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  • Nashville und der erste Umfaller

    Nashville und der erste Umfaller

    Nach gut einer Woche wieder mal ein Update. Eines muss man schon sagen, was die Verfügbarkeit von (freiem) Internet betrifft, ist die USA vielen Ländern sehr weit voraus. Aber nicht immer.

    08.-10.08.

    Ich verbringe eine weitere Nacht in Chattanooga. Es ist gemütlich hier. Damit ich nicht nur faul rumliege, fahre ich ein wenig in der Gegend rum und besuche „Ruby Falls“. Ruby Falls ist ein 45 Meter hoher Wasserfall in einer Höhle etwa 350 Meter unter der Erde. Sehenswert? Ja schon … aber auch ein ziemlich teurer Nepp für das, was geboten wird.

    Die Landschaft ändert sich, die Berge verschwinden, sie wird weiter. Auf dem Weg nach Nashville gehen mehrere schwere Regenschauer nieder. Schon aus großer Entfernung sieht man, wie sich die Wassermassen aus den hoch stehenden Wolken entleeren. Die Regenschauer sind meist sehr stark, begleitet von heftigem Gewitter und Blitzen.

    Kurz vor Nashville mache ich einen Stopp bei Johnny Cash und June Carters Grab. Johnny Cash .. der einzig und alleinige „Man in Black“.

    Nashville, die Stadt der Musik. Was soll ich sagen. Im touristischen Zentrum reihen sich eine Bar und ein Pub an das andere, dazwischen Cowboy Stiefel Geschäfte und allerlei andere Shops. In jeder Bar/Pub spielt eine Band oder Einzelmusiker. Die Pubs öffnen schon am Vormittag. Eine Band spielt zwei bis drei Stunden, bevor die Nächste kommt. Gemessen an der Anzahl der Lokale müssen hier täglich über hundert Bands am arbeiten sein. Zum Teil ist es wirklich gute Musik .. Rock, Country, Folk. Ich weiß nicht, durch wie viele Pubs ich ziehe. Die Leute sind hier freundlich und offen, man kommt leicht ins Gespräch.

    Samstag möchte ich mit Sightseeing verbringen. Aber das Rumspazieren macht nur wenig Spaß. Seit Tagen ist es hier in der Gegend äußerst warm und schwül. Die Luftfeuchtigkeit liegt zw. 80 und 90%. Es ist gar nicht notwendig, sich zu bewegen, um ins Schwitzen zu kommen.

    Samstag Abend fragt mich Ryan, ein Gast aus dem Hostel, ob er sich mir anschließen darf. Wir starten im Zentrum und fahren später in einen anderen Stadtteil, zur Unterhaltungsmeile, wo sich vorwiegend die Einheimische Bevölkerung aufhält. Es ist erneut sehr spät, als ich ins Bett komme.

    Ryan hat eine interessante Lebensweise. Er arbeitet selbständig im EDV Security Bereich und hat keinen festen Wohnsitz. Ein Teil seiner Sachen ist in einem Lagerraum verstaut, der Rest ist in seinem Auto. Wo e

     

    11.-14.08.

    Nicht viel los dieser Tage … on the road. Mein nächstes Ziel ist Austin, Texas, etwa 1.500 km entfernt. Ich durchfahre Alabama, Mississippi und Louisiana, bewege mich auf Highways und Parkways. Ich schlafe in Motels, am Rande von Städten. Mindestens einmal pro Tag herrscht vom Wetter her Weltuntergangsstimmung. Ich habe mir das auf dem Wetterkanal angesehen. Da herrscht seit Tagen, und für ein paar weitere Tage, so ein Sog der Unmengen von Feuchtigkeit aus Mittelamerika und dem Golf von Mexico hoch transportiert. Im Nordwesten kämpfen sie gegen Waldbrände an, hier unten ersäuft das Land. Aber in Austin sollte ich raus sein, aus diesem ständigen Unwetter. Und wenn ich meine Regenkleidung richtig anziehe, dann bleibe ich im Fahren tatsächlich auch bei starkem Regen fast ganz trocken.

    Landschaft und Bevölkerung nehme ich nur im Vorbeifahren wahr. Es sind wohlhabende Gegenden, große Anwesen mit Herrschaftshäusern und gepflegte Gärten. Es sind aber auch ärmere Gegenden mit verfallenen oder alten und schlecht gepflegten, kleinen Häusern mit Müll in den Vorgärten.

    Ich bin kurz vor Alexandria, Texas, wo ich übernachten möchte. Es ist früher Nachmittag und ich entscheide noch einen Abstecher durch einen Nationalpark zu machen. Es ist eine Schotterstraße. Einige Abschnitte sind versandet und vom Regen aufgeweicht. Ich bin langsam unterwegs. Das Vorderrad rutscht an einer sandigen Stelle weg und schon liege ich auf der Seite. Mein linker Fuß ist unter dem Motorrad eingeklemmt. Verdammt, was jetzt? Der Untergrund ist weich, ich muss bloß etwas Sand beiseite schaffen. Das Aufrichten ist ein Kraftakt, die Kiste ist voll beladen ziemlich schwer.

    Der Umfaller reicht trotzdem, um leichte Blessuren am Material zu hinterlassen. Die Schraube, die den linken Spiegel hält, bricht. Ebenso verbeult sich der linke Koffer etwas. Nichts schlimmes. Eine neue Schraube sollte ich spätestens in Austin bekommen.

    Noch gestern Abend habe ich mir gedacht: Wozu habe ich eigentlich Alukoffer gekauft? Meine Kunststoffkoffer hätten vollkommen gereicht. Heute habe ich die Lektion erhalten. Wenn Kunststoff bricht, ist es kaputt. Wenn sich Alu verbeult, kann man es weitgehend wieder gerade biegen.

    Ich wünschte, ich könnte euch lustigere und spannendere Geschichten erzählen. Gibt es im Moment aber nicht .. aber ich kann welche erfinden, wenn ihr wollt. 🙂

    Heute hatte ich echt Angst, zu Fuß vom Supermarkt zum Motel, vom Blitz getroffen zu werden, so gescheppert hat es. Das ist nicht erfunden.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.