{"id":2475,"date":"2013-09-07T02:32:23","date_gmt":"2013-09-07T01:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2475"},"modified":"2025-06-08T14:42:44","modified_gmt":"2025-06-08T14:42:44","slug":"oaxaca-und-ein-erdbeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/09\/07\/oaxaca-und-ein-erdbeben\/","title":{"rendered":"Oaxaca und ein Erdbeben"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/134\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>01.09. &#8211; 04.09.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tage zuvor hat mir Michelle in Morelia gesagt: Du musst unbedingt nach Oaxaca fahren. Du musst unbedingt Hierve el Agua ansehen. Was sie nicht gesagt hat ist, dass ich mir auf dem Weg dorthin beinahe in die Hosen machen werde. Etwa 50 km nach Playa Ventura geht es wieder in die Berge .. und wie. Auf etwa 200 der 450km Tagesetappe finden sich nur Kurven. Die enge Stra\u00dfe ist oft in einem desolaten Zustand. Entweder durch Wasser zerst\u00f6rt, nur aus Schotter bestehend, mit Schlagl\u00f6chern \u00fcbers\u00e4t, halb mit Erdrutschen versperrt oder ausgebrochen. Auf weiten Teilen geht links der Berg hoch und rechts die Schlucht runter. Ich sitze verkrampft auf dem Motorrad und wage den Blick nicht von der Stra\u00dfe zu nehmen. Als es dann auch noch kurz zu regnen beginnt, kralle ich mich direkt an meinem Motorrad fest. <em>&#8222;Das hat es wieder notwendig gehabt. Warum bist du Depp nicht an der K\u00fcste geblieben?&#8220;<\/em> Zeitweise fahre ich mit 35-40 km\/h dahin. Irgendwann auf 2.500m Seeh\u00f6he befinde ich mich in der dichten Wolkendecke. Ich sehe zwar keine 20m weit, aber seltsamerweise bin ich etwas beruhigt, weil ich den Abgrund nicht mehr sehe.<br>Die Bev\u00f6lkerung ist in dieser Gegend von einem anderen Schlag, die Gesichtsz\u00fcge sind anders, auch die Trachten. Mir kommt vor, sie stammen von einer \u00e4lteren Kultur ab. Ich muss das aber selbst noch nachlesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vier N\u00e4chte in Oaxaca. Wobei ein Tag ungewollt war. Auf dem Ausflug nach Monte Alb\u00e1n und das etwa 60 km entfernte Hierve el Agua hat mich ein starker Regenschauer erwischt und ich muss die Kleidung trocknen lassen.<br>Monte Alb\u00e1n liegt etwa 10km von Oaxaca entfernt auf einem Berggipfel und war die Hauptstadt und das religi\u00f6se Zentrum der Zapoteken, welche zur Urbev\u00f6lkerung Mexikos geh\u00f6rten.<br>Hierve el Agua sind zwei Felsformationen mit ca. 50 bis 100 Metern H\u00f6he, die sich durch das sehr Kalziumkarbonat-haltige Wasser gebildet haben. Das wird wohl seine Zeit gedauert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oaxaca habe ich als sehr gem\u00fctlich empfunden. Es ist erstaunlich, wie schnell man &#8222;bequem&#8220; wird, wenn man einen Platz findet, an dem man sich wohlf\u00fchlt, und es als &#8222;m\u00fchsam&#8220; empfunden wird, wieder die Sachen zu packen und weiterzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Oaxaca treffe ich das erste Mal, seit ich in Mexico bin, auf andere Touristen, auf ziemlich viele sogar. Ich&nbsp; komme mir mal nicht wie ein Alien vor, wie an so vielen anderen Orten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die lebhafte Stadt f\u00f6rdert auch eine andere Seite zu Tage. Kinder, sie k\u00f6nnen kaum \u00e4lter als 8 oder 9 Jahre sein, die als Schuhputzer unterwegs sind oder Halsketten und anderen Ramsch verkaufen wollen, \u00e4ltere Omas, die auf ihren St\u00f6cken durch die Gegend laufen und Decken oder handgebastelte Puppen anbieten. Bettler, die auf dem Gehsteig sitzen. Manchmal gebe ich ein wenig, wenn mir die Verzweiflung sehr gro\u00df erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Klein-Handel hat in Mexiko eine sehr ausgepr\u00e4gte Form. Man findet hier auf den Stra\u00dfen und in den M\u00e4rkten nur kleine St\u00e4nde. Oft ist es nur ein Korb mit B\u00e4ckereien, Handwerk, S\u00fc\u00dfigkeiten mit dem Personen durch die Gegend laufen oder auf den Stra\u00dfen auf Stufen sitzend, darauf warten, dass jemand zugreift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>05.09.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den vorletzten Tag verbringe ich in Tehuantepec, eine etwas kleinere Stadt. Es ist hei\u00df und schw\u00fcl. Nach einem kurzen Spaziergang halte auch ich etwas Siesta. Am fr\u00fchen Abend sehe ich auf einem \u00f6ffentlichen Platz Jugendlichen beim Marschieren und Trommeln zu. Ich nehme an, sie \u00fcben f\u00fcr den Unabh\u00e4ngigkeitstag am 16.September.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Essen gehen ist noch immer spannend. Ich probiere durch. Mit manchen Salsas, mit denen Tortillas und andere Speisen getr\u00e4nkt sind, komme ich geschmacklich nicht zurecht.<br>Wenn m\u00f6glich esse ich t\u00e4glich Obst. Das ist zwischendurch eine willkommene Erfrischung. In gr\u00f6\u00dferen St\u00fccken geschnittenen Obstsalat wird hier an vielen Ecken angeboten. Mangos, Ananas, Gurken, &#8230; gibt es in Plastikbechern oder einfach nur in Plastikt\u00fcten, und man h\u00f6re, \u00fcblicherweise scharf. Mit Chillipulver und einer scharfen Salsa. Manchmal wird auch noch eine Limone dar\u00fcber ausgepresst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wollte nur einen kleinen Happen zu mir nehmen und bin in ein kleines Restaurant. Vier Tische. &#8222;Restaurant&#8220; hei\u00dfen hier auch die Buden mit einem Ofen und zwei Tischen am Stra\u00dfenrand. Ich frage nach der Karte. Gibt es nicht. Mir wurden Speisen runtergeleiert. Pollo frito, also knuspriges Huhn, da ist bestimmt keine Salsa dabei. Das nehme ich. Ich erhalte Suppe. Kann mich nicht erinnern, Suppe bestellt zu haben. Zwei andere Tische sind auch noch besetzt. Ich beobachte. Ach so, hier wird ein ganzes Men\u00fc geliefert. Auch gut. Die Suppe schmeckt ganz gut. Dann kommt das H\u00fchnchen. Hatte wohl schon 40 Jahre auf dem Buckel. Zum Men\u00fc geh\u00f6rt auch ein Getr\u00e4nk, in einem Glas mit Eisw\u00fcrfeln. Ich \u00fcberlege. Aus dem Wasserhahn? Ach was soll&#8217;s. Wozu habe ich Tabletten gegen Durchfall mit, kann ich doch auch nicht die ganze Zeit nur so mitschleppen, und nehme einen kr\u00e4ftigen Schluck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>06.09.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Nacht verbringe ich in Tapachula, kurz vor der Grenze zu Guatemala. Die 420 km von Tehuantepec geht es meist nur geradeaus. Die sitze ich auf einer Po-Backe ab .. abwechselnd, weil sie mir schon etwas weh tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man merkt, dass man wieder in die N\u00e4he der Grenze kommt. W\u00e4hrend ich Inlands durchgewunken wurde, musste ich hier an den Kontrollen wieder anhalten und auch wieder die Koffer \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Tapachula sitze ich am Abend in der Lobby gerade beim Schreiben, als alles heftig zu wackeln beginnt. Un terremoto, ein Erdbeben (mit St\u00e4rke 6.5 etwa 30km Luftlinie s\u00fcdlich von hier, wie ich sp\u00e4ter lese). Es dauert gut 15 bis 20 Sekunden. Alle laufen aus ihren Zimmern und suchen Schutz unter den T\u00fcrrahmen, auch ich. Nach einigen Minuten folgt ein kurzes, schwaches Nachbeben.Was willst du mir sagen, Mexico? Es ist Zeit zu gehen?<br>Auf Wiedersehen, es hat mir sehr gut gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album 01.09. &#8211; 04.09. Tage zuvor hat mir Michelle in Morelia gesagt: Du musst unbedingt nach Oaxaca fahren. Du musst unbedingt Hierve el Agua ansehen. Was sie nicht gesagt hat ist, dass ich mir auf dem Weg dorthin beinahe in die Hosen machen werde. 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