Schlagwort: Grenze

  • Bolivien

    Bolivien

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    06.02.

    Ein neues Land auf meiner Reise. Wir überqueren die Grenze bei Villazón. Am Grenzübergang ist die Hölle los. Scharenweise werden die Leute mit Bussen angekarrt. Lange Schlangen stehen an den Schaltern. Personen, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, werden zum Glück schneller abgefertigt.

    Wir sind an diesem Tag schon lange unterwegs, der späte Nachmittag ist angebrochen. In Villazón versuchen wir, Geld aus den Automaten zu bekommen. Was nicht wirklich funktioniert. Also entscheiden wir weiter zu unserem Ziel, Tupiza, zu fahren und es dort zu versuchen. Wenige km hinter der Stadt, werden wir bei einer Mautstation angehalten. USD werden nicht akzeptiert. Also zurück ins Dorf. Kein bolivianisches Geld in der Tasche, müssen wir im schlimmsten Fall wieder umkehren und nach Argentinien zurück. Wir finden dann doch noch einen Bankomaten, der Bolivianische Bolivar und auch USD ausspuckt.

    07.02.

    In Tupiza treffen wir im Hotel erneut auf einen Steve (Stephen). Diesmal nicht aus den Staaten, sondern aus Kanada. Er ist für ein paar Monate in Südamerika unterwegs. Für uns gut, wir müssen uns nicht viele Namen merken.
    Von Steve erfahren wir, dass die Strecke von Tupiza nach Uyuni nicht sehr gut ist. Die letzten Tage hat es geregnet. Steve hat von jemandem erfahren, der die Strecke mit dem Bus genommen hat, dass sie anstatt der 6 Stunden, für 14 Stunden unterwegs waren und die Leute teilweise schieben mussten. Aufgrund meines Problems mit dem Kühler bleiben wir von nun an auf sicheren Strecken, entscheiden gemeinsam mit Steve nach Potosi zu fahren und dann von dort die asphaltierte Strecke nach Uyuni zu nehmen.

    Die Strecke nach Potosi ist ziemlich gut ausgebaut und wir gleiten gemütlich dahin. Wir sind auf etwa 3.500m Seehöhe unterwegs. Es ist erstaunlich warm und das Wetter ist mit uns. Nur an den Bergen hängen oft dichte schwarze Wolken. Etwa 40 km vor Potosi sehe ich auf meinem GPS Gerät, dass es uns mitten in eines dieser schwarzen Löcher hineinzieht. Ich habe bloß gehofft, dass wir trocken ankommen. 25km vor Potosi sind wir mit einem Schlag mittendrin. Binnen weniger Sekunden gibt es einen Temperatursturz von etwa 25 Grad C auf etwa 5 Grad C. Es hagelt, es friert in den Fingern, das Visier beschlägt. Ich zähle jeden einzelnen Kilometer runter.
    Es ist ein eigenartiges Schauspiel, in die Stadt zu fahren .. dunkel und bedrückend. Kurz vor Potosí befindet sich der Cerro Rico, in dem vorwiegend Silber abgebaut wird. Die dicken, schwer beladenen LKWs der Minengesellschaften verdrecken den Weg und fahren langsam auf der kurvigen Straße den Berg hinab. Durch ein Labyrinth von Straßen geht es in das Stadtzentrum, sie sind mit Autos verstopft und ein Gewusel an Leuten, alles was Beine hat, scheint unterwegs zu sein.

    Am Abend gehen wir aus, um Abend zu essen. Auf dem Hauptplatz bewerfen sich die Kinder mit Wasserballons. Wie wir erfahren, hat dies mit dem Karneval zu tun und scheint eine Tradition zu sein. Die Kinder veranstalten regelrecht einen Krieg, gruppenweise mit Angriff und Gegenangriff. Eine Verkäuferin verscherbelt aus einer Tonne raus scharenweise die Wasserballons an die Kinder.

    08.02.

    Am Vormittag spazieren Andi und ich etwas durch die Straßen. Wir geraten in einen riesigen Markt, der sich über mehrere Straßenblöcke erstreckt, Norden – Süden, Osten – Westen. Man findet alles. Auf einer Strecke von mehreren hundert Metern verkaufen die Leute in ihren kleinen Ständen Obst, Gemüse, Fleisch. Es gibt Nahrung in Überfülle. Dazwischen gibt es immer wieder Buden, wo gekocht wird. In einer dieser Stände essen auch wir etwas. Hühnchen, Bohnen irgendwas, Nudeln, Tomatensalat.
    Über Zunge, von welchem Tier auch immer, haben wir uns nicht drüber getraut.

    Potosi hat eine lange Geschichte im Silberabbau. Das Casa Real de la Moneda, das Münzmuseum, ist eines der interessantesten Museen, das ich besucht habe. Hier erfährt man viel über die Geschichte der Münzprägung in ganz Amerika. Angefangen von der Prägung mit Hammer und Siegel, bis hin zur elektrisch betriebenen Maschine. Ausgestellt sind verschiedenste Apparate, die für die Herstellung von Münzen verwendet wurden. Im Museum sind drei riesige Holzapparaturen – aus Frankreich – zum Pressen von Silber ausgestellt, die von Eseln oder Sklaven (was jedoch verschwiegen wird) angetrieben wurden.
    In Südamerika haben die Spanier in verschiedenen Ländern gleiche Münzen hergestellt. Zur Unterscheidung, wo die Münzen geprägt wurden, haben sie Jahreszahl und eine Ortsprägung erhalten. Im Fall von Potosi waren es die Buchstaben PTSi, die übereinander gelegt wurden.
    Wie uns die Dame, die die Führung macht, erzählt, sind aus den Buchstaben S und i das Dollar bzw. Peso Zeichen $ entstanden.

    09.02.

    Am Abend zuvor ist Mike aus den Staaten zu uns gestoßen. Er ist knapp 30 Jahre und war ein paar Jahre bei der Army, davon ein Jahr in Afghanistan. Steve, Mike, Andi und ich fahren gemeinsam weiter nach Uyuni.
    Von Potosi nähert man sich Uyuni von einem Berg. Das Tal ist endlos. Auf der großen Ebene wirkt die Stadt Uyuni winzig klein. Wolken entleeren sich in riesigen Vorhängen aus Wasser in der weiten Ebene, hin und wieder fahren Blitze  zur Erde hinab. Und wieder stehe ich da und kann mich nicht satt sehen, an dem Schauspiel, das geboten wird.

    In Uyuni wird unsere Gruppe erneut größer. Vor unserem Hotel begegnen wir Taylor aus Seattle, der mit seiner 650er GS unterwegs ist. Er ist bereits seit ungefähr 5 Monaten unterwegs und hat knapp noch drei Wochen vor sich.

    10.02.

    Die Fahrt mit dem Motorrad auf dem Salzsee ist nicht möglich – wäre schon möglich, aber wir entscheiden uns dagegen, da im Moment Regenzeit und der See mit Wasser bedeckt ist. Es sind meist nur wenige Zentimeter. Wir mieten am Vormittag einen Jeep bei einer Tour-Organisation und fahren hinaus. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Etwas weiter draußen auf dem See, scheinen See und Himmel ineinander überzugehen. Die Spiegelungen vermitteln den Eindruck, als würde man in der Luft schweben.
    Von Wikipedia her ist ja bekannt, dass sich unter der Salzkruste ein See befindet. Nur war uns nicht bewusst, dass die Salzkruste kaum dicker als 10cm ist. Wir sind weit vom Ufer entfernt, als wir ein Loch bemerken und somit die Dicke der Salzkruste sehen. Und nachdem wir das erste Loch gesehen haben, nehmen wir auch all die anderen unzähligen kleineren und größeren Löcher wahr. Unser Fahrer erzählt, dass hin und wieder Fahrzeuge einbrechen, aber ihm ist das noch nicht passiert.

    Steve verlässt uns und fährt in Bolivien weiter nach Norden. Taylor, Mike, Andi und ich fahren von Uyuni auf der Ruta 5 weiter Richtung Chile. Das Ziel ist die Grenzstadt in Chile. Die Straße ist sehr ruppig. Irgendwo verliere ich meine Seitenverkleidung, die ich hinten auf meiner Tasche festgemacht habe –  anscheinend nicht fest genug. Ich habe sie nicht montiert, weil ich dauernd Wasser in meinen Kühler füllen muss. Ich fahre zurück und finde sie wieder. Ich muss die Seitenverkleidung wohl eine Weile hinter mir her geschleift  haben. Sie ist nicht mehr zu gebrauchen und ich lasse sie liegen. Zu guter Letzt fällt mir auch noch das BMW Emblem auf der anderen Seite ab.
    Ich hatte keine Probleme mit meinem Motorrad, bis ich nach Patagonien gekommen bin. Es ist wahrlich eine raue und ruppige Gegend. Mein Motorrad scheint in alle Einzelteile zu zerfallen.
    Kurz vor der Grenze zu Chile stürzt Taylor auf einer sandigen Stelle. Ich habe das ganze nicht mitbekommen, weil ich die Führungsposition hatte und Taylor an dritter Stelle war. Ich war etwas voraus und dachte zuerst, sie sind stehen geblieben, um Fotos von der wunderschönen Landschaft zu machen. Als ich sie dann wild herumlaufen sah, wurde mir bewusst, dass etwas nicht stimmt. Taylor ist zum Glück nichts passiert. Aber die linke Seite seines Motorrades wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Seinen Koffer hat es zerrissen. Das Armaturenbrett ist verschoben, Blinker, Windschutz, Spiegel … alles hinüber. Aber das Motorrad fährt. Was für ein Glück.

    Wir übernachten in der Grenzstadt. Die Stadt macht den Eindruck eines Outposts, einer alten Westernstadt. Früher haben hier mal Züge angehalten. Aber der Bahnhof gleicht einem Friedhof. Die Gebäude sehen heruntergekommen aus. Überraschenderweise sind sie innen aber alle sehr lieb ausgestattet. Wir haben nur bolivianisches Geld. Spät am Abend und weit entfernt vom nächsten Bankomaten, weiß die Dame im Hostal das zu nutzen und zieht uns das Geld aus der Tasche.

    11.02. / 13.02.

    Grenze – Antofagasta – Caldera – La Serena
    Erneut geht es ein Stück und wieder viele, viele Kilometer durch die Atacama. Auf eine gewisse Art mag ich sie und zugleich „hasse“ ich sie, diese endlose Wüste.

    13.02. – 15.02.Ein Zwischenstopp in La Serena. Das Wochenende naht, so lässt sich, was meinen Kühler betrifft, wenig ausrichten. Wir entscheiden uns zu bleiben und am Sonntag die letzten Kilometer nach Santiago zu fahren. Mein Kühler leckt mittlerweile sehr, die Klebemasse weicht langsam auf. Jeden Tag muss ich mehr und mehr Wasser nachfüllen. Es sind beinahe 1/2 Liter.
    Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit Taylor und Mike sitzen Andi und ich im Hostel noch lange Zeit mit anderen Gästen zusammen.
    Ich habe es bereits mehrmals erwähnt, es gibt Hostels, da fühlt man sich äußerst wohl. Dieses hier ist ein Wohnhaus auf einem großen Grundstück, in dem, ich glaube, maximal 20 Betten vermietet werden. Ein paar im Haus, der Rest in Bungalows. Große Palmen stehen im Garten, freundliche Betreiber .. ein Platz zum Verweilen. Es ist so, als würde man „Zu Hause“ sein.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Panama (de)

    Panama (de)

    23.09. – 24.09.

    Grenzübertritt Nummer 8 auf meiner Reise. Ich bin ca. 11 Wochen unterwegs, kein schlechter Schnitt. Schon in San Jose hat mich ein Gast im Hostel darauf aufmerksam gemacht, dass die Grenzbeamten bei der Einreise nach Panama 500 USD in bar sehen möchten. Warum auch immer. Ich habe bereits in San Jose genug USD abgehoben, damit ich den Transport des Motorrades bezahlen kann. Ich öffne die Geldbörse und lasse die 20$ Scheine durch meine Finger gleiten. Der Beamte ist zufrieden und stempelt meinen Pass ab.

    Es sind zwei Stopps bis nach Panama City – David und Chitré. Chitré hat den Scharm einer Kakerlake .. und es ist schwül. Alleine beim Sitzen am Balkon rinnt mir Schweiß in Strömen runter. Ich übernachte in Mikes Hostel. Als ich mir Tage zuvor die Homepage angesehen habe, dachte ich: Sieht ziemlich gut aus. Aber die Fotos sind wohl vom Tag der Eröffnung. Das Hostel ist ziemlich abgewohnt. Mike ist ein gutmütiger, dickerer Amerikaner Ende 40. Er wandert zwischen der Couch hinter der Rezeption, auf der er immer wieder Nickerchen hält und die auch sein Bett ist und seinem Laptop und dem Stuhl auf dem Balkon hin und her. Ich hole mir eine Kleinigkeit zu essen und danach ein paar Dosen Bier in einem kleinen Supermarkt. Da das Rumlaufen sowieso unmöglich ist, setze ich mich zu Mike auf den Balkon. Ich spendiere ihm ein Bier und höre mir seine Geschichte an.

    Gorge W. Bush hat ihn hier runter nach Panama getrieben. Bush hat einen Krieg angezettelt, die USA an den Abgrund geführt und seine Freunde reich gemacht. Mike erzählt von seltsamen Gästen. Zwischendurch zeigt er auf vorbeigehende Personen und erzählt mir, was sie beruflich machen. Er ist vor fünf Jahren nach Panama gekommen und hat das Hostel eröffnet. Er möchte längstens noch ein Jahr bleiben, jemanden anstellen, der das Hostel führt und weiter ziehen. Er denkt noch darüber nach, wie er es anstellen kann, dass der Mitarbeiter ehrlich die Gästeanzahl einträgt und nicht in die eigene Tasche wirtschaftet.
    Im Hostel sind auch noch drei einheimische Jugendliche mit einem Baby, zwei Jungen und ein Mädchen. Mike erzählt mir dass sie gestern die ganze Nacht gefeiert haben und für heute noch nicht für die Nacht bezahlt haben. Er hat nicht gesehen, dass sie gegessen haben. Mike macht sich Sorgen um das Baby und holt Milch vom Imbissladen unter dem Hostel. Anscheinend haben sie kein Geld. Sie warten darauf, dass irgendein Verwandter welches vorbei bringt. Irgendwann später am Abend, nach einem weiteren Nickerchen, entdeckt Mike, dass sie das Hostel verlassen haben. Einer der Jugendlichen hat sein Handy gegen die Wand geschmissen. Es liegt in mehreren Stücken im Zimmer verteilt auf dem Boden. Mike ist froh, dass sie weg sind.

    25.09. – 28.09.

    Panama City hat sich sehr verändert, seit ich vor mehr als 10 Jahren hier war. Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Vieles ist neu, in der ganzen Stadt wird gebaut. Banken, Banken, Banken. An jeder Ecke. Scheint wohl sowas wie ein Finanzplatz zu sein. Die Altstadt sehe ich nur nachts, wenn wir um die Häuser ziehen.

    Am Freitag fahre ich zum Frachtterminal am Flughafen und gebe das Motorrad ab. Es ist ziemlich leicht. Ein wenig Papierarbeit, Batterie abklemmen und Spiegel abschrauben, 902$ löhnen und die Sache ist erledigt. Ich kann das Motorrad am Montag in Bogota abholen.

    Die Tage in Panama sind fantastisch. Auch hier sehe ich (leider) nicht sehr viel von der Stadt. Die Zeit wird hauptsächlich mit Sozialisierung verbracht. Sehr nette Leute aus aller Herren Länder sind im Hostel, wir trinken, gehen aus und haben Spaß.

    Die Motorradfahrer werden mehr. Schon in Chitré hat mir Mike gesagt, dass vor wenigen Tagen einer vorbeigekommen ist.
    Auch im Frachtterminal stehen zwei Motorräder, die bereits in Plastik gepackt sind. Und hier in Panama macht ein Deutscher, Tobias, im Hostel Halt – der Typ, den Mike in Chitré erwähnt hat. Er ist schon etwa 1 1/2 Jahre unterwegs und hat keinen Zeitplan. Er erzählt mir, dass er mit dem Schiff übersetzt und dass er darum „kämpfen“ hat müssen, dass sie ihn noch mitnehmen, weil das Boot bereits mit 18 Motorrädern voll ist. Ich bin überzeugt, dass ich schon bald wieder mit jemand anderem unterwegs sein werde.

    Südamerika, ich komme! Und ich freue mich schon riesig.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Costa Rica (de)

    Costa Rica (de)

    17.09. – 22.09.

    Die Einreise nach Costa Rica dauert etwas länger, aber wiederum keine Probleme. Kurz hinter der Grenze bleiben wir bei einem Restaurant stehen und essen eine Kleinigkeit. Hier trennen sich unsere Wege. Ich verabschiede mich von Renate und Bart und fahre alleine nach San José weiter.

    Danke, Renate und Bart, dass ich euch für ein paar Tage begleiten durfte. Es war eine abenteuerliche und eine sehr nette Zeit mit euch.

    Durch strömenden Regen komme ich in der Dunkelheit in San Jose an. Ich habe vier Nächte bzw. drei Tage in San Jose geplant.

    Für Sightseeing ist keine Zeit. Es gilt das Service am Motorrad machen zu lassen, jemanden zu finden, der sich meinen Laptop ansieht und eventuell repariert und von Bank zu Bank zu laufen, wo ich USD abheben kann. Das Service dauert 2 Tage. Mein Laptop wird repariert und ich finde eine Bank, an der ich genug USD abheben kann, um mein Motorrad nach Südamerika transportieren zu lassen. Eigentlich könnte ich abfahren, aber im Hostel, Casa Yoses, ist es großartig. Coole Mitarbeiter, nicht viele, aber ebenso coole Gäste. Ein wenig feiern mit Wein und Bier. Am Ende habe ich noch zwei weitere Tage angehängt, die ich damit verbringe, meinen Blog zu aktualisieren. Es war eine nette Zeit mit Mary-Ann aus Belgien, die für einen Monat Thai-Massage Unterricht in San Jose nimmt, mit Maurice, Liam, Lucas (ich weiss nicht, ob ich die Namen richtig geschrieben habe), die im Hostel arbeiten, mit dem älteren Amerikaner und wie sie noch alle geheißen haben.

    Der Eigentümer des Hostels hat irgendwie mit der Costa Ricanischen Rugby Nationalmannschaft zu tun. Einer der Spieler, oder was auch immer, hat manchmal den Nachtdienst im Hostel. An einem der Tage haben sie im Restaurant gleich neben dem Hostel eine Besprechung nach dem Training. Ich geselle mich auf ein Bier zu ihnen. Die Nationalmannschaft besteht nur aus zwei Costa Ricanern, der Rest kommt aus verschiedenen Ländern aus Nord und Südamerika, der Trainer ist aus Peru. Einer möchte dann sogar mein Motorrad sehen. Yay! 🙂

    Von San Jose sehe ich so gut wie gar nichts. Mein Sightseeing beschränkt sich auf die Fahrt von und zum BMW Händler, der etwa 8 km vom Hostel entfernt ist und auf die Fahrt zur Bank, die gleich um die Ecke beim BMW Händler ist.

    Meine erste sinnvolle Unterhaltung auf spanisch findet mit dem Taxifahrer statt, der mich vom BMW Händler zum Hostel fährt. Er redet mit mir, wie mit einem Kleinkind, langsam und deutlich. Ist natürlich an meiner Reise interessiert.

    Am 22.09. fahre ich ab. 5 Tage, so lange bin ich noch nie an einem Platz geblieben. Aber das kann passieren, wenn man sich wohl fühlt und in eine Gemeinschaft aufgenommen wird.

    Ich bin zeitig wach. Meinen Plan, noch eine Nacht in Costa Rica zu verbringen, verwerfe ich kurzfristig und entscheide, die knapp 400 km bis nach David in Panama an einem Tag hinter mich zu bringen.

    Es geht auf dem Pan American Highway weiter. Verdammt nochmal, die Straße geht zeitweise auf 3.500 m hoch. Auf das war ich nicht vorbereitet. Meine warmen Sachen sind tief in meiner Tasche verstaut. Ich friere beinahe am Motorrad fest. Zum Auspacken bin ich zu faul. Warum auch, ein paar Kilometer weiter, wieder an der Küste, herrschen 32 Grad und eine immense Luftfeuchtigkeit.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Nicaragua, korrupte Polizei

    Nicaragua, korrupte Polizei

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    14.09. – 16.09.

    Die Ausreise aus Honduras und die Einreise in Nicaragua dauert wie immer etwas länger. Aber auch hier gibt es keine Schwierigkeiten. Auch hier sind sofort die Helfer zur Stelle. Aber wenn wir ihnen erzählen, dass wir durch Mittelamerika gereist sind und schon wissen, wie der Ablauf ist, lassen sie uns in Ruhe. Er ist sowieso immer gleich. Zuerst zur Passkontrolle Reisepass abstempeln, dann zum Zoll Motorrad abmelden, zur Passkontrolle im neuen Land, zum Zoll das Motorrad anmelden. Zu unserer Überraschung werden in Nicaragua keine Kopien benötigt. An der Grenze kaufen wir auch gleich die notwendige Versicherung für umgerechnet 10 EUR. Im Gegensatz zu den anderen Ländern ist hier nur Geld für die Desinfektion und für das Visum zu bezahlen. Die Einfuhr des Motorrads kostet nichts.

    Unser heutiges Ziel wäre León. Aber so weit schaffen wir es nicht. In Chinandega überfährt Bart eine Sperrlinie in einer Ortschaft und wird aufgehalten. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden noch keine Führerscheinkopien. Es wird eine Weile diskutiert, doch der Beamte stellt einen Strafzettel aus und kassiert den Führerschein ein. Der Ablauf ist hier wie folgt. Der Führerschein wird einkassiert, man bezahlt das Ticket bei einer Bank und erhält seinen Führerschein wieder zurück. Nur, heute ist Samstag Nachmittag und bis inkl. Montag sind Feiertage. Der nächste mögliche Termin ist also Dienstag. Bis Dienstag in einer sehr unsympathischen Stadt festsitzen? Für mich eher weniger ein Problem, ich hätte weiterfahren können. Bart und Renate fahren zur Polizeistation und versuchen das zu regeln.

    Ich warte und behalte den Beamten mit dem Führerschein im Auge. Der fährt aber nach einiger Zeit ab. Nach gut 1 1/2h kommt Bart mit einem Einheimischen auf dem Sozius zurück und hat seinen Führerschein wieder. Ein Englischlehrer, der eine ranghohe Polizeibeamtin im Bezirk unterrichtet. Mit seiner Hilfe hat die Polizeibeamtin Anweisungen gegeben, dass Bart bezahlen kann und seinen Führerschein zurückerhält.

    Da es bereits 17 Uhr ist und sich Bart mit einem Bier bei dem Englischlehrer, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, nennen wir in K., bedanken möchte, beschließen wir in Chinandega zu bleiben. K kommt nicht, wie vereinbart, zum Hotel. Wir warten noch eine Weile und suchen dann einen Platz zum Essen. Auf dem Hauptplatz setzen wir uns in ein Lokal und trinken gemütlich ein Bier, als K mit einem Jugendlichen auftaucht, von dem wir zuerst glauben, dass es sein Sohn ist. Er hat uns gesucht und freut sich … . Bart bezahlt den beiden ein Bier und ein Erfrischungsgetränk. Bis jetzt ist noch alles in Ordnung, aber der unerfreuliche Teil soll bald beginnen.

    Heute wird ein großer Boxkampf im Fernsehen übertragen. K. meint, er kann uns zu einem Lokal bringen, wo wir uns unter die Einheimischen mischen können und den Boxkampf auf einem großen Schirm verfolgen können. Gut, keine schlechte Idee. Wir laufen zuerst noch durch die Stadt, weil er eine Schule verschließen muss und fahren dann mit dem Taxi durch die Gegend. Es stellt sich heraus, dass der Jugendliche nicht sein Sohn, sondern ein Student und Freund von K ist. Das Lokal stellt sich als Diskothek heraus. Ich übernehme die Taxikosten, Bart den Eintritt für die beiden. Ich denke mir: Ok, ich bin mal gespannt, wie weit das noch geht.

    Drinnen fängt K mit vorgehaltener Hand mit dem Kellner zu sprechen an. Ab diesem Zeitpunkt wird mir die Sache suspekt. Es wird ein gemischter großer Teller zum Essen bestellt. Die Biere kommen im 30 Minutentakt automatisch auf den Tisch. Weder mir noch den anderen gefällt das Lokal und wir entscheiden uns zu gehen, als eine zweite Platte mit Essen serviert wird. Nix da, die Rechnung bitte. Auf einem Wisch Papier steht ein Betrag, der, wenn man auch nur ein wenig Kopfrechnen kann, viel zu hoch ist. Nach einer Beschwerde erhalten wir eine Rechnung, die um über 40% niedriger ist. Es geht zurück zum Hotel. Nachdem wir K und seinen Studenten den ganzen Abend durchgebracht haben, verlangt er am Schluss auch noch etwas Trinkgeld. Bart gibt im 100 von dem Nicaraguanischen Geld. Die Ankunft in Nicaragua hat schon mal einen negativen Eindruck hinterlassen.

    Wir fahren weiter nach Granada. Kurz vor Managua werden wir wieder auf die Seite gewunken. Dieses Mal ist es reine Korruption. Wir werden von drei Beamten aufgehalten und mit einem fadenscheinigen Vergehen angeklagt. Zuerst sagen sie, man muss mindestens drei Fahrzeuglängen Abstand halten, später war es eine Geschwindigkeitsübertretung. Wir wurden auch schon ein paar Mal in Honduras aufgehalten. Dort hat es sich aber nur um eine Überprüfung gehandelt. Ich zeige seit Honduras bei Kontrollen nur mehr die laminierte Führerscheinkopie her. Die erkennen den Unterschied nicht. Wie auch immer, wir werden jeder mit 2.000 Cordoba / ca. 75 EUR Strafe für nichts belegt. Der Unterschied ist diesmal, der Betrag wird auf einem weißen Ticket ausgestellt. Wir diskutieren. Jeder redet durcheinander. Bart ist wütend. Ich merke, einer der Beamten möchte einen Vorschlag machen. Bart fällt ihm immer wieder ins Wort. Bart schlägt vor: Wir lassen auf keinen Fall alle drei Führerscheine hier. Wir reisen in einer Gruppe. Ihr (die Polizei) behält einen Führerschein (meine Kopie), somit können wir nicht ausreisen. Renate und Bart nehmen ihren Führerschein an sich und wir sind fast schon bereit abzufahren, als ein Einheimischer, Eduardo, mit seinem Auto stehen bleibt und auf englisch fragt, ob er uns helfen kann. Ja! Renate hat ihr Ticket bereits in der Jacke verstaut. Einer der Polizisten versteckt sofort die beiden anderen Tickets. Es ist offensichtlich klar, dass hier etwas nicht stimmt. Eduardo diskutiert eine Weile mit den Polizisten und auch ich erhalte meinen „Führerschein“ zurück und Renate muss ihr Ticket zurückgeben. Bart findet später im Internet heraus, dass die gelben Tickets offiziell sind und dagegen kaum etwas auszurichten ist und dass die weißen Zetteln keine Gültigkeit haben. Es war also definitiv der Versuch, uns Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Wir verbringen zwei Nächte in Grenada. Grenada hat ein gut gepflegtes historisches Zentrum, rundherum sieht es zum Teil nicht so toll aus, Abwässer werden in den See geleitet. Renate und Bart lassen sich am fahr-freien Tag Kopien ihrer Führerscheine anfertigen, was sich schon am nächsten Tag rechnet.

    Am Tag der Abreise holen wir unsere Motorräder von der Feuerwache, wo wir sie gegen einen kleinen Betrag sicher unterstellen durften. Wir sind etwa 400-500m ohne Helm von der Feuerwache zum Hotel unterwegs. Prompt werden wir auch aufgehalten. Diskutieren bringt nichts. Es sind zwar nur 7,5 EUR aber es wird mühsam. Ich möchte bezahlen, weil ich nicht weiß, ob es ein System gibt, dass bis an die Grenze oder über einen längeren Zeitraum hinaus reicht und ich ja nochmal zurück komme. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Bart schlägt vor: Wenn wir die Kopien zurücklassen und wir werden nochmal aufgehalten, haben wir keine Probleme mehr. Die Führerscheine sind schon weg, und zur Grenze nach Costa Rica sind es bloß hundert Kilometer. Es kann sich höchstens die Strafe erhöhen. Das gelbe Ticket gilt für ein paar Tage als Führerschein Ersatz. Wir erzählen den Beamten, dass wir die Motorräder zum Hotel stellen, dann zur Bank gehen und in etwa 20 Minuten wieder zurück sind. Beim Hostel bepacken die Motorräder, lassen die erste Führerscheinkopie zurück und fahren Richtung Grenze. Ich frage mich, wie lange es gedauert hat, bis der Beamte Verdacht geschöpft hat. Als an der Grenze der letzte Stempel auf die Fahrzeugdokumente kommt sind wir froh, dass wir raus sind aus Nicaragua.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Honduras, Off-Road

    Honduras, Off-Road

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    10.09. – 14.09.

    Ich verlasse Monterrico frühzeitig und mache mich auf den Weg Richtung Honduras, mit dem Tagesziel Copán Ruinas, gleich hinter der Grenze. Eine weite Strecke liegt vor mir. Aber es geht gut voran. Etwa 80 km vor der Grenze sehe ich zwei BMW Motorräder am Straßenrand stehen. Es ist das erste Mal seit meiner Abreise, dass ich andere sehe, die ebenfalls wie ich Richtung Süden unterwegs sind. Ich bremse mich sofort ein. Es sind Renate und Bart aus Holland, ein sehr nettes Pärchen, die auch Richtung Südamerika unterwegs sind. Wir beschließen, gemeinsam weiter zu fahren.
    An der Grenze zu Honduras gibt es überraschenderweise keine Helfer. Zur Erinnerung, die „Helfer“ sind Personen, die einen an der Grenze begleiten und sagen: Lauf hierhin und dahin und am Ende wollen sie etwas Geld. Aber helfen tun sie nicht wirklich.
    Wir benötigen etwa zwei Stunden, um die drei Motorräder über die Grenze zu bringen. Wieder von A nach B laufen und einen Haufen Kopien machen lassen. Viele Daten werden per Hand erfasst und in den Pass geschrieben. Bei den Abläufen an den Zentralamerikanischen Grenzen gibt es noch viel Verbesserungspotential, aber erneut kann ich überhaupt nichts Negatives sagen. Wir wechseln Geld, bezahlen die Einfuhrgebühren und sind in wenigen Minuten in Copan Ruinas.

    Dort halten wir vor dem Hotel/Hostel/Restaurant/Bar ViaVia. Eine belgische Kette. Das Hotel wird von einem äußerst freundlichen und hilfreichen Belgier geführt. Er ist selbst Motorradfahrer und weiß so gut wie alles über Zentralamerika, gibt uns Tipps, welche Orte wir besuchen sollen, worauf wir achten sollen, wo es BMW Händler gibt und welche Straßen wir nehmen sollen.
    Er gibt uns auch Unterricht, wie man hier richtig Polizisten besticht.
    In der Regel ist es so, dass bei einem Vergehen der Führerschein einbehalten wird. Die Strafe wird bei der Bank bezahlt. Wenn die Strafe bezahlt ist, erhält man den Führerschein wieder zurück. Bloß als Reisender hat man nicht die Zeit für solche Sachen. Man soll nie einen direkten Bestechungsversuch machen. Erst mal lange genug diskutieren und streiten. Dann damit argumentieren, dass man keine Zeit hat und weiter muss und fragen, ob es keinen anderen Weg gibt. Den Beamten fragen, ob es möglich ist, ihm das Geld zu geben und er bezahlt die Strafe bei der Bank ein. Und dann hoffen, dass der Beamte darauf einsteigt.

    Wir bleiben zwei Nächte in Copán Ruinas und feiern etwas in der ViaVia Bar. Ich bin froh, dass ich nach so langer Zeit gleichgesinnte Personen treffe, mit denen ich mich unterhalten kann. Unser Zeitplan bis Costa Rica ist ungefähr gleich und so reisen wir für die nächsten Tage gemeinsam.

    Am nächsten Tag steht Sightseeing auf dem Plan. Copán war einst eine bedeutende Stadt der Maya. Mit einem kleinen TukTuk Taxi geht es zu den Ruinen. Wir drei passen kaum auf den Rücksitz. Die Fahrt auf den steinigen, steilen Straßen zu den Ruinen ist ein Abenteuer für sich. Mehrmals befürchte ich, wir müssen aussteigen und schieben oder fallen ganz einfach um.
    Die Ruinen sind weitläufig in einem grünen Tal, die alten Gemäuer mit Bäumen überwuchert.

    12.09.

    Wir fahren weiter nach La Esperanza, die letzten 30 Kilometer geht es Off-Road durch die Gegend. Mein erster wirklicher Off-Road Einsatz. Zeitweise ist es für mich als Neuling ziemlich anspruchsvoll. Aber ich komme heil an.

    Als wir am nächsten Tag beim Frühstück sitzen, hören wir Trommelgeräusche und Musik. Bart sieht nach. Es handelt sich um eine Parade von Kindern. Vielleicht Schulanfang, ich kann es nicht sagen. Anscheinend sind aus der ganzen Gegend die Schulen in La Esperanza zusammengekommen. Die unterschiedlichen Schulen haben unterschiedliche Motive. Die Kinder sind verkleidet, tanzen durch die Gegend. Zum Teil kommt es mir auch so vor, als hätten die Kinder keine Ahnung, wofür der ganze Humbug gut ist. Manchmal sehen sie müde und gedankenverloren durch die Gegend.

    Wir fahren ab. Der erste Teil der Strecke ist wieder Off-Road. Anfangs fahren wir auf einer erdigen Straße. Wir gelangen an eine sehr schlammige Stelle. Es gibt nur eine Spur. Bart fährt vor, Renate wartet, bis er durch ist. Ich bin ganz hinten. Nach Bart startet Renate, um die schlammige Stelle zu überwinden. Als sie mittendrin ist, kommt von der anderen Seite ein Kleinbus und quält sich schleudernd den Berg hoch. Ich frage mich nur: Warum? Der Typ hat doch gesehen, dass es nur eine Spur gibt und Renate schon mittendrin ist. Der Bus steckt und Renate kann auch nicht vorbei. Sie stellt den Motor ab. Es wird gewartet. Hinter mir und auch von der anderen Seite nähern sich weitere Fahrzeuge. Für ein paar Minuten passiert gar nichts. Es wäre nicht so schwer, Renate ein Stück zurückzuziehen, aber wozu? Der Busfahrer hat sich reingedrängt. Doch der sitzt bockend in seinem Fahrzeug. Letztendlich ziehen wir mit der Unterstützung von ein paar Einheimischen das Motorrad von Renate ein Stück zurück, damit der Bus vorbei kann.

    Die Straße wird steiniger. Irgendwann passiert es. Ich falle. Mein linker Koffer wird von der Halterung gerissen und sieht ziemlich mitgenommen und verzogen aus. Das Motorrad hat zum Glück nichts abbekommen. Bart und Renate sind hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ich richte das Motorrad auf. Dann leere ich den Koffer. Mit einem Stein schlage ich von innen auf Wand, um sie etwas auszubeulen. Bart kommt zurück. Ich bekomme den Koffer soweit hin, dass er wieder auf die Halterung passt. Wasserdicht ist er nicht mehr. Auf der Innenseite ist ein kleines Loch. Aber er hält.

    Wieder auf einer asphaltierten Straße machen wir eine kurze Pause. Ein paar Schulkinder gesellen sich zu uns. Wir „unterhalten“ uns eine Weile. Bart lässt die beiden Jungen auf seinem Motorrad sitzen und im Leerlauf Gas geben. Die zwei haben sichtlich Spaß an der Sache.

    In San Lorenzo, am Meer, machen wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Wir fragen bei ein paar nach den Preisen. Zu teuer für das, was geboten wird. Bei einem Hotel beginnen wir zu handeln und drücken den Preis etwas. Es gibt sowieso keine Gäste. Da ist es besser, etwas mit dem Preis runter zu gehen, als überhaupt kein Geschäft zu machen.

    14.09.

    Es ist Samstag und die nächsten drei Tage sind in Zentralamerika Feiertage. Auch in San Lorenzo findet am Vormittag eine Parade statt. Wir sehen nicht mehr ganz so lange zu, wie tags zuvor und fahren Richtung Nicaragua.

    Kurz vor der Grenze werden wir angehalten. Ein einzelner Polizist und ein ganzer Haufen von ‘Helfern’. Er will unsere Papiere sehen. Uns ist die Sache nicht ganz geheuer mit einem Polizisten und den vielen Leuten, die uns umringen und alle auf uns einreden. Wir wollen die Papiere nicht aus der Hand geben. Wir haben danach nochmal darüber gesprochen. Es waren die Helfer, die uns da reingeritten haben, mit den Anmerkungen wir haben keinen Respekt vor der Polizei. Ab einem gewissen Zeitpunkt redet der Polizist nicht mehr mit uns und ruft über Telefon Kollegen. Wir warten. Bart schlägt vor, wir fahren einfach weiter. Ich rate davon ab, weil ich überzeugt bin, das bringt uns in Schwierigkeiten. Ein paar Minuten später kommen zwei andere Polizisten auf einem Motorrad. Die Helfer sind verschwunden. Das Missverständnis klärt sich und wir können weiterfahren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

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    08.09.

    Ich mache mich heute zeitig auf den Weg. Diesmal gleich Richtung Süden nach Hidalgo.
    Bei der Ausreise knöpft mir der Beamte in Mexico 30 USD für das Visum ab. Gesetz ist Gesetz. Ich war tags zuvor ausgereist und bin wieder eingereist. Ich verlange eine Rechnung. Kann er nicht ausstellen, ich kann zu einer Bank gehen und dort zahlen, wenn ich eine Rechnung möchte. Heute ist Sonntag. D.h. die Banken haben geschlossen. Widerwillig zahle ich die Gebühr. Ich bezweifle, dass das Geld in die offizielle Kassa wandert.

    Auf dem Weg zur Grenze ist mir wieder einer mit seinem Motorrad gefolgt. Sobald ich an der guatemaltekischen Grenze bin, gesellt sich aber ein anderer zu mir. Erklärt mir, da musst du hin, dort musst du hin usw. Ich bezahle erneut die 12 Quetzal für die Desinfektion des Motorrads und gehe zur Passkontrolle. Wie erwähnt, bin ich am Vortag nicht korrekt ausgereist. Das kostet 200 Quetzal / ca. 22 EUR Strafe. Steht in 10 verschiedenen Sprachen gleich über der Passkontrolle. Ich versuche zu erklären, dass ich nicht wirklich in Guatemala war. Nutzt nichts. Geld wechseln. Noch dazu zu einem merkbar schlechteren Kurs als gestern. Weil Sonntag ist, oder wie? Ich brauche das Geld, handeln bringt nichts. Ich bezahle die Strafe und erhalte den Einreisestempel. Auch so kann man sein Geld verprassen.

    Weiter zur Fahrzeugregistrierung. Dort lege ich alle Papiere vor. Sie werden begutachtet. Reisepass, Zulassungsschein, Führerschein. Ich habe bereits den Zulassungsschein im Scheckkartenformat. Aber dem wird hier nicht getraut. Zum Glück habe ich auch noch den gelben Schein in Papierformat mit. Der ist zwar schon Mitte Juli abgelaufen, aber hilft hier sehr viel mehr weiter. Die Dame erklärt mir, ich benötige eine Übersetzung von einem Notar. Ich frage warum? Antwort: Das ist einfach so. Wir diskutieren eine Weile. Ich frage, was das kostet. Der Kumpel, der mich die ganze Zeit begleitet, mischt sich ein. Normalerweise 200 bis 300 Quetzal, heute ist Sonntag, da kostet das bestimmt 400 oder mehr. Ich versuche zu erklären, dass ich Informationen eingeholt habe und ich nichts von einer notwendigen Übersetzung weiß. Wir diskutieren noch eine Weile. Dann gebe ich ihr wütend zu verstehen, dass sie mir meine Papiere zurückgeben soll.

    Ich fahre zurück nach Mexiko. Diesmal melde ich mich ordnungsgemäß in Guatemala ab. In 2 Tagen bin ich 3-mal aus Mexiko ausgereist und wieder eingereist. Wieder alles auspacken und durchsuchen lassen. Ich klage der Grenzbeamtin mein Leid. Sie fragt: „Es muy complicado, hm? / Es ist sehr kompliziert, oder?“ „Si“.

    Ich fahre zur nächsten Grenzstation nach Talisman. Dort angekommen, winken mich wieder die Leute pfeifend und deutend auf die Seite. Das Visier von meinem Helm ist hochgeklappt. Ich frage laut: „Porque? / Warum?“ Darauf haben sie keine Antwort und geben Ruhe. Ich werde von Geldwechslern umringt, die mit ihren dicken Büscheln Geld winken. Ich sage, dass ich nichts benötige. Sie beginnen fast untereinander zu streiten, wer mit mir Geschäfte machen darf.

    Was kommt zuerst an der Grenze? Natürlich dein persönlicher Begleiter. Er ist sofort an meiner Seite. Der hier spricht ein wenig englisch. Sie machen nichts anderes, als ständig neben dir herzulaufen, deine Papiere zu sortieren, sich in das Gespräch mit den Beamten einzumischen und ihren Senf abzugeben.

    Die vielen Einreise- und Ausreisestempel innerhalb von zwei und denselben Tagen verwirren die Beamten. Ich werde in das Büro des Obersten, der hier Dienst hat, gebeten. Dort erzähle ich die ganze Geschichte der letzten zwei Tage und dass an der anderen Grenze ein Dokument von einem Notar verlangt wurde, von dem ich nicht verstehe, warum. Mein Spanisch Kenntnisse verbessern sich vor allem an der Grenze sehr. D.h. nicht, dass ich fließend sprechen kann. Meine Kenntnisse sind noch immer bescheiden, aber ich lerne immer ein paar Worte dazu, die mir beim nächsten Mal weiterhelfen. Der Oberste ist auch äußerst freundlich. Sowas beruhigt schon sehr. Er telefoniert ein wenig herum. Alles OK, ich kann passieren. Ich frage ihn dann noch, wer diese Leute sind, die da dauernd mit mir rumlaufen, ob das offizielle sind? Er meint, nein, die soll ich ignorieren.

    Bei der Fahrzeugeinfuhr sind es wieder die vielen Stempel im Pass, die verunsichern. Ich erkläre noch mal alles. Die Dame telefoniert ebenfalls herum und sagt mir dann, ich benötige keine weiteren Dokumente von einem Notar oder sonst etwas. Alles was benötigt wird sind die nationalen Dokumente und hilfreich sind die internationalen Übersetzungen vom Führerschein und Zulassungsschein. Ich muss Kopien machen. Mein Begleiter zeigt mir den Kopiershop. Kostet 4 Quetzal. Ich krame in meiner Geldbörse. Ich habe nur 3. 3 sind auch genug. Du Sackgesicht! Wahrscheinlich hätte es nur 2 gekostet. Die stecken hier alle unter einer Decke. Ich bin heute schon ziemlich genervt.

    Für die Bearbeitung sind 160 Quetzal an der Bank nebenan zu bezahlen. Vor der Bank steht ein Soldat, das Gewehr in seinen Händen. Es warten 7 oder 8 Personen. Mein Begleiter schiebt mich gleich an den Anfang der Schlange und meint, das passt schon. Das ist ein Service extra für mich. Der Soldat sagt auch nichts. Ich erkläre meinem Begleiter, dass dies unfair gegenüber den anderen ist, und stelle mich hinten an. Nachdem ich bezahlt habe, wird das Motorrad noch begutachtet, ob Marke, Farbe, Seriennummer übereinstimmen. Ich erhalte einen Aufkleber und darf fahren. Mein Begleiter bittet zum Schluss um ein „Trinkgeld“. Ich überlege und gebe ihm 10 Quetzal. Bereue es aber zwei Minuten später wieder. Das war heute sowieso das letzte Mal, dass ich das zugelassen habe. Man kommt auch so durch. Ein wenig spanisch sollte man aber trotzdem können.

    Die heutige Dauer, beide Grenzstationen zusammengerechnet, inkl. Fahrt von der einen zur anderen, betrug ca. 4 1/2 Stunden. Zum Glück ist in Guatemala eine andere Zeitzone und man gewinnt 1 Stunde. Ein paar km vor dem Ziel tanke ich auf. Mitten im Tanken kommt mir. Verdammt du hast vergessen noch Geld zu wechseln. Er fragt mich, wie ich zahlen möchte. Mit Kreditkarte oder mit Bargeld. Ich sage mit Kreditkarte. Er antwortet, der Apparat funktioniert leider nicht. Mann, warum fragst du dann? Das Benzin geht sich aus. Mir bleiben noch 37 Quetzal, knapp 4€. Damit wirst du nicht weit kommen.

    Ich erreiche Monterrico, zum Teil durch strömenden Regen. In Monterrico frage ich mich durch die Hostels, ob ich mit Kreditkarte bezahlen kann. Nein leider nicht, der Apparat funktioniert nicht. Ich verstehe, Kreditkarten sind nicht gerne gesehen. Gibt es eine Wechselstube? Nein, leider auch nicht. Wo gibt es einen Cajero? / Einen Bankomat? Dort kann ich aber weder mit der Kreditkarte noch mit der Bankomatkarte abheben. Vielleicht sind die Systeme am Sonntag heruntergefahren und ich habe morgen mehr Glück. Ich frage im Laden gegenüber, ob es einen anderen Bankomat gibt. Ja, aber er rät mir ab. Der ist nicht sicher. Es ist bereits dunkel. Man sagt mir, im Hostel Jonny’s Place kann man mit Kreditkarte bezahlen. Ich begebe mich auf die Suche und bleibe dann aber gleich beim ersten Hotel stehen, wo eine Visa Schild draußen hängt. Mit Visa zahlen kostet zwar 10% mehr. Aber bei 15 EUR die Nacht wird nicht lange nachgedacht. Ich bin froh, dass ich eine Unterkunft habe. Für 9 Quetzal kaufe ich mir noch 2l Wasser und eine kleine Tüte Chips, damit ich nicht ganz hungrig ins Bett muss. Bleiben noch 28 übrig. Das Mobiltelefon funktioniert nicht, wo immer ich frage: kein Internet, kein Bankomat, Kreditkarten helfen auch nicht weiter, kein Geld. Willkommen im Abenteuerland.

    Monterrico ist ein kleines Dorf. Besteht eigentlich fast nur aus Hotels und Hostels, Restaurants und kleinen Läden. Aber es ist nett und relaxed.

    09.09.

    Am nächsten Tag kann ich in der Bank Geld wechseln. Ich genehmige mir ein anständiges Frühstück. Mein Motorrad erhält eine Abreibung und wird per Handwäsche vom Schmutz der letzten Wochen gereinigt. Ich schlendere durch das Dorf und spaziere den langen Strand entlang. Mittags bis nachmittags halte ich Siesta in der Hängematte. Man passt sich an.

    Am Abend sitze ich im Hotel am Strand. Ein kleine Gruppe von Leuten steht unweit von mir. Eine der Personen kommt zu mir. Er stellt sich als Mitarbeiter des Tierschutzvereins vor. Sie sind am Strand, um kleine Schildkröten auszusetzen. Er fragt mich, ob ich mich anschließen möchte. Für eine kleine Spende von 10 Quetzales darf ich zwei Schildkröten persönlich in die Freiheit entlassen. Sie sind kaum größer als mein Handteller und schwarz. Wir setzen die Schildkröten an einer Linie ab, um ein Wettrennen zu simulieren. Einige bewegen sich schnell ins Meer, andere benötigen etwas länger. Von den Wellen werden sie mehrmals wieder um ein paar Meter zurück an den Strand geschleudert. Nach einer Weile jedoch verschwinden die winzigen Tiere im großen weiten Ozean. Viel Glück auf der Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Von den Mühen ein Land zu verlassen

    Von den Mühen ein Land zu verlassen

    07.09.

    Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute lässt du mich nicht gehen?
    Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein.

    In der Nähe von Tapachula gibt es zwei Grenzübergänge nach Guatemala. Der eine gleich hinter Tuxtla Chico, etwa 15 bis 20 km von Tapachula und der andere, etwas weiter im Süden bei Ciudad Hidalgo, etwa 35 km entfernt
    Ich fahre zum näheren Grenzübergang nach Tuxtla Chico.

    Auf dem Weg zur Grenze laufen immer wieder Leute pfeifend und deutend auf die Staße und versuchen mich aufzuhalten und zum Stehenbleiben zu bewegen. Aber dazu später mehr.

    Bevor ich ausreise, frage ich die Beamten, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Ich werde zum Zollgebäude gesendet. „Können Sie hier nicht machen. Es handelt sich um einen kleinen Grenzübergang.“ Mehrere Leute reden durcheinander. Ich muss zum anderen Grenzübergang fahren. Das kann ich nur in Tapachula machen. Nein, in Huixtla. Ich verstehe so gut wie gar nichts mehr. Da mein Reisepass schon ausgestempelt ist, muss ich nochmal das Visum ausfüllen. Ich erhalte einen neuen Einreisestempel.

    Das Motorrad ist leider schon im Niemandsland. Sofort sind auch Geldwechsler an meiner Seite. Ich brauche kein Geld. Also wieder zurück und durch die Kontrolle. Ich nehme die Autospur. Vor dem Schranken werde ich angewiesen, das Motorrad zurückzuschieben und die Motorradspur zu nehmen. Es ist verdammt heiß, ich schwitze dementsprechend unter der dicken Jacke und es macht überhaupt keinen Spaß das schwere Motorrad durch die Gegend zu schieben. Für die Grenzübergänge und die Formalitäten habe ich mir jedoch angewöhnt kurze Hosen anzuziehen und erst danach wieder in die Motorradhose zu schlüpfen.

    Ich muß das ganze Prozedere über mich ergehen lassen. Koffer auf, auspacken, Fragen, … . Die Grenzbeamtin ist sehr nett und spricht auch englisch. Erzählt mir, dass sie voriges Jahr in Wien gewesen ist. Ich frage wie es ihr gefallen hat. „Sie meint sehr gut. Es ist sehr sauber.“

    Ich fahre also zur anderen Grenzstation. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Stadt. Ein einheimischer Motorradfahrer fährt mir eine Weile nach. Auf der Suche nach dem Grenzübergang bleibe ich kurz stehen, um mich zu orientieren. Er gibt mir zu verstehen, dass ich seine Dienste benötige. Ich sage: „No necesito / Nein, brauche ich nicht.“ Er besteht darauf, zückt eine Visitenkarte. Ich sage: „No es verdad. /  Das ist nicht wahr.“ Ich frage eine Frau nach dem Weg, sie gibt mir eine ungefähre Richtung. Schließlich lässt der Motorradfahrer von mir ab.

    Auch am anderen Grenzübergang frage ich, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Die Dame winkt mich einfach weiter. Ich fahre durch, bezahle noch Maut und bin auch schon in Guatemala.

    Zuerst werde ich aufgehalten. Ein Mann in Zivilkleidung ist sofort an meiner Seite, ruhig, nicht aggressiv. Erklärt mir, dass ich hier mal mein Motorrad desinfizieren lassen muss. Da mich vorher so viele Leute versucht haben mich aufzuhalten und mir was andrehen wollten, glaube ich ihm zuerst nicht so ganz. Dann hält mich auch ein Beamter in Uniform auf. Ein anderer läuft mit einer Spritze um mein Motorrad und sprüht es im unteren Bereich etwas ein. So verdreckt wie mein Motorrad mittlerweile aussieht, hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit. Aber gut. Kostet 12 Quetzal. Ich muss in der einheimischen Währung zahlen. Habe ich noch nicht. Die Person an meiner Seite ruft eine Wechsler, bei dem ich 20 USD umtausche. Zu einem denkbar schlechten Kurs, wie man annehmen kann. Scheiß drauf, wegen 50€ Cent fange ich nicht zu diskutieren an.

    Gleich neben der Inspektionsstelle liegt die Passkontrolle in einer unscheinbaren Hütte. Kann ich nicht glauben und fahre ein paar Meter weiter, wo ich angewiesen werde, das Motorrad mal abzustellen. Ich werde gefragt, ob ich die Passkontrolle hinter mir habe. Nein, habe ich nicht, wo? Der Beamte gibt mir zu verstehen, dass es sich um die unscheinbare Hütte handelt. Ok, also ein paar Meter zurücklaufen. Ich werde gefragt, wie lange ich bleiben möchte. Ca 1 Woche. Stempel rein, das war es auch schon. Zurück beim Motorrad, weist man mir den Weg in ein Gebäude zur Registrierung des Fahrzeuges. Ich sage, ich muss das Motorrad noch abmelden. Wo kann ich das machen? Das musst du in Mexiko machen. Die Zivilperson, die die ganze Zeit über an meiner Seite war, wollte wohl auch etwas Geld. Ich starte meine Maschine und fahre ab.

    Verdammt nochmal! Also zurück nach Mexiko. Wieder an der mexikanischen Grenzstation, frage ich nochmal, wo ich das Motorrad abmelden kann? „Da drüben beim Zoll.“
    Ein junger Grenzbeamter nimmt sich meiner an. Er spricht langsam und deutlich und erklärt mir, dass ich ca. 100km zurück in das Landesinnere fahren muss. Er ärgert sich, dass er nicht besser englisch kann und ich mich, dass ich nicht besser spanisch kann.

    Die entsprechende Zollbehörde befindet sich ein paar Kilometer hinter der Stadt Huixtla. Dort kann ich mein Fahrzeug wieder abmelden. Es ist schon nach Mittag. Die Hitze ist unerträglich und ich muss hier von einer Ecke auf die andere fahren und laufen.

    Bevor ich losfahre, fragt er nochmal: „Wo musst du hin?“ Ich kann den Ort nicht aussprechen. Er fragt: „Hast du überhaupt verstanden, was ich dir erklärt habe?“ „Ja, ja! Ich weiß, wo ich hin muss.“
    Und zwar auch aus dem Grund, weil ich gestern auf dem Weg nach Tapachula die Position der Zollstation in meinem GPS Gerät gespeichert habe, als ich daran vorbeigefahren bin. Ich wollte nur nicht so richtig wahrhaben, dass ich noch mal 100km zurück muss.
    Während wieder meine Sachen durchsucht werden, „plaudern“ wir noch ein wenig. Er möchte wissen, wie Österreich ist und wie die Situation in Europa so aussieht.

    Klarerweise muss ich auch wieder an den Militärkontrollen halten, Koffer durchsuchen, Fragen über mich ergehen lassen. Mittlerweile kann ich auf spanisch schon sehr gut erklären, wo mein Problem liegt.

    An der Zollstelle wird noch mal überprüft, ob die Papiere mit dem Fahrzeug übereinstimmen und ich erhalte eine Bestätigung. Ein Beamter eskortiert mich mit einem Fahrzeug noch ein paar Kilometer Richtung Tapachula, bevor wir kurz anhalten und er mir die Papiere aushändigt. Damit ich auch wirklich wieder auf der Autobahn Richtung Guatemala bin.

    Wieder in der Nähe von Tapachula, geht es schon auf 15:00 Uhr zu. Ich bin schon etwas k.o., auf meinen Knien und Unterschenkeln beginnt sich ein Sonnenbrand abzuzeichnen und mein Ziel liegt noch 300 km entfernt. Ich habe keinen Plan B für ein näheres Ziel, und da es sowieso bald wieder zu regnen beginnt, beschließe ich eine weitere Nacht in Tapachula zu bleiben.

    Meine letzten Pesos, habe ich heute Morgen bei der Abfahrt in Treibstoff investiert. Ich checke wieder im Hotel ein wo ich mit Kreditkarte zahlen kann und schaffe es gerade noch in einer Wechselstube weitere 20USD in Pesos zu tauschen, damit ich nicht hungern muss.

    Morgen auf ein Neues, die Ausreise dürfte ja jetzt kein Problem mehr sein. Und wie es bei der Einreise vor sich geht, habe ich ja zum Teil ja auch schon durchgemacht. Aber gespannt bin ich trotzdem etwas, weil ich schon den Stempel im Pass habe. Offiziell bin ich ja schon in Guatemala.

    Und jetzt zu den Leuten, die versucht haben, mich von der Straße zu holen. Gestern habe ich noch ein wenig im Internet gesurft. Ich wollte mir noch ein paar Informationen zur Einreise nach Guatemala holen. Auf einem Blog von einem anderen Reisenden habe ich dann gelesen, dass es sich um Keiler handelt, die mit unwissenden Touristen Geld verdienen wollen.

    Mit dem Vorwand bei den Grenzformalitäten zu helfen, zu übersetzen und dass man irgendwelche Papiere benötigt. Fast aggressiv laufen sie auf die Straße, pfeifen und deuten mit den Händen, dass man stehen bleiben soll. Auf eine Weise, als wäre irgendetwas passiert. Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich hier schon etwas eingeschüchtert fühlen.

    Bewaffnet mit der Information vom Blog fahre ich zügig durch. Auf keinen Fall stehen bleiben. Wenn man mal von ein paar Leuten umringt ist, ist es schwerer wieder rauszukommen.
    Vom gleichen Schlag war der Motorradfahrer, der mir auf dem Weg zum anderen Grenzübergang nachgefahren ist. Wenn mich morgen wieder jemand aufhalten möchte, vielleicht bleibe ich kurz stehen, wenn ich mir der Situation sicher bin, und frage nach, wobei man mir helfen möchte.

    Bei der Ausreise aus Mexiko fallen keine weiteren Kosten an. Man benötigt auch keine Hilfe oder irgendwelche Übersetzungen von irgendjemand.
    Alles, was man benötigt, sind die Dokumente, die man bei der Einreise erhalten hat. Das Fahrzeug muss bloß an einer Zollstation wieder abgemeldet werden. Was leider bei mir etwa 100km Inlands war.
    An den Grenzstationen stehen sogar Schilder, dass man bestraft wird, wenn man versucht die Beamten zu bestechen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Willkommen in Mexico

    Willkommen in Mexico

    Album

    21.08.

    Wie der Grenzübertritt funktioniert hat, kann auf der Info Seite für Mexiko Seite nachgelesen werden. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber ich habe es nicht so schlimm gefunden.

    Mein heutiges Ziel ist Monterrey, wo ich zwei Nächte verbringe. Ein Tag unter Leuten, zum „einleben“.
    Schon kurz nach der Grenze machen sich die großen sozialen und monetären Unterschiede in den USA bemerkbar. Weitgehend sind die Häuser schlecht gepflegt. Oft stehen nur Rohbauten oder verfallene Häuser. Entlang der Straße ist es schmutzig.

    Ich verzichte auf den Highway, der von Reynosa direkt nach Monterrey führt, aber Maut kostet. Stattdessen fahre ich den Highway 2 die Grenze entlang etwas nach Nord-Westen und danach die 54 Richtung Inland. Meist eine endlose leere Gegend, vergleichbar mit dem Outback in Australien, steinige Vegetation mit kleinen Bäumen und Sträuchern .. 25km gerade aus, eine leichte Kurve 35km gerade aus, … bis Monterrey geht es so weiter.

    Entlang der Grenze merkt man schnell, dass Krieg herrscht. Armee und Polizei sind vielerorts mit ihren Jeeps unterwegs. Auf der Ladefläche ist ein Maschinengewehr montiert. Dahinter ein vermummter Soldat/Polizist. Auf der Ladefläche befinden sich drei bis vier weitere Soldaten oder Polizisten. Sie sind meist in Gruppen von drei, vier Fahrzeugen unterwegs. Ein Hotel entlang der Grenze ist mit Sandsäcken geschützt, dahinter liegen zwei Soldaten mit ihren Gewehren im Anschlag.

    Dreimal werde ich an Kontrollpunkten gestoppt. Beim Ersten sind die Beamten sehr freundlich. Ich muss meine Koffer öffnen. Ein kurzer Blick rein. Währenddessen wieder die übliche Unterhaltung. Wohin .. usw?

    Beim nächsten Stopp sind die drei Soldaten etwas überheblich. Man muss die Sprache nicht verstehen. Auch aus dem Tonfall und der Mimik kann man genug ablesen. Blinkt der eine mit seiner Taschenlampe rum und fragt, ob ich eine dabei habe. Natürlich, irgendwo tief drinnen im Koffer in einer Tasche. Ich stelle mich dumm, verstehe nicht. Muss wieder die Koffer öffnen. Sie sind neugierig, stöbern ein wenig rum. Aber ich kann weiter. Wie ich immer sage, Deppen gibt es überall.

    Stop Nummer drei war wieder sehr freundlich. Wieder Koffer und Tasche öffnen. Der Beamte ist sehr an meiner Reise interessiert und wünscht mir mehrmals alles Gute.

    Ich möchte hier noch etwas zu den USA einwerfen. In einem meiner Beiträge habe ich über die Infrastruktur der Städte geschrieben. Dass vieles an der Autobahn liegt. Alle Geschäfte befinden sich auf der Durchzugsstraße, die Wohnhäuser befinden sich abseits. Um seine Sachen zu erledigen, benötigt man ein Auto, und alle sind auch mit dem Auto unterwegs. Am besten lässt es sich wohl so beschreiben: Diese Städte haben keine Seele. Ich habe mir das oft gedacht, wenn ich fast alleine durch die Straßen spaziert bin. Alles scheint auf reine Funktionalität ausgerichtet zu sein.
    Monterrey ist gleich komplett anders. Das Hostel befindet sich nahe dem Zentrum. Hier gibt es Leben in den Straßen. Die Leute sind zu Fuß unterwegs. Obwohl ich nur wenig verstehe, fühle ich mich gleich viel wohler.

    Ich versuche Geld abzuheben, was mir bei vier einheimischen Banken nicht gelingt. Ich bin schon etwas verzweifelt. Liegt es am Limit? Ich habe vorgestern in den USA noch einen größeren USD Betrag abgehoben, als Reservewährung. Habe ich ein wöchentliches Limit? Ich muß morgen unbedingt die Bank anrufen. Bei einem Internationalen Institut funktioniert es schließlich. Ich bin erleichtert.

    Anstatt ins Fast Food Restaurant, gehe ich heute mal in ein richtiges Restaurant. Ich möchte die einheimische Küche probieren. Soviel verstehe ich auf der Karte, dass es einen Abschnitt mit Hausgerichten gibt. Ich bestelle einfach mal irgendetwas. 3 Tortillas mit Hühnerfleisch, vollkommen bedeckt mit einer Art grüner Kürbissalsa, Bohnenpampe und zwei Stück Rindfleisch. Vom Geschmack her .. neu, für mich etwas gewöhnungsbedürftig.

    Zur „Gefährlichkeit“ kann ich noch nichts sagen. Der Hostelbesitzer sagt, es passiert hier nichts. Die Häuser sind zwar alle vergittert, aber die Gegend ist sauber, die Häuser sind gepflegt. Es gibt Cafes und Restaurants in den Straßen. Er bietet mir trotzdem an, das Motorrad in der Lobby abzustellen. Ich glaube ihm, dass es auch draußen sicher ist. Es wird wie üblich zugedeckt, die Alarmanlage ist aktiviert. Diesmal hänge ich, seit Jahren, auch das Schloss an die Bremsscheibe. Ich darf bloß nicht vergessen, es beim Wegfahren abzumachen. Sonst liege ich auf der Schnauze.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.