2015 Marokko

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Anfang Oktober 2015 waren 3 Freund und ich für 2 1/2 Wochen auf einer Tour durch Marokko.

Marokko, war ein neues Land auf meiner Liste. Es war KEIN Kulturtrip .. wir waren dort, um Motorrad zu fahren und wenn ging – Off-Road. Es war wieder mal ein großartiges Abenteuer mit einer fantastischen Gruppe. Ich hoffe ich kann euch ein wenig vom Alltag entführen und im Nachhinein auf diese Reise mitnehmen.

Die Teilnehmer (von links nach rechts):

Mein guter Freund Andi, den eifrige Leser schon von Südamerika kennen.

Ludwig (Wickerl) der Transporter und Guide. Zum sechsten Mal in Marokko, braucht kein Navi, kennt die Gegend auswendig und hat feine Strecken und Plätze im Gepäck.

Meine Wenigkeit, Jürgen.

Und ganz rechts Martin, ein guter Freund und Arbeitskollege von Andi.

Wer, NACH dem Lesen ;-), Lust aufs Mitfahren bekommt, besucht Ludwig und Andi auf http://moto2adv.com/, wo sie diese und andere Touren anbieten.

Fr. 02.10.

Andi und Ludwig sind bereits vor ein paar Tagen mit dem LKW und den Motorrädern losgefahren.

Martin und ich lassen das kalte österreichische Wetter ebenfalls hinter uns und fliegen von Bratislava nach Malaga, Spanien, wo uns Ludwig vom Flughafen abholt.

 

 

Es ist früher Nachmittag und die Sonne scheint heiß vom wolkenlosen Himmel. Unser Lagerplatz ist ein Parkplatz, der mit hohen Betonwänden umrandet ist, unweit des Flughafens, in einem Industriegebiet. Ludwig nennt es „Das Gefängnis“ – sieht auch wirklich ein wenig so aus. Kaum angekommen, sind wir auch schon raus aus den Winterklamotten und rein in die kurzen Hosen. Tagsüber gibt es im Gefängnis Auslauf, nachts werden die Tore geschlossen. In das Zentrum von Malaga sind es ungefähr 10 km. In unmittelbarer Nähe ist bloß eine Tankstelle für kleine Notwendigkeiten. Auf dem Parkplatz kann man für einen Betrag von 50 EUR pro Monat oder 500 EUR pro Jahr  sein Fahrzeug abstellen. Wohnmobile, Wohnwagen, Boote und andere Fahrzeuge in allen Größen und aus vielen verschiedenen Ländern sind hier geparkt. Manche machen den Eindruck, als wären sie bereits vergessen.

Fügen Sie eine lange, schöne Geschichte über Ihr Unternehmen und seine Anfänge ein. Erzählen Sie von Ihren Teammitgliedern und schreiben Sie einen Artikel über den Gründer dieses Unternehmens. Fügen Sie Ihre eigenen Fotos ein, damit Kunden mehr über Sie erfahren und Ihnen vertrauen können. 

 

 

Wir bereiten unsere Motorräder vor und packen unsere Sachen. Am frühen Abend verlassen wir das Gelände für ein wenig Sightseeing an der Uferpromenade und zum Abendessen. Nachts werden Luftmatratze und Schlafsack zwischen den Fahrzeugen ausgerollt. Ein Zelt ist bei dieser Hitze nicht notwendig.

Für Unterhaltung sorgt der Wachhund, wobei Wachhund weit übertrieben ist. Ihr kennt sicher den Disney Film „Up“, mit dem alten Mann, der mit Ballons auf seinem Haus davonfliegt. In diesem Film kommt der Hund „Dug“ vor, “Dug the Dog”. Der Wachhund auf dem Parkplatz erinnert mich sofort an „Dug“ – liebenswert verrückt. Abends, wenn das Haupttor geschlossen ist, wird er von der Leine gelassen und ist sofort bei uns. Er sieht verträumt Flugzeugen hinterher, jagt Fliegen nach, liebt es, am Bauch gekrault zu werden oder sabbert schwanzwedelnd mit heraushängender Zunge, wenn wir etwas essen.

 

Sa. 03.10.

Wir befinden uns in der gleichen Zeitzone wie Wien, jedoch ca. 2½-tausend Kilometer weiter westlich. Sonnenaufgang ist deshalb erst zwischen 7:30 und 8 Uhr. Bis dahin herrscht Dunkelheit.

Unsere erste Etappe führt nach Ronda. Vor 17 Jahren war ich schon mal in Ronda. Wir machen Halt an der berühmten Brücke „Puente Nuevo“, gebaut für die Ewigkeit. An mir sind diese 17 Jahre leider nicht so spurlos vorübergegangen.

 

Nahe Algeciras kaufen wir Tickets für die Fähre nach Marokko. Es gibt verschiedene Strecken, um dorthin zu gelangen. Eine der kürzesten Verbindungen ist von Algeciras nach Tanger Med. Der Ticketverkauf scheint liberalisiert zu sein. Entlang der Autobahn buhlen viele Buden mit großen Schildern um Kunden. Es besteht die Möglichkeit zwischen unterschiedlichen Betreibern mit unterschiedlichen Abfahrtszeiten zu wählen. 6 Uhr? Viel zu früh! 8? Nein, auch noch zu früh! 11 Uhr? Das ist machbar.   

 

 

Das Nachtlager für heute, ein Campingplatz, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Urlaubsgäste befinden sich um diese Jahreszeit nicht mehr hier. Nur „Dauergäste“, in vom Wetter gezeichneten Wohnwagen, die, so scheint es, schon lange nicht mehr bewegt wurden.

Angeschlossen am Campingplatz findet sich, zu meiner Überraschung, ein wirklich nettes Restaurant .. mit Preisen, die mir die Tränen in die Augen steigen lassen. Muss wohl am nahen Golfplatz liegen und der dazugehörigen Siedlung für betuchte Leute.

Bis auf Martin, der sich im Zelt wohler fühlt, rollen wir wieder bloß unsere Unterlegmatten aus und schlafen erneut im Freien.

 

So. 04.10.

Durch das Hafengelände geht es zur Fähre. Zwei nicht definierbare Personen wollen uns bereits im Hafengelände aufhalten und unsere Tickets “kontrollieren”. Das kenne ich schon aus Mittelamerika. Wir ignorieren sie. Mit etwas Verspätung legt die Fähre nach Marokko ab. Die Reise auf See dauert nur kurz. Algeciras liegt gleich gegenüber von Gibraltar. So hat man von der Fähre aus einen hervorragenden Blick auf den Felsen. Habt ihr gewusst, dass der Fels von Gibraltar eine der Säulen des Herakles ist, auf dem das Himmelszelt ruht? Die andere Säule ist Monte Hacho auf der afrikanischen Seite. Sie haben das Ende der bekannten Welt gekennzeichnet. Knapp eine Stunde später sind wir auf dem afrikanischen Kontinent.

 

Es gibt eine kurze Verwirrung wegen der Registrierung der Fahrzeuge. Noch voriges Jahr war eine eigene Nummer notwendig. Wir fahren von A nach B nach A nach C. Auf Englisch, Spanisch und Französisch wird diskutiert. Niemand kennt sich aus, weder wir, noch die meisten der Grenzbeamten. Am Ende stellt sich heraus, dass das System vereinfacht wurde. Es ist keine eigene Nummer für das Fahrzeug notwendig. Bei der Passkontrolle erhält man eine Nummer, welche für alles gilt.

 

 

Entlang der Küste fahren wir, auf einer hervorragend kurvigen Strecke, nach El Jebha, unserem heutigen Ziel.  

Mein erster Eindruck von Marokko: nahe Tetouan, das im Nord-Osten liegt, sieht es aus wie an jedem anderen Massenferienort. Lange Strände, eine Hotelburg reiht sich an die andere, Palmenalleen, grüne Mittelstreifen, schicke Wohnblöcke, Cafés und Geschäfte und Autohäuser in Glaspalästen. Das habe ich bestimmt nicht erwartet.

El Jebha, knapp 200 Kilometer weiter, katapultiert mich jedoch in eine andere Welt. Die Stadt lebt von Handel und Fischerei, das “Zentrum” liegt nahe am Meer eingebettet zwischen Hügeln. Unser Hotel liegt direkt am Hauptplatz. Die Hitze des Tages vergeht und die Gassen und Caféhäuser sind voll. Frauen sind jedoch in verschwindend geringer Anzahl zu sehen. In der Öffentlichkeit rein von männlichen Personen umgeben zu sein, war etwas gewöhnungsbedürftig. Noch dazu, wenn man eine „Attraktion“ für die Einheimischen darstellt.

 

 

Hier möchte ich aber auch gleich die Vorstellung zerstreuen, dass Marokko ein konservatives islamisches Land ist, wo Frauen nur vermummt rumlaufen. Dem ist überhaupt nicht so. Die Spannweite ist groß. Meist sind es die Städte, wo die Mädchen und Frauen auch öfter in westlichem Stil gekleidet sind. In Marrakesch laufen Frauen auch stylisch in engen Jeans und Stiefeletten herum. In einer der Städte, in der dem Trubel nach wohl ein wichtiges Fußballmatch stattgefunden hat, taten Politessen in Uniform ihren Dienst.

 

Mercedes. Wohin man sieht, Mercedes. Gefühlt jedes 5 Auto ist ein Mercedes. Zu finden ist jedes Modell aus den letzten 40 Jahren. Ludwig erzählt, dass “die Chinesen” – Korrektur: es sind die Inder und nicht die Chinesen – eine Lizenz zum Bau von Motoren und Ersatzteilen haben.

Die alten Mercedes Kleintransporter werden als Taxis und Transporter für alles eingesetzt. Wenn drinnen nicht genug Platz ist, hängen die Leute draußen an der Seite oder hinten am Fahrzeug, oder sie sitzen auf dem Dach. Auf den engen kurvigen Bergstraßen schwanken die Fahrzeuge gefährlich durch die Gegend.

 

Nachdem wir eine Dusche genommen haben, sitzen Martin und ich draußen im Erdgeschoss vor dem Café des Hotels und trinken .. Kaffee. Andi und Ludwig sind noch in den Zimmern, als es einen lauten Wumms macht. Ein heftiges Geschrei, alle laufen durcheinander. Der Kellner beschwichtigt uns mit Gesten, dass alles O.K. ist.

Andi und Ludwig, die nachher zu uns stoßen, erzählen, so wie sie es aus den Zimmern mitbekommen haben, dass in der Hintergasse, in einem der Gebäude, eine Gasflasche explodiert ist und einen Türstock aus den Angeln gerissen hat. Zum Glück scheint nur eine Person leicht verletzt worden zu sein.

 

Mo. 05.10.

Durch das Rif Gebirge.

Jedem Land seine Gesellschaftsdroge. In den europäischen Ländern ist es weitgehend der Alkohol. Alkohol ist in Marokko öffentlich schwer zu bekommen. Ich gehe mal davon aus, dass in den Hotels für den Standard-Touristen Wein und Bier in großen Mengen ausgeschenkt wird. Kann ich jedoch nicht bestätigen, da wir nicht in solchen Etablissements verkehrt haben.

 

Bier, in ein oder zwei Sorten, gibt es in ausgewählten großen Supermärkten. Hier gibt es auch Käse aus Holland, Schokolade aus der Schweiz, Kekse aus Deutschland, französische Brötchen, und und und.  

Zurück zu den Drogen. Anstatt Alkohol ist es in Marokko Marihuana. Schon in El Jebha wurde öffentlich in den Kaffeehäusern ein Joint gedreht oder genüsslich an der Haschpfeife gezogen.  

Marihuana wird vorwiegend im Rif Gebirge angebaut, wo eine hohe Anzahl von Personen davon leben. Bis 1975 war der Anbau von Marihuana erlaubt. Seitdem bewegen sich die Bauern in einem mehr oder weniger erduldetem Graubereich. Sie werden oft dafür bestraft und müssen sich freikaufen.

 

 

In der karstigen Landschaft des Rif Gebirges haben es viele Pflanzen schwer zu gedeihen und zu wachsen. Marihuana erweist sich beim Anbau als wesentlich widerstandsfähiger und einfacher zu bewirtschaften als z.B. Getreide oder Olivenbäume. Deshalb ist es für die Leute oft die einzige Einkommensmöglichkeit.    

Wir wurden auch andauernd damit konfrontiert Marihuana oder Haschisch zu kaufen. Das passiert auf verschiedene Art und Weise. Nahe des Rif Gebirges wird man von vorbeifahrenden Autos an der Tankstelle angehupt und es wird lautstark gerufen, während mit einem vollen Säckchen aus dem Seitenfenster gewunken wird. In den belebten Städten wird subtiler vorgegangen und man wird erst nach einem kurzen Gespräch gefragt, ob man Haschisch möchte, oder einfach nur leise von der Seite mit „Haschisch?“ angesprochen.

 

Im Zuge meiner späteren Recherchen – im Internet – lerne ich auch, woher das Wort Kiffen kommt, Kif = Haschisch.

Ein Problem anderer Art ist, dass es in dieser Gegend mit Umweltschutz leider nicht weit her ist. Die Situation erinnert mich stark an Mittelamerika. Entlang den Straßen sind weite Landstriche einfach nur vermüllt. Dieser Umstand ist jedoch nur regional bedingt.

 

Wir campen in einem heruntergekommenen Park in einem Nationalpark nahe Taza. Die Betonbänke und Tische haben ihre beste Zeit bereits hinter sich. Unsere Schlafstätte müssen wir erst von Glasscherben und anderem Zeugs freimachen. Den Platz teilen wir uns mit ein paar Berbern, die gerade damit beschäftigt sind, Bäume aufzuforsten.