Schlagwort: Bestechung

  • Honduras, Off-Road

    Honduras, Off-Road

    Album

    10.09. – 14.09.

    Ich verlasse Monterrico frühzeitig und mache mich auf den Weg Richtung Honduras, mit dem Tagesziel Copán Ruinas, gleich hinter der Grenze. Eine weite Strecke liegt vor mir. Aber es geht gut voran. Etwa 80 km vor der Grenze sehe ich zwei BMW Motorräder am Straßenrand stehen. Es ist das erste Mal seit meiner Abreise, dass ich andere sehe, die ebenfalls wie ich Richtung Süden unterwegs sind. Ich bremse mich sofort ein. Es sind Renate und Bart aus Holland, ein sehr nettes Pärchen, die auch Richtung Südamerika unterwegs sind. Wir beschließen, gemeinsam weiter zu fahren.
    An der Grenze zu Honduras gibt es überraschenderweise keine Helfer. Zur Erinnerung, die „Helfer“ sind Personen, die einen an der Grenze begleiten und sagen: Lauf hierhin und dahin und am Ende wollen sie etwas Geld. Aber helfen tun sie nicht wirklich.
    Wir benötigen etwa zwei Stunden, um die drei Motorräder über die Grenze zu bringen. Wieder von A nach B laufen und einen Haufen Kopien machen lassen. Viele Daten werden per Hand erfasst und in den Pass geschrieben. Bei den Abläufen an den Zentralamerikanischen Grenzen gibt es noch viel Verbesserungspotential, aber erneut kann ich überhaupt nichts Negatives sagen. Wir wechseln Geld, bezahlen die Einfuhrgebühren und sind in wenigen Minuten in Copan Ruinas.

    Dort halten wir vor dem Hotel/Hostel/Restaurant/Bar ViaVia. Eine belgische Kette. Das Hotel wird von einem äußerst freundlichen und hilfreichen Belgier geführt. Er ist selbst Motorradfahrer und weiß so gut wie alles über Zentralamerika, gibt uns Tipps, welche Orte wir besuchen sollen, worauf wir achten sollen, wo es BMW Händler gibt und welche Straßen wir nehmen sollen.
    Er gibt uns auch Unterricht, wie man hier richtig Polizisten besticht.
    In der Regel ist es so, dass bei einem Vergehen der Führerschein einbehalten wird. Die Strafe wird bei der Bank bezahlt. Wenn die Strafe bezahlt ist, erhält man den Führerschein wieder zurück. Bloß als Reisender hat man nicht die Zeit für solche Sachen. Man soll nie einen direkten Bestechungsversuch machen. Erst mal lange genug diskutieren und streiten. Dann damit argumentieren, dass man keine Zeit hat und weiter muss und fragen, ob es keinen anderen Weg gibt. Den Beamten fragen, ob es möglich ist, ihm das Geld zu geben und er bezahlt die Strafe bei der Bank ein. Und dann hoffen, dass der Beamte darauf einsteigt.

    Wir bleiben zwei Nächte in Copán Ruinas und feiern etwas in der ViaVia Bar. Ich bin froh, dass ich nach so langer Zeit gleichgesinnte Personen treffe, mit denen ich mich unterhalten kann. Unser Zeitplan bis Costa Rica ist ungefähr gleich und so reisen wir für die nächsten Tage gemeinsam.

    Am nächsten Tag steht Sightseeing auf dem Plan. Copán war einst eine bedeutende Stadt der Maya. Mit einem kleinen TukTuk Taxi geht es zu den Ruinen. Wir drei passen kaum auf den Rücksitz. Die Fahrt auf den steinigen, steilen Straßen zu den Ruinen ist ein Abenteuer für sich. Mehrmals befürchte ich, wir müssen aussteigen und schieben oder fallen ganz einfach um.
    Die Ruinen sind weitläufig in einem grünen Tal, die alten Gemäuer mit Bäumen überwuchert.

    12.09.

    Wir fahren weiter nach La Esperanza, die letzten 30 Kilometer geht es Off-Road durch die Gegend. Mein erster wirklicher Off-Road Einsatz. Zeitweise ist es für mich als Neuling ziemlich anspruchsvoll. Aber ich komme heil an.

    Als wir am nächsten Tag beim Frühstück sitzen, hören wir Trommelgeräusche und Musik. Bart sieht nach. Es handelt sich um eine Parade von Kindern. Vielleicht Schulanfang, ich kann es nicht sagen. Anscheinend sind aus der ganzen Gegend die Schulen in La Esperanza zusammengekommen. Die unterschiedlichen Schulen haben unterschiedliche Motive. Die Kinder sind verkleidet, tanzen durch die Gegend. Zum Teil kommt es mir auch so vor, als hätten die Kinder keine Ahnung, wofür der ganze Humbug gut ist. Manchmal sehen sie müde und gedankenverloren durch die Gegend.

    Wir fahren ab. Der erste Teil der Strecke ist wieder Off-Road. Anfangs fahren wir auf einer erdigen Straße. Wir gelangen an eine sehr schlammige Stelle. Es gibt nur eine Spur. Bart fährt vor, Renate wartet, bis er durch ist. Ich bin ganz hinten. Nach Bart startet Renate, um die schlammige Stelle zu überwinden. Als sie mittendrin ist, kommt von der anderen Seite ein Kleinbus und quält sich schleudernd den Berg hoch. Ich frage mich nur: Warum? Der Typ hat doch gesehen, dass es nur eine Spur gibt und Renate schon mittendrin ist. Der Bus steckt und Renate kann auch nicht vorbei. Sie stellt den Motor ab. Es wird gewartet. Hinter mir und auch von der anderen Seite nähern sich weitere Fahrzeuge. Für ein paar Minuten passiert gar nichts. Es wäre nicht so schwer, Renate ein Stück zurückzuziehen, aber wozu? Der Busfahrer hat sich reingedrängt. Doch der sitzt bockend in seinem Fahrzeug. Letztendlich ziehen wir mit der Unterstützung von ein paar Einheimischen das Motorrad von Renate ein Stück zurück, damit der Bus vorbei kann.

    Die Straße wird steiniger. Irgendwann passiert es. Ich falle. Mein linker Koffer wird von der Halterung gerissen und sieht ziemlich mitgenommen und verzogen aus. Das Motorrad hat zum Glück nichts abbekommen. Bart und Renate sind hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ich richte das Motorrad auf. Dann leere ich den Koffer. Mit einem Stein schlage ich von innen auf Wand, um sie etwas auszubeulen. Bart kommt zurück. Ich bekomme den Koffer soweit hin, dass er wieder auf die Halterung passt. Wasserdicht ist er nicht mehr. Auf der Innenseite ist ein kleines Loch. Aber er hält.

    Wieder auf einer asphaltierten Straße machen wir eine kurze Pause. Ein paar Schulkinder gesellen sich zu uns. Wir „unterhalten“ uns eine Weile. Bart lässt die beiden Jungen auf seinem Motorrad sitzen und im Leerlauf Gas geben. Die zwei haben sichtlich Spaß an der Sache.

    In San Lorenzo, am Meer, machen wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Wir fragen bei ein paar nach den Preisen. Zu teuer für das, was geboten wird. Bei einem Hotel beginnen wir zu handeln und drücken den Preis etwas. Es gibt sowieso keine Gäste. Da ist es besser, etwas mit dem Preis runter zu gehen, als überhaupt kein Geschäft zu machen.

    14.09.

    Es ist Samstag und die nächsten drei Tage sind in Zentralamerika Feiertage. Auch in San Lorenzo findet am Vormittag eine Parade statt. Wir sehen nicht mehr ganz so lange zu, wie tags zuvor und fahren Richtung Nicaragua.

    Kurz vor der Grenze werden wir angehalten. Ein einzelner Polizist und ein ganzer Haufen von ‘Helfern’. Er will unsere Papiere sehen. Uns ist die Sache nicht ganz geheuer mit einem Polizisten und den vielen Leuten, die uns umringen und alle auf uns einreden. Wir wollen die Papiere nicht aus der Hand geben. Wir haben danach nochmal darüber gesprochen. Es waren die Helfer, die uns da reingeritten haben, mit den Anmerkungen wir haben keinen Respekt vor der Polizei. Ab einem gewissen Zeitpunkt redet der Polizist nicht mehr mit uns und ruft über Telefon Kollegen. Wir warten. Bart schlägt vor, wir fahren einfach weiter. Ich rate davon ab, weil ich überzeugt bin, das bringt uns in Schwierigkeiten. Ein paar Minuten später kommen zwei andere Polizisten auf einem Motorrad. Die Helfer sind verschwunden. Das Missverständnis klärt sich und wir können weiterfahren.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Guatemala, von den Mühen einer Einreise und eine Unterkunft zu finden

    Album

    08.09.

    Ich mache mich heute zeitig auf den Weg. Diesmal gleich Richtung Süden nach Hidalgo.
    Bei der Ausreise knöpft mir der Beamte in Mexico 30 USD für das Visum ab. Gesetz ist Gesetz. Ich war tags zuvor ausgereist und bin wieder eingereist. Ich verlange eine Rechnung. Kann er nicht ausstellen, ich kann zu einer Bank gehen und dort zahlen, wenn ich eine Rechnung möchte. Heute ist Sonntag. D.h. die Banken haben geschlossen. Widerwillig zahle ich die Gebühr. Ich bezweifle, dass das Geld in die offizielle Kassa wandert.

    Auf dem Weg zur Grenze ist mir wieder einer mit seinem Motorrad gefolgt. Sobald ich an der guatemaltekischen Grenze bin, gesellt sich aber ein anderer zu mir. Erklärt mir, da musst du hin, dort musst du hin usw. Ich bezahle erneut die 12 Quetzal für die Desinfektion des Motorrads und gehe zur Passkontrolle. Wie erwähnt, bin ich am Vortag nicht korrekt ausgereist. Das kostet 200 Quetzal / ca. 22 EUR Strafe. Steht in 10 verschiedenen Sprachen gleich über der Passkontrolle. Ich versuche zu erklären, dass ich nicht wirklich in Guatemala war. Nutzt nichts. Geld wechseln. Noch dazu zu einem merkbar schlechteren Kurs als gestern. Weil Sonntag ist, oder wie? Ich brauche das Geld, handeln bringt nichts. Ich bezahle die Strafe und erhalte den Einreisestempel. Auch so kann man sein Geld verprassen.

    Weiter zur Fahrzeugregistrierung. Dort lege ich alle Papiere vor. Sie werden begutachtet. Reisepass, Zulassungsschein, Führerschein. Ich habe bereits den Zulassungsschein im Scheckkartenformat. Aber dem wird hier nicht getraut. Zum Glück habe ich auch noch den gelben Schein in Papierformat mit. Der ist zwar schon Mitte Juli abgelaufen, aber hilft hier sehr viel mehr weiter. Die Dame erklärt mir, ich benötige eine Übersetzung von einem Notar. Ich frage warum? Antwort: Das ist einfach so. Wir diskutieren eine Weile. Ich frage, was das kostet. Der Kumpel, der mich die ganze Zeit begleitet, mischt sich ein. Normalerweise 200 bis 300 Quetzal, heute ist Sonntag, da kostet das bestimmt 400 oder mehr. Ich versuche zu erklären, dass ich Informationen eingeholt habe und ich nichts von einer notwendigen Übersetzung weiß. Wir diskutieren noch eine Weile. Dann gebe ich ihr wütend zu verstehen, dass sie mir meine Papiere zurückgeben soll.

    Ich fahre zurück nach Mexiko. Diesmal melde ich mich ordnungsgemäß in Guatemala ab. In 2 Tagen bin ich 3-mal aus Mexiko ausgereist und wieder eingereist. Wieder alles auspacken und durchsuchen lassen. Ich klage der Grenzbeamtin mein Leid. Sie fragt: „Es muy complicado, hm? / Es ist sehr kompliziert, oder?“ „Si“.

    Ich fahre zur nächsten Grenzstation nach Talisman. Dort angekommen, winken mich wieder die Leute pfeifend und deutend auf die Seite. Das Visier von meinem Helm ist hochgeklappt. Ich frage laut: „Porque? / Warum?“ Darauf haben sie keine Antwort und geben Ruhe. Ich werde von Geldwechslern umringt, die mit ihren dicken Büscheln Geld winken. Ich sage, dass ich nichts benötige. Sie beginnen fast untereinander zu streiten, wer mit mir Geschäfte machen darf.

    Was kommt zuerst an der Grenze? Natürlich dein persönlicher Begleiter. Er ist sofort an meiner Seite. Der hier spricht ein wenig englisch. Sie machen nichts anderes, als ständig neben dir herzulaufen, deine Papiere zu sortieren, sich in das Gespräch mit den Beamten einzumischen und ihren Senf abzugeben.

    Die vielen Einreise- und Ausreisestempel innerhalb von zwei und denselben Tagen verwirren die Beamten. Ich werde in das Büro des Obersten, der hier Dienst hat, gebeten. Dort erzähle ich die ganze Geschichte der letzten zwei Tage und dass an der anderen Grenze ein Dokument von einem Notar verlangt wurde, von dem ich nicht verstehe, warum. Mein Spanisch Kenntnisse verbessern sich vor allem an der Grenze sehr. D.h. nicht, dass ich fließend sprechen kann. Meine Kenntnisse sind noch immer bescheiden, aber ich lerne immer ein paar Worte dazu, die mir beim nächsten Mal weiterhelfen. Der Oberste ist auch äußerst freundlich. Sowas beruhigt schon sehr. Er telefoniert ein wenig herum. Alles OK, ich kann passieren. Ich frage ihn dann noch, wer diese Leute sind, die da dauernd mit mir rumlaufen, ob das offizielle sind? Er meint, nein, die soll ich ignorieren.

    Bei der Fahrzeugeinfuhr sind es wieder die vielen Stempel im Pass, die verunsichern. Ich erkläre noch mal alles. Die Dame telefoniert ebenfalls herum und sagt mir dann, ich benötige keine weiteren Dokumente von einem Notar oder sonst etwas. Alles was benötigt wird sind die nationalen Dokumente und hilfreich sind die internationalen Übersetzungen vom Führerschein und Zulassungsschein. Ich muss Kopien machen. Mein Begleiter zeigt mir den Kopiershop. Kostet 4 Quetzal. Ich krame in meiner Geldbörse. Ich habe nur 3. 3 sind auch genug. Du Sackgesicht! Wahrscheinlich hätte es nur 2 gekostet. Die stecken hier alle unter einer Decke. Ich bin heute schon ziemlich genervt.

    Für die Bearbeitung sind 160 Quetzal an der Bank nebenan zu bezahlen. Vor der Bank steht ein Soldat, das Gewehr in seinen Händen. Es warten 7 oder 8 Personen. Mein Begleiter schiebt mich gleich an den Anfang der Schlange und meint, das passt schon. Das ist ein Service extra für mich. Der Soldat sagt auch nichts. Ich erkläre meinem Begleiter, dass dies unfair gegenüber den anderen ist, und stelle mich hinten an. Nachdem ich bezahlt habe, wird das Motorrad noch begutachtet, ob Marke, Farbe, Seriennummer übereinstimmen. Ich erhalte einen Aufkleber und darf fahren. Mein Begleiter bittet zum Schluss um ein „Trinkgeld“. Ich überlege und gebe ihm 10 Quetzal. Bereue es aber zwei Minuten später wieder. Das war heute sowieso das letzte Mal, dass ich das zugelassen habe. Man kommt auch so durch. Ein wenig spanisch sollte man aber trotzdem können.

    Die heutige Dauer, beide Grenzstationen zusammengerechnet, inkl. Fahrt von der einen zur anderen, betrug ca. 4 1/2 Stunden. Zum Glück ist in Guatemala eine andere Zeitzone und man gewinnt 1 Stunde. Ein paar km vor dem Ziel tanke ich auf. Mitten im Tanken kommt mir. Verdammt du hast vergessen noch Geld zu wechseln. Er fragt mich, wie ich zahlen möchte. Mit Kreditkarte oder mit Bargeld. Ich sage mit Kreditkarte. Er antwortet, der Apparat funktioniert leider nicht. Mann, warum fragst du dann? Das Benzin geht sich aus. Mir bleiben noch 37 Quetzal, knapp 4€. Damit wirst du nicht weit kommen.

    Ich erreiche Monterrico, zum Teil durch strömenden Regen. In Monterrico frage ich mich durch die Hostels, ob ich mit Kreditkarte bezahlen kann. Nein leider nicht, der Apparat funktioniert nicht. Ich verstehe, Kreditkarten sind nicht gerne gesehen. Gibt es eine Wechselstube? Nein, leider auch nicht. Wo gibt es einen Cajero? / Einen Bankomat? Dort kann ich aber weder mit der Kreditkarte noch mit der Bankomatkarte abheben. Vielleicht sind die Systeme am Sonntag heruntergefahren und ich habe morgen mehr Glück. Ich frage im Laden gegenüber, ob es einen anderen Bankomat gibt. Ja, aber er rät mir ab. Der ist nicht sicher. Es ist bereits dunkel. Man sagt mir, im Hostel Jonny’s Place kann man mit Kreditkarte bezahlen. Ich begebe mich auf die Suche und bleibe dann aber gleich beim ersten Hotel stehen, wo eine Visa Schild draußen hängt. Mit Visa zahlen kostet zwar 10% mehr. Aber bei 15 EUR die Nacht wird nicht lange nachgedacht. Ich bin froh, dass ich eine Unterkunft habe. Für 9 Quetzal kaufe ich mir noch 2l Wasser und eine kleine Tüte Chips, damit ich nicht ganz hungrig ins Bett muss. Bleiben noch 28 übrig. Das Mobiltelefon funktioniert nicht, wo immer ich frage: kein Internet, kein Bankomat, Kreditkarten helfen auch nicht weiter, kein Geld. Willkommen im Abenteuerland.

    Monterrico ist ein kleines Dorf. Besteht eigentlich fast nur aus Hotels und Hostels, Restaurants und kleinen Läden. Aber es ist nett und relaxed.

    09.09.

    Am nächsten Tag kann ich in der Bank Geld wechseln. Ich genehmige mir ein anständiges Frühstück. Mein Motorrad erhält eine Abreibung und wird per Handwäsche vom Schmutz der letzten Wochen gereinigt. Ich schlendere durch das Dorf und spaziere den langen Strand entlang. Mittags bis nachmittags halte ich Siesta in der Hängematte. Man passt sich an.

    Am Abend sitze ich im Hotel am Strand. Ein kleine Gruppe von Leuten steht unweit von mir. Eine der Personen kommt zu mir. Er stellt sich als Mitarbeiter des Tierschutzvereins vor. Sie sind am Strand, um kleine Schildkröten auszusetzen. Er fragt mich, ob ich mich anschließen möchte. Für eine kleine Spende von 10 Quetzales darf ich zwei Schildkröten persönlich in die Freiheit entlassen. Sie sind kaum größer als mein Handteller und schwarz. Wir setzen die Schildkröten an einer Linie ab, um ein Wettrennen zu simulieren. Einige bewegen sich schnell ins Meer, andere benötigen etwas länger. Von den Wellen werden sie mehrmals wieder um ein paar Meter zurück an den Strand geschleudert. Nach einer Weile jedoch verschwinden die winzigen Tiere im großen weiten Ozean. Viel Glück auf der Reise.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.

  • Von den Mühen ein Land zu verlassen

    Von den Mühen ein Land zu verlassen

    07.09.

    Was ist los Mexiko? Noch gestern gibst du mir mit einem Grollen zu verstehen, dass es Zeit ist weiter zu ziehen und heute lässt du mich nicht gehen?
    Ich fahre zwischen 9:15 und 9:30 los. Mein Tagesziel in Guatemala liegt ca. 300 km entfernt. Bis 16:00 Uhr sollte ich am Ziel sein.

    In der Nähe von Tapachula gibt es zwei Grenzübergänge nach Guatemala. Der eine gleich hinter Tuxtla Chico, etwa 15 bis 20 km von Tapachula und der andere, etwas weiter im Süden bei Ciudad Hidalgo, etwa 35 km entfernt
    Ich fahre zum näheren Grenzübergang nach Tuxtla Chico.

    Auf dem Weg zur Grenze laufen immer wieder Leute pfeifend und deutend auf die Staße und versuchen mich aufzuhalten und zum Stehenbleiben zu bewegen. Aber dazu später mehr.

    Bevor ich ausreise, frage ich die Beamten, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Ich werde zum Zollgebäude gesendet. „Können Sie hier nicht machen. Es handelt sich um einen kleinen Grenzübergang.“ Mehrere Leute reden durcheinander. Ich muss zum anderen Grenzübergang fahren. Das kann ich nur in Tapachula machen. Nein, in Huixtla. Ich verstehe so gut wie gar nichts mehr. Da mein Reisepass schon ausgestempelt ist, muss ich nochmal das Visum ausfüllen. Ich erhalte einen neuen Einreisestempel.

    Das Motorrad ist leider schon im Niemandsland. Sofort sind auch Geldwechsler an meiner Seite. Ich brauche kein Geld. Also wieder zurück und durch die Kontrolle. Ich nehme die Autospur. Vor dem Schranken werde ich angewiesen, das Motorrad zurückzuschieben und die Motorradspur zu nehmen. Es ist verdammt heiß, ich schwitze dementsprechend unter der dicken Jacke und es macht überhaupt keinen Spaß das schwere Motorrad durch die Gegend zu schieben. Für die Grenzübergänge und die Formalitäten habe ich mir jedoch angewöhnt kurze Hosen anzuziehen und erst danach wieder in die Motorradhose zu schlüpfen.

    Ich muß das ganze Prozedere über mich ergehen lassen. Koffer auf, auspacken, Fragen, … . Die Grenzbeamtin ist sehr nett und spricht auch englisch. Erzählt mir, dass sie voriges Jahr in Wien gewesen ist. Ich frage wie es ihr gefallen hat. „Sie meint sehr gut. Es ist sehr sauber.“

    Ich fahre also zur anderen Grenzstation. Auf dem Weg dorthin muss man durch die Stadt. Ein einheimischer Motorradfahrer fährt mir eine Weile nach. Auf der Suche nach dem Grenzübergang bleibe ich kurz stehen, um mich zu orientieren. Er gibt mir zu verstehen, dass ich seine Dienste benötige. Ich sage: „No necesito / Nein, brauche ich nicht.“ Er besteht darauf, zückt eine Visitenkarte. Ich sage: „No es verdad. /  Das ist nicht wahr.“ Ich frage eine Frau nach dem Weg, sie gibt mir eine ungefähre Richtung. Schließlich lässt der Motorradfahrer von mir ab.

    Auch am anderen Grenzübergang frage ich, wo ich mein Motorrad abmelden kann. Die Dame winkt mich einfach weiter. Ich fahre durch, bezahle noch Maut und bin auch schon in Guatemala.

    Zuerst werde ich aufgehalten. Ein Mann in Zivilkleidung ist sofort an meiner Seite, ruhig, nicht aggressiv. Erklärt mir, dass ich hier mal mein Motorrad desinfizieren lassen muss. Da mich vorher so viele Leute versucht haben mich aufzuhalten und mir was andrehen wollten, glaube ich ihm zuerst nicht so ganz. Dann hält mich auch ein Beamter in Uniform auf. Ein anderer läuft mit einer Spritze um mein Motorrad und sprüht es im unteren Bereich etwas ein. So verdreckt wie mein Motorrad mittlerweile aussieht, hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit. Aber gut. Kostet 12 Quetzal. Ich muss in der einheimischen Währung zahlen. Habe ich noch nicht. Die Person an meiner Seite ruft eine Wechsler, bei dem ich 20 USD umtausche. Zu einem denkbar schlechten Kurs, wie man annehmen kann. Scheiß drauf, wegen 50€ Cent fange ich nicht zu diskutieren an.

    Gleich neben der Inspektionsstelle liegt die Passkontrolle in einer unscheinbaren Hütte. Kann ich nicht glauben und fahre ein paar Meter weiter, wo ich angewiesen werde, das Motorrad mal abzustellen. Ich werde gefragt, ob ich die Passkontrolle hinter mir habe. Nein, habe ich nicht, wo? Der Beamte gibt mir zu verstehen, dass es sich um die unscheinbare Hütte handelt. Ok, also ein paar Meter zurücklaufen. Ich werde gefragt, wie lange ich bleiben möchte. Ca 1 Woche. Stempel rein, das war es auch schon. Zurück beim Motorrad, weist man mir den Weg in ein Gebäude zur Registrierung des Fahrzeuges. Ich sage, ich muss das Motorrad noch abmelden. Wo kann ich das machen? Das musst du in Mexiko machen. Die Zivilperson, die die ganze Zeit über an meiner Seite war, wollte wohl auch etwas Geld. Ich starte meine Maschine und fahre ab.

    Verdammt nochmal! Also zurück nach Mexiko. Wieder an der mexikanischen Grenzstation, frage ich nochmal, wo ich das Motorrad abmelden kann? „Da drüben beim Zoll.“
    Ein junger Grenzbeamter nimmt sich meiner an. Er spricht langsam und deutlich und erklärt mir, dass ich ca. 100km zurück in das Landesinnere fahren muss. Er ärgert sich, dass er nicht besser englisch kann und ich mich, dass ich nicht besser spanisch kann.

    Die entsprechende Zollbehörde befindet sich ein paar Kilometer hinter der Stadt Huixtla. Dort kann ich mein Fahrzeug wieder abmelden. Es ist schon nach Mittag. Die Hitze ist unerträglich und ich muss hier von einer Ecke auf die andere fahren und laufen.

    Bevor ich losfahre, fragt er nochmal: „Wo musst du hin?“ Ich kann den Ort nicht aussprechen. Er fragt: „Hast du überhaupt verstanden, was ich dir erklärt habe?“ „Ja, ja! Ich weiß, wo ich hin muss.“
    Und zwar auch aus dem Grund, weil ich gestern auf dem Weg nach Tapachula die Position der Zollstation in meinem GPS Gerät gespeichert habe, als ich daran vorbeigefahren bin. Ich wollte nur nicht so richtig wahrhaben, dass ich noch mal 100km zurück muss.
    Während wieder meine Sachen durchsucht werden, „plaudern“ wir noch ein wenig. Er möchte wissen, wie Österreich ist und wie die Situation in Europa so aussieht.

    Klarerweise muss ich auch wieder an den Militärkontrollen halten, Koffer durchsuchen, Fragen über mich ergehen lassen. Mittlerweile kann ich auf spanisch schon sehr gut erklären, wo mein Problem liegt.

    An der Zollstelle wird noch mal überprüft, ob die Papiere mit dem Fahrzeug übereinstimmen und ich erhalte eine Bestätigung. Ein Beamter eskortiert mich mit einem Fahrzeug noch ein paar Kilometer Richtung Tapachula, bevor wir kurz anhalten und er mir die Papiere aushändigt. Damit ich auch wirklich wieder auf der Autobahn Richtung Guatemala bin.

    Wieder in der Nähe von Tapachula, geht es schon auf 15:00 Uhr zu. Ich bin schon etwas k.o., auf meinen Knien und Unterschenkeln beginnt sich ein Sonnenbrand abzuzeichnen und mein Ziel liegt noch 300 km entfernt. Ich habe keinen Plan B für ein näheres Ziel, und da es sowieso bald wieder zu regnen beginnt, beschließe ich eine weitere Nacht in Tapachula zu bleiben.

    Meine letzten Pesos, habe ich heute Morgen bei der Abfahrt in Treibstoff investiert. Ich checke wieder im Hotel ein wo ich mit Kreditkarte zahlen kann und schaffe es gerade noch in einer Wechselstube weitere 20USD in Pesos zu tauschen, damit ich nicht hungern muss.

    Morgen auf ein Neues, die Ausreise dürfte ja jetzt kein Problem mehr sein. Und wie es bei der Einreise vor sich geht, habe ich ja zum Teil ja auch schon durchgemacht. Aber gespannt bin ich trotzdem etwas, weil ich schon den Stempel im Pass habe. Offiziell bin ich ja schon in Guatemala.

    Und jetzt zu den Leuten, die versucht haben, mich von der Straße zu holen. Gestern habe ich noch ein wenig im Internet gesurft. Ich wollte mir noch ein paar Informationen zur Einreise nach Guatemala holen. Auf einem Blog von einem anderen Reisenden habe ich dann gelesen, dass es sich um Keiler handelt, die mit unwissenden Touristen Geld verdienen wollen.

    Mit dem Vorwand bei den Grenzformalitäten zu helfen, zu übersetzen und dass man irgendwelche Papiere benötigt. Fast aggressiv laufen sie auf die Straße, pfeifen und deuten mit den Händen, dass man stehen bleiben soll. Auf eine Weise, als wäre irgendetwas passiert. Wenn man sich nicht auskennt, kann man sich hier schon etwas eingeschüchtert fühlen.

    Bewaffnet mit der Information vom Blog fahre ich zügig durch. Auf keinen Fall stehen bleiben. Wenn man mal von ein paar Leuten umringt ist, ist es schwerer wieder rauszukommen.
    Vom gleichen Schlag war der Motorradfahrer, der mir auf dem Weg zum anderen Grenzübergang nachgefahren ist. Wenn mich morgen wieder jemand aufhalten möchte, vielleicht bleibe ich kurz stehen, wenn ich mir der Situation sicher bin, und frage nach, wobei man mir helfen möchte.

    Bei der Ausreise aus Mexiko fallen keine weiteren Kosten an. Man benötigt auch keine Hilfe oder irgendwelche Übersetzungen von irgendjemand.
    Alles, was man benötigt, sind die Dokumente, die man bei der Einreise erhalten hat. Das Fahrzeug muss bloß an einer Zollstation wieder abgemeldet werden. Was leider bei mir etwa 100km Inlands war.
    An den Grenzstationen stehen sogar Schilder, dass man bestraft wird, wenn man versucht die Beamten zu bestechen.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.