Schlagwort: Ende der Welt

  • Wo geht es hier nach Alaska?

    Wo geht es hier nach Alaska?

    Album

    … aber zuerst Mal die Geschichte zur letzten Etappe nach Ushuaia.

    17.12.

    Wir stehen sehr früh auf. Um 9 Uhr geht die Fähre nach Isla Grande de Tierra del Fuego. Eine Stunde vorher „muss“ man am Fährhafen sein. Auch einige Leute aus dem Hostel sind vor Ort. Ein Franzose, der seit gut 2 1/2 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein paar Backpacker, die Isla Magdalena mit ihren vielen Pinguinen besuchen wollen. Steve und Judy treffen mit ihrer Harley ein. Mit ihnen wollen wir gemeinsam bis über die argentinische Grenze fahren.

    Die Überfahrt nach Tierra del Fuego dauert knapp 2 1/2 Stunden. Die Insel ist zweigeteilt. Ein Teil gehört Argentinien, ein Teil Chile. Die ersten 150km sind erneut Schotterpiste, aber in einem sehr guten Zustand, es staubt bloß sehr. Wir fahren Richtung Osten, haben Rückenwind und kommen gut voran.
    Wenn man in einer Gruppe fährt, ist der Blick ständig im Rückspiegel. Mal verliert man sich, weil jemand Pinkelpause macht, aber es kann auch andere Gründe geben.
    Andi und ich haben die Führung. Nach ungefähr 120km verlieren wir Steve und Judy aus den Augen.
    Nachdem wir ein, zwei Minuten gewartet haben und die beiden nicht auftauchen, steigt Andi ab und ich kehre um. Die Harley steht am Straßenrand. Steve ist am schrauben. Er weiß noch nicht was los ist. Ich sehe zu. Nach einer Weile hole ich Andi ab, der gut 1 1/2 Kilometer weiter wartend am Straßenrand sitzt.
    Steve hat keine guten Nachrichten. Er hat die Abdeckung des Motors abgeschraubt. Die Erde ist schwarz vom Motoröl getränkt. Während Steve die Ursache ermittelt, bemerke ich, dass bei einem meiner vorderen Stoßdämpfer massiv Öl austritt. Der Dichtring ist kaputt. Im Vergleich zu Steves Problem ziemlich harmlos.

    Bei der Harley ist eine Antriebskette im Motor gerissen. Eine Reparatur vor Ort ist nicht möglich. Er braucht einen Truck.
    Gut, die Grenze zu Argentinien liegt ungefähr 30 km entfernt. Ich fahre los. An der Grenze frage ich, wo es Hilfe gibt. Ein Polizeibeamter sagt mir, 15 km zurück an der Strecke gibt es einen Mechaniker in einer Estancia.
    Ich fahre also wieder zurück, halte an der Estancia an und erkläre was los ist. Arturo, der Mechaniker, nimmt seinen Werkzeugkoffer und steigt ins Auto. Ich sage: Nein, wir benötigen keinen Mechaniker, wir benötigen einen Abschleppwagen. Arturo ruft einen Bekannten an und sagt mir dann, dass dieser in ungefähr einer Stunde kommt. Ich fahre zurück zu Steve, Judy und Andi.
    Wir warten. Der Wind weht stark, die Sonne brennt vom Himmel. Eingepackt in unsere Motorradkleidung, Gesichtsmasken und Tücher sitzen wir am Straßenrand … mal plaudernd, mal schweigend in Gedanken versunken. Der Verkehr ist dicht. Von den vorbeifahrenden Autos, LKWs und Bussen werden wir mit Staub bedeckt.
    Auch nach 1 1/2 Stunden ist kein Pickup da. Ich fahre erneut zur Estancia, Arturo ruft erneut seinen Kumpel an. Dieser verspricht zu kommen. Ich warte in der Estancia. Der Pudel der Familie ist anfangs etwas eingeschüchtert von mir, giert aber nach Streicheleinheiten, sobald er sich an mich heran getraut hat.
    Ich frage, ob der Wind hier das ganze Jahr weht. Arturo meint: Ja, aber im Moment ist er nicht so stark. Ach? Nicht so stark?
    Nach gut einer Stunde erscheint der Pickup. Zurück bei Judy, Steve und Andi verladen wir die Harley, mit Unterstützung von anderen Motorradfahren, die gerade vorbeikommen und den Luxus eines Begleitwagens genießen, auf den Pickup Truck. Steve und Judy müssen zurück nach Porvenir, mit dem kaputten Motorrad dürfen sie nicht nach Argentinien einreisen, Andi und ich fahren weiter Richtung Grenze.

    Gegen 19 Uhr wechseln wir auf die argentinische Seite. Wir haben noch knapp 300 km vor uns. Da wir in Ushuaia ein Hostel gebucht haben, entscheiden wir die Anstrengung auf uns zu nehmen und durchzufahren. Die Geschwindigkeit ist diesmal etwas höher als sonst. Wo es möglich ist, sind wir mit 110 bis 120 km/h unterwegs. Wir fahren gegen den Sonnenuntergang und kämpfen gegen Wind und Kälte. Ein Glück, dass es erst gegen halb elf Uhr Abends dunkel wird. Müde und durchfroren kommen wir mit dem letzten Tageslicht in Ushuaia an. Das Zielfoto geht sich leider nicht mehr aus.

    18.12.

    Heute bringen wir die letzten Kilometer ans „Ende der Welt“ hinter uns, welches durch das Ende der Straße „Ruta 3“ im Nationalpark Tierra del Fuego gekennzeichnet ist. Große Fotosession. Einige Touristen fragen, woher wir sind, wie lange wir unterwegs sind. Ein paar machen Fotos von den „verrückten“ Motorradfahrern, von uns, mit uns, mit dem Motorrad. Es ist fast so, als hätte man ein Rennen gewonnen.
    Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich in Ushuaia.

    19.12.

    Ein schöner Flecken Erde dieses Patagonien. Die Natur ist einfach nur atemberaubend. Gerne würden wir länger verweilen. Leider bleibt uns keine Zeit. Aber ich komme bestimmt wieder.

    Ab heute geht es Richtung Norden.
    Rio Grande, das mittendrin auf der Strecke liegt, hat wenig Flair. Wir halten bloß zum Tanken, fahren die ganze Strecke zurück und übernachten in Porvenir, einem kleinem Städtchen gegenüber von Punta Arenas. Unsere Fähre geht erst am nächsten Tag.

    Im Hostel treffen wir auf Pablo, seinen Vater und einen Bruder. Sie sind Obsthändler, handeln vorwiegend mit getrockneten Früchten, Datteln, Nüsse, Pistazien,… . Zum Teil kommt die Ware aus Chile, zum Teil importieren sie aus verschiedenen Teilen der Welt und fahren dann mit ihrem Pickup durch Südchile, um diese Früchte zu verkaufen. Mit ihnen verbringen wir einen lustigen Abend im Hostel.

    Leider erhalten wir auch eine schlechte Nachricht. Andis Motorrad verzögert sich erneut um zwei Tage und kommt erst am 23.12. Abends in Punta Arenas an. Es ist nicht sicher, ob wir das Motorrad noch vor Weihnachten aus dem Zoll kriegen. Wir hoffen auf ein kleines „Weihnachtswunder“.

    20.12. – 21.12.

    Zurück in Punta Arenas.
    Die nächsten drei Tage heißt es warten, da wir Wochenende haben, gibt es auch keine Antworten vom Spediteur oder von den Leuten vor Ort. Das Ganze ist etwas mühsam und drückt auf die Stimmung. Punta Arenas ist zwar ganz nett, aber wir hätten die Zeit gerne an einem gemütlicheren Ort abgewartet.
    In Punta Arenas gibt es eine BMW Werkstatt, die ich am Samstag Vormittag besuche, um meinen Dichtring austauschen zu lassen. Auch hier ist über das Wochenende geschlossen. Es ist ein Drama.

    Wie es weitergeht und ob wir Andis Motorrad noch erhalten haben, meines repariert wurde und wie wir Weihnachten verbracht haben, erfährt ihr im nächsten Beitrag.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest.

    Wie immer Danke fürs Lesen, Jürgen.P.S.
    Fünf Monate On und Off the Road hinterlassen sichtbare Spuren beim Material. Im Album ein paar Fotos über den aktuellen Zustand.

     

  • Am Ende der Welt

    Am Ende der Welt

    161 Tage, 29.457 km, 13 Länder.

    Wir sind am Ende der Welt angekommen. Etwas anders als erwartet mit einem Motorrad, aber wir sind da.

    Es war ein gebührender Abschluss. Steve und Judy, mit denen wir die ersten km gemeinsam zurücklegen wollten, hatten ein ziemliches Pech. Mitten in der Pampa, 13okm von Punta Arenas und 3okm vor der argentinischen Grenze, aber noch immer weit weg von der nächsten Stadt, ist eine Antriebskette im Motor der Harley gerissen. Es hat fast 5h gedaurt, bis ihr Motorrad auf einem Pickup geladen wird.

    Andi und ich sind gegen 19 Uhr über die Grenze. Wir haben uns noch fast 300km durch Wind und Wetter gekämpft und sind um halb 11 Uhr abends in Ushuaia angekommen. Das Zielfoto musste bis zum nächsten Tag warten. Den Bericht im Detail gibt es in Kürze.

    Ich freue mich unheimlich. Das Ende einer schon jetzt abenteuerlichen Reise und gleichzeitig  ein Neubeginn. Ich bin schon irrsinnig gespannt, was mich – bzw. für die nächsten 3 Monate, Uns – auf der Fahrt Richtung Norden erwartet.

    Danke an meine Leser. Es steht einiges auf dem Plan und ich hoffe, dass ihr auch weiterhin dabei seid.

    Nächstes Ziel: Prudhoe Bay, Alaska … das andere Ende der Welt.

    Gruß, Jürgen.

  • Fast da

    Fast da

    12.12. – 13.12. 

    Wenn ich morgens meine vielen Schichten an Kleidung anziehe, kommt es mir vor, als würde ich mich auf einen Flug in den Weltraum vorbereiten und nicht auf eine Fahrt mit dem Motorrad. So stelle ich mich heute wieder als Spielball der Natur zur Verfügung. Ich setze erneut über nach Chile. Puerto Natales liegt nicht weit hinter der Grenze. Bei der Grenzkontrolle lasse ich schnell einen Apfel am Straßenrand verschwinden. Hatte doch glatt vergessen, dass hier alles durchsucht wird. Das Röntgen der Taschen bleibt mir diesmal erspart, aber die Dame vom Gesundheitsministerium möchte überall reinsehen und ein wenig stöbern.

    Langsam geht mir mein Bargeld aus. In Andis Gepäck befindet sich meine neue Bankomatkarte und ein paar neue USD. Die letzten Tage war es meist Mikrowellen Futter aus dem Supermarkt. Der letzte Haarschnitt liegt auch schon eine Weile zurück.

    In Puerto Natales treffe ich auf der Straße wieder mal auf zwei Österreicher, diesmal zwei Steirer, die mit ihrem umgebauten Landcruiser Pickup auch schon länger unterwegs sind. Sind auch von Norden gekommen, ihr nächstes Ziel ist auch Alaska. Die Konzentration an „Welt“-Reisenden wird immer größer. Der Flaschenhals, wenn man so sagen will, wird immer enger. Umgebaute Pickups, Wohnmobile, Motorradfahrer und Radfahrer. Viele Deutsche und Franzosen sind unterwegs, die Franzosen meist in Gruppen von zwei bis vier Fahrzeugen.

    Die Natur nimmt teilweise bizarre Formen an. Vom Wind gestaltet stehen die Bäume schief in der Landschaft, die Baumkronen zeigen alle in eine Richtung. Hellgrünes Moos hängt wie in Fetzen in den Ästen.

    14.12. Besuch aus der Heimat!

    Ich treffe am frühen Nachmittag in Punta Arenas ein. Per Mail und SMS hält mich Andi auf dem Laufenden, wo er im Moment ist. 4 Mal umsteigen, alles verläuft wie geplant. Gegen halb sieben empfange ich ihn am Flughafen.

    Die Freude ist groß, es wird gefeiert. In zwei Lokalen machen wir Sperrstunde.

    15.12.

    Am Sonntag ist Wahltag. An einem Wahltag ist es bei Gesetz verboten, Alkohol auszuschenken und zu verkaufen. Im Supermarkt sind die Regale versperrt. Auch die Restaurants haben geschlossen. Die Chinesen scheinen von diesem Gesetz ausgenommen zu sein. Wir essen daher in einem der zwei geöffneten chinesischen Restaurants und erhalten dort auch Bier. Da Andis Motorrad mit einer Woche Verspätung ankommt, überlegen wir, wie wir die Zeit am besten nutzen können. Wir entscheiden das Wichtigste für vier Tage einzupacken, den Rest im Hostel zu lassen und mit einem Motorrad Richtung Ushuaia weiter zu fahren.

    Am Vormittag fahren wir zum Fährhafen, um die Überfahrt zu reservieren. Leider werden heute nur die Tickets für die aktuelle Überfahrt verkauft. Wir sehen zu, wie sich die Fähre langsam mit Fahrzeugen und Passagieren füllt. In zwei Tagen wollen auch wir uns auf das Schiff begeben.

    Nur noch eine Barriere aus Wasser und wenige hundert Kilometer trennen mich vom „Ende der Welt“. Ich kann es kaum erwarten, anzukommen.

    16.12.

    Heute zu Fuß unterwegs. Erneut zum Fährhafen, der gute 5 km vom Hostel entfernt liegt. Wir reservieren die Überfahrt. Auf dem Rückweg sehen wir zufällig Steve und Judy, die uns mit dem Motorrad entgegenkommen. Sie möchten noch heute auf Feuerland übersetzen, Fähre geht keine, heute ist Ruhetag. Wir sehen uns morgen um 9 Uhr am Hafen wieder, wie sie mir später per mail mitteilen.

    Vielleicht mag es für den ein oder anderen seltsam klingen, aber morgen ist ein wichtiger Tag für mich auf dieser Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.