Blaue Augen

Album

19.10., 20.10.

Peru gefällt mir auf Anhieb. Die ersten zwei weiblichen Bediensteten, denen ich an der Grenze begegne, machen mir Komplimente für meine schönen blauen Augen. 🙂

Die ersten zwei Nächte verbringe ich in Máncora an der Küste. Es ist wieder mal an der Zeit, meine Wäsche waschen zu lassen. Ich soll einen Zettel ausfüllen, mit der Anzahl an unterschiedlichen Kleidungsstücken, die sich im Plastiksack befinden. Ich habe keine Lust nochmal auszupacken und zu zählen und schreibe drauf „beinahe alles was ich habe“.

21.10. 

Heute fahre ich knapp 400km nur auf der Panamericana die Küste entlang. Oft geht es nur geradeaus. Vom Meer her weht ständig ein starker kalter Wind.
Landschaftlich ist die Gegend nicht sehr aufregend. Es handelt sich um eine karge, öde Wüstenlandschaft die hin und wieder von Dörfern und Städten unterbrochen wird. In der Nähe der Städte gibt es oft grüne Felder, Reis, Mais, Zuckerrohr und andere Sachen. Auf weiten Teilen gleicht die Strecke einer Müllhalde.

Ich stoppe in Chicklayo. Bis auf den Hauptplatz ist mir die Stadt nicht sehr sympathisch. Es herrscht hektischer Verkehr und auch hier liegt viel Müll auf den Straßen.

Im Hotel frage ich, ob es einen Parkplatz gibt. Die Dame an der Rezeption sagt: Wir parken es hinten im Frühstücksraum.
Der Eingangsbereich ist vielleicht 70cm breit. Ich sehe sie ungläubig an. Gnädiges Fräulein, haben Sie einen Blick auf mein Motorrad geworfen? Es ist etwas größer als die hier übliche Standardausführung.
Ich nehme die Koffer ab, dann stopfen wir – ein Mitarbeiter des Hotels, ein Security Mann und ich – das Motorrad mit vereinten Kräften durch die Lobby nach hinten.
In den nächsten Tagen wird es zur Gewohnheit, das Motorrad in der Lobby oder ähnlichen Bereichen zu parken.

22.10.

Auf dem Weg nach Cajamarca fahre ich kurz etwas abseits von asphaltierten Straßen. Ich falle .. wieder mal. Ist ja schon länger nicht mehr passiert. Diesmal auf die rechte Seite. Der Koffer ist leider auf eine Weise verbogen, dass der Tankdeckel blockiert ist. Es wäre etwas mühsam, bei jedem mal tanken den Koffer abnehmen zu müssen. Also wieder ein erneuter ungeplanter Tag Zwischenstop.
Cajamarca ist jedoch gemütlich. Für knapp 6 EUR erhalte ich ein Zimmer mit Blick auf den Hauptplatz. Wie ich nachlese, ist Cajamarca eine wohlhabende Stadt. Man sieht es ihr ein wenig an. Der Wohlstand kommt vom Gold, das in der Umgebung abgebaut wird.

23.10. 

Vormittags begebe ich mich auf die Suche nach einem Mechaniker, der mir die beiden Koffer wieder ausklopft. Ich lasse endlich auch den Koffer, der bei meinem Sturz in Honduras vor über einem Monat verbeult wurde, geradebiegen.
Der Mann arbeitet über eine Stunde. Das Ergebnis ist weitaus besser, als ich erwartet habe. Am Ende verlangt er 10 Soles, knapp 3 EUR für die Arbeit. Ich gebe ihm das doppelte.
Auch der restliche Tag läßt sich sinnhaft mit Sightseeing und dem nach Hause senden von Zeugs, das ich nicht benötige, verbringen. Kaum zu glauben wie lange es dauert ein Paket aufzugeben. Für den Zoll in Österreich schreibe ich ein noch ein paar nette Worte, dass es sich nur um Sachen handelt, die ich auf meiner Reise nicht benötige.

24.10.

Da ich keine „vernünftige“ Route durch die Berge finde, beschließe ich, wieder zurück an die Küste zu fahren. Trotzdem möchte ich nicht wieder die gleiche Strecke zurückfahren, die ich zwei Tage zuvor hochgefahren bin, deshalb geht es in einem der Dörfer weg von der Hauptstraße Off-Road. Die Strecke hat es in sich. Ich benötige knapp 3 1/2 Stunden für 60km. Auf Schotterstraßen geht es von ca. 1.000m auf 3.000m hoch in die Berge. Zum Glück spielt das Wetter mit und es ist warm und sonnig. Nicht auszudenken, wenn ich hier bei Regen fahren müsste. Die Straße schmiegt sich meist eng an die Berge. Die Hänge gehen steil bergab. An manchen Stellen ist sie nur aus dem Fels gehauen, maximal vier-fünf Meter breit. Links geht der Fels senkrecht nach oben, rechts geht es ebenfalls senkrecht weit nach unten. Ich wage den Blick nicht von der Straße zu nehmen. Immer eng am Berg schleiche ich langsam dahin.
Auf halbem Weg findet sich das wunderbare Städtchen Contumaza. Ich überlege hier Stop zu machen. Aber ich „muss“ weiter. Peru ist groß und ich möchte Anfang November in Chile starten.

Auch aus einem anderen Grund muss ich mich „beeilen“. Mitte Dezember treffe ich mich in Punta Arenas mit meinem Freund Andi. Aus verschiedenen Gründen hat er etwas Abstand von zu Hause notwendig. Wir fahren gemeinsam für 3 bis 3 1/2 Monate wieder hoch bis nach Kolumbien. Sein Motorrad ist bereits auf dem Weg.

In der Nähe von Trujillo finde ich am Strand ein Hostel. Der Abend endet mit ein paar der Leute aus dem Hostel in einer Bar. Die Mojitos um knapp 1 EUR zeigen am nächsten Morgen ihre Wirkung in Form eines leichten Hangovers.

25.10.

Die ersten km hänge ich wieder auf der Panamericana. Landschaftlich hat sich nichts verändert. Weiterhin handelt es sich um eine öde Wüste. Es ist wolkig und wie auch Tage zuvor weht der Wind stark von Westen. Ich bin überzeugt, den ganze Weg nach Süden wird es nicht besser.

Vor ein paar Tagen haben Lauren und Adrian vom Canyon del Pato erzählt, eine Schotterpiste, die von der Panamericana weg nach Caraz führt. Lange geht es ziemlich flach durch eine Felslandschaft den Rio Santa entlang. Manchmal ist die Piste breit und man kann auch schneller dahinfahren. Oft wird man aber ordentlich durchgerüttelt. Eine ziemliche Herausforderung für das Material. Des Öfteren führt der Weg durch Tunnel. Einfache Röhren, die wahrscheinlich vor sehr langer Zeit in den Fels gehauen wurden. Die Sonne scheint hell vom Himmel. Die Augen haben keine Zeit sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Die Fahrten durch die längeren der Tunnel sind beinahe ein Blindflug, die Augen auf das Licht am Ende gerichtet.

Der, für mich, „schlimme“ Teil beginnt zum Glück erst knapp 40 km vor dem Ziel. Die Straße verengt sich erneut auf eine Spur und führt in die Berge. Scheißegal auf welcher Seite ich mich halten müsste, ich fahre, genauso wie gestern, immer eng am Berg und hoffe, dass kein Auto entgegenkommt. Nach der gestrigen Fahrt hätte ich heute gut und gerne auf diesen Teil verzichten können.

Nichts desto trotz ist der Canyon del Pato ein Muß.

Danke fürs Lesen, Jürgen.