehen. Andi und ich fahren auf dem Landweg weiter. Es waren drei äusserst nette Tage mit den beiden. Gute Reise ihr zwei. Vielleicht sieht man sich noch mal … spätestens bei unserer nächsten Panne :-).

    Die Fahrt auf der Ruta 7 macht richtig Spaß. Wir sind gut unterwegs und fahren an die 450km durch bis Futaleufu, knapp vor der argentinischen Grenze. Am Anfang ist die Strecke asphaltiert. Dann geht es meist auf 1 1/2 Spuren durch den Wald. Manchmal regnet es leicht. Hin und wieder gibt es loseren Schotter. Der Regen ist zwar nicht sehr angenehm, bindet aber den Staub. Mit höherer Geschwindigkeit rauschen wir dahin, das Hinterrad tänzelt oft leicht auf dem losen Untergrund. Es ist eine Freude, auf dieser Strecke dahinzugleiten.

    Wie erwähnt, man sieht sich hier immer wieder. Über die drei Tage treffen wir auf der Strecke auch mehrmals auf eine Gruppe von vier Chilenen, die ein paar Tage unterwegs sind. Einer der vier hat ein Motorrad Geschäft, gibt uns Tipps wo wir Ersatzteile kaufen können.

    Die Suche nach einer Unterkunft ist im Moment etwas schwierig, weil hier Hochsaison ist. Das erste Hostel in Futaluefu ist voll. Wenige Meter weiter sehe ich bei einem Restaurant „Hostal“ mit Kreide auf eine Tafel geschrieben. Ich frage nach. Wir haben gesamt noch 46.000 CLP für die letzte Nacht in Chile übrig. Ab Morgen sind wir in Argentinien. Die Nacht, inkl. hervorragendem Frühstück, erhalten wir für 26.000 in einer Cabana mit großem Vorzimmer und großem Schlafzimmer … luxuriös. In einem Supermarkt kaufe ich für 4.000 noch etwas Wasser, Kekse und ein paar Bier.

    Das Hostal / Restaurant / Souvenir Geschäft wird von einem sehr netten jungen Ehepaar geführt, Sie kümmert sich um das organisatorische, Er steht in der Küche, des Weiteren geht eine Küchenhilfe mit zur Hand.

    Wir möchten im Restaurant zu Abend essen, ich sage: „Es ist unser letzter Tag in Chile. Wir haben noch 16.000 CLP übrig. Wir nehmen zwei Bier, für den Rest des Geldes kocht uns bitte irgendetwas.“ Der Koch zaubert uns zwei große, hervorragend schmeckende Teller Nudeln auf den Tisch.

    Am Morgen, der Abfahrt, werden wir mit einer Umarmung und „Buen Viaje“ auf die Reise gesendet. Ich habe so oft eine Herzlichkeit von fremden Personen in Südamerika erfahren. Ich hoffe, dass ich ganz viel davon mit nach Hause mitnehme und auch behalte.

    Weiter im Norden, in Rosario, hat die Dakar Rallye gestartet. Durch die verspätete Ankunft von Andis Motorrad können wir leider nicht dabei sein. Aber wir werden versuchen ein, zwei Etappen nachzufahren, wenn wir da oben sind.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

    seht euch auch Andis Video Highway to Hell an

  • weit sind wir nicht gekommen

    weit sind wir nicht gekommen

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    Andis Video über die ersten Tage

    22.12.

    Tagesausflug zum Fort Bulnes, etwa 60 km süd-östlich von Punta Arenas. Eine der ersten Siedlungen in dieser unwirtlichen Gegend, um die Magellan Straße zu überwachen. Nach ungefähr 6 Jahren sind sie ein Stück weiter nach Norden gezogen und haben Punta Arenas gegründet, weil sie die Wetter und andere Natur-Bedingungen da unten nicht ausgehalten haben.
    Wir treffen im Hostel zwei Burschen und ein Mädchen, die zu Fuß vier Tage noch ein Stück weiter nach Cabo Froward gewandert sind. Cabo Froward ist der südlichste Punkt des Festlandes. Sie erzählen, dass sie viele Flüsse und Bäche überqueren mussten. Es ist ihnen so vorgekommen, als würde die Erde das ganze Wasser, das durch den Kontinent rinnt, da unten ausweinen.

    23.12.

    Wir laufen von A bis Z alles ab und versuchen rauszufinden, wo wir hin müssen, um Andis Motorrad aus dem Zoll zu bekommen.
    Am frühen Nachmittag sehen wir dann im Internet, dass das Schiff angelegt hat. Wir fahren zum Frachthafen und fragen wie lange das abladen dauert und ob es noch möglich ist, das Motorrad am 24. Vormittag abzuholen. Wir erhalten die Antwort, dass sie das nicht genau sagen können. Bei starkem Wind werden die Container nicht vom Schiff gehoben. Man sieht, wer hier unten bestimmt, wann gearbeitet wird.
    Wenn ich so nachdenke, ich bin mir sicher, dass das Wort „Wind“ am häufigsten in meinem Blog vorkommt. Manchmal rüttelt er so stark am Motorrad, wenn es abgestellt ist, dass die Alarmanlage losgeht.

    Am Abend treffen wir Steve und Judy zum Essen. Auch sie sitzen auf unbestimmte Zeit in Punta Arenas fest und warten, dass ihr Ersatzteil eintrifft.

    24.12.

    Während ich mein Motorrad zum Mechaniker bringe, läuft Andi zum Hafen und startet einen letzten Versuch mit seinem Motorrad.

    Ich habe Glück. Mein Dichtring am Stoßdämpfer ist nicht kaputt. Es hat sich nur zu viel Dreck abgelagert und die Dichtung war einfach nicht mehr dicht und hat den Ölaustritt verursacht.

    Andi hat kein Glück. Der Container wurde zwar abgeladen, aber der Zoll öffnet diesen heute nicht mehr. Er bekommt zumindest ein Datum genannt – 26.12.

    Es macht für ihn keinen Sinn, mit nach Puerto Natales zu kommen. Wir entscheiden uns für eine Trennung. Andi bleibt in Punta Arenas. Ich mache mich auf den Weg nach Puerto Natales.

    Und während ich am frühen Nachmittag mit klammen Fingern und klappernden Zähnen Richtung Norden fahre, denke ich an euch zu Hause, wie ihr im warmen Wohnzimmer – vielleicht vor einem Kamin – sitzt und eure Geschenke auspackt.

    Im Hostel verbringe ich einen sehr netten Abend mit ein paar Leuten. Bis spät in die Nacht hinein sitzen wir zusammen und quatschen.

    25.12.

    Regenwetter. Punkt.
    Ich widme mich den gesammelten Werken von Sir Arthur Conan Doyle.

    26.12.

    Warten auf meinen Kumpel. Erneut liege ich weitgehend auf der Couch rum. Am Nachmittag erhalte ich endlich eine Nachricht, dass er und sein Motorrad vereint sind und dass er auf dem Weg nach Puerto Natales ist. Die ganze Prozedur hat etwas länger gedauert als angenommen. Wie Andi erzählt, mussten sie zu dritt auch noch auf die Jagd nach einem blinden Passagier in Form eines Insektes gehen.

    27.12.

    „Wieder unterwegs“, das war der ursprüngliche Titel dieses Artikels. Die nächsten zwei Tage werden wieder zu einer Herausforderung. Wir freuen uns, dass wir knapp zwei Wochen nach Andis Ankunft endlich mit zwei Motorrädern unsere gemeinsame Reise starten können. Wir kommen nicht sehr weit, schaffen gerade mal 200 km.
    Über die Ruta 9 fahren wir Richtung Nationalpark Torres del Paine. Eine wunderschöne Strecke. Wir bleiben ein paar mal stehen, um Fotos zu machen. Die wolkenverhangenen drei Zacken können wir auch aus der Entfernung betrachten, deshalb verzichten wir darauf, den teuren Eintritt in den Park zu zahlen. Bei der Ortschaft Torres del Paine überqueren wir die Grenze zu Argentinien mit dem Ziel El Calafate. Wir möchten 2 Nächte bleiben, um eine Tagestour zum Gletscher Perito Moreno zu machen.

    Kurz nach der Grenze bleibt Andi stehen. Irgendetwas stimmt nicht. Ich bemerke, dass sein Hinterreifen keine Luft hat. Andi ist keine 500km gefahren und hat seinen ersten Platten. Noch dazu der Hinterreifen. Der Vorderreifen wäre viel einfacher zu wechseln. El Calafate liegt noch 200 km vor uns.
    Andi hat noch einen zweiten Schlauch und wir beginnen den Hinterreifen auszubauen. Als wir diesen herunten haben, nähert sich ein Motorrad. Es ist Steve aus Amerika mit dem wir gemeinsam auf der Fähre von Porvenir nach Punta Arenas waren. Wir sind leider nicht mit Montiereisen ausgerüstet. Steve hingegen schon. Er bietet uns seine Hilfe an. Er sagt, dass er schon viele Reifen gewechselt hat und erklärt uns, wie man am besten vorgeht, wo man am ansetzt, worauf man acht geben sollte.

    Andis Hinterreifen hätte komplett neu sein sollen. Wir kommen drauf, dass der Schlauch viel zu groß für den Reifen war und drinnen verwurstet ist. Der Schlauch war auch nicht neu, sondern bereits zweimal geflickt. Ebenso war der Reifen entgegen der Laufrichtung auf der Felge montiert. Sein Reifenhändler hat da ordentlich was versaut. Da wir schon dabei sind, nehmen wir gleich den ganzen Reifen von der Felge, um auch diesen Fehler zu korrigieren. Von der Felge genommen sehen wir dann, dass der Reifen innen komplett aufgerieben ist, Gummistücke fallen heraus. Steve meint sofort, der neue Schlauch wird sehr schnell kaputt gehen.

    Wir entscheiden uns trotzdem den Ersatzschlauch einzubauen und zu versuchen so weit wie möglich zu fahren. Nach ungefähr 2 1/2 Stunden mühsamer Arbeit sind wir bereit, weiter zu fahren. Steve sollte recht behalten. Andi kommt nur wenige Kilometer weit und der Hinterreifen ist wieder platt. Auf meinem GPS Gerät sehe ich, dass sich etwa 30 km weiter eine Tankstelle befindet. Andi fährt langsam und schlingernd mit seinem platten Reifen weiter.
    Steve bleibt bei uns. Sein Sprit wird knapp. Wir erreichen die Tankstelle Tapi Aike. Es ist bloß ein Außenposten. Zwei Zapfsäulen, eine Mini Shop, wo man das Notwendigste kaufen kann, eine Polizeistation mit Zusatzgebäude und eine Garage. In einer offenen Halle stehen ein paar Baufahrzeuge rum. Sprit wird aktuell keiner verkauft, den gibt es nur für Einheimische und Notfälle. Es sind gerade mal 4 Leute hier. Der Tankwart, der nicht immer da ist. 2 Polizisten und ein Bauarbeiter, der aber nur temporär hier ist, weil er auf einer der Estancias etwas baggern muss. Es gibt kein Telefon, kein Mobilfunknetz und auch über Funk kann man El Calafate nicht erreichen. Wo sind wir hier? Werden die Polizisten hierher strafversetzt, wenn sie Mist gebaut haben?

    Wir überlegen einen Plan und entscheiden dann, dass Andi in Tapi Aike campt, ich heute 110 km zurück nach Puerto Natales fahre, morgen 250 km nach Punta Arenas, um einen Reifen und einen Schlauch zu kaufen.
    Wir rechnen das zeitmäßig durch. Wenn ich gegen 7 starte, bin ich in 3 1/2 Stunden in Punta Arenas. Ich brauche ca. 2h bis 2 1/2h bis ich einen Reifen und Schlauch finde und bin gegen 16 Uhr wieder bei Andi. Er bereitet alles soweit vor, dass wir gleich mit der Arbeit beginnen können. Wir schaffen es in zwei Stunden den Reifen zu montieren und erreichen dann El Calafate, das noch ca. 160 km entfernt liegt, gegen 20 Uhr abends.
    Für mich wird es eine verdammt harte Tour. 75 0km an einem Tag, aber es ist zu schaffen. Soweit unser Plan.

    Ich verlasse die beiden. Andi gibt Steve noch 2 Liter Benzin, damit dieser es bis zur nächsten Tankstelle schafft. Ein Polizeibeamter zeigt Andi einen Platz, wo er ein Zelt aufstellen kann. Die Nacht ist eisig und Andi hat keinen Schlafsack. Am nächsten Tag wacht Andi neben einer Katze und einem Hund auf, die ebenfalls Unterschlupf in seinem Zelt gesucht haben.

    Aufgrund der vielen Wechsel zwischen Chile und Argentinien und der vielen Aufregung, weiß ich schon gar nicht mehr, in welchem Land ich gerade bin und in welches ich einreisen möchte. Die Grenzbeamten möchten wissen, warum ich am selben Tag wieder zurück nach Chile möchte. Gegen 21 Uhr erreiche ich Puerto Natales, komme in einem Hostel unter und versuche noch über Internet rauszufinden, wo es in Punta Arenas Reifen gibt. Der andere Steve, mit Judy, gibt mir Tipps. Wie erwähnt, sitzen die beiden ja auch noch immer in Punta Arenas fest und warten auf die Teile für ihre Harley.

    28.12.

    Unser Plan von gestern war ja gut durchdacht. ABER … wir haben einen wichtigen Faktor vergessen … Das Wetter!
    Am Morgen regnet es. Das ist bei dieser Kälte zwar nicht so fein, aber was soll ich machen? Ich mache bei meiner Kleidung dicht, was dicht machen geht und fahre kurz nach 7 Uhr los.

    Die Handschuhe sind bereits nach kurzer Zeit durchnässt. Mehrmals bleibe ich stehen und halte meine Hände hinten an den Auspuff, um sie zu wärmen. Ich ziehe noch ein paar Socken über meine Handschuhe, das hilft aber auch nur begrenzt. Kurzzeitig schneit es dann auch noch. Etwa 50km vor Punta Arenas wird das Wetter zum Glück besser.

    Wegen dem schlechten Wetter und den Pausen, ist es schon nach 11 Uhr, als ich endlich in Punta Arenas ankomme. Ich fahre zuerst zum BMW Mechaniker, der mir Tage zuvor meinen Stoßdämpfer repariert hat. Der hat geschlossen. Ich fahre weiter zu einem Honda Händler, den wir bei einem Spaziergang entdeckt haben. Dieser hat keinen passenden Reifen. Ich fahre weiter in die zollfreie Zone. Dort erhalte ich beim dritten Geschäft endlich einen Reifen. Schlauch haben sie keinen. Der Verkäufer telefoniert rum und gibt mir eine Adresse, wo ich einen passenden Schlauch erhalte. Dort muss ich eine Nummer ziehen.
    Ich habe Nummer 48, aktuell wird Nummer 28 bedient. Es ist 12:10. Samstags schließen die Geschäfte um 12:30. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr bedient werde und mache mich bereit, wenn notwendig, um Hilfe zu betteln. Als ich den Schlauch in Händen halte, ist es schon fast 12 Uhr 45. Ich habe keine Chance mehr Montiereisen zu beschaffen.

    In Punta Arenas ist es warm und sonnig. Die Leute laufen mit kurzen Ärmeln rum. Ich hoffe bloß, dass sich das Unwetter im Norden verzogen hat oder dass es sich zumindest abgeregnet hat. Weit gefehlt, es wird viel schlimmer. Als ich mich wieder den Wolken nähere, wird es eisig kalt. Zuerst beginnt das Wasser der Regentropfen an meinem Visier zu frieren. Bald darauf beginnt es stark zu schneien. Die großen nassen Schneeflocken klatschen mir an den Helm und nehmen mir nach wenigen Sekunden die Sicht. Andauernd wische ich mit meiner linken Hand das Visier frei. Manchmal stecke ich die Hand zwischen die Beine, um sie ein wenig zu wärmen. Meine rechte Hand am Gashebel ist dem Wetter gnadenlos ausgeliefert.

    Für gut 100 km quäle ich mich durch einen heftigen Schneesturm. Die Landschaft färbt sich langsam in weiß. So sieht der Sommer in Patagonien also aus.
    Ich denke nicht, ich fühle nicht, ich klammere mich bloß an meinem Motorrad fest und gebe Gas. In Puerto Natales tanke ich noch mal auf und trinke zitternd eine heißen Becher Kaffee. Der verschwindet ohne Wirkung in meiner kalten Kehle. Bei der Passkontrolle zu Argentinien bildet sich eine Pfütze um mich, weil mir das Wasser aus Ärmeln und Hose tropft.

    Kurz nach 18 Uhr komme ich endlich bei Andi an. Keine Zeit zu plaudern, sehen wir zu, dass wir fertig werden! Andi beginnt mit der Montage. Ich setze mich kurz an den Ofen, um mich ein wenig aufzuwärmen, dann helfe ich Andi. Zeitweise bekommen wir auch Unterstützung von dem Bauarbeiter. Der Bauarbeiter hat ein frisches Lamm und fragt uns, ob wir mit ihm Abendessen möchten, er kann es in den Ofen schieben. Ich lehne dankend ab und sage, dass wir so schnell wie möglich von hier weg wollen.
    Nach 2 Stunden ist der Reifen endlich fertig. Aufpumpen. Die Luft bleibt nicht im Reifen. Es ist zum Mäuse melken. Ohne richtiges Werkzeug haben wir den Schlauch wohl kaputt gemacht, als wir den Reifen auf die Felge gewuchtet haben.

    Langsam kriecht Verzweiflung hoch. Was tun? Andi meint, er hält mich nur auf, ich soll alleine weiterfahren, er wird schon irgendwie weiter kommen. Aber es wird niemand zurückgelassen.
    Nach der heutigen Fahrt will ich nicht und kann ich nicht hier draußen bleiben. Wir treffen erneut eine Entscheidung. Andi bleibt eine weitere Nacht hier. Diesmal darf er drinnen schlafen. Ich fahre nach El Calafate, organisiere dort ein Hostel, sehe mich am nächsten Morgen nach irgendeiner Lösung um und komme zurück. Andis Plan war, den kaputten Reifen zu montieren und die 160 km Nach El Calafate zu fahren. Eine verrückte Idee.

    Ich komme gegen 22 Uhr im Hostel an, laufe dann noch durch ein paar Geschäfte, um Geld auf dem „Schwarzmarkt“ zu wechseln. Das heißt, in kleinen Lebensmittelmärkten oder Souveniershops zu fragen. Der offizielle Kurs liegt bei 1USD = 6 Pesos. Auf dem „Schwarzmarkt“ kriegt man zwischen 8 und 9 Pesos für 1 USD. Danach kaufe ich noch etwas zu essen. Ein Sandwich, eine 200ml Flasche Whiskey und Wasser. Der Verkäufer spricht englisch und meint: Eine seltsame Kombination.
    Vom ständigen Kopf einziehen und gegen den Wind ankämpfen, der dauernd am Helm rüttelt, bin ich am Genick und Schultern vollkommen verspannt. Nachdem ich gegessen und ein paar Schlücke aus der kleinen Flasche genommen habe, falle ich nur mehr erschöpft ins Bett.

    29.12.

    Ausgeruht bin ich bei weitem nicht. Gegen 10 Uhr fahre ich los zu Andi. Meine Idee: Andi samt Reifen und Felge aufzuladen und nach El Calafate zu bringen. Den Reifen am nächsten Tag reparieren zu lassen – heute ist Sonntag – und ihn zurück zum Außenposten zu bringen, um das Motorrad zu holen.
    Als ich in Tapi Aike ankomme, kann ich meinen Augen nicht trauen. Andi ist bereit abzufahren – mit seinem Motorrad, mit dem neuen Reifen und einem geflickten Schlauch. Der Halunke hat es doch tatsächlich alleine geschafft, alles wieder hinzukriegen – den Schlauch zu flicken und den Reifen auf die Felge zu wuchten.
    Bis 11 Uhr abends hat er gearbeitet. Er ist noch rechtzeitig fertig geworden, bevor sie den Stromgenerator abgedreht haben und alles dunkel wird. Nach den zwei Tagen ist auch er fix und fertig. Zwei mal fällt er einfach samt Motorrad um, als wir auf der Strecke nach El Calafate kurz stehen bleiben. 10 km vor El Calafate geht ihm auch noch der Sprit aus. Es ist ein Drama.
    Als wir endlich am frühen Nachmittag das Hostel erreichen, nimmt er nur noch eine Dusche. Binnen Sekunden schläft er ein.

    Wir bleiben bis 2. Januar 2014 in El Calafate. Wir brauchen eine Pause.

    Als wir Abends essen gehen, treffen wir wieder auf Steve. Steve ist 55 Jahre alt und hat viele Jahre als Lehrer in Afrika gearbeitet. Er ist seit 18 Monaten unterwegs, in Afrika, Asien und jetzt in Südamerika. Die Wiedersehensfreude ist groß. Wir sitzen am Abend gemütlich in unserem Hostel bei zwei Flaschen Wein zusammen und erzählen Geschichten.

    Danke fürs Lesen und einen guten Rutsch, Jürgen.

    Besucht auch Andis Beitrag, um seine Version der Geschichte zu lesen

  • Wo geht es hier nach Alaska?

    Wo geht es hier nach Alaska?

    Album

    … aber zuerst Mal die Geschichte zur letzten Etappe nach Ushuaia.

    17.12.

    Wir stehen sehr früh auf. Um 9 Uhr geht die Fähre nach Isla Grande de Tierra del Fuego. Eine Stunde vorher „muss“ man am Fährhafen sein. Auch einige Leute aus dem Hostel sind vor Ort. Ein Franzose, der seit gut 2 1/2 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein paar Backpacker, die Isla Magdalena mit ihren vielen Pinguinen besuchen wollen. Steve und Judy treffen mit ihrer Harley ein. Mit ihnen wollen wir gemeinsam bis über die argentinische Grenze fahren.

    Die Überfahrt nach Tierra del Fuego dauert knapp 2 1/2 Stunden. Die Insel ist zweigeteilt. Ein Teil gehört Argentinien, ein Teil Chile. Die ersten 150km sind erneut Schotterpiste, aber in einem sehr guten Zustand, es staubt bloß sehr. Wir fahren Richtung Osten, haben Rückenwind und kommen gut voran.
    Wenn man in einer Gruppe fährt, ist der Blick ständig im Rückspiegel. Mal verliert man sich, weil jemand Pinkelpause macht, aber es kann auch andere Gründe geben.
    Andi und ich haben die Führung. Nach ungefähr 120km verlieren wir Steve und Judy aus den Augen.
    Nachdem wir ein, zwei Minuten gewartet haben und die beiden nicht auftauchen, steigt Andi ab und ich kehre um. Die Harley steht am Straßenrand. Steve ist am schrauben. Er weiß noch nicht was los ist. Ich sehe zu. Nach einer Weile hole ich Andi ab, der gut 1 1/2 Kilometer weiter wartend am Straßenrand sitzt.
    Steve hat keine guten Nachrichten. Er hat die Abdeckung des Motors abgeschraubt. Die Erde ist schwarz vom Motoröl getränkt. Während Steve die Ursache ermittelt, bemerke ich, dass bei einem meiner vorderen Stoßdämpfer massiv Öl austritt. Der Dichtring ist kaputt. Im Vergleich zu Steves Problem ziemlich harmlos.

    Bei der Harley ist eine Antriebskette im Motor gerissen. Eine Reparatur vor Ort ist nicht möglich. Er braucht einen Truck.
    Gut, die Grenze zu Argentinien liegt ungefähr 30 km entfernt. Ich fahre los. An der Grenze frage ich, wo es Hilfe gibt. Ein Polizeibeamter sagt mir, 15 km zurück an der Strecke gibt es einen Mechaniker in einer Estancia.
    Ich fahre also wieder zurück, halte an der Estancia an und erkläre was los ist. Arturo, der Mechaniker, nimmt seinen Werkzeugkoffer und steigt ins Auto. Ich sage: Nein, wir benötigen keinen Mechaniker, wir benötigen einen Abschleppwagen. Arturo ruft einen Bekannten an und sagt mir dann, dass dieser in ungefähr einer Stunde kommt. Ich fahre zurück zu Steve, Judy und Andi.
    Wir warten. Der Wind weht stark, die Sonne brennt vom Himmel. Eingepackt in unsere Motorradkleidung, Gesichtsmasken und Tücher sitzen wir am Straßenrand … mal plaudernd, mal schweigend in Gedanken versunken. Der Verkehr ist dicht. Von den vorbeifahrenden Autos, LKWs und Bussen werden wir mit Staub bedeckt.
    Auch nach 1 1/2 Stunden ist kein Pickup da. Ich fahre erneut zur Estancia, Arturo ruft erneut seinen Kumpel an. Dieser verspricht zu kommen. Ich warte in der Estancia. Der Pudel der Familie ist anfangs etwas eingeschüchtert von mir, giert aber nach Streicheleinheiten, sobald er sich an mich heran getraut hat.
    Ich frage, ob der Wind hier das ganze Jahr weht. Arturo meint: Ja, aber im Moment ist er nicht so stark. Ach? Nicht so stark?
    Nach gut einer Stunde erscheint der Pickup. Zurück bei Judy, Steve und Andi verladen wir die Harley, mit Unterstützung von anderen Motorradfahren, die gerade vorbeikommen und den Luxus eines Begleitwagens genießen, auf den Pickup Truck. Steve und Judy müssen zurück nach Porvenir, mit dem kaputten Motorrad dürfen sie nicht nach Argentinien einreisen, Andi und ich fahren weiter Richtung Grenze.

    Gegen 19 Uhr wechseln wir auf die argentinische Seite. Wir haben noch knapp 300 km vor uns. Da wir in Ushuaia ein Hostel gebucht haben, entscheiden wir die Anstrengung auf uns zu nehmen und durchzufahren. Die Geschwindigkeit ist diesmal etwas höher als sonst. Wo es möglich ist, sind wir mit 110 bis 120 km/h unterwegs. Wir fahren gegen den Sonnenuntergang und kämpfen gegen Wind und Kälte. Ein Glück, dass es erst gegen halb elf Uhr Abends dunkel wird. Müde und durchfroren kommen wir mit dem letzten Tageslicht in Ushuaia an. Das Zielfoto geht sich leider nicht mehr aus.

    18.12.

    Heute bringen wir die letzten Kilometer ans „Ende der Welt“ hinter uns, welches durch das Ende der Straße „Ruta 3“ im Nationalpark Tierra del Fuego gekennzeichnet ist. Große Fotosession. Einige Touristen fragen, woher wir sind, wie lange wir unterwegs sind. Ein paar machen Fotos von den „verrückten“ Motorradfahrern, von uns, mit uns, mit dem Motorrad. Es ist fast so, als hätte man ein Rennen gewonnen.
    Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich in Ushuaia.

    19.12.

    Ein schöner Flecken Erde dieses Patagonien. Die Natur ist einfach nur atemberaubend. Gerne würden wir länger verweilen. Leider bleibt uns keine Zeit. Aber ich komme bestimmt wieder.

    Ab heute geht es Richtung Norden.
    Rio Grande, das mittendrin auf der Strecke liegt, hat wenig Flair. Wir halten bloß zum Tanken, fahren die ganze Strecke zurück und übernachten in Porvenir, einem kleinem Städtchen gegenüber von Punta Arenas. Unsere Fähre geht erst am nächsten Tag.

    Im Hostel treffen wir auf Pablo, seinen Vater und einen Bruder. Sie sind Obsthändler, handeln vorwiegend mit getrockneten Früchten, Datteln, Nüsse, Pistazien,… . Zum Teil kommt die Ware aus Chile, zum Teil importieren sie aus verschiedenen Teilen der Welt und fahren dann mit ihrem Pickup durch Südchile, um diese Früchte zu verkaufen. Mit ihnen verbringen wir einen lustigen Abend im Hostel.

    Leider erhalten wir auch eine schlechte Nachricht. Andis Motorrad verzögert sich erneut um zwei Tage und kommt erst am 23.12. Abends in Punta Arenas an. Es ist nicht sicher, ob wir das Motorrad noch vor Weihnachten aus dem Zoll kriegen. Wir hoffen auf ein kleines „Weihnachtswunder“.

    20.12. – 21.12.

    Zurück in Punta Arenas.
    Die nächsten drei Tage heißt es warten, da wir Wochenende haben, gibt es auch keine Antworten vom Spediteur oder von den Leuten vor Ort. Das Ganze ist etwas mühsam und drückt auf die Stimmung. Punta Arenas ist zwar ganz nett, aber wir hätten die Zeit gerne an einem gemütlicheren Ort abgewartet.
    In Punta Arenas gibt es eine BMW Werkstatt, die ich am Samstag Vormittag besuche, um meinen Dichtring austauschen zu lassen. Auch hier ist über das Wochenende geschlossen. Es ist ein Drama.

    Wie es weitergeht und ob wir Andis Motorrad noch erhalten haben, meines repariert wurde und wie wir Weihnachten verbracht haben, erfährt ihr im nächsten Beitrag.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest.

    Wie immer Danke fürs Lesen, Jürgen.P.S.
    Fünf Monate On und Off the Road hinterlassen sichtbare Spuren beim Material. Im Album ein paar Fotos über den aktuellen Zustand.

     

  • Am Ende der Welt

    Am Ende der Welt

    161 Tage, 29.457 km, 13 Länder.

    Wir sind am Ende der Welt angekommen. Etwas anders als erwartet mit einem Motorrad, aber wir sind da.

    Es war ein gebührender Abschluss. Steve und Judy, mit denen wir die ersten km gemeinsam zurücklegen wollten, hatten ein ziemliches Pech. Mitten in der Pampa, 13okm von Punta Arenas und 3okm vor der argentinischen Grenze, aber noch immer weit weg von der nächsten Stadt, ist eine Antriebskette im Motor der Harley gerissen. Es hat fast 5h gedaurt, bis ihr Motorrad auf einem Pickup geladen wird.

    Andi und ich sind gegen 19 Uhr über die Grenze. Wir haben uns noch fast 300km durch Wind und Wetter gekämpft und sind um halb 11 Uhr abends in Ushuaia angekommen. Das Zielfoto musste bis zum nächsten Tag warten. Den Bericht im Detail gibt es in Kürze.

    Ich freue mich unheimlich. Das Ende einer schon jetzt abenteuerlichen Reise und gleichzeitig  ein Neubeginn. Ich bin schon irrsinnig gespannt, was mich – bzw. für die nächsten 3 Monate, Uns – auf der Fahrt Richtung Norden erwartet.

    Danke an meine Leser. Es steht einiges auf dem Plan und ich hoffe, dass ihr auch weiterhin dabei seid.

    Nächstes Ziel: Prudhoe Bay, Alaska … das andere Ende der Welt.

    Gruß, Jürgen.

  • Fast da

    Fast da

    12.12. – 13.12. 

    Wenn ich morgens meine vielen Schichten an Kleidung anziehe, kommt es mir vor, als würde ich mich auf einen Flug in den Weltraum vorbereiten und nicht auf eine Fahrt mit dem Motorrad. So stelle ich mich heute wieder als Spielball der Natur zur Verfügung. Ich setze erneut über nach Chile. Puerto Natales liegt nicht weit hinter der Grenze. Bei der Grenzkontrolle lasse ich schnell einen Apfel am Straßenrand verschwinden. Hatte doch glatt vergessen, dass hier alles durchsucht wird. Das Röntgen der Taschen bleibt mir diesmal erspart, aber die Dame vom Gesundheitsministerium möchte überall reinsehen und ein wenig stöbern.

    Langsam geht mir mein Bargeld aus. In Andis Gepäck befindet sich meine neue Bankomatkarte und ein paar neue USD. Die letzten Tage war es meist Mikrowellen Futter aus dem Supermarkt. Der letzte Haarschnitt liegt auch schon eine Weile zurück.

    In Puerto Natales treffe ich auf der Straße wieder mal auf zwei Österreicher, diesmal zwei Steirer, die mit ihrem umgebauten Landcruiser Pickup auch schon länger unterwegs sind. Sind auch von Norden gekommen, ihr nächstes Ziel ist auch Alaska. Die Konzentration an „Welt“-Reisenden wird immer größer. Der Flaschenhals, wenn man so sagen will, wird immer enger. Umgebaute Pickups, Wohnmobile, Motorradfahrer und Radfahrer. Viele Deutsche und Franzosen sind unterwegs, die Franzosen meist in Gruppen von zwei bis vier Fahrzeugen.

    Die Natur nimmt teilweise bizarre Formen an. Vom Wind gestaltet stehen die Bäume schief in der Landschaft, die Baumkronen zeigen alle in eine Richtung. Hellgrünes Moos hängt wie in Fetzen in den Ästen.

    14.12. Besuch aus der Heimat!

    Ich treffe am frühen Nachmittag in Punta Arenas ein. Per Mail und SMS hält mich Andi auf dem Laufenden, wo er im Moment ist. 4 Mal umsteigen, alles verläuft wie geplant. Gegen halb sieben empfange ich ihn am Flughafen.

    Die Freude ist groß, es wird gefeiert. In zwei Lokalen machen wir Sperrstunde.

    15.12.

    Am Sonntag ist Wahltag. An einem Wahltag ist es bei Gesetz verboten, Alkohol auszuschenken und zu verkaufen. Im Supermarkt sind die Regale versperrt. Auch die Restaurants haben geschlossen. Die Chinesen scheinen von diesem Gesetz ausgenommen zu sein. Wir essen daher in einem der zwei geöffneten chinesischen Restaurants und erhalten dort auch Bier. Da Andis Motorrad mit einer Woche Verspätung ankommt, überlegen wir, wie wir die Zeit am besten nutzen können. Wir entscheiden das Wichtigste für vier Tage einzupacken, den Rest im Hostel zu lassen und mit einem Motorrad Richtung Ushuaia weiter zu fahren.

    Am Vormittag fahren wir zum Fährhafen, um die Überfahrt zu reservieren. Leider werden heute nur die Tickets für die aktuelle Überfahrt verkauft. Wir sehen zu, wie sich die Fähre langsam mit Fahrzeugen und Passagieren füllt. In zwei Tagen wollen auch wir uns auf das Schiff begeben.

    Nur noch eine Barriere aus Wasser und wenige hundert Kilometer trennen mich vom „Ende der Welt“. Ich kann es kaum erwarten, anzukommen.

    16.12.

    Heute zu Fuß unterwegs. Erneut zum Fährhafen, der gute 5 km vom Hostel entfernt liegt. Wir reservieren die Überfahrt. Auf dem Rückweg sehen wir zufällig Steve und Judy, die uns mit dem Motorrad entgegenkommen. Sie möchten noch heute auf Feuerland übersetzen, Fähre geht keine, heute ist Ruhetag. Wir sehen uns morgen um 9 Uhr am Hafen wieder, wie sie mir später per mail mitteilen.

    Vielleicht mag es für den ein oder anderen seltsam klingen, aber morgen ist ein wichtiger Tag für mich auf dieser Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Lamas kreuzten seinen Weg

    Lamas kreuzten seinen Weg

    Album

    Die Überschrift würde sich hervorragend als Buchtitel eignen. 🙂
    Der letzte Beitrag ist schon eine Weile her. Anfang Dezember habe ich eine Erkältung eingefangen, die ich eine Weile mitgeschleppt habe. Das kalte Wetter hat auch nicht unbedingt zur vollständigen Genesung beigetragen. Da hatte ich ganz einfach nicht viel Lust zu schreiben oder großartig etwas zu unternehmen. Mittlerweile geht es mir wieder gut und ich bin schon weit im Süden in El Calafate angekommen. Aber der Reihe nach.

    30.11. – 02.12.

    Noch in Valdivia in Chile.
    Christian, ein Gast aus Uruguay im Hostel, wollte die letzte Nacht mit dem Bus nach Argentinien weiterreisen. Er ist aber spät abends wieder ins Hostel zurück gekommen. Es geht kein Bus mehr. Anscheinend streiken die Zollbeamten, es dürfte tagsüber aber einen Notbetrieb geben. Ich versuche es und fahre am Morgen Richtung Argentinien los, im schlimmsten Fall muss ich umkehren.
    Die Befürchtungen sind unbegründet. An der Grenze ist wenig los, die Aus- und Einreise dauert nicht sehr lange.
    Bald hinter der chilenischen Grenze ändert sich die Landschaft drastisch. Ein weiterer Landstrich ist grau und düster. Die Bäume sind tot und die Landschaft ist mit Schotter bedeckt. Das Ergebnis von Vulkanausbrüchen? Ich kann es nicht rausfinden.

    Die nächsten 2 Tage bin ich in Bariloche. Landschaftlich sieht es aus wie in der Schweiz. Die Architektur in Bariloche ist eindeutig aus diesem Teil Europas geprägt. Auch die Schokolade haben sie mitgebracht. Auf der Hauptmeile von Bariloche findet sich alle paar Meter ein Geschäft, das die Süßigkeit in allen Formen anbietet. Schokoladepaste, Schokoladeriegel, Schokoladefiguren, Schokoladekonfitüre, Schokoladeeis, Schokoladebier, selbst einige Häuser sind aus Schokolade. Die Eigentümer haben alle Hände voll zu tun, um die Kinder fern zu halten, die mit gierigen Blicken um die Häuser schleichen. Am Ortsrand gibt es auch ein Schokolademuseum.

    Ich nutze die Gelegenheit, um mich körperlich mal wieder etwas zu betätigen. War schon lange nicht der Fall. Ungefähr 25 km von Bariloche in der Nähe von Llao Llao gibt es mehrere Wanderwege durch den Wald.
    Die Kronen der hohen Bäume schwanken laut knarzend meterweit im starken Wind hin und her. Ich muss zugeben, das ist ein wenig beängstigend. Entlang des Weges liegen viele abgebrochene Äste und Bäume. Wär‘ doch blöd gerade hier von einem fallenden Ast erschlagen zu werden. Ich sehe zu, dass ich weiter komme.

    03.12.-04.12.

    Die Fenster im Zimmer im Hostel waren nicht ganz dicht. Es hat ganze Zeit gezogen. Heute morgen fühle ich mich nicht so gut. Eine Erkältung ist im Anmarsch. Bei „kuscheligen“ 5 Grad C mache ich mich trotzdem auf den Weg.
    Auf der berühmten Ruta 40 fahre ich gegen Süden. Anfangs noch durch die „Alpen“. Langsam wird die Landschaft karg und die Berge werden zu sanften Hügeln. Der Wind nimmt an Stärke zu. Gegen die Böen, die mich hier manchmal durchrütteln, war der Wind in der Atacama ein Mailüfterl. Mit allen Mitteln versuche ich, die Kälte und den Wind davon abzuhalten, durch meine Kleidung zu kriechen. Mit Klettbändern mache ich meine Ärmel dicht.

    Mit leichtem Fieber komme ich in Esquel an. Ich treffe noch auf Hadas, ein Mädchen aus Israel, das den ganzen Süden rauf und runter getrampt ist. Mit ihr unterhalte ich mich eine Weile und lasse mir ein paar Tipps geben. Danach hole ich bloß noch ein Medikament aus der Apotheke, etwas Nahrung aus dem Supermarkt und verschwinde ins Bett.

    Am nächsten Tag bleibe ich weitgehend im Bett. Dann sehe ich mir die Route bis nach El Chaltén nochmal an. Die nächste Etappe wäre ca. 550 km, die übernächste knapp 600km. 550 km hatte ich in der Atacama schon hinter mir. Aber da waren die Bedingungen bei weitem besser als hier. Bei diesen Temperaturen sind, zumindest für mich, 300km das Maximum am Tag.

    05.12.

    Das leichte Fieber habe ich zurückgedrängt. Ich entscheide mich, wie geplant weiter zu fahren. Heute ist es etwas angenehmer. Der Wind ist nicht so stark, die Sonne scheint bei einem wolkenlosen Himmel.
    Die Flora ist karg, braun mit grünen Büschen und vertrocknetem Gras, die Fauna ist jedoch sehr lebhaft. Sehr viele Lamas auf der ganzen Strecke, Schafe, Kühe, Wildpferde und eine Straußenart. Manchmal stehen sie auf oder nahe der Straße, flüchten aber, wenn ich mich nähere.
    Pertio Moreno ist bloß eine Zwischenstation im weiten Nichts. Wieder eine dieser Inseln umgeben von Land.

    06.12.

    Auf dem Weg nach El Chaltén geht es irgendwann ab auf eine Schotterpiste, die es in sich hat. Die Spuren sind ausgefahren. Zwischen den Spuren hat sich der lose Schotter gesammelt, manchmal ist die Piste fest, oft findet sich nur tiefer loser Schotter. Der Wind weht von der Seite. Verbissen versucht man das Motorrad bei höherer Geschwindigkeit in der 30 cm breiten Spur zu halten. Gerät man doch mal in den losen Untergrund, schlingert man gefährlich dahin. Der Adrenalinspiegel schießt hoch. Geschwindigkeit reduzieren und versuchen, auf die feste Spur zu gelangen.
    Irgendwo mittendrin treffe ich auf Judie und Steve, ein etwas älteres Pärchen aus den USA. Sie sind seit ungefähr 8 Monaten mit einer Harley unterwegs – mit einer Harley auf dieser Strecke. Ich folge ihnen, da ich nicht sicher bin, ob mein Sprit bis zur nächsten Tankstelle reicht, sie haben noch einen Kanister dabei. Laut knatternd fahren sie vor mir her. Steve erzählt später: „Ich bin mit dem Motorrad auf Straßen gewesen, wo ich nicht hätte fahren sollen.“ Vieles ist kaputt gegangen, aber kleinere Sachen kann er selbst reparieren.
    150 km geht es so dahin. Eine anstrengende Fahrt, aber es hat Spaß gemacht. Die neue asphaltierte Straße ist bereits im Bau, nur darf man auf der noch nicht fahren. Die Abenteuer werden immer weniger. Nach und Nach wird alles zugepflastert.

    El Chaltén ist ein kleines Dorf am Fuße des Mount Fitzroy. Besteht bloß aus Unterkünften, Restaurants, Souvenir- und anderen Geschäften mit allem, was der Trekker und Bergsteiger so benötigt. Von 1 bis 3 Tagestouren rund um den Mount Fitzroy und dem Gletscher ist hier alles zu haben.

    Die Nähe zur Antarktis macht sich immer mehr bemerkbar. Die Berge sind nicht hoch 1.000m bis 2.500m ein paar Ausreisser über 3.000m. Schneebedeckt sind sie alle. Gletscher winden sich bis tief in das Tal hinab.
    Hier unten im Süden bleibt es auch sehr lange hell. Finster wird es erst gegen halb 11 Uhr abends.

    07.12.

    Ich bleibe weitgehend schlafend im Hostel. Meine Erkältung ist noch nicht weg. Für einen 20 km Marsch zum Gletscher und zurück fühle ich mich nicht fit genug.

    08.12. – 11.12.

    Eine kurze Fahrt nach El Calafate, kurz heißt etwa 200 km oder 3 Stunden. Geplant habe ich nicht viel, ich möchte meine Erkältung auskurieren. El Chaltén liegt landschaftlich schöner eingebettet, El Calafate ist aber etwas größer und hat eine bessere Infrastruktur. Ich verbringe die Tage im Hostel meistens vor dem Fernseher. Das hilft, um Husten und Schnupfen weitgehend loszuwerden. Der Besuch von Gletschern und dergleichen muss etwas warten.

    Unterdessen erreicht mich eine schlechte Nachricht von Andi. Die Auswirkungen des Streiks der Zollbeamten in Chile machen sich bemerkbar. Andis Motorrad steckt noch immer in Valparaiso fest. Ihr könnt euch vielleicht erinnern. Vor über drei Wochen habe ich das Schiff aus Europa einlaufen sehen. Das Motorrad kommt voraussichtlich mit einer Woche Verspätung in Punta Arenas an. Das wirft die Organisation etwas durcheinander.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.