Schlagwort: Bariloche

  • Begegnungen

    Begegnungen

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    Was für eine Woche! Begegnungen mit anderen Leuten sind ein großer Bestandteil  meiner Reise. So handelt dieser Artikel vorwiegend von Begegnungen in den letzten Tagen.

    07.01 – 09.01.

    Bei unserer Ankunft in Bariloche haben wir erhebliche Schwierigkeiten eine Unterkunft zu finden. Es ist Hochsaison. Nachdem wir uns durch gut 10 Hostels gefragt haben, finden wir eine Perle – Bariloche Inn. Die Aussicht auf den Lake Nahuel Huapi ist eine Wucht. Und wegen dem Wetter wärs auch gewesen, warum wir uns für 2 Nächte einquartieren. Wir können in kurzen Hosen rumlaufen! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal kurze Hosen anhatte.

    Wir sitzen am zweiten Tag am frühen Nachmittag gemütlich auf der Terrasse und kommunizieren über das Internet mit der Heimat. Danach kommen wir ins Gespräch mit Eli (ausgesprochen: ilai) aus den Staaten. Er sitzt auf der Terrasse und liest ein Buch von Stephen King. Ich versuche, seine Geschichte so gut wie möglich wiederzugeben.

    Eli stammt aus armen Verhältnissen und ist 34 Jahre alt. Als er 18, 19 Jahre alt war, hat sein bester Freund Selbstmord begangen. Zu jung, um das zu verarbeiten, hat er sich in Computerspiele, im speziellen in Strategiespiele, vergraben.
    Eli hat dann einen Job bei Microsoft erhalten. Dort war er bei der Entwicklung des Spiels „Ages of Empire“ beteiligt. Ages of Empire ist ein sogenanntes Echtzeit Strategiespiel, bei dem es darum geht, eine Wirtschaft aufzubauen und andere Länder und Völker zu erobern. Er hat bei Microsoft vorwiegend gespielt. Seine Aufgabe war es die künstliche Intelligenz des Spiels zu testen, damit die unterschiedlichen Gegner und Völker ungefähr gleich stark sind. Wie er erzählt, war er einer der Besten der Welt in diesem Bereich. Nach etwa einem Jahr war er ausgebrannt. 80-100 Stunden Arbeit die Woche, waren nicht unüblich.

    Nebenbei hat er schon immer Poker gespielt. Seit fünf Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt damit. Wenn er darüber spricht, dann nennt er es Arbeit. Er ist nicht reich, kann aber gut davon leben. Irgendwann in seinem Leben hat er mit einem Geschäftspartner ein Haus angemietet und dort ein illegales Pokercasino betrieben. Nachdem sie einmal ausgeraubt wurden, haben sie Sicherheitstüren einbauen lassen und Scheriffs, die sich etwas dazu verdienen wollten, als Sicherheitsleute engagiert.
    Irgendwer hat sie dann verpfiffen und das Haus wurde von einem SWAT Team gestürmt. Aufgrund der Sicherheitstüren hat das eine Weile gedauert. Eli erzählt, er hat seine Arme hinter dem Kopf verschränkt, gewartet und auf einem Monitor zugesehen, wie die Einsatzkräfte gut 15 Minuten gebraucht haben, um die Sicherheitstüren aufzubrechen. In Folge war er drei Tage im Gefängnis und ihm wurde das Wahlrecht in den Staaten entzogen.

    In den Vereinigten Staaten erhalten Berufsspieler, die bei Online Casinos ihr Geld verdienen, kein Bankkonto bei einer einheimischen Bank. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das gesetzlich geregelt ist, oder ob einfach die Banken das nicht machen. Viele Berufsspieler haben deshalb das Land verlassen. Eli hat gut ein Jahr irgendwo in Asien gelebt, im Moment nennt er Mexico City seinen Hauptwohnsitz. Aktuell ist er eine Weile in Südamerika unterwegs, bevor er wieder an die Arbeit geht.

    Als wir auf Eli getroffen sind, haben wir schon am frühen Nachmittag mit Bier begonnen. Wir trinken gemütlich über den Nachmittag in den Abend hinein und räumen den Kühlschrank leer. Irgendwann treibt uns der Hunger in das Stadtzentrum, wo wir ein Steak zu uns nehmen.

    Entlang der Hauptstraße befindet sich ein Indoor Eislaufplatz. Schon bei meinem ersten Besuch in Bariloche wollte ich Eislaufen gehen. Wir holen dies nach.
    Eli steht seit Kindheit wieder das erste Mal auf Eislaufschuhen, schlägt sich aber sehr gut. Ich bin seit Jahren nicht mehr gelaufen, habe aber durch Inline Skating eine gewisse Übung. Andi hat lange Zeit Eishockey gespielt, musste aber wegen Knieverletzungen aufhören. Er ist der König auf dem Eis, läuft vorwärts, rückwärts, schlägt Haken, dreht Pirouetten und springt Rittberger. Ein paar Leute winken ihn an den Rand des Eislaufplatzes. Sie bitten ihn, ihren Kindern ein wenig Nachhilfe zu geben. So eine halbe Stunde auf dem Eis kann ganz schön anstrengend sein.
    Zurück im Hostel ist klar, dass morgen nicht an eine Weiterfahrt zu denken ist. Es ist 3 Uhr in der Früh, zu Hause sitzen die Leute schon in der Arbeit. Ich telefoniere noch kurz mit einem Freund.
    Heute war ein guter Tag.

    Am nächsten Tag: spät aufstehen, frühstücken, zurück ins Bett und dann auf der Couch von einer Ecke in die andere fallen. Andi schneidet Videos, ich widme mich der „Readheaded League“ und anderen Geschichten.

    10.01.

    Lange Zeit fahren wir auf einer wunderschönen Strecke den Rio Negro entlang. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Geschichte hier ziemlich fad wird. 40 km vor Neuquen erwischt es Andi erneut. Wir sind so nah am Ziel. Die Reifenhändler in Neuquen warten sicher schon darauf, mit uns Geschäfte zu machen.
    Andi versucht, sich in ein nahes Dorf namens Senillosa zu retten. Aber nur 1 1/2 km davor ist der Reifen komplett hinüber und wickelt sich von der Felge.
    Ich laufe im Dorf von A nach Z bis ich endlich jemanden finde, der einen Anhänger hat. Wir bringen das Motorrad zum einzigen Hotel in diesem Dorf. Zumindest muss er nicht im Zelt schlafen.

    Ich schnalle Andis Reifen samt Felge auf meine Motorrad und fahre weiter nach Neuquen. Alle Hostels die ich abfahre sind voll. In einem der Hostels kann ich im Garten das Zelt aufschlagen. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt benutze. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich das Zelt überhaupt auspacke. Ich bin gespannt, in welchem Zustand es ist, nachdem es den unterschiedlichen Witterungen ausgesetzt war – Regen, Schnee, Staub, Kälte, Hitze, … . Es sieht gut aus. Auch in meinem Schlafsack, den ich ebenfalls das erste Mal auspacke, haben sich noch keine Mäuse oder anderes Getier eingenistet.

    Mein Motorrad liefere ich noch am Abend beim BMW Händler ab. Schön langsam bin ich der Überzeugung, dass mein Motorrad weiblichen Geschlechts ist, es möchte schon wieder neue Schuhe. 😉 Nichtsdestotrotz habe ich mit meinem Vorderreifen einen guten Griff gemacht 27.631km.
    Auch mein Dichtring für den linken Stoßdämpfer wird ausgetauscht.
    Andis Reifen wird nun ebenfalls von einem Profi aufgezogen – diese Probleme haben sich damit hoffentlich erledigt.

    11.01.

    Ich hole gegen Mittag mein Motorrad ab und komme mir beim Bezahlen vor wie ein Huhn, das gerupft wird.
    Gegen halb 2 Uhr Nachmittags bin ich bei Andi.
    Andi hat in der Zwischenzeit Hilfe von Maximilian angeboten bekommen. Maximilian und Alba, seine Frau, wohnen ein paar Meter vom Hotel entfernt. Wir werden von den beiden zum BBQ eingeladen, Argentinian Style auf Holzkohle. Wieder mächtig viel Fleisch.
    Maximilian ist Polizist, hat selbst zwei Motorräder. Er war oder ist noch immer bei der Motorradpolizei, schätzt aber die ruhige Arbeit hier im Dorf und in der Umgebung.

    Andi und ich fahren am späten Nachmittag noch weiter Richtung Norden und machen Halt in „25 de Mayo“, eine kleine Stadt, die entlang der Straße liegt.

    Gegenüber dem Hotel gibt es ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir ein paar Sachen einkaufen. Wir plaudern dann ein paar Minuten mit dem Verkäufer vor der Tür. Als wir so draußen stehen, stoppt ein Polizist und fragt nach der Polizeistation. Der Verkäufer erklärt den Weg. Dann fragt er mich, ob ich ein Reisetagebuch schreibe. Ich: „Ja.“ Er lachend: „Das gibt es in Österreich sicher nicht, dass ein Polizeibeamter nach der Polizeistation fragt. Hier in 25 de Mayo schon.“ Ich soll das unbedingt in meinem Reisebericht erwähnen.

    12.01. / 13.01.

    Der Bezirk, durch den wir fahren, wurde wohl der Einfachheit halber nach der Landschaft benannt „La Pampa“.
    Irgendwo mittendrin stoppen wir. Schon wieder steht eine Honda African Twin mit einem platten Reifen am Straßenrand. Auch ein Andreas aus Cordoba. Der Reifen ist ausgebaut. Andreas erzählt uns, dass er bereits das vierte Mal den Reifen flickt. Cordoba ist maximal 1.000km entfernt. Andreas aus Argentinien hat keinen passenden Schlauch dabei, bloß irgendeinen, den er irgendwo in der letzten Stadt ergattern konnte. Andi, aus Österreich, schenkt ihm seinen geflickten Schlauch. Wir helfen ihm beim Einbau und hoffen für ihn, dass der Schlauch die nächsten 300km bis Neuquen hält.

    Sind Personen mit dem Namen Andreas, die mit einer African Twin durch SüdAmerika reisen, grundsätzlich von Problemen mit Luft (Aire) im Reifen betroffen? Oder führt eine Fahrt über 400km, meist geradeaus, durch Pampa, bei gleißender Sonne, zu wirren Gedanken?

    Etwa 60km vor San Rafael bleibt Andi, glaubt mir oder nicht, wieder mal am Straßenrand stehen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob er ein Fahrzeug oder ein Stehzeug hat. Die Benzinpumpe ist ausgefallen. Da Andis Motorrad einen Vergaser hat, kann er das Problem überbrücken. Solange der Benzin im Tank höher als der Vergaser liegt, tut die Schwerkraft ihre Arbeit und versorgt den Motor mit Treibstoff.

    Von Steve erhalten wir eine lustige Mail, in etwa: „ … Wenn das so weitergeht, wird Jürgen bald bereuen, dich auf die Reise eingeladen zu haben … ich habe mir überlegt eine Zeit lang mit euch zu reisen, aber wenn ich mir die Probleme so ansehe, bin ich lieber alleine unterwegs … ich werde euch sicher bald wieder einholen, aber wundert euch nicht, wenn ich einfach an euch vorbeifahre, ohne stehen zu bleiben …“

    Das Zentrum von San Rafael lässt sich in kurzer Zeit ablaufen. Die Stadt lädt nicht ein, für mehrere Tage zu verweilen, aber es ist hier sauber und grün. Hohe Laubbäume in den weiten Straßen spenden zusätzlichen Schatten. Die Straßen sind gitterförmig angelegt, bieten aber am Vormittag immer die Möglichkeit, dass man sich im Schatten bewegt. Ob die Gründer und Stadtplaner damals schon so weitsichtig waren, die Stadt auf diese Weise anzulegen?
    Zwischen 13 und 17 Uhr schließen die meisten Geschäfte. Siesta. Draußen ist es dann ziemlich warm.
    Wir passen uns den lokalen Gepflogenheiten an. Erst am Abend beginnen sich die Straßen wieder mit Leben zu füllen.

    Am letzten Tag in San Rafael machen Andi und ich mit unseren Motorrädern einen Tagesausflug in den Canon Atuel. Ich werde nicht erneut darüber schreiben, wie schön die Strecke war, sondern die Bilder für sich sprechen lassen. Herausstechend war das Bad im Fluß, mitten auf der Strecke.

    Wir sehen am Abend noch bei einem Mechaniker vorbei, der vortags Andis Benzinpumpe ausgetauscht hat und mir meinen Kofferhalter schweißt, der an einer Stelle gebrochen ist. Wenn wir schon da sind, lasse ich auch gleich das Öl wechseln. Das alles inklusive Hausdackel.

    Im Hostel sind Andi und ich die einzigen Ausländer unter all den Argentiniern. Ich erlebe einen der nettesten Abende auf meiner Reise. Ich werde von ihnen „gezwungen“ mich auf spanisch zu unterhalten, man lernt mir „Truco“, ein lustiges Kartenspiel und ich trinke Mate, ein typisches südamerikanisches Getränk. Vielen Dank an all die Leute im Hostel für einen unvergesslichen Abend.

    Von Andreas aus Cordoba erhalte ich eine e-mail, dass er es mit unserem geflickten Schlauch bis nach Neuquen geschafft hat.

    Und dann waren da noch all die anderen Kleinigkeiten. Andi verliert wiederholt seinen Reservekanister. Da ich hinter ihm bin, sammle ich ihn auf, der Springbrunnen mit Wein, „Freddy Krueger“ im Hostel in San Rafeal, ein Drum-Player mit Alkoholproblemen, mit Vorfahren aus Deutschland, der sich Recht und Schlecht mit Unterricht und Gelegenheitsarbeiten durchs Leben schlägt, immer zu wenig Geld in der Börse, … .

    Mittlerweile sind wir in Mendoza, wo wir uns wieder mit Renate und Bart getroffen haben – treue Leser wissen, wer die beiden sind. Aber darüber schreibe ich mehr im nächsten Artikel.

    Danke fürs Lesen, Jürgen

  • Lamas kreuzten seinen Weg

    Lamas kreuzten seinen Weg

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    Die Überschrift würde sich hervorragend als Buchtitel eignen. 🙂
    Der letzte Beitrag ist schon eine Weile her. Anfang Dezember habe ich eine Erkältung eingefangen, die ich eine Weile mitgeschleppt habe. Das kalte Wetter hat auch nicht unbedingt zur vollständigen Genesung beigetragen. Da hatte ich ganz einfach nicht viel Lust zu schreiben oder großartig etwas zu unternehmen. Mittlerweile geht es mir wieder gut und ich bin schon weit im Süden in El Calafate angekommen. Aber der Reihe nach.

    30.11. – 02.12.

    Noch in Valdivia in Chile.
    Christian, ein Gast aus Uruguay im Hostel, wollte die letzte Nacht mit dem Bus nach Argentinien weiterreisen. Er ist aber spät abends wieder ins Hostel zurück gekommen. Es geht kein Bus mehr. Anscheinend streiken die Zollbeamten, es dürfte tagsüber aber einen Notbetrieb geben. Ich versuche es und fahre am Morgen Richtung Argentinien los, im schlimmsten Fall muss ich umkehren.
    Die Befürchtungen sind unbegründet. An der Grenze ist wenig los, die Aus- und Einreise dauert nicht sehr lange.
    Bald hinter der chilenischen Grenze ändert sich die Landschaft drastisch. Ein weiterer Landstrich ist grau und düster. Die Bäume sind tot und die Landschaft ist mit Schotter bedeckt. Das Ergebnis von Vulkanausbrüchen? Ich kann es nicht rausfinden.

    Die nächsten 2 Tage bin ich in Bariloche. Landschaftlich sieht es aus wie in der Schweiz. Die Architektur in Bariloche ist eindeutig aus diesem Teil Europas geprägt. Auch die Schokolade haben sie mitgebracht. Auf der Hauptmeile von Bariloche findet sich alle paar Meter ein Geschäft, das die Süßigkeit in allen Formen anbietet. Schokoladepaste, Schokoladeriegel, Schokoladefiguren, Schokoladekonfitüre, Schokoladeeis, Schokoladebier, selbst einige Häuser sind aus Schokolade. Die Eigentümer haben alle Hände voll zu tun, um die Kinder fern zu halten, die mit gierigen Blicken um die Häuser schleichen. Am Ortsrand gibt es auch ein Schokolademuseum.

    Ich nutze die Gelegenheit, um mich körperlich mal wieder etwas zu betätigen. War schon lange nicht der Fall. Ungefähr 25 km von Bariloche in der Nähe von Llao Llao gibt es mehrere Wanderwege durch den Wald.
    Die Kronen der hohen Bäume schwanken laut knarzend meterweit im starken Wind hin und her. Ich muss zugeben, das ist ein wenig beängstigend. Entlang des Weges liegen viele abgebrochene Äste und Bäume. Wär‘ doch blöd gerade hier von einem fallenden Ast erschlagen zu werden. Ich sehe zu, dass ich weiter komme.

    03.12.-04.12.

    Die Fenster im Zimmer im Hostel waren nicht ganz dicht. Es hat ganze Zeit gezogen. Heute morgen fühle ich mich nicht so gut. Eine Erkältung ist im Anmarsch. Bei „kuscheligen“ 5 Grad C mache ich mich trotzdem auf den Weg.
    Auf der berühmten Ruta 40 fahre ich gegen Süden. Anfangs noch durch die „Alpen“. Langsam wird die Landschaft karg und die Berge werden zu sanften Hügeln. Der Wind nimmt an Stärke zu. Gegen die Böen, die mich hier manchmal durchrütteln, war der Wind in der Atacama ein Mailüfterl. Mit allen Mitteln versuche ich, die Kälte und den Wind davon abzuhalten, durch meine Kleidung zu kriechen. Mit Klettbändern mache ich meine Ärmel dicht.

    Mit leichtem Fieber komme ich in Esquel an. Ich treffe noch auf Hadas, ein Mädchen aus Israel, das den ganzen Süden rauf und runter getrampt ist. Mit ihr unterhalte ich mich eine Weile und lasse mir ein paar Tipps geben. Danach hole ich bloß noch ein Medikament aus der Apotheke, etwas Nahrung aus dem Supermarkt und verschwinde ins Bett.

    Am nächsten Tag bleibe ich weitgehend im Bett. Dann sehe ich mir die Route bis nach El Chaltén nochmal an. Die nächste Etappe wäre ca. 550 km, die übernächste knapp 600km. 550 km hatte ich in der Atacama schon hinter mir. Aber da waren die Bedingungen bei weitem besser als hier. Bei diesen Temperaturen sind, zumindest für mich, 300km das Maximum am Tag.

    05.12.

    Das leichte Fieber habe ich zurückgedrängt. Ich entscheide mich, wie geplant weiter zu fahren. Heute ist es etwas angenehmer. Der Wind ist nicht so stark, die Sonne scheint bei einem wolkenlosen Himmel.
    Die Flora ist karg, braun mit grünen Büschen und vertrocknetem Gras, die Fauna ist jedoch sehr lebhaft. Sehr viele Lamas auf der ganzen Strecke, Schafe, Kühe, Wildpferde und eine Straußenart. Manchmal stehen sie auf oder nahe der Straße, flüchten aber, wenn ich mich nähere.
    Pertio Moreno ist bloß eine Zwischenstation im weiten Nichts. Wieder eine dieser Inseln umgeben von Land.

    06.12.

    Auf dem Weg nach El Chaltén geht es irgendwann ab auf eine Schotterpiste, die es in sich hat. Die Spuren sind ausgefahren. Zwischen den Spuren hat sich der lose Schotter gesammelt, manchmal ist die Piste fest, oft findet sich nur tiefer loser Schotter. Der Wind weht von der Seite. Verbissen versucht man das Motorrad bei höherer Geschwindigkeit in der 30 cm breiten Spur zu halten. Gerät man doch mal in den losen Untergrund, schlingert man gefährlich dahin. Der Adrenalinspiegel schießt hoch. Geschwindigkeit reduzieren und versuchen, auf die feste Spur zu gelangen.
    Irgendwo mittendrin treffe ich auf Judie und Steve, ein etwas älteres Pärchen aus den USA. Sie sind seit ungefähr 8 Monaten mit einer Harley unterwegs – mit einer Harley auf dieser Strecke. Ich folge ihnen, da ich nicht sicher bin, ob mein Sprit bis zur nächsten Tankstelle reicht, sie haben noch einen Kanister dabei. Laut knatternd fahren sie vor mir her. Steve erzählt später: „Ich bin mit dem Motorrad auf Straßen gewesen, wo ich nicht hätte fahren sollen.“ Vieles ist kaputt gegangen, aber kleinere Sachen kann er selbst reparieren.
    150 km geht es so dahin. Eine anstrengende Fahrt, aber es hat Spaß gemacht. Die neue asphaltierte Straße ist bereits im Bau, nur darf man auf der noch nicht fahren. Die Abenteuer werden immer weniger. Nach und Nach wird alles zugepflastert.

    El Chaltén ist ein kleines Dorf am Fuße des Mount Fitzroy. Besteht bloß aus Unterkünften, Restaurants, Souvenir- und anderen Geschäften mit allem, was der Trekker und Bergsteiger so benötigt. Von 1 bis 3 Tagestouren rund um den Mount Fitzroy und dem Gletscher ist hier alles zu haben.

    Die Nähe zur Antarktis macht sich immer mehr bemerkbar. Die Berge sind nicht hoch 1.000m bis 2.500m ein paar Ausreisser über 3.000m. Schneebedeckt sind sie alle. Gletscher winden sich bis tief in das Tal hinab.
    Hier unten im Süden bleibt es auch sehr lange hell. Finster wird es erst gegen halb 11 Uhr abends.

    07.12.

    Ich bleibe weitgehend schlafend im Hostel. Meine Erkältung ist noch nicht weg. Für einen 20 km Marsch zum Gletscher und zurück fühle ich mich nicht fit genug.

    08.12. – 11.12.

    Eine kurze Fahrt nach El Calafate, kurz heißt etwa 200 km oder 3 Stunden. Geplant habe ich nicht viel, ich möchte meine Erkältung auskurieren. El Chaltén liegt landschaftlich schöner eingebettet, El Calafate ist aber etwas größer und hat eine bessere Infrastruktur. Ich verbringe die Tage im Hostel meistens vor dem Fernseher. Das hilft, um Husten und Schnupfen weitgehend loszuwerden. Der Besuch von Gletschern und dergleichen muss etwas warten.

    Unterdessen erreicht mich eine schlechte Nachricht von Andi. Die Auswirkungen des Streiks der Zollbeamten in Chile machen sich bemerkbar. Andis Motorrad steckt noch immer in Valparaiso fest. Ihr könnt euch vielleicht erinnern. Vor über drei Wochen habe ich das Schiff aus Europa einlaufen sehen. Das Motorrad kommt voraussichtlich mit einer Woche Verspätung in Punta Arenas an. Das wirft die Organisation etwas durcheinander.

    Danke fürs Lesen, Jürgen.