Kategorie: Kasachstan

  • Kasachstan – endlose Straßen

    Kasachstan – endlose Straßen

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    18.07 / 19.07 / 20.07

    Ich überquere die Grenze zu Kasachstan.

    In Almaty verbringe ich 3 Nächte und lasse das Motoröl wechseln. Bei der Werkstatt treffe ich wieder auf die beiden Engländer Tim und irgendwer. Ich habe die zwei in Chorugh in Tadschikistan auf der Straße abgefangen. An gewissen Punkten kommen alle zusammen. Wie z.B. an den wenigen Motorradwerkstätten in der Gegend.

    Almaty ist im Zentrum eine grüne Stadt. Sie ist von Parks und Straßen durchzogen, die von hohen Bäumen eingerahmt sind. So kann man trotz der Hitze ständig im Schatten spazieren. Am frühen Nachmittag, wenn sich die Luft ordentlich aufgeheizt hat, ist es trotzdem unerträglich. Selbst die Einheimischen klagen. Der Klimawandel, betrifft eben nicht nur Europa.

    In Almaty könnte man gut ein paar Tage verbringen und auch kulturelles Angebot in Anspruch nehmen, wie z.B. in das Theater gehen. Ich tue das nicht, sondern ruhe mich etwas aus, für meine Etappe nach Hause.

    Ich treffe auf einen Deutschen, dessen Wurzeln in Kasachstan liegen. Er erklärt mir ein wenig über die Geschichte Kasachstans. Bevor die Russen die Länder annektiert haben, war nur ein geringer Teil der Bevölkerung wirklich sesshaft. So viel wie die Russen in diesem Land an der Natur kaputt gemacht haben (z.B. Aral See), haben sie aber auch Bildung in das Land gebracht.

    Astana heißt bzw. hieß übersetzt einfach nur Hauptstadt. Die Stadt wurde ja erst vor kurzer Zeit in Nur-Sultan umbenannt. Der nächste Machthaber wird den Namen der Stadt wohl wieder ändern.

    Die Hauptstadt in den Norden zu setzen, war eine strategische Entscheidung. Gesellschaftlich gab es in Kasachstan ein Klan oder Kasten-System.  Ich bekomme erzählt, das dieses System noch immer etwas verwurzelt ist. Aber auf meiner kurzen Reise, gewinne ich leider nicht derartig tiefe Einblicke, um das beobachten zu können. Die besser gestellte Gesellschaft lebt(e) im Süden, im Norden lebt(e) die sozial etwas untere Schicht. Um das politische Gleichgewicht und den Frieden aufrecht zu halten, hat der Norden die Hauptstadt bekommen.

    21.07 / 22.07 / 23.07 / 24.07 / 25.07

    Ich fahre auf der Autobahn. Taras, Türkistan, Qysylorda, Aral, Aqtobe sind meine Stationen.

    Kasachstan ist auf der südlichen und westlichen Seite weit, sehr weit und gelb (Kasachstan ist auch sonst sehr weit). Getreidefelder oder Steppe mit verdorrtem Gras prägen die Landschaft. Es ist flach. Bis auf wenige Hügel gibt es keine Erhebungen.

    Die Strecke ist endlos. Irgendwo am Horizont endet die Straße an einem Hügel. Hat man diesen erreicht, geht das ganze von vorne los. Immer und immer und immer wieder.

    Von Almaty bis Aqtobe sind es 2200 km. Das ist ungefähr die gleiche Distanz wie von Wien nach Madrid. Zwischen Wien und Madrid liegt jedoch eine ganze Menge. In Kasachstan sind es eine Handvoll Städte. Diese laden auch nicht unbedingt zum Verweilen und flanieren ein. Es sind bloß Zwischenstopps auf dem Weg zu einem Ziel. Tourismus gibt es hier keinen.

    So bietet sich auch nicht immer die Gelegenheit in einem Hostel abzusteigen, wo man verschiedene Leute trifft. Ab und zu sitzt man auch mal irgendwo in einer Randzone einer Stadt in einem schäbigen Hotelzimmer glotzt in den Fernseher und versucht die Zeit zu überbrücken.

    Da es nicht viel aufregendes zu erzählen gibt, ein paar andere Sachen, die ich so mitgenommen habe auf der Reise.

    Es tut mir unheimlich leid, dass ich kein russisch spreche. Mit Englisch kommt man auch nicht allzu weit. Es hätte hunderte Sachen gegeben, die mich interessiert hätten. Sich verständigen zu können, öffnet viele Türen.

    Schon in Usbekistan habe ich das Geheimnis gelüftet, warum es nur die Automarken Chevrolet, Lada und Daewoo gibt. Diese Unternehmen haben Fabriken im Land. Ein Import aus dem Ausland würde zusätzlich 100% Import Steuer bedeuten.

    Ich habe von zwei, drei Einheimischen erfahren, dass die aktuelle Regierung sehr viel tut, um das Land voranzubringen.

    In Usbekistan gibt es mit Xiva, Samarkand, Buxoro, Nukus und ein paar anderen Orten entlang der Seidenstraße Tourismus auf Basis von jahrhundertalter Geschichte.

    In Kirgisistan und Tadschikistan ist es vor allem der Wander- und Trecking Tourismus und der Pamir Highway.

    Auch habe viele, viele Radfahrer getroffen. Ich hatte mir erwartet, dass ich viel mehr Motorradfahrer sehe. Aber ich glaube viele kommen in der etwas kühleren Zeit im Juni oder September.

    Die Sommermonate sind hier Neben-Saison, weil es viel zu heiß ist. Meist beginnt das Leben so ab 20 Uhr. Viele Lokale öffnen erst ab dieser Uhrzeit. Erkennbar daran, dass der Holzkohlegrill für Schaschlik angeheizt wird.

    Die Parks sind dann mit Familien gefüllt. In fast jedem Park gibt es ein Angebot für Kinder. Schaukel, Tretauto fahren, Ringelspiel und vieles mehr. In den größeren Städten, in den größeren Parks gibt es immer so etwas wie einen Mini-Vergnügungspark mit Schießbuden, Pferdereiten und anderem üppigen Angebot.

    Das Essen habe ich in der Regel als deftig empfunden. Diese Meinung teile ich auch mit anderen Reisenden.

    Ich bin hier nicht in teuren Lokalen eingekehrt. Deshalb kann ich nicht wirklich beurteilen, wie variantenreich das Essen ist. Es gibt Suppen auf verschiedenste Arten mit Gemüse und Fleischeinlage. Schaschlik ist das Gericht, das es überall gibt. Es ist auch am einfachsten zu bestellen. In den billigen Restaurant oder der Straßenküche oft auch mit ordentlich Fettanteil und knorpelig. In gehoberen Lokalen gibt es das zartere, bessere Fleisch.

    Laqhman ist die andere sehr weit verbreitete Speise in Zentralasien, bestehend aus Fleisch, Gemüse und speziell zubereiteten Nudeln.

    Smartphones sind auch hier weit verbreitet und auch hier glotzen die meisten ständig drauf. Und auch hier sind die jugendlichen von dieser Krankheit befallen, ständig Selfis machen zu müssen.

    In den ländlichen Gegenden ist das Leben zuweilen noch sehr sehr einfach. Oft ist es auch dem geringen Interesse der Regierung geschuldet, dass dort nicht investiert wird.

    Die Polizei, vor allem die Verkehrspolizei ist ziemlich überpräsent und straft auch ordentlich. Einmal war ich zu schnell dran, aber da habe ich den Polizisten der im Schatten gestanden ist zu spät erkannt, als er die rote Keule geschwungen hat und bin einfach vorbei gerauscht. Ansonsten habe ich mich brav an die Verkehrsregeln gehalten oder hatte Glück, oder wurde von entgegenkommenden Fahrzeugen gewarnt.

    Mit Behörden hat man im Regelfall, sofern man nicht straffällig wird, keine Probleme. Da es sich in diesen Ländern, ich sage mal, um Halbdiktaturen handelt, gehen andere Reisende und ich davon aus, nach außen hin ein möglichst positives Bild abzugeben.

    Die ständige Aufmerksamkeit, die einem Zuteil wird, kann einem auch auf die Nerven gehen. Ich weiß, der 50gste der mich am Tag freundlich grüßt und wissen möchte, woher ich bin, der weiß ja nicht, dass mich davor schon zig andere gefragt haben. Natürlich bleibe ich freundlich.

    Manchmal auf der Autobahn, da fährt jemand eine Zeitlang neben dir her und dann gucken sie. Ab und zu hupen sie dann, und möchten die Aufmerksamkeit. Zuweilen, habe ich das ignoriert. Dann wird so lange gehupt, bis ich endlich auf die Seite gucke. Dann wird gegrüßt oder Daumen hoch gegeben und das war’s dann.

    Somit verlasse ich auch Kasachstan und reise wieder nach Russland ein.

  • Durch die Wüste

    Durch die Wüste

    Fotos

    21.06

    Ab nach Kasachstan. Zur Grenze sind es bloß 50-60km.

    An der Grenze treffe ich auf Orhan und seinen Sohn Halit aus der Türkei. Die beiden sind für 3-4 Wochen mit ihren Motorrädern unterwegs, um den Pamir Highway zu bereisen.

    Die Ausreise aus Russland und Einreise nach Kasachstan geht ziemlich rasch und ohne Probleme. Vor allem auf der kasachischen Seite sind die Grenzbeamten äußerst freundlich.

    Gleich hinter der Grenze laufen eine Handvoll Frauen auf uns zu. Geld wechseln.

    Ganzen Tag stehen sie draußen in der Sonne, um Geschäft zu machen. Sie sind von oben bis unten, in möglichst heller Kleidung gehüllt, haben Handschuhe an und Sonnenbrillen auf. Kein einziger Flecken Haut ist zu sehen. Es ist zwar illegal, aber die einzige Möglichkeit mal an etwas Geld zu kommen, wenn man viele, viele Kilometer vom nächsten Bankomaten oder der nächsten Bank entfernt ist. Der Kurs ist denkbar schlecht. Ich versuche zu handeln, die Frauen lassen sich aber nicht, von ihrem Kurs abbringen – Marge, Black-Market.

    Danach besorgen wir uns eine KFZ Versicherung in einer Bude gleich hinter der Grenze, machen noch eine kurze Pause an einem Imbissstand und fahren dann gemeinsam weiter.

    Die Straße bis nach Atyrau ist äußerst mies. Es dauert Stunden bis wir am Abend ankommen.

    22.06

    Bis in die nächste Stadt sind es knapp 450km. Ich gehe davon aus, dass die Straßenverhältnisse nicht besser sind, was heißt, ungefähr 10h-11h unterwegs zu sein. Nach 8 Tagen und knapp 4.000km möchte ich mir das nicht unbedingt antun. Das Hostel ist nett, es ist nicht viel los, WiFi verfügbar. Deshalb heute Ruhetag.

    Aber von Ruhetag kann keine Rede sein.

    Sightseeing, Siesta, Route planen, Fotos ordnen und sichern, alle elektronischen Geräte laden, bei meinem Blog Vorbereitungen für zukünftige Berichte treffen.

    Ich besuche auch eine Waschstraße, um den Insektenfriedhof auf meinem Motorrad zu beseitigen und überprüfe, ob noch alle Schrauben fest sitzen.

    An (Wild-)Campen habe ich bis jetzt noch keinen Gedanken verschwendet. Ich bin froh wenn ich abends ein Hostel oder Hotel finde, wo ich nach einem heißen Tag raus aus den Klamotten und eine kalte Dusche nehmen kann. Und wo es auch eine Klimaanlage im Zimmer gibt.

    Das heißt, meine Gaskartuschen und Kocher und den Instantkaffee schleppe ich im Moment nutzlos mit mir rum. Vielleicht dann in Tadschikistan und Kirgistan, in den Bergen, wo die Temperaturen hoffentlich etwas kühler sind.

    Die Polizei soll in Kasachstan sehr streng sein, was Tempolimits betrifft. Die Polizeiautos haben Radaranlagen auf den Dächern der Autos montiert, die aussehen wie Raketenwerfer.

    23.06

    Atyrau – Beineu

    Heute war es unerträglich. Irgendwo habe ich mal 46Grad C angeschrieben gesehen. Ich habe bei meiner Motorradjacke alle Zips geöffnet, damit der Fahrtwind etwas durchziehen kann. Das wirkt wie ein Segel und bläht die Jacke ziemlich auf. Ich sehe ein wenig aus wie ein Ballon. Manchmal weht ein extrem starker Wind von der Seite, der mich fast vom Motorrad hebt. Der kleine freie Spalt an meinen Händen, zwischen Handschuh und Jackenärmel ist ständig der Sonne ausgesetzt. Ich darf vor dem losfahren nicht vergessen, Sonnencreme aufzutragen.

    Wenn ich am Nachmittag/Abend vom Motorrad steige, sind alle Gegenstände sehr warm, das Wasser ist warm, die Kleidung in den Koffern und den Taschen, elektronische Geräte, Sonnencreme und andere Flüssigkeiten. Einfach alles.

    Die Straßen sind oft eine Katastrophe, zwischendurch funkelnagelneu. Aber die ganze Strecke entlang in der Ukraine, in Russland in Kasachstan, jetzt Usbekistan – es wird an Straßen gebaut. Unglaublich viel. Ist es die neue Seidenstraße, die bereits im entstehen ist?

    Die Gegend ist extrem trostlos. Mehr sandige, als steinige Wüste. Sehr niedrige Vegetation, kniehohe Sträucher sind weit verteilt. Bäume gibt es keine. Kein Schatten unter dem man Zuflucht suchen kann. Bloß ein Haufen Kamele, die hier frei rumlaufen. Viele haben einen Strick um den Hals oder ein Band. Müssen also jemand gehören.

    Beineu war bestimmt eine dieser Karawanenstädte. Die Häuserblöcke sind weit verteilt. Der warme Wind weht den Sand durch die Straßen. Ich erinnere daran, dass ich das kyrillische Alphabet nicht lesen kann. Alle Fenster sind zu und mit Karton oder dergleichen verdeckt, um die Hitze draußen zu halten. Ich bin auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Die verschlossenen, verdeckten Fenster lassen es nicht zu nach innen zu blicken, um zu sehen, ob es sich um ein Lebensmittelgeschäft handelt.

    Ich laufe kreuz und quer durch die Straßen und gucke, ob ich irgendwo Leute mit Einkaufstüten rumlaufen sehe. Letztendlich finde ich dann doch den großen Markt, wo es dann alles zu kaufen gibt.

    24.06

    Und wieder eine lange Tour vor mir. Ich gehe mal von so 11h aus. 540km und ein Grenzübergang. Heute reise ich nach Usbekistan ein.

    Ich habe schon am Vorabend mein Motorrad bis an den Rand mit Benzin befüllt.

    In Usbekistan sind Tankstellen mit Benzin sehr rar, weil die Fahrzeuge mit LPG fahren. Es gibt einige wenige Tankstellen im Land für Benzin, vorwiegend in den größeren Städten. Ansonsten bedient man sich auf dem Schwarzmarkt. Sieht man jemandem mit dem Moped rumfahren, zeigt man einfach, dass man Benzin benötigt und wird im Idealfall irgendwo hingeführt, wo man Benzin in meist schlechter Qualität aus dem Kanister erhält.

    Heute gibt es eine App für alles, so auch für Überlandreisende (iOverlander). In dieser App, tragen Personen nützliche Informationen für andere Reisende ein. Tankstellen, Übernachtungsmöglichkeiten, Geldwechselstuben, Mechaniker, … und für Usbekistan auch, wo es Schwarzmarkt Benzin oder Diesel gibt.

    Mein Motorrad ist mit 3,5 bis 4l auf 100km recht genügsam. Bei einem 17l Tank geht sich das heute trotzdem nicht aus. Ich habe einen faltbaren Wasser-Camping-Kanister bei mir, welcher 5l fasst und den ich für Reservebenzin missbrauchen möchte. Die ist zwar nicht dafür gedacht, aber für den Notfall muss es reichen. Benzin hat die Eigenschaft zu verdunsten. Wer schon mal einen Benzinkanister in der Sonne stehen hat lassen, wird merken, dass sich die Dinger sehr aufblähen. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob ich den Wasserkanister dafür verwenden soll, weil ich Angst habe, dass es ihn bei der Hitze durch den Druck zerreißt.

    Ich fahre heute schon vor 7 Uhr los. Die letzte Tankstelle, vor der Grenze hat noch geschlossen, somit erübrigt sich meine Idee. Jetzt kann ich eigentlich nur hoffen, dass es an den in der App angegebenen Positionen tatsächlich Benzin gibt, sonst sieht es schlecht aus.

    Zur Usbekischen Grenze ist es nicht weit. Dort heißt es erst mal warten. Der Wind weht den Sand durch die Gegend, so ist bald alles mit einer feinen Staubschicht bedeckt und es knirscht zwischen den Zähnen.

    Die Jungen Grenzbeamten sind sehr freundlich. Einer versucht mich zu überreden, dass er eine Runde mit dem Motorrad drehen darf. Drauf sitzen ist ok, aber fahren lasse ich ihn nicht. Auch die eine oder andere rumstehende Person möchte und darf mal Platz auf dem Motorrad nehmen.

    Die Leute sind schon seit Kasachstan sehr freundlich und offen. Viele kommen auf mich zu, möchten ein paar Worte tratschen. Eh immer das übliche, woher, wohin, mit Händen und Füßen, manche sprechen ein par Brocken Englisch. Aus den Autos raus wird mir oft zugewunken.

    Das Prozedere für den Grenzübertritt ist hier äußerst mühsam, zig mal wird der Pass kontrolliert, von A nach B nach C laufen. Sehr ähnlich zu Zentralamerika. Mal abgesehen von den mühsamen bürokratischen Hürden, möchte ich nochmal erwähnen, dass auch die Grenzbeamten sehr freundlich und interessiert sind. Und ich muss betonen, dass wir Touristen eine bevorzugte Behandlung erhalten haben und zuerst bedient wurden. Mit „wir“ meine ich, das deutsche Paar, welches ich an der Grenze getroffen habe, und die mit einem Offroad Camper unterwegs sind. Ich weiß nicht wie lange es gedauert hat, 2 – 2/1h und ich kann endlich weiter.

    Hinter der Grenze werde ich sofort von einer Menge Geldwechsel-Damen umringt, jede hält mir Geld unter die Nase. Der offizielle Kurs ist 1 zu ca. 9500. Ich wechsle 100 USD und man drückt mir dickes Bündel Scheine in die Hand. Plötzlich laufen alle auseinander, deuten mir zu folgen, weil zwei Grenzbeamte dahergekommen sind. Danach drücken sie mir noch ein Bündel Geld in die Hand. Ich weiß nicht wieviel ich erhalten habe und ob ich beschissen wurde. Unmöglich das sofort nachzuzählen. Im Hostel versuche ich hochzurechnen. Es war ein denkbar schlechter Wechsel-Kurs 1:7000 oder dergleichen.

    Meine Empfehlung, an der Grenze gerade mal 20-30EUR oder $ wechseln, damit man in die nächste Stadt kommt und dann zur Bank und dort wechseln.

    Von der Grenze weg nach Nukus sind es noch über 400km. Dazwischen, zwei, drei Dörfer und eine Raststätte.

    Die Spatzen sitzen hier dauernd auf der Straße rum oder fliegen niedrig durch die Gegend. Wie ich später merke, ist mir einer ins Rad und ich habe ihn mit den Speichen geschreddert. Zwei oder drei mehr, erwische ich so noch.

    Zwischendurch kommt mir ein Motorradfahrer entgegen, wir machen Halt und wechseln ein paar Worte. Er ist aus Spanien, hat sein Motorrad nach Zentral Asien verschifft und ist jetzt auf dem Rückweg. Vollbepackt bis oben hin. Was mache Leute alles mitnehmen. Ich denke was Gepäck betrifft, bin ich schon ziemlich gut unterwegs.

    Ich nähere mich besagter Stelle, an der es Benzin geben soll. Es ist ein Bahnübergang. Es sitzt bloß ein Junge da, kaum älter als 10 Jahre. Ich halte an und frage ihn wo es Benzin gibt. Er deutet auf sich, bei Ihm. Da nähert sich schon ein älterer Bursche mit einem Motorrad, der war aber auch nicht älter als 15. Ich frage, Wieviel? 9000 SOM, ca. 90 Cent, das doppelte vom üblichen Preis. Aber wenn man nur die Auswahl hat, überteuertes Benzin zu kaufen oder hier draußen am Straßenrand zu verrecken, handelt man nicht viel. 5l sollten reichen, um mich bis ans Ziel zu bringen.

    Bei einem anderen Reisenden habe ich mal gelesen, manchmal bringt dich 1l Benzin weiter, als 1l Wasser. Wie wahr.

    Aber ich lerne zu schätzen, wie kostbar, und lebensnotwendig dieses Gut Wasser ist, über dass wir uns in Österreich, in dem es im Überfluss vorhanden ist, keine Gedanken machen müssen.

    Irgendwann, sehe ich wie jemand vom Straßenrand her hinter einem Busch hervorwinkt und ein bepacktes Fahrrad auf dem Boden liegen. Ich halte an. Es sind Lena und Ollie, ein junges Pärchen, die mit dem Fahrrad nach Hause fahren, nach Deutschland soweit ich mich erinnere. Sie haben unter einem der wenigen größeren Büsche im Schatten Schutz vor der gleißenden Sonne gesucht.

    Mein erste Frage war: Was zum Teufel mach ihr hier draußen? Schon mit dem Motorrad ist es eine Qual und die beiden müssen da mit dem Fahrrad durch. Wir unterhalten uns ein paar Minuten, bevor ich die beiden wieder ihrem Schicksal überlasse.

    Ich komme endlich in Nukus an. Der erste Weg führt zur Tankstelle. 1 Liter Benzin hatte ich noch im Tank. Genug für vielleicht noch 30-35km. Eine Punktlandung. 🙂

    Nachdem ich im Hostel eingecheckt und mich sauber gemacht habe, suche ich das nächste Lebensmittelgeschäft. Das ist immer das Erste was ich mache. Ein Lebensmittelgeschäft suchen, um die Wasservorräte aufzufüllen.

    Als ich die Straße entlang laufe, sehe ich aus dem Augenwinkel einen Zapfhahn. Lt. Quelle sind in Usbekistan 89% Muslime, deshalb dachte ich, dass Alkohol spärlich verfügbar ist. Die Russen haben ihre Spuren hinterlassen. Ich kehre sofort ein. Es handelt sich um eine kleine Bude. Vielleicht 4 x 4 Meter. An der hinteren Wand, ein Getränkekühlschrank gefüllt mit Bierflaschen, eine Tür in einen weiteren Raum, ein Regal voll mit unterschiedlichen Vodka Marken.

    Im Raum, ein weiterer Getränkekühlschrank, 2 kleine Tische, 3 Stühle und 4 Personen.

    Die Personen sind am diskutieren und etwas verdutzt, als ich raschen Schrittes in den Raum trete. Ich deute nur auf eine der kühle Bierflaschen, die vor einer der Personen auf dem Tisch steht. Sowas will ich auch.

    Ahh, tut das gut!

    Die Scheu verschwindet schnell, einer der Personen spricht ein paar Brocken Englisch und schon sind wir im „Gespräch“.

    Unter anderem erwähnt er, dass das mit dem ausgetrocknetem Aralsee eine Tragödie ist und dass es mühsam ist mit dem Tourismus, weil die Regierung immer wissen will, wer sich wo im Land befindet. Die offiziellen Hotels müssen eine Registrierung durchführen. Ist man individuell unterwegs, z.B. mit dem Camper, muss man sich als Tourist alle 3 Tage über eine Online Plattform melden.

    Und dass ich unbedingt das Kunstmuseum besuchen muss. Das werde ich dann morgen machen.