Kategorie: Peru

  • von Cusco nach Lima, der Unfall

    von Cusco nach Lima, der Unfall

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    29.03.

    Ich fahre die 620km von Cusco nach Nazca in einem durch. Dafür benötige ich 9 1/2 Stunden. Die Strecke kommt auf jeden Fall in die Top 10 Liste. Von Cusco bis Abancay ist es zwar etwas mühsam, weil die Kurven eng sind, aber dann ist die Straße wieder einer dieser wahr gewordenen Motorradfahrer Träume. Den Rio Labrama entlang gibt es langgezogene Kurven, fast keinen Verkehr und ich habe hervorragendes Wetter. Ich lasse das Motorrad laufen. Es war eine lange, anstrengende aber hervorragende Fahrt. In Nazca steige ich im selben Hostel wie vor etwa fünf Monaten ab. Manchmal ist es ganz nett, nach langer Zeit wieder an denselben Ort zurückzukehren. Man sieht Veränderungen, aber auch Dinge, die gleich geblieben sind. Der Zubau im Hostel ist fertiggestellt, das kaputte Auto steht noch immer an derselben Stelle draußen auf der Straße.

    30.03.

    Heute setze ich mir ein Ziel von etwa 400 km. Ich möchte Lima umfahren / durchfahren und irgendwo dahinter in einem Vorort oder einem kleinen Dorf am Meer halt machen.
    Lima hat etwa 9 Millionen Einwohner. Ich habe schon mehrmals erwähnt, dass ich diese Großstädte hasse, weil hier keine Verkehrsregeln gelten und jeder ohne Rücksicht fährt. Leider ist die Panamericana eine Pulsader, die mitten durch die Stadt führt. Schon bei der Einfahrt sind die ersten Irren unterwegs. Es sind vorwiegend Fahrer in Oberklassewagen, deutsche Marken, BMW, Audi, Mercedes. Mit sehr hoher Geschwindigkeit überholen sie, wo es nur geht, und zwängen sich durch den Verkehr, oft auf dem Pannenstreifen.
    In den ärmeren Aussenbezirken sind es die hunderten Busse, die in 2er, 3er Spur anhalten und ohne auch nur einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, wieder ausscheren. Von den Taxifahrern ganz zu schweigen.

    Es ist knapp 16 Uhr. Ich befinde mich bereits in Puente Piedra, einem Vorort nördlich von Lima. Es liegen bloß noch 10 bis 20 km vor mir.
    Ich schwimme mit dem Verkehr mit, bin irgendwo zwischen Bussen und LKWs. Plötzlich habe ich ein Auto vor mir, welches die Panamericana kreuzen wollte und mit dem Hinterteil noch quer auf der Fahrspur steht. In dem ganzen Gewimmel habe ich den Wagen übersehen. Zum Bremsen ist es zu spät. Ich knalle voll gegen die Hinterseite. Benommen liege ich auf der Straße. Schnell bildet sich ein Menschenmenge um mich. Ich will aufstehen, man drückt mich nieder. Meine linker Schulter tut weh, ich merke es, als ich meinen linken Arm heben möchte und ihn nur bedingt bewegen kann.
    In den Städten gibt es eigene Versicherungs-Beamte, die stehen beinahe an jeder Ecke. Anscheinend gibt es hier viel für sie zu tun. Sie sind gleich da. Nach nur 2, 3 Minuten sind auch Polizei und Rettung da. Zwei andere Reisende, ein Pärchen, sind zufällig da. Sie redet mit mir auf Englisch, Er schiebt das Motorrad auf die Seite. Ich werde in den Krankenwagen gesetzt.

    Die Polizei gibt mir die Adresse vom Kommissariat, wo das Motorrad hingefahren wird. Ich nehme noch meine Tasche und die wichtigsten Sachen vom Motorrad, dann werde ich in das Krankenhaus gebracht.
    Es ist nur 2 Blöcke vom Unfallort entfernt. Dort werde ich mit einem Rollstuhl in der Ambulanz abgestellt. Meine Daten werden aufgenommen. Man bittet mich um Kontaktdaten, wen kann man anrufen, wer ist mit mir unterwegs? Niemand, ich bin alleine unterwegs. Ungläubige, erstaunte, besorgte Blicke. Ich warte. An meiner Schulter kann ich schon fühlen, dass das Schlüsselbein gebrochen ist. Ich warte eine ganze Weile. Eine der Schwestern drängt irgendwann, dass ich behandelt werde: Man soll sich endlich um den Ausländer kümmern, sonst sitzt er morgen noch da. Neben mir liegt schnarchend ein betrunkener älterer Mann auf einer der Krankenhausliegen. Er fängt an zu röcheln und wird von einem Arzt und einer Schwester auf die Seite gelegt, damit er nicht an seinem Erbrochenen erstickt.
    Im Spital erhalte ich eine minimal Behandlung – Ausländer, keine inländische Versicherung. Meine Schulter wird geröntgt, auf der einfach nur gezeigt wird, was klar ist – dass mein Schlüsselbein gebrochen ist. Man gibt mir einen Zettel. Ich soll mir den darauf beschriebenen Verband in einem Orthopädie Geschäft kaufen und zurück kommen.

    Es ist beinahe 20 Uhr, ich bin verletzt, in einem Außenbezirk und man schickt mich auf die Straße. Ich frage, ob es in der nahen Umgebung ein halbwegs gutes Hotel gibt. Man ist sich nicht sicher.
    Ich habe keine Ahnung wo ich bin und wo ich hin soll. Unter heftigen Schmerzen ziehe ich mühsam, sitzend an die Spitalmauer gelehnt nur mit meiner rechten Hand meine Motorradklamotten aus – ein schwieriges Unterfangen – es dauert eine ganze Weile, ich kann nur flach atmen und muss immer wieder kurze Pausen machen. In einen kleinen Rucksack packe ich das notwendigste. Da ich nichts tragen kann, bitte ich die Polizei, dass ich meine Sachen bis zum nächsten Tag in der kleinen Polizeibude lassen kann.
    Ich weiß, dass Kerstin, die ich 2 Tage zuvor in Ollantaytambo kennengelernt habe und mit der ich auch in Cusco unterwegs war, in Lima ist.
    Außer meiner Schulter, schmerzen auch meine linken Rippen und mein rechtes Handgelenk ist verstaucht. Diese wurden nicht geröntgt. Zurück in Österreich wird festgestellt, dass auch eine Rippe gebrochen ist.
    Ich suche ein Internetcafe und bitte Kerstin per E-Mail um Hilfe, hoffe, dass sie die E-Mail sieht. Nach ungefähr einer 3/4 Stunde schreibt sie zurück und gibt mir den Namen des Hostels, das 35 km entfernt im Stadtteil Miraflores liegt. Ich setze mich in ein Taxi und fahre dort hin. Das Hostel und die Betreiber sind äußerst nett und ich bin froh, dass ich nicht alleine in einem der Hotels im Außenbezirk bin.

    31.03.

    Die wunderbare Kerstin bleibt heute an meiner Seite, quält sich in alten Taxis und bei großer Hitze mit mir durch die Stadt und dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Auch ein hartgesottener Kerl ist manchmal froh, wenn er nicht alleine ist.
    Wir fahren zu einem Orthopädie Geschäft, um einen Verband zu kaufen. Den Tornisterverband, der notwendig wäre, erhalte ich nicht, sondern nur einen Stützverband. Ich nehme, was ich kriegen kann. Wir nehmen ein Taxi zu einem Orthopäden, der sich mein Problem kurz ansieht. Er schreibt ein Geschäft auf, wo ich den notwendigen Verband kriegen sollte. Aber dort gibt es sie nur in Größe small.

    Wir fahren zur Botschaft. Dort spreche ich mit einem Beamten. Ich möchte wissen, worauf ich beim Gespräch mit der Polizei achten soll. Danach fahren wir nach Puente Piedra zur Polizei. Wir warten eine ganze Weile auf einen Übersetzer, der nicht auftaucht. Irgendwann wird der Lenker des Fahrzeuges angerufen.
    Nachdem die ganze Familie angekommen ist, werden wir von den Polizeibeamten rausgesendet, um unsere Fahrzeuge anzusehen und zu plaudern.
    Das ist hier der übliche Weg – die Beteiligten die Sache selbst regeln lassen. Wenn sich diese einigen, wird der Fall ad-acta gelegt.
    Wir diskutieren eine Weile darüber, wer Schuld hat. Die Hauptschuld liegt bei mir, da ich dem anderen reingefahren bin.
    Der andere tut gerade so, als hätte er sich an die Verkehrsregeln gehalten. Tausende Fahrer, die fahren, wie sie wollen und er will uns erzählen, er hat sich brav an die Verkehrsregeln gehalten. Fast 400 EUR soll ich für die Reparatur des Fahrzeuges hinlegen. Wir einigen uns bei ca. 220 EUR. Bestimmt noch zu viel. Ich habe keine große Wahl. Die andere Möglichkeit wäre, den offiziellen Weg zu gehen. Aber das würde unbestimmt lange dauern.
    Wie auch immer, die Sache ist vom Tisch. In einem kleinen Laden wird ein Schreiben aufgesetzt, dass keine weiteren Ansprüche gestellt werden. Als mich der andere dann auch noch frech auffordert, die gesamten Kosten für das Schreiben zu übernehmen, muss ich mich zurückhalten, damit ich nicht unfreundlich werde.

    Zurück auf dem Kommissariat wird ein sachlicher Bericht mit allen Details erstellt und dass der Fall damit abgeschlossen ist. Mein Motorrad und das Fahrzeug der anderen Partei werden freigegeben.

    01.04.

    Heute bin ich damit beschäftigt jemanden zu finden, der mir das Motorrad vom Kommissariat abholt. Ich schreibe alles an, was ich finden kann. Bart startet einen Aufruf auf Facebook, dass ein verletzter Freund in Lima festsitzt und Hilfe benötigt. Faizal aus Malaysia meldet sich, er ist in Lima und kennt jemanden. Faizal ist mit zwei Freunden auf einer Welttour. Sie wurden irgendwo bei einer Pause von einem Deutschen, Harald, angesprochen. Harald hat ein paar Motorräder, die er vermietet, und er hat in einem Einkaufszentrum ein Geschäft für Motorradzubehör. Mit ihm nehme ich Kontakt auf.

    02.04.

    Harald organisiert eine Firma, die mit einem Kleinbus mein Motorrad von der Polizei abholt. Das Motorrad kann ich bei Harald unterstellen.
    Ich sortiere aus, lasse ein paar Dinge zurück und packe ein, was ich mit nach Hause nehmen möchte. Harald nimmt mich mit zu sich nach Hause und gibt mir noch einen Koffer für meine Sachen.
    Er bietet an, den Transport meines Motorrades nach Deutschland zu organisieren. Damit meine Anwesenheit vor Ort nicht notwendig ist, benötigt Harald eine Vollmacht, dass er das Motorrad verschiffen kann. Auch das nimmt er in die Hand. Harald lädt mich am Abend zu einem Motorradfahrer Treffen ein, auf dem ich dann auch Faizal treffe.

    03.04.

    Warten.
    Wer Lima besucht und sich nur in den schönen Bezirken Miraflores und San Isidro aufhält oder im historischen Zentrum, hat Lima nicht gesehen. Der Unfall und die vielen Taxifahrten haben mich durch verschiedene Bezirke geführt.
    Miraflores und San Isidro sind die reichsten Stadtteile in Lima. Nahe am Meer, schicke Wohn-Hochhäuser und Restaurants, nette, saubere Parks und Straßen.
    Im krassen Gegensatz dazu die Aussenbezirke. Tausende von Bussen und Autos verstopfen die Straßen, die Gehsteige sind voll mit Leuten, es ist laut und oft ist es schmutzig. Stundenhotels reihen sich manchmal eines neben das andere.

    04.04. 

    Am Nachmittag ruft mich Harald an, dass die Vollmacht fertig ist und ein Angebot für die Verschiffung vorliegt. Mit einem Angestellten Haralds gehe ich in ein Anwaltsbüro und unterschreibe. Danach spazieren wir zu Haralds Motorradshop, wo ich die Verschiffung bezahle.
    Nachdem alles erledigt ist, rufe ich sofort die Flugambulanz an. Schon für den nächsten Tag erhalte ich einen Flug nach Hause.

    05.04. / 06.04.

    Ich besuche noch mal Harald in seinem Shop, um mich zu verabschieden. Am Abend geht es in der Businessclass nach Hause.
    Es ist mein erster Langstreckenflug in der Businessclass. Man kann sich daran gewöhnen. Ich hätte jedoch gerne darauf verzichtet, um weiterreisen zu können.
    Neben mir sitzt ein Bolivianer, der zum internationalen Gerichtshof nach Den Haag fliegt, um die Situation in Venezuela zu diskutieren. Die politische Situation hat sich in Venezuela in den letzten Monaten sehr verschlechtert.
    Ich komme am Abend in Wien an. Beim Verlassen des Flughafens kaufe ich noch schnell einen Block Manner Schnitten. Ich bin wieder zu Hause.

    07.04. bis …

    So schnell herausgerissen aus meiner Reise, muss ich mich erst an die neue Situation gewöhnen. Mit meiner Verletzung bin ich sowieso noch etwas eingeschränkt. Die Heilung meiner Brüche wird 4 bis 5 Wochen in Anspruch nehmen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

    P.S. Bleibt dran, noch bin ich nicht fertig mit Schreiben, es werden fürs erste noch 1, 2 Einträge folgen.

  • Unfall mit Folgen

    Tja, es handelt sich um keinen verspäteten Aprilscherz. Meine Reise hat ein abruptes Ende gefunden.
    Bloß mal in Kürze.
    Ich hatte am 30.03. am Nachmittag, als ich auf der Panamericana Lima durchfahren wollte, einen Unfall. Ich bin einem Auto, das mit dem Hinterteil auf der Fahrspur gestanden ist, ziemlich arg reingeknallt. Dazu sollt man wissen, wenn man hier die Stoßzeit überlebt, hat man schon Glück gehabt.

    Ergebnis: linkes Schlüsselbein gebrochen, linke Rippen und Seite zumindest geprellt, genaueres weiß ich noch nicht, rechte Hand beim Daumen etwas geprellt. Ich war kurz im Spital in dem Außenbezirk. Dort war ich  nur in der Ambulanz, Schlüsselbein wurde geröngt, dann wurde ich weggeschickt, um meinen Verband selbst zu kaufen.

    Die Front meines Motorrades ist hinüber. Es hat ein paar Tage gedauert, alles mit dem Motorrad zu organisieren. Aber jetzt kann ich endlich heim. Sonntag, ca. 19 Uhr komme ich in Wien an.

    Details, sobald ich wieder beide Hände zum Schreiben habe.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

    schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

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    20.03., 21.03.

    Von Copacabana, in Bolivien, nach Puno, in Peru, ist es nur eine kurze Fahrt. Peter und ich kommen gegen Mittag dort an.
    Wir buchen am Nachmittag einen Ausflug zu den schwimmenden Inseln auf dem Lake Titicaca. Die schwimmenden Inseln sind die „Heimat“ des Uro Volkes, die der Geschichte nach schon vor der Sonne existiert haben. Sie haben „schwarzes“ Blut und sind gegen Kälte unempfindlich, konnten nicht ertrinken und waren immun gegen Blitze. Ihren Status als Übermenschen haben sie verloren, weil sie ungehorsam gegenüber den Gesetzen des Universums geworden sind und sich mit den Menschen vermischt haben. Die Uros waren eines der ersten Völker in den Anden, lange vor den Incas. Die Incas haben die Uros wegen ihrer einfachen Lebensweise als niedrige Klasse angesehen und schlecht behandelt. Irgendwann haben sie sich auf das Wasser zurückgezogen, um den Angriffen zu entkommen.

    Trotz ihrer einfachen Lebensweise hat das Volk der Uros die hoch entwickelten Incas mit ihren großen Tempeln überdauert.
    Die Inseln bestehen aus ca. zwei Metern Torfschicht belegt mit einem Meter Schilfart. Auf den kleineren Inseln leben 5 bis 7 Familien. Eine dieser Inseln hat vielleicht 15 bis 20 m Durchmesser. Gut gewartet, kann eine Insel gut 30 Jahre halten. Auf den Inseln bei Puno leben knapp 2.000 Personen. Mittlerweile ist der Tourismus eine große Einnahmequelle.

    Am Abend des ersten Tages sind Peter und ich in Puno unterwegs. Zu viele Mojitos zwingen mich, einen weiteren Tag halt zu machen. Ungefähr 400 km nach Cusco möchte ich in einem zweifelhaften Zustand nicht in Angriff nehmen.
    Peter geht es besser als mir und er fährt weiter.

    22.03., 23.03.

    Knapp 40 km von Puno entfernt liegt die Großstadt Juliaca. Ein ziemlicher Moloch. An der Ausfahrt ist die Straße mit kleineren und bis zu Fußball großen Steinen und teilweise zerschmetterten Glas übersät. Hin und wieder brennt irgendetwas leicht vor sich hin. So gut es geht, fahre ich langsam durch. Ich schätze mal, nach gut 100m werde ich von Einheimischen angehalten. Eine Demonstration, anscheinend heftiger. Bald bin ich von einem ganzen Haufen Leuten umringt. Ich bin aber noch gut weitere 100 bis 150 m vom Mob entfernt. Aus Sicherheitsgründen, so sagt man mir, soll ich einen Umweg nehmen. Halb so schlimm, es sind bloß 15 km mehr. Anscheinend war die Demonstration Vortags an der anderen Ausfahrt. Auch hier ist die Straße auf 300 bis 400 Metern kaum befahrbar und ebenso mit Steinen und Glassplittern bedeckt.

    Cusco ist architektonisch ein wahres Highlight, wenn auch, wie fast ganz Südamerika, mit zweifelhaftem historischen Hintergrund.
    Einst war, wo heute Cusco liegt, das Zentrum des Inca Imperiums. Die Spanier haben viele der Inca Gebäude und Stätten zerstört und die Steine für den Bau ihrer massiven, riesigen religiösen Bauten verwendet und davon gibt es viele in dieser Stadt.
    Abends treffe ich wieder Peter, der Maurice aus Irland/Australien mitbringt – ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs. Der Abend endet erneut feuchtfröhlich, was am nächsten Tag eine ausgiebige Sightseeing Tour meinerseits verhindert. Peter hat einen schlechten Einfluss auf mich. Er behauptet natürlich, es ist andersrum.

    24.03., 25.03. 
    Ich fahre weiter nach Ollantaytambo, das nur etwa 60 km von Cusco entfernt liegt. Schon zeitig am Morgen, als ich wegen meinem Ticket für Machu Picchu durch die Gegend laufe, gibt es in Cusco nahe meinem Hostel kleinere Straßensperren. Auf der Ausfahrtsstraße versperren dann Reifen komplett den Weg. Hier scheint der Mob nicht ganz so böse wie zwei Tage zuvor. Kinder spielen auf der Straße, es geht fröhlicher zu. Mit dem Motorrad kann ich mich aber leicht durchzwängen.

    Ollantaytambo war einst ebenso eine sehr bedeutende Inca Stadt. Sie ist eine der wenigen Städte, wo man die Stadtplanung der Incas sehen kann. Der Betreiber des Hostels zeigt mir den Hintereingang zur Hauptattraktion des Dorfes. dem massiven Inka Komplex mit seinen Terrassen, die sich den Berg hochziehen. Weiter oben auf dem Berg findet sich ein Tempel für religiöse Zwecke. Ich habe Glück, als ich mich reinschleiche, dass gerade kein Mitarbeiter im hinteren Bereich war. Einmal was verbotenes tun. 🙂

    Ollantaytambo ist der Ausgangspunkt zu Machu Picchu. Entweder per Zug oder zu Fuß auf dem berühmten Inca Trail. Obwohl sich hier eine Menge Touristen tummeln, ist der kleine Ort ziemlich gemütlich.
    Ich treffe ein letztes mal auf Peter, der schon Tags zuvor angereist war. Die Geschichte vom falschen 50er habt ihr sicher schon gelesen.

    26.03.

    Am 26.03. geht es zeitig in der Früh los. Zuerst mit dem Zug entlang des reißenden Urubamba Flusses. 1 1/2 Stunden dauert die Fahrt, die in Aquas Calientes, nunmehr Machu Picchu Dorf, endet. Machu Picchu Dorf liegt auf ca. 2.000m Seehöhe. Von dort geht es mit dem Bus über eine steile, enge, geschwungene Straße ca. 350 Höhenmeter zur Inca Stadt hoch. Eine weitläufige große Anlage, eingebettet in die Berge, die ringsherum in die Höhe ragen. Eine Stadt in einem unwegsamen Gebiet. Man kennt Machu Picchu aus Fernsehen und Zeitschriften. Es ist ein Erlebnis, es live zu sehen.

    27.03. / 28.03.

    Für zwei Nächte komme ich zurück nach Cusco. Ich habe ein paar Sachen zu erledigen und dafür ist eine große Stadt besser geeignet, als ein kleines Dorf.
    Ich gerate beinahe in Termin-Not.

    Für den ersten Abend habe ich mich mit Kerstin aus Deutschland verabredet, die ich tags zuvor im Hostel in Ollantaytambo getroffen habe.
    Für den Nachmittag am 28.03. haben sich Steve und Ollie angekündigt. Steve Harpt – einer der drei Steves – den Andi und ich in Patagonien getroffen haben. Ollie, ein guter Freund von Steve, ist für knapp zwei Wochen aus Botswana angereist, um mit ihm durch die Gegend um Cusco zu reisen. Sie waren in der Nähe von Cusco und es wäre schade gewesen, wenn wir uns nicht mehr getroffen hätten.

    Als ich durch Cusco spaziere, sehe ich plötzlich Alfred und Rosi an einem Tisch in einem Restaurant sitzen. Mit Alf und Rosi sind Andi und ich für drei Tage auf der Careterra Austral in Chile unterwegs gewesen. Das Wiedersehen ist herzlich. Wir plaudern eine Weile und verabreden uns für den nächsten Abend.

    Die letzten Tage waren wieder eine gute Zeit,
    Ich habe neue Leute kennengelernt, Peter, mit dem ich lustige Abende verbracht habe, die bezaubernde Kerstin und ich habe „alte“ Bekannte getroffen.
    Es sind Tage, an denen das Heimweh verschwindet.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Die kurze Geschichte vom falschen 50er

    Die kurze Geschichte vom falschen 50er

    In den letzten Tagen habe ich von schwimmenden Inseln, Cusco und Machu Picchu einiges gesehen. Aber darüber mehr in zwei bis drei Tagen. Hier mal die Geschichte vom falschen 50er.

    In Ollantaytambo war ich mit Peter, den ich in Bolivien getroffen habe, in einem Restaurant essen. Hier in Peru ist es immer gut, kleine Scheine in der Geldbörse zu haben. Manchmal ist es in den kleinen Läden schon ein Problem, wenn man mit 20 Soles Scheinen bezahlt. Es fehlt immer an Wechselgeld. Das Restaurant in dem wir waren ist eher gehobene Mittelklasse, ein Hauptgericht kostet zwischen 7 und 10 EUR. Wie auch immer. Unsere Rechnung macht knapp 140 Soles aus. Ich habe nur noch 100er und 200er Scheine in meiner Börse. Peter legt einen Haufen 10er und 20er auf den Tisch. Damit ich wieder etwas Kleingeld in meine Börse bekomme, nehme ich Peters Geld an mich und bezahle mit zwei 100 Soles Scheinen. Als Wechselgeld erhalte ich 50 und 10 Soles zurück.

    Am nächsten Tag bin ich zeitig auf und marschiere für gut 2 1/2 Stunden in der nahen Umgebung von Ollantaytambo rum. Gegen Mittag habe ich gut 7 bis 8 km hinter mir. Ich gönne mir eine Rast und setze mich auf dem Hauptplatz in ein kleines Restaurant. Dort esse ich eine kräftige Hühnersuppe und trinke ein Bier dazu. Ich möchte mit dem 50 Soles Schein bezahlen und werde sofort freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine Fälschung handelt – offensichtlich, wie ich nun auch sehe. Jedoch so gut, dass es für einen Touristen, der wenig darauf acht gibt, nicht erkennbar ist. So viel Aufmerksamkeit habe ich den Banknoten auch nicht geschenkt – bis dahin zumindest nicht.
    Mir war sofort klar, wo ich den 50er tags zuvor erhalten habe. Habe ich ihn bewusst erhalten? Oder war es Zufall? Ich weiß nicht, was ich denken soll. Der 50er bleibt vorerst mal in meiner Geldbörse.
    Ich schmiede Plan A, nochmal in dieses Restaurant zu gehen, mit dem 50er zu zahlen und ihn ebenda wieder zurückzulassen.

    Als ich tags darauf am Nachmittag von Machu Picchu am Bahnhof in Aquas Calientes zurück bin, habe ich noch etwas Zeit. Da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe, kaufe ich ein Sandwich und ein Getränk und gebe versehentlich den falschen 50er her. Er wird anstandslos genommen. Nun gut, denke ich, das war zwar nicht mein Plan, aber ich bin ihn wieder los. Gut 10 Minuten später werde ich von den Restaurants Bediensteten darauf angesprochen. Ich stelle mich natürlich dumm und frage was los ist. Wieder zeigt man mir, dass der Schein falsch ist. Ich möchte einen Aufruhr vermeiden und nehme den Schein zurück.

    Also zurück zu Plan A. Moralisch habe ich etwas Zweifel, aber da mittlerweile an zwei verschiedenen Stellen die Fälschung erkannt wurde, nehme ich an, dass mir das Restaurant den falschen 50er bewusst gegeben hat.

    Das „Verbrechen“ wird bis ins kleinste vorbereitet. Ich laufe um das Restaurant herum und suche den besten „Fluchtweg“. Ich denke darüber nach, welchen Platz ich im Restaurant einnehmen werde, damit ich schnell raus bin, solange die Kellnerin noch zur Kassa unterwegs ist. Ich überlege, dass ich um 60 Soles esse. Wie ich das Geld so auf den Teller platziere, dass Betrag und Rechnung erkannt werden. Dass ich den 50er so mit dem 10er überdecke, dass nur mehr ein Eck frei ist, auf dem die Nummer 50 sichtbar ist und ich noch ein paar einzelne Soles, als Trinkgeld und als Beschwerung, drauflege.

    Am Abend kehre ich also zurück in das besagte Lokal und setze mich strategisch hin. Das Essen schmeckt ohne Zweifel gut. Ich nehme ein Steak, ein Bier und danach noch einen Cocktail – in Summe genau 60 Soles. Am großen Nebentisch sitzt – wie am Abend mit Peter – wieder eine große Gruppe mit 16 oder mehr Leuten. Und hier kommt mir der Zufall zu Gute. Ich bin kurz davor, die Rechnung zu verlangen, als die große Gruppe zu zahlen beginnt – fast jeder einzeln. Jede Menge kleine Teller mit Rechnungen werden ausgeteilt. Die Leute sind am plaudern, es dauert bis alle den Betrag hinlegen und die Teller eingesammelt werden. Ich nutze das „Chaos“, frage ebenso nach der Rechnung und platziere die Scheine wie vorgesehen auf den Teller. Meine Rechnung vermischt sich mit den anderen. Ich bin schnell aus der Tür raus und verschwinde um die nächsten zwei Ecken in den engen dunklen Gassen. Das „Verbrechen“ ist geglückt.

    Ich bin mir sicher, dass sehr bald ein anderer Tourist mit dem Schein zu kämpfen hat.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Höhen und Tiefen

    Höhen und Tiefen

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    26.10., 27.10., 28.10.

    Caraz – Huanuco – Huancayo. 750km

    Ich bin diesmal zwar besser vorbereitet als beim letzten Mal, habe alles griffbereit, Socken, T-Shirts, Gesichtsmaske, kalt und beschissen wird es trotzdem.

    Gut die Hälfte der Strecke, z.B. Cerro de Pasco nach Junin und weiter, führt auf weiten Hochebenen, zwischen 4.000 und 4.500 Höhenmetern dahin. Es regnet, der Wind weht kalt. Es ist ein Graus bei diesen Bedingungen zu fahren. Es ist Regenzeit in den Bergen, die von Oktober bis einschließlich März dauert.

    In Huanuco gehe ich am Abend noch zum Bäcker. Ich möchte ein paar Kleinigkeiten kaufen. Ich zeige mit meinen Fingern, dass ich 2 Stück von einem Gebäck haben möchte. Die Dame hinter dem Tresen beginnt einzupacken.

    Ich zeige nochmal 2.

    Sie: Si, 2 Soles.

    Ich: Nein, 2 Stück.

    Sie: Si, 2 Soles.

    Bringt nichts. Ich halte den Mund und sehe zu wie sie unaufhörlich einpackt. Für 2 Soles, umgerechnet 0,6 EUR Cent erhalte ich 20 Stück von kleinen runden Strizzeln. Das Frühstück für die nächsten Tage ist gesichert. Seitdem frage ich vorher immer nach, wenn ich Kleingebäck kaufe.

    Nach Hunancayo ist die Straße anfangs eine einzige Katastrophe. Sie ist mit Schlaglöchern übersät, stellenweise besteht sie nur aus Schotter. Ich fahre durch Dörfer, deren Straßen nur aus Erde bestehen, nun schlammig, vom Regen aufgeweicht. Ich komme kaum nach, um mir mit einem Tuch das Visier von den Kotspritzern sauber zu halten. Es nieselt leicht dahin. Die ansonsten staubigen Straßen verwandeln sich in dreckige Wege.

    Dann, auf den letzten 100 km ist die Strecke wieder einspurig im steilen Gebirge, unterbrochen von Senken, an denen das Wasser talwärts rinnt. Mit nicht mehr als 25 km/h krieche ich dahin.

    Auch die Straßenköter sind in Peru verblödeter als anderswo. Es jagen mir hier mehr Hunde hinterher als in den anderen Ländern. Manchmal laufen sie direkt vor das Motorrad. Man muss achtgeben, dass man sie nicht überfährt. Das tun sie übrigens oft auch bei Autos. Das Ergebnis sieht man zeitweise, wenn sie zermatscht auf der Straße liegen. Hin und wieder mache ich mir den Spaß und fahre langsamer, so dass sie mich gerade nicht erwischen, und lasse sie eine Weile hinter mir herjagen.

    Vollkommen verdreckt, müde und ausgelaugt, erreiche ich Huancayo. Es geht mir überhaupt nicht gut. Ich habe leicht Fieber. Am nächsten Morgen checke ich eine zweite Nacht ein und bleibe im Bett. Von Essen, so wie am Vortag, ist noch immer keine Rede.

    Mit dem Essen ist das auch so eine Sache. Hier werden Vor- und Hauptspeise auf einmal gebracht. Manchmal stand die Hauptspeise noch vor der Suppe auf dem Tisch. Das war etwas gewöhnungsbedürftig. Von Rindfleisch möchte ich abraten. Ich habe es zweimal bestellt und wurde zweimal enttäuscht, war zäh wie Leder. Vielleicht hatte ich auch nur Pech.

    Am Nachmittag gehe ich kurz raus. Ich hole mir vitaminhaltige Fruchtgetränke und Wasser. Medikamente habe ich noch. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich liegen soll. Zumindest schlafe ich heute länger durch als die Nacht zuvor.

    Da war der Moment, wo ich mir gedacht habe: Warum? Der Moment, wo du dein Motorrad in eine Ecke stellen und für eine Woche nicht einmal ansehen möchtest.

    29.10., 30.10.

    Mir geht es wieder besser.

    Beim Verlassen des Hostels, Hostel Samay, übrigens eine sehr sehr nette Familie, warnt mich die Hostelbetreiberin vor korrupter Polizei. Das kann ich bis jetzt überhaupt nicht bestätigen, ganz im Gegenteil. Ich wurde ein paarmal aufgehalten, und bis jetzt empfinde ich die peruanische Polizei als die freundlichste von den Ländern, die ich durchquert habe. Am zweiten Tag oder so, haben mir zwei sogar den Rat gegeben langsam zu fahren, weil auf der weiteren Strecke, vielleicht Radarpistolen eingesetzt werden.

    Die Polizei ist hier aber leicht zu erkennen. Schon von Weitem sieht man sie. Sie stehen in weißen Nissan Geländewagen, entweder mit offenem oder geschlossenem Heck, quer zur Straße.

    Ich habe die Berge satt und fahre zurück an die Küste. Für heute habe ich mir eine kurze Etappe von knapp 250 km vorgenommen. Das kann auf diesen kurvigen, oft einspurigen Bergstrecken zwischen 5 und 6 Stunden Fahrt bedeuten.

    Der Wettergott meint es gut mit mir. Es bleibt sonnig. Heute ziehe ich jedoch alle Register. Anstatt nur 2, trage ich 3 T-Shirts, zusätzlich die lange Unterhose und meine Mütze unter dem Helm. Auf diese Weise und bei dem sonnigen Wetter ist die Fahrt erträglich. Bevor es wieder bergab geht, muss ich nochmal hoch, auf über 4.700m.

    Dann führt die Straße entlang des Rio Canete. Je weiter ich ins Tal komme, desto wärmer wird es. Ich genieße die Fahrt und die Landschaft. Auf halbem Weg wird eine Brücke repariert. Ich muss den Fluss kreuzen. Der Fluss ist breit, das Wasser rinnt stark. Ich fahre durch. Es wird tief. Das Wasser langt mir fast bis an die Knie. Ich bin fast am Ufer .. fast. Zack liege ich im kalten Wasser. Zwei Arbeiter eilen heran und helfen mir, das Motorrad hochzuhieven und auf die Straße hochzuschieben. Muss das sein? Kann es nicht einen Tag gut laufen?

    Meine Koffer sind nach diversen Umfallern alles andere als dicht.

    Ein Stück weiter bleibe ich stehen und mache Pause. Ich breite meine nassen Sachen in der Sonne aus. Sie trocknen schnell, die Sonne brennt stark vom Himmel.

    In Lunahuaná checke ich erneut für 2 Nächte ein. Ich muss meine müden Knochen etwas ausruhen.

    Am nächsten Morgen haben ein paar Spaßvögel von Hotelgästen gewagt, sich an meinem Motorrad zu vergreifen. Wollten es wahrscheinlich aufrichten. Die Alarmanlage ging los. Ich weiß nicht, wer es war. Als ich draußen war, hatten sie sich wieder verteilt.

    Mein Motorrad wird vom Dreck der letzten Wochen gereinigt. Es wurde Zeit. Ein kleiner älterer Typ führt die Arbeit durch. Wann immer er das Motorrad ein Stück weiter schiebt, reißt es mich vom Stuhl, weil ich Angst habe, dass er mitsamt Motorrad umfällt und darunter begraben wird. 

    Ich nutze den Vormittag, um auch die Motorradkleidung etwas zu reinigen und kleine Wartungsarbeiten durchzuführen.

    Dann springe ich in den Pool. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in Peru die Badesachen gebrauche. Der heutige Tag tut ziemlich gut.

    Am späten Nachmittag komme ich bei einem Spaziergang durch das Dorf an einem Friseur vorbei. Ich entscheide mich, auch diese Sache noch zu erledigen. Es ist eine kleine einfache Bude, ein Stuhl für Erwachsene und einer für Kinder. Am Spiegel hängt ein Aufkleber, ich übersetze das mal frei: „Dies ist ein katholisches Haus. Protestanten und andere Sekten mögen sich bitte fern halten.“

    Hier wird noch auf die klassische Art gearbeitet. Kamm und Schere sind das einzige Werkzeug.

    Die Dame ist die ganze Zeit über reserviert und blickt etwas grimmig drein. 4 Soles / 1,1 EUR soll das ganze kosten. Als ich ihr 5 Soles gebe, strahlt sie über das ganze Gesicht.

    31.10., 01.11.

    Ich bin wieder auf der Panamericana Richtung Süden unterwegs. Es hat sich noch immer nichts verändert. Die Panamericana ist nahe an der Küste ein langes verschmutztes Band, das durch eine Wüstenlandschaft und wenig attraktive Städte und Dörfer führt und auf dem man ständig gegen den Seitenwind ankämpft. Nach Ica beginnt die Strecke schöner zu werden, die Entfernungen zwischen den Siedlungen werden größer. Die Wüste hat hier mehr Reiz, es ist auch nicht mehr so verdreckt.

    Oft fährt man in Schräglage dahin. Spannend ist es immer, wenn man einen LKW überholt. Für einen Moment herrscht Windstille, bevor einen der Wind wieder mit voller Stärke in die Mangel nimmt.

    Nach den kurvigen Strecken der letzten Tage ist es geradezu erholsam, eine Weile zügig nur geradeaus zu fahren. Bei guter Musik kann man auch mal die Gedanken schweifen lassen.

    Am Straßenrand sind kleine Bäume gepflanzt, die mit Stricken festgebunden sind, damit sie nicht vom Wind umgeweht werden. Sie wirken wie karge Geschöpfe, die mit ihren Ästen nach etwas greifen zu scheinen.

    In Peru sind mir unterwegs einige Radfahrer begegnet. Auf Meereshöhe in der Wüste und auch in den Bergen auf über 3.500 Metern. Vollbepackt treten sie langsam in ihre Pedale. Ich grüße auch diese Zweirad-Chaoten.

    In Nazca ist Maria Reiche öffentlich stark sichtbar, nicht überall mit vollem Glanz.

    Heute ist Halloween. Als ich am Abend raus gehe, um essen zu gehen, kann ich meinen Augen kaum trauen. Eltern, also fast nur Mütter, laufen mit ihren verkleideten Kindern durch die Straßen. Dort, wo ein Geschäft Süßigkeiten anbietet, bilden sich Trauben. Die Straßen sind brechend voll.

    Da sich die Nazca Linien vom Boden aus schwer betrachten lassen, gehe ich in die Luft.

    Kann mir eine der Damen erklären, wozu man für einen halbstündigen Rundflug in einem Kleinflugzeug einen ganzen Sack voll mit Hygeneartikel benötigt?

    Und dann fängt sie auch noch an zu schimpfen, als ihr bei der Sicherheitskontrolle Flüssigkeiten weggenommen werden.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Blaue Augen

    Blaue Augen

    Album

    19.10., 20.10.

    Peru gefällt mir auf Anhieb. Die ersten zwei weiblichen Bediensteten, denen ich an der Grenze begegne, machen mir Komplimente für meine schönen blauen Augen. 🙂

    Die ersten zwei Nächte verbringe ich in Máncora an der Küste. Es ist wieder mal an der Zeit, meine Wäsche waschen zu lassen. Ich soll einen Zettel ausfüllen, mit der Anzahl an unterschiedlichen Kleidungsstücken, die sich im Plastiksack befinden. Ich habe keine Lust nochmal auszupacken und zu zählen und schreibe drauf „beinahe alles was ich habe“.

    21.10. 

    Heute fahre ich knapp 400km nur auf der Panamericana die Küste entlang. Oft geht es nur geradeaus. Vom Meer her weht ständig ein starker kalter Wind.
    Landschaftlich ist die Gegend nicht sehr aufregend. Es handelt sich um eine karge, öde Wüstenlandschaft die hin und wieder von Dörfern und Städten unterbrochen wird. In der Nähe der Städte gibt es oft grüne Felder, Reis, Mais, Zuckerrohr und andere Sachen. Auf weiten Teilen gleicht die Strecke einer Müllhalde.

    Ich stoppe in Chicklayo. Bis auf den Hauptplatz ist mir die Stadt nicht sehr sympathisch. Es herrscht hektischer Verkehr und auch hier liegt viel Müll auf den Straßen.

    Im Hotel frage ich, ob es einen Parkplatz gibt. Die Dame an der Rezeption sagt: Wir parken es hinten im Frühstücksraum.
    Der Eingangsbereich ist vielleicht 70cm breit. Ich sehe sie ungläubig an. Gnädiges Fräulein, haben Sie einen Blick auf mein Motorrad geworfen? Es ist etwas größer als die hier übliche Standardausführung.
    Ich nehme die Koffer ab, dann stopfen wir – ein Mitarbeiter des Hotels, ein Security Mann und ich – das Motorrad mit vereinten Kräften durch die Lobby nach hinten.
    In den nächsten Tagen wird es zur Gewohnheit, das Motorrad in der Lobby oder ähnlichen Bereichen zu parken.

    22.10.

    Auf dem Weg nach Cajamarca fahre ich kurz etwas abseits von asphaltierten Straßen. Ich falle .. wieder mal. Ist ja schon länger nicht mehr passiert. Diesmal auf die rechte Seite. Der Koffer ist leider auf eine Weise verbogen, dass der Tankdeckel blockiert ist. Es wäre etwas mühsam, bei jedem mal tanken den Koffer abnehmen zu müssen. Also wieder ein erneuter ungeplanter Tag Zwischenstop.
    Cajamarca ist jedoch gemütlich. Für knapp 6 EUR erhalte ich ein Zimmer mit Blick auf den Hauptplatz. Wie ich nachlese, ist Cajamarca eine wohlhabende Stadt. Man sieht es ihr ein wenig an. Der Wohlstand kommt vom Gold, das in der Umgebung abgebaut wird.

    23.10. 

    Vormittags begebe ich mich auf die Suche nach einem Mechaniker, der mir die beiden Koffer wieder ausklopft. Ich lasse endlich auch den Koffer, der bei meinem Sturz in Honduras vor über einem Monat verbeult wurde, geradebiegen.
    Der Mann arbeitet über eine Stunde. Das Ergebnis ist weitaus besser, als ich erwartet habe. Am Ende verlangt er 10 Soles, knapp 3 EUR für die Arbeit. Ich gebe ihm das doppelte.
    Auch der restliche Tag läßt sich sinnhaft mit Sightseeing und dem nach Hause senden von Zeugs, das ich nicht benötige, verbringen. Kaum zu glauben wie lange es dauert ein Paket aufzugeben. Für den Zoll in Österreich schreibe ich ein noch ein paar nette Worte, dass es sich nur um Sachen handelt, die ich auf meiner Reise nicht benötige.

    24.10.

    Da ich keine „vernünftige“ Route durch die Berge finde, beschließe ich, wieder zurück an die Küste zu fahren. Trotzdem möchte ich nicht wieder die gleiche Strecke zurückfahren, die ich zwei Tage zuvor hochgefahren bin, deshalb geht es in einem der Dörfer weg von der Hauptstraße Off-Road. Die Strecke hat es in sich. Ich benötige knapp 3 1/2 Stunden für 60km. Auf Schotterstraßen geht es von ca. 1.000m auf 3.000m hoch in die Berge. Zum Glück spielt das Wetter mit und es ist warm und sonnig. Nicht auszudenken, wenn ich hier bei Regen fahren müsste. Die Straße schmiegt sich meist eng an die Berge. Die Hänge gehen steil bergab. An manchen Stellen ist sie nur aus dem Fels gehauen, maximal vier-fünf Meter breit. Links geht der Fels senkrecht nach oben, rechts geht es ebenfalls senkrecht weit nach unten. Ich wage den Blick nicht von der Straße zu nehmen. Immer eng am Berg schleiche ich langsam dahin.
    Auf halbem Weg findet sich das wunderbare Städtchen Contumaza. Ich überlege hier Stop zu machen. Aber ich „muss“ weiter. Peru ist groß und ich möchte Anfang November in Chile starten.

    Auch aus einem anderen Grund muss ich mich „beeilen“. Mitte Dezember treffe ich mich in Punta Arenas mit meinem Freund Andi. Aus verschiedenen Gründen hat er etwas Abstand von zu Hause notwendig. Wir fahren gemeinsam für 3 bis 3 1/2 Monate wieder hoch bis nach Kolumbien. Sein Motorrad ist bereits auf dem Weg.

    In der Nähe von Trujillo finde ich am Strand ein Hostel. Der Abend endet mit ein paar der Leute aus dem Hostel in einer Bar. Die Mojitos um knapp 1 EUR zeigen am nächsten Morgen ihre Wirkung in Form eines leichten Hangovers.

    25.10.

    Die ersten km hänge ich wieder auf der Panamericana. Landschaftlich hat sich nichts verändert. Weiterhin handelt es sich um eine öde Wüste. Es ist wolkig und wie auch Tage zuvor weht der Wind stark von Westen. Ich bin überzeugt, den ganze Weg nach Süden wird es nicht besser.

    Vor ein paar Tagen haben Lauren und Adrian vom Canyon del Pato erzählt, eine Schotterpiste, die von der Panamericana weg nach Caraz führt. Lange geht es ziemlich flach durch eine Felslandschaft den Rio Santa entlang. Manchmal ist die Piste breit und man kann auch schneller dahinfahren. Oft wird man aber ordentlich durchgerüttelt. Eine ziemliche Herausforderung für das Material. Des Öfteren führt der Weg durch Tunnel. Einfache Röhren, die wahrscheinlich vor sehr langer Zeit in den Fels gehauen wurden. Die Sonne scheint hell vom Himmel. Die Augen haben keine Zeit sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Die Fahrten durch die längeren der Tunnel sind beinahe ein Blindflug, die Augen auf das Licht am Ende gerichtet.

    Der, für mich, „schlimme“ Teil beginnt zum Glück erst knapp 40 km vor dem Ziel. Die Straße verengt sich erneut auf eine Spur und führt in die Berge. Scheißegal auf welcher Seite ich mich halten müsste, ich fahre, genauso wie gestern, immer eng am Berg und hoffe, dass kein Auto entgegenkommt. Nach der gestrigen Fahrt hätte ich heute gut und gerne auf diesen Teil verzichten können.

    Nichts desto trotz ist der Canyon del Pato ein Muß.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.