Schlagwort: Korruption

  • Ruta 3, Fahrt ins Verderben

    Ruta 3, Fahrt ins Verderben

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    19.01. – 23.01.

    Auf der kurvigen Ruta 7 ignorieren wir die Sperrlinien und überholen lange Schlangen von Autos, die hinter LKWs hängen. Wir wollten eigentlich eine andere Route fahren, die aber wegen eines Events gesperrt war. Deshalb mussten wir nochmal ganz Mendoza durchqueren und hatten es etwas satt, wieder langsam hinter eine Kolonne zu hängen. Auf einer Strecke, wie dieser, scheint es ziemlich klar, dass die Polizei irgendwo wartet. Ich habe mich noch gewundert, wieso alle so brav fahren. 

    Mit einem Schlag wird mir klar, warum.
    Ein weiblicher und ein männlicher Beamter winken uns auf die Seite. Zurecht. Für mich ist es nicht das erste Mal. Dumm stellen. Führerschein vorzeigen. Ich habe bloß noch eine Kopie meines Führerscheins, die aber nicht mehr so gut aussieht, deshalb gebe ich das Original her. Auch hier in Argentinien wird der Führerschein einkassiert. Der Polizeibeamte zeigt auf seinem Zettel hin und her. Für das Übertreten der Sperrlinie sind irgendetwas zwischen 220 und 400 USD pro Person fällig. Lächerlich. Die „übliche“ Diskussion in sehr gebrochenem Spanisch, es ist Sonntag, wir müssen weiter, wie kriegen wir unseren Führerschein zurück, bla bla bla.
    Schon nach kurzer Zeit ist klar, worum es geht. Der Polizeibeamte ist gar nicht daran interessiert uns ein Ticket auszustellen. Für 100 USD – 50 pro Person – dürfen wir weiterfahren.

    Andi hat über seinen Blog/Forum Kontakt zu einer einheimischen Person. Von dieser erfahren wir später, dass wir mit 100 USD noch ziemlich gut davon gekommen sind. Die Strafen scheinen hier tatsächlich sehr hoch zu sein.

    Die nächsten Tage fahren wir auf der Ruta 40 und oft kleineren Straßen Richtung Norden. Wir übernachten in Barreal, San Jose de Jachal, Villa Union, San Augustin de Valle Fertil.

    Ich war selbst der Meinung, dass ich nach mehr als 6 Monaten unterwegs nicht mehr so leicht zu beeindrucken bin, dass ich schon „alles“ gesehen habe.

    Aber erneut mag die Natur zu verwundern, dass ich zeitweise eine Gänsehaut bekomme. Wir bewegen uns auf einer Seehöhe zwischen 1.000 und 2.000 Metern auf einer weiten Ebene im Randbereich der Anden. Links von uns ragen die Berge mit den schneebedeckten Bergspitzen in die Höhe, rechts von uns begleitet uns eine niedrigere Bergkette. Die Landschaft schillert in allen Farben, rot, brau, hellgrau, grün. Manche Teile werden „die gemalte Wüste genannt“.

    Kurz vor Barreal besuchen wir ein Observatorium. Der Blick geht weit in das Land hinein. Selten habe ich eine derartige Stille erlebt. Manchmal ist es der leichte Wind, der ein sanftes Geräusch von sich gibt. Hin und wieder zerreißt das Summen einer Fliege die Ruhe. Ich traue mich nur zu flüstern, aus Angst die Natur zu stören.

    Wenn wir am frühen Nachmittag in den Dörfern eintreffen, haben wir den Eindruck, wir würden durch Geisterstädte fahren. Die Temperaturen bewegen sich nahe oder über 40 Grad C. Alle Geschäfte haben geschlossen.

    In San Jose de Jachal sitzen wir gegen 20 Uhr an einem Kiosk und trinken ein Bier. Im Hotel haben wir erfahren, dass die Restaurants erst gegen 21 Uhr aufsperren. Die Straßen sind noch immer leer gefegt. Langsam beginnt Leben einzukehren. Wir sitzen und beobachten das Geschehen. Die Läden sperren wieder auf, zwischen 21 und 22 Uhr stellen die Restaurants Tische und Stühle auf die Straße. Aus der Geisterstadt wurde eine Ameisenhaufen. Die Restaurants sind voll und um Mitternacht fahren 2 bis 3 jährige Kinder mit ihren Dreirädern durch die Gegend.

    In Villa Union sind wir auf der Suche nach einer Unterkunft. Ich bleibe stehen und frage eine Frau. Gleich ist die ganze Familie bei uns, gibt uns Tipps. Die Dame setzt sich dann auf das Fahrrad und bringt uns zu einem Hostel. Während ich bei der Unterkunft nach Zimmer und Preisen frage, setzt Andi einen Jungen auf sein Motorrad, der mit seinem Großvater vorbei spaziert ist. Wir treffen den Großvater wieder, als wir bei einem Restaurant an einer Tankstelle essen. Er arbeitet dort als Kellner.

    Wir besuchen den Talampaya National Park, der durch Wind und Wasser bizarr geformt ist, und das Valle de Luna im Ischigualasto Nationalpark. Eine trostlose Landschaft. Bei 46 Grad C sterben wir tausend Tode, als wir mit 15 bis 20 km/h die 40 km Runde, einem Konvoi mit diversen Stopps folgen. Neben den 5 Sehenswürdigkeiten im Park, sind Andi und ich die 6. Wenn wir 1$ pro Foto bekommen würden, das von uns gemacht wird .. es wäre schon einiges zusammengekommen.

    24.01.

    Über Nacht hat es geregnet. Von über 40 Grad kühlt es auf 18-20 Grad ab.
    Wie wir am Abend in Chilecito in den Nachrichten erfahren, hat ein Erdrutsch ungefähr 300 km westlich von uns ein Dorf verwüstet und 9 Tote und ein paar vermisste Personen verursacht.

    25.01.

    Ruta 3, „unsere persönliche Dakar“ oder „eine Fahrt ins Verderben“
    Als wir am Morgen Chilecito verlassen, wissen wir noch nicht, was heute auf uns zukommt. Der heutige Tag sollte die bisher größte Herausforderung auf meiner/unserer Reise werden.
    Die Fahrt beginnt gut, das Wetter ist mit uns. Unser Ziel wäre Fiambala in ca. 200 km Entfernung – eine kurze gemütliche Tour. Irgendwo vorher sagt mein Navigationsgerät, wir sollen abbiegen. Leider kennt es die neue Straße noch nicht. Es ist ein Feldweg. Die Straße ist sehr tiefsandig und oft von Flussläufen zerstört, die im Moment jedoch ausgetrocknet, hin und wieder etwas schlammig sind. Nur sehr langsam quälen wir uns voran. Wir fallen jeweils mehrmals um. Andi vergräbt das Motorrad halb im Sand, ich klemme mir einmal das Bein unter meinem Motorrad ein. Es ist ein Kraftakt. Nach ungefähr 4 km gibt es eine Abzweigung, aber dort wo mein GPS Gerät den Weg anzeigt, gibt es keinen mehr .. nur eine von Wasser zerfurchte Landschaft. Also fahren wir die andere Abzweigung weiter. Auch hier stehen wir nach ungefähr 3 km mitten in einem riesigen Flussbett, kein Weg ist erkennbar. Wir kehren um. Für die 14 km haben wir ungefähr 1 1/2 Stunden benötigt. Durchgeschwitzt und ein wenig erledigt machen wir Pause und sind froh, wieder auf asphaltierten Wegen zu sein. Ein anstrengendes Abenteuer zwischendurch.
    Gegen 14 Uhr kommen wir in Tinogasta an. Wir überlegen: Es ist uns zu früh, um schon anzuhalten, knapp 80 km bis Belén, davon 60 km auf einem Schotterweg, das kann nicht länger als 2 Stunden dauern. Weit gefehlt.

    An der Kreuzung zur Ruta 3 steht ein Schild „Cuesta de Zapata bei Ruta 3 nicht befahrbar“. So viel verstehen wir. Vielleicht ist es ein Ort auf der Strecke, der nicht erreicht werden kann. Wir fragen Einheimische, ob die Straße nach Belén führt und ob der Weg OK ist und werden ins Verderben geschickt.

    Am Anfang hatten wir zwei, drei Flüsse zu kreuzen, ein paar schlammige Teile, dann Schotterweg, aber die Strecke war nicht so schlimm – noch immer befahrbar. Irgendwann führt sie sehr kurvig, einspurig und steinig in die Berge. Hier war die Strecke schon eine größere Herausforderung, aber noch immer befahrbar. Wir hatten etwa 30 km bis 35 km hinter uns und noch 20 km vor uns, als die Hölle beginnt. Bis zu Fußball große Steine liegen auf dem Weg, an manchen Stellen ist die Straße vom Wasser halb weggespült. Die nächsten 4 Kilometer sollten zur Tortur werden. Langsam quälen wir uns voran. Zum Umkehren ist es zu spät. Der Point Of No Return ist überschritten, es geht nur mehr vorwärts. Mit jeder Kurve hoffen wir, dass das Schlimmste vorbei ist. Wir fallen um, stemmen die schweren Motorräder wieder hoch, wir räumen Steine aus dem Weg. Andi klemmt seinen Fuß ein, der später ziemlich anschwillt.

    An zwei Stellen müssen wir Hand anlegen, um weiterzukommen. Einmal um Erde abzugraben und einen kleinen Graben zu füllen, ein anderes Mal müssen wir einen etwa 1 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit Steinen auffüllen. Wir sind müde und erschöpft. Seit fünf Stunden sind wir auf der Strecke, alleine für die letzten 4 km haben wir fast zwei Stunden benötigt.

    Gleich hinter dem Graben, den wir mit Steinen gefüllt haben, war es notwendig nach rechts zu lenken. Andi schafft den Part. Müde und ausgelaugt passieren jedoch Fehler. Besonders auf einer Strecke, die unsere Fähigkeiten übersteigen. Mich hebt es etwas aus und ich knalle mit meiner linken Seite gegen einen Stein. Ein Teil meiner Wasserkühlung ist beschädigt, der Sturzbügel hat vor Schlimmerem bewahrt.
    Es ist 19 Uhr, ich bin nahe dran, alles liegen und stehen zu lassen, als wir beginnen, mit Superkleber die Brüche abzudichten. Das funktioniert bedingt, aber wir können weiterfahren. Zu unserem Glück wird die Straße von nun an besser. Ein paar schwierige Passagen später kommen wir wieder in eine zivilisierte Gegend, wo die Einheimischen schon mit ihren PKWs unterwegs sind – es kann nun nicht mehr so schlimm sein.

    Andi, der Unglücksvogel, hat sich diesmal am Vorderreifen einen Platten eingefangen. Wir sind noch 23 km von unserem Ziel entfernt. Bis in die Dunkelheit hinein wechseln wir den Reifen, benötigen Stirnlampe und das Licht meines Motorrades.
    Auf dem Weg nach Belén müssen wir dann noch anhalten und Wasser in meinen Kühler nachfüllen, weil mein Motor heiß läuft – wir konnten nicht alles ganz abdichten. Bei langsamer Geschwindigkeit und niedriger Motordrehzahl schaffen wir es gegen 22 Uhr in Belén zu sein.
    Völlig erledigt, aber glücklich, dass wir angekommen sind, finden wir ein Hotel. Bis spät in die Nacht lassen wir den Tag Revue passieren.
    Für einen äußerst detaillierten Bericht über die Fahrt, verweise ich auch auf Andi.

    26.01.

    Überlegen, wie es weitergeht. Unsere Motivation ist am Ende, Andis Fuß ist extrem geschwollen. Ich dränge ihn zum Arzt zu gehen. Er will nicht. Von den Leuten im Hotel erhält er eine Salbe, ich besorge Eis.
    Wir bemerken, dass Andis Hinterreifen auch platt ist. 7 Platte Reifen in einem Monat. Andi ist komplett am Boden, denkt darüber nach abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ich sage ihm, er soll mal einen Tag abwarten. Er schreibt e-mails für den Rücktransport. Auch ich denke nach, wo und wie ich eine Pause machen kann. Der gestrige Tag, die gestrige Strecke, war zu viel .. zu anstrengend .. zu viele Schäden an Mensch und Maschine .. das ist es nicht Wert.

    27.01.

    Es geht uns wieder besser. Auch Andis Fuß sieht wesentlich besser aus als gestern. Er lässt seine Reifen flicken. Ich versuche alles notwendige für mein Motorrad für die Weiterreise zu besorgen. Alles Kleber, um die Risse weiter abzudichten, Kühlflüssigkeit zum Nachfüllen. Es sind 400km bis San Miguel de Tucumán. Bis dorthin müssen wir es schaffen, dort gibt es eine BMW Werkstatt.

    Am Nachmittag kommt ein argentinisches Pärchen ins Hotel, wir beginnen zu plaudern. Sie sind aus San Miguel de Tucuman und mit dem Auto auf Urlaub. Ihnen ist mittendrin irgendwo der Schlauch für die Wasserkühlung gerissen. Sind auch festgesessen, hatten kein Wasser mit. Aber er kennt sich damit aus, hat eine Werkstatt oder dergleichen, um solche Sachen zu reparieren.
    Später am Abend bringt er einen Komponentenkleber und schenkt ihn mir. Wir dichten meinen beschädigte Stelle ab und machen Fotos von uns mit ihm auf unseren Motorrädern.

    28.01. / 29.01.

    Wir entscheiden uns, gleich nach Salta zu fahren. Es sind nur wenige Kilometer mehr als bis nach San Miguel de Tucumán und viele andere Reisende haben uns gesagt, dass wir dort unbedingt Halt machen sollen.
    Mein Kühler macht keine Schwierigkeiten. Es tritt nur tropfenweise Wasser aus. Nach ungefähr 200km möchte ich an einer Tankstelle nachfüllen. Es fehlt fast kein Wasser. Anscheinend ist die beschädigte Stelle mit dem Komponentenkleber sehr gut abgedichtet.

    In Salta sehe ich beim BMW Händler vorbei. Der ganze Kühler müsste getauscht werden, aber es würde 30 Tage dauern, bis das Teil da ist. So lange habe ich keine Zeit. Das Provisorium wird angesehen und für gut befunden. Das heißt, das Provisorium wird vorerst zur Lösung.

    Wir bleiben noch bis 2. Februar in Salta. Andis Fuß braucht Ruhe, auch ich benötige eine Pause. Salta macht einen sehr netten Eindruck, hat etwa 450.000 Einwohner, alte historische Gebäude und Kultur. Wie habe ich das vermisst. Es tut gut, nach so langer Zeit in der Pampa und den vielen Problemen in den letzten zwei Monaten, mal wieder in eine Großstadt zu kommen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Nicaragua, korrupte Polizei

    Nicaragua, korrupte Polizei

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    14.09. – 16.09.

    Die Ausreise aus Honduras und die Einreise in Nicaragua dauert wie immer etwas länger. Aber auch hier gibt es keine Schwierigkeiten. Auch hier sind sofort die Helfer zur Stelle. Aber wenn wir ihnen erzählen, dass wir durch Mittelamerika gereist sind und schon wissen, wie der Ablauf ist, lassen sie uns in Ruhe. Er ist sowieso immer gleich. Zuerst zur Passkontrolle Reisepass abstempeln, dann zum Zoll Motorrad abmelden, zur Passkontrolle im neuen Land, zum Zoll das Motorrad anmelden. Zu unserer Überraschung werden in Nicaragua keine Kopien benötigt. An der Grenze kaufen wir auch gleich die notwendige Versicherung für umgerechnet 10 EUR. Im Gegensatz zu den anderen Ländern ist hier nur Geld für die Desinfektion und für das Visum zu bezahlen. Die Einfuhr des Motorrads kostet nichts.

    Unser heutiges Ziel wäre León. Aber so weit schaffen wir es nicht. In Chinandega überfährt Bart eine Sperrlinie in einer Ortschaft und wird aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden noch keine Führerscheinkopien. Es wird eine Weile diskutiert, doch der Beamte stellt einen Strafzettel aus und kassiert den Führerschein ein. Der Ablauf ist hier wie folgt. Der Führerschein wird einkassiert, man bezahlt das Ticket bei einer Bank und erhält seinen Führerschein wieder zurück. Nur, heute ist Samstag Nachmittag und bis inkl. Montag sind Feiertage. Der nächste mögliche Termin ist also Dienstag. Bis Dienstag in einer sehr unsympathischen Stadt festsitzen? Für mich eher weniger ein Problem, ich hätte weiterfahren können. Bart und Renate fahren zur Polizeistation und versuchen das zu regeln.

    Ich warte und behalte den Beamten mit dem Führerschein im Auge. Der fährt aber nach einiger Zeit ab. Nach gut 1 1/2h kommt Bart mit einem Einheimischen auf dem Sozius zurück und hat seinen Führerschein wieder. Ein Englischlehrer, der eine ranghohe Polizeibeamtin im Bezirk unterrichtet. Mit seiner Hilfe hat die Polizeibeamtin Anweisungen gegeben, dass Bart bezahlen kann und seinen Führerschein zurückerhält.

    Da es bereits 17 Uhr ist und sich Bart mit einem Bier bei dem Englischlehrer, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, nennen wir in K., bedanken möchte, beschließen wir in Chinandega zu bleiben. K kommt nicht, wie vereinbart, zum Hotel. Wir warten noch eine Weile und suchen dann einen Platz zum Essen. Auf dem Hauptplatz setzen wir uns in ein Lokal und trinken gemütlich ein Bier, als K mit einem Jugendlichen auftaucht, von dem wir zuerst glauben, dass es sein Sohn ist. Er hat uns gesucht und freut sich … . Bart bezahlt den beiden ein Bier und ein Erfrischungsgetränk. Bis jetzt ist noch alles in Ordnung, aber der unerfreuliche Teil soll bald beginnen.

    Heute wird ein großer Boxkampf im Fernsehen übertragen. K. meint, er kann uns zu einem Lokal bringen, wo wir uns unter die Einheimischen mischen können und den Boxkampf auf einem großen Schirm verfolgen können. Gut, keine schlechte Idee. Wir laufen zuerst noch durch die Stadt, weil er eine Schule verschließen muss und fahren dann mit dem Taxi durch die Gegend. Es stellt sich heraus, dass der Jugendliche nicht sein Sohn, sondern ein Student und Freund von K ist. Das Lokal stellt sich als Diskothek heraus. Ich übernehme die Taxikosten, Bart den Eintritt für die beiden. Ich denke mir: Ok, ich bin mal gespannt, wie weit das noch geht.

    Drinnen fängt K mit vorgehaltener Hand mit dem Kellner zu sprechen an. Ab diesem Zeitpunkt wird mir die Sache suspekt. Es wird ein gemischter großer Teller zum Essen bestellt. Die Biere kommen im 30 Minutentakt automatisch auf den Tisch. Weder mir noch den anderen gefällt das Lokal und wir entscheiden uns zu gehen, als eine zweite Platte mit Essen serviert wird. Nix da, die Rechnung bitte. Auf einem Wisch Papier steht ein Betrag, der, wenn man auch nur ein wenig Kopfrechnen kann, viel zu hoch ist. Nach einer Beschwerde erhalten wir eine Rechnung, die um über 40% niedriger ist. Es geht zurück zum Hotel. Nachdem wir K und seinen Studenten den ganzen Abend durchgebracht haben, verlangt er am Schluss auch noch etwas Trinkgeld. Bart gibt im 100 von dem Nicaraguanischen Geld. Die Ankunft in Nicaragua hat schon mal einen negativen Eindruck hinterlassen.

    Wir fahren weiter nach Granada. Kurz vor Managua werden wir wieder auf die Seite gewunken. Dieses Mal ist es reine Korruption. Wir werden von drei Beamten aufgehalten und mit einem fadenscheinigen Vergehen angeklagt. Zuerst sagen sie, man muss mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand halten, später war es eine Geschwindigkeitsübertretung. Wir wurden auch schon ein paar Mal in Honduras aufgehalten. Dort hat es sich aber nur um eine Überprüfung gehandelt. Ich zeige seit Honduras bei Kontrollen nur mehr die laminierte Führerscheinkopie her. Die erkennen den Unterschied nicht. Wie auch immer, wir werden jeder mit 2.000 Cordoba / ca. 75 EUR Strafe für nichts belegt. Der Unterschied ist diesmal, der Betrag wird auf einem weißen Ticket ausgestellt. Wir diskutieren. Jeder redet durcheinander. Bart ist wütend. Ich merke, einer der Beamten möchte einen Vorschlag machen. Bart fällt ihm immer wieder ins Wort. Bart schlägt vor: Wir lassen auf keinen Fall alle drei Führerscheine hier. Wir reisen in einer Gruppe. Ihr (die Polizei) behält einen Führerschein (meine Kopie), somit können wir nicht ausreisen. Renate und Bart nehmen ihren Führerschein an sich und wir sind fast schon bereit abzufahren, als ein Einheimischer, Eduardo, mit seinem Auto stehen bleibt und auf englisch fragt, ob er uns helfen kann. Ja! Renate hat ihr Ticket bereits in der Jacke verstaut. Einer der Polizisten versteckt sofort die beiden anderen Tickets. Es ist offensichtlich klar, dass hier etwas nicht stimmt. Eduardo diskutiert eine Weile mit den Polizisten und auch ich erhalte meinen „Führerschein“ zurück und Renate muss ihr Ticket zurückgeben. Bart findet später im Internet heraus, dass die gelben Tickets offiziell sind und dagegen kaum etwas auszurichten ist und dass die weißen Zetteln keine Gültigkeit haben. Es war also definitiv der Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Wir verbringen zwei Nächte in Grenada. Grenada hat ein gut gepflegtes historisches Zentrum, rundherum sieht es zum Teil nicht so toll aus, Abwässer werden in den See geleitet. Renate und Bart lassen sich am fahr-freien Tag Kopien ihrer Führerscheine anfertigen, was sich schon am nächsten Tag rechnet.

    Am Tag der Abreise holen wir unsere Motorräder von der Feuerwache, wo wir sie gegen einen kleinen Betrag sicher unterstellen durften. Wir sind etwa 400-500m ohne Helm von der Feuerwache zum Hotel unterwegs. Prompt werden wir auch aufgehalten. Diskutieren bringt nichts. Es sind zwar nur 7,5 EUR aber es wird mühsam. Ich möchte bezahlen, weil ich nicht weiß, ob es ein System gibt, dass bis an die Grenze oder über einen längeren Zeitraum hinaus reicht und ich ja nochmal zurück komme. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Bart schlägt vor: Wenn wir die Kopien zurücklassen und wir werden nochmal aufgehalten, haben wir keine Probleme mehr. Die Führerscheine sind schon weg, und zur Grenze nach Costa Rica sind es bloß hundert Kilometer. Es kann sich höchstens die Strafe erhöhen. Das gelbe Ticket gilt für ein paar Tage als Führerschein Ersatz. Wir erzählen den Beamten, dass wir die Motorräder zum Hotel stellen, dann zur Bank gehen und in etwa 20 Minuten wieder zurück sind. Beim Hostel bepacken die Motorräder, lassen die erste Führerscheinkopie zurück und fahren Richtung Grenze. Ich frage mich, wie lange es gedauert hat, bis der Beamte Verdacht geschöpft hat. Als an der Grenze der letzte Stempel auf die Fahrzeugdokumente kommt sind wir froh, dass wir raus sind aus Nicaragua.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

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    08.09.

    Ich mache mich heute zeitig auf den Weg. Diesmal gleich Richtung Süden nach Hidalgo.
    Bei der Ausreise knöpft mir der Beamte in Mexico 30 USD für das Visum ab. Gesetz ist Gesetz. Ich war tags zuvor ausgereist und bin wieder eingereist. Ich verlange eine Rechnung. Kann er nicht ausstellen, ich kann zu einer Bank gehen und dort zahlen, wenn ich eine Rechnung möchte. Heute ist Sonntag. D.h. die Banken haben geschlossen. Widerwillig zahle ich die Gebühr. Ich bezweifle, dass das Geld in die offizielle Kassa wandert.

    Auf dem Weg zur Grenze ist mir wieder einer mit seinem Motorrad gefolgt. Sobald ich an der guatemaltekischen Grenze bin, gesellt sich aber ein anderer zu mir. Erklärt mir, da musst du hin, dort musst du hin usw. Ich bezahle erneut die 12 Quetzal für die Desinfektion des Motorrads und gehe zur Passkontrolle. Wie erwähnt, bin ich am Vortag nicht korrekt ausgereist. Das kostet 200 Quetzal / ca. 22 EUR Strafe. Steht in 10 verschiedenen Sprachen gleich über der Passkontrolle. Ich versuche zu erklären, dass ich nicht wirklich in Guatemala war. Nutzt nichts. Geld wechseln. Noch dazu zu einem merkbar schlechteren Kurs als gestern. Weil Sonntag ist, oder wie? Ich brauche das Geld, handeln bringt nichts. Ich bezahle die Strafe und erhalte den Einreisestempel. Auch so kann man sein Geld verprassen.

    Weiter zur Fahrzeugregistrierung. Dort lege ich alle Papiere vor. Sie werden begutachtet. Reisepass, Zulassungsschein, Führerschein. Ich habe bereits den Zulassungsschein im Scheckkartenformat. Aber dem wird hier nicht getraut. Zum Glück habe ich auch noch den gelben Schein in Papierformat mit. Der ist zwar schon Mitte Juli abgelaufen, aber hilft hier sehr viel mehr weiter. Die Dame erklärt mir, ich benötige eine Übersetzung von einem Notar. Ich frage warum? Antwort: Das ist einfach so. Wir diskutieren eine Weile. Ich frage, was das kostet. Der Kumpel, der mich die ganze Zeit begleitet, mischt sich ein. Normalerweise 200 bis 300 Quetzal, heute ist Sonntag, da kostet das bestimmt 400 oder mehr. Ich versuche zu erklären, dass ich Informationen eingeholt habe und ich nichts von einer notwendigen Übersetzung weiß. Wir diskutieren noch eine Weile. Dann gebe ich ihr wütend zu verstehen, dass sie mir meine Papiere zurückgeben soll.

    Ich fahre zurück nach Mexiko. Diesmal melde ich mich ordnungsgemäß in Guatemala ab. In 2 Tagen bin ich 3-mal aus Mexiko ausgereist und wieder eingereist. Wieder alles auspacken und durchsuchen lassen. Ich klage der Grenzbeamtin mein Leid. Sie fragt: „Es muy complicado, hm? / Es ist sehr kompliziert, oder?“ „Si“.

    Ich fahre zur nächsten Grenzstation nach Talisman. Dort angekommen, winken mich wieder die Leute pfeifend und deutend auf die Seite. Das Visier von meinem Helm ist hochgeklappt. Ich frage laut: „Porque? / Warum?“ Darauf haben sie keine Antwort und geben Ruhe. Ich werde von Geldwechslern umringt, die mit ihren dicken Büscheln Geld winken. Ich sage, dass ich nichts benötige. Sie beginnen fast untereinander zu streiten, wer mit mir Geschäfte machen darf.

    Was kommt zuerst an der Grenze? Natürlich dein persönlicher Begleiter. Er ist sofort an meiner Seite. Der hier spricht ein wenig englisch. Sie machen nichts anderes, als ständig neben dir herzulaufen, deine Papiere zu sortieren, sich in das Gespräch mit den Beamten einzumischen und ihren Senf abzugeben.

    Die vielen Einreise- und Ausreisestempel innerhalb von zwei und denselben Tagen verwirren die Beamten. Ich werde in das Büro des Obersten, der hier Dienst hat, gebeten. Dort erzähle ich die ganze Geschichte der letzten zwei Tage und dass an der anderen Grenze ein Dokument von einem Notar verlangt wurde, von dem ich nicht verstehe, warum. Mein Spanisch Kenntnisse verbessern sich vor allem an der Grenze sehr. D.h. nicht, dass ich fließend sprechen kann. Meine Kenntnisse sind noch immer bescheiden, aber ich lerne immer ein paar Worte dazu, die mir beim nächsten Mal weiterhelfen. Der Oberste ist auch äußerst freundlich. Sowas beruhigt schon sehr. Er telefoniert ein wenig herum. Alles OK, ich kann passieren. Ich frage ihn dann noch, wer diese Leute sind, die da dauernd mit mir rumlaufen, ob das offizielle sind? Er meint, nein, die soll ich ignorieren.

    Bei der Fahrzeugeinfuhr sind es wieder die vielen Stempel im Pass, die verunsichern. Ich erkläre noch mal alles. Die Dame telefoniert ebenfalls herum und sagt mir dann, ich benötige keine weiteren Dokumente von einem Notar oder sonst etwas. Alles was benötigt wird sind die nationalen Dokumente und hilfreich sind die internationalen Übersetzungen vom Führerschein und Zulassungsschein. Ich muss Kopien machen. Mein Begleiter zeigt mir den Kopiershop. Kostet 4 Quetzal. Ich krame in meiner Geldbörse. Ich habe nur 3. 3 sind auch genug. Du Sackgesicht! Wahrscheinlich hätte es nur 2 gekostet. Die stecken hier alle unter einer Decke. Ich bin heute schon ziemlich genervt.

    Für die Bearbeitung sind 160 Quetzal an der Bank nebenan zu bezahlen. Vor der Bank steht ein Soldat, das Gewehr in seinen Händen. Es warten 7 oder 8 Personen. Mein Begleiter schiebt mich gleich an den Anfang der Schlange und meint, das passt schon. Das ist ein Service extra für mich. Der Soldat sagt auch nichts. Ich erkläre meinem Begleiter, dass dies unfair gegenüber den anderen ist, und stelle mich hinten an. Nachdem ich bezahlt habe, wird das Motorrad noch begutachtet, ob Marke, Farbe, Seriennummer übereinstimmen. Ich erhalte einen Aufkleber und darf fahren. Mein Begleiter bittet zum Schluss um ein „Trinkgeld“. Ich überlege und gebe ihm 10 Quetzal. Bereue es aber zwei Minuten später wieder. Das war heute sowieso das letzte Mal, dass ich das zugelassen habe. Man kommt auch so durch. Ein wenig spanisch sollte man aber trotzdem können.

    Die heutige Dauer, beide Grenzstationen zusammengerechnet, inkl. Fahrt von der einen zur anderen, betrug ca. 4 1/2 Stunden. Zum Glück ist in Guatemala eine andere Zeitzone und man gewinnt 1 Stunde. Ein paar km vor dem Ziel tanke ich auf. Mitten im Tanken kommt mir. Verdammt du hast vergessen noch Geld zu wechseln. Er fragt mich, wie ich zahlen möchte. Mit Kreditkarte oder mit Bargeld. Ich sage mit Kreditkarte. Er antwortet, der Apparat funktioniert leider nicht. Mann, warum fragst du dann? Das Benzin geht sich aus. Mir bleiben noch 37 Quetzal, knapp 4€. Damit wirst du nicht weit kommen.

    Ich erreiche Monterrico, zum Teil durch strömenden Regen. In Monterrico frage ich mich durch die Hostels, ob ich mit Kreditkarte bezahlen kann. Nein leider nicht, der Apparat funktioniert nicht. Ich verstehe, Kreditkarten sind nicht gerne gesehen. Gibt es eine Wechselstube? Nein, leider auch nicht. Wo gibt es einen Cajero? / Einen Bankomat? Dort kann ich aber weder mit der Kreditkarte noch mit der Bankomatkarte abheben. Vielleicht sind die Systeme am Sonntag heruntergefahren und ich habe morgen mehr Glück. Ich frage im Laden gegenüber, ob es einen anderen Bankomat gibt. Ja, aber er rät mir ab. Der ist nicht sicher. Es ist bereits dunkel. Man sagt mir, im Hostel Jonny’s Place kann man mit Kreditkarte bezahlen. Ich begebe mich auf die Suche und bleibe dann aber gleich beim ersten Hotel stehen, wo eine Visa Schild draußen hängt. Mit Visa zahlen kostet zwar 10% mehr. Aber bei 15 EUR die Nacht wird nicht lange nachgedacht. Ich bin froh, dass ich eine Unterkunft habe. Für 9 Quetzal kaufe ich mir noch 2l Wasser und eine kleine Tüte Chips, damit ich nicht ganz hungrig ins Bett muss. Bleiben noch 28 übrig. Das Mobiltelefon funktioniert nicht, wo immer ich frage: kein Internet, kein Bankomat, Kreditkarten helfen auch nicht weiter, kein Geld. Willkommen im Abenteuerland.

    Monterrico ist ein kleines Dorf. Besteht eigentlich fast nur aus Hotels und Hostels, Restaurants und kleinen Läden. Aber es ist nett und relaxed.

    09.09.

    Am nächsten Tag kann ich in der Bank Geld wechseln. Ich genehmige mir ein anständiges Frühstück. Mein Motorrad erhält eine Abreibung und wird per Handwäsche vom Schmutz der letzten Wochen gereinigt. Ich schlendere durch das Dorf und spaziere den langen Strand entlang. Mittags bis nachmittags halte ich Siesta in der Hängematte. Man passt sich an.

    Am Abend sitze ich im Hotel am Strand. Ein kleine Gruppe von Leuten steht unweit von mir. Eine der Personen kommt zu mir. Er stellt sich als Mitarbeiter des Tierschutzvereins vor. Sie sind am Strand, um kleine Schildkröten auszusetzen. Er fragt mich, ob ich mich anschließen möchte. Für eine kleine Spende von 10 Quetzales darf ich zwei Schildkröten persönlich in die Freiheit entlassen. Sie sind kaum größer als mein Handteller und schwarz. Wir setzen die Schildkröten an einer Linie ab, um ein Wettrennen zu simulieren. Einige bewegen sich schnell ins Meer, andere benötigen etwas länger. Von den Wellen werden sie mehrmals wieder um ein paar Meter zurück an den Strand geschleudert. Nach einer Weile jedoch verschwinden die winzigen Tiere im großen weiten Ozean. Viel Glück auf der Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Von den Mühen ein Land zu verlassen

    Von den Mühen ein Land zu verlassen

    07.09.

    Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute lässt du mich nicht gehen?
    Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein.

    In der Nähe von Tapachula gibt es zwei Grenzübergänge nach Guatemala. Der eine gleich hinter Tuxtla Chico, etwa 15 bis 20 km von Tapachula und der andere, etwas weiter im Süden bei Ciudad Hidalgo, etwa 35 km entfernt
    Ich fahre zum näheren Grenzübergang nach Tuxtla Chico.

    Auf dem Weg zur Grenze laufen immer wieder Leute pfeifend und deutend auf die Staße und versuchen mich aufzuhalten und zum Stehenbleiben zu bewegen. Aber dazu später mehr.

    Bevor ich ausreise, frage ich die Beamten, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Ich werde zum Zollgebäude gesendet. „Können Sie hier nicht machen. Es handelt sich um einen kleinen Grenzübergang.“ Mehrere Leute reden durcheinander. Ich muss zum anderen Grenzübergang fahren. Das kann ich nur in Tapachula machen. Nein, in Huixtla. Ich verstehe so gut wie gar nichts mehr. Da mein Reisepass schon ausgestempelt ist, muss ich nochmal das Visum ausfüllen. Ich erhalte einen neuen Einreisestempel.

    Das Motorrad ist leider schon im Niemandsland. Sofort sind auch Geldwechsler an meiner Seite. Ich brauche kein Geld. Also wieder zurück und durch die Kontrolle. Ich nehme die Autospur. Vor dem Schranken werde ich angewiesen, das Motorrad zurückzuschieben und die Motorradspur zu nehmen. Es ist verdammt heiß, ich schwitze dementsprechend unter der dicken Jacke und es macht überhaupt keinen Spaß das schwere Motorrad durch die Gegend zu schieben. Für die Grenzübergänge und die Formalitäten habe ich mir jedoch angewöhnt kurze Hosen anzuziehen und erst danach wieder in die Motorradhose zu schlüpfen.

    Ich muß das ganze Prozedere über mich ergehen lassen. Koffer auf, auspacken, Fragen, … . Die Grenzbeamtin ist sehr nett und spricht auch englisch. Erzählt mir, dass sie voriges Jahr in Wien gewesen ist. Ich frage wie es ihr gefallen hat. „Sie meint sehr gut. Es ist sehr sauber.“

    Ich fahre also zur anderen Grenzstation. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Stadt. Ein einheimischer Motorradfahrer fährt mir eine Weile nach. Auf der Suche nach dem Grenzübergang bleibe ich kurz stehen, um mich zu orientieren. Er gibt mir zu verstehen, dass ich seine Dienste benötige. Ich sage: „No necesito / Nein, brauche ich nicht.“ Er besteht darauf, zückt eine Visitenkarte. Ich sage: „No es verdad. /  Das ist nicht wahr.“ Ich frage eine Frau nach dem Weg, sie gibt mir eine ungefähre Richtung. Schließlich lässt der Motorradfahrer von mir ab.

    Auch am anderen Grenzübergang frage ich, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Die Dame winkt mich einfach weiter. Ich fahre durch, bezahle noch Maut und bin auch schon in Guatemala.

    Zuerst werde ich aufgehalten. Ein Mann in Zivilkleidung ist sofort an meiner Seite, ruhig, nicht aggressiv. Erklärt mir, dass ich hier mal mein Motorrad desinfizieren lassen muss. Da mich vorher so viele Leute versucht haben mich aufzuhalten und mir was andrehen wollten, glaube ich ihm zuerst nicht so ganz. Dann hält mich auch ein Beamter in Uniform auf. Ein anderer läuft mit einer Spritze um mein Motorrad und sprüht es im unteren Bereich etwas ein. So verdreckt wie mein Motorrad mittlerweile aussieht, hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit. Aber gut. Kostet 12 Quetzal. Ich muss in der einheimischen Währung zahlen. Habe ich noch nicht. Die Person an meiner Seite ruft eine Wechsler, bei dem ich 20 USD umtausche. Zu einem denkbar schlechten Kurs, wie man annehmen kann. Scheiß drauf, wegen 50€ Cent fange ich nicht zu diskutieren an.

    Gleich neben der Inspektionsstelle liegt die Passkontrolle in einer unscheinbaren Hütte. Kann ich nicht glauben und fahre ein paar Meter weiter, wo ich angewiesen werde, das Motorrad mal abzustellen. Ich werde gefragt, ob ich die Passkontrolle hinter mir habe. Nein, habe ich nicht, wo? Der Beamte gibt mir zu verstehen, dass es sich um die unscheinbare Hütte handelt. Ok, also ein paar Meter zurücklaufen. Ich werde gefragt, wie lange ich bleiben möchte. Ca 1 Woche. Stempel rein, das war es auch schon. Zurück beim Motorrad, weist man mir den Weg in ein Gebäude zur Registrierung des Fahrzeuges. Ich sage, ich muss das Motorrad noch abmelden. Wo kann ich das machen? Das musst du in Mexiko machen. Die Zivilperson, die die ganze Zeit über an meiner Seite war, wollte wohl auch etwas Geld. Ich starte meine Maschine und fahre ab.

    Verdammt nochmal! Also zurück nach Mexiko. Wieder an der mexikanischen Grenzstation, frage ich nochmal, wo ich das Motorrad abmelden kann? „Da drüben beim Zoll.“
    Ein junger Grenzbeamter nimmt sich meiner an. Er spricht langsam und deutlich und erklärt mir, dass ich ca. 100km zurück in das Landesinnere fahren muss. Er ärgert sich, dass er nicht besser englisch kann und ich mich, dass ich nicht besser spanisch kann.

    Die entsprechende Zollbehörde befindet sich ein paar Kilometer hinter der Stadt Huixtla. Dort kann ich mein Fahrzeug wieder abmelden. Es ist schon nach Mittag. Die Hitze ist unerträglich und ich muss hier von einer Ecke auf die andere fahren und laufen.

    Bevor ich losfahre, fragt er nochmal: „Wo musst du hin?“ Ich kann den Ort nicht aussprechen. Er fragt: „Hast du überhaupt verstanden, was ich dir erklärt habe?“ „Ja, ja! Ich weiß, wo ich hin muss.“
    Und zwar auch aus dem Grund, weil ich gestern auf dem Weg nach Tapachula die Position der Zollstation in meinem GPS Gerät gespeichert habe, als ich daran vorbeigefahren bin. Ich wollte nur nicht so richtig wahrhaben, dass ich noch mal 100km zurück muss.
    Während wieder meine Sachen durchsucht werden, „plaudern“ wir noch ein wenig. Er möchte wissen, wie Österreich ist und wie die Situation in Europa so aussieht.

    Klarerweise muss ich auch wieder an den Militärkontrollen halten, Koffer durchsuchen, Fragen über mich ergehen lassen. Mittlerweile kann ich auf spanisch schon sehr gut erklären, wo mein Problem liegt.

    An der Zollstelle wird noch mal überprüft, ob die Papiere mit dem Fahrzeug übereinstimmen und ich erhalte eine Bestätigung. Ein Beamter eskortiert mich mit einem Fahrzeug noch ein paar Kilometer Richtung Tapachula, bevor wir kurz anhalten und er mir die Papiere aushändigt. Damit ich auch wirklich wieder auf der Autobahn Richtung Guatemala bin.

    Wieder in der Nähe von Tapachula, geht es schon auf 15:00 Uhr zu. Ich bin schon etwas k.o., auf meinen Knien und Unterschenkeln beginnt sich ein Sonnenbrand abzuzeichnen und mein Ziel liegt noch 300 km entfernt. Ich habe keinen Plan B für ein näheres Ziel, und da es sowieso bald wieder zu regnen beginnt, beschließe ich eine weitere Nacht in Tapachula zu bleiben.

    Meine letzten Pesos, habe ich heute Morgen bei der Abfahrt in Treibstoff investiert. Ich checke wieder im Hotel ein wo ich mit Kreditkarte zahlen kann und schaffe es gerade noch in einer Wechselstube weitere 20USD in Pesos zu tauschen, damit ich nicht hungern muss.

    Morgen auf ein Neues, die Ausreise dürfte ja jetzt kein Problem mehr sein. Und wie es bei der Einreise vor sich geht, habe ich ja zum Teil ja auch schon durchgemacht. Aber gespannt bin ich trotzdem etwas, weil ich schon den Stempel im Pass habe. Offiziell bin ich ja schon in Guatemala.

    Und jetzt zu den Leuten, die versucht haben, mich von der Straße zu holen. Gestern habe ich noch ein wenig im Internet gesurft. Ich wollte mir noch ein paar Informationen zur Einreise nach Guatemala holen. Auf einem Blog von einem anderen Reisenden habe ich dann gelesen, dass es sich um Keiler handelt, die mit unwissenden Touristen Geld verdienen wollen.

    Mit dem Vorwand bei den Grenzformalitäten zu helfen, zu übersetzen und dass man irgendwelche Papiere benötigt. Fast aggressiv laufen sie auf die Straße, pfeifen und deuten mit den Händen, dass man stehen bleiben soll. Auf eine Weise, als wäre irgendetwas passiert. Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich hier schon etwas eingeschüchtert fühlen.

    Bewaffnet mit der Information vom Blog fahre ich zügig durch. Auf keinen Fall stehen bleiben. Wenn man mal von ein paar Leuten umringt ist, ist es schwerer wieder rauszukommen.
    Vom gleichen Schlag war der Motorradfahrer, der mir auf dem Weg zum anderen Grenzübergang nachgefahren ist. Wenn mich morgen wieder jemand aufhalten möchte, vielleicht bleibe ich kurz stehen, wenn ich mir der Situation sicher bin, und frage nach, wobei man mir helfen möchte.

    Bei der Ausreise aus Mexiko fallen keine weiteren Kosten an. Man benötigt auch keine Hilfe oder irgendwelche Übersetzungen von irgendjemand.
    Alles, was man benötigt, sind die Dokumente, die man bei der Einreise erhalten hat. Das Fahrzeug muss bloß an einer Zollstation wieder abgemeldet werden. Was leider bei mir etwa 100km Inlands war.
    An den Grenzstationen stehen sogar Schilder, dass man bestraft wird, wenn man versucht die Beamten zu bestechen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.