Schlagwort: Patagonien

  • weit sind wir nicht gekommen

    weit sind wir nicht gekommen

    Fotos Album
    Andis Video über die ersten Tage

    22.12.

    Tagesausflug zum Fort Bulnes, etwa 60 km süd-östlich von Punta Arenas. Eine der ersten Siedlungen in dieser unwirtlichen Gegend, um die Magellan Straße zu überwachen. Nach ungefähr 6 Jahren sind sie ein Stück weiter nach Norden gezogen und haben Punta Arenas gegründet, weil sie die Wetter und andere Natur-Bedingungen da unten nicht ausgehalten haben.
    Wir treffen im Hostel zwei Burschen und ein Mädchen, die zu Fuß vier Tage noch ein Stück weiter nach Cabo Froward gewandert sind. Cabo Froward ist der südlichste Punkt des Festlandes. Sie erzählen, dass sie viele Flüsse und Bäche überqueren mussten. Es ist ihnen so vorgekommen, als würde die Erde das ganze Wasser, das durch den Kontinent rinnt, da unten ausweinen.

    23.12.

    Wir laufen von A bis Z alles ab und versuchen rauszufinden, wo wir hin müssen, um Andis Motorrad aus dem Zoll zu bekommen.
    Am frühen Nachmittag sehen wir dann im Internet, dass das Schiff angelegt hat. Wir fahren zum Frachthafen und fragen wie lange das abladen dauert und ob es noch möglich ist, das Motorrad am 24. Vormittag abzuholen. Wir erhalten die Antwort, dass sie das nicht genau sagen können. Bei starkem Wind werden die Container nicht vom Schiff gehoben. Man sieht, wer hier unten bestimmt, wann gearbeitet wird.
    Wenn ich so nachdenke, ich bin mir sicher, dass das Wort „Wind“ am häufigsten in meinem Blog vorkommt. Manchmal rüttelt er so stark am Motorrad, wenn es abgestellt ist, dass die Alarmanlage losgeht.

    Am Abend treffen wir Steve und Judy zum Essen. Auch sie sitzen auf unbestimmte Zeit in Punta Arenas fest und warten, dass ihr Ersatzteil eintrifft.

    24.12.

    Während ich mein Motorrad zum Mechaniker bringe, läuft Andi zum Hafen und startet einen letzten Versuch mit seinem Motorrad.

    Ich habe Glück. Mein Dichtring am Stoßdämpfer ist nicht kaputt. Es hat sich nur zu viel Dreck abgelagert und die Dichtung war einfach nicht mehr dicht und hat den Ölaustritt verursacht.

    Andi hat kein Glück. Der Container wurde zwar abgeladen, aber der Zoll öffnet diesen heute nicht mehr. Er bekommt zumindest ein Datum genannt – 26.12.

    Es macht für ihn keinen Sinn, mit nach Puerto Natales zu kommen. Wir entscheiden uns für eine Trennung. Andi bleibt in Punta Arenas. Ich mache mich auf den Weg nach Puerto Natales.

    Und während ich am frühen Nachmittag mit klammen Fingern und klappernden Zähnen Richtung Norden fahre, denke ich an euch zu Hause, wie ihr im warmen Wohnzimmer – vielleicht vor einem Kamin – sitzt und eure Geschenke auspackt.

    Im Hostel verbringe ich einen sehr netten Abend mit ein paar Leuten. Bis spät in die Nacht hinein sitzen wir zusammen und quatschen.

    25.12.

    Regenwetter. Punkt.
    Ich widme mich den gesammelten Werken von Sir Arthur Conan Doyle.

    26.12.

    Warten auf meinen Kumpel. Erneut liege ich weitgehend auf der Couch rum. Am Nachmittag erhalte ich endlich eine Nachricht, dass er und sein Motorrad vereint sind und dass er auf dem Weg nach Puerto Natales ist. Die ganze Prozedur hat etwas länger gedauert als angenommen. Wie Andi erzählt, mussten sie zu dritt auch noch auf die Jagd nach einem blinden Passagier in Form eines Insektes gehen.

    27.12.

    „Wieder unterwegs“, das war der ursprüngliche Titel dieses Artikels. Die nächsten zwei Tage werden wieder zu einer Herausforderung. Wir freuen uns, dass wir knapp zwei Wochen nach Andis Ankunft endlich mit zwei Motorrädern unsere gemeinsame Reise starten können. Wir kommen nicht sehr weit, schaffen gerade mal 200 km.
    Über die Ruta 9 fahren wir Richtung Nationalpark Torres del Paine. Eine wunderschöne Strecke. Wir bleiben ein paar mal stehen, um Fotos zu machen. Die wolkenverhangenen drei Zacken können wir auch aus der Entfernung betrachten, deshalb verzichten wir darauf, den teuren Eintritt in den Park zu zahlen. Bei der Ortschaft Torres del Paine überqueren wir die Grenze zu Argentinien mit dem Ziel El Calafate. Wir möchten 2 Nächte bleiben, um eine Tagestour zum Gletscher Perito Moreno zu machen.

    Kurz nach der Grenze bleibt Andi stehen. Irgendetwas stimmt nicht. Ich bemerke, dass sein Hinterreifen keine Luft hat. Andi ist keine 500km gefahren und hat seinen ersten Platten. Noch dazu der Hinterreifen. Der Vorderreifen wäre viel einfacher zu wechseln. El Calafate liegt noch 200 km vor uns.
    Andi hat noch einen zweiten Schlauch und wir beginnen den Hinterreifen auszubauen. Als wir diesen herunten haben, nähert sich ein Motorrad. Es ist Steve aus Amerika mit dem wir gemeinsam auf der Fähre von Porvenir nach Punta Arenas waren. Wir sind leider nicht mit Montiereisen ausgerüstet. Steve hingegen schon. Er bietet uns seine Hilfe an. Er sagt, dass er schon viele Reifen gewechselt hat und erklärt uns, wie man am besten vorgeht, wo man am ansetzt, worauf man acht geben sollte.

    Andis Hinterreifen hätte komplett neu sein sollen. Wir kommen drauf, dass der Schlauch viel zu groß für den Reifen war und drinnen verwurstet ist. Der Schlauch war auch nicht neu, sondern bereits zweimal geflickt. Ebenso war der Reifen entgegen der Laufrichtung auf der Felge montiert. Sein Reifenhändler hat da ordentlich was versaut. Da wir schon dabei sind, nehmen wir gleich den ganzen Reifen von der Felge, um auch diesen Fehler zu korrigieren. Von der Felge genommen sehen wir dann, dass der Reifen innen komplett aufgerieben ist, Gummistücke fallen heraus. Steve meint sofort, der neue Schlauch wird sehr schnell kaputt gehen.

    Wir entscheiden uns trotzdem den Ersatzschlauch einzubauen und zu versuchen so weit wie möglich zu fahren. Nach ungefähr 2 1/2 Stunden mühsamer Arbeit sind wir bereit, weiter zu fahren. Steve sollte recht behalten. Andi kommt nur wenige Kilometer weit und der Hinterreifen ist wieder platt. Auf meinem GPS Gerät sehe ich, dass sich etwa 30 km weiter eine Tankstelle befindet. Andi fährt langsam und schlingernd mit seinem platten Reifen weiter.
    Steve bleibt bei uns. Sein Sprit wird knapp. Wir erreichen die Tankstelle Tapi Aike. Es ist bloß ein Außenposten. Zwei Zapfsäulen, eine Mini Shop, wo man das Notwendigste kaufen kann, eine Polizeistation mit Zusatzgebäude und eine Garage. In einer offenen Halle stehen ein paar Baufahrzeuge rum. Sprit wird aktuell keiner verkauft, den gibt es nur für Einheimische und Notfälle. Es sind gerade mal 4 Leute hier. Der Tankwart, der nicht immer da ist. 2 Polizisten und ein Bauarbeiter, der aber nur temporär hier ist, weil er auf einer der Estancias etwas baggern muss. Es gibt kein Telefon, kein Mobilfunknetz und auch über Funk kann man El Calafate nicht erreichen. Wo sind wir hier? Werden die Polizisten hierher strafversetzt, wenn sie Mist gebaut haben?

    Wir überlegen einen Plan und entscheiden dann, dass Andi in Tapi Aike campt, ich heute 110 km zurück nach Puerto Natales fahre, morgen 250 km nach Punta Arenas, um einen Reifen und einen Schlauch zu kaufen.
    Wir rechnen das zeitmäßig durch. Wenn ich gegen 7 starte, bin ich in 3 1/2 Stunden in Punta Arenas. Ich brauche ca. 2h bis 2 1/2h bis ich einen Reifen und Schlauch finde und bin gegen 16 Uhr wieder bei Andi. Er bereitet alles soweit vor, dass wir gleich mit der Arbeit beginnen können. Wir schaffen es in zwei Stunden den Reifen zu montieren und erreichen dann El Calafate, das noch ca. 160 km entfernt liegt, gegen 20 Uhr abends.
    Für mich wird es eine verdammt harte Tour. 75 0km an einem Tag, aber es ist zu schaffen. Soweit unser Plan.

    Ich verlasse die beiden. Andi gibt Steve noch 2 Liter Benzin, damit dieser es bis zur nächsten Tankstelle schafft. Ein Polizeibeamter zeigt Andi einen Platz, wo er ein Zelt aufstellen kann. Die Nacht ist eisig und Andi hat keinen Schlafsack. Am nächsten Tag wacht Andi neben einer Katze und einem Hund auf, die ebenfalls Unterschlupf in seinem Zelt gesucht haben.

    Aufgrund der vielen Wechsel zwischen Chile und Argentinien und der vielen Aufregung, weiß ich schon gar nicht mehr, in welchem Land ich gerade bin und in welches ich einreisen möchte. Die Grenzbeamten möchten wissen, warum ich am selben Tag wieder zurück nach Chile möchte. Gegen 21 Uhr erreiche ich Puerto Natales, komme in einem Hostel unter und versuche noch über Internet rauszufinden, wo es in Punta Arenas Reifen gibt. Der andere Steve, mit Judy, gibt mir Tipps. Wie erwähnt, sitzen die beiden ja auch noch immer in Punta Arenas fest und warten auf die Teile für ihre Harley.

    28.12.

    Unser Plan von gestern war ja gut durchdacht. ABER … wir haben einen wichtigen Faktor vergessen … Das Wetter!
    Am Morgen regnet es. Das ist bei dieser Kälte zwar nicht so fein, aber was soll ich machen? Ich mache bei meiner Kleidung dicht, was dicht machen geht und fahre kurz nach 7 Uhr los.

    Die Handschuhe sind bereits nach kurzer Zeit durchnässt. Mehrmals bleibe ich stehen und halte meine Hände hinten an den Auspuff, um sie zu wärmen. Ich ziehe noch ein paar Socken über meine Handschuhe, das hilft aber auch nur begrenzt. Kurzzeitig schneit es dann auch noch. Etwa 50km vor Punta Arenas wird das Wetter zum Glück besser.

    Wegen dem schlechten Wetter und den Pausen, ist es schon nach 11 Uhr, als ich endlich in Punta Arenas ankomme. Ich fahre zuerst zum BMW Mechaniker, der mir Tage zuvor meinen Stoßdämpfer repariert hat. Der hat geschlossen. Ich fahre weiter zu einem Honda Händler, den wir bei einem Spaziergang entdeckt haben. Dieser hat keinen passenden Reifen. Ich fahre weiter in die zollfreie Zone. Dort erhalte ich beim dritten Geschäft endlich einen Reifen. Schlauch haben sie keinen. Der Verkäufer telefoniert rum und gibt mir eine Adresse, wo ich einen passenden Schlauch erhalte. Dort muss ich eine Nummer ziehen.
    Ich habe Nummer 48, aktuell wird Nummer 28 bedient. Es ist 12:10. Samstags schließen die Geschäfte um 12:30. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr bedient werde und mache mich bereit, wenn notwendig, um Hilfe zu betteln. Als ich den Schlauch in Händen halte, ist es schon fast 12 Uhr 45. Ich habe keine Chance mehr Montiereisen zu beschaffen.

    In Punta Arenas ist es warm und sonnig. Die Leute laufen mit kurzen Ärmeln rum. Ich hoffe bloß, dass sich das Unwetter im Norden verzogen hat oder dass es sich zumindest abgeregnet hat. Weit gefehlt, es wird viel schlimmer. Als ich mich wieder den Wolken nähere, wird es eisig kalt. Zuerst beginnt das Wasser der Regentropfen an meinem Visier zu frieren. Bald darauf beginnt es stark zu schneien. Die großen nassen Schneeflocken klatschen mir an den Helm und nehmen mir nach wenigen Sekunden die Sicht. Andauernd wische ich mit meiner linken Hand das Visier frei. Manchmal stecke ich die Hand zwischen die Beine, um sie ein wenig zu wärmen. Meine rechte Hand am Gashebel ist dem Wetter gnadenlos ausgeliefert.

    Für gut 100 km quäle ich mich durch einen heftigen Schneesturm. Die Landschaft färbt sich langsam in weiß. So sieht der Sommer in Patagonien also aus.
    Ich denke nicht, ich fühle nicht, ich klammere mich bloß an meinem Motorrad fest und gebe Gas. In Puerto Natales tanke ich noch mal auf und trinke zitternd eine heißen Becher Kaffee. Der verschwindet ohne Wirkung in meiner kalten Kehle. Bei der Passkontrolle zu Argentinien bildet sich eine Pfütze um mich, weil mir das Wasser aus Ärmeln und Hose tropft.

    Kurz nach 18 Uhr komme ich endlich bei Andi an. Keine Zeit zu plaudern, sehen wir zu, dass wir fertig werden! Andi beginnt mit der Montage. Ich setze mich kurz an den Ofen, um mich ein wenig aufzuwärmen, dann helfe ich Andi. Zeitweise bekommen wir auch Unterstützung von dem Bauarbeiter. Der Bauarbeiter hat ein frisches Lamm und fragt uns, ob wir mit ihm Abendessen möchten, er kann es in den Ofen schieben. Ich lehne dankend ab und sage, dass wir so schnell wie möglich von hier weg wollen.
    Nach 2 Stunden ist der Reifen endlich fertig. Aufpumpen. Die Luft bleibt nicht im Reifen. Es ist zum Mäuse melken. Ohne richtiges Werkzeug haben wir den Schlauch wohl kaputt gemacht, als wir den Reifen auf die Felge gewuchtet haben.

    Langsam kriecht Verzweiflung hoch. Was tun? Andi meint, er hält mich nur auf, ich soll alleine weiterfahren, er wird schon irgendwie weiter kommen. Aber es wird niemand zurückgelassen.
    Nach der heutigen Fahrt will ich nicht und kann ich nicht hier draußen bleiben. Wir treffen erneut eine Entscheidung. Andi bleibt eine weitere Nacht hier. Diesmal darf er drinnen schlafen. Ich fahre nach El Calafate, organisiere dort ein Hostel, sehe mich am nächsten Morgen nach irgendeiner Lösung um und komme zurück. Andis Plan war, den kaputten Reifen zu montieren und die 160 km Nach El Calafate zu fahren. Eine verrückte Idee.

    Ich komme gegen 22 Uhr im Hostel an, laufe dann noch durch ein paar Geschäfte, um Geld auf dem „Schwarzmarkt“ zu wechseln. Das heißt, in kleinen Lebensmittelmärkten oder Souveniershops zu fragen. Der offizielle Kurs liegt bei 1USD = 6 Pesos. Auf dem „Schwarzmarkt“ kriegt man zwischen 8 und 9 Pesos für 1 USD. Danach kaufe ich noch etwas zu essen. Ein Sandwich, eine 200ml Flasche Whiskey und Wasser. Der Verkäufer spricht englisch und meint: Eine seltsame Kombination.
    Vom ständigen Kopf einziehen und gegen den Wind ankämpfen, der dauernd am Helm rüttelt, bin ich am Genick und Schultern vollkommen verspannt. Nachdem ich gegessen und ein paar Schlücke aus der kleinen Flasche genommen habe, falle ich nur mehr erschöpft ins Bett.

    29.12.

    Ausgeruht bin ich bei weitem nicht. Gegen 10 Uhr fahre ich los zu Andi. Meine Idee: Andi samt Reifen und Felge aufzuladen und nach El Calafate zu bringen. Den Reifen am nächsten Tag reparieren zu lassen – heute ist Sonntag – und ihn zurück zum Außenposten zu bringen, um das Motorrad zu holen.
    Als ich in Tapi Aike ankomme, kann ich meinen Augen nicht trauen. Andi ist bereit abzufahren – mit seinem Motorrad, mit dem neuen Reifen und einem geflickten Schlauch. Der Halunke hat es doch tatsächlich alleine geschafft, alles wieder hinzukriegen – den Schlauch zu flicken und den Reifen auf die Felge zu wuchten.
    Bis 11 Uhr abends hat er gearbeitet. Er ist noch rechtzeitig fertig geworden, bevor sie den Stromgenerator abgedreht haben und alles dunkel wird. Nach den zwei Tagen ist auch er fix und fertig. Zwei mal fällt er einfach samt Motorrad um, als wir auf der Strecke nach El Calafate kurz stehen bleiben. 10 km vor El Calafate geht ihm auch noch der Sprit aus. Es ist ein Drama.
    Als wir endlich am frühen Nachmittag das Hostel erreichen, nimmt er nur noch eine Dusche. Binnen Sekunden schläft er ein.

    Wir bleiben bis 2. Januar 2014 in El Calafate. Wir brauchen eine Pause.

    Als wir Abends essen gehen, treffen wir wieder auf Steve. Steve ist 55 Jahre alt und hat viele Jahre als Lehrer in Afrika gearbeitet. Er ist seit 18 Monaten unterwegs, in Afrika, Asien und jetzt in Südamerika. Die Wiedersehensfreude ist groß. Wir sitzen am Abend gemütlich in unserem Hostel bei zwei Flaschen Wein zusammen und erzählen Geschichten.

    Danke fürs Lesen und einen guten Rutsch, Jürgen.

    Besucht auch Andis Beitrag, um seine Version der Geschichte zu lesen

  • Am Ende der Welt

    Am Ende der Welt

    161 Tage, 29.457 km, 13 Länder.

    Wir sind am Ende der Welt angekommen. Etwas anders als erwartet mit einem Motorrad, aber wir sind da.

    Es war ein gebührender Abschluss. Steve und Judy, mit denen wir die ersten km gemeinsam zurücklegen wollten, hatten ein ziemliches Pech. Mitten in der Pampa, 13okm von Punta Arenas und 3okm vor der argentinischen Grenze, aber noch immer weit weg von der nächsten Stadt, ist eine Antriebskette im Motor der Harley gerissen. Es hat fast 5h gedaurt, bis ihr Motorrad auf einem Pickup geladen wird.

    Andi und ich sind gegen 19 Uhr über die Grenze. Wir haben uns noch fast 300km durch Wind und Wetter gekämpft und sind um halb 11 Uhr abends in Ushuaia angekommen. Das Zielfoto musste bis zum nächsten Tag warten. Den Bericht im Detail gibt es in Kürze.

    Ich freue mich unheimlich. Das Ende einer schon jetzt abenteuerlichen Reise und gleichzeitig  ein Neubeginn. Ich bin schon irrsinnig gespannt, was mich – bzw. für die nächsten 3 Monate, Uns – auf der Fahrt Richtung Norden erwartet.

    Danke an meine Leser. Es steht einiges auf dem Plan und ich hoffe, dass ihr auch weiterhin dabei seid.

    Nächstes Ziel: Prudhoe Bay, Alaska … das andere Ende der Welt.

    Gruß, Jürgen.

  • Fast da

    Fast da

    12.12. – 13.12. 

    Wenn ich morgens meine vielen Schichten an Kleidung anziehe, kommt es mir vor, als würde ich mich auf einen Flug in den Weltraum vorbereiten und nicht auf eine Fahrt mit dem Motorrad. So stelle ich mich heute wieder als Spielball der Natur zur Verfügung. Ich setze erneut über nach Chile. Puerto Natales liegt nicht weit hinter der Grenze. Bei der Grenzkontrolle lasse ich schnell einen Apfel am Straßenrand verschwinden. Hatte doch glatt vergessen, dass hier alles durchsucht wird. Das Röntgen der Taschen bleibt mir diesmal erspart, aber die Dame vom Gesundheitsministerium möchte überall reinsehen und ein wenig stöbern.

    Langsam geht mir mein Bargeld aus. In Andis Gepäck befindet sich meine neue Bankomatkarte und ein paar neue USD. Die letzten Tage war es meist Mikrowellen Futter aus dem Supermarkt. Der letzte Haarschnitt liegt auch schon eine Weile zurück.

    In Puerto Natales treffe ich auf der Straße wieder mal auf zwei Österreicher, diesmal zwei Steirer, die mit ihrem umgebauten Landcruiser Pickup auch schon länger unterwegs sind. Sind auch von Norden gekommen, ihr nächstes Ziel ist auch Alaska. Die Konzentration an „Welt“-Reisenden wird immer größer. Der Flaschenhals, wenn man so sagen will, wird immer enger. Umgebaute Pickups, Wohnmobile, Motorradfahrer und Radfahrer. Viele Deutsche und Franzosen sind unterwegs, die Franzosen meist in Gruppen von zwei bis vier Fahrzeugen.

    Die Natur nimmt teilweise bizarre Formen an. Vom Wind gestaltet stehen die Bäume schief in der Landschaft, die Baumkronen zeigen alle in eine Richtung. Hellgrünes Moos hängt wie in Fetzen in den Ästen.

    14.12. Besuch aus der Heimat!

    Ich treffe am frühen Nachmittag in Punta Arenas ein. Per Mail und SMS hält mich Andi auf dem Laufenden, wo er im Moment ist. 4 Mal umsteigen, alles verläuft wie geplant. Gegen halb sieben empfange ich ihn am Flughafen.

    Die Freude ist groß, es wird gefeiert. In zwei Lokalen machen wir Sperrstunde.

    15.12.

    Am Sonntag ist Wahltag. An einem Wahltag ist es bei Gesetz verboten, Alkohol auszuschenken und zu verkaufen. Im Supermarkt sind die Regale versperrt. Auch die Restaurants haben geschlossen. Die Chinesen scheinen von diesem Gesetz ausgenommen zu sein. Wir essen daher in einem der zwei geöffneten chinesischen Restaurants und erhalten dort auch Bier. Da Andis Motorrad mit einer Woche Verspätung ankommt, überlegen wir, wie wir die Zeit am besten nutzen können. Wir entscheiden das Wichtigste für vier Tage einzupacken, den Rest im Hostel zu lassen und mit einem Motorrad Richtung Ushuaia weiter zu fahren.

    Am Vormittag fahren wir zum Fährhafen, um die Überfahrt zu reservieren. Leider werden heute nur die Tickets für die aktuelle Überfahrt verkauft. Wir sehen zu, wie sich die Fähre langsam mit Fahrzeugen und Passagieren füllt. In zwei Tagen wollen auch wir uns auf das Schiff begeben.

    Nur noch eine Barriere aus Wasser und wenige hundert Kilometer trennen mich vom „Ende der Welt“. Ich kann es kaum erwarten, anzukommen.

    16.12.

    Heute zu Fuß unterwegs. Erneut zum Fährhafen, der gute 5 km vom Hostel entfernt liegt. Wir reservieren die Überfahrt. Auf dem Rückweg sehen wir zufällig Steve und Judy, die uns mit dem Motorrad entgegenkommen. Sie möchten noch heute auf Feuerland übersetzen, Fähre geht keine, heute ist Ruhetag. Wir sehen uns morgen um 9 Uhr am Hafen wieder, wie sie mir später per mail mitteilen.

    Vielleicht mag es für den ein oder anderen seltsam klingen, aber morgen ist ein wichtiger Tag für mich auf dieser Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.