{"id":2500,"date":"2013-09-08T00:47:57","date_gmt":"2013-09-07T23:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2500"},"modified":"2025-06-11T11:55:00","modified_gmt":"2025-06-11T11:55:00","slug":"von-den-muehen-ein-land-zu-verlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/09\/08\/von-den-muehen-ein-land-zu-verlassen\/","title":{"rendered":"Von den M\u00fchen ein Land zu verlassen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>07.09.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute l\u00e4sst du mich nicht gehen?<br>Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der N\u00e4he von Tapachula gibt es zwei Grenz\u00fcberg\u00e4nge nach Guatemala. Der eine gleich hinter Tuxtla Chico, etwa 15 bis 20 km von Tapachula und der andere, etwas weiter im S\u00fcden bei Ciudad Hidalgo, etwa 35 km entfernt<br>Ich fahre zum n\u00e4heren Grenz\u00fcbergang nach Tuxtla Chico.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Weg zur Grenze laufen immer wieder Leute pfeifend und deutend auf die Sta\u00dfe und versuchen mich aufzuhalten und zum Stehenbleiben zu bewegen. Aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich ausreise, frage ich die Beamten, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Ich werde zum Zollgeb\u00e4ude gesendet. <em>&#8222;K\u00f6nnen Sie hier nicht machen. Es handelt sich um einen kleinen Grenz\u00fcbergang.&#8220;<\/em> Mehrere Leute reden durcheinander. <em>Ich muss zum anderen Grenz\u00fcbergang fahren. Das kann ich nur in Tapachula machen. Nein, in Huixtla.<\/em> Ich verstehe so gut wie gar nichts mehr. Da mein Reisepass schon ausgestempelt ist, muss ich nochmal das Visum ausf\u00fcllen. Ich erhalte einen neuen Einreisestempel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Motorrad ist leider schon im Niemandsland. Sofort sind auch Geldwechsler an meiner Seite. Ich brauche kein Geld. Also wieder zur\u00fcck und durch die Kontrolle. Ich nehme die Autospur. Vor dem Schranken werde ich angewiesen, das Motorrad zur\u00fcckzuschieben und die Motorradspur zu nehmen. Es ist verdammt hei\u00df, ich schwitze dementsprechend unter der dicken Jacke und es macht \u00fcberhaupt keinen Spa\u00df das schwere Motorrad durch die Gegend zu schieben. F\u00fcr die Grenz\u00fcberg\u00e4nge und die Formalit\u00e4ten habe ich mir jedoch angew\u00f6hnt kurze Hosen anzuziehen und erst danach wieder in die Motorradhose zu schl\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich mu\u00df das ganze Prozedere \u00fcber mich ergehen lassen. Koffer auf, auspacken, Fragen, \u2026 . Die Grenzbeamtin ist sehr nett und spricht auch englisch. Erz\u00e4hlt mir, dass sie voriges Jahr in Wien gewesen ist. Ich frage wie es ihr gefallen hat. &#8222;Sie meint sehr gut. Es ist sehr sauber.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich fahre also zur anderen Grenzstation. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Stadt. Ein einheimischer Motorradfahrer f\u00e4hrt mir eine Weile nach. Auf der Suche nach dem Grenz\u00fcbergang bleibe ich kurz stehen, um mich zu orientieren. Er gibt mir zu verstehen, dass ich seine Dienste ben\u00f6tige. Ich sage: &#8222;No necesito \/ Nein, brauche ich nicht.&#8220; Er besteht darauf, z\u00fcckt eine Visitenkarte. Ich sage: &#8222;No es verdad. \/&nbsp; Das ist nicht wahr.&#8220; Ich frage eine Frau nach dem Weg, sie gibt mir eine ungef\u00e4hre Richtung. Schlie\u00dflich l\u00e4sst der Motorradfahrer von mir ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch am anderen Grenz\u00fcbergang frage ich, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Die Dame winkt mich einfach weiter. Ich fahre durch, bezahle noch Maut und bin auch schon in Guatemala.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst werde ich aufgehalten. Ein Mann in Zivilkleidung ist sofort an meiner Seite, ruhig, nicht aggressiv. Erkl\u00e4rt mir, dass ich hier mal mein Motorrad desinfizieren lassen muss. Da mich vorher so viele Leute versucht haben mich aufzuhalten und mir was andrehen wollten, glaube ich ihm zuerst nicht so ganz. Dann h\u00e4lt mich auch ein Beamter in Uniform auf. Ein anderer l\u00e4uft mit einer Spritze um mein Motorrad und spr\u00fcht es im unteren Bereich etwas ein. So verdreckt wie mein Motorrad mittlerweile aussieht, hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit. Aber gut. Kostet 12 Quetzal. Ich muss in der einheimischen W\u00e4hrung zahlen. Habe ich noch nicht. Die Person an meiner Seite ruft eine Wechsler, bei dem ich 20 USD umtausche. Zu einem denkbar schlechten Kurs, wie man annehmen kann. Schei\u00df drauf, wegen 50\u20ac Cent fange ich nicht zu diskutieren an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich neben der Inspektionsstelle liegt die Passkontrolle in einer unscheinbaren H\u00fctte. Kann ich nicht glauben und fahre ein paar Meter weiter, wo ich angewiesen werde, das Motorrad mal abzustellen. Ich werde gefragt, ob ich die Passkontrolle hinter mir habe. Nein, habe ich nicht, wo? Der Beamte gibt mir zu verstehen, dass es sich um die unscheinbare H\u00fctte handelt. Ok, also ein paar Meter zur\u00fccklaufen. Ich werde gefragt, wie lange ich bleiben m\u00f6chte. Ca 1 Woche. Stempel rein, das war es auch schon. Zur\u00fcck beim Motorrad, weist man mir den Weg in ein Geb\u00e4ude zur Registrierung des Fahrzeuges. Ich sage, ich muss das Motorrad noch abmelden. Wo kann ich das machen? Das musst du in Mexiko machen. Die Zivilperson, die die ganze Zeit \u00fcber an meiner Seite war, wollte wohl auch etwas Geld. Ich starte meine Maschine und fahre ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verdammt nochmal! Also zur\u00fcck nach Mexiko. Wieder an der mexikanischen Grenzstation, frage ich nochmal, wo ich das Motorrad abmelden kann? &#8222;Da dr\u00fcben beim Zoll.&#8220;<br>Ein junger Grenzbeamter nimmt sich meiner an. Er spricht langsam und deutlich und erkl\u00e4rt mir, dass ich ca. 100km zur\u00fcck in das Landesinnere fahren muss. Er \u00e4rgert sich, dass er nicht besser englisch kann und ich mich, dass ich nicht besser spanisch kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entsprechende Zollbeh\u00f6rde befindet sich ein paar Kilometer hinter der Stadt Huixtla. Dort kann ich mein Fahrzeug wieder abmelden. Es ist schon nach Mittag. Die Hitze ist unertr\u00e4glich und ich muss hier von einer Ecke auf die andere fahren und laufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ich losfahre, fragt er nochmal: &#8222;Wo musst du hin?&#8220; Ich kann den Ort nicht aussprechen. Er fragt: &#8222;Hast du \u00fcberhaupt verstanden, was ich dir erkl\u00e4rt habe?&#8220; &#8222;Ja, ja! Ich wei\u00df, wo ich hin muss.&#8220;<br>Und zwar auch aus dem Grund, weil ich gestern auf dem Weg nach Tapachula die Position der Zollstation in meinem GPS Ger\u00e4t gespeichert habe, als ich daran vorbeigefahren bin. Ich wollte nur nicht so richtig wahrhaben, dass ich noch mal 100km zur\u00fcck muss.<br>W\u00e4hrend wieder meine Sachen durchsucht werden, &#8222;plaudern&#8220; wir noch ein wenig. Er m\u00f6chte wissen, wie \u00d6sterreich ist und wie die Situation in Europa so aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klarerweise muss ich auch wieder an den Milit\u00e4rkontrollen halten, Koffer durchsuchen, Fragen \u00fcber mich ergehen lassen. Mittlerweile kann ich auf spanisch schon sehr gut erkl\u00e4ren, wo mein Problem liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Zollstelle wird noch mal \u00fcberpr\u00fcft, ob die Papiere mit dem Fahrzeug \u00fcbereinstimmen und ich erhalte eine Best\u00e4tigung. Ein Beamter eskortiert mich mit einem Fahrzeug noch ein paar Kilometer Richtung Tapachula, bevor wir kurz anhalten und er mir die Papiere aush\u00e4ndigt. Damit ich auch wirklich wieder auf der Autobahn Richtung Guatemala bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieder in der N\u00e4he von Tapachula, geht es schon auf 15:00 Uhr zu. Ich bin schon etwas k.o., auf meinen Knien und Unterschenkeln beginnt sich ein Sonnenbrand abzuzeichnen und mein Ziel liegt noch 300 km entfernt. Ich habe keinen Plan B f\u00fcr ein n\u00e4heres Ziel, und da es sowieso bald wieder zu regnen beginnt, beschlie\u00dfe ich eine weitere Nacht in Tapachula zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine letzten Pesos, habe ich heute Morgen bei der Abfahrt in Treibstoff investiert. Ich checke wieder im Hotel ein wo ich mit Kreditkarte zahlen kann und schaffe es gerade noch in einer Wechselstube weitere 20USD in Pesos zu tauschen, damit ich nicht hungern muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Morgen auf ein Neues, die Ausreise d\u00fcrfte ja jetzt kein Problem mehr sein. Und wie es bei der Einreise vor sich geht, habe ich ja zum Teil ja auch schon durchgemacht. Aber gespannt bin ich trotzdem etwas, weil ich schon den Stempel im Pass habe. Offiziell bin ich ja schon in Guatemala.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und jetzt zu den Leuten, die versucht haben, mich von der Stra\u00dfe zu holen. Gestern habe ich noch ein wenig im Internet gesurft. Ich wollte mir noch ein paar Informationen zur Einreise nach Guatemala holen. Auf einem Blog von einem anderen Reisenden habe ich dann gelesen, dass es sich um Keiler handelt, die mit unwissenden Touristen Geld verdienen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Vorwand bei den Grenzformalit\u00e4ten zu helfen, zu \u00fcbersetzen und dass man irgendwelche Papiere ben\u00f6tigt. Fast aggressiv laufen sie auf die Stra\u00dfe, pfeifen und deuten mit den H\u00e4nden, dass man stehen bleiben soll. Auf eine Weise, als w\u00e4re irgendetwas passiert. Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich hier schon etwas eingesch\u00fcchtert f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bewaffnet mit der Information vom Blog fahre ich z\u00fcgig durch. Auf keinen Fall stehen bleiben. Wenn man mal von ein paar Leuten umringt ist, ist es schwerer wieder rauszukommen.<br>Vom gleichen Schlag war der Motorradfahrer, der mir auf dem Weg zum anderen Grenz\u00fcbergang nachgefahren ist. Wenn mich morgen wieder jemand aufhalten m\u00f6chte, vielleicht bleibe ich kurz stehen, wenn ich mir der Situation sicher bin, und frage nach, wobei man mir helfen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Ausreise aus Mexiko fallen keine weiteren Kosten an. Man ben\u00f6tigt auch keine Hilfe oder irgendwelche \u00dcbersetzungen von irgendjemand.<br>Alles, was man ben\u00f6tigt, sind die Dokumente, die man bei der Einreise erhalten hat. Das Fahrzeug muss blo\u00df an einer Zollstation wieder abgemeldet werden. Was leider bei mir etwa 100km Inlands war.<br>An den Grenzstationen stehen sogar Schilder, dass man bestraft wird, wenn man versucht die Beamten zu bestechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.09. Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute l\u00e4sst du mich nicht gehen?Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein. 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