Der Pinguin und ich

Ein großer Teil meiner Freunde und Bekannten kennt ihn bereits. Aber von Beginn an:

In den Jahren Oktober 2008 bis Februar 2013 habe ich in Eisenstadt in einer Wohnung gelebt.

Eines Abends, es war so Anfang Sommer 2012 gewesen, an den genauen Tag kann ich mich nicht mehr erinnern, klopft es an der Tür. Ich war erst vor kurzem von der Arbeit nach Hause gekommen und war dabei mir auf dem Herd etwas Suppe warm zu machen.

Ich öffne die Tür und ohne ein Wort zu sagen ist er an mir vorbei in meine Wohnung, hat sich kurz umgesehen und ist dann geradewegs in die Küche. Ihr könnt euch sicher vorstellen .. ich war äußerst verwundert. Ich folge ihm in die Küche, um zu sehen wohin das Ganze führt.

Er öffnet den Kühlschrank, sieht sich um und murmelt ein wenig, Hm Hm. Er wackelt etwas mit dem Kopf, dreht sich zu mir um und fragt, ob es sich um ein Gefrierfach mit *** Sternen handelt. Ich sage: „Ja“. Er sieht sich nochmal um und greift in seine Tasche, zieht ein Bündel Geldscheine heraus und sagt: „Ich benötige über den Sommer einen kühlen Platz. Das ist für die ersten zwei Monate.“

Im ersten Augenblick wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, aber in meinem Kühlschrank waren sowieso nie viele Sachen und ich konnte das Geld gut gebrauchen.

So kam es, dass ein Pinguin in meinem Kühlschrank eingezogen ist.

Der Sommer ging vorüber, und der Pinguin blieb. Er hat mir regelmäßig Geld auf den Küchenschrank gelegt, deshalb habe ich auch keinen Grund gesehen ihn rauszuschmeißen. Nicht immer war alles klar zwischen uns. Oft hat er mir mein Bier weggesoffen und keinen Nachschub besorgt.

Eines Tages komme ich nach Hause … und was finde ich vor? Da sitzt ein Weibchen mit drin in meinem Kühlschrank.

Es war Anfang Februar. Deshalb dachte ich mir: „Na gut, auch schon egal. Wir ziehen ja sowieso bald aus.“ Meine Reise nach Australien im März 2013  und die darauf folgende geplante Reise durch Amerika hatte zur Folge, dass ich Ende Februar 2013 aus der Wohnung ausgezogen bin.

Für die Pinguine hat das bedeutet, dass auch sie sich einen neuen Platz suchen mussten.  Mitte Februar haben wir uns ohne große Worte verabschiedet. Ich wusste nie ihre Namen, sie haben ihn mir nie gesagt und ich habe nie danach gefragt. Ich dachte nicht, dass ich sie jemals wiedersehen werde.

Ende Februar, an einem meiner letzten Arbeitstage, kam ich nach Hause und dann sah ich ihn da sitzen in der Eingangshalle, mit einer Flasche Schnaps in seinen Armen Flügeln. Was war passiert? Das Sushi Restaurant, in dem er gearbeitet hat, wurde nach einer Polizei Razzia geschlossen. Wie sich herausgestellt hat, hat das Restaurant, für zahlungskräftige Kunden, in einem Hinterzimmer, den vom Aussterben bedrohten Südlichen-Blauflossen Thunfisch angeboten.

Der Verlust seines Jobs hat ihn ziemlich mitgenommen. Er hat gleich versucht etwas Neues zu finden. Aber auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war es sowieso nicht leicht eine neue Arbeit zu finden, und schon gar nicht, wenn man lange Jahre in einem Restaurant mit kriminellem Hintergrund beschäftigt war – obwohl er unschuldig war. Aber wer glaubt einem das schon?

Ihr könnt euch vorstellen, dass solche Ereignisse auch nicht gerade förderlich für eine junge Beziehung sind. So kam es, dass auch die noch in die Brüche ging. Was soll man dazu sagen? Ich verweise auf  Edward A. Murphy: „Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.“

Ohne Frau, Perspektiven und ohne Kühlschrank, in dem er wohnen konnte, hat er sich dann kurzerhand entschlossen mich auf der Reise nach Australien und durch den amerikanischen Kontinent zu begleiten.

So sind wir also vorerst zu zweit unterwegs – der Pinguin und ich.