{"id":3473,"date":"2014-02-15T16:00:20","date_gmt":"2014-02-15T15:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=3473"},"modified":"2025-09-09T07:35:57","modified_gmt":"2025-09-09T07:35:57","slug":"bolivien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2014\/02\/15\/bolivien\/","title":{"rendered":"Bolivien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/155\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>06.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein neues Land auf meiner Reise. Wir \u00fcberqueren die Grenze bei Villaz\u00f3n. Am Grenz\u00fcbergang ist die H\u00f6lle los. Scharenweise werden die Leute mit Bussen angekarrt. Lange Schlangen stehen an den Schaltern. Personen, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, werden zum Gl\u00fcck schneller abgefertigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind an diesem Tag schon lange unterwegs, der sp\u00e4te Nachmittag ist angebrochen. In Villaz\u00f3n versuchen wir, Geld aus den Automaten zu bekommen. Was nicht wirklich funktioniert. Also entscheiden wir weiter zu unserem Ziel, Tupiza, zu fahren und es dort zu versuchen. Wenige km hinter der Stadt, werden wir bei einer Mautstation angehalten. USD werden nicht akzeptiert. Also zur\u00fcck ins Dorf. Kein bolivianisches Geld in der Tasche, m\u00fcssen wir im schlimmsten Fall wieder umkehren und nach Argentinien zur\u00fcck. Wir finden dann doch noch einen Bankomaten, der Bolivianische Bolivar und auch USD ausspuckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>07.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Tupiza treffen wir im Hotel erneut auf einen Steve (Stephen). Diesmal nicht aus den Staaten, sondern aus Kanada. Er ist f\u00fcr ein paar Monate in S\u00fcdamerika unterwegs. F\u00fcr uns gut, wir m\u00fcssen uns nicht viele Namen merken.<br>Von Steve erfahren wir, dass die Strecke von Tupiza nach Uyuni nicht sehr gut ist. Die letzten Tage hat es geregnet. Steve hat von jemandem erfahren, der die Strecke mit dem Bus genommen hat, dass sie anstatt der 6 Stunden, f\u00fcr 14 Stunden unterwegs waren und die Leute teilweise schieben mussten. Aufgrund meines Problems mit dem K\u00fchler bleiben wir von nun an auf sicheren Strecken, entscheiden gemeinsam mit Steve nach Potosi zu fahren und dann von dort die asphaltierte Strecke nach Uyuni zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strecke nach Potosi ist ziemlich gut ausgebaut und wir gleiten gem\u00fctlich dahin. Wir sind auf etwa 3.500m Seeh\u00f6he unterwegs. Es ist erstaunlich warm und das Wetter ist mit uns. Nur an den Bergen h\u00e4ngen oft dichte schwarze Wolken. Etwa 40 km vor Potosi sehe ich auf meinem GPS Ger\u00e4t, dass es uns mitten in eines dieser schwarzen L\u00f6cher hineinzieht. Ich habe blo\u00df gehofft, dass wir trocken ankommen. 25km vor Potosi sind wir mit einem Schlag mittendrin. Binnen weniger Sekunden gibt es einen Temperatursturz von etwa 25 Grad C auf etwa 5 Grad C. Es hagelt, es friert in den Fingern, das Visier beschl\u00e4gt. Ich z\u00e4hle jeden einzelnen Kilometer runter.<br>Es ist ein eigenartiges Schauspiel, in die Stadt zu fahren .. dunkel und bedr\u00fcckend. Kurz vor Potos\u00ed befindet sich der Cerro Rico, in dem vorwiegend Silber abgebaut wird. Die dicken, schwer beladenen LKWs der Minengesellschaften verdrecken den Weg und fahren langsam auf der kurvigen Stra\u00dfe den Berg hinab. Durch ein Labyrinth von Stra\u00dfen geht es in das Stadtzentrum, sie sind mit Autos verstopft und ein Gewusel an Leuten, alles was Beine hat, scheint unterwegs zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend gehen wir aus, um Abend zu essen. Auf dem Hauptplatz bewerfen sich die Kinder mit Wasserballons. Wie wir erfahren, hat dies mit dem Karneval zu tun und scheint eine Tradition zu sein. Die Kinder veranstalten regelrecht einen Krieg, gruppenweise mit Angriff und Gegenangriff. Eine Verk\u00e4uferin verscherbelt aus einer Tonne raus scharenweise die Wasserballons an die Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>08.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Vormittag spazieren Andi und ich etwas durch die Stra\u00dfen. Wir geraten in einen riesigen Markt, der sich \u00fcber mehrere Stra\u00dfenbl\u00f6cke erstreckt, Norden &#8211; S\u00fcden, Osten &#8211; Westen. Man findet alles. Auf einer Strecke von mehreren hundert Metern verkaufen die Leute in ihren kleinen St\u00e4nden Obst, Gem\u00fcse, Fleisch. Es gibt Nahrung in \u00dcberf\u00fclle. Dazwischen gibt es immer wieder Buden, wo gekocht wird. In einer dieser St\u00e4nde essen auch wir etwas. H\u00fchnchen, Bohnen irgendwas, Nudeln, Tomatensalat.<br>\u00dcber Zunge, von welchem Tier auch immer, haben wir uns nicht dr\u00fcber getraut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Potosi hat eine lange Geschichte im Silberabbau. Das Casa Real de la Moneda, das M\u00fcnzmuseum, ist eines der interessantesten Museen, das ich besucht habe. Hier erf\u00e4hrt man viel \u00fcber die Geschichte der M\u00fcnzpr\u00e4gung in ganz Amerika. Angefangen von der Pr\u00e4gung mit Hammer und Siegel, bis hin zur elektrisch betriebenen Maschine. Ausgestellt sind verschiedenste Apparate, die f\u00fcr die Herstellung von M\u00fcnzen verwendet wurden. Im Museum sind drei riesige Holzapparaturen &#8211; aus Frankreich &#8211; zum Pressen von Silber ausgestellt, die von Eseln oder Sklaven (was jedoch verschwiegen wird) angetrieben wurden.<br>In S\u00fcdamerika haben die Spanier in verschiedenen L\u00e4ndern gleiche M\u00fcnzen hergestellt. Zur Unterscheidung, wo die M\u00fcnzen gepr\u00e4gt wurden, haben sie Jahreszahl und eine Ortspr\u00e4gung erhalten. Im Fall von Potosi waren es die Buchstaben PTSi, die \u00fcbereinander gelegt wurden.<br>Wie uns die Dame, die die F\u00fchrung macht, erz\u00e4hlt, sind aus den Buchstaben S und i das Dollar bzw. Peso Zeichen $ entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>09.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend zuvor ist Mike aus den Staaten zu uns gesto\u00dfen. Er ist knapp 30 Jahre und war ein paar Jahre bei der Army, davon ein Jahr in Afghanistan. Steve, Mike, Andi und ich fahren gemeinsam weiter nach Uyuni.<br>Von Potosi n\u00e4hert man sich Uyuni von einem Berg. Das Tal ist endlos. Auf der gro\u00dfen Ebene wirkt die Stadt Uyuni winzig klein. Wolken entleeren sich in riesigen Vorh\u00e4ngen aus Wasser in der weiten Ebene, hin und wieder fahren Blitze&nbsp; zur Erde hinab. Und wieder stehe ich da und kann mich nicht satt sehen, an dem Schauspiel, das geboten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Uyuni wird unsere Gruppe erneut gr\u00f6\u00dfer. Vor unserem Hotel begegnen wir Taylor aus Seattle, der mit seiner 650er GS unterwegs ist. Er ist bereits seit ungef\u00e4hr 5 Monaten unterwegs und hat knapp noch drei Wochen vor sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fahrt mit dem Motorrad auf dem Salzsee ist nicht m\u00f6glich &#8211; w\u00e4re schon m\u00f6glich, aber wir entscheiden uns dagegen, da im Moment Regenzeit und der See mit Wasser bedeckt ist. Es sind meist nur wenige Zentimeter. Wir mieten am Vormittag einen Jeep bei einer Tour-Organisation und fahren hinaus. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Etwas weiter drau\u00dfen auf dem See, scheinen See und Himmel ineinander \u00fcberzugehen. Die Spiegelungen vermitteln den Eindruck, als w\u00fcrde man in der Luft schweben.<br>Von Wikipedia her ist ja bekannt, dass sich unter der Salzkruste ein See befindet. Nur war uns nicht bewusst, dass die Salzkruste kaum dicker als 10cm ist. Wir sind weit vom Ufer entfernt, als wir ein Loch bemerken und somit die Dicke der Salzkruste sehen. Und nachdem wir das erste Loch gesehen haben, nehmen wir auch all die anderen unz\u00e4hligen kleineren und gr\u00f6\u00dferen L\u00f6cher wahr. Unser Fahrer erz\u00e4hlt, dass hin und wieder Fahrzeuge einbrechen, aber ihm ist das noch nicht passiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steve verl\u00e4sst uns und f\u00e4hrt in Bolivien weiter nach Norden. Taylor, Mike, Andi und ich fahren von Uyuni auf der Ruta 5 weiter Richtung Chile. Das Ziel ist die Grenzstadt in Chile. Die Stra\u00dfe ist sehr ruppig. Irgendwo verliere ich meine Seitenverkleidung, die ich hinten auf meiner Tasche festgemacht habe &#8211;&nbsp; anscheinend nicht fest genug. Ich habe sie nicht montiert, weil ich dauernd Wasser in meinen K\u00fchler f\u00fcllen muss. Ich fahre zur\u00fcck und finde sie wieder. Ich muss die Seitenverkleidung wohl eine Weile hinter mir her geschleift&nbsp; haben. Sie ist nicht mehr zu gebrauchen und ich lasse sie liegen. Zu guter Letzt f\u00e4llt mir auch noch das BMW Emblem auf der anderen Seite ab.<br>Ich hatte keine Probleme mit meinem Motorrad, bis ich nach Patagonien gekommen bin. Es ist wahrlich eine raue und ruppige Gegend. Mein Motorrad scheint in alle Einzelteile zu zerfallen.<br>Kurz vor der Grenze zu Chile st\u00fcrzt Taylor auf einer sandigen Stelle. Ich habe das ganze nicht mitbekommen, weil ich die F\u00fchrungsposition hatte und Taylor an dritter Stelle war. Ich war etwas voraus und dachte zuerst, sie sind stehen geblieben, um Fotos von der wundersch\u00f6nen Landschaft zu machen. Als ich sie dann wild herumlaufen sah, wurde mir bewusst, dass etwas nicht stimmt. Taylor ist zum Gl\u00fcck nichts passiert. Aber die linke Seite seines Motorrades wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Seinen Koffer hat es zerrissen. Das Armaturenbrett ist verschoben, Blinker, Windschutz, Spiegel &#8230; alles hin\u00fcber. Aber das Motorrad f\u00e4hrt. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir \u00fcbernachten in der Grenzstadt. Die Stadt macht den Eindruck eines Outposts, einer alten Westernstadt. Fr\u00fcher haben hier mal Z\u00fcge angehalten. Aber der Bahnhof gleicht einem Friedhof. Die Geb\u00e4ude sehen heruntergekommen aus. \u00dcberraschenderweise sind sie innen aber alle sehr lieb ausgestattet. Wir haben nur bolivianisches Geld. Sp\u00e4t am Abend und weit entfernt vom n\u00e4chsten Bankomaten, wei\u00df die Dame im Hostal das zu nutzen und zieht uns das Geld aus der Tasche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>11.02. \/ 13.02.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grenze &#8211; Antofagasta &#8211; Caldera &#8211; La Serena<br>Erneut geht es ein St\u00fcck und wieder viele, viele Kilometer durch die Atacama. Auf eine gewisse Art mag ich sie und zugleich \u201ehasse\u201c ich sie, diese endlose W\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>13.02. &#8211; 15.02.<\/strong>Ein Zwischenstopp in La Serena. Das Wochenende naht, so l\u00e4sst sich, was meinen K\u00fchler betrifft, wenig ausrichten. Wir entscheiden uns zu bleiben und am Sonntag die letzten Kilometer nach Santiago zu fahren. Mein K\u00fchler leckt mittlerweile sehr, die Klebemasse weicht langsam auf. Jeden Tag muss ich mehr und mehr Wasser nachf\u00fcllen. Es sind beinahe 1\/2 Liter.<br>Nach einem feuchtfr\u00f6hlichen Abend mit Taylor und Mike sitzen Andi und ich im Hostel noch lange Zeit mit anderen G\u00e4sten zusammen.<br>Ich habe es bereits mehrmals erw\u00e4hnt, es gibt Hostels, da f\u00fchlt man sich \u00e4u\u00dferst wohl. Dieses hier ist ein Wohnhaus auf einem gro\u00dfen Grundst\u00fcck, in dem, ich glaube, maximal 20 Betten vermietet werden. Ein paar im Haus, der Rest in Bungalows. Gro\u00dfe Palmen stehen im Garten, freundliche Betreiber .. ein Platz zum Verweilen. Es ist so, als w\u00fcrde man \u201eZu Hause\u201c sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album 06.02. Ein neues Land auf meiner Reise. Wir \u00fcberqueren die Grenze bei Villaz\u00f3n. Am Grenz\u00fcbergang ist die H\u00f6lle los. Scharenweise werden die Leute mit Bussen angekarrt. Lange Schlangen stehen an den Schaltern. Personen, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, werden zum Gl\u00fcck schneller abgefertigt. 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