Schlagwort: Titicacasee

  • schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

    schwimmende Inseln, Cusco, Machu Picchu und Straßensperren

    Album

    20.03., 21.03.

    Von Copacabana, in Bolivien, nach Puno, in Peru, ist es nur eine kurze Fahrt. Peter und ich kommen gegen Mittag dort an.
    Wir buchen am Nachmittag einen Ausflug zu den schwimmenden Inseln auf dem Lake Titicaca. Die schwimmenden Inseln sind die „Heimat“ des Uro Volkes, die der Geschichte nach schon vor der Sonne existiert haben. Sie haben „schwarzes“ Blut und sind gegen Kälte unempfindlich, konnten nicht ertrinken und waren immun gegen Blitze. Ihren Status als Übermenschen haben sie verloren, weil sie ungehorsam gegenüber den Gesetzen des Universums geworden sind und sich mit den Menschen vermischt haben. Die Uros waren eines der ersten Völker in den Anden, lange vor den Incas. Die Incas haben die Uros wegen ihrer einfachen Lebensweise als niedrige Klasse angesehen und schlecht behandelt. Irgendwann haben sie sich auf das Wasser zurückgezogen, um den Angriffen zu entkommen.

    Trotz ihrer einfachen Lebensweise hat das Volk der Uros die hoch entwickelten Incas mit ihren großen Tempeln überdauert.
    Die Inseln bestehen aus ca. zwei Metern Torfschicht belegt mit einem Meter Schilfart. Auf den kleineren Inseln leben 5 bis 7 Familien. Eine dieser Inseln hat vielleicht 15 bis 20 m Durchmesser. Gut gewartet, kann eine Insel gut 30 Jahre halten. Auf den Inseln bei Puno leben knapp 2.000 Personen. Mittlerweile ist der Tourismus eine große Einnahmequelle.

    Am Abend des ersten Tages sind Peter und ich in Puno unterwegs. Zu viele Mojitos zwingen mich, einen weiteren Tag halt zu machen. Ungefähr 400 km nach Cusco möchte ich in einem zweifelhaften Zustand nicht in Angriff nehmen.
    Peter geht es besser als mir und er fährt weiter.

    22.03., 23.03.

    Knapp 40 km von Puno entfernt liegt die Großstadt Juliaca. Ein ziemlicher Moloch. An der Ausfahrt ist die Straße mit kleineren und bis zu Fußball großen Steinen und teilweise zerschmetterten Glas übersät. Hin und wieder brennt irgendetwas leicht vor sich hin. So gut es geht, fahre ich langsam durch. Ich schätze mal, nach gut 100m werde ich von Einheimischen angehalten. Eine Demonstration, anscheinend heftiger. Bald bin ich von einem ganzen Haufen Leuten umringt. Ich bin aber noch gut weitere 100 bis 150 m vom Mob entfernt. Aus Sicherheitsgründen, so sagt man mir, soll ich einen Umweg nehmen. Halb so schlimm, es sind bloß 15 km mehr. Anscheinend war die Demonstration Vortags an der anderen Ausfahrt. Auch hier ist die Straße auf 300 bis 400 Metern kaum befahrbar und ebenso mit Steinen und Glassplittern bedeckt.

    Cusco ist architektonisch ein wahres Highlight, wenn auch, wie fast ganz Südamerika, mit zweifelhaftem historischen Hintergrund.
    Einst war, wo heute Cusco liegt, das Zentrum des Inca Imperiums. Die Spanier haben viele der Inca Gebäude und Stätten zerstört und die Steine für den Bau ihrer massiven, riesigen religiösen Bauten verwendet und davon gibt es viele in dieser Stadt.
    Abends treffe ich wieder Peter, der Maurice aus Irland/Australien mitbringt – ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs. Der Abend endet erneut feuchtfröhlich, was am nächsten Tag eine ausgiebige Sightseeing Tour meinerseits verhindert. Peter hat einen schlechten Einfluss auf mich. Er behauptet natürlich, es ist andersrum.

    24.03., 25.03. 
    Ich fahre weiter nach Ollantaytambo, das nur etwa 60 km von Cusco entfernt liegt. Schon zeitig am Morgen, als ich wegen meinem Ticket für Machu Picchu durch die Gegend laufe, gibt es in Cusco nahe meinem Hostel kleinere Straßensperren. Auf der Ausfahrtsstraße versperren dann Reifen komplett den Weg. Hier scheint der Mob nicht ganz so böse wie zwei Tage zuvor. Kinder spielen auf der Straße, es geht fröhlicher zu. Mit dem Motorrad kann ich mich aber leicht durchzwängen.

    Ollantaytambo war einst ebenso eine sehr bedeutende Inca Stadt. Sie ist eine der wenigen Städte, wo man die Stadtplanung der Incas sehen kann. Der Betreiber des Hostels zeigt mir den Hintereingang zur Hauptattraktion des Dorfes. dem massiven Inka Komplex mit seinen Terrassen, die sich den Berg hochziehen. Weiter oben auf dem Berg findet sich ein Tempel für religiöse Zwecke. Ich habe Glück, als ich mich reinschleiche, dass gerade kein Mitarbeiter im hinteren Bereich war. Einmal was verbotenes tun. 🙂

    Ollantaytambo ist der Ausgangspunkt zu Machu Picchu. Entweder per Zug oder zu Fuß auf dem berühmten Inca Trail. Obwohl sich hier eine Menge Touristen tummeln, ist der kleine Ort ziemlich gemütlich.
    Ich treffe ein letztes mal auf Peter, der schon Tags zuvor angereist war. Die Geschichte vom falschen 50er habt ihr sicher schon gelesen.

    26.03.

    Am 26.03. geht es zeitig in der Früh los. Zuerst mit dem Zug entlang des reißenden Urubamba Flusses. 1 1/2 Stunden dauert die Fahrt, die in Aquas Calientes, nunmehr Machu Picchu Dorf, endet. Machu Picchu Dorf liegt auf ca. 2.000m Seehöhe. Von dort geht es mit dem Bus über eine steile, enge, geschwungene Straße ca. 350 Höhenmeter zur Inca Stadt hoch. Eine weitläufige große Anlage, eingebettet in die Berge, die ringsherum in die Höhe ragen. Eine Stadt in einem unwegsamen Gebiet. Man kennt Machu Picchu aus Fernsehen und Zeitschriften. Es ist ein Erlebnis, es live zu sehen.

    27.03. / 28.03.

    Für zwei Nächte komme ich zurück nach Cusco. Ich habe ein paar Sachen zu erledigen und dafür ist eine große Stadt besser geeignet, als ein kleines Dorf.
    Ich gerate beinahe in Termin-Not.

    Für den ersten Abend habe ich mich mit Kerstin aus Deutschland verabredet, die ich tags zuvor im Hostel in Ollantaytambo getroffen habe.
    Für den Nachmittag am 28.03. haben sich Steve und Ollie angekündigt. Steve Harpt – einer der drei Steves – den Andi und ich in Patagonien getroffen haben. Ollie, ein guter Freund von Steve, ist für knapp zwei Wochen aus Botswana angereist, um mit ihm durch die Gegend um Cusco zu reisen. Sie waren in der Nähe von Cusco und es wäre schade gewesen, wenn wir uns nicht mehr getroffen hätten.

    Als ich durch Cusco spaziere, sehe ich plötzlich Alfred und Rosi an einem Tisch in einem Restaurant sitzen. Mit Alf und Rosi sind Andi und ich für drei Tage auf der Careterra Austral in Chile unterwegs gewesen. Das Wiedersehen ist herzlich. Wir plaudern eine Weile und verabreden uns für den nächsten Abend.

    Die letzten Tage waren wieder eine gute Zeit,
    Ich habe neue Leute kennengelernt, Peter, mit dem ich lustige Abende verbracht habe, die bezaubernde Kerstin und ich habe „alte“ Bekannte getroffen.
    Es sind Tage, an denen das Heimweh verschwindet.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • kein McDonalds in Bolivien

    kein McDonalds in Bolivien

    Album

    „Ich steh’ am Titicaca See,
    der Hintern tut vom Fahren weh.“
    Bewunderer der gehobenen Literatur erkennen sofort .. Hier ist ein Poet verloren gegangen.

    13.03. / 14.03.

    2 Nächte in Tupiza. Es ist sonnig und heiß.
    Eigentlich wollte ich mich auf die Spuren von Butch Cassidy and Sundance Kid begeben. Angeblich wurden die beiden in San Vicente, das etwa 110 km von Tupiza entfernt liegt, in einem Feuergefecht mit bolivianischen Soldaten erschossen. Ich gebe das Vorhaben nach knapp einer 3/4 Stunde auf. Die einspurige kurvige Schotterstraße führt durch die Berge und ich habe vielleicht 15 bis 20 km geschafft. Da würde ich 5h nur in eine Richtung benötigen. Also erkunde ich die nahe Umgebung und verbringe einen gemütlichen Tag. Auch hier gibt es eine bizarre Landschaft, kostenfrei, sofern man die Möglichkeit hat hinzukommen.

    15.03.

    Von Tupiza geht es nach Potosi. Zum zweiten Mal quäle ich mich durch den horrenden Verkehr in die hochgelegene Innenstadt. Diesmal blieb mir das Wetter hold. Die Regenzeit scheint dem Ende entgegen zu gehen. Es regnet zwar jeden Tag noch immer, aber es handelt sich meist nur um kurze Schauer am Nachmittag oder Abend.

    Viel steht nicht auf dem Plan. Am frühen Abend gehe ich mit zwei Kanadierinnen und einem Amerikaner eine Kleinigkeit essen. Etwas später dann noch mal mit einem Belgier und zwei Schweizerinnen. Wir bewegen uns in der nahen Umgebung des Hostels. Nach dem Essen fragen wir auf der Straße ein paar Einheimische, wo wir noch etwas trinken gehen können. Sie sagen uns, wo es sicher ist und wo nicht. Auf dem Hauptplatz spricht uns dann kurz darauf ein ziemlich betrunkener Einheimischer auf englisch an, so um die 30, besser gekleidet. Er kriegt kaum einen geraden Satz raus. Wir hören ihm eine Weile zu. Der Belgier in unserer Gruppe, ich kann mich an den Namen nicht mehr erinnern und nenne ihn einfach B, wird dann von einem anderen einheimischen Typen etwas auf die Seite gezogen. Bei solchen Sachen werde ich misstrauisch. Was ist es, was nicht vor der Gruppe besprochen werden kann?

    B sagt dann zu uns, der Einheimische kann uns zu einem Lokal bringen. Ich traue der Sache nicht ganz. Wir gehen zwei Blöcke weit, als uns die Einheimischen von vorher von weitem Zurufen. „Hey, Hey, No, No – nicht in diese Richtung, das ist eine unsichere Gegend.“ Der andere ist kurz darauf verschwunden. Wir plaudern noch eine Weile mit ihnen und probieren vom hochprozentigen Schnaps den die Gruppe mit hat. Danach kehren wir kurz in ein kleines schmuddeliges aber nettes Hardrock-Lokal ein, in dem ein paar Leute mit ihren schwarzen Lederjacken und dunklem Erscheinungsbild sitzen.

    16.03.

    Die Fahrt von Potosi nach Oruro ist wieder mal ein wahres Highlight. Bei kaltem, aber blendendem Wetter geht es meist auf über 4.000m Seehöhe auf einer Strecke mit langgezogenen Kurven durch eine wunderbare Landschaft dahin. Es ist ein Tanz mit der Natur.
    Oruro hingegen ist nicht unbedingt ein Highlight. Ein Schauer zieht über die Stadt und ich ziehe mich nach dem Essen in mein Hotelzimmer zurück und sehe fern. An einem Denkmal an der Stadtausfahrt sieht man den dominierenden Industriezweig (Abbau von Rohstoffen) und wer auch dazu beiträgt (China). Das Denkmal ist ein riesiger Bergarbeiter Helm und davor schlingt sich ein Drache.

    17.03.

    So schön die Strecke von Potosi nach Oruro war, so schrecklich war die Strecke von Oruro nach La Paz. Eine einzige Baustelle, da sie gerade auf 4 Spuren ausgebaut wird. Schwere alte LKWs und Busse verpesten die Luft mit ihren stinkigen Abgasen. Die ersten Vororte von La Paz sind ein wahrer Horror. La Paz ist wieder eine der Städte, wo sich die Verkehrsregeln in – der schlechten – Luft auflösen. Jeder fährt wie er will. Man nähert sich der Stadt auf 4.000m Seehöhe, fährt ungefähr 10km durch die Vororte, dann erreicht man quasi die Kante der Hochebene und ist mal völlig baff vom Anblick, der einem geboten wird.

    Man blickt hinab in ein weites, tiefes Tal. Auf allen Hängen, egal wie steil und hoch, schmiegen sich die Häuser aus rot-braunen Ziegeln. Nachts sehen die Lichter der Häuser so aus, als würden tausende von Kerzen leuchten.
    Laut Wikipedia liegt der tiefste Punkt der Stadt bei etwa bei 3.200m und der höchste bei etwa 4.100. Laut GPS liegt das historische Zentrum auf einer Höhe von ca. 3.600m.

    Als ich durch die Vororte gefahren bin, hatte ich einen negativen Eindruck. Abends und auch als es schon dunkel ist, spaziere ich durch die Stadt. Menschenmassen drängen sich durch die Gassen, der Verkehr staut sich in den Straßen. Ich finde gefallen an ihr. Sie hat auf ihre Weise ihren eigenen Charakter und Charme.

    Irgendwer hat mir erzählt, dass es in Bolivien keinen McDonalds gibt. Zuerst habe ich in einem Restaurant einen Salat gegessen. Der Salat war nicht gerade füllend und es hat mich noch in eines der lokalen Fast Food Restaurants getrieben, wo ich noch einen Burger gegessen habe. Das Ambiente, Einrichtung, Ablauf, unterscheiden sich in kleinster Weise von großen internationalen Ketten … und es schmeckt auch nicht viel anders.

    Zurück im Hostel habe ich dann etwas im Internet nachgelesen. Und hier ist ein typisches Beispiel zu finden, wie Medien falsche Informationen verbreiten.
    McDonalds hat sich 2012 tatsächlich aus Bolivien zurückgezogen, sie konnten hier nicht wirklich Fuß fassen und bei der Bevölkerung ankommen.

    In den Medien wurde das dann großteils folgendermaßen dargestellt. Die Bolivianer „zeigen Respekt vor ihrem Körper und sind sehr vorsichtig welche Nahrung sie zu sich nehmen“, waren misstrauisch gegenüber dem Fastfood, das lokale „Fastfood“ wie z.B. Empanadas werden bevorzugt, usw. Vollkommener Schwachsinn!
    Hier im Zentrum von La Paz habe ich mindestens fünf unterschiedliche Fastfood Ketten ausmachen können, die nach dem Prinzip McDonalds, Burger King, KFC, … arbeiten. Beinahe an jeder zweiten Ecke findet sich ein derartiges Lokal. Von wegen, Respekt vor dem eigenen Körper …

    19.03.

    Ich verlasse die Großstadt und fahre auf der Ruta 2 weiter nach Copacabana. War ich froh, als ich das Verkehrschaos hinter mir hatte.
    Etwa 40 km vor Copacabana ist es notwendig, ein kurzes Stück mit der Fähre zu überwinden. Die Fähren sind sehr einfache flache Holzboote, auf die vielleicht zwei Autos passen.

    Während ich warte, kommt Peter aus Deutschland an. Es schlingert ganz schön und wir müssen unsere Motorräder festhalten. Wir fahren gemeinsam weiter. In Copacabana checken wir in einem feinen Hotel am Strand ein und lassen es uns mit dem letzten Geld noch gut gehen. Zur peruanischen Grenze sind es nur noch 9 Kilometer.

    Lt. Wikipedia war Copacabana mal ein indigenes religiöses Zentrum, heute ist es ein ziemliches Touristendorf, das hauptsächlich aus Hotels. Restaurants und Souvenirshops besteht.
    Trotz allem ist die Gegend hier ziemlich schön, und Lake Titicaca ist riesig. Das Wasser reicht bis zum Horizont. So lasse ich morgen das nächste Land hinter mir und besuche erneut Peru.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.