Russland
26.07
Von Aqtau überquere ich die Grenze nach Orenburg …

27.07 / 28.07
.. fahre weiter nach Samara, dass an der Wolga liegt …
29.07 / 30.07 / 31.07
… über Pensa nach ..
01.08

… Tambow und ..
02.08
… Woronesch
Wie ich Quellen aus dem Internet entnehme, gehörten all diese Städte zum Festungsgürtel im südlichen Teil des damaligen russischen Reiches um die Tataren abzuwehren.
Die Städte haben Flair. Samara liegt an der Wolga, hat Sandstrände und so wie auch die anderen Städte architektonisch und kulturell jede Menge zu bieten. In Samara befindet sich der „Stalinbunker“, der als Ausweichhauptquartier dienen sollte, falls Moskau erobert worden wäre.
Der Bunker wurde 1942 geheim gegraben, nie in Anspruch genommmen und erst 1990 der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Leider hat dieses Museum nicht geöffnet, dafür besuche ich andere.

Dieser Tage ist eine Kaltwetter Front über die Gegend gezogen. Bei Temperaturen zwischen 8 und 15 Grad, Regen und Wind macht das Fahren nicht viel Spaß. Zum Teil verbringe ich Regentage abwartend im Hostel oder Hotel.
Die Gegend durch die ich fahre ist übersät mit Sonnenblumenfeldern, oft sind Erdgas Förderfelder zu erblicken.
Wie ihr bemerkt, fasse ich mich ziemlich kurz. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber ich bin etwas müde, reisemüde. Nach so vielen Kilometern und Eindrücken ist mein Hirn voll. Meine Abreise liegt gefühlt sehr, sehr weit zurück. Ich freue mich auch wieder auf das nach Hause kommen.
Von Wien zur ukrainischen Grenze sind es weniger Kilometer als in die Schweiz.
Als jemand, der nur wenige Kilometer vom eisernen Vorhang geboren ist, bin auch ich in meiner Kindheit dadurch geprägt worden. Der Westen das sind „wir“, mit dem besseren Leben und im Osten, das sind „die anderen“ sozial schlechter gestellten.
Mir ist aufgefallen, dass diese gedankliche Grenze oder Barriere – Ost und West – vor allem bei Österreichern und Deutschen noch immer sehr verankert ist.
Mich würde gerne interessieren, wie über den Westen berichtet wird. Z.B. waren da vor kurzem Proteste in Moskau.
Es ging darum, dass Oppositionspolitiker nicht zu einer Wahl zugelassen wurden. Daraufhin gingen so ca. 3.000 Menschen auf die Straße, um zu demonstrieren. Über 1.000 Personen wurden verhaftet.
In den österreichischen Medien habe ich gelesen, dass darüber nicht in den russischen Medien berichtet wurde.
Ich habe jedoch eine Sendung gesehen, wo die Demonstration sehr wohl thematisiert wurde. Die Sendung kam mir jedoch nicht wie eine objektive Darstellung der Ereignisse vor. Oft wurden Bilder aus der USA und $ Geldscheine eingeblendet, ebenso geheime Videoaufnahmen von Politikern. Ich frage mich, ob hier die Wahrheit berichtet wurde, oder Verschwörungstheorien gestreut wurden.
Ukraine
03.08 / 04.08 Charkiev
05.08 Kiev
06.08 Rzesow
07.08 nach Hause
Die letzten 2.000 km von Charkiev nach Hause sind bloß noch fahren und schlafen. Der Grenzübertritt aus der Ukraine in die EU dauert 4 Stunden und da dränge ich mich noch vor. Ich dachte es ist einfacher „nach Hause zu kommen“.
Die letzten 8 Wochen waren wieder ein großes Abenteuer. Mein Horizont hat sich wieder sehr erweitert, mein Weltbild wurde ein Stück mehr berichtigt, Klischees und Vorstellungen wurden durch reale Erlebnisse abgebaut.
Ich habe wieder sehr viele interessante Leute kennengelernt, Strapazen durchgemacht und hatte fantastische Begebenheiten. Es war eine große Herausforderung für Mensch und Material.
Mittlerweile bin ich seit ein paar Tagen zu Hause. Ich habe mich wieder eingelebt, und war auch nicht untätig. Mein Motorrad ist wieder sauber. Tagelang habe ich geputzt. Ersatzteile sind bestellt und unterwegs, zum Teil bereits angekommen und ausgetauscht. Ich konnte auch Teile von meinem ersten Motorrad verwenden.

Mein Kühler leckt irgendwo. Dieses Problem kann ich erst untersuchen, wenn ich das Motorrad wieder zusammengesetzt habe.
Meine Reise und meinen Bericht möchte ich mit einer Geschickte abschließen, die nicht nur mich sondern auch andere zum Nachdenken brachte.
Es war in Dushanbe im Hostel, wo Personen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammengesessen sind. Da war ein britisches Paar, das mit dem Auto unterwegs war. Sie hatten Probleme mit dem Auto. Irgendein Teil war kaputt und sie konnten nicht weiter fahren. Ein Einheimischer hat sich an sie gewendet. Jedoch konnten sie nicht russisch und die andere Person kein Wort englisch.
So hat sich die Frau mit Händen und Füßen gewehrt. „Bitte gehen Sie, lassen sie uns in Ruhe! Was wollen Sie von uns? Gehen Sie weg! …“
Nach einiger Zeit hat sich jemand gefunden, der englisch gesprochen hat und übersetzen konnte.
Was der Einheimische gesagt hat war: „Ich bin Mechaniker, ich kann euch helfen. Das hier ist sind meine Frau und meine Kinder. Wir wohnen nicht weit von hier, wir können das Auto zu mir bringen. Ihr könnt bei uns übernachten und wir wollen kein Geld.“
Wir waren uns einig, dass wir alle zuerst dasselbe gedacht hätten: Was willst du von mir?
Unser erster Gedanke ist nicht, dass uns jemand Hilfe und Unterstützung anbietet sondern, dass jemand etwas von uns möchte.
Ist es nicht traurig, dass sich unsere Gesellschaft in eine Richtung entwickelt, in der man zuerst „schlecht“ von anderen Menschen denkt?
Noch zu erwähnen, dass sich die britische Dame sehr geschämt hat.








