Am zweiten Tag hatte ich zwischen Turin und Grenoble einen Off-Road Track, die Assietta Kammstraße, geplant.
In Susa, dem Ort an dem man auf den Track abbiegt, treffe ich an einer Tankstelle auf zwei Österreicher, die ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs sind. Wir plaudern ein wenig. Als ein Konvoi von Geländewagen an mir vorbeifährt, die ausgestattet sind, als würden sie tagelang die Zivilisation verlassen, folge ich ihnen. Ich dachte, die fahren sicher auch da hoch – und hatte recht. Vorerst ging es noch recht kurvig eine schmale, asphaltierte Straße lang. Ich habe den Konvoi überholt, weil die da mit ihren Autos doch ziemlich langsam waren.

Mit zunehmender Höhe wurde es kälter, bis ich bei ca. 2000m in der Wolkendecke verschwand. Nach ein paar Kilometern hat dann auch der asphaltierte Weg aufgehört und ging in die Schotterstraße über. Der Blick hat 10m – 15m gereicht und wegen des schmelzenden Schnees, der noch in großen Massen rum lag, war der Weg sehr oft schlammig. Unterwegs habe ich noch 3 Fahrradfahrer überholt und mir gedacht: „Sieht so aus, als wäre ich nicht der einzige Depp, der bei diesem Wetter hier unterwegs ist.“
Ab und zu musste ich ein paar matschige Schneefelder überqueren. Bei einem dieser Felder haben auch die neuen Stollenreifen nicht mehr geholfen und ich habe mich in der ausgefahrenen Spur eingegraben. Ich dachte mein Leben nicht, dass ich mit dem Motorrad mal im Schnee stecken bleibe.
Was nun? In Panik verfallen? Nein, mittlerweile passiert das nicht mehr so schnell. Ich muss sogar zugeben, ich war nicht sehr bemüht das Motorrad alleine aus der misslichen Lage zu befreien.

Üblicherweise passiert so etwas in der Wüste bei tiefem Sand. In einem derartigen Fall legt man das Motorrad um, zieht es etwas auf die Seite, wenn möglich auf festeren Untergrund, stellt es wieder auf und fährt weiter.
Aber: „Meine neuen Koffer beim Umlegen verbeulen? Nein! Die Koffer abnehmen .. und dann das Motorrad durch den Dreck ziehen? Nein .. Ich mach erstmal Fotos. Hinter mir sind 3 Radfahrer und ein Konvoi mit Geländewagen. Die helfen mir schon.“ Ich bin gerade mit Foto machen fertig, kommt schon einer der Radfahrer daher. Sein Name ist Keith, er ist aus Kanada. Während er das Motorrad vorne am Lenker hält, damit es nicht umfällt, hebe ich den Hinterreifen auf festen Untergrund. Wir plaudern danach noch ein wenig.
Nach wenigen Kilometern ist dann trotzdem Schluss. Die Straße ist unumgänglich mit Schnee versperrt. Etwas enttäuscht mache ich mal kurz Pause, ich bin ja noch nicht mal am Ausgangspunkt der geplanten Strecke. Die Sicht beträgt weiterhin nur wenige Meter. Durch den Nebel höre ich, wie sich der Konvoi mit den Geländewagen nähert. Ich schalte die Warnblinker an, damit man mich rechtzeitig wahrnimmt – der Weg ist ziemlich schmal und die Sicht, wie schon erwähnt, äußerst schlecht.

Die Leute steigen aus ihren Wagen und begutachten, ebenfalls etwas enttäuscht, die Situation. Währenddessen mache ich mich schon auf den Rückweg.
Ich treffe erneut auf Keith und später die beiden anderen Radfahrer und erkläre ihnen, wie es weiter oben aussieht. Alle drei entscheiden sich weiter zu fahren. Mit den Rädern ist es vielleicht möglich die Schneefelder zu umgehen, aber wer weiß was dahinter noch wartet. Weiter unten treffe ich dann noch zwei Schweizer mit ihren dicken, fetten Bikes, die, nachdem ich ihnen die Fotos gezeigt habe, nicht lange überlegen und auch gleich umdrehen.
Ich meine, wäre es zu viel verlangt am Anfang der Straße ein Schild hinzustellen, welches in verschiedenen Sprachen anzeigt, dass die Straße noch gesperrt ist?
So wie dieses hier .. am Anfang der Straße. 🙂
Worüber ich dann doch lachen musste, dass keiner der ca. 15 Personen, in den 6 Geländewagen, die so ausgesehen haben, als würden sie auf Safari in den afrikanischen Busch gehen, das Schild gelesen hat.
Ich hoffe die bereiten sich besser vor, wenn sie extremere Touren unternehmen.