{"id":4609,"date":"2013-11-10T15:27:58","date_gmt":"2013-11-10T14:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2968"},"modified":"2025-07-26T14:42:26","modified_gmt":"2025-07-26T14:42:26","slug":"durch-die-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/11\/10\/durch-die-wueste\/","title":{"rendered":"durch die W\u00fcste"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/141\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDurch die W\u00fcste\u201c, so hat einst ein Roman von Karl May gehei\u00dfen. Aber der spielt irgendwo im arabischen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>02.11., 03.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den letzten 1.000 Kilometern Richtung chilenischer Grenze hat mich der Wind weiterhin fest in Griff. Ich kriege dann auch noch einen Schreck, wie sehr sich der Seiten- und Gegenwind auf den Treibstoffverbrauch auswirken. Bei 290 km blinkt die Reserveleuchte auf. Ich beginne zu rechnen. 290 km, 13,3 Liter, das sind knapp 4,6 Liter auf 100km, gegen\u00fcber 3,5 im Schnitt. Mein GPS zeigt erst in 109 km wieder eine Tankstelle. Ich habe 4 Liter Reserve. Man muss kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass es hier ein Problem geben k\u00f6nnte. Umdrehen? Die letzte Tankstelle liegt gut 30km zur\u00fcck. Ich reduziere die Geschwindigkeit und fahre weiter. Zum Gl\u00fcck haben sie zwischendurch noch ein Dorf hingesetzt, wo ich wieder auff\u00fcllen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wind ist ein st\u00e4ndiger unberechenbarer Feind, gegen den man ank\u00e4mpft. Zeitweise zieht dir eine Windb\u00f6e das Motorrad regelrecht unterm Hintern weg. Du liegst in der Kurve und wirst mit einem Schlag weiter nach unten gedr\u00fcckt oder stemmst dich dagegen und pl\u00f6tzlich ist der Widerstand weg. Du wirst nach au\u00dfen an den Stra\u00dfenrand oder in die Stra\u00dfenmitte getrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen den endlosen Strecken in der W\u00fcste ger\u00e4t man manchmal durch kleine und gr\u00f6\u00dfere D\u00f6rfer. Sie sind wie Inseln in einem Meer aus Sand. Dort, wo sich Fl\u00fcsse von den Bergen in hunderttausenden von Jahren einen Weg zum Meer gebahnt haben, haben sich gr\u00fcne Oasen gebildet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin gut unterwegs und entscheide mich am fr\u00fchen Nachmittag, noch nach Chile zu \u00fcbersetzen. Die Grenzformalit\u00e4ten sind bald erledigt. Nur die zwei \u00c4pfel, die ich in meiner Tasche verstaut habe, sorgen f\u00fcr Verz\u00f6gerung. Meine Taschen werden ger\u00f6ntgt. Man darf keine offenen Lebensmittel importieren. Ich muss ein Formular ausf\u00fcllen. Die zwei \u00c4pfel werden gewogen, alles wird peinlich im Computer erfasst und dann werden sie im M\u00fcll entsorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peru hat mich zeitweise ganz sch\u00f6n gefordert, hoch oben in den Bergen bei eisiger K\u00e4lte und bei anspruchsvollen kurvigen Bergstra\u00dfen. Ich bin schon gespannt, was Chile f\u00fcr mich bereit h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Chile:<\/strong><strong><br><\/strong>Das vorletzte Land auf dem Weg nach S\u00fcden. Es gibt einen Zeitsprung um zwei Stunden nach vorne, der Abstand nach Hause verringert sich auf aktuell vier Stunden. Daf\u00fcr wird es abends erst sp\u00e4ter dunkel. Das bringt mein Zeitgef\u00fchl die ersten Tage etwas durcheinander. Ich bin gewohnt, dass es um 19 Uhr stockfinster ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arica liegt gleich hinter der Grenze, wo ich dann auch die erste Nacht verbringe. Die Herbergssuche ist etwas m\u00fchsam, aber schlie\u00dflich finde ich doch etwas g\u00fcnstigeres. Die Preise sind in den n\u00f6rdlichen St\u00e4dten vorwiegend auf Business Kunden ausgerichtet und kosten so ab 40 EUR aufw\u00e4rts. Die Preise sind in Chile europ\u00e4isch. Ich werde das die n\u00e4chsten Tage noch zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>04.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcste, W\u00fcste, Atacama W\u00fcste. Hier oben im Norden von Chile gibt es Sand zu Hauf. Ein riesiges Katzenklo. Tankstellen sucht man auf der Panamericana im Norden vergebens. Mit dem letzten Tropfen Benzin komme ich in Iquique an. Man befindet sich auf etwa 600m Seeh\u00f6he, wenn man sich Iquique n\u00e4hert. Die Fahrt runter zum Meer bietet einen atemberaubenden Blick auf die Stadt, die von einer riesigen Sandd\u00fcne \u00fcberragt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann es kaum fassen. Endlich erhalte ich in einem Baumarkt destilliertes Wasser f\u00fcr meine Batterie. Jawohl, ein Baumarkt. Seit den USA habe ich keinen Baumarkt mehr gesehen. Ich habe mich schon gewundert, dass die Batterie noch keine Probleme gemacht hat und sch\u00fctte gut 1\/8l Wasser in meine Batterie.<br>Wie oft habe ich unterwegs an Motorradshops und Batteriegesch\u00e4ften gefragt. Der letzte wollte mir Batteries\u00e4ure andrehen. Wann immer ich gesagt habe, ich ben\u00f6tige Wasser f\u00fcr meine Batterie, haben sie mich bl\u00f6d angeguckt. Destilliertes Wasser unbekannt. Gerade in Zentral und S\u00fcdamerika, wo so viele Motorr\u00e4der unterwegs sind. Ich verstehe es nicht.<br>Im Baumarkt erhalte ich auch Ducttape. Ein Kumpel hat mal geschrieben \u201eDucttape fixes everything\u201c. Ich bin gespannt, ob sich damit auch die L\u00f6cher in meinen Koffern dicht-fixen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>05.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tag 2 in Iquique. Arbeitstag. Fast 4 Stunden verbringe ich damit \u00fcber Fernwartung zu Hause ein paar Rechner auf aktuellen Stand zu bringen. Schlie\u00dflich bin ich nicht zum Vergn\u00fcgen hier. Ein wenig plaudern mit Familie und Freunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Essen, Sightseeing, planen der n\u00e4chsten Tage, Kontakt mit BMW in Valparaiso aufnehmen &#8211; zwecks Service. Meine Lady verlangt nach einem neuen Hinterschuh und auch sonst schreit sie nach etwas Pflege.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>06.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut 500km nach San Pedro de Atacama. Das D\u00f6rfchen ist \u00e4u\u00dferst touristisch. Auf einen Einheimischen d\u00fcrften 20 Touristen kommen. Das Dorf befindet sich quasi mitten im Nirgendwo. In der Umgebung gibt es einige naturelle Sehensw\u00fcrdigkeiten. Mir ist es etwas zu touristisch. Nachdem ich mich durch mehrere Hostels gefragt habe, erhalte ich f\u00fcr eine Nacht ein Bett in einem Dorm.<br>In Peru habe ich mal drei Holl\u00e4nder am Stra\u00dfenrand getroffen. Sie haben mir erz\u00e4hlt, dass sie zu einer Gruppe von 27 Personen geh\u00f6ren, die f\u00fcr 50 Tage \u00fcber eine organisierte Tour von Ecuador nach Punta Arenas unterwegs sind. Als ich durch San Pedro spaziere, sehe ich sie alle in einem Hostal stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>07.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen fahre ich zum Salar de Atacama, einem Salzsee etwa 40km von San Pedro entfernt, dort gibt es angeblich Flamencos zu sehen. Ein paar staken tats\u00e4chlich im Wasser in der bizarren Landschaft herum. Danach mache ich mich auf den Weg Richtung Antofagasta. Manchmal nicke ich auf den langen geraden Strecken f\u00fcr mehrere Minuten ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bergbau ist hier in der Atacama der dominierende Wirtschaftszweig. Viele Stra\u00dfenschilder geben die Richtung zu Minen an. In der ganzen Atacama d\u00fcrften schon seit langem Rohstoffe abgebaut werden. Auf manchen Schildern wird auf historische Minen und Siedlungen hingewiesen. Manche datieren gut 150 Jahre zur\u00fcck. Manchmal sind Geisterd\u00f6rfer abseits der Panamericana zu sehen. Oft sind die H\u00e4user verschwunden, nur die Friedh\u00f6fe sind noch vorhanden, in denen die eisernen Kreuze vor sich hin rosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Antofagosta ist nicht gerade ein Perle. In der Stadt finden sich viele Titty-Bars &#8211; \u201eGirls and Beer\u201c. Wohl um die Minenarbeiter um ihren Verdienst zu bringen. Auf dem Weg ins Zentrum werde ich von einem heruntergekommenen Typen angehalten. Er spricht perfekt englisch und hat nur noch wenige Z\u00e4hne im Mund. Erz\u00e4hlt mir, dass er kein Geld m\u00f6chte, nur Englisch \u00fcben. Er hat 10 Jahre in den USA gelebt, aber hier spricht leider keiner Englisch und er freut sich, wenn er zwischendurch mal englisch sprechen kann. Er erz\u00e4hlt mir, wie gut es Chile geht, weil sie Kupfer haben. Bei ihm ist dieser Wohlstand noch nicht angekommen. Er betont immer wieder, dass er kein Geld m\u00f6chte, aber wir k\u00f6nnten ein Bier trinken gehen &#8230; Ich ziehe weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>08.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine \u00c4nderung in Sicht. Weiterhin W\u00fcste soweit das Auge blicken kann.<br>Ich war ja schon \u00e4u\u00dferst beeindruckt vom australischen Outback, aber die Atacama stellt eine neue Dimension dar. Seit Tagen fahre ich nur durch W\u00fcste, zwischen 400 und 500 km pro Tag, was ziemlich m\u00fchsam ist. Vielleicht fahre ich ja auch im Kreis, was ich mir angesichts der langen geraden Strecken nicht vorstellen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor Caldera zweige ich in den Nationalpark Pan de Az\u00facar ab und fahre die letzten 100 km die K\u00fcste entlang. Endlich etwas Abwechslung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chile ist verdammt teuer &#8211; vor allem Hotels, europ\u00e4ische Preise hier. Von Zentral- und bis jetzt S\u00fcdamerika war ich gewohnt, dass ich im Durchschnitt mit ca. 30 EUR pro Tag \u00fcber die Runden komme &#8211; Essen, Tanken, Unterkunft. Hier habe ich zu tun, dass ich mit meinem urspr\u00fcnglichen Tagesbudget zurecht komme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>09.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bew\u00f6lkt und bei kaltem Wetter mache ich mich auf den Weg nach La Serena.<br>Die Panamericana hat viele Opfer gefordert. Sie gleicht beinahe einem langen Friedhof. Die Toten werden mit Gedenkst\u00e4tten geehrt, die manchmal sehr kreativ gestaltet sind. Aber es wird investiert. Ein Gro\u00dfteil der Panamericana in Chile befindet sich in neuem erstklassigen Zustand. In ein bis zwei Jahren kann man hier mit dem Formel 1 Wagen durchfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer der Meinung ist, dass es hier warm ist, t\u00e4uscht sich gewaltig. Die Sonne braucht am Morgen ungef\u00e4hr bis halb 11, bis sie den Dunst vertrieben hat. Bis dahin ist es saukalt. Warm ist es nur weiter Inlands, zwischen 2.000 und 2.500m Seeh\u00f6he, dort wo die Berge beginnen. Es ist hei\u00df, wenn man steht. Befindet man sich in Bewegung, ist es empfindlich kalt. Noch k\u00e4lter wird es, sobald man sich dem Meer n\u00e4hert. Ich trage beim Fahren fast immer Pullover, Innenfutter und Gesichtsmaske.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich in den letzten 7 Tagen so um die 3.000 km zur\u00fcckgelegt habe, mache ich f\u00fcr drei N\u00e4chte Rast in La Serena.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10.11.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guten Morgen. Es tut gut, mal nicht aufstehen zu m\u00fcssen, um aufs Bike zu steigen. Und da es regnet, muss ich nicht mal nach einer Ausrede suchen. Das Hostel wir von Deutschen betrieben. Der Eigent\u00fcmer erz\u00e4hlt mir sp\u00e4ter, dass es in den 18 Jahren, wo sie in Chile sind, im November noch nie geregnet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.Diesmal im Album:<br>&#8211; endlose Stra\u00dfen<br>&#8211; Gesichter der W\u00fcste<br>&#8211; Verehrung der Toten<br>&#8211; \u2026 und andere Sachen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album \u201eDurch die W\u00fcste\u201c, so hat einst ein Roman von Karl May gehei\u00dfen. Aber der spielt irgendwo im arabischen Raum. 02.11., 03.11. Auf den letzten 1.000 Kilometern Richtung chilenischer Grenze hat mich der Wind weiterhin fest in Griff. 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