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  • Der erste Diebstahl, Mini Las Vegas und die weitere Planung

    Der erste Diebstahl, Mini Las Vegas und die weitere Planung

    05.08.

    Der erste (kleine) Diebstahl. Ich habe zwei Nächte in Asheville verbracht. Die Stadt war mir vom Gefühl her schon beim Reinfahren etwas unsympathisch. Das Hostel war in Ordnung, neu, modern, sauber, mitten im lebhaften Zentrum, vielleicht zu lebhaft. Am zweiten Tag war ich dann kurz vor Mitternacht nochmal draußen, beim Motorrad nach dem Rechten sehen. 

    Es waren viele Pubs und Bars in der Umgebung. Da habe ich immer etwas Angst. Betrunkene Leute kommen auf dumme Ideen. Am Morgen der Abreise gehe ich zum Motorrad, es fehlt glatt die Abdeckplane. Wer macht denn sowas? Vielleicht ein Auftragsjob. 

    Alles andere war noch dran. Ich hatte meine Handschuhe, einen Pullover, USB Kabel und die Zurrgurte im Tankrucksack. War zum Glück alles noch da. Mit Schrecken habe ich dann auch noch festgestellt, dass der Koffer, in dem mein Werkzeug, Schlafsack, Schuhe und viele andere Sachen sind, nicht richtig verschlossen war. War auch noch alles da. Vielleicht habe ich noch mal Glück gehabt. Eine Abdeckplane ist verschmerzbar, da hängt kein emotionaler Wert dran. Ich verbuche den Betrag für die Neue beim Wartungsbudget.

    Trotzdem verfluche ich den Dieb. In New Orleans kann man so etwas ja offiziell machen lassen, oder? Aber dazu benötigt man ja einen Gegenstand von der Person, gegen die sich der Fluch richtet. So bleibt mir nur die Möglichkeit auf diesem Weg: Verflucht seist du. Möge das Ding, wofür du die Plane verwendest, nicht funktionieren!

    Warum so viel Aufhebens um eine Plane? Sie erfüllt zwei Zwecke. Zum einen natürlich als Schutz. Grad eben schüttet es wieder, was es nur kann. Zum Anderen möchte ich nachts die Aufmerksamkeit vom Motorrad lenken. Denn Aufmerksamkeit errege ich. 

    Fast täglich werde ich angesprochen, oft mehrmals. Beim Einkaufen, beim Tanken, beim Motel, … . Leute hängen sich auf der Autobahn aus dem Fenster und geben mir Daumen hoch Zeichen. Letztens hat mich im Vorbeifahren sogar wer fotografiert. Die Fragen sind meistens die gleichen „Woher kommst du? .. Wohin geht es? .. Wie lange? .. Alles Gute! Viel Glück!“ 

    Letztens steht einer im Pub beim Bestellen neben mir. Er hat erkannt, dass ich nicht von hier bin. Erzähl ich, was ich mache. Er nur „Holy shit, what?“ Zahlt er mir einfach so ein Bier. Auch solche Leute gibt es.
    Auch das Motorrad alleine zieht viele Blicke auf sich. „Cooles Bike“ bekomme ich oft nur so im Vorbeigehen zu hören. Enduros sieht man hier so gut wie gar nicht. In der Regel sind es Cruiser und Chopper, dicke fette Harleys oder die großen Japaner, wie Honda Goldwing. Es sind auch sehr viele Drei-Räder auf den Straßen. Dann gibt es noch ein paar japanische Straßenmaschinen, wie Suzuki und Yamaha. Die BMW Motorräder, die ich bis jetzt gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen.

    Raus aus der Stadt und rein in die Natur. Ich besuche den „Chimney Rock“ Park. Der Aufzug ist kaputt. Es sind zu viele Stufen da hoch. Danach fahre ich den Blue Ridge Parkway bis zu seinem Ende weiter. Der Parkway führt durch den Great Smokey Mountain National Park. Meine Tour endet in Pigeon Forge. Was ich hier antreffe, haut mich fast um. Das „Dorf“ ist eine Mischung aus Mini Las Vegas und einem Vergnügungspark. Motels wechseln sich ab mit Hochschaubahnen, Mini Golf Anlagen, Themen Restaurants und anderen Unterhaltungseinrichtungen.

    06., 07.08.

    Exakt vier Wochen sind um. Ich könnte nicht sagen, dass mir fad ist oder dass ich die unbeschwerte Zeit nicht genieße. Ich habe meine Reisegeschwindigkeit erreicht und ca. 5.000 km hinter mich gebracht. Im Schnitt drei, vier Tage fahren, dann ein, zwei fahrfreie Tage. Ich bleibe einen Tag in Chattanooga, weil ich überlege, wie ich weiterfahre.

    Mein erstes Vorhaben war, nach Florida zu fahren und von dort das Motorrad nach Kolumbien transportieren zu lassen. Ich entscheide mich aber, weiter Richtung Südwesten nach Mittelamerika zu fahren.

    Von hier nach Panama City sind es ca. 8.000 km. Das lässt sich in 6 – 7 Wochen gemütlich fahren. Anfang Oktober möchte ich in Südamerika starten.

    Im Pub neben dem Hostel unterhalte ich mich mit Greg. Greg ist Industrietaucher. Sein Arbeitsplatz ist unter Wasser, z.B. bei Staudämmen oder in Atomkraftwerken. Wir diskutieren über viele Dinge. Darunter auch welcher Job öder ist. Meiner, wo ich den grössten Teil des Tages vorm Computer sitze oder seiner, stundenlang unter Wasser mit einem dicken Schlauch Beton an die Wand klatschen.

    Tennessee scheint sehr religiös zu sein. An vielen der Grundstücke, an denen ich vorbei fahre, hängen die 10 Gebote an Tafeln an den Gartenzäunen. Und Kirchen gibt es hier (meist wieder diese kleinen Kirchenhäuser) … Unzählige. Baptisten, Lutherianer, Prespyterianer, … mit all ihren Untergruppen. Was weiss ich, was ich alles gelesen habe. „The Curch of Jesus Christ“, ein paar hundert Meter weiter „The Church of Christ Jesus“. Ich muss sofort an Monty Phyton, Das Leben des Brian, denken.
    Falls jemand die Erlösung sucht. Hier wird einem bestimmt geholfen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.