Schlagwort: BMW

  • Veränderungen

    Veränderungen

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    16.02. – 22.02.

    Wir/Ich war/en eine Woche Santiago. Santiago ist eine riesige Metropole mit etwa 6 1/2 Millionen Einwohnern. Die Stadt ist mir sympathisch.
    Für Sightseeing bleibt diesmal aber nicht viel Zeit. Ich bin mehrmals zum BMW Händler und zu einem anderen Mechaniker unterwegs, um mein Motorrad wieder richten zu lassen. Aber damit will ich euch nicht langweilen. Nur soviel, es bleibt einem die Spucke weg, wenn man sieht, was BMW für einen Plastik-Ersatzteil verlangt.

    Mein erster Weg in Santiago führt zu Marco und Silvia. Sie sind Freunde von Günther, den ich in Valdivia getroffen habe.
    Sie haben vor etwas mehr als 20 Jahren für ungefähr 6 Jahre in Österreich gelebt. Dort haben sie Günther kennengelernt. Silvia und Marco sind zwei überaus nette Personen. Ich werde sofort herzlich aufgenommen, ich erhalte Essen und sie fahren mich ein wenig in der Gegend rum.
    Marco hat mir im Vorfeld bei der Organisation meines Kühlers geholfen.

    Andi und ich verbringen die letzten Tage im Hostel mit „socializing“ auf deutsch, einer netten Zeit mit den anderen Leuten im Hostel.

    Am Donnerstag, den 20.02. hat mich Andi verlassen .. mitten in der Nacht .. ohne ein Wort zu sagen. Nur Spaß. 🙂
    Andi muss Mitte März zu Hause sein, um sich um ein paar wichtige Sachen zu kümmern.
    Es hätte nicht viel Sinn gemacht, weiter nach Norden zu fahren. Valparaiso ist in dieser Gegend die beste und einfachste Möglichkeit ein Motorrad nach Hause zu senden. Die nächste Möglichkeit wäre Lima. Aber das wäre sich zeitlich nicht mehr ausgegangen.
    Andi macht noch eine Woche Zwischenstopp in Jamaika, bevor er zurück nach Österreich geht.

    Es war eine gute Zeit. Es ist zwar nicht so verlaufen, wie geplant, aber es war lustig, abenteuerlich, anstrengend, erholsam und vieles mehr. Wir hatten Spaß und auch über lange Zeit keine Probleme miteinander auszukommen .. zumindest aus meiner Sicht nicht. Ich glaube, ich habe gut zwei Kilo zugelegt in diesen zwei Monaten, in denen wir gemeinsam gereist sind. Wahrscheinlich sogar mehr. In Gesellschaft isst und trinkt es sich besser.

    Taylor und Mike haben ihre Motorräder ebenfalls richten lassen und machen sich bereits nach drei Tagen wieder auf den Weg. Wenn alles gut geht, sehe ich Taylor in etwa vier Monaten in Seattle wieder.

    Am Tag vor meiner Abreise bin ich bei einem anderen Mechaniker. Mein Motorrad erhält einen neuen Kettensatz und auch eine neue Seitenverkleidung. Unglaublich, Carlos hätte sogar eine original Seitenverkleidung von meiner BMW Dakar. Aber 450 USD sind mir zu viel für ein Stück Plastik. Er hat noch ein anderes von einer älteren Baureihe und in einer anderen Farbe um knapp 200 USD.

    Als ich ihm zusehe, wie er das Teil montiert, beginnen meine Gedanken zu schweifen. Ich bin seit 7 Monaten unterwegs. Halbzeit. Ende September möchte ich zurück sein. Zeit für eine Zwischenbilanz?

    Besonders meinem Motorrad sieht man die Reise an.
    Blitz und blank geputzt habe ich es vor meiner Abreise fotografiert. Beinahe ohne Kratzer .. und jetzt .. es hat sich total verändert, sieht anders aus, eine Schramme hier, eine Schramme da, links eine andere Seitenverkleidung, die Koffer sind hinüber .. die Zeichen der Abnutzung sind groß. Aber mir gefällt es .. es erhält Charakter.

    Ich bin nicht der Mensch, der emotionell an materiellen Dingen hängt. Aber das Motorrad ist ein Teil von mir geworden, ich möchte es nicht wieder hergeben. Wahrscheinlich ist es billiger ein neues zu kaufen, als es nach der Reise wieder auf Vordermann zu bringen. Aber es ist das Ding, das dauernd unter meinem Arsch klebt und mich zu all den Abenteuern, Erlebnissen und Personen bringt.

    Sieht man auch mir an, ob ich mich verändert habe? Äußerlich bestimmt, auch vor mir macht das Alter nicht Halt. Aber habe ich mich auch innerlich verändert? Ich kann es – noch – nicht feststellen. Der Charakter eines Menschen bildet sich in jungen Jahren. Irgendwann ist man gefestigt in seiner Meinung und in seinen Werten. Je älter man wird, desto mehr bleibt man in festen Bahnen. Ich werde es wohl erst feststellen können, wenn ich wieder zu Hause bin.

    23.04., 24.04.

    Ich habe meine letzten Chilenischen Pesos ausgegeben und fahre deshalb wieder nach Argentinien. Aufgrund der Inflation wird Argentinien erneut billiger. Ich erhalte 11 Pesos für 1 USD auf dem Graumarkt. Bei meiner ersten Einreise waren es 8 Pesos.
    Hier sitze ich in Mendoza mal das kalte Regenwetter aus, bevor ich meinen ursprünglichen Plan nach Norden weiter verfolge.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Begegnungen

    Begegnungen

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    Was für eine Woche! Begegnungen mit anderen Leuten sind ein großer Bestandteil  meiner Reise. So handelt dieser Artikel vorwiegend von Begegnungen in den letzten Tagen.

    07.01 – 09.01.

    Bei unserer Ankunft in Bariloche haben wir erhebliche Schwierigkeiten eine Unterkunft zu finden. Es ist Hochsaison. Nachdem wir uns durch gut 10 Hostels gefragt haben, finden wir eine Perle – Bariloche Inn. Die Aussicht auf den Lake Nahuel Huapi ist eine Wucht. Und wegen dem Wetter wärs auch gewesen, warum wir uns für 2 Nächte einquartieren. Wir können in kurzen Hosen rumlaufen! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal kurze Hosen anhatte.

    Wir sitzen am zweiten Tag am frühen Nachmittag gemütlich auf der Terrasse und kommunizieren über das Internet mit der Heimat. Danach kommen wir ins Gespräch mit Eli (ausgesprochen: ilai) aus den Staaten. Er sitzt auf der Terrasse und liest ein Buch von Stephen King. Ich versuche, seine Geschichte so gut wie möglich wiederzugeben.

    Eli stammt aus armen Verhältnissen und ist 34 Jahre alt. Als er 18, 19 Jahre alt war, hat sein bester Freund Selbstmord begangen. Zu jung, um das zu verarbeiten, hat er sich in Computerspiele, im speziellen in Strategiespiele, vergraben.
    Eli hat dann einen Job bei Microsoft erhalten. Dort war er bei der Entwicklung des Spiels „Ages of Empire“ beteiligt. Ages of Empire ist ein sogenanntes Echtzeit Strategiespiel, bei dem es darum geht, eine Wirtschaft aufzubauen und andere Länder und Völker zu erobern. Er hat bei Microsoft vorwiegend gespielt. Seine Aufgabe war es die künstliche Intelligenz des Spiels zu testen, damit die unterschiedlichen Gegner und Völker ungefähr gleich stark sind. Wie er erzählt, war er einer der Besten der Welt in diesem Bereich. Nach etwa einem Jahr war er ausgebrannt. 80-100 Stunden Arbeit die Woche, waren nicht unüblich.

    Nebenbei hat er schon immer Poker gespielt. Seit fünf Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt damit. Wenn er darüber spricht, dann nennt er es Arbeit. Er ist nicht reich, kann aber gut davon leben. Irgendwann in seinem Leben hat er mit einem Geschäftspartner ein Haus angemietet und dort ein illegales Pokercasino betrieben. Nachdem sie einmal ausgeraubt wurden, haben sie Sicherheitstüren einbauen lassen und Scheriffs, die sich etwas dazu verdienen wollten, als Sicherheitsleute engagiert.
    Irgendwer hat sie dann verpfiffen und das Haus wurde von einem SWAT Team gestürmt. Aufgrund der Sicherheitstüren hat das eine Weile gedauert. Eli erzählt, er hat seine Arme hinter dem Kopf verschränkt, gewartet und auf einem Monitor zugesehen, wie die Einsatzkräfte gut 15 Minuten gebraucht haben, um die Sicherheitstüren aufzubrechen. In Folge war er drei Tage im Gefängnis und ihm wurde das Wahlrecht in den Staaten entzogen.

    In den Vereinigten Staaten erhalten Berufsspieler, die bei Online Casinos ihr Geld verdienen, kein Bankkonto bei einer einheimischen Bank. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das gesetzlich geregelt ist, oder ob einfach die Banken das nicht machen. Viele Berufsspieler haben deshalb das Land verlassen. Eli hat gut ein Jahr irgendwo in Asien gelebt, im Moment nennt er Mexico City seinen Hauptwohnsitz. Aktuell ist er eine Weile in Südamerika unterwegs, bevor er wieder an die Arbeit geht.

    Als wir auf Eli getroffen sind, haben wir schon am frühen Nachmittag mit Bier begonnen. Wir trinken gemütlich über den Nachmittag in den Abend hinein und räumen den Kühlschrank leer. Irgendwann treibt uns der Hunger in das Stadtzentrum, wo wir ein Steak zu uns nehmen.

    Entlang der Hauptstraße befindet sich ein Indoor Eislaufplatz. Schon bei meinem ersten Besuch in Bariloche wollte ich Eislaufen gehen. Wir holen dies nach.
    Eli steht seit Kindheit wieder das erste Mal auf Eislaufschuhen, schlägt sich aber sehr gut. Ich bin seit Jahren nicht mehr gelaufen, habe aber durch Inline Skating eine gewisse Übung. Andi hat lange Zeit Eishockey gespielt, musste aber wegen Knieverletzungen aufhören. Er ist der König auf dem Eis, läuft vorwärts, rückwärts, schlägt Haken, dreht Pirouetten und springt Rittberger. Ein paar Leute winken ihn an den Rand des Eislaufplatzes. Sie bitten ihn, ihren Kindern ein wenig Nachhilfe zu geben. So eine halbe Stunde auf dem Eis kann ganz schön anstrengend sein.
    Zurück im Hostel ist klar, dass morgen nicht an eine Weiterfahrt zu denken ist. Es ist 3 Uhr in der Früh, zu Hause sitzen die Leute schon in der Arbeit. Ich telefoniere noch kurz mit einem Freund.
    Heute war ein guter Tag.

    Am nächsten Tag: spät aufstehen, frühstücken, zurück ins Bett und dann auf der Couch von einer Ecke in die andere fallen. Andi schneidet Videos, ich widme mich der „Readheaded League“ und anderen Geschichten.

    10.01.

    Lange Zeit fahren wir auf einer wunderschönen Strecke den Rio Negro entlang. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Geschichte hier ziemlich fad wird. 40 km vor Neuquen erwischt es Andi erneut. Wir sind so nah am Ziel. Die Reifenhändler in Neuquen warten sicher schon darauf, mit uns Geschäfte zu machen.
    Andi versucht, sich in ein nahes Dorf namens Senillosa zu retten. Aber nur 1 1/2 km davor ist der Reifen komplett hinüber und wickelt sich von der Felge.
    Ich laufe im Dorf von A nach Z bis ich endlich jemanden finde, der einen Anhänger hat. Wir bringen das Motorrad zum einzigen Hotel in diesem Dorf. Zumindest muss er nicht im Zelt schlafen.

    Ich schnalle Andis Reifen samt Felge auf meine Motorrad und fahre weiter nach Neuquen. Alle Hostels die ich abfahre sind voll. In einem der Hostels kann ich im Garten das Zelt aufschlagen. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt benutze. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt überhaupt auspacke. Ich bin gespannt, in welchem Zustand es ist, nachdem es den unterschiedlichen Witterungen ausgesetzt war – Regen, Schnee, Staub, Kälte, Hitze, … . Es sieht gut aus. Auch in meinem Schlafsack, den ich ebenfalls das erste Mal auspacke, haben sich noch keine Mäuse oder anderes Getier eingenistet.

    Mein Motorrad liefere ich noch am Abend beim BMW Händler ab. Schön langsam bin ich der Überzeugung, dass mein Motorrad weiblichen Geschlechts ist, es möchte schon wieder neue Schuhe. 😉 Nichtsdestotrotz habe ich mit meinem Vorderreifen einen guten Griff gemacht 27.631km.
    Auch mein Dichtring für den linken Stoßdämpfer wird ausgetauscht.
    Andis Reifen wird nun ebenfalls von einem Profi aufgezogen – diese Probleme haben sich damit hoffentlich erledigt.

    11.01.

    Ich hole gegen Mittag mein Motorrad ab und komme mir beim Bezahlen vor wie ein Huhn, das gerupft wird.
    Gegen halb 2 Uhr Nachmittags bin ich bei Andi.
    Andi hat in der Zwischenzeit Hilfe von Maximilian angeboten bekommen. Maximilian und Alba, seine Frau, wohnen ein paar Meter vom Hotel entfernt. Wir werden von den beiden zum BBQ eingeladen, Argentinian Style auf Holzkohle. Wieder mächtig viel Fleisch.
    Maximilian ist Polizist, hat selbst zwei Motorräder. Er war oder ist noch immer bei der Motorradpolizei, schätzt aber die ruhige Arbeit hier im Dorf und in der Umgebung.

    Andi und ich fahren am späten Nachmittag noch weiter Richtung Norden und machen Halt in „25 de Mayo“, eine kleine Stadt, die entlang der Straße liegt.

    Gegenüber dem Hotel gibt es ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir ein paar Sachen einkaufen. Wir plaudern dann ein paar Minuten mit dem Verkäufer vor der Tür. Als wir so draußen stehen, stoppt ein Polizist und fragt nach der Polizeistation. Der Verkäufer erklärt den Weg. Dann fragt er mich, ob ich ein Reisetagebuch schreibe. Ich: „Ja.“ Er lachend: „Das gibt es in Österreich sicher nicht, dass ein Polizeibeamter nach der Polizeistation fragt. Hier in 25 de Mayo schon.“ Ich soll das unbedingt in meinem Reisebericht erwähnen.

    12.01. / 13.01.

    Der Bezirk, durch den wir fahren, wurde wohl der Einfachheit halber nach der Landschaft benannt „La Pampa“.
    Irgendwo mittendrin stoppen wir. Schon wieder steht eine Honda African Twin mit einem platten Reifen am Straßenrand. Auch ein Andreas aus Cordoba. Der Reifen ist ausgebaut. Andreas erzählt uns, dass er bereits das vierte Mal den Reifen flickt. Cordoba ist maximal 1.000km entfernt. Andreas aus Argentinien hat keinen passenden Schlauch dabei, bloß irgendeinen, den er irgendwo in der letzten Stadt ergattern konnte. Andi, aus Österreich, schenkt ihm seinen geflickten Schlauch. Wir helfen ihm beim Einbau und hoffen für ihn, dass der Schlauch die nächsten 300km bis Neuquen hält.

    Sind Personen mit dem Namen Andreas, die mit einer African Twin durch SüdAmerika reisen, grundsätzlich von Problemen mit Luft (Aire) im Reifen betroffen? Oder führt eine Fahrt über 400km, meist geradeaus, durch Pampa, bei gleißender Sonne, zu wirren Gedanken?

    Etwa 60km vor San Rafael bleibt Andi, glaubt mir oder nicht, wieder mal am Straßenrand stehen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob er ein Fahrzeug oder ein Stehzeug hat. Die Benzinpumpe ist ausgefallen. Da Andis Motorrad einen Vergaser hat, kann er das Problem überbrücken. Solange der Benzin im Tank höher als der Vergaser liegt, tut die Schwerkraft ihre Arbeit und versorgt den Motor mit Treibstoff.

    Von Steve erhalten wir eine lustige Mail, in etwa: „ … Wenn das so weitergeht, wird Jürgen bald bereuen, dich auf die Reise eingeladen zu haben … ich habe mir überlegt eine Zeit lang mit euch zu reisen, aber wenn ich mir die Probleme so ansehe, bin ich lieber alleine unterwegs … ich werde euch sicher bald wieder einholen, aber wundert euch nicht, wenn ich einfach an euch vorbeifahre, ohne stehen zu bleiben …“

    Das Zentrum von San Rafael lässt sich in kurzer Zeit ablaufen. Die Stadt lädt nicht ein, für mehrere Tage zu verweilen, aber es ist hier sauber und grün. Hohe Laubbäume in den weiten Straßen spenden zusätzlichen Schatten. Die Straßen sind gitterförmig angelegt, bieten aber am Vormittag immer die Möglichkeit, dass man sich im Schatten bewegt. Ob die Gründer und Stadtplaner damals schon so weitsichtig waren, die Stadt auf diese Weise anzulegen?
    Zwischen 13 und 17 Uhr schließen die meisten Geschäfte. Siesta. Draußen ist es dann ziemlich warm.
    Wir passen uns den lokalen Gepflogenheiten an. Erst am Abend beginnen sich die Straßen wieder mit Leben zu füllen.

    Am letzten Tag in San Rafael machen Andi und ich mit unseren Motorrädern einen Tagesausflug in den Canon Atuel. Ich werde nicht erneut darüber schreiben, wie schön die Strecke war, sondern die Bilder für sich sprechen lassen. Herausstechend war das Bad im Fluß, mitten auf der Strecke.

    Wir sehen am Abend noch bei einem Mechaniker vorbei, der vortags Andis Benzinpumpe ausgetauscht hat und mir meinen Kofferhalter schweißt, der an einer Stelle gebrochen ist. Wenn wir schon da sind, lasse ich auch gleich das Öl wechseln. Das alles inklusive Hausdackel.

    Im Hostel sind Andi und ich die einzigen Ausländer unter all den Argentiniern. Ich erlebe einen der nettesten Abende auf meiner Reise. Ich werde von ihnen „gezwungen“ mich auf spanisch zu unterhalten, man lernt mir „Truco“, ein lustiges Kartenspiel und ich trinke Mate, ein typisches südamerikanisches Getränk. Vielen Dank an all die Leute im Hostel für einen unvergesslichen Abend.

    Von Andreas aus Cordoba erhalte ich eine e-mail, dass er es mit unserem geflickten Schlauch bis nach Neuquen geschafft hat.

    Und dann waren da noch all die anderen Kleinigkeiten. Andi verliert wiederholt seinen Reservekanister. Da ich hinter ihm bin, sammle ich ihn auf, der Springbrunnen mit Wein, „Freddy Krueger“ im Hostel in San Rafeal, ein Drum-Player mit Alkoholproblemen, mit Vorfahren aus Deutschland, der sich Recht und Schlecht mit Unterricht und Gelegenheitsarbeiten durchs Leben schlägt, immer zu wenig Geld in der Börse, … .

    Mittlerweile sind wir in Mendoza, wo wir uns wieder mit Renate und Bart getroffen haben – treue Leser wissen, wer die beiden sind. Aber darüber schreibe ich mehr im nächsten Artikel.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Wo geht es hier nach Alaska?

    Wo geht es hier nach Alaska?

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    … aber zuerst Mal die Geschichte zur letzten Etappe nach Ushuaia.

    17.12.

    Wir stehen sehr früh auf. Um 9 Uhr geht die Fähre nach Isla Grande de Tierra del Fuego. Eine Stunde vorher „muss“ man am Fährhafen sein. Auch einige Leute aus dem Hostel sind vor Ort. Ein Franzose, der seit gut 2 1/2 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein paar Backpacker, die Isla Magdalena mit ihren vielen Pinguinen besuchen wollen. Steve und Judy treffen mit ihrer Harley ein. Mit ihnen wollen wir gemeinsam bis über die argentinische Grenze fahren.

    Die Überfahrt nach Tierra del Fuego dauert knapp 2 1/2 Stunden. Die Insel ist zweigeteilt. Ein Teil gehört Argentinien, ein Teil Chile. Die ersten 150km sind erneut Schotterpiste, aber in einem sehr guten Zustand, es staubt bloß sehr. Wir fahren Richtung Osten, haben Rückenwind und kommen gut voran.
    Wenn man in einer Gruppe fährt, ist der Blick ständig im Rückspiegel. Mal verliert man sich, weil jemand Pinkelpause macht, aber es kann auch andere Gründe geben.
    Andi und ich haben die Führung. Nach ungefähr 120km verlieren wir Steve und Judy aus den Augen.
    Nachdem wir ein, zwei Minuten gewartet haben und die beiden nicht auftauchen, steigt Andi ab und ich kehre um. Die Harley steht am Straßenrand. Steve ist am schrauben. Er weiß noch nicht was los ist. Ich sehe zu. Nach einer Weile hole ich Andi ab, der gut 1 1/2 Kilometer weiter wartend am Straßenrand sitzt.
    Steve hat keine guten Nachrichten. Er hat die Abdeckung des Motors abgeschraubt. Die Erde ist schwarz vom Motoröl getränkt. Während Steve die Ursache ermittelt, bemerke ich, dass bei einem meiner vorderen Stoßdämpfer massiv Öl austritt. Der Dichtring ist kaputt. Im Vergleich zu Steves Problem ziemlich harmlos.

    Bei der Harley ist eine Antriebskette im Motor gerissen. Eine Reparatur vor Ort ist nicht möglich. Er braucht einen Truck.
    Gut, die Grenze zu Argentinien liegt ungefähr 30 km entfernt. Ich fahre los. An der Grenze frage ich, wo es Hilfe gibt. Ein Polizeibeamter sagt mir, 15 km zurück an der Strecke gibt es einen Mechaniker in einer Estancia.
    Ich fahre also wieder zurück, halte an der Estancia an und erkläre was los ist. Arturo, der Mechaniker, nimmt seinen Werkzeugkoffer und steigt ins Auto. Ich sage: Nein, wir benötigen keinen Mechaniker, wir benötigen einen Abschleppwagen. Arturo ruft einen Bekannten an und sagt mir dann, dass dieser in ungefähr einer Stunde kommt. Ich fahre zurück zu Steve, Judy und Andi.
    Wir warten. Der Wind weht stark, die Sonne brennt vom Himmel. Eingepackt in unsere Motorradkleidung, Gesichtsmasken und Tücher sitzen wir am Straßenrand … mal plaudernd, mal schweigend in Gedanken versunken. Der Verkehr ist dicht. Von den vorbeifahrenden Autos, LKWs und Bussen werden wir mit Staub bedeckt.
    Auch nach 1 1/2 Stunden ist kein Pickup da. Ich fahre erneut zur Estancia, Arturo ruft erneut seinen Kumpel an. Dieser verspricht zu kommen. Ich warte in der Estancia. Der Pudel der Familie ist anfangs etwas eingeschüchtert von mir, giert aber nach Streicheleinheiten, sobald er sich an mich heran getraut hat.
    Ich frage, ob der Wind hier das ganze Jahr weht. Arturo meint: Ja, aber im Moment ist er nicht so stark. Ach? Nicht so stark?
    Nach gut einer Stunde erscheint der Pickup. Zurück bei Judy, Steve und Andi verladen wir die Harley, mit Unterstützung von anderen Motorradfahren, die gerade vorbeikommen und den Luxus eines Begleitwagens genießen, auf den Pickup Truck. Steve und Judy müssen zurück nach Porvenir, mit dem kaputten Motorrad dürfen sie nicht nach Argentinien einreisen, Andi und ich fahren weiter Richtung Grenze.

    Gegen 19 Uhr wechseln wir auf die argentinische Seite. Wir haben noch knapp 300 km vor uns. Da wir in Ushuaia ein Hostel gebucht haben, entscheiden wir die Anstrengung auf uns zu nehmen und durchzufahren. Die Geschwindigkeit ist diesmal etwas höher als sonst. Wo es möglich ist, sind wir mit 110 bis 120 km/h unterwegs. Wir fahren gegen den Sonnenuntergang und kämpfen gegen Wind und Kälte. Ein Glück, dass es erst gegen halb elf Uhr Abends dunkel wird. Müde und durchfroren kommen wir mit dem letzten Tageslicht in Ushuaia an. Das Zielfoto geht sich leider nicht mehr aus.

    18.12.

    Heute bringen wir die letzten Kilometer ans „Ende der Welt“ hinter uns, welches durch das Ende der Straße „Ruta 3“ im Nationalpark Tierra del Fuego gekennzeichnet ist. Große Fotosession. Einige Touristen fragen, woher wir sind, wie lange wir unterwegs sind. Ein paar machen Fotos von den „verrückten“ Motorradfahrern, von uns, mit uns, mit dem Motorrad. Es ist fast so, als hätte man ein Rennen gewonnen.
    Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich in Ushuaia.

    19.12.

    Ein schöner Flecken Erde dieses Patagonien. Die Natur ist einfach nur atemberaubend. Gerne würden wir länger verweilen. Leider bleibt uns keine Zeit. Aber ich komme bestimmt wieder.

    Ab heute geht es Richtung Norden.
    Rio Grande, das mittendrin auf der Strecke liegt, hat wenig Flair. Wir halten bloß zum Tanken, fahren die ganze Strecke zurück und übernachten in Porvenir, einem kleinem Städtchen gegenüber von Punta Arenas. Unsere Fähre geht erst am nächsten Tag.

    Im Hostel treffen wir auf Pablo, seinen Vater und einen Bruder. Sie sind Obsthändler, handeln vorwiegend mit getrockneten Früchten, Datteln, Nüsse, Pistazien,… . Zum Teil kommt die Ware aus Chile, zum Teil importieren sie aus verschiedenen Teilen der Welt und fahren dann mit ihrem Pickup durch Südchile, um diese Früchte zu verkaufen. Mit ihnen verbringen wir einen lustigen Abend im Hostel.

    Leider erhalten wir auch eine schlechte Nachricht. Andis Motorrad verzögert sich erneut um zwei Tage und kommt erst am 23.12. Abends in Punta Arenas an. Es ist nicht sicher, ob wir das Motorrad noch vor Weihnachten aus dem Zoll kriegen. Wir hoffen auf ein kleines „Weihnachtswunder“.

    20.12. – 21.12.

    Zurück in Punta Arenas.
    Die nächsten drei Tage heißt es warten, da wir Wochenende haben, gibt es auch keine Antworten vom Spediteur oder von den Leuten vor Ort. Das Ganze ist etwas mühsam und drückt auf die Stimmung. Punta Arenas ist zwar ganz nett, aber wir hätten die Zeit gerne an einem gemütlicheren Ort abgewartet.
    In Punta Arenas gibt es eine BMW Werkstatt, die ich am Samstag Vormittag besuche, um meinen Dichtring austauschen zu lassen. Auch hier ist über das Wochenende geschlossen. Es ist ein Drama.

    Wie es weitergeht und ob wir Andis Motorrad noch erhalten haben, meines repariert wurde und wie wir Weihnachten verbracht haben, erfährt ihr im nächsten Beitrag.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest.

    Wie immer Danke fürs Lesen, Jürgen.P.S.
    Fünf Monate On und Off the Road hinterlassen sichtbare Spuren beim Material. Im Album ein paar Fotos über den aktuellen Zustand.

     

  • Costa Rica (de)

    Costa Rica (de)

    17.09. – 22.09.

    Die Einreise nach Costa Rica dauert etwas länger, aber wiederum keine Probleme. Kurz hinter der Grenze bleiben wir bei einem Restaurant stehen und essen eine Kleinigkeit. Hier trennen sich unsere Wege. Ich verabschiede mich von Renate und Bart und fahre alleine nach San José weiter.

    Danke, Renate und Bart, dass ich euch für ein paar Tage begleiten durfte. Es war eine abenteuerliche und eine sehr nette Zeit mit euch.

    Durch strömenden Regen komme ich in der Dunkelheit in San Jose an. Ich habe vier Nächte bzw. drei Tage in San Jose geplant.

    Für Sightseeing ist keine Zeit. Es gilt das Service am Motorrad machen zu lassen, jemanden zu finden, der sich meinen Laptop ansieht und eventuell repariert und von Bank zu Bank zu laufen, wo ich USD abheben kann. Das Service dauert 2 Tage. Mein Laptop wird repariert und ich finde eine Bank, an der ich genug USD abheben kann, um mein Motorrad nach Südamerika transportieren zu lassen. Eigentlich könnte ich abfahren, aber im Hostel, Casa Yoses, ist es großartig. Coole Mitarbeiter, nicht viele, aber ebenso coole Gäste. Ein wenig feiern mit Wein und Bier. Am Ende habe ich noch zwei weitere Tage angehängt, die ich damit verbringe, meinen Blog zu aktualisieren. Es war eine nette Zeit mit Mary-Ann aus Belgien, die für einen Monat Thai-Massage Unterricht in San Jose nimmt, mit Maurice, Liam, Lucas (ich weiss nicht, ob ich die Namen richtig geschrieben habe), die im Hostel arbeiten, mit dem älteren Amerikaner und wie sie noch alle geheißen haben.

    Der Eigentümer des Hostels hat irgendwie mit der Costa Ricanischen Rugby Nationalmannschaft zu tun. Einer der Spieler, oder was auch immer, hat manchmal den Nachtdienst im Hostel. An einem der Tage haben sie im Restaurant gleich neben dem Hostel eine Besprechung nach dem Training. Ich geselle mich auf ein Bier zu ihnen. Die Nationalmannschaft besteht nur aus zwei Costa Ricanern, der Rest kommt aus verschiedenen Ländern aus Nord und Südamerika, der Trainer ist aus Peru. Einer möchte dann sogar mein Motorrad sehen. Yay! 🙂

    Von San Jose sehe ich so gut wie gar nichts. Mein Sightseeing beschränkt sich auf die Fahrt von und zum BMW Händler, der etwa 8 km vom Hostel entfernt ist und auf die Fahrt zur Bank, die gleich um die Ecke beim BMW Händler ist.

    Meine erste sinnvolle Unterhaltung auf spanisch findet mit dem Taxifahrer statt, der mich vom BMW Händler zum Hostel fährt. Er redet mit mir, wie mit einem Kleinkind, langsam und deutlich. Ist natürlich an meiner Reise interessiert.

    Am 22.09. fahre ich ab. 5 Tage, so lange bin ich noch nie an einem Platz geblieben. Aber das kann passieren, wenn man sich wohl fühlt und in eine Gemeinschaft aufgenommen wird.

    Ich bin zeitig wach. Meinen Plan, noch eine Nacht in Costa Rica zu verbringen, verwerfe ich kurzfristig und entscheide, die knapp 400 km bis nach David in Panama an einem Tag hinter mich zu bringen.

    Es geht auf dem Pan American Highway weiter. Verdammt nochmal, die Straße geht zeitweise auf 3.500 m hoch. Auf das war ich nicht vorbereitet. Meine warmen Sachen sind tief in meiner Tasche verstaut. Ich friere beinahe am Motorrad fest. Zum Auspacken bin ich zu faul. Warum auch, ein paar Kilometer weiter, wieder an der Küste, herrschen 32 Grad und eine immense Luftfeuchtigkeit.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Austin, neue Schuhe für meine Lady

    Austin, neue Schuhe für meine Lady

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    15. – 18.08.

    Ein paar Freunde haben mich gefragt, ob mein Motorrad einen Namen hat und ob es weiblich oder männlich ist. NEIN. Ich habe keine wirklich emotionale Bindung zu dem Motorrad. ES soll bloß nicht viele Macken machen.

    In Austin angekommen, checke ich im Hostel ein und fahre dann sofort zum BMW Händler. Bevor ich nach Mexiko und Mittelamerika weiterreise, möchte ich noch einen kurzen Check machen lassen, neue Reifen aufziehen und ein paar Ersatzteile kaufen. Ich will heute zumindest noch Kontakt aufnehmen und einen Termin vereinbaren.
    Ich habe Glück. Der Service Mitarbeiter sagt, sie erledigen das sofort. Der Check ergab keine Mängel, ich erhalte alle Ersatzteile und fahre nach ca. 2 1/2 Stunden mit neuen Reifen wieder davon.

    Da ich die letzten fünf Tage durchgefahren bin, ist Freitag mal Ruhetag. Auf dem Plan steht bloß ein Friseurbesuch und eine Buchhandlung, um nach einem Reiseführer für Mexiko zu suchen. Ich bleibe dann doch bei einem elektronischen Buch, kaufe aber ein Spanisch Büchlein mit den wichtigsten Phrasen und Wörtern.

    Am Abend gehe ich mit zwei Leuten, also sie gehen, ich, faul wie ich bin, obwohl ich auch etwas Bewegung vertragen könnte, fahre mit dem Motorrad zur etwa 3 km entfernten Congress Avenue Bridge.
    Unter der Brücke lebt die größte Fledermauskolonie Nord Amerikas mit 750.000 bis 1.5 Mio Tieren. Jeden Abend bei Sonnenuntergang starten sie, um auf Nahrungssuche zu fliegen. Über mehrere Minuten hinweg ist es wie ein endloses Band an Tieren, die unter der Brücke ins Freie strömen. Sie sammeln sich in einer Wolke am Himmel, bevor sie sich in alle Richtungen zerstreuen.

    Am Samstag steht ein wenig Sightseeing auf dem Plan. Ich fahre zum „Circuit of the Americas“, der Formel 1 Rennstrecke, die etwa 20km vor der Stadt liegt. Der Weg war umsonst. Hier kann .. könnte .. man eine Tour auf einen Turm mit Blick über die Rennstrecke machen. Leider ist ein Rennen oder ein Training im Gange und die Tour ist gesperrt. Deshalb fahre ich weiter zum Mt. Bonell, von dem man einen guten Ausblick über einen Teil von Austin hat. Zum Rumlaufen wird es am frühen Nachmittag viel zu heiß.
    Eine willkommene Abkühlung bietet der Barton Springs Pool, der mitten in der Stadt liegt. Hier entspringt eine natürliche Quelle. Das Wasser ist ziemlich kalt, trotzdem bleibe ich durchgehend eine Stunde im Wasser. Am liebsten würde ich gar nicht mehr rausgehen, so angenehm ist es.

    Austin dürfte im Moment eine beliebte Stadt sein, besonders bei jungen Leuten und Studenten. Im Hostel sind ein paar Studenten, die übergangsweise für ein paar Tage oder auch Wochen hier wohnen, bis sie ein Apartment gefunden haben.

    Im Hostel treffe ich auch auf Tino, einen Deutschen, der für ein Jahr eine Weltreise macht und auch vor ca. 5 Wochen gestartet ist. Da wir kulturell aus dem gleichen Bereich kommen, unterhalten wir uns ein wenig über die Eindrücke, die wir gewonnen haben. Eine Sache, an die wir uns gewöhnen mussten, ist diese Small-Talk Kultur. Hier quatscht man einfach mit jedem, überall, über irgendetwas. An der Ampel, an der Tankstelle, beim Einkaufen, an der Rezeption, beim Frühstück, wenn man wartet, dass der Regen vorüberzieht, … nur ein paar Worte oder auch ein paar Minuten.
    Wir waren einer Meinung, wenn man bei uns zu Hause von der Seite angequatscht wird, denkt man sich hauptsächlich: WAS will er/sie von mir?

    Sonntags verbringe ich vor dem Computer, ein wenig die Mexico Karte studieren, schreiben, Wäsche waschen … .Ich muss zugeben, ich habe doch ein wenig ein mulmiges Gefühl. Es ist unglaublich, wie viel gefestigter man sich fühlt, wenn man die einheimische Sprache sprechen kann. Welche sprachlichen Schwierigkeiten auf mich zukommen, habe ich bereits erfahren. Abends hole ich mir ein, zwei Bier von einem nahen Pub. Vor dem Pub steht ein kleiner Food Truck. Bei uns wären das die Imbissbuden. Von den Food Trucks gibt es in Austin sehr viele. Manchmal stehen sie in kleinen Gruppen zusammen und bieten Snacks, Eis, Getränke oder Essen an.

    Der Food Truck vor dem Pub wird von Mexikanern betrieben. Die vorwiegende Kundschaft ist auch spanisch sprachig. Am ersten Tag ist ein Mädchen dort, das die Bestellung auf englisch aufnimmt und spanisch, an wahrscheinlich die Eltern, weitergibt. Ich esse einen kleinen Taco. Etwa Handteller groß, mit Hühnerfleisch, Zwiebeln, Petersilie, dazu eine Limette. Ich nehme einen Bissen .. er schmeckt so gut. Geschmacksnerven explodieren in meinem Mund und entfachen ein Feuerwerk.

    Ich schweife ab. Da mir der Taco ausgezeichnet geschmeckt hat, gehe ich am nächsten Tag wieder zu diesem Food Truck. Heute sind nur die Eltern am Arbeiten. Sie sprechen fast kein Wort englisch, ich fast kein Wort spanisch. Ich denke mir: „Ok, so wird sich das also die nächsten Wochen abspielen.“ Dann kann ich hoffentlich ein paar Worte. Es funktioniert trotzdem.
    Vor dem Food Truck steht ein weißer Plastik Tisch mit vier Plastik Stühlen. Zwei Mexikaner, vielleicht sind sie auch aus einem anderen Land, mit texanischen Hüten sitzen am Tisch und Essen. Ich setze mich dazu und esse. Wieder schmeckt das Ding hervorragend. Ich bestelle sofort einen zweiten und setze mich wieder an den Tisch. Einer der beiden schiebt mir wortlos die Tube mit der Salsa zu. Ich weiß schon, wo ich heute Abend essen werde.

    19.08., 20.08.

    Am 21.08. werde ich in McAllen / Reynosa die Grenze nach Mexico übertreten. Auf dem Weg dorthin, durchfahre ich eine Ölfördergegend. In einer der Städte pumpen viele kleine Förderanlagen mitten in der Stadt, in den Vorgärten und auf öffentlichen Flächen, das Schwarze Gold an die Oberfläche. Ein leichter Geruch von Öl hängt in der Luft. Finden sich keine Ölförderanlagen, dann sind es riesige Felder, die bis an den Horizont reichen. Die Erntezeit scheint vorbei zu sein. Die Felder sind abgeerntet und bloß noch große braune staubige Flächen.

    Hasta luego en Mexico.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.