{"id":2777,"date":"2013-10-09T03:47:54","date_gmt":"2013-10-09T02:47:54","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2777"},"modified":"2025-07-02T13:33:01","modified_gmt":"2025-07-02T13:33:01","slug":"knochen-brechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/10\/09\/knochen-brechen\/","title":{"rendered":"Knochen brechen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/137\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ha! Hab&#8216; ich euch dran gekriegt. Mum, entschuldige f\u00fcr den Schreck. Die letzten Beitr\u00e4ge waren ja wohl etwas fad zum Lesen. Da musste mal wieder ein rei\u00dferischer Aufmacher her. Ich pers\u00f6nlich hatte die letzten 2 1\/2 Wochen zwar jede Menge Spa\u00df, aber wie vermittelt man so etwas?<br>Au\u00dferdem bin ich seit San Jose bis inklusive Bogota nur knapp 1.000 km gefahren.<br>Es war wieder Zeit sich wieder auf den Weg zu machen, Zeit f\u00fcr aufregendere Sachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>04.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dauert eine Weile aus Bogota rauszukommen. Die Stadt scheint endlos. Der Verkehr ist dicht. Richtung Armenia geht es durch steile Berge und T\u00e4ler. Viele LKWs schleppen sich langsam die engen kurvigen Stra\u00dfen hoch und wieder runter. In den un\u00fcbersichtlichen Kurven steht Personal, ich wei\u00df nicht, ob bezahlt oder unbezahlt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie winken den LKW Fahrern zu, die weit ausscheren m\u00fcssen, ob die Strecke frei ist. Mit dem Motorrad bin ich besser dran. Kurz am Gashebel drehen und ich bin an der langsamen Schlange vorbei. F\u00fcr ein paar km hat man freie Fahrt, bevor man an der n\u00e4chsten Schlange h\u00e4ngt. Solche Touren sind sehr anstrengend zu fahren, bei dem wilden Verkehr, den engen Kurven, st\u00e4ndig auf der Hut zu sein. In Armenien falle ich bald m\u00fcde ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kolumbien sind sehr sehr viele Motorradfahrer unterwegs. Vom Mofa bis zu gr\u00f6\u00dferen Maschinen findet sich alles auf den Stra\u00dfen. Bei einer roten Ampel oder bei einer Baustelle fahren alle vor. Soweit Platz, stehen dann 15, 20 oder mehr Motorr\u00e4der wild durcheinander. Springt die Ampel auf gr\u00fcn um oder wird freie Fahrt gegeben, wuseln alle, wie Bienen, gleichzeitig los, ich oft mittendrin. Es ist immer wieder lustig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Motorradfahrer zahlt man in Kolumbien keine Maut. Mautstellen gibt es ab und zu auch auf den Landstra\u00dfen. Ganz rechts aussen befindet sich eine Motorradspur, wo man einfach durchf\u00e4hrt. Das musste ich auch erst lernen, als ich mich bei der ersten Maustelle in einer der Auto-Spuren einreihe, die Dame aus dem Mauth\u00e4uschen raus springt und wild nach rechts deutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Polizei hatte ich bislang noch keinen Kontakt. Noch bin ich nicht aufgehalten worden. Ich habe mir eine &#8222;Taktik&#8220; zurechtgelegt. In der Stadt im dichteren Verkehr w\u00e4hle ich auf mehrspurigen Stra\u00dfen die zweite oder dritte Spur. Das macht es schwerer rausgewunken zu werden. Man kann sich auch ein wenig hinter gr\u00f6\u00dferen Fahrzeugen verstecken. Aber man f\u00e4llt hier in Kolumbien glaube ich nicht so sehr auf. Viele Motorr\u00e4der sind mit Lasten bepackt. Aus der Ferne habe ich schon mehrmals gedacht, es handle sich ebenfalls um Reisende. Mir scheint die Polizei bemerkt mich gar nicht richtig. Oder es ist ganz einfach anders als in Zentral Amerika, wo wir st\u00e4ndig aufgehalten wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Br\u00fccken und (wahrscheinlich) andere strategische Punkte sind beinahe immer vom Milit\u00e4r besch\u00fctzt. Manchmal gibt es auch Kontrollpunkte auf der Stra\u00dfe. Bis jetzt bin ich auch dort noch nicht aufgehalten worden. Es sind manchmal drei, vier Soldaten auf einer Entfernung von ca. 50 m stationiert. Manchmal gibt es diese Bunker aus Sands\u00e4cken. Wenn ich vorbeifahre, gibt jeder einzelne der Soldaten Daumen hoch Zeichen. Ich gr\u00fc\u00dfe zur\u00fcck. Ich habe noch nicht rausbekommen, was das bedeutet. Vielleicht schie\u00dfen sie, wenn einer Daumen runter Zeichen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mal sehen, ob ich auf Google Streetview sein werde. Irgendwo auf der Strecke ist mir eines dieser Fahrzeuge mit der Kamera auf dem Dach entgegengekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Landschaft ist h\u00fcgelig, gr\u00fcn, in der Ferne Berge. Es gef\u00e4llt mir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>05.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Armenia nach Popayan fahre ich teilweise auf Autobahnen, teilweise gleite ich auf Landstra\u00dfen dahin.<br>Die Navigation ist manchmal etwas spannend. So kommt es vor, dass Stra\u00dfen im Navigationssystem manchmal bis zu 100m verschoben sind. Ist das die Kontinentalverschiebung? Einige im Navigationssystem als gut gekennzeichnete Stra\u00dfen stellen sich als Feldwege heraus. Dass neue Stra\u00dfen noch nicht enthalten sind, st\u00f6rt wenig. Gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte sind gut angeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Gegend zwischen Armenia und Popay\u00e1n befinden sich viele Zuckerrohrplantagen. Die Bev\u00f6lkerung ist vornehmlich schwarz. Wie ich sp\u00e4ter nachlese, Nachfahren der Sklaven, die vor langer Zeit hierher verschleppt wurden.<br>Es ist Erntezeit. In den Plantagen sind Arbeiter mit ihren Macheten am Werk. Road-Trains, mit vier bis f\u00fcnf Anh\u00e4ngern transportieren das Zuckerrohr zur Weiterverarbeitung in eine der Fabriken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Habe ich schon erw\u00e4hnt, dass ich hier den ganzen Tag nur fressen k\u00f6nnte. An jeder Stra\u00dfenecke ist eine kleine Bude oder eine B\u00e4ckerei, die etwas zu essen anbietet. Andauernd springen einen Leckereien an, die man kosten m\u00f6chte. Es ist schwer das Gewicht zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>06.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tag 2 in Popayan. Es ist Sonntag, die Sonne scheint. ich nehme meine Koffer vom Motorrad und m\u00f6chte ein Dorf etwa vierzig, f\u00fcnfzig km entfernt besuchen. Im Hostel wird es als Freilichtmuseum empfohlen, alte H\u00e4user, die Einheimischen in bunten Trachten.<br>Keine Chance das Dorf zu finden. Ich habe keine Karte und die Stra\u00dfen im GPS sind auch nur d\u00fcrftig. Ich gerate irgendwie ins Hinterland. Auf steinigen Schotterstra\u00dfen geht es viele km durch h\u00fcgelige Landschaften. Es sind immer wieder H\u00e4user, oder Ansammlungen von H\u00e4usern die Stra\u00dfe entlang. Ich bin mir nicht sicher, ob hier schon jemals ein Ausl\u00e4nder gewesen ist. Ohne den ganzen Ballast l\u00e4sst sich das Motorrad Off-Road viel einfacher steuern. 20, 30, 40 km\/h, schneller komme ich nicht voran. Irgendwann schl\u00e4gt ein Stein hart und laut an die Unterseite. Der Motor f\u00e4llt aus, die \u00d6llampe leuchtet auf. Verdammt, was denn? Ich bin ca. 25 km von der Stadt entfernt mitten im Nirgendwo, auf beschissenen Stra\u00dfen. Ich bleibe sofort stehen. Der Seitenst\u00e4nder h\u00e4ngt lose runter. Ich sehe nach. Ok, &#8222;Gl\u00fcck&#8220; gehabt. Der Stein hat mir die Aufh\u00e4ngung f\u00fcr den Seitenst\u00e4nder zerst\u00f6rt. Wenn der Seitenst\u00e4nder bei eingelegtem Gang runter geht, geht automatisch der Motor aus. Eine Schutzfunktion. Ich gehe ein paar Meter zur\u00fcck und finde die Federn und die Aufh\u00e4ngung auf der Stra\u00dfe. Notd\u00fcrftig h\u00e4nge ich den Seitenst\u00e4nder mit den Federn hoch. Ich fahre noch ein paar km weiter in der Hoffnung auf eine Abzweigung zu gelangen und auf eine Stra\u00dfe, die wieder nach Popay\u00e1n f\u00fchrt.<br>Ich gelange durch ein Dorf. Alle scheinen auf der Stra\u00dfe zu sein. Langsam schl\u00e4ngle ich mich auf der schlechten Stra\u00dfe durch das Gewusel an Leuten, Pferden und Motorr\u00e4dern. In meiner Aufmachung muss ich wohl aussehen wie ein Au\u00dferirdischer. Alle begaffen mich. Ich frage nach dem Weg. Popay\u00e1n? Ich muss wieder zur\u00fcck. Nach vorne gibt es keinen Weg. Irgendwann verliere ich bei dem ganzen ger\u00fcttle auch noch meine Handschuhe, die ich am Tankrucksack in das Gumminetz an der Seite gegeben habe. Handschuhe kaufe ich bei einem Motorradladen um 10 EUR. Die Leute sind hier kleiner. XL passen mir gerade noch.<br>Von oben bis unten staubig &#8211; ich und mein Motorrad &#8211; komme ich wieder in Popay\u00e1n an. Zur\u00fcck im Hostel versuche ich zu analysieren, was da genau gebrochen ist. Es scheint, als ob der ganze Stift, der die Platte f\u00fcr die Federn h\u00e4lt, verbogen ist. Ich muss da ordentlich gegen einen Stein geknallt sein. Hoffentlich kann man das einfach tauschen. Ich \u00fcberlege, wie ich das Problem kurzfristig l\u00f6sen kann. Mit den Federn geht das nicht. Auf diese Weise kann ich den Seitenst\u00e4nder nicht verwenden. Ich brauche ein Gummiband. Wo kriege ich ein Gummiband her?&nbsp; \u2026 Ich habe doch ein Gummiband, das ich auf die gew\u00fcnschte L\u00e4nge zurechtschneiden kann, in meinem Koffer. Hervorragend! Vor ein paar Wochen habe ich mir gedacht: Das schleppst du auch unn\u00f6tig mit. Die Notl\u00f6sung funktioniert. Der Seitenst\u00e4nder klappt hoch und geht auch wieder runter. Zumindest bis nach Quito muss das Provisorium halten.<br>Ich hatte heute zwar etwas Pech, aber es hat viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>07.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre weiter nach Pasto. Die Landschaft \u00e4ndert sich. Von gr\u00fcnen H\u00fcgeln mehr hin ins Braune. Die Bergh\u00e4nge sind steil, die Stra\u00dfen schmiegen sich an die Berge. Weit geht es an den Stra\u00dfenr\u00e4ndern hinunter. Ich mag diese Strecken nicht so sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pasto ist nicht wirklich einen Besuch wert. Das Zentrum ist mit Autos verstopft. Abgase liegen in der Luft. Ein gro\u00dfer Platz im Zentrum, ein paar alte Kirchen. Blo\u00df ein Zwischenstop auf dem Weg nach Ecuador.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>08.10.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist kalt. Die Grenze ist nicht weit. Ich bewege mich auf H\u00f6hen zwischen 1.500 und 3.500m. Das Fahren macht extrem Spa\u00df. Blo\u00df wei\u00df man nicht wirklich, wie man sich anziehen soll. Entweder man friert auf \u00fcber 3.000 m, weil man zu wenig warme Kleidung tr\u00e4gt, oder man schwitzt auf 1.500 bis 2.000m, weil man zu viel tr\u00e4gt. 1.500 H\u00f6henmeter, das geht innerhalb weniger Minuten. Bei einer Verkehrskontrolle werde ich von der Polizei aufgehalten. Fahrzeugpapiere herzeigen. Ein paar Zivilisten gesellen sich dazu. Ich glaube, sie wollten einfach nur ein wenig plaudern, das Motorrad ansehen. Woher, wohin, das \u00fcbliche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grenz\u00fcbertritt dauert, wie \u00fcblich, ist aber bei etwa 20C weitaus angenehmer zu ertragen als in der br\u00fctenden Hitze in Zentral Amerika.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album Ha! Hab&#8216; ich euch dran gekriegt. Mum, entschuldige f\u00fcr den Schreck. Die letzten Beitr\u00e4ge waren ja wohl etwas fad zum Lesen. Da musste mal wieder ein rei\u00dferischer Aufmacher her. 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