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    Nicaragua, korrupte Polizei

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    14.09. – 16.09.

    Die Ausreise aus Honduras und die Einreise in Nicaragua dauert wie immer etwas länger. Aber auch hier gibt es keine Schwierigkeiten. Auch hier sind sofort die Helfer zur Stelle. Aber wenn wir ihnen erzählen, dass wir durch Mittelamerika gereist sind und schon wissen, wie der Ablauf ist, lassen sie uns in Ruhe. Er ist sowieso immer gleich. Zuerst zur Passkontrolle Reisepass abstempeln, dann zum Zoll Motorrad abmelden, zur Passkontrolle im neuen Land, zum Zoll das Motorrad anmelden. Zu unserer Überraschung werden in Nicaragua keine Kopien benötigt. An der Grenze kaufen wir auch gleich die notwendige Versicherung für umgerechnet 10 EUR. Im Gegensatz zu den anderen Ländern ist hier nur Geld für die Desinfektion und für das Visum zu bezahlen. Die Einfuhr des Motorrads kostet nichts.

    Unser heutiges Ziel wäre León. Aber so weit schaffen wir es nicht. In Chinandega überfährt Bart eine Sperrlinie in einer Ortschaft und wird aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden noch keine Führerscheinkopien. Es wird eine Weile diskutiert, doch der Beamte stellt einen Strafzettel aus und kassiert den Führerschein ein. Der Ablauf ist hier wie folgt. Der Führerschein wird einkassiert, man bezahlt das Ticket bei einer Bank und erhält seinen Führerschein wieder zurück. Nur, heute ist Samstag Nachmittag und bis inkl. Montag sind Feiertage. Der nächste mögliche Termin ist also Dienstag. Bis Dienstag in einer sehr unsympathischen Stadt festsitzen? Für mich eher weniger ein Problem, ich hätte weiterfahren können. Bart und Renate fahren zur Polizeistation und versuchen das zu regeln.

    Ich warte und behalte den Beamten mit dem Führerschein im Auge. Der fährt aber nach einiger Zeit ab. Nach gut 1 1/2h kommt Bart mit einem Einheimischen auf dem Sozius zurück und hat seinen Führerschein wieder. Ein Englischlehrer, der eine ranghohe Polizeibeamtin im Bezirk unterrichtet. Mit seiner Hilfe hat die Polizeibeamtin Anweisungen gegeben, dass Bart bezahlen kann und seinen Führerschein zurückerhält.

    Da es bereits 17 Uhr ist und sich Bart mit einem Bier bei dem Englischlehrer, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, nennen wir in K., bedanken möchte, beschließen wir in Chinandega zu bleiben. K kommt nicht, wie vereinbart, zum Hotel. Wir warten noch eine Weile und suchen dann einen Platz zum Essen. Auf dem Hauptplatz setzen wir uns in ein Lokal und trinken gemütlich ein Bier, als K mit einem Jugendlichen auftaucht, von dem wir zuerst glauben, dass es sein Sohn ist. Er hat uns gesucht und freut sich … . Bart bezahlt den beiden ein Bier und ein Erfrischungsgetränk. Bis jetzt ist noch alles in Ordnung, aber der unerfreuliche Teil soll bald beginnen.

    Heute wird ein großer Boxkampf im Fernsehen übertragen. K. meint, er kann uns zu einem Lokal bringen, wo wir uns unter die Einheimischen mischen können und den Boxkampf auf einem großen Schirm verfolgen können. Gut, keine schlechte Idee. Wir laufen zuerst noch durch die Stadt, weil er eine Schule verschließen muss und fahren dann mit dem Taxi durch die Gegend. Es stellt sich heraus, dass der Jugendliche nicht sein Sohn, sondern ein Student und Freund von K ist. Das Lokal stellt sich als Diskothek heraus. Ich übernehme die Taxikosten, Bart den Eintritt für die beiden. Ich denke mir: Ok, ich bin mal gespannt, wie weit das noch geht.

    Drinnen fängt K mit vorgehaltener Hand mit dem Kellner zu sprechen an. Ab diesem Zeitpunkt wird mir die Sache suspekt. Es wird ein gemischter großer Teller zum Essen bestellt. Die Biere kommen im 30 Minutentakt automatisch auf den Tisch. Weder mir noch den anderen gefällt das Lokal und wir entscheiden uns zu gehen, als eine zweite Platte mit Essen serviert wird. Nix da, die Rechnung bitte. Auf einem Wisch Papier steht ein Betrag, der, wenn man auch nur ein wenig Kopfrechnen kann, viel zu hoch ist. Nach einer Beschwerde erhalten wir eine Rechnung, die um über 40% niedriger ist. Es geht zurück zum Hotel. Nachdem wir K und seinen Studenten den ganzen Abend durchgebracht haben, verlangt er am Schluss auch noch etwas Trinkgeld. Bart gibt im 100 von dem Nicaraguanischen Geld. Die Ankunft in Nicaragua hat schon mal einen negativen Eindruck hinterlassen.

    Wir fahren weiter nach Granada. Kurz vor Managua werden wir wieder auf die Seite gewunken. Dieses Mal ist es reine Korruption. Wir werden von drei Beamten aufgehalten und mit einem fadenscheinigen Vergehen angeklagt. Zuerst sagen sie, man muss mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand halten, später war es eine Geschwindigkeitsübertretung. Wir wurden auch schon ein paar Mal in Honduras aufgehalten. Dort hat es sich aber nur um eine Überprüfung gehandelt. Ich zeige seit Honduras bei Kontrollen nur mehr die laminierte Führerscheinkopie her. Die erkennen den Unterschied nicht. Wie auch immer, wir werden jeder mit 2.000 Cordoba / ca. 75 EUR Strafe für nichts belegt. Der Unterschied ist diesmal, der Betrag wird auf einem weißen Ticket ausgestellt. Wir diskutieren. Jeder redet durcheinander. Bart ist wütend. Ich merke, einer der Beamten möchte einen Vorschlag machen. Bart fällt ihm immer wieder ins Wort. Bart schlägt vor: Wir lassen auf keinen Fall alle drei Führerscheine hier. Wir reisen in einer Gruppe. Ihr (die Polizei) behält einen Führerschein (meine Kopie), somit können wir nicht ausreisen. Renate und Bart nehmen ihren Führerschein an sich und wir sind fast schon bereit abzufahren, als ein Einheimischer, Eduardo, mit seinem Auto stehen bleibt und auf englisch fragt, ob er uns helfen kann. Ja! Renate hat ihr Ticket bereits in der Jacke verstaut. Einer der Polizisten versteckt sofort die beiden anderen Tickets. Es ist offensichtlich klar, dass hier etwas nicht stimmt. Eduardo diskutiert eine Weile mit den Polizisten und auch ich erhalte meinen „Führerschein“ zurück und Renate muss ihr Ticket zurückgeben. Bart findet später im Internet heraus, dass die gelben Tickets offiziell sind und dagegen kaum etwas auszurichten ist und dass die weißen Zetteln keine Gültigkeit haben. Es war also definitiv der Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Wir verbringen zwei Nächte in Grenada. Grenada hat ein gut gepflegtes historisches Zentrum, rundherum sieht es zum Teil nicht so toll aus, Abwässer werden in den See geleitet. Renate und Bart lassen sich am fahr-freien Tag Kopien ihrer Führerscheine anfertigen, was sich schon am nächsten Tag rechnet.

    Am Tag der Abreise holen wir unsere Motorräder von der Feuerwache, wo wir sie gegen einen kleinen Betrag sicher unterstellen durften. Wir sind etwa 400-500m ohne Helm von der Feuerwache zum Hotel unterwegs. Prompt werden wir auch aufgehalten. Diskutieren bringt nichts. Es sind zwar nur 7,5 EUR aber es wird mühsam. Ich möchte bezahlen, weil ich nicht weiß, ob es ein System gibt, dass bis an die Grenze oder über einen längeren Zeitraum hinaus reicht und ich ja nochmal zurück komme. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Bart schlägt vor: Wenn wir die Kopien zurücklassen und wir werden nochmal aufgehalten, haben wir keine Probleme mehr. Die Führerscheine sind schon weg, und zur Grenze nach Costa Rica sind es bloß hundert Kilometer. Es kann sich höchstens die Strafe erhöhen. Das gelbe Ticket gilt für ein paar Tage als Führerschein Ersatz. Wir erzählen den Beamten, dass wir die Motorräder zum Hotel stellen, dann zur Bank gehen und in etwa 20 Minuten wieder zurück sind. Beim Hostel bepacken die Motorräder, lassen die erste Führerscheinkopie zurück und fahren Richtung Grenze. Ich frage mich, wie lange es gedauert hat, bis der Beamte Verdacht geschöpft hat. Als an der Grenze der letzte Stempel auf die Fahrzeugdokumente kommt sind wir froh, dass wir raus sind aus Nicaragua.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.