Schlagwort: USA

  • Baltimore und weiter nach Süd-Westen

    Baltimore und weiter nach Süd-Westen

    Album

    30., 31.07.

    Von Philadelphia ist es nur eine kurze Strecke nach Baltimore. Eine Freundin rät mir per e-mail einen Umweg über das nahe „Amish-Land“ Lancaster zu machen. Große Farmen finden sich entlang der Strecke. Vorwiegend wird hier Mais angebaut. Straßenschilder weisen darauf hin, auf Pferdekutschen acht zu geben. Im Vorbeifahren ist leicht erkennbar, in welchen Häusern die Amish leben. In den Garagen stehen anstatt Benzin betriebener Fahrzeuge, Kutschen.

    Entspannte 1 1/2 Tage in Baltimore. Gleich nach meiner Ankunft besuche ich Edgar Allan Poe’s Statue, Haus und Grab. Ich gehe zu Fuß. Das Haus, in dem er wohnte, liegt in einer Gegend, vorwiegend mit Reihenhäusern, eher untere Gesellschaftsschicht. 

    Es wurde von einem Verein vor dem Abriss bewahrt und passt so gar nicht mehr in das Umfeld. In einer der Straßen führt ein Jugendlicher auf dem Hinterrad seiner lauten Motocross Kunststücke auf. Ein Polizist, der an einer Ecke in seinem Wagen sitzt, schenkt dem ganzen wenig Beachtung.

    An einem Abend komme ich in einem Pub mit einem jungen PwC (PricewaterhouseCoopers) Mitarbeiter ins Gespräch. Vorwiegend prüft er Bilanzen von Unternehmen. Zwei unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander. Er erzählt mir von seinen 60-70 Stunden Wochen Arbeit, seinem großen Gehalt. Sein erstes Auto war ein Audi A4, ein Geschenk von seinem Großvater. Jetzt fährt er einen A6. Für ihn kommen nur europäische Fahrzeuge in Frage, amerikanische Autos sind Mist. Er braucht ein paar Bier, um von der Arbeit runterzukommen. Hin und wieder geht er raus eine rauchen. 

    Ich erzähle, dass ich meinen Job gekündigt und mein Auto und andere Dinge verkauft habe und mit dem Motorrad quer durch Amerika fahre. Wir trinken ein paar Bier und plaudern.

    01.-04.08.

    Es regnet. Wäre ja nichts Neues. Also rauf auf den Highway und auf zum Ziel. Auf dreihundert Kilometer hält meine Kleidung bei starkem Regen nicht dicht. Wenn das Wasser schon in meine Schuhe rinnt, kann es dann nicht auch von selbst wieder rausfließen? 

    Es geht durch Washington. Washington muss auf meinen nächsten Besuch warten. Vom Highway sehe ich den Obelisken, der in ein Baugerüst gehüllt ist. Vorbei geht es auch am Pentagon.

    Nass komme ich in einem Motel in Petersburg an, irgendwo, gleich ab vom Highway. Ich versuche mit der Heizung meine Kleidung trocken zu kriegen.
    Weiter nach Greensboro. Wieder in einem Motel an der Peripherie. Solche Tage, die hauptsächlich aus Fahren bestehen, noch dazu auf Highways und bei schlechtem Wetter und die dann auch noch in einem Motel am Stadtrand enden, sind etwas öde.

    So schön die Gegenden sind, durch die ich fahre. Die Städte sind mir oft ein Graus. Amerika ist ein Land, das „unterwegs“ ist, so empfinde ich das zumindest. Und vieles ist darauf ausgerichtet. Motels direkt bei der Autobahnabfahrt, nur um zu übernachten und am nächsten Tag wieder auf dem Highway zu sein. 

    Auf den Highways ist Tag und Nacht etwas los, ein riesiges Band an Fahrzeugen, bei Knotenpunkten oft 5 bis 6 Spuren in eine Richtung. Das Auto – ein unverzichtbares Mittel.
    Günstige Motels sind in der Regel nur an der Peripherie zu bekommen. Irgendwo an Highways. Diese, meist riesigen Gebiete, bestehen oft nur aus Handelsgeschäften. Man muss sich hier 6-8 Spurige Straßen vorstellen, die durch das Stadtgebiet führen. Zu- und Abfahrten bestehen oft auch aus 2 Spuren in eine Richtung.

    Fast Food Restaurants in Unmengen, riesige Supermärkte und andere Geschäfte. In Greensboro zähle ich 11 unterschiedliche Fastfood-Restaurants in unmittelbarer Nähe zum Motel. Bei uns sind ja nur McDonalds, Burger King und Subway bekannt. Vom Chinesen bis zum Waffelhaus gibt es hier unzählige Fastfoodketten. Drive Through Schnell Imbiss, Drive Through Bank, Drive Through Auto Werkstatt. Mit dieser Art der Kultur komme ich nicht wirklich zurecht.

    Im Reiseführer lese ich vom „Blue Ridge Parkway“. Leider einen Tag zu spät. Somit fahre ich nur die Hälfte in North Carolina. Der Blue Ridge Parkway ist ein Scenic Drive der in Virigina beginnend über 755km in North Carolina endet. Ein wahr gewordener Motorradfahrer Traum. Keine Unterbrechung durch Ortschaften oder Ampeln … nur fahren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen