Schlagwort: Perito Moreno

  • auf Wiedersehen Chile

    auf Wiedersehen Chile

    Album

    30.12. – 01.01.

    Am letzten Tag des Jahres machen wir einen Ausflug zum Perito Moreno Gletscher.
    Ein äußerst beeindruckender Anblick. Der Gletscher ist vom Grund des Sees ca. 100m hoch, die Gletscherwand ragt über Wasser zwischen 55m und 77m in die Höhe. Die gesamte Breite der Gletscherwand beträgt etwa 5km. Der Gletscher schiebt sich im Jahr über 750 Meter voran. Das Eis schimmert weiß-blau im Sonnenlicht. Nahe am Boden muss das Eis unheimlich dicht gepresst sein, es hat teilweise eine ganz eigene blaue Farbe, als würde es sich um einen Edelstein handeln. Andauernd hört man lautes knacken. Immer wieder brechen große Stücke von der Wand ab und stürzen in das Wasser. Wann immer ein Bruch zu hören ist, springen Leute mit ihren Kameras durch die Gegend. Meistens natürlich zu spät.

    Beim Gletscher treffen wir wieder auf Hitch und Lee, zwei Neuseeländer, die wir schon in Punta Arenas getroffen haben. Mit ihnen und ein paar Argentiniern ziehen wir zu Silvester um die Häuser. Der Neujahrstag vergeht dann weitgehend auf der Couch.

    02.01. – 05.01.

    Am 2. Januar machen wir einen riesigen Satz nach Norden, von El Calafate nach Perito Moreno. Erneut geht es durch starken Wind, Regen und manchmal auch durch leichten Schneefall. Perito Moreno dient, wie auch schon bei meiner Fahrt Richtung Süden, nur der Übernachtung. Unser Ziel ist die Carretera Austral. Wir möchten sie ein Stück nach Norden fahren.

    Bei Chile Chico setzen wir über die Grenze. Die Welt ist klein, beziehungsweise läuft man sich hier unten immer wieder über den Weg. An der Grenze begegnen wir zwei Deutschen, Rosi und Alfred, die in Ushuaia im selben Hostel wie wir waren. Wir fahren gemeinsam weiter.

    Andi und ich sind etwas voraus. Nach nicht allzu vielen Kilometern geht Andis Schlauch im Hinterreifen erneut kaputt. Wir haben den Hinterreifen schon ausgebaut, als Rosi und Alf eintreffen.

    Bei jedem Mal lernt man etwas dazu. Alf zeigt uns, wie man in wenigen Sekunden mit dem Seitenständer des Motorrades den Reifen von der Felge löst. Wir werden immer schneller beim Reifen wechseln. Noch ein paar mal und wir können mit der Formel 1 konkurrieren.

    Staunend fahren wir mit offenem Mund durch die Gegend, die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön.
    Die Nacht verbringen wir in Puerto Rio Tranquillo. Puerto Rio Tranquillo ist ein kleines Dörfchen, ein paar Häuser, ein paar Hostels, eine Tankstelle. Die große Attraktion hier sind die Marble Caves, eine Höhlenformation, die durch Wind und Wetter etwas bizarr geformt ist und im türkisen Wasser des Lago Buenos Aires schimmernd nur mit dem Boot erreichbar ist.

    Bevor wir am nächsten Tag weiterfahren, machen wir eine Tour zu den Marble Caves. Es ist ein wahrer Höllenritt auf der rauen See. Man möchte kaum glauben, wie hoch der Wind die Wellen aufpeitscht. Sie sind 1 bis 1 1/2 m hoch. Wir sitzen inkl. Kapitän zu acht in einem kleinen Boot, das hart auf die hohen Wellen aufschlägt. Das kalte Wasser spritzt über die Bordwand in das innere des Bootes. Einen Ausflug auf einem See stellt man sich gemütlicher vor. Auf der Rückfahrt müssen wir noch stärker gegen den Wind und die Wellen ankämpfen. Mit dieser Wildheit hat keiner gerechnet. Wir sind froh als wir wieder an Land sind.

    Auf zwei Rädern fühlen wir uns weitaus sicherer und fahren weiter nach Coyhaique, der größten Stadt hier an der Carretera Austral. Die Fahrt ist etwas anstrengend, teilweise loser Schotter, viele Kurven, viele Schlaglöcher und Wellbrett Pisten. Nichtsdestotrotz vermag die Natur erneut zu verzaubern. In Coyhaique machen wir einen fahrfreien Tag.

    06.01.

    Unsere Wege trennen sich wieder. Rosi und Alf entscheiden sich, mit einer Fähre weiter nach Norden zu ziehen. Andi und ich fahren auf dem Landweg weiter. Es waren drei äusserst nette Tage mit den beiden. Gute Reise ihr zwei. Vielleicht sieht man sich noch mal … spätestens bei unserer nächsten Panne :-).

    Die Fahrt auf der Ruta 7 macht richtig Spaß. Wir sind gut unterwegs und fahren an die 450km durch bis Futaleufu, knapp vor der argentinischen Grenze. Am Anfang ist die Strecke asphaltiert. Dann geht es meist auf 1 1/2 Spuren durch den Wald. Manchmal regnet es leicht. Hin und wieder gibt es loseren Schotter. Der Regen ist zwar nicht sehr angenehm, bindet aber den Staub. Mit höherer Geschwindigkeit rauschen wir dahin, das Hinterrad tänzelt oft leicht auf dem losen Untergrund. Es ist eine Freude, auf dieser Strecke dahinzugleiten.

    Wie erwähnt, man sieht sich hier immer wieder. Über die drei Tage treffen wir auf der Strecke auch mehrmals auf eine Gruppe von vier Chilenen, die ein paar Tage unterwegs sind. Einer der vier hat ein Motorrad Geschäft, gibt uns Tipps wo wir Ersatzteile kaufen können.

    Die Suche nach einer Unterkunft ist im Moment etwas schwierig, weil hier Hochsaison ist. Das erste Hostel in Futaluefu ist voll. Wenige Meter weiter sehe ich bei einem Restaurant „Hostal“ mit Kreide auf eine Tafel geschrieben. Ich frage nach. Wir haben gesamt noch 46.000 CLP für die letzte Nacht in Chile übrig. Ab Morgen sind wir in Argentinien. Die Nacht, inkl. hervorragendem Frühstück, erhalten wir für 26.000 in einer Cabana mit großem Vorzimmer und großem Schlafzimmer … luxuriös. In einem Supermarkt kaufe ich für 4.000 noch etwas Wasser, Kekse und ein paar Bier.

    Das Hostal / Restaurant / Souvenir Geschäft wird von einem sehr netten jungen Ehepaar geführt, Sie kümmert sich um das organisatorische, Er steht in der Küche, des Weiteren geht eine Küchenhilfe mit zur Hand.

    Wir möchten im Restaurant zu Abend essen, ich sage: „Es ist unser letzter Tag in Chile. Wir haben noch 16.000 CLP übrig. Wir nehmen zwei Bier, für den Rest des Geldes kocht uns bitte irgendetwas.“ Der Koch zaubert uns zwei große, hervorragend schmeckende Teller Nudeln auf den Tisch.

    Am Morgen, der Abfahrt, werden wir mit einer Umarmung und „Buen Viaje“ auf die Reise gesendet. Ich habe so oft eine Herzlichkeit von fremden Personen in Südamerika erfahren. Ich hoffe, dass ich ganz viel davon mit nach Hause mitnehme und auch behalte.

    Weiter im Norden, in Rosario, hat die Dakar Rallye gestartet. Durch die verspätete Ankunft von Andis Motorrad können wir leider nicht dabei sein. Aber wir werden versuchen ein, zwei Etappen nachzufahren, wenn wir da oben sind.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

    seht euch auch Andis Video Highway to Hell an

  • Lamas kreuzten seinen Weg

    Lamas kreuzten seinen Weg

    Album

    Die Überschrift würde sich hervorragend als Buchtitel eignen. 🙂
    Der letzte Beitrag ist schon eine Weile her. Anfang Dezember habe ich eine Erkältung eingefangen, die ich eine Weile mitgeschleppt habe. Das kalte Wetter hat auch nicht unbedingt zur vollständigen Genesung beigetragen. Da hatte ich ganz einfach nicht viel Lust zu schreiben oder großartig etwas zu unternehmen. Mittlerweile geht es mir wieder gut und ich bin schon weit im Süden in El Calafate angekommen. Aber der Reihe nach.

    30.11. – 02.12.

    Noch in Valdivia in Chile.
    Christian, ein Gast aus Uruguay im Hostel, wollte die letzte Nacht mit dem Bus nach Argentinien weiterreisen. Er ist aber spät abends wieder ins Hostel zurück gekommen. Es geht kein Bus mehr. Anscheinend streiken die Zollbeamten, es dürfte tagsüber aber einen Notbetrieb geben. Ich versuche es und fahre am Morgen Richtung Argentinien los, im schlimmsten Fall muss ich umkehren.
    Die Befürchtungen sind unbegründet. An der Grenze ist wenig los, die Aus- und Einreise dauert nicht sehr lange.
    Bald hinter der chilenischen Grenze ändert sich die Landschaft drastisch. Ein weiterer Landstrich ist grau und düster. Die Bäume sind tot und die Landschaft ist mit Schotter bedeckt. Das Ergebnis von Vulkanausbrüchen? Ich kann es nicht rausfinden.

    Die nächsten 2 Tage bin ich in Bariloche. Landschaftlich sieht es aus wie in der Schweiz. Die Architektur in Bariloche ist eindeutig aus diesem Teil Europas geprägt. Auch die Schokolade haben sie mitgebracht. Auf der Hauptmeile von Bariloche findet sich alle paar Meter ein Geschäft, das die Süßigkeit in allen Formen anbietet. Schokoladepaste, Schokoladeriegel, Schokoladefiguren, Schokoladekonfitüre, Schokoladeeis, Schokoladebier, selbst einige Häuser sind aus Schokolade. Die Eigentümer haben alle Hände voll zu tun, um die Kinder fern zu halten, die mit gierigen Blicken um die Häuser schleichen. Am Ortsrand gibt es auch ein Schokolademuseum.

    Ich nutze die Gelegenheit, um mich körperlich mal wieder etwas zu betätigen. War schon lange nicht der Fall. Ungefähr 25 km von Bariloche in der Nähe von Llao Llao gibt es mehrere Wanderwege durch den Wald.
    Die Kronen der hohen Bäume schwanken laut knarzend meterweit im starken Wind hin und her. Ich muss zugeben, das ist ein wenig beängstigend. Entlang des Weges liegen viele abgebrochene Äste und Bäume. Wär‘ doch blöd gerade hier von einem fallenden Ast erschlagen zu werden. Ich sehe zu, dass ich weiter komme.

    03.12.-04.12.

    Die Fenster im Zimmer im Hostel waren nicht ganz dicht. Es hat ganze Zeit gezogen. Heute morgen fühle ich mich nicht so gut. Eine Erkältung ist im Anmarsch. Bei „kuscheligen“ 5 Grad C mache ich mich trotzdem auf den Weg.
    Auf der berühmten Ruta 40 fahre ich gegen Süden. Anfangs noch durch die „Alpen“. Langsam wird die Landschaft karg und die Berge werden zu sanften Hügeln. Der Wind nimmt an Stärke zu. Gegen die Böen, die mich hier manchmal durchrütteln, war der Wind in der Atacama ein Mailüfterl. Mit allen Mitteln versuche ich, die Kälte und den Wind davon abzuhalten, durch meine Kleidung zu kriechen. Mit Klettbändern mache ich meine Ärmel dicht.

    Mit leichtem Fieber komme ich in Esquel an. Ich treffe noch auf Hadas, ein Mädchen aus Israel, das den ganzen Süden rauf und runter getrampt ist. Mit ihr unterhalte ich mich eine Weile und lasse mir ein paar Tipps geben. Danach hole ich bloß noch ein Medikament aus der Apotheke, etwas Nahrung aus dem Supermarkt und verschwinde ins Bett.

    Am nächsten Tag bleibe ich weitgehend im Bett. Dann sehe ich mir die Route bis nach El Chaltén nochmal an. Die nächste Etappe wäre ca. 550 km, die übernächste knapp 600km. 550 km hatte ich in der Atacama schon hinter mir. Aber da waren die Bedingungen bei weitem besser als hier. Bei diesen Temperaturen sind, zumindest für mich, 300km das Maximum am Tag.

    05.12.

    Das leichte Fieber habe ich zurückgedrängt. Ich entscheide mich, wie geplant weiter zu fahren. Heute ist es etwas angenehmer. Der Wind ist nicht so stark, die Sonne scheint bei einem wolkenlosen Himmel.
    Die Flora ist karg, braun mit grünen Büschen und vertrocknetem Gras, die Fauna ist jedoch sehr lebhaft. Sehr viele Lamas auf der ganzen Strecke, Schafe, Kühe, Wildpferde und eine Straußenart. Manchmal stehen sie auf oder nahe der Straße, flüchten aber, wenn ich mich nähere.
    Pertio Moreno ist bloß eine Zwischenstation im weiten Nichts. Wieder eine dieser Inseln umgeben von Land.

    06.12.

    Auf dem Weg nach El Chaltén geht es irgendwann ab auf eine Schotterpiste, die es in sich hat. Die Spuren sind ausgefahren. Zwischen den Spuren hat sich der lose Schotter gesammelt, manchmal ist die Piste fest, oft findet sich nur tiefer loser Schotter. Der Wind weht von der Seite. Verbissen versucht man das Motorrad bei höherer Geschwindigkeit in der 30 cm breiten Spur zu halten. Gerät man doch mal in den losen Untergrund, schlingert man gefährlich dahin. Der Adrenalinspiegel schießt hoch. Geschwindigkeit reduzieren und versuchen, auf die feste Spur zu gelangen.
    Irgendwo mittendrin treffe ich auf Judie und Steve, ein etwas älteres Pärchen aus den USA. Sie sind seit ungefähr 8 Monaten mit einer Harley unterwegs – mit einer Harley auf dieser Strecke. Ich folge ihnen, da ich nicht sicher bin, ob mein Sprit bis zur nächsten Tankstelle reicht, sie haben noch einen Kanister dabei. Laut knatternd fahren sie vor mir her. Steve erzählt später: „Ich bin mit dem Motorrad auf Straßen gewesen, wo ich nicht hätte fahren sollen.“ Vieles ist kaputt gegangen, aber kleinere Sachen kann er selbst reparieren.
    150 km geht es so dahin. Eine anstrengende Fahrt, aber es hat Spaß gemacht. Die neue asphaltierte Straße ist bereits im Bau, nur darf man auf der noch nicht fahren. Die Abenteuer werden immer weniger. Nach und Nach wird alles zugepflastert.

    El Chaltén ist ein kleines Dorf am Fuße des Mount Fitzroy. Besteht bloß aus Unterkünften, Restaurants, Souvenir- und anderen Geschäften mit allem, was der Trekker und Bergsteiger so benötigt. Von 1 bis 3 Tagestouren rund um den Mount Fitzroy und dem Gletscher ist hier alles zu haben.

    Die Nähe zur Antarktis macht sich immer mehr bemerkbar. Die Berge sind nicht hoch 1.000m bis 2.500m ein paar Ausreisser über 3.000m. Schneebedeckt sind sie alle. Gletscher winden sich bis tief in das Tal hinab.
    Hier unten im Süden bleibt es auch sehr lange hell. Finster wird es erst gegen halb 11 Uhr abends.

    07.12.

    Ich bleibe weitgehend schlafend im Hostel. Meine Erkältung ist noch nicht weg. Für einen 20 km Marsch zum Gletscher und zurück fühle ich mich nicht fit genug.

    08.12. – 11.12.

    Eine kurze Fahrt nach El Calafate, kurz heißt etwa 200 km oder 3 Stunden. Geplant habe ich nicht viel, ich möchte meine Erkältung auskurieren. El Chaltén liegt landschaftlich schöner eingebettet, El Calafate ist aber etwas größer und hat eine bessere Infrastruktur. Ich verbringe die Tage im Hostel meistens vor dem Fernseher. Das hilft, um Husten und Schnupfen weitgehend loszuwerden. Der Besuch von Gletschern und dergleichen muss etwas warten.

    Unterdessen erreicht mich eine schlechte Nachricht von Andi. Die Auswirkungen des Streiks der Zollbeamten in Chile machen sich bemerkbar. Andis Motorrad steckt noch immer in Valparaiso fest. Ihr könnt euch vielleicht erinnern. Vor über drei Wochen habe ich das Schiff aus Europa einlaufen sehen. Das Motorrad kommt voraussichtlich mit einer Woche Verspätung in Punta Arenas an. Das wirft die Organisation etwas durcheinander.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.