Schlagwort: Chile

  • liebes Tagebuch

    liebes Tagebuch

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    Nicht viel los dieser Tage. Es sind knapp drei Wochen und etwa 2.500 km bis nach Punta Arenas. Ein Katzensprung. Die Route und die Zwischenstops stehen fest, also habe ich Zeit. Ich bleibe eine weitere Nacht in Pucón.

    25.11., 26.11.

    Heute wollte ich eigentlich abreisen. Aber manchmal sorgen andere Kreaturen dafür, dass mir auf meiner Reise nicht fad wird. Ich kontrolliere täglich in der Früh mein Bankkonto. Zurecht, wie sich heute zeigt. Irgendwo auf meiner Reise hat man meine Bankomatkarte kopiert und am Wochenende in der Dominikanischen Republik umgerechnet 750 EUR abgehoben. Dumm sind die Gauner ja auch nicht. Geld, dass am Wochenende abgehoben wird, ist erst am Montag auf dem Konto sichtbar. Also Karte sperren lassen und mit der Bank kommunizieren.

    Am nächsten Morgen erhalte ich die positive Nachricht, dass ich mein Geld mit ziemlicher Sicherheit wieder zurück bekomme. Da es ein Skimming Fall ist, ich in Chile und noch immer im Besitz meiner Bankomatkarte bin und das Geld in der Dominikanischen Republik abgehoben wurde, ist das über die Bankomatkartengesellschaft versichert. Ich bleibe somit nur auf der Gebühr für die Kartensperre sitzen. In etwa drei Wochen werde ich es wissen.

    Ich weiß nicht, wo ich lang fahre, aber die Gegend ist schön. Am Straßenrand stehen immer wieder Schilder mit „Ruta de siete Lagos“. Mir wird klar, warum die ganzen Europäer in diese Gegend gezogen sind. Weil es hier aussieht wie bei uns und auch das Klima relativ ähnlich ist. Viele deutsche Straßennamen, „Zimmer frei“, „Cafe y Kuchen“ gibt es alle paar km und in manchen Restaurants liegen deutsche Speisekarten auf. Etwa drei Stunden später komme ich in Valdivia an.

    27.11., 28.11.

    Valdivia liegt nicht direkt am Meer, sondern ein paar Kilometer Inlands, wo die Flüsse Río Calle Calle und Río Cau Cau zusammenkommen. Es gibt einen täglichen Fischmarkt an der Wasserfront, wo man den Fischern bei der Arbeit zusehen kann.

    An der Wasserfront liegen auch Mähnenrobben – auch Südamerikanische Seelöwen genannt – in der Sonne. Lt. Wikipedia werden die Tiere 2 1/2 Meter groß und etwas 300 kg schwer. Yup, das kann ich bestätigen. Sie sind ziemlich beeindruckend und ständig am streiten. Zahm wirken sie nur, wenn die großen Tiere im Fischmarkt direkt hinter den Arbeitern sitzen und ihnen die Fischköpfe direkt ins Maul geschmissen werden. Was sonst an Resten übrig bleibt wird von Möwen, Geiern und anderen Seevögeln bearbeitet.

    Es gibt ein Irish Pub in der Stadt. Hurra!

    Ich arbeite. Ernsthaft, ich arbeite tatsächlich für ungefähr zwei Stunden. Der Router – für Laien, das ist ein Gerät, über das man sich mit Mobiltelefon, Tablet oder Laptop ins Internet verbinden kann – im zweiten Stock des Hostels funktioniert nicht. Ich löse das Problem und erhalte eine freie Nacht.

    29.11.

    Gestern gab es im Hostel BBQ, Argentinian Style, auf Holzfeuer. Der Abend war lang, es gab viel Fleisch und viel Wein. Ich bin zwar zeitig auf, aber an eine Abreise ist nicht zu denken. Und die Entfernung von 350 km inkl. Grenzübertritt ist mir zu weit, um mich erst Mittags auf den Weg zu machen. Nach dem Frühstück geht es für ein paar Stunden zurück ins Bett.

    Es ist zwar äußerst gemütlich hier im Hostel, aber hoffentlich schaffe ich es morgen weg von hier. Argentinien würde auf dem Plan stehen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • verreckt am Straßenrand

    verreckt am Straßenrand

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    17.11., 18.11.

    Ich verlasse Valparaiso und fahre auf kleineren Straßen ein wenig durch die Weingegend, mal on- mal off-road. Die Nacht verbringe ich in dem kleinen Städtchen Santa Cruz.

    Auf der Suche nach einer Unterkunft habe ich im Reiseführer von der LamaLodge gelesen, die von einem Österreichisch-Deutschen Gespann geführt wird – oder auch nicht. Sie soll etwa 100km östlich von Talca mitten im Wald liegen.
    Die Beschreibung auf der Homepage ist etwas dürftig: „Ungefähr 90km nach Talca überquerst du die Brücke ‚Curillinque‘. 100m nach dieser Brücke biegst du rechts ab und folgst der Straße für 16km. 4WD empfohlen, die Straße ist oft in schlechtem Zustand.“ Nun denn, die Beschreibung stimmt nicht ganz. 100m nach der Brücke ‚Curillinque‘ gibt es keine Abzweigung. Die gibt es erst 100m nach der nächsten Brücke. Eine Lodge ist nicht angeschrieben. Ich fahre die Schotterstraße entlang. Ein Kräter ist dabei, sie umzupflügen, aber statt besser wird es nur schlechter.
    Kaum zu glauben, nach 16km gibt es mitten in der Pampa tatsächlich eine LamaLodge, auch Lamas sind da, nur sonst niemand. Einfach so auftauchen ist wohl nicht. Also fahre ich wieder auf die Hauptstraße zurück. Wie ich später rausfinde, wollte ich hier eigentlich gar nicht hin. Hier ist einfach nur eine Berghütte die auch zum Hostel gehört. Das Hostel ist komplett woanders nur wenige km von Talca entfernt.
    Ich habe keine Lust nach Talca zurückzufahren und dort nach einer Unterkunft zu suchen. Zur Sicherheit habe ich bei der Herfahrt schon die Augen offen gehalten. Entlang der Straße gibt es eine Raststation mit einem kleinen Shop, einem Restaurant und ein paar Cabanas.
    Ich halte und frage, was die Nacht kostet. Die Dame überlegt lange. „Wie viel kann ich wohl verlangen, damit er nicht weiterfährt?“ 8.000 CLP / 12 EUR. Das geht in Ordnung. Einzelzimmer, Badezimmer, wenn auch nur kaltwasser und Kabelfernsehen.

    19.11.,20.11.

    Ich nehme ein sehr schnelle kalte Dusche und bin um 8:00 bereit abzufahren. Ich steige auf das Motorrad und betätige den Startknopf … nichts passiert. Was ist los? Die Nacht war kalt, wahrscheinlich hat die Batterie etwas abgekommen. Ich schiebe das Motorrad in die Sonne und warte. Vielleicht hilft etwas Wärme. Leider Nein. Ich nehme die Verkleidung ab und kontrolliere Wasser und Kontakte. Hilft alles nichts. Nicht mal ein klägliches klackern, wenn ich den Startschalter betätige.

    Schon in einem meiner letzten Beiträge habe ich mich gewundert, dass die Batterie noch keine Probleme gemacht hat. Ich bin bloß froh, dass mir das nicht mitten im Wald passiert ist.

    In der Pension bitte ich um Hilfe. Der Inhaber kommt mit seinem großen Pickup-Truck angefahren, um mit seiner großen Batterie meiner kleinen Batterie Starthilfe zu geben. Ich denke: „Wenn, dann gleich richtig. Vielleicht schießt er mir gleich alle Sicherungen durch.“ Aber das Motorrad startet. Ich fahre ein paar Kilometer, um die Batterie etwas zu laden, merke aber bald, dass etwas nicht stimmt. Die Instrumente spielen verrückt. Der Drehzahlmesser schießt hoch, die Lichter blinken wie auf einem Christbaum, die Einspritzung funktioniert nicht, das Motorrad bockt. „Hervorragend!“
    Ich fahre zurück zur Pension und bepacke das Motorrad. Der Inhaber gibt mir noch einmal Starthilfe und ich hoffe bloß, dass ich es die 70km zurück nach Talca zu einem Mechaniker schaffe.

    Nach ein paar Kilometern beginnen die Instrumente wieder verrückt zu spielen, das Motorrad bockt erneut und hat Aussetzer. Nach ungefähr 15km verreckt es am Straßenrand. Ich schreie laut und wütend in meinen Helm. Hier gibt es vier oder fünf Häuser. Dort wo mein Motorrad aufgegeben hat, steht ein Einheimischer, José, in seinem Garten. Ich bitte ihn um Hilfe.

    Er sagt, er kennt einen Mechaniker und telefoniert rum. Während wir warten, plaudern wir ein wenig, soweit es mein spanisch zulässt. Er erzählt mir von Chile, dass im Moment ein großer wirtschaftlicher Aufschwung stattfindet, dass es in der Atacama viele Rohstoffe und Minen gibt und auch hier Gold und Uran abgebaut wird. Ich erzähle von meiner Reise und von mir.

    Mechaniker kommt keiner, auch nicht nach 1 1/2 Stunden und nachdem José mehrmals versucht hat, ihn zu erreichen. Dann meint er, es ist wahrscheinlich besser einen Wagen zu organisieren und das Motorrad ungefähr 15 km weiter zu einem Mechaniker zu transportieren. Ich stimme zu .. welche Option hätte ich denn sonst? José schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt los .. und ich .. ich warte.
    Nach ungefähr einer Stunde kommt José mit einem alten gelben Pickup, einem Fahrer, der noch viel älter ist, und zwei jungen Burschen zurück. Ich entlade das Motorrad und wir packen es über eine Rampe auf die Ladefläche des Pickups. Bei langsamer Fahrt zum Mechaniker kann ich die Landschaft genießen, das grüne Tal, vorbei am Lake Colbun mit dem wunderbar türkisen Wasser.

    Wir erreichen ein kleines Dorf, eher eine Ansammlung von Häusern und halten bei einem Mechaniker an. Zu sechst heben wir das Motorrad vom Pickup und schieben es in den Hof. Da stecke ich irgendwo und gebe mir Mühe zu kommunizieren. Die Werkstatt gehört Mauricio und seiner Frau Laura, sie sind etwa Mitte 30 und haben einen kleinen Sohn Joaquin, etwa 6 Jahre. Unterstützt wird Mauricio von seinem Bruder Santiago. Die Familie ist vor etwa 8 Monaten in dieses Dorf gezogen. Seit 6 Monaten haben sie das Grundstück. Das Haus ist eine einfache Holzhütte. Langsam mauern sie ein Haus drumherum.

    Mauricio und seine Familie sind herzensgute Menschen. „Tranquillo“ (Ganz ruhig) bekomme ich in den 26 Stunden, die ich hier verbringe, oft von Mauricio zu hören. Mauricio bedient noch ein paar Kunden, er sieht unter Motorhauben und repariert Kleinigkeiten, ich warte. Dann sieht er mein Motorrad an. Ich erkläre das Problem. Mauricio stellt fest, dass die Batterie kaputt ist.

    Mit Santiago fahre ich nach Talca, die nächste größere Stadt, etwa 40km entfernt, um eine neue Batterie zu kaufen. Das ist etwas schwierig, weil die Pole bei den Batterien, die lagernd sind, seitenverkehrt angebracht sind und somit nicht in mein Motorrad passen. Wir laufen durch mehrere Läden. Ein Händler kann die Batterie erst am nächsten Tag anbieten. Mit weiterfahren wird es heute also nichts mehr. Auf der Rückfahrt frage ich Santiago, ob es in dem Dorf Unterkunft gibt. Nein gibt es nicht, aber er fragt seinen Bruder, ob der jemand kennt.

    Zurück im Dorf heißt es: „Tranquillo, das machen wir schon. Wir essen jetzt mal zu Abend, ich habe noch etwas zu tun, dann sehen wir weiter.“ So esse ich mit Mauricio, Laura, Santiago und Joaquin zu Abend. Draußen an einem kleinen Holztisch, der fast zu zerbrechen droht, erhalte ich einen Riesenteller Linsen mit Wurst. Mauricio arbeitet, bis es dunkel wird. Er ist ein Tausendsassa, sieht unter die Motorhaube, analysiert, erkennt jedes Problem und behebt es in wenigen Minuten. Laura erzählt mir, dass die Leute aus der ganzen Gegend zu ihm kommen. Während Mauricio und sein Bruder arbeiten, unterhalte ich mich mit Laura. Erzähle woher ich komme, über Österreich, über meine Reise, … .

    Etwas später am Abend kommen Verwandte vorbei. Ich kann bei ihnen übernachten. Nachdem Mauricio mit seiner Arbeit fertig ist, fahren wir zu den Verwandten. Es wird ein weiteres Mal zu Abend gegessen. Im Fernseher läuft das Fußballspiel Brasilien gegen Chile. Chile verliert 2:1. Ich darf in einem der Betten im Zimmer der Söhne übernachten. Nachdem wir am nächsten Tag gefrühstückt haben, zeige ich im Internet noch woher ich komme und ein paar Dinge über Österreich. Bevor wir zu Mauricios Heim und Werkstatt fahren, verabschiede mich bei der Familie und möchte etwas Geld zurücklassen, werde aber daran gehindert.

    Bei Mauricio kommen immer wieder Leute mit ihren Autos vorbei, oft sind es nur kleine Probleme. Ich sitze im Hof und sehe zu. Während die Leute darauf warten, dass Mauricio und Santiago das Problem beheben, umringen sie mich und fragen mich aus. Ich werde von jedem verabschiedet, per Handschlag, teilweise mit einer Umarmung, man wünscht mir eine gute Reise. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich so eine Herzlichkeit von fremden Personen erlebt habe, die ich gerade mal für ein paar Minuten kennengelernt habe.

    Am frühen Nachmittag holen Santiago und ich die Batterie von Talca. Wir bauen zuerst nur mal die Batterie in das Motorrad ein und prüfen, ob alles funktioniert. Tadellos. Das Motorrad läuft und liefert Strom. „Tranquillo, jetzt essen wir mal und dann machen wir das Motorrad fertig.“ So esse ich ein weiteres mal mit der Familie, diesmal einen Riesen Teller Spaghetti. Mauricio freut sich unheimlich, dass er an einer BMW rumschrauben darf. Unser Treffen ist sowohl für mich, als auch für die Familie ein Ereignis. Laura fotografiert ihn, wie er die Batterie einbaut, alles anschließt und prüft. Während Laura und Mauricio Joaquin von der Schule abholen, bepacke ich das Motorrad und mache mich für die Abfahrt bereit. Ich frage, was ich schuldig bin. Mauricio möchte nichts haben. Das kriege ich nicht übers Herz. Ich wurde aufgenommen und verpflegt, man hat mir Unterkunft gegeben. Mit dem Vorwand aufs Klo zu müssen, gehe ich noch mal ins „Haus“ zurück und lasse etwas Geld liegen. Wir tauschen Kontaktdaten aus, machen noch ein paar Fotos und verabschieden uns herzlich.

    Am späten Nachmittag fahre ich noch gut 300km. In einem Wintersportort etwa 70km östlich von Chillán mache ich Stop. In der Übergangszeit ist absolut nichts los. Der Schnee ist weg, die Wintergäste ebenso, das Wetter ist noch kalt, die Sommergäste lassen noch auf sich warten. Alles läuft auf Sparflamme. Die meisten Geschäfte und Unterkünfte sind geschlossen. Im großen Hostel gibt es nur zwei Bedienstete, die arbeiten. Erneut komme ich mir vor, wie im Film „Shining“.

    21.11.

    Heute bleibe ich weitgehend auf der Panamericana und übernachte in Temuco, einer größeren Stadt, der Infrastruktur wegen. Ich habe zu wenig lange Socken für das kalte Wetter und auf das Postamt muss ich auch.

    22.11., 23.11.

    Ein 400km „Tagesausflug“ über Lonquimay nach Pucón. Nach einer kurzen Pause, wieder auf einer Schotterstraße bei der Abzweigung zum Vulkan Lonquimay, möchte ich das Motorrad starten. Geht nicht! Ich kriege einen Riesen Schreck. Jürgen du Depp! Seitenständer hochklappen!
    Nach Lonquimay biege ich rechts ab auf die 181, danach die R-95-S und S61. Es ist eine hervorragende Strecke durch eine wunderbare Landschaft. Gut 150km auf weitgehend guten Schotterstraßen, auf denen man ab und zu auch mal 80 km/h dahin brettern kann, im Rückspiegel eine Staubwolke und ich werde vom Gegenverkehr eingestaubt. Der feine Staub kriecht in jede Ritze.

    Es scheint gerade eine Oldtimer Rallye stattzufinden. Bei einer kurzen Pause rast ein Wagen an mir vorbei. Ich versuche ihn einzuholen, verliere ihn aber in einem Dorf, sehe dafür einen anderen und Organisationsfahrzeuge. Ich drehe ein paar Runden und versuche mehr zu finden. Es gelingt mir aber nicht und ich fahre weiter.

    Pucón ist ein totales Touristen Dorf. Hostels und Tourorganisatoren an jeder Ecke. Es liegt am Villarrica See und es gibt den nahen Vulkan Villarrica. Aber ich brauche mal wieder Gleichgesinnte zum Unterhalten.
    Im Hostel treffe ich auf ein irisches Mädchen, das ich schon in La Serena getroffen habe. Bei einem Spaziergang durch die Stadt treffe ich eine Holländerin, die ebenfalls in La Serena im Hostel war.

    Als ich vorm Hostel mein Motorrad entlade, bleibt ein Österreicher aus der Nähe von Braunau stehen. Er lebt seit gut 20 Jahren hier und verbringt jeweils den nödlichen Sommer in Österreich und den südlichen Sommer hier in Chile. Bevor er weitergeht, sagt er: Morgen wird es regnen. Er erkennt es an den Wolken und sollte recht behalten. Heute regnet es.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.P.S. Nicht jede Reise endet glücklich. Lauren und Adrian aus Australien, die ich in Bogota am Flughafen getroffen habe, wurde das Motorrad in San Carlos de Bariloche in Argentinien gestohlen. Nachdem die Diebe vergeblich versucht haben das Motorrad anzulaufen, haben sie es etwa 1 1/2 km weiter in den Straßengraben geworfen. Leider war das Motorrad auf eine Art beschädigt, dass eine Reparatur zu lange gedauert hätte. Lauren und Adrian waren 11 Tage vor Ushuaia und ein paar Tage mehr vor Buenos Aires und wären in Kürze nach Hause gereist.

  • erholsame Tage in La Serena und Valparaiso

    erholsame Tage in La Serena und Valparaiso

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    12.11.

    Ich hänge einen weiteren Tag in La Serena an. Das Hostel ist gemütlich, La Serena ebenso.
    An einem der Tage versuche ich einen Ausflug nach Vicuña zu machen. Das Dorf liegt im Elqui Tal. Ein paar km vor dem Dorf geht es nicht mehr weiter. Erntearbeiter machen einen Aufstand. In dieser Gegend wird Obst angebaut, Orangen, Mandarinen, Wein. Soweit ich das verstehe, geht es um schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne. Die Straße ist mit einer Feuerwand gesperrt. Ich fahre Off-Road einen Umweg nach La Serena zurück und versuche, zu zwei Observatorien zu gelangen. Geht nicht, die Straßen dorthin sind versperrt. Rund um La Serena befinden sich ein paar dieser Sternegucker Stationen und man kann Touren buchen.

    Ich genieße die paar Tage in La Serena. In einem Cafe aus dem Fenster gucken und die Leute beobachten, faulenzen, durch die Straßen spazieren. War schon lange nicht mehr der Fall, dass ich so lange an einem Ort geblieben bin. Zuletzt in Bogota vor ca. 6 Wochen, wo ich 5 Tage war und in Quito für 3 Nächte. Sonst nur jeweils 1 oder 2 Nächte. Ich bin seit 4 Monaten unterwegs. Als ich in Australien war, bin ich mir nach ungefähr 3 Monaten vorgekommen, als wäre ich auf der Flucht, ständig woanders. Hier hat sich dieses Gefühl noch nicht eingestellt. Vielleicht weil ich ein Ziel bzw. mehrere Ziele habe. Trotzdem tut es gut, auch mal 4, 5 Nächte an einem Ort zu bleiben.

    13.11. – 16.11.

    Auf dem Weg nach Valparaiso verlasse ich die Atacama. Die Strecken mögen lange und öde gewesen sein, nichtsdestotrotz war es ein außergewöhnliches Erlebnis, durch die riesige Wüste zu fahren. Die karge Vegetation, kein Schatten wo man Zuflucht suchen könnte und bloß ein paar Geier, die in der Luft ihre Kreise gezogen haben. Die großen Distanzen zwischen den Dörfern und Städten. Die unterschiedlichen Farben und die Beschaffenheit, sandig, steinig, erdig, gelb-grau, braun und rot und oft sehr kalt … .
    Langsam nimmt die Vegetation Überhand. Zuerst sind es kleine Büsche, die die Landschaft sprenkeln. Die Bäume werden höher und mehr und Gras bedeckt den Boden.

    Noch am selben Tag, gleich nach meiner Ankunft in Valparaiso, bringe ich das Motorrad zum BMW Händler in Viña del Mar. Nach ungefähr 25.000 km und den vielen Off-Road Fahrten in Peru verdient auch das Motorrad ein wenig Pflege. Ein neuer Hinterreifen, neuer Kettensatz, Kupplung und Bremse korrigieren und andere Kleinigkeiten.

    Der Stadtkern von Valparaiso ist Weltkulturerbe. Die Großteils alten Häuser schmiegen sich an die Berghänge und in die kleinen Täler. Enge steile Straßen und Gassen ziehen sich durch die Stadt. Graffitis fast an jeder Hauswand. Stiegen und Gässchen führen durch das Häuserlabyrinth. Viele der Häuser sind nur zu Fuß zu erreichen. Die meisten der berühmten Aufzüge sind leider außer Betrieb. Und leider ist es in den kleinen Hintergassen oft auch sehr schmutzig, Müll liegt beinahe überall herum. Ein Gewusel an Leuten und Autos quält sich durch die Straßen.

    Viña del Mar, die Nachbarstadt ist das komplette Gegenteil. Neu, modern, breite Straßen, mehr Platz, ein schöner Badestrand und mir scheint ein wenig relaxter als Valparaiso. Beide Stadtteile haben ihren Charme.

    Weltkulturerbe zu sein muss nicht immer von Vorteil sein. Das heißt nämlich, man darf so gut wie gar nichts an der Bausubstanz verändern. Die Häuser sind alt, sehr alt. Jedes mal, wenn der Nachbar im Hostel die Wasserleitung aufdreht, hört es sich an, als würde Chewbacca aus Star Wars sprechen.

    Am letzten Tag in Valparaiso bin ich am Ausguck nahe dem Museo Naval y Maritime. Von dort hat man eine gute Aussicht auf den Frachthafen. Ich beobachte lange das geschäftige Treiben. Ein größeres Frachtschiff nähert sich. Ich denke: Cool, so etwas kriegt man auch nicht alle Tage zu sehen. Mit Hilfe dieser kleinen Dampfer wird es in den Hafen gebracht. Dann denke ich: Warte mal, der Name des Schiffes kommt mir bekannt vor. Ein paar Tage zuvor hat mir Andi eine Mail geschrieben. Irgendwo in einem der vielen Container ist sein Motorrad verstaut und wartet darauf, nach Punta Arenas geliefert zu werden.

    Morgen fahre ich weiter. Noch 4 Wochen, um mein erstes Ziel zu erreichen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • durch die Wüste

    durch die Wüste

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    „Durch die Wüste“, so hat einst ein Roman von Karl May geheißen. Aber der spielt irgendwo im arabischen Raum.

    02.11., 03.11.

    Auf den letzten 1.000 Kilometern Richtung chilenischer Grenze hat mich der Wind weiterhin fest in Griff. Ich kriege dann auch noch einen Schreck, wie sehr sich der Seiten- und Gegenwind auf den Treibstoffverbrauch auswirken. Bei 290 km blinkt die Reserveleuchte auf. Ich beginne zu rechnen. 290 km, 13,3 Liter, das sind knapp 4,6 Liter auf 100km, gegenüber 3,5 im Schnitt. Mein GPS zeigt erst in 109 km wieder eine Tankstelle. Ich habe 4 Liter Reserve. Man muss kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass es hier ein Problem geben könnte. Umdrehen? Die letzte Tankstelle liegt gut 30km zurück. Ich reduziere die Geschwindigkeit und fahre weiter. Zum Glück haben sie zwischendurch noch ein Dorf hingesetzt, wo ich wieder auffüllen kann.

    Der Wind ist ein ständiger unberechenbarer Feind, gegen den man ankämpft. Zeitweise zieht dir eine Windböe das Motorrad regelrecht unterm Hintern weg. Du liegst in der Kurve und wirst mit einem Schlag weiter nach unten gedrückt oder stemmst dich dagegen und plötzlich ist der Widerstand weg. Du wirst nach außen an den Straßenrand oder in die Straßenmitte getrieben.

    Zwischen den endlosen Strecken in der Wüste gerät man manchmal durch kleine und größere Dörfer. Sie sind wie Inseln in einem Meer aus Sand. Dort, wo sich Flüsse von den Bergen in hunderttausenden von Jahren einen Weg zum Meer gebahnt haben, haben sich grüne Oasen gebildet.

    Ich bin gut unterwegs und entscheide mich am frühen Nachmittag, noch nach Chile zu übersetzen. Die Grenzformalitäten sind bald erledigt. Nur die zwei Äpfel, die ich in meiner Tasche verstaut habe, sorgen für Verzögerung. Meine Taschen werden geröntgt. Man darf keine offenen Lebensmittel importieren. Ich muss ein Formular ausfüllen. Die zwei Äpfel werden gewogen, alles wird peinlich im Computer erfasst und dann werden sie im Müll entsorgt.

    Peru hat mich zeitweise ganz schön gefordert, hoch oben in den Bergen bei eisiger Kälte und bei anspruchsvollen kurvigen Bergstraßen. Ich bin schon gespannt, was Chile für mich bereit hält.

    Chile:
    Das vorletzte Land auf dem Weg nach Süden. Es gibt einen Zeitsprung um zwei Stunden nach vorne, der Abstand nach Hause verringert sich auf aktuell vier Stunden. Dafür wird es abends erst später dunkel. Das bringt mein Zeitgefühl die ersten Tage etwas durcheinander. Ich bin gewohnt, dass es um 19 Uhr stockfinster ist.

    Arica liegt gleich hinter der Grenze, wo ich dann auch die erste Nacht verbringe. Die Herbergssuche ist etwas mühsam, aber schließlich finde ich doch etwas günstigeres. Die Preise sind in den nördlichen Städten vorwiegend auf Business Kunden ausgerichtet und kosten so ab 40 EUR aufwärts. Die Preise sind in Chile europäisch. Ich werde das die nächsten Tage noch zu spüren bekommen.

    04.11.

    Wüste, Wüste, Atacama Wüste. Hier oben im Norden von Chile gibt es Sand zu Hauf. Ein riesiges Katzenklo. Tankstellen sucht man auf der Panamericana im Norden vergebens. Mit dem letzten Tropfen Benzin komme ich in Iquique an. Man befindet sich auf etwa 600m Seehöhe, wenn man sich Iquique nähert. Die Fahrt runter zum Meer bietet einen atemberaubenden Blick auf die Stadt, die von einer riesigen Sanddüne überragt wird.

    Ich kann es kaum fassen. Endlich erhalte ich in einem Baumarkt destilliertes Wasser für meine Batterie. Jawohl, ein Baumarkt. Seit den USA habe ich keinen Baumarkt mehr gesehen. Ich habe mich schon gewundert, dass die Batterie noch keine Probleme gemacht hat und schütte gut 1/8l Wasser in meine Batterie.
    Wie oft habe ich unterwegs an Motorradshops und Batteriegeschäften gefragt. Der letzte wollte mir Batteriesäure andrehen. Wann immer ich gesagt habe, ich benötige Wasser für meine Batterie, haben sie mich blöd angeguckt. Destilliertes Wasser unbekannt. Gerade in Zentral und Südamerika, wo so viele Motorräder unterwegs sind. Ich verstehe es nicht.
    Im Baumarkt erhalte ich auch Ducttape. Ein Kumpel hat mal geschrieben „Ducttape fixes everything“. Ich bin gespannt, ob sich damit auch die Löcher in meinen Koffern dicht-fixen lassen.

    05.11.

    Tag 2 in Iquique. Arbeitstag. Fast 4 Stunden verbringe ich damit über Fernwartung zu Hause ein paar Rechner auf aktuellen Stand zu bringen. Schließlich bin ich nicht zum Vergnügen hier. Ein wenig plaudern mit Familie und Freunden.

    Essen, Sightseeing, planen der nächsten Tage, Kontakt mit BMW in Valparaiso aufnehmen – zwecks Service. Meine Lady verlangt nach einem neuen Hinterschuh und auch sonst schreit sie nach etwas Pflege.

    06.11.

    Gut 500km nach San Pedro de Atacama. Das Dörfchen ist äußerst touristisch. Auf einen Einheimischen dürften 20 Touristen kommen. Das Dorf befindet sich quasi mitten im Nirgendwo. In der Umgebung gibt es einige naturelle Sehenswürdigkeiten. Mir ist es etwas zu touristisch. Nachdem ich mich durch mehrere Hostels gefragt habe, erhalte ich für eine Nacht ein Bett in einem Dorm.
    In Peru habe ich mal drei Holländer am Straßenrand getroffen. Sie haben mir erzählt, dass sie zu einer Gruppe von 27 Personen gehören, die für 50 Tage über eine organisierte Tour von Ecuador nach Punta Arenas unterwegs sind. Als ich durch San Pedro spaziere, sehe ich sie alle in einem Hostal stehen.

    07.11.

    Am Morgen fahre ich zum Salar de Atacama, einem Salzsee etwa 40km von San Pedro entfernt, dort gibt es angeblich Flamencos zu sehen. Ein paar staken tatsächlich im Wasser in der bizarren Landschaft herum. Danach mache ich mich auf den Weg Richtung Antofagasta. Manchmal nicke ich auf den langen geraden Strecken für mehrere Minuten ein.

    Bergbau ist hier in der Atacama der dominierende Wirtschaftszweig. Viele Straßenschilder geben die Richtung zu Minen an. In der ganzen Atacama dürften schon seit langem Rohstoffe abgebaut werden. Auf manchen Schildern wird auf historische Minen und Siedlungen hingewiesen. Manche datieren gut 150 Jahre zurück. Manchmal sind Geisterdörfer abseits der Panamericana zu sehen. Oft sind die Häuser verschwunden, nur die Friedhöfe sind noch vorhanden, in denen die eisernen Kreuze vor sich hin rosten.

    Antofagosta ist nicht gerade ein Perle. In der Stadt finden sich viele Titty-Bars – „Girls and Beer“. Wohl um die Minenarbeiter um ihren Verdienst zu bringen. Auf dem Weg ins Zentrum werde ich von einem heruntergekommenen Typen angehalten. Er spricht perfekt englisch und hat nur noch wenige Zähne im Mund. Erzählt mir, dass er kein Geld möchte, nur Englisch üben. Er hat 10 Jahre in den USA gelebt, aber hier spricht leider keiner Englisch und er freut sich, wenn er zwischendurch mal englisch sprechen kann. Er erzählt mir, wie gut es Chile geht, weil sie Kupfer haben. Bei ihm ist dieser Wohlstand noch nicht angekommen. Er betont immer wieder, dass er kein Geld möchte, aber wir könnten ein Bier trinken gehen … Ich ziehe weiter.

    08.11.

    Keine Änderung in Sicht. Weiterhin Wüste soweit das Auge blicken kann.
    Ich war ja schon äußerst beeindruckt vom australischen Outback, aber die Atacama stellt eine neue Dimension dar. Seit Tagen fahre ich nur durch Wüste, zwischen 400 und 500 km pro Tag, was ziemlich mühsam ist. Vielleicht fahre ich ja auch im Kreis, was ich mir angesichts der langen geraden Strecken nicht vorstellen kann.

    Vor Caldera zweige ich in den Nationalpark Pan de Azúcar ab und fahre die letzten 100 km die Küste entlang. Endlich etwas Abwechslung.

    Chile ist verdammt teuer – vor allem Hotels, europäische Preise hier. Von Zentral- und bis jetzt Südamerika war ich gewohnt, dass ich im Durchschnitt mit ca. 30 EUR pro Tag über die Runden komme – Essen, Tanken, Unterkunft. Hier habe ich zu tun, dass ich mit meinem ursprünglichen Tagesbudget zurecht komme.

    09.11.

    Bewölkt und bei kaltem Wetter mache ich mich auf den Weg nach La Serena.
    Die Panamericana hat viele Opfer gefordert. Sie gleicht beinahe einem langen Friedhof. Die Toten werden mit Gedenkstätten geehrt, die manchmal sehr kreativ gestaltet sind. Aber es wird investiert. Ein Großteil der Panamericana in Chile befindet sich in neuem erstklassigen Zustand. In ein bis zwei Jahren kann man hier mit dem Formel 1 Wagen durchfahren.

    Wer der Meinung ist, dass es hier warm ist, täuscht sich gewaltig. Die Sonne braucht am Morgen ungefähr bis halb 11, bis sie den Dunst vertrieben hat. Bis dahin ist es saukalt. Warm ist es nur weiter Inlands, zwischen 2.000 und 2.500m Seehöhe, dort wo die Berge beginnen. Es ist heiß, wenn man steht. Befindet man sich in Bewegung, ist es empfindlich kalt. Noch kälter wird es, sobald man sich dem Meer nähert. Ich trage beim Fahren fast immer Pullover, Innenfutter und Gesichtsmaske.

    Nachdem ich in den letzten 7 Tagen so um die 3.000 km zurückgelegt habe, mache ich für drei Nächte Rast in La Serena.

    10.11.

    Guten Morgen. Es tut gut, mal nicht aufstehen zu müssen, um aufs Bike zu steigen. Und da es regnet, muss ich nicht mal nach einer Ausrede suchen. Das Hostel wir von Deutschen betrieben. Der Eigentümer erzählt mir später, dass es in den 18 Jahren, wo sie in Chile sind, im November noch nie geregnet hat.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.Diesmal im Album:
    – endlose Straßen
    – Gesichter der Wüste
    – Verehrung der Toten
    – … und andere Sachen