{"id":2402,"date":"2013-09-02T22:49:27","date_gmt":"2013-09-02T21:49:27","guid":{"rendered":"http:\/\/j-ontheroad.at\/?p=2402"},"modified":"2025-06-08T13:34:35","modified_gmt":"2025-06-08T13:34:35","slug":"von-krebsen-und-anderen-dingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/j-bauer.at\/wp_america2013\/index.php\/2013\/09\/02\/von-krebsen-und-anderen-dingen\/","title":{"rendered":"Von Krebsen und anderen Dingen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/j-bauer.at\/piwigo\/index.php?\/category\/126\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Album<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>26.08 &#8211; 28.08.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Zacatecas nach Guadalajara nehme ich die Stra\u00dfe 54. Eine Traumstrecke vor einer Traumkulisse. Vor allem die letzten Kilometer. Es geht kurvig, bergauf, bergab durch einen gro\u00dfen Canyon, was an der Erosion der Landschaft leicht zu erkennen ist. Vor Guadalajara st\u00fcrzen zwei Wasserf\u00e4lle von hoch oben in die Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich hatte ich vor, nur eine Nacht in Guadalajara, noch immer auf ca. 1.500m Seeh\u00f6he, zu verbringen. Das Hostel ist zwar etwa 1\/2 Stunde Gehzeit vom Zentrum und den Sehensw\u00fcrdigkeiten entfernt, aber in einer ruhigen Gegend und gem\u00fctlich. Ich h\u00e4nge eine zweite Nacht an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist hier Neben- und Regensaison. Tags\u00fcber ist es meist bew\u00f6lkt oder sogar sch\u00f6n und sonnig. Es regnet nur vereinzelt kurz. So zwischen 15 und 17 Uhr verdichten sich dann oft die Wolken. Nachts regnet es meist viel und sehr stark. Bis auf diverse \u00fcberschwemmte Pl\u00e4tze ist davon am Morgen jedoch kaum etwas zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Hostels ist ziemlich wenig los. Oft sind nur 2, 3 G\u00e4ste vorhanden .. inklusive mir. Der Vorteil ist, ich zahle umgerechnet 10-13 EUR f\u00fcr die Nacht im Dorm und habe das Zimmer f\u00fcr mich alleine.<br>Bis jetzt die beste Frage beim Einchecken:<br>Ich trete mit Motorradbekleidung und Helm in der Hand an die Rezeption eines Hostels und frage, ob ein Bett f\u00fcr eine Nacht frei ist. Ja, ist frei. Der Mitarbeiter sieht mich von oben bis unten an. &#8222;Bist du Pilot oder so?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch noch ein paar Worte zur Fahrweise. Gefahren wird hier wie Sau. Oft ohne R\u00fccksicht auf Verluste.<br>Ich bin \u00fcberzeugt, dass es Verkehrsregeln gibt. Nur scheint sich keiner daran zu halten. Vorrang hat, wer schneller in einer L\u00fccke ist. Gefahren wird auf cm Abstand. Wenn ich manchmal in den R\u00fcckspiegel sehe, kommt es mir so vor, als h\u00e4tte ich ein Auto auf dem Sozius sitzen. Es gibt Tafeln mit Geschwindigkeitsbegrenzung, z.B. &#8222;60 Maximum&#8220;. Aber hier scheint wohl ein Fehler vorzuliegen. Es muss sich um die Mindestgeschwindigkeit handeln. Kreuzungen werden, so meine ich, mit Absicht verstopft, damit auch der Querverkehr nicht mehr durchfahren kann. Und das Verkehrschaos ist perfekt. Dass diese Fahrweise auch seine Opfer fordert, habe ich vor ein paar Tagen gesehen. Ein Fahrradfahrer wurde umgesto\u00dfen. Der Leichnam ist abgedeckt, nur ein Fu\u00df sieht unter der blauen Decke hervor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein unbedingtes Muss in Guadalajara ist der &#8222;Mercado Libertad&#8220;. Ein gro\u00dfes Marktgeb\u00e4ude mit 3 Ebenen an den R\u00e4ndern und einem gro\u00dfen Innenhof. Ein wahrer Irrgarten. Die G\u00e4nge sind in Gitterform angeordnet und kaum einen Meter breit. Aber hunderte von kleinen Verkaufsbuden finden sich in dem Geb\u00e4ude. Ein Teil besteht aus Imbisslokalen. Ich laufe durch ein Labyrinth aus Schuhen, Schmuck, Gem\u00fcse, Fleisch, Elektronikartikeln \u2026 . Mit etwas Gl\u00fcck findet man auch wieder raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guadalajara fahre ich weiter nach Morelia. Das Zentrum von Morelia ist sehr kolonial spanisch. Bestimmt gibt es auch hier vieles zu sehen. Nach einer langen anstrengenden Fahrt habe ich jedoch nicht viel Lust auf Sightseeing und unterhalte mich lieber mit Michelle, die im Hostel arbeitet. Da au\u00dfer mir sowieso nur ein anderer Gast im Haus ist, hat sie auch nicht viel zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach sieben Wochen auf Reise m\u00f6chte ich ans Meer. Mein n\u00e4chstes Ziel ist Zihuatanejo. Ich w\u00e4hle eine Strecke durch die Berge, bei der ich durch diverse nette Kleinst\u00e4dte gerate, die ich mir f\u00fcr einen Halt bei der R\u00fcckfahrt im n\u00e4chsten Jahr vormerke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum der D\u00f6rfer oder Kleinst\u00e4dte findet man einen gr\u00f6\u00dferen, meist rechteckigen Platz oder Park. Rund um diesen Platz befinden sich Verwaltungsgeb\u00e4ude. Dann kommt das historische Dorf. Dar\u00fcber hinaus die neueren Viertel. In den seltensten F\u00e4llen gibt es eine gro\u00dfe Stra\u00dfe ins Zentrum. In der Regel sind es kleine, enge gepflasterte Gassen und Stra\u00dfen, die ins Zentrum f\u00fchren. M\u00fchsam muss man sich den Weg durch die Gassen geradezu &#8222;erk\u00e4mpfen&#8220;, um danach mit einer gro\u00dfen gr\u00fcnen Anlage belohnt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>29.08. Zihuatanejo.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon in Zihuatanejo, quatscht mich an einer Ampel pl\u00f6tzlich jemand auf deutsch von der Seite an. Ist der hinter mir aus dem Auto gesprungen und zu mir vorgelaufen. &#8222;Hallo, wo geht&#8217;s den hin&#8220;. &#8222;Nach S\u00fcdamerika&#8220;, &#8222;Jetzt in der Regensaison?&#8220;. &#8222;Ach so schlimm ist es nicht&#8220;. Mehr war leider nicht m\u00f6glich, weil die Ampel auf gr\u00fcn springt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zihuatanejo ist ein glatter Fehlschlag. Im Reisef\u00fchrer steht. &#8222;Zihuatanejo hat den Charme des kleinen Fischerdorfes erhalten.&#8220; Nur, wo bitte? Das Viertel, in dem ich das vom Reisef\u00fchrer empfohlene Hotel ansteuere, besteht Stra\u00dfenz\u00fcge weit nur aus Hotels, Restaurants, Caf\u00e9s und&nbsp; Ramschgesch\u00e4ften aller Art.<br>Wie schon mehrmals angemerkt, Nebensaison und Wochentags, nur eine Handvoll Touristen. In der Hitze des Tages laufe ich den Strand entlang, meine Haut ist bedeckt mit einer Schicht aus Sonnenschutzmittel, Schwei\u00df und Insektenschutz, und ich werde von hundert Leuten angequatscht.<br>Verdammt noch mal! Ich will nicht in jedem Restaurant etwas essen, Armb\u00e4nder oder etwas anderes kaufen! Auch wenn es fast nichts kostet. Und ich will auch nicht mit rausfahren fischen!<br>Auf dem Hauptplatz des Viertels befindet sich ein Basketballplatz, wo am Abend Teams gegeneinander angetreten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kellner im Restaurant, in dem sie mir ordentlich das Geld aus der Tasche ziehen, sagt mir noch: Weiter in Mittelamerika, Guatemala, Honduras, El Salvador ist es an manchen Orten gef\u00e4hrlicher. Tags\u00fcber brauchst du keine Angst zu haben, da ist es sicher. Die b\u00f6sen Jungs arbeiten in der Nacht und schlafen am Tag. Bei Nacht bleibst du im Hotel. Und erz\u00e4hl nicht so viel von dir und deiner Reise. Erz\u00e4hl, du bist mit dem Bus unterwegs und nur kurz im Land, damit sie glauben, du hast wenig Geld. Jemand mag vielleicht freundlich mit dir quatschen und es dann an einem b\u00f6sen Jungen weitererz\u00e4hlen.<br>Kurze Zeit sp\u00e4ter beginnt jemand auf dem zentralen Platz freundlich mit mir zu quatschen. Ich denke an die Worte des Kellners. Danke Herr Kellner, f\u00fcr die Paranoia!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hotel ist (fast) ganz nett. Fast, weil ich nicht wei\u00df, was im Badezimmer klitzekleine schwarze Kr\u00fcmel von der Decke schei\u00dft und weil Kakerlaken rumlaufen. Sie sind zwar nur etwa 1\/2 cm gro\u00df und es sind nur zwei oder drei, die man sieht, aber sie sind da. Vielleicht sind es ja die Kakerlaken, die von der Decke kacken. Aber f\u00fcr 9 EUR im Doppelzimmer, am Strand, nimmt man das in Kauf.<br>Das Hotel geh\u00f6rt einem sympathischen 74 j\u00e4hrigen Kubaner. Ich erz\u00e4hle ihm, dass ich vor ca. drei Jahren Kuba besucht habe. Er erz\u00e4hlt, seit er als junger Mensch Kuba verlassen hat, war er kein einziges Mal mehr dort. Dazu muss man wissen, zu fr\u00fcheren Zeiten hat eine Flucht aus Kuba den Verlust des gesamten Eigentums bedeutet und eine R\u00fcckkehr war auch kaum m\u00f6glich.<br>Jetzt, wo es doch politische Ver\u00e4nderungen in Kuba gibt, vielleicht kann er doch noch mal seine Heimat besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>31.08.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Buen Viaje verabschiedet mich der kubanische Inhaber des Hotels Elvira und ich verlasse diesen schrecklichen Ort Zihuatanejo. Die Route Mex 220 f\u00fchrt meist ca. 20km im Inland Richtung S\u00fcden. Das M\u00fchsamste sind die st\u00e4ndigen Bodenschwellen, die die Fahrt dauernd bremsen. Wo auch immer eine Ansammlung von H\u00e4usern ist, befinden sich Bodenschwellen auf der Stra\u00dfe.<br>Ich habe heute nur ein ungef\u00e4hres Ziel, namens Playa Ventura, etwa 400km entfernt.<br>Seit meiner Abfahrt vor mehr als sieben Wochen begegnen mir heute das erste Mal andere Motorradreisende. Ein ganzer Haufen. Sie sind Richtung Norden unterwegs. Es scheint sich wohl um eine organisierte Reisegruppe zu handeln. Alle sind mit gro\u00dfen BMW Maschinen unterwegs. Wir begr\u00fc\u00dfen uns mit dem obligatorischen Motorradfahrer Gru\u00df und geben Daumen hoch Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch Acapulco fahre ich durch. Hier muss ich nicht unbedingt bleiben. Zweimal biege ich am sp\u00e4ten Nachmittag ab und fahre Richtung Meer, mit der Hoffnung auf ein Hotel. Aber ich ende auf erdigen Stra\u00dfen und in kleinen, sehr einfachen D\u00f6rfern. Zur\u00fcck auf die Hauptstra\u00dfe. Mittlerweile bin ich m\u00fcde und will nicht mehr weiterfahren. Ich bin seit ungef\u00e4hr sieben Stunden auf dem Motorrad. Ich merke mir Hotels in den D\u00f6rfern, die ich durchfahre. Endlich sehe ich einen Wegweiser &#8222;Playa Ventura, Hotels y Restaurantes&#8220;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleich beim ersten Hotel bleibe ich stehen. Es ist nichts los. Eine \u00e4ltere Frau liegt in der H\u00e4ngematte. Namen werden durch die Gegend geschrien. &#8222;Tiene habitation?&#8220; &#8222;Si.&#8220; &#8222;Quanto cuesta&#8220; &#8222;250M$, 300M$ con aire. Quiere ver?&#8220;. &#8222;Si.&#8220; Naja, 200M$ w\u00e4ren mehr als angemessen f\u00fcr das einfache Zimmer, aber ich habe keine Lust zu verhandeln. &#8222;Esa sin aire esta ok.&#8220; &#8230; &#8222;El restaurante, esta abierto?&#8220; &#8222;Si&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Playa Ventura ist nur ein kleines Dorf mit ein paar einfachen Hotels und Restaurants. Die Wellen st\u00fcrzen mit einem lauten Tosen an den langen Strand. Keine Ramschgesch\u00e4fte, keiner, der mir auf die Nerven geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer Dusche und einem kurzen Spaziergang sehe ich mir die Speisekarte an. Ich finde keines der Gerichte in meinem W\u00f6rterbuch und bestelle einfach irgendetwas. Es handelt sich um einen Fisch, knusprig gebraten. Da ich nur eine Gabel erhalte, nehme ich an, dass es sich um Fingerfood handelt und esse ihn auch dementsprechend. Schmeckt sehr gut und auch der Preis entspricht dem Durchschnitt, keine Abzocke wie zwei Tage zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend sitze ich am Strand und beobachte den Sonnenuntergang und die Krebse, die ihre Behausung in L\u00f6chern im Sand haben. Ich bleibe lange regungslos sitzen. Sie wagen sich heraus, die kleineren und die gr\u00f6\u00dferen. Mir kommt es vor, als w\u00fcrden sie mich beobachten. Ist es tats\u00e4chlich so? Ein kleiner Krebs, der in einer Muschel wohnt, spaziert durch meine F\u00fc\u00dfe. Langsam wagen sich auch die anderen immer weiter von ihren L\u00f6chern weg. Direkt vor meinen F\u00fc\u00dfen transportiert einer Sand aus seinem Loch. Einer der gr\u00f6\u00dferen krabbelt eine Weile um mich herum und wagt sich schlie\u00dflich an mich heran. Er beginnt doch tats\u00e4chlich, mit seinen Scheren an meinen F\u00fc\u00dfen zu zwicken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier bin ich richtig!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danke f\u00fcrs Lesen, J\u00fcrgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Album 26.08 &#8211; 28.08. Von Zacatecas nach Guadalajara nehme ich die Stra\u00dfe 54. Eine Traumstrecke vor einer Traumkulisse. Vor allem die letzten Kilometer. Es geht kurvig, bergauf, bergab durch einen gro\u00dfen Canyon, was an der Erosion der Landschaft leicht zu erkennen ist. Vor Guadalajara st\u00fcrzen zwei Wasserf\u00e4lle von hoch oben in die Tiefe. 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