Kategorie: nachher

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    Lebenszeichen

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    5 1/2 Monate sind seit der Rückkehr von meiner großen Reise vergangen. 5 1/2 Monate, in denen sich viel getan hat.

    Wieder zu Hause musste ich bemerken, dass sich im Großen und Ganzen nicht viel verändert hat. Doch .. da waren schon ein paar Dinge. Freunde sind schwanger geworden, haben Kinder bekommen, haben sich getrennt oder neue Partner gefunden. Aber das große Gefüge ist gleich geblieben.
    Als ich gleich nach meiner Rückkehr meine Ex-Kollegen in der Firma besucht habe, ist es mir vorgekommen, als wäre ich nur eine Woche weg gewesen. Ein paar Mitarbeiter sind gegangen, neue sind gekommen. Aber dieses kulturelle Gefüge hat sich nicht verändert. Ich war sofort wieder assimiliert.

    Nun bin ich seit 1 1/2 Monaten wieder zurück .. an meinem alten Arbeitsplatz .. gleiche Firma, gleiche Position, gleicher Schreibtisch, gleiche Arbeit .. mehr Geld 😉
    Wieder in der alten Umgebung machen sich auch all die anderen Dinge bemerkbar, die sich nicht verändert haben. Da läuft die etwas skurrile Frau mit ihrem schwarzen zerzausten Terrier durch die Gegend, mit dem sie dauernd spricht. Die zwei alten Herren, die sich fast jeden Tag in der Früh einen Kaffee aus dem Automaten vom Supermarkt geholt haben. Den Supermarkt gibt es nicht mehr. Der wurde schon vor einiger Zeit woanders neu gebaut. Jetzt müssen sie ein Stück weiter gehen. Und all die anderen Kleinigkeiten.
    So ganz der Gegensatz diese Beständigkeit, im Vergleich zu mir, der ständig in Bewegung war.

    So habe ich mich wieder eingefügt in ein „normales“ Leben, oder in das, was von der Masse als Normal verstanden wird. Ich bezeichne es mehr als „Wahnsinn“.

    Es hat gut 8 Wochen gedauert, bis meine Verletzungen verheilt waren. Leichte Schäden sind geblieben und werden wohl auch bleiben. Meine linke Schulter ist um etwa 3-4 cm kürzer, weil sich die Knochen des Schlüsselbeins überlagern. Schönheitswettbewerb werde ich wohl keinen mehr gewinnen. 😉 Auch bei meinem rechten Daumen, werde ich wohl nicht mehr die volle Kraft erreichen. Aber ich muss ja auch nur auf die Computer Tastatur hauen und solange ich am Gasgriff drehen kann, ist das kein Problem.

    Nachdem meine Schulter verheilt war, habe ich einen Scooter gekauft, damit ich wieder mobil bin. Als meine Freunde gehört haben, dass ich schon wieder ein motorisiertes 2-Rad habe, waren sie der Meinung, dass meine Lernkurve ziemlich flach ist.

    Ich war in Berlin. Zweimal. Das erste Mal für ein paar Tage, um meine Freunde Esra und Paul zu besuchen und Jamie, ihre Freundin kennenzulernen, die für ein Jahr in Berlin gelebt hat.

    Das zweite Mal, als ich mit meinem Scooter nach Holland gefahren bin, um Renate und Bart zu besuchen. Ich war für 12 Tage unterwegs. Habe, mit mehreren Zwischenstopps in Regensburg, Hannover, Frankfurt, zuerst Kerstin in Berlin besucht und bin dann weiter zu Renate und Bart, mit denen ich ein paar Tage verbracht habe.

    In Berlin habe ich alle Schlüssel in meinen Heckkoffer gesperrt, der vom Schlüsseldienst geöffnet werden musste. Auf der Weiterfahrt habe ich 100 EUR für ein, aus meiner Sicht, Bagatellvergehen gezahlt, weil mir ein Spezialfall der Straßenverkehrsordnung nicht bekannt war. In einem der Hotels habe ich Chuck Norris getroffen. Da war doch tatsächlich ein junger Kanadier, der Chuck Norris wie aus dem Gesicht geschnitten war. Mann, hast du mal mit deiner Mutter gesprochen?

    Eines der Hostels war nahe dem Bahnhof und die Gegend nicht sehr vertrauenserweckend. Vom Zimmer im zweiten Stock aus konnte man beobachten, wie die Prostituierten irgendwelche Drogen einwarfen. „Chuck Norris“ kam damit nicht ganz zurecht.
    Es war ein neues Erlebnis, mit einem Scooter etwa 3.500 km auf Reise zu gehen. So kann ich auch das von meiner Liste streichen.

    Für die nächsten Jahre werde ich wohl keine langen Fernreisen machen. Ich habe ein Grundstück gekauft, mit einem sehr alten Haus darauf, dass ich bald wegreißen möchte. Ich habe 4 1/2 Jahre in Eisenstadt gewohnt. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, dass ich mich in dieser Gegend sehr wohl fühle.

    Zurück von meiner Reise habe ich dann überlegt, wie es in meinem Leben weitergeht. Eine Weile habe ich überlegt, einen Job in Wien zu suchen und wieder dorthin zu ziehen. Aber mir war schnell klar, dass ich das nicht will. Und dann war da dieses Angebot, ein Grundstück in Großhöflein (gleich neben Eisenstadt), ein Stück weiter oben, am Hang des Leithagebirges .. ich habe zugegriffen. Es gibt viel zu tun .. sehr viel.

    Hin und wieder schreibe ich eine Mail oder eine Nachricht an den einen oder anderen, die ich auf der Reise getroffen habe. Ich muss zugeben, viel zu wenig. Unterwegs habe ich sehr viel mehr kommuniziert. An einige Personen habe ich seit langem nicht mehr geschrieben. Viel zu sehr hat mich das Leben hier wieder in Anspruch genommen .. die Arbeit, mein Grundstück, meine Pläne, einen festen Wohnsitz zu schaffen. An vielen Tagen bin ich vom Aufstehen bis ins Bett gehen beschäftigt, um alles auf die Reihe zu kriegen. Aber auch das wird sich wieder legen.

    Ich verfolge die Reisen der anderen. Einige der Personen, die ich getroffen habe sind noch immer unterwegs, oder schon wieder Faizal, Mike, Eli , … ich beneide sie.

    Mein Motorrad ist auch wieder nach Hause gekommen. Wenn ich daran denke, mit welchem Aufwand und mit welchen Kosten das ganze verbunden war, wäre es besser gewesen, ich hätte es in Peru gelassen.

    Der Re-Import meines Motorrades war weit mühsamer, als manches, was ich unterwegs an Grenzübertritten erlebt habe. Ich wollte doch nur mein eigenes Motorrad zurück haben!
    Transportdokumente, Reisepass, Fahrzeugpapiere, Führerschein und der Verweis auf meinen Blog, wo ja jede Menge Fotos zu finden sind, haben nicht gereicht, um zu beweisen, dass es sich um mein Motorrad handelt.
    Das wäre doch viel zu einfach. Es war ein zähes Hin und Her, mit nicht enden wollenden e-mails. Ich musste mir selbst eine Proforma-Rechnung mit dem Fahrzeugwert ausstellen – GERING, das Motorrad ist ja kaputt – und am Ende hat der Zoll verlangt, dass ich alle verfügbaren Dokumente über die Reise sende. Ich dachte bloß nur mehr: Verarschen die mich jetzt oder was ist los?

    Ich habe knapp 40 Seiten an Grenzübertritt Dokumenten, Rechnungen von Services usw eingescannt. Die Logik hat sich mir nicht ganz erschlossen.
    Vielleicht waren sie beim Zoll einfach nur zu faul, um sich vom Schreibtisch zu erheben und einen Blick in die Transportkiste zu werfen.

    Angekommen ist ein Haufen Eisen, tot und blutleer. Vor dem Transport mussten alle Flüssigkeiten abgelassen werden, so wurde es jeden Lebens beraubt. Und es war verdreckt. Staub, von den Schotterpisten Patagoniens, der in jede noch so kleine Ritze gekrochen ist. Manchmal hart wie Beton und kaum wegzukriegen. Ich habe begonnen das Motorrad zu reinigen, schraube alles ab was geht und schrubbe manchmal mit einer Zahnbürste.
    Viele Stunden habe ich bereits damit verbracht. Die Emotionen sind zurück gekommen. Der Haufen Eisen beginnt sich wieder zu verändern. Es ist wieder Mein Motorrad und es wird wieder fahren .. bereit sein für neue Abenteuer.

    Jürgen.

  • Fortsetzung folgt …

    Fortsetzung folgt …

    Natürlich tut es mir leid, dass ich meine Reise abbrechen musste. Trotzdem war ich 8 1/2 Monate unterwegs – eine lange Zeit. Wie gerne hätte ich es nach Alaska und zurück zur Ostküste Kanadas geschafft. Vieles ist noch auf dem Plan gestanden.

    Aber ich sehe den Unfall und meine plötzliche Heimkehr nicht als Ende meiner Reise(n), sondern nur als Unterbrechung. Und irgendwann werde ich die Tour zu Ende bringen. Denn nach einer Reise, ist vor der nächsten. 🙂
    Mittlerweile habe ich schon eine Menge Länder besucht. Ich war alleine unterwegs oder mit Freunden, mit dem Rucksack, mit dem Koffer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto, gemietet oder gekauft. Aber diese Tour hat sich komplett von dem unterschieden, was ich bisher gemacht habe.

    Es war eine ganz neue Erfahrung. Ich war den Naturgewalten ausgesetzt, wie kaum zuvor und ich bin der Bevölkerung sehr nahe gekommen. Ich habe mehr erlebt, als ich mir je hätte vorstellen können. Ich habe ein Hilfsbereitschaft erfahren, die bei uns nicht mehr selbstverständlich ist. Ich habe viele viele Leute getroffen und neue Freunde gefunden. Ich bin durch Landschaften gefahren, an denen ich mich nicht satt sehen konnte.
    Es war ganz und gar nicht eine All-Inklusive Kreuzfahrt, sehr oft war es eine große Herausforderung. Es war ein riesiges Abenteuer – und bestimmt nicht das letzte. Aber besonders die Begegnungen mit anderen Leuten haben meine Reise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis gemacht.

    Danke für eine wunderbare Zeit an

    Esra und Paul, meine lieben langjährigen Freunde in Montreal, die mir ein lustiges Wochenende im Freizeitpark und mit Picknick geschenkt haben.

    Tino, die Quasselstrippe 😉 aus Deutschland in Austin. Es war ein lustiger Abend.

    Tino

    Renate und Bart mit denen ich in Honduras und Nicaragua unvergessliche Erlebnisse mit (korrupter) Polizei hatte. Wir haben uns in Bogota und, mit Andi, in Mendoza wieder getroffen. Es war nicht das letzte Mal.

    – Tobias, der Rübezahl 😉 aus Deutschland, den ich in Panama im Hostel getroffen habe. Leider haben wir uns in Argentinien nur knapp verpasst. Seine KTM macht hoffentlich keine Schwierigkeiten mehr.

    Tobias

    – die wundervolle Carolina in Bogota, mit der ich eine nette Zeit verbracht habe und die mir vieles über das Leben in Bogota erzählt hat … und wir waren in einem Cafe, wo es Krapfen gegeben hat.

    Carolina

    Lauren, Adrian aus Australien. Ich habe sie „nur“ am Flughafen in Bogota getroffen, als wir unsere Motorräder abgeholt haben. Wir waren ständig in mail-Kontakt, sind aber leider nicht mehr zusammengekommen, immer 2, 3 Tage auseinander.

    – Maurico, Laura, Joaquin und Santiago nahe Talca. Sie haben mich nach einer Panne mit meiner Batterie aufgenommen, haben mir zu essen und Unterkunft gegeben. Ein Erlebnis, das mir ganz besonders in Erinnerung bleibt.

    Mauricio, Laura, Joaquin, Santiago

    Judy und Steve, ein wunderbares Paar. Ich habe die beiden mehrmals, unter anderem auch mit Andi, in Patagonien getroffen. Sie waren mit ihrer Harley unterwegs. Unsere Fahrten waren mit Pannen und Anstrengung geprägt, aber sie werden unvergesslich bleiben. Ich bereue keine Sekunde, die ich mit euch unterwegs war.

    Judy and Steve

    – meinen lieben Freund Andi. Mit ihm habe ich wahrlich 2 1/2 abenteuerliche Monate in Chile, Argentinien und Bolivien erlebt.

    Rosi und Alf, zwei unbeschreiblich nette Leute. Andi und ich haben die beiden das erste Mal in Ushuaia getroffen, danach zufällig an der Carretera Austral, mit einer überaus rauen Fahrt auf dem Lago Buenos Aires zu den Marble Caves. Wir waren dann drei Tage zusammen unterwegs. Zuletzt sind wir uns zufällig in Cusco über den Weg gelaufen.

    Kerstin, Alf und Rosi

    – Hitch und Lee, die „verrückten“ Neuseeländer, die Andi und ich das erste Mal in Punta Arenas getroffen haben, und mit denen wir den Jahreswechsel in El Calafate ausgelassen gefeiert haben.

    Hitch und Lee

    – Steve Harpt, „Crazy Steve“, aus Botswana. Andi und ich haben ihn auf der Fähre von Porvenier nach Punta Arenas kennen gelernt. Dann ist er zufällig bei Andis erster Reifenpanne vorbeigekommen. Wir haben uns noch mehrmals getroffen. Steve, wir sehen uns in Botswana, oder irgendwo anders, wieder.

    Ollie, Steve, Ich

    – Marisol, Maria und all die anderen im Hostel in San Rafael – leider kann ich mich nicht mehr an all eure Namen erinnern. Danke, dass ihr mir „Truco“ beigebracht habe. Es war einer der lustigsten Abende auf meiner Reise.

    San Rafael 1
    San Rafael 2

    – Eli, den Poker Spieler aus den Staaten, der bereits ein sehr abwechslungsreiches Leben hinter sich hat. Es war ein besonders guter Tag in Bariloche.

    Eli

    – Steve Knight, der in der Nähe Vancouvers auf einer Insel lebt, Mike, der bei der US Army zuletzt in Alaska stationiert war und Taylor, aus Seattle. Mit ihnen waren Andi und ich auf dem Lake Uyuni und einige Tage in Bolivien und Chile unterwegs. Lake Uyuni bleibt unvergesslich, ebenso Taylors Sturz auf dem Weg nach Chile.

    – Günther aus Österreich, den ich nur kurz getroffen habe. Er war bei der Reparatur meines kaputten Kühlers äußerst hilfreich und hat mir immer wieder gute Tips gegeben.
    – Günthers Freunde Marco und Silvia, zwei äußerst nette Personen, die mir bei meiner Kühler Sache ebenfalls sehr hilfreich waren und die mich in Santiago herzlich aufgenommen haben.

    – Peter, aus Deutschland, mit dem ich einige nette Abende in Bars verbracht habe. Wir sind noch immer uneins darüber, wer schuld am zu vielen Alkohol war. 🙂 Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

    Peter

    Ein spezieller Dank geht an die Leute, die mir nach meinen Unfall geholfen haben.
    – an Humberto, im 511 Lima Hostel
    – an Bart und Faizal, die mir den Kontakt zu Harald gegeben haben. Harald war äußerst hilfreich, hat mir das Abholen des Motorrades von der Polizei und den Transport nach Hause organisiert.

    Harald, Me, Faizal

    – ganz besonders danke ich Kerstin. Sie ist am Tag nach meinem Unfall an meiner Seite geblieben und hat mich mit ihrer fröhlichen Art immer wieder zum Lachen gebracht – was mir Aufgrund meiner gebrochenen und geprellten Rippen nicht immer gut getan hat. 😉

    Kerstin

    Vielen Dank auch an all die anderen Personen, die ich unterwegs getroffen habe, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann oder die ich nie erfahren habe – es waren so viele Leute und Orte, mit denen ich nur ein paar Minuten, Stunden oder einen lustigen Abend oder Tage im Hostel, in Pubs oder Bars verbracht habe, mit denen ich Party gefeiert und gelacht habe … .

    Vielen Dank auch an meine Leser, die mich die Reise über begleitet haben. Ihr habt meinem Blog ein Leben verleiht.

    Nun denn, somit schließe ich diese Reise ab.
    Die nächste ist bereits im Kopf.

    Fortsetzung folgt …

    Jürgen.