{"id":3596,"date":"2014-03-27T21:45:25","date_gmt":"2014-03-27T20:45:25","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=3596"},"modified":"2025-09-12T14:12:10","modified_gmt":"2025-09-12T14:12:10","slug":"die-kurze-geschichte-vom-falschen-50er","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2014\/03\/27\/die-kurze-geschichte-vom-falschen-50er\/","title":{"rendered":"Die kurze Geschichte vom falschen 50er"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Tagen habe ich von schwimmenden Inseln, Cusco und Machu Picchu einiges gesehen. Aber dar\u00fcber mehr in zwei bis drei Tagen. Hier mal die Geschichte vom falschen 50er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Ollantaytambo war ich mit Peter, den ich in Bolivien getroffen habe, in einem Restaurant essen. Hier in Peru ist es immer gut, kleine Scheine in der Geldb\u00f6rse zu haben. Manchmal ist es in den kleinen L\u00e4den schon ein Problem, wenn man mit 20 Soles Scheinen bezahlt. Es fehlt immer an Wechselgeld. Das Restaurant in dem wir waren ist eher gehobene Mittelklasse, ein Hauptgericht kostet zwischen 7 und 10 EUR. Wie auch immer. Unsere Rechnung macht knapp 140 Soles aus. Ich habe nur noch 100er und 200er Scheine in meiner B\u00f6rse. Peter legt einen Haufen 10er und 20er auf den Tisch. Damit ich wieder etwas Kleingeld in meine B\u00f6rse bekomme, nehme ich Peters Geld an mich und bezahle mit zwei 100 Soles Scheinen. Als Wechselgeld erhalte ich 50 und 10 Soles zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Tag bin ich zeitig auf und marschiere f\u00fcr gut 2 1\/2 Stunden in der nahen Umgebung von Ollantaytambo rum. Gegen Mittag habe ich gut 7 bis 8 km hinter mir. Ich g\u00f6nne mir eine Rast und setze mich auf dem Hauptplatz in ein kleines Restaurant. Dort esse ich eine kr\u00e4ftige H\u00fchnersuppe und trinke ein Bier dazu. Ich m\u00f6chte mit dem 50 Soles Schein bezahlen und werde sofort freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine F\u00e4lschung handelt &#8211; offensichtlich, wie ich nun auch sehe. Jedoch so gut, dass es f\u00fcr einen Touristen, der wenig darauf acht gibt, nicht erkennbar ist. So viel Aufmerksamkeit habe ich den Banknoten auch nicht geschenkt &#8211; bis dahin zumindest nicht.<br>Mir war sofort klar, wo ich den 50er tags zuvor erhalten habe. Habe ich ihn bewusst erhalten? Oder war es Zufall? Ich wei\u00df nicht, was ich denken soll. Der 50er bleibt vorerst mal in meiner Geldb\u00f6rse.<br>Ich schmiede Plan A, nochmal in dieses Restaurant zu gehen, mit dem 50er zu zahlen und ihn ebenda wieder zur\u00fcckzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich tags darauf am Nachmittag von Machu Picchu am Bahnhof in Aquas Calientes zur\u00fcck bin, habe ich noch etwas Zeit. Da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe, kaufe ich ein Sandwich und ein Getr\u00e4nk und gebe versehentlich den falschen 50er her. Er wird anstandslos genommen. Nun gut, denke ich, das war zwar nicht mein Plan, aber ich bin ihn wieder los. Gut 10 Minuten sp\u00e4ter werde ich von den Restaurants Bediensteten darauf angesprochen. Ich stelle mich nat\u00fcrlich dumm und frage was los ist. Wieder zeigt man mir, dass der Schein falsch ist. Ich m\u00f6chte einen Aufruhr vermeiden und nehme den Schein zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also zur\u00fcck zu Plan A. Moralisch habe ich etwas Zweifel, aber da mittlerweile an zwei verschiedenen Stellen die F\u00e4lschung erkannt wurde, nehme ich an, dass mir das Restaurant den falschen 50er bewusst gegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u201eVerbrechen&#8220; wird bis ins kleinste vorbereitet. Ich laufe um das Restaurant herum und suche den besten \u201eFluchtweg&#8220;. Ich denke dar\u00fcber nach, welchen Platz ich im Restaurant einnehmen werde, damit ich schnell raus bin, solange die Kellnerin noch zur Kassa unterwegs ist. Ich \u00fcberlege, dass ich um 60 Soles esse. Wie ich das Geld so auf den Teller platziere, dass Betrag und Rechnung erkannt werden. Dass ich den 50er so mit dem 10er \u00fcberdecke, dass nur mehr ein Eck frei ist, auf dem die Nummer 50 sichtbar ist und ich noch ein paar einzelne Soles, als Trinkgeld und als Beschwerung, drauflege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend kehre ich also zur\u00fcck in das besagte Lokal und setze mich strategisch hin. Das Essen schmeckt ohne Zweifel gut. Ich nehme ein Steak, ein Bier und danach noch einen Cocktail &#8211; in Summe genau 60 Soles. Am gro\u00dfen Nebentisch sitzt &#8211; wie am Abend mit Peter &#8211; wieder eine gro\u00dfe Gruppe mit 16 oder mehr Leuten. Und hier kommt mir der Zufall zu Gute. Ich bin kurz davor, die Rechnung zu verlangen, als die gro\u00dfe Gruppe zu zahlen beginnt &#8211; fast jeder einzeln. Jede Menge kleine Teller mit Rechnungen werden ausgeteilt. Die Leute sind am plaudern, es dauert bis alle den Betrag hinlegen und die Teller eingesammelt werden. Ich nutze das \u201eChaos\u201c, frage ebenso nach der Rechnung und platziere die Scheine wie vorgesehen auf den Teller. Meine Rechnung vermischt sich mit den anderen. Ich bin schnell aus der T\u00fcr raus und verschwinde um die n\u00e4chsten zwei Ecken in den engen dunklen Gassen. Das \u201eVerbrechen\u201c ist gegl\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin mir sicher, dass sehr bald ein anderer Tourist mit dem Schein zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen habe ich von schwimmenden Inseln, Cusco und Machu Picchu einiges gesehen. 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