Anfang Oktober 2015 waren 3 Freund und ich für 2 1/2 Wochen auf einer Tour durch Marokko.
Marokko, war ein neues Land auf meiner Liste. Es war KEIN Kulturtrip .. wir waren dort, um Motorrad zu fahren und wenn ging – Off-Road. Es war wieder mal ein großartiges Abenteuer mit einer fantastischen Gruppe. Ich hoffe ich kann euch ein wenig vom Alltag entführen und im Nachhinein auf diese Reise mitnehmen.

Die Teilnehmer (von links nach rechts):
Mein guter Freund Andi, den eifrige Leser schon von Südamerika kennen.
Ludwig (Wickerl) der Transporter und Guide. Zum sechsten Mal in Marokko, braucht kein Navi, kennt die Gegend auswendig und hat feine Strecken und Plätze im Gepäck.
Meine Wenigkeit, Jürgen.
Und ganz rechts Martin, ein guter Freund und Arbeitskollege von Andi.
Wer, NACH dem Lesen ;-), Lust aufs Mitfahren bekommt, besucht Ludwig und Andi auf http://moto2adv.com/, wo sie diese und andere Touren anbieten.
Mi. 14.10.
Da sich die Reise dem Ende nähert, müssen wir auch wieder mal zurück. Die Fahrt von Marrakesch nach Khenifra auf der N8 ist ziemlich öde. Solch elend lange Strecken, wo es viele km nur geradeaus geht, hatte ich das letzte Mal in Südamerika.
Später am Tag befinden wir uns wieder in einer komplett anderen Welt. Wir sind in den Zedernwäldern nahe Khenifra. Die riesigen Bäume mit ihren herabhängenden Ästen stehen da wie stumme Giganten. Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne nähert sich dem Horizont, es ist kalt und ruhig. Nur das Geräusch unserer Motoren zerreißt die Stille. Manchmal scheint es, als würden wir durch einen verwunschenen Märchenwald fahren.
Mitten im Wald kennt Ludwig aus früheren Besuchen einen Platz zum Campen. Die Feuerstelle, abgedeckt mit großen Steinen, finden wir genauso vor, wie sie vor einem halben Jahr verlassen wurde. Auch das gesammelte Holz liegt noch da.

Fürs Feuer ist das Zedernholz jedoch nichts, es verbrennt ziemlich schnell, auch die Glut gibt nur wenig Hitze ab und hält sich nicht sehr lange. Ständig muss nachgelegt werden. Als wir bereits einen großen Haufen Holz gesammelt hatten, bin ich der Meinung: Das reicht schon, das können wir nie verheizen. Es war nicht genug.
Mitten in der Nacht weckt mich Andi, der, wie Ludwig, neben dem Feuer liegt, aus dem Schlaf, und ich höre ihn, wie er weiteres Holz heranschleift.
Martin und ich haben unser Zelt aufgeschlagen. Es ist hier bitterkalt. Die Temperatur geht in der Nacht nicht über 5-10 Grad hinaus. Mein Schlafsack ist bloß für Außentemperaturen bis ca. 15 Grad gemacht. Ich friere trotz Socken an den Füßen. Dass ich auch eine lange Unterhose in meinem Gepäck hätte und ein Paar dicker Socken, daran denke ich leider nicht.
Do. 15.10.
Morgens braten wir in den Zedernwäldern am Lagerfeuer noch Würstchen zum Frühstück, und .. Simsalabim .. ein paar Stunden und ein paar hundert Kilometer später sind wir in Chefchaouen. Hin und wieder müssen eben auch Kilometer gemacht werden. Zwischendurch kommen wir noch durch Ifrane. Als wäre man mit einem Schlag wieder in Europa. Häuser mit Giebeldächern. Scheint sehr berühmt zu sein. Hier machen auch Könige aus anderen arabischen Ländern Urlaub.
Chefchaouen, das weit unten in einem Tal beginnt, schmiegt sich sanft an einen Berghang. Ganz oben, mit einem hervorragenden Ausblick, befindet sich auch der Campingplatz. In die Duschkabinen führt jeweils nur eine Wasserleitung und aus der kommt bloß kaltes Wasser.
Es ist schon dunkel, als wir die Stiegen hinab ins Zentrum suchen und mangels Licht versuchen, nicht zu stolpern.
Ein letztes Mal besuchen wir eines der einfachen einheimischen Restaurants und versuchen in einem Mischmasch aus drei verschiedenen Sprachen und mit Händen und Füßen Essen zu bestellen. Immer wieder ein Erlebnis. Es wird Chicken mit Pommes.
Chefchaouen und auch der Souk sind so ganz anders als Marrakesch. Marrakesch, groß, laut, Ströme von Menschen, die durch die Gassen fließen. Chefchaouen hat einen ganz eigenen Flair. Ruhig, relaxed. In den (Souvenir)Geschäften kann man sich Zeit lassen, es ist nicht so aufdringlich und man wird beraten.
Die Farbe Blau dominiert. Die Häuser sind im Erdgeschoss in etwas dunklerem blau und nach oben hin meist in einem sehr hellen blau gestrichen.
Auf der Dachterrasse eines Restaurants mit einem herrlichen Ausblick auf den Hauptplatz versüßen wir uns den Abschied von Marokko mit einer großen Portion Mousse au Chocolat.
Fr. 16.10.
Von Chefchaouen nach Tanger Med sind es bloß 100 km oder ca. 2 Stunden. Man sollte meinen, dass dies stressfrei zu bewältigen sei, um rechtzeitig auf die Fähre zu gelangen – die in unserem Fall und um genau zu sein, laut Plan um 12 Uhr abfährt.
Wir verlassen Chefchaouen auch tatsächlich mit einem reichlichen Zeitpuffer, den wir aber in Tetouan, ungefähr 35 Kilometer vor dem Hafen, in einem Café wieder großzügig verspielen.
Auch der marokkanische König hat sich angekündigt, auf der Straße Richtung Tanger Med wird gerade alle 100 bis 200 Meter ein Polizist oder Soldat abgestellt.

Wir lassen uns Zeit .. zu viel Zeit. Eine halbe Stunde vor dem Ablegen der Fähre erreichen wir die Grenzkontrollen. Vielleicht doch etwas zu wenig, um die ganzen Formalitäten zu erledigen. Das Ziel ist zum Greifen nah. Bis zur Fähre, die bereits im Hafen liegt, sind es vielleicht noch einen, maximal ein-einhalb Kilometer. Wir müssen einen gelben Zettel ausfüllen, Zoll und Passkontrolle über uns ergehen lassen. Die Zeit läuft .. und sie läuft davon. 15 Minuten vor dem Ablegen der Fähre. Ich bin zuerst fertig und kann sogar noch meine übrig gebliebenen Dirham wechseln, bevor die anderen formell abgefertigt sind. Ich rufe ihnen zu: “Ich fahre schon mal runter und halte wenn notwendig die Fähre auf.” Etwas weiter, werde ich erneut gestoppt. Röntgenkontrolle. “Oh Mann!” Noch 10 Minuten bis zum Ablegen.
Die Röntgenkontrolle sieht so aus. Es gibt eine Rampe, auf der ca. fünf Autos Platz haben. Ist die Rampe voll fährt ein LKW vorbei, an dessen Seite ein großes Gestell montiert ist, mit welchem die Fahrzeuge von links und rechts gescannt werden. Auch als meine Kumpels angerollt kommen, ist die Rampe noch nicht voll. Noch 6 Minuten übrig. Endlich kommt ein Fahrzeug daher. Wir werden geröntgt, dürfen dann aber noch nicht weiterfahren, da zuerst die Bilder ausgewertet werden müssen. Wir sind leicht nervös. Das geht sich doch nie aus. Unsere nächste Fähre geht erst in sechs Stunden. Sechs Stunden hier direkt im Hafengelände warten? Hier gibt es nicht mal ein Café.
3 Minuten übrig. Wir werden endlich weiter gewunken. Bis zur Anlegestelle sind es noch ein paar hundert Meter, wir geben Gas.
Zum Glück ist Verlass auf die Fähren, sie sind immer etwas verspätet und die Heckrampe ist noch unten.
Sa. 17.10.
Die Nacht in den Zedernwäldern hat mir nicht so gut getan und ich habe mir eine Erkältung eingefangen. Ich versuche sie soweit wie möglich mit Medikamenten zu unterdrücken. Andi und ich machen noch eine kleine Tour. Wir fahren etwas hoch in die Berge. Auch in Andalusien merkt man, dass die Hochsaison vorbei ist. Das Wetter ist herbstlich, der Großteil der Bäume beginnt die bunten Blätter im kalten Wind abzuwerfen. Bloß unten an der Küste hat die Sonne noch die Obrigkeit. Aber auch dort ziehen über dem Meer dunkle schwere Regenwolken auf, die später am Abend die ganze Gegend überdecken.
Gesundheitlich geht es mir immer schlechter. Nachts schlafe ich auf dem Rücksitz eines Unfallautos, das ebenfalls auf dem Parkplatz abgestellt und nicht versperrt ist.
So. 18.10.
Mein Fieber plagt mich heute schon sehr. Die gestrige Ausfahrt war doch keine so gute Idee. Dick eingepackt in Kleidung sitze ich nur im Gefängnis rum.
Am frühen Nachmittag packen wir die Motorräder und unsere Sachen in den LKW. Abends fahren wir, auf der Suche nach einem offenen Restaurant, etwas durch die Gegend. Fehlanzeige. Sonntags haben hier in den Außenbezirken bloß die Kaffeehäuser offen. Auf Süßigkeiten haben wir jedoch keine Lust. Irgendwo kriegen wir dann doch noch, im Mikrowellenherd aufgewärmte, Tapas. Mir geht es mittlerweile ziemlich mies und ich ziehe vor, die Nacht in einem nahe gelegenen Hotel zu verbringen.
Mo. 19.10.
Ende der Reise. Kurz vor 5 Uhr läutet das Telefon auf meinem Zimmer. Die Rezeption teilt mir mit, dass das Taxi wartet.
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