{"id":2864,"date":"2013-10-19T23:45:46","date_gmt":"2013-10-19T22:45:46","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2864"},"modified":"2025-07-26T13:19:05","modified_gmt":"2025-07-26T13:19:05","slug":"von-0-auf-4-000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/10\/19\/von-0-auf-4-000\/","title":{"rendered":"Von 0 auf 4.000"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/136\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>15.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ziel Quilotoa stehen heute ca. 290 km auf dem Plan. &#8222;Das t\u00fcrkise Wasser des vulkanischen Kratersees &#8218;Lake Quilotoa&#8216; ist eine der sch\u00f6nsten Ansichten in Ecuador&#8220; habe ich vor ein paar Tagen im Reisef\u00fchrer gelesen. Da muss ich nat\u00fcrlich hin. Was ich auf dem Weg dorthin durchmache, ist weniger sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich verlasse das w\u00e4rmere Canoa und genie\u00dfe auf kurvigen Stra\u00dfen die Fahrt durch die flache Gegend. Es sind sehr wenige Fahrzeuge auf den Stra\u00dfen und es macht Freude so dahin zu fahren. Es ist warm, ich habe mein Innenfutter in der Tasche verstaut. Etwa 80 km vor dem Ziel beginnt es leicht zu regnen. Das macht nichts, es ist weiterhin relativ warm. Vielleicht h\u00f6rt es ja bald wieder auf. Weit gefehlt. Es zieht mich bergauf, 500, 700, 1.000m. Der Regen wird st\u00e4rker, die Berge werden h\u00f6her, es wird k\u00e4lter. Wenn es weiter so bleibt, halte ich es aus. Nach einer Weile geht die N\u00e4sse durch die Kleidung, das Wasser rinnt in die Schuhe. Es geht immer weiter bergauf. 2.000m, 2.500m. Nun wird es doch empfindlich kalt. Ich bin bereits durch und durch nass. Den Point of No Return habe ich \u00fcberschritten, umkehren ist nicht mehr. Innenfutter anziehen bringt jetzt auch nichts mehr. Das habe ich auch vers\u00e4umt. Noch etwa 50 km vor mir. Ich friere sehr. 3.000m. Verdammt nochmal, wie hoch denn noch? Ich zittere wie Espenlaub. Das eiskalte Wasser rinnt wieder aus meinen Schuhen raus. Die Finger sind klamm, die Heizgriffe zeigen keine Wirkung. 3.500m. Bei \u00fcber 4.000 ist das Ende gefunden. Ich \u00fcberquere den Pass. Ich bin noch gut 25 km vom Ziel entfernt und halte Ausschau nach einer Unterkunft. Es interessiert mich nicht, ob ich nach Quilotoa gelange. Ich suche blo\u00df ein &#8222;Hostal&#8220; Schild. Ich brauche W\u00e4rme. Nichts zu finden. Endlich erreiche ich Quilotoa. Bei der ersten Unterkunft, die ich sehe, halte ich an. 25$ die Nacht inkl. Essen. Ein stolzer Preis. Und wenn es 100$ gekostet h\u00e4tte. Ich w\u00e4re keinen Meter mehr gefahren.<br>Ich muss meine Daten in das G\u00e4stebuch eintragen. Hat die Frau denn kein Mitleid mit mir? Lass mich doch ein paar Minuten an den Ofen setzen! Ich kann kaum den Kugelschreiber halten, so zittere ich vor K\u00e4lte. Das Schreiben ist beinahe unm\u00f6glich. Meine Schrift gleicht der eines Kindes, welches das erste Mal einen Stift in der Hand h\u00e4lt. Ich kann es kaum erwarten, unter die hei\u00dfe Dusche zu gelangen. Das hilft ein wenig, um den K\u00f6rper wieder zu w\u00e4rmen. Danach setze ich mich zum Ofen, ich zittere noch immer. Es dauert eine Weile, bis die W\u00e4rme durch die Knochen kriecht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hostal ist eine Schweizerin. Sie meint, gestern waren mehr G\u00e4ste da. Aber die sind am Morgen gefl\u00fcchtet. Sie wartet auf den letzten Bus, um ebenfalls das Weite zu suchen. Unm\u00f6glich f\u00fcr mich morgen weiter zu fahren. Meine Sachen sind bis morgen niemals trocken. Bei der K\u00e4lte hole ich mir den Tod, wenn ich in die nasse Kleidung schl\u00fcpfe. Ungeplant sitze ich f\u00fcr 2 N\u00e4chte fest. Sp\u00e4ter finden sich dann doch noch ein paar G\u00e4ste ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sitze ich nun unter zwei dicken Decken, in meiner Jacke und M\u00fctze im Bett und schreibe auf 3.900m meinen Blog. Mein Atem kondensiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>16.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kr\u00e4ht am Morgen kein Hahn, daf\u00fcr ist es der Haushund, der noch vor 6 Uhr mit lautem Gebell die G\u00e4ste weckt.<br>Ich spaziere zum nahen Krater. Der Reisef\u00fchrer hat nicht gelogen. Der Krater und auch die Aussicht auf die Gegend sind ein wunderbarer Anblick. Ich gehe ein St\u00fcck den Kraterrand entlang. Aber da kommt es wieder, das rasende Herzklopfen. Die 3.000m mag ich vielleicht schon gewohnt sein. Auf dieser H\u00f6he geht mir schnell wieder die Puste aus. Ich verzichte darauf, weit zum Kratersee hinabzusteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kleine Dorf hier befindet sich am Anfang eines Ver\u00e4nderungsprozesses, weg von einer Ansammlung von H\u00fctten und Bauern hin zu einem touristischen Dorf. Ein paar der Hostals sind noch ziemlich einfache kleine Geb\u00e4ude. Es gibt jedoch bereits ein paar neue gr\u00f6\u00dfere. Und es wird gebaut. Der Hauptplatz ist neu, es gibt so etwas wie ein Kulturzentrum und Markt, in dem die Einheimischen haupts\u00e4chlich lokale Kleidung anbieten. Die Einheimischen sind bem\u00fcht, die Gegend sauber zu halten. Hinab zum Kratersee ist ein sicherer Gehweg in Arbeit. Es wird interessant sein, in 10 bis 15 Jahren noch mal hierher zu kommen, um zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Gem\u00fctszustand ist heute nicht der beste. Aber ich bin selbst schuld, ich h\u00e4tte mich ordentlich anziehen sollen.<br>Am Abend rauscht eine Reisegruppe von 15 Personen mit Deutschen, 1 Schweizer und 2 \u00d6sterreichern aus Gloggnitz ein. Es ist ungewohnt, wieder mal auf deutsch in Mundart zu reden.<br>Nach und nach kommen auch ein paar Backpacker. Ich werde zwar von der deutschsprachigen Reisegruppe eingeladen, mich zu ihnen zu gesellen, ich bleibe aber lieber unter Meinesgleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>17.10<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fchzeitig verlasse ich Quilotoa. Ich will einem m\u00f6glichen schlechten Wetter entgehen. Aber heute habe ich Gl\u00fcck, es bleibt sch\u00f6n. Ich friere noch etwas in den Zehen, weil die Schuhe noch nicht ganz trocken sind.<br>Die Fahrt bis nach Latacunga geh\u00f6rt definitiv zu den bisherigen Highlights dieser Reise. Die Strecke f\u00fchrt lange Zeit zwischen 3.500 und 4.000m Seeh\u00f6he. In weiter Ferne ragt der Cotopaxi majest\u00e4tisch in die H\u00f6he. Der Cotopaxi ist mit knapp 6.000m einer der h\u00f6chsten aktiven Vulkane der Erde. Das Landschaftsbild, das hier geboten wird, l\u00e4sst sich nicht in Worte fassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An meine Reise-Kumpanen, die hinter mir sind: Besucht Quilotoa und nehmt die Strecke Richtung Latacunga, ihr werdet es nicht bereuen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre an Ba\u00f1os vorbei. Ba\u00f1os<em> <\/em>ist bekannt f\u00fcr seine hei\u00dfen Quellen. Wie ich auf dem Blog von Lauren und Adrian nachlese, ist der Vulkan dort vor zwei Tagen ausgebrochen. Der Vulkan spuckt noch immer Asche, die auch in der Luft liegt. Auf den Stra\u00dfen sind die Leute mit Besen unterwegs, um aufzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Langsam gelange ich wieder in die Niederungen des Landes. Macas etwas weiter im S\u00fcd-Osten ist das heutige Ziel. Die Landschaft \u00e4ndert sich erneut. Es wird wieder gr\u00fcn. Urwald ist die vorherrschende Vegetation. Bei einem kurzen Stopp zwischendurch begegne ich erneut zwei \u00d6sterreichern, diesmal aus Mariazell Umgebung. Ich muss, samt Motorrad, f\u00fcr ein Foto herhalten und werde eingeladen, bei ihnen vorbeizusehen. Sie haben ein Gasthaus. Das wird wohl noch etwas dauern.<br>Das Leben, die D\u00f6rfer, vorwiegend Kommunen, werden einfacher. Kleine H\u00fctten aus Bambus und Holz. Ich glaube kaum, dass es hier \u00fcberall flie\u00dfend Wasser und Strom gibt. Ganz anders das Bild in den Kleinst\u00e4dten, die auf dem Weg liegen. Es gibt einen starken sozialen Kontrast auf wenigen Kilometern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch in der Fr\u00fch und am Vormittag habe ich ziemlich gefroren. Ein paar Stunden sp\u00e4ter schwitze ich in kurzen Hosen, als ich durch Macas spaziere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>18.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein letzter Tag in Ecuador. Erneut fahre ich auf einer dieser Bergstra\u00dfen, an denen die H\u00e4nge steil bergab gehen. Sie wird bzw. ist zum Gro\u00dfteil renoviert und ist in erstklassigem Zustand. Trotzdem ist mir an manchen Stellen nicht ganz geheuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Nacht verbringe ich in Santa Isabel. Santa Isabel ist weitaus gr\u00f6\u00dfer als es kartografisch im Internet erfasst ist. Ich frage mich lange durch bis ich endlich das Hotel finde. Es liegt etwas abseits in den Bergh\u00e4ngen mit grandiosem Ausblick.<br>Morgen geht es weiter nach Peru.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ecuador war bis jetzt ein Highlight auf dieser Reise. Ich war \u00fcberrascht \u00fcber die Vielf\u00e4ltigkeit an Kultur und Personen, der Landschaft und dem Klima. Vom k\u00fchlen Hochland Quitos durch den Nebelwald hinab an die warme K\u00fcste, wieder hoch in die kalten Berge, wo ich beinahe an meine Grenzen gebracht wurde und weiter nach Osten in die Regionen des Urwaldes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album 15.10. Mit dem Ziel Quilotoa stehen heute ca. 290 km auf dem Plan. &#8222;Das t\u00fcrkise Wasser des vulkanischen Kratersees &#8218;Lake Quilotoa&#8216; ist eine der sch\u00f6nsten Ansichten in Ecuador&#8220; habe ich vor ein paar Tagen im Reisef\u00fchrer gelesen. Da muss ich nat\u00fcrlich hin. Was ich auf dem Weg dorthin durchmache, ist weniger sch\u00f6n. 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