Mittwoch Abend habe ich mich bei großer Hitze auf den Weg Richtung Wien gemacht. Ein kleiner Vorgeschmack, was mich vielleicht noch erwartet. Am Bahnhof werde ich angewiesen, das Motorrad auf die untere Ebene des Waggons zu fahren. Dort wird es von Bahn-Mitarbeitern festgezurrt. Mit dabei sind auch ein paar Harley Davidson Fahrer. Wie ich dann in Hamburg auf einem Plakat sehe, findet an diesem Wochenende ein Harley Treffen in Hamburg statt. Im Zug habe ich Glück und kann für ein paar Stunden ein Abteil mein Eigen nennen. Der Zug hält in verschiedenen Städten, mal länger, mal kürzer. Ich versuche früh zu schlafen. Von Zeit zu Zeit werde ich aufgeweckt. Mal ist es der Schaffner, dann die Grenzpolizei und irgendwann spät nachts kommt dann doch noch ein weiterer Fahrgast in mein Abteil. Obwohl ich liegen und mich ausstrecken kann, ist die Nacht auf den Sitzen ziemlich ungemütlich. Irgendwann tut mir der Rücken so weh, dass ich nicht weiß, wie ich liegen soll.

Wir erreichen gegen halb 10 Uhr Hamburg. Ich vermeide die Autobahn und fahre über Landstraßen die ca. 120 km nach Bremerhaven. Eine Zeit lang geht es die Elbe entlang. Nur sieht man nicht allzu viel vom Fluss, da die Sicht durch meterhohe Dämme versperrt wird. Wieder brennt die Sonne vom Himmel. Ich erreiche die vorgegebene Adresse „Eurogate“ Bremerhaven. Das Abgeben des Motorrades gestaltet sich ziemlich einfach. Von der Rezeption werde ich in ein nahes Gebäude gesendet, dort erhalte ich eine Chipkarte, einen Abgabeschein und die Information, wo ich im Hafengelände auf das Personal warten soll. Die Chipkarte dient dazu, die Sicherheitsschleuse zu passieren. Im Hafengelände warte ich auf dem vorgegebenen Parkplatz. Hier treffe ich einen Deutschen, der ein Segelflugzeug zur Verschiffung nach Amerika abgibt. Nach wenigen Minuten kommt ein Hafenmitarbeiter. Er weist mich an, ihm zu folgen. Das Motorrad wird in einer Halle abgestellt, begutachtet und aus Versicherungsgründen auf bereits vorhandene Schäden untersucht. Danach werde ich wieder zum Ausgang gefahren. Der ganze Vorgang hat keine 30 Minuten gedauert.

Am nächsten Tag erhalte ich noch einen Anruf vom Agenten, den ich mit der Organisation der Verschiffung betraut habe. Er erzählt mir, dass auch noch der Zoll einen Blick auf das Motorrad werfen möchte.
Mit dem Taxi lasse ich mich zum Bahnhof in Bremerhaven fahren, wo ich meine Tasche in ein Schließfach gebe. Ich habe noch gut 3 1/2 Stunden Zeit bis mein Zug nach Hamburg geht und nutze die Zeit, um ein wenig durch Bremerhaven zu laufen.
Die Nacht verbringe ich in Hamburg. Da ich für die Rückfahrt wieder den Nachtzug gebucht habe, sehe ich mir den Tag über Hamburg an. Die wenigen verfügbaren Stunden reichen leider nur aus, um durch die Speicherstadt und die neue Hafencity zu laufen und eine Fleetfahrt (= Schifffahrt durch die Kanäle) zu machen. Ein großer Teil der Hafencity ist Baustelle. Das ganze Viertel bekommt ein neues Gesicht verpasst. Sehr kubisch die neue Architektur.

Die alten Speicher sind der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Viele der Speicher werden heute nicht mehr für die Lagerung von Kaffee, Tee und Gewürzen verwendet. Die Gebäude wurden jedoch von IT-Firmen, Marketingbüros, Tanzstudios, Theatern, Museen und vielen anderen Unternehmen mit neuem Leben gefüllt. In der neuen Hafencity haben Geschäfte, Restaurants und Kioske, die sich an der Promenade knapp über der Wasserlinie befinden, dicke schwere Eisentüren, damit sie bei Hochwasser dicht gemacht werden können.
Auf dem Heimweg habe ich ab Dresden ein Bett in einem 6er Schlafwagen. Auch nicht viel besser als bei der Hinfahrt. Vor allem sehr eng. Wieder habe ich Glück, wir sind nur zu dritt. In Prag gibt es mitten in der Nacht einen längeren Aufenthalt. Hier steigen noch sehr viele Passagiere zu. Der Zug macht in Wien nur einen Zwischenstopp und fährt dann weiter nach Budapest. Zwischen den Fahrgästen, die spät nachts in Prag eingestiegen sind und weiterfahren, und denjenigen, die in Wien aussteigen, herrscht nicht immer Harmonie.
Sie (etwas lauter und etwas wütend): Schmeiß die Tür nicht zu, du Depp!
Er: Was?
Sie: Schmeiß die Tür nicht zu!
Er: Halt die Klappe.
Danke fürs Lesen, Jürgen.